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DON GIOVANNI

Besuchte Aufführungen am 09. und am 10.10.2013 im E.T.A.-Hoffmann-Theater

Begeisterte Zuschauer ergötzen sich an Mozart und dem sängerischen Nachwuchs

Bereits zum fünften Mal wird in Bamberg die Sommeroper aufgeführt. Alle zwei Jahre kommen junge, hoffnungsvolle Nachwuchskräfte nach Bamberg und erarbeiten sich in Workshops eine Oper, die dann in doppelter Besetzung einige Male aufgeführt wird. Bamberg, einst von einer großen Illustrierten als „Traumstadt der Deutschen“ bezeichnet, und ich denke gar nicht daran, hieran zu rütteln, denn Bamberg ist ein einziger Traum, auch wenn ich zugebe, dass hier der lokalpatriotische Stolz etwas mit mir durchgeht, ist ein würdiger Austragungsort. Im Bamberger E.T.A. Hoffmann Theater, welches vor wenigen Jahren exzellent renoviert wurde, und in dem auch musikalische Gastspiele stattfinden, weil wir leider nur ein Schauspielensemble haben, finden im Zweijahresturnus weitbeachtete Opernaufführungen statt. Ein Workshop junger Nachwuchssänger, unter Anleitung und Einstudierung durch Frau Kammersängerin Angelika Kirchschlager, die in einem aufwendigen Ausleseverfahren ausgesucht wurden, und die aus ganz Europa kommen, haben gerade einmal vier Wochen Zeit, gemeinsam eine Oper zu erarbeiten und sie danach in zwei unterschiedlichen Ensembles je dreimal zur Aufführung zu bringen. Es ist dabei äußerst reizvoll, auch die Unterschiede zwischen den beiden Ensembles zu erleben und Bamberg beschert den Aufführungen jeweils ein volles Haus. Und auch in diesem Jahr steht Mozart auf dem Programm mit der nicht gerade leichten Aufführung von „Don Giovanni“. Dieser „Don Giovanni“ hat schon weit erfahrenere Sänger an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gebracht. Vor zwei Jahren war „Die Hochzeit des Figaro“ vielumjubelter Mittelpunkt der Bamberger Sommer Oper. Alle Verantwortlichen hoffen, dass diese einmalige Möglichkeit junge Sänger und Musiker an die Bühne heranzuführen (und viele der ehemaligen Sänger sind heute an großen Häusern engagiert) auch in Zukunft erhalten bleiben wird.

Die künstlerische und musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Till Fabian Weser, der schon zum „Inventar“ der Bamberger Sommer Oper gehört und ein ausgezeichneter väterlicher Begleiter seiner jungen Truppe ist. In beiden von mir besuchten Aufführungen konnte er das Orchester mit straffer Hand, die aber genügend Freiraum ließ, sicher und präzise führen. Er nahm das Orchester dort zurück, wo es eventuell Probleme für die Sänger geben könnte. Dass es ein paar kleine Wackler und Aussetzer, überwiegend aus Nervosität gab, ist nicht im Geringsten ins Gewicht fallend und tat der insgesamt vorzüglichen Orchesterleistung keinerlei Abbruch. Man muss einfach bedenken, dass die jungen Instrumentalkünstler extra für die Sommer Oper zusammengestellt wurden und Ihnen natürlich zwangsläufig die blinde Vertrautheit von lange zusammenspielenden Orchestermusikern fehlt. Am Hammerklavier waren jeweils Pablo Garcia-Berlanga und Clemens Mohr sichere und fehlerlose Begleiter bei den Rezitativen.

 

Die Inszenierung erfolgte durch Rainer Lewandowski, und hiermit hatte ich ein paar Probleme. Lewandowski ist ein ausgezeichneter Regisseur, aber aus meiner Sicht nicht unbedingt ein ausgezeichneter Kenner und Freund musikalischer Aufführungen. Seine Idee, einen Statisten als E.T.A. Hoffmann in einer Loge sitzend und die ganze Aufführung mit den Händen wedelnd und Sektglas-schwenkend zu verbringen zu lassen, ist einfach nur störend. Ich persönlich fand dies unpassend und nicht besonders schlüssig, denn ich hatte den Schwenker die ganze Zeit in den Augenwinkeln, da er sich unmittelbar rechts von mir in der Loge befand. Gute Einfälle, wie etwa der Auftritt des „steinernen Gastes“ konnten jedoch nicht verbergen, dass er die Sänger manchmal etwas verloren agieren ließ. Gerade sie als Neulinge hätten aber eine stärkere, straffere Führung benötigt und auch verdient, die ihnen mehr Hilfestellung und damit mehr Sicherheit gegeben hätte. Das Bühnenbild von Jens Hübner erstreckte sich zu einem großen Teil darauf, dass er vor schwarzen Tüchern, die als Raumteiler dienten, spielen ließ, mitunter dachte man fast an eine konzertante Aufführung. Lediglich das gelungene Bühnenbild des Tanzsaals, aber auch die Szene auf dem Friedhof ragten hier heraus, so hätte man sich auch die weiteren Darstellungen auf der Bühne gewünscht.  

Doch kommen wir nun zu den sängerischen Leistungen und hier konnte man zum größten Teil nur vollstens zufrieden sein. Ich stelle nun jeweils die Sänger vom 9.10. zu denen vom 10.10. gegenüber um einen gewissen Vergleich haben zu können. Am 9.10. war Florian Bonneau der Don Giovanni und am 10.10. war es Jiri Rajnis. Beide boten eine sichere ausgewogene Leistung, beide schlank, dunkelgelockt und darstellerisch sehr gut. Und doch hatte für mich Jiri Rajnis „die Nase vorn“. Stimmlich waren beide mit einem ausdruckstarken Bariton ausgestattet, Jiri war aber der leidenschaftlichere Darsteller, der auch musikalisch durch geschicktes Agieren aufhorchen ließ und auch eine etwas voluminösere Stimme aufbieten konnte. Für mich von allen Sängern, die ich an beiden Tagen hören konnte, die weitaus beste Leistung, er wird seinen Weg an den größeren Bühnen mit Sicherheit problemlos machen. Bonneau jedoch wird sich auch durchsetzen können, wenngleich er etwas mehr Ausdauer brauchen dürfte. Giuseppe di Paola war ein vorzüglicher Leporello, mit durchschlagskräftigem, starken und angenehmen Bass ließ er aufhorchen und bot insgesamt – auch darstellerisch mit verschlagenem Spielwitz – eine ausgezeichnete Leistung. Ihm fast ebenbürtig der spielfreudige Leporello von Kwangmin Seo, er etwas zurückhaltender agierend, aber insgesamt gesehen ebenfalls voll überzeugend. Die Donna Anna von Julia Makarevich und die Donna Elvira von Jay-Hyunjin Park waren sicher und ausdruckstark, gerade auch in den Koloraturen. Beide jedoch hatten einen leichten Hang zur Schärfe, etwas, was man im Laufe der Zeit aber sicher noch ablegen kann. Die Zerlina von Viktoria Kunze hatte natürlich ein Heimspiel, da sie aus Bamberg stammt. Sie hatte, und dies hat nichts mit übersteigertem Patriotismus zu tun, die überzeugendste Darstellung bei den Damen, sowohl vom stimmlichen her, als auch vom darstellerischen. Sie sang die Zerlina sehr berührend und erntete zu Recht starken Beifall des Publikums. Auch sie kann man sich heute schon auf einer größeren Bühne gut vorstellen. Die Donna Anna von Valda Wilson, war überzeugend und bot eine ausgezeichnete runde Leistung mit schönem starkem, dennoch kräftigem Sopran. Oksana Pollani hatte Anlaufprobleme und konnte sich erst nach einem gewissen „Einsingen“ auch in ihren Koloraturen sicher und stimmschön präsentieren. Die Zerlina von Ralitsa Ralinova war eine überzeugende und mit klarer ausdrucksstarker Stimme versehene Zerlina, wenngleich ich – entgegen manchem meiner Rezensionskollegen – die Krone hier an Viktoria Kunze geben würde, da sie die abgerundetere Leistung für mich bot. Insgesamt gesehen waren aber beide Zerlinen herausragende Vertreterinnen ihres Faches. Der Don Ottavio von Hitoshi Tamada überzeugte mit klarem, höhensicherem und stimmschönem Tenor, er bot ebenfalls eine ausgezeichnete Leistung. Francisco Fernandez-Rueda war ihm fast ebenbürtig. Auch er überzeugte mit Strahlkraft und Feuer und bot ebenfalls eine überzeugende Leistung. Ein großer Pluspunkt war auch der Masetto von Jan Szurgot. Der junge polnische Bass, mit einem Material, welches zu größten Hoffnungen Anlass gibt, war ein großer Pluspunkt der Aufführung des 9.10. Wenn er auch noch darstellerisch etwas mehr zulegen kann, wird aus ihm sicher ein ausgezeichneter Sänger werden und man wird ihn bald auf einer größeren Bühne wiedersehen können. Der Masetto von Hongyu Chan dagegen war etwas gewöhnungsbedürftig. Da er kein Bass sondern ein Bariton ist, der zwar ein sehr schönes Stimmmaterial besitzt, aber noch etwas zurückhaltend agiert, konnte er aus meiner Sicht an die Leistung von Jan Szurgot nicht herankommen. Dies ist aber sicher auch der Tatsache zu verdanken, dass ich beide Sänger im Abstand von einem Tag gehört habe und dadurch erst dieser Vergleich möglich wurde und man eigentlich auch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen kann. Daniel Mauerhofer war der einzige Sänger als Commendatore, der in beiden Versionen der Oper auftrat. Der junge Schweizer Bassist konnte in seiner kleinen Rolle überzeugen, aber durch die Kürze der Partie keinen allzu bleibenden Eindruck hinterlassen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es eine einmalige Leistung und ein außergewöhnlicher Kraftakt war, diese zweimal drei Aufführungen in dieser kurzen Zeit einzustudieren und auf die Bühne zu bringen. Das Publikum war an beiden Abenden zu Recht restlos begeistert. Bamberg leistet hier mit seinen ganzen Helfern und Mitstreitern etwas Einmaliges in der Opernszene und dies wird auch immer mehr von der internationalen Presse wahrgenommen. Leider sind die staatlichen Zuschüsse von Sommer-Oper zu Sommer-Oper immer etwas geringer und die Finanzierung dadurch immer etwas problematischer geworden, wobei ein ganz großer Dank an die Stiftungen und Förderer geht, viele Privatleute haben sich hier auch finanziell stark eingebracht. Es wäre jedoch zu wünschen, dass die Bayerische Staatsregierung dieses außergewöhnliche Ereignis, welches alle zwei Jahre stattfindet, entsprechend bewertet und damit auch ein bisschen mehr zur Finanzierung beiträgt, damit die Sommer Oper Bamberg eine solide, institutionelle Förderung erfahren kann, wie sie es mit Sicherheit verdient. Die Stadt Bamberg jedenfalls weiß, was sie an der Sommer Oper hat. Der Stadtrat von Bamberg hat am 24. Juli 2013 beschlossen, der Sommer Oper Bamberg den Kultur-Förderpreis der Stadt Bamberg 2013 zu verleihen. Der Preis wird im Rahmen einer Feierstunde im November 2013 im E.T.A.- Hoffmann-Theater verliehen werden. Hierzu ein ganz großer Glückwunsch an die Sommer Oper Bamberg.

Manfred Drescher , 22.10.2013

Bilder:  Gerhard Schlötzer, Sommer Oper Bamberg

 

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