DER OPERNFREUND - 42.Jahrgang
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Fotos: Stephan Walzl

OTELLO

Erfreuliches aus einem kleinen Haus

Manchmal gelingt mit geringen Mitteln etwas ganz Großes. Im einheitlichen Bühnenbild von Martin Fischer, eine Kirche, mit abgeteilten Altarraum, Bänken zum Gebet.  Hier versammelt sich die Gemeinde zum Schutz vor Krieg und Sturm, hier wird gefeiert, hier werden Intrigen gesponnen und hier wird auch gemordet. Holger Schulze bleibt damit ganz dicht an der Verdi’schen Vorlage auch ohne aufwendige Bühnenbildwechsel. Seine Regie stellt sich ganz in den Dienst der Musik und der Handlung. Er deutelt nicht daran herum, sondern erzählt schlicht und ergreifend die üble Geschichte von Liebe, Hass, Neid und Eifersucht. Das er dabei ein vorzügliches Orchester unter der Leitung von  Eric Solén und ein grandioses Ensemble, das man in einem Haus dieser Größe nicht erwartet, aber in Altenburg/ Gera mittlerweile gewöhnt ist, zur Verfügung hat, trägt auch zum Erfolg bei.

Der spielfreudige, sehr motivierte Chor (Einstudierung Bernhard Ott) trät schwarz, die Herren Offiziere tragen Uniform, Emilia einen kühlen Hosenanzug, einzig Desdemona trägt etwas Luftiges, Sommerliches.

Die Kostüme von Erika Landertinger schaffen in der Atmosphäre des sakralen Raumes eine mediterrane Stimmung, die dem Stück entspricht.

Die Kirche ist in mediterranen Ländern oft Dreh- und Angelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens, bei Schulze wird zur Bühne für die einzelnen Charaktere der Oper. Otello, voll italienischem Schmelz, Ricardo Tamura, siegreicher General der Venezianer, ein Fremder in Diensten der Serenissima, hoch verehrt, aber noch nicht assimiliert, trotz seiner Vermählung mit Desdemona, der Tochter aus bestem Hause. Sara Eterno gibt dieser Desdemona einerseits jugendliche Verliebtheit, andererseits verleiht sie ihrer Rolle aber auch die Glaubwürdigkeit einer Landesmutter. Ihre Stimme zu lobe, hieße Eulen nach Athen tragen. Teruhiko Komori, gibt auf gewöhnt souveräne Weise den Jago. Ein von Neid und Hass Zerrissener, ein wildes Tier in Uniform, gefährlich wie ein Tiger auf der Jagd. Sein wohltönender Bariton erstrahlt in allen Farben, vom sanften Säuseln bis hin zu brutalen Ausbrüchen. Marie-Luise Dreßen steht als Emilia am Beginn ihrer Karriere, Yoonki Baek gibt den Cassio voll jugendlichen Charmes.

Von Höhepunkten in dieser Oper zu sprechen, wäre Unsinn, sie ist ein einziger Triumph. Gleich zu Beginn die Sturmschilderung im Orchester und im Chor gibt das Niveau dieser Oper an, das Esultate! von Ricardo Tamura steigert es noch, das blasphemische Glaubensbekenntnis Jagos durch Teruhilo Komori treibt einen Schauder auf dem Rücken, während der Griff zum Taschentuch bei Lied von der Weide und bei Desdemonas Gebet ja schon fast obligatorisch sind.

Fazit, ein mehr als höhrens- und sehenswerter Otello, trotz oder auch wegen dem  Einheitsbühnenbild, stimmige Situationen, die nicht in Lächerlichkeit abgleiten, weil Ensemble und Regie sie ernst nehmen. Gratulation an alle Beteiligten.

Alexander Hauer


 

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