DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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www.leharfestival.at

 

 

DER VOGELHÄNDLER

Jekus, jekus, s`ist nicht schwer !

Beim Lehàr-Festival in Bad Ischl hat es sich eingepegelt zwischen einem Haupttitel und einer Rarität pro Saison, so kann man das Altbewährte gut mit neuen Eindrücken kombinieren. Das bekannte Werk ist 2012 Carl Zellers unverwüstlicher "Vogelhändler", von Isabella Gregor auf nahezu klassische Weise mit modernen Anklängen unterhaltsam zubereitet, denn wenn andere Bühnen sich bemühen Unterhaltung auf höchstens zweieinhalb Stunden zu beschränken, dabei dem "Timing" Sorgfalt und Logik opfern, so wird in Ischl Operette noch zelebriert, die Handlung ausgefeilt dargeboten und die Charaktere, auch in ihrer Typenhaftigkeit, präzise entwickelt.

Der Bühnenzauber bleibt durch die technischen Nicht-Gegebenheiten (keine Hinter-, Unter- oder Seitenbühne, wie keinen Schnürboden) ganz auf das Spiel, die Musik, den Gesang beschränkt, was nicht heißt, daß Tamara Oswatitschs Ausstattung nicht ansehnlich wäre, doch es wird mit wenig Mitteln und viel geschickter Beleuchtung die ausreichende und inspirierte Kulisse gezaubert, die farbenfrohen, in ihren Details witzigen, Kostüme sind echte Hingucker; Mandy Garbrecht steuert eine kleine, feine Choreographie bei, der Chor ist engagiert und spielfreudig wie jedes Jahr, einzelne Stimmen lassen durchaus aufhorchen und haben ihre kleinen Solopartien mit Bravour absolviert.

So etwas funktioniert natürlich nur mit einer guten Besetzung, doch für die ist Intendant Michael Lackner und sein Team bekannt, daher wurde sein Vertag auch erfreulicherweise verlängert.

An erster Stelle sei von mir die absolut perfekte Briefchristel von Theresa Grabner genannt, die Attribute resch, fesch, jung, keck, hübsch werden zusammen mit einem silbrigen Soubrettensopran, sympathischer Erscheinung und perfektem Spiel kombiniert, da passt Sebastian Reinthaller als gedienter Adam gut dazu, obwohl er nicht die Frische seiner Partnerin teilt, stimmlich macht sein etwas "soignierter" Tenor was her und bleibt nichts schuldig. Rupert Bergmann ist in Ischl immer eine sichere Bank, sein Baron Weps ist ein intriganter Bassbuffo par excellence und sein Neffe Stanislaus ist mit amüsanten Anspielungen auf seine Herkunft ganz d`accord. Kejia Xiong ist eine echte Neuentdeckung für das Fach und besticht durch eine wunderbare Komödiantik, die bei asiatischen Sängern durchaus kein Normalfall ist, wie durch ein perfektes Deutsch, indisponiert angesagt, erfreut er mit gut fokussiertem Tenor und umschifft auf sängerisch sehr kluge Weise, ohne je zu forcieren, seinen Gesundheitszustand. Ebenfalls krankheitsbedingt angesagt ist die zweite Neuentdeckung: Eva-Maria Kumpfmüller als Kurfürstin Marie läßt mit schön timbriertem Sopran aufhorchen und krönt den Abend mit einem bezaubernd gestalteten "Lied vom Kirschenbaum", doch ihre wahre Zukunft sehe ich eher im lyrischen Fach, als in der Operette. Ein Besetzungsschmankerl ist die Schauspielerin und Kabarettistin Gabriele Schuchter als Adelaide, zwar bringt sie nicht den eigentlich nötigen Alt für die Partie mit, doch umschifft sie mit viel Spaß die gesetzten Hürden, besonders wenn sie mit dem Kammerdiener Quendel sich statt als Professorenpaar, sich als Finanzanalisten verkleiden und das Duett mit aktuellen Bezügen versehen, eine Couplettradition die heute leider immer weniger gepflegt wird, Walter Müller hat das mit neuen, launigen Texten versehen.

Das Tüpfel auf dem "I" ist freilich Oliver Ostermann am Pult des blendend aufspielenden Franz-Lehàr-Orchesters, denn hier haben wir es mit einem der wenigen Dirigenten zu tun, die wirklich ein Gespür für das Genre mitbringen, die Musik flott und mitreißend darbieten, doch die vorhandenen Feinheiten der Partitur auszuleuchten wissen, wie zum Beispiel die liedhafte Lyrik der "Rosen aus Tirol" oder des "Kirschenbaums" zu zelebrieren, ohne je kitschig zu werden. Ostermann weiß, wann er die Tempi anzieht, wann er sie dämpft, um eine möglicht gute Textverständlichkeit zu befördern, ein Talent, was man nicht oft findet.

Fazit: selbst ein so oft gespieltes Werk wie "Der Vogelhändler" macht echte Freude, wenn es auch mit drei Stunden Spieldauer, doch so kurzweilig gegeben wird, wie heuer in Ischl. Und das merkte man auch dem Publikum an !

Martin Freitag

 

 

Projekt JUNGE OPERETTE

Premiere am 30.07.11,
besuchte Aufführung am 31.07.11
 
Zum fünfzigjährigen Jubiläum gönnte sich das Lehar-Festival noch eine Besonderheit, aus dem JUMUM, dem Projekt "junge Operette", entstand ein zweimalig gespielter Abend mit vier Uraufführungen aus vier Ländern, zwar lautet das Thema operette, doch eigentlich handelt es sich um Versuche modernen Unterhaltungstheaters, ob die Kunstform Operette nicht doch mittlerweile abgeschlossen ist, bleibt daher als Frage bestehen. "Zwei Mäuse und ein Kater" ist der polnische Beitrag betitelt, ein tierisches Dreipersonenstück, wahrscheinlich der erste Akt eines tierischen Mehrakters, die jungen überzeugenden Künstler tummelten sich zu einer "atonal" bezeichneten Musik, die sehr an Hindemithsche Zeitopern der Zwanziger Jahre erinnert (Komponist Dariusz Przybylski), in einem überdimensionalen Teegeschirr und phantasievollen Kostümen. Ein sehr professioneller Beitrag.
 
"Geträumtes Leben", der slowenische Beitrag mit dem jüngsten Komponisten, Leon First war kurz vor der UA gerade siebzehn Jahre alt geworden, lebt von der reizvollen Musik die zwischen Astor Piazzola, etwas Martinu und viel Musical angesiedelt ist. Mit drei sehr guten Sängern und einem familiären Kammerorchester des Komponisten plus Streichquartett hinterläßt der junge Komponist einen guten Eindruck, lediglich die fade szenische Umsetzung und das doch recht langweilige Libretto fallen gründlich ab.
 
Der beste Beitrag stammt aus Österreich: "Zwist in Ischl" ist ein von JUMUM-Mitgliedern gemeinschaftliches Projekt, wirkt wie kritisches Volkstheater a la Horvath und Fassbinder mit einem witzig pointiertem Libretto. Oliver Ostermanns Musik hat Drive und setzt szenische Pointierungen, auch mittels Operettenzitaten, Leonard Prinsloo hat mit drei jungen, durchaus schon bekannten Sängern und Ischler Kindern und Jugendlichen die Bühne effektvoll belebt. Daniela Fally, Katja Reichert und Michael G. Havlicek sind , nur im positiven Sinne gemeint, drei echte "Rampensäue", denen saftiges Spiel und durchaus derber Text( im breitesten Ottakringer Wienerisch) Spaß und Anliegen sind. Für mich der beste und überzeugendste Beitrag, für das Publikum der sicherlich mitreißendste.
 
Als Abschluß ein interessanter, deutscher Beitrag: "Beyond Wonderland" aus Eggenfelden,eine szenische Evokation zum Thema "Alice im Wunderland", bizarres, faszinierendes Outfit der Band und des Sängers und Komponisten Jeremias Meinrad, bringt das Publikum in eine Sphäre aus Emu-Rock, Mangas und Rocky Horror Picture Show, wenig Handlung, doch sehr starke, ansprechende Musik lassen den Schluß in andere Welten abgleiten. Sehr gelungen, doch dramaturgisch noch ausbaufähig.
Ein lohnendes Projekt und ein äußerst interessanter Abend, der zwar nicht unbedingt für das herkömmliche Operettenpublikum geeignet ist, doch ein Start für die Newcomer und eine spannende Vorstellung für Neugierige bildet, hoffentlich nicht zum letzten Mal.
 
Martin Freitag
 
 

IM WEISSEN RÖSSL

besuchte Vorstellung am 31.07.11         (Premiere am16.07.11)

Zum fünfzigjährigen Jubiläum des Lehar Festivals entsann man sich auf ein Werk, das schon lange nicht mehr in Bad Ischl gegeben wurde und dabei nur wenige Kilometer entfernt spielt: Ralph Benatzkys (und anderer Komponisten) unverwüstliches "Im weißen Rössl", schon der Vorverkauf zeigte den Treffer ind Publikumsherz, nur wenige Restkarten sind noch vorhanden. Die Produktion von Gernot Kranner ist allerdings auch eine Prachtinszenierung, die sich sehen und hören lassen kann, die Besetzung einfach prima, denn das Stück läuft wie am Schnürl. Mit Herwig Libowitzkys einfachem, doch auch treffendem Bühnenbild, den wunderschönen Kostümen von Michaela Mayer-Michnay, bei denen die Trachten von der Firma Gössl mitgearbeitet wurden, und vor allem von der abwechslungsreichen, ideenvollen, unterhaltsamen, einfach phänomenalen Choreographie Mandy Garbrechts, entstand ein amüsanter, kurzweiliger Operettenabend, wie ich ihn lange nicht mehr erlebt habe, zu engagiertem und beteiligten Chor und Ballett des Leharfestivals, kamen zum Kaiserempfang auch noch die Goldhaubenfrauen (Trachten) Bad Ischls, die Begeisterung kannte keine Grenzen und die Zuschauer waren einfach hin und weg.

Das wichtigste am "Rössl" ist jedoch immer das widerspenstige Liebespaar, Boris Pfeifer als Zahlkellner Leopold ist ein echter Beau, besitzt ein perfektes Timing für Pointen und Spiel, lediglich seine sehr glatte Art auf Musical-Manier zu singen, die Stimme immer auf geraden Ton zu setzen, statt ihr Farbe zu geben , schmälert seine Leistung. Mit Ulrike Beimpold (bekannt aus Film und Fernsehen) bot man als Rössl-Wirtin einen echten Coup auf: resch, liebreizend, charmant, rasant, fulminant und vor allem mit Herz spielt sie sich in die Seelen der Menschen, einfach eine Superbesetzung als Josepha Voglhuber. Ernst-Dieter Suttheimer mit trockenem, bärbeißigem Witz darf als Fabrikant Giesecke ebenso bezeichnet werden.

Großstädtischer Charme kennzeichnet Romana Noacks Ottilie aus, mit passendem opernhafteren Ton gesellt sie sich dem Rechtsanwalt Siedler zu, der mit echtem Schmacht-Tenor in Reinhard Alessandrini einen echten Konkurrenten für den Leopold bietet. Der nächste Besetzungscoup ist der schöne Sigismund in Gestalt von Christoph Wagner-Trenkwitz, in Österreich ein Fernsehstar moderiert er auch den Wiener Life-Ball, besitzt, enormen Charme, flottes Tempo und etliches an Selbstironie, was seinen Sülzheimer zu einem echten Wonneproppen werden lässt, dem sich das zarte und später freche Klärchen von Caroline Vasicek freudig in die Arme wirft. Frank-Michael Weber als Professor Hinzelmann und Gerhard Balluch als Kaiser runden das Ensemble ansprechend ab. Thomas Zisterer als Piccolo macht aus einer Neben- gekonnt eine Hauptrolle. Marius Burkert begleitet mit dem Franz-Lehar-Orchester beschwingt durch die schlagerhaften Melodien, findet dabei für jede Gelegenheit den passenden Ton. Einfach prima!!!

Martin Freitag                 

 

 

PAGANINI
Besuchte Aufführung am 30.07.11             (Premiere am 23.07.11) 

Im Salzkammergut ist die Welt noch in Ordnung, zumindest was die Operette betrifft: die Lehar-Festspiele in Bad Ischl widmen jedes Jahr zumindest einem Werk des Namensgebers, dieses Jahr also "Paganini" die erste Lehar-Operette  für und mit Richard Tauber, der erste große Erfolg mit trgischem, melodramatischem Finale. Eine Künstleroperette mit großem Hang zum Kitsch, vielleicht einer der Gründe, weswegen trotz großartiger Musik, dem opernhaften Liebespaar ("Gern hab ich die Fraun´geküßt"  und "Liebe, du Himmel auf Erden" und "Niemand liebt dich, so wie ich") und jeder Menge gelungenen Buffoduetten, das werk aus den Spielplänen verschwunden ist.

Leonard Prinsloo bürstet seine Operette gerne ein bißchen auf "Krawall", was meint: geht sie überspitzt und ironisch an. Dieser Ansatz bekommt dem, in die Jahre gekommenen, Pathos der Künstlerschmonzette hervorragend, mag der geigenspielende Künstlerdämon in Gestalt von Vincent Schirrmacher etwas bizarr wirken, manche Künstler "sind so", der Tenor hat gesanglich durchaus leichte Schwierigkeiten mit der baritonal gelegenen Tauberpartie, gerade die Tiefe wird da unter Druck gesetzt, seine Höhen klingen leuchtend fulminant mit schmetterndem Aufschwung, Marko Radonic aus dem Orchester übernimmt mit Schmelz und dem nötigen Schmalz und wallender Künstlerperücke den Violinpart. Im gegenüber Napoleons Schwester, Maria Anna Elisa, Fürstin von Lucca, nicht die hehre Operettenheroine, sondern wie ihr Bruder ein leidenschaftliches Kind aus dem Volke. Miriam Portmann überzeugt in jedem Jahr mehr als Ischler Operettendiva, schon ihr Auftrittslied hat Anklänge an Interpretationen von Fritzi Massary, mit sinnlichem Gurren zeigt sie das Portrait einer durchaus vielschichtigen Persönlichkeit, um im Laufe des Abends zu packender Operndramatik aufzublühen, allein das ist schön eine Reise wert. Tomaz Kovacic nutzt seine komödiantischen Fähigkeiten, um den Gatten, Fürst Bacciocchi, als grotesken Gröfaz, ähnlich dem Bobeche in Felsensteins legendärer Blaubart-Inszenierung zu rücken. Ein großer Beitrag sind auch die schön anzusehenden, äußerst kreativen Kostüme von Monika Biegler, selbst jedes einzelne Chorkostüm ist da einen Hingucker wert. Das Bühnenbild von Katharina Sautner arbeitet da mit wesentlich bescheideneren Mitteln, was sicherlich der nicht vorhandenen Ischler Bühnentechnik zu Grunde liegt, trotzdem erreicht sie mit wenigen, einfachen Dingen das wesentliche der Szene.
  
 
Neu unter den Sängern ist das Buffo-Paar: Mit Verena Barth-Jurca als Bella Giretti eine echte tanzende Koloratursoubrette, deren sehr gerade Tongebung man sich auch gut bei Alter Musik vorstellen könnte, neben einem attraktivem Äußeren, begeisterndem Gesang, kommt noch eine phänomenale Musikalität in der Beweglichkeit dazu. Michael Pflumm als Marchese Pimpinelli ist ein ausgewiesener Tenorbuffo, der keine Pointe ungenutzt läßt, mit hellem Tenor, feschem Aussehen bei putzig outrierendem Spiel und Kostüm wird er schnell zu einem Publikumsliebling. Ischler Urgestein Gerhard Balluch führt als Impresario Balducci die Horden an Nebendarstellern und Kleinrollen an, die aus dem Chor besetzt sind, und neben ihrer ansteckenden Spiellaune auch manches Mal mit einem gesungenen Solo aufhorchen lassen. Michael Zehetner könnte es den Sängern am Pult des ansonsten tadellos aufspielenden Franz-Lehar-Orchesters etwas einfacher machen, wenn er manche Knalligkeit etwas eindämmen würde. Der dritte Akt zieht sich bei der ungestrichenen Version, die Prinsloo spielen läßt doch ein wenig in die Länge, da hätte man nicht auf jedem Witzchen beharren müssen, doch wo bekommt man schon ein solch´ runde, gelungene Operettenaufführung geboten, wie in Bad Ischl: Begeisterung nicht nur beim Rezensenten, sondern auch beim gutgelaunten, beschwingten Publikum, dann wieder: "Hinaus in die Weeeeelt!"

Martin Freitag          

 

 

 

 

 

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