OTELLO
Erfreuliches
aus einem kleinen Haus
Manchmal
gelingt mit geringen Mitteln etwas ganz Großes. Im einheitlichen Bühnenbild von
Martin Fischer, eine Kirche, mit
abgeteilten Altarraum, Bänken zum Gebet.
Hier versammelt sich die Gemeinde zum Schutz vor Krieg und Sturm, hier
wird gefeiert, hier werden Intrigen gesponnen und hier wird auch gemordet. Holger Schulze bleibt damit ganz dicht
an der Verdi’schen Vorlage auch ohne aufwendige Bühnenbildwechsel. Seine Regie
stellt sich ganz in den Dienst der Musik und der Handlung. Er deutelt nicht
daran herum, sondern erzählt schlicht und ergreifend die üble Geschichte von
Liebe, Hass, Neid und Eifersucht. Das er dabei ein vorzügliches Orchester unter
der Leitung von Eric Solén und ein grandioses Ensemble, das man in einem Haus
dieser Größe nicht erwartet, aber in Altenburg/ Gera mittlerweile gewöhnt ist,
zur Verfügung hat, trägt auch zum Erfolg bei.
Der
spielfreudige, sehr motivierte Chor (Einstudierung Bernhard Ott) trät schwarz, die Herren Offiziere tragen Uniform,
Emilia einen kühlen Hosenanzug, einzig Desdemona trägt etwas Luftiges,
Sommerliches.
Die
Kostüme von Erika Landertinger
schaffen in der Atmosphäre des sakralen Raumes eine mediterrane Stimmung, die
dem Stück entspricht.
Die Kirche
ist in mediterranen Ländern oft Dreh- und Angelpunkt des gemeinschaftlichen
Lebens, bei Schulze wird zur Bühne für die einzelnen Charaktere der Oper. Otello,
voll italienischem Schmelz, Ricardo
Tamura, siegreicher General der Venezianer, ein Fremder in Diensten der
Serenissima, hoch verehrt, aber noch nicht assimiliert, trotz seiner Vermählung
mit Desdemona, der Tochter aus bestem Hause. Sara Eterno gibt dieser Desdemona einerseits jugendliche
Verliebtheit, andererseits verleiht sie ihrer Rolle aber auch die
Glaubwürdigkeit einer Landesmutter. Ihre Stimme zu lobe, hieße Eulen nach Athen
tragen. Teruhiko Komori, gibt auf
gewöhnt souveräne Weise den Jago. Ein von Neid und Hass Zerrissener, ein wildes
Tier in Uniform, gefährlich wie ein Tiger auf der Jagd. Sein wohltönender
Bariton erstrahlt in allen Farben, vom sanften Säuseln bis hin zu brutalen
Ausbrüchen. Marie-Luise Dreßen steht
als Emilia am Beginn ihrer Karriere, Yoonki
Baek gibt den Cassio voll jugendlichen Charmes.
Von
Höhepunkten in dieser Oper zu sprechen, wäre Unsinn, sie ist ein einziger
Triumph. Gleich zu Beginn die Sturmschilderung im Orchester und im Chor gibt
das Niveau dieser Oper an, das Esultate! von Ricardo Tamura steigert es noch,
das blasphemische Glaubensbekenntnis Jagos durch Teruhilo Komori treibt einen
Schauder auf dem Rücken, während der Griff zum Taschentuch bei Lied von der
Weide und bei Desdemonas Gebet ja schon fast obligatorisch sind.
Fazit,
ein mehr als höhrens- und sehenswerter Otello, trotz oder auch wegen dem Einheitsbühnenbild, stimmige Situationen, die
nicht in Lächerlichkeit abgleiten, weil Ensemble und Regie sie ernst nehmen.
Gratulation an alle Beteiligten.
Alexander
Hauer