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am 20.12.16

Der Kleine Prinz kehrt zurück

Für nur eine einzige Aufführung kommt Sasson/Sauters Meisterwerk an die Stadt am Rheinknie zurück. Eine berührende Geschichte mit viel ergreifender Musik und starken Bildern lädt in der hektischen und heuer leider auch durch den Berliner Terroranschlag gezeichnete Adventszeit zum Innehalten, Nachdenken und Versöhnen ein.

Das feinfühlige Werk wird von allen Mitwirkenden sensibel und auf höchstem Niveau umgesetzt und fesselt das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute. Das Produktionsteam hat zwischen der vergangenen und der nun laufenden Tournee das Stück vor allem optisch aufgepeppt. So wurden die Videosequenzen (Daniel Stryjecki) erweitert und perfektioniert und bilden nun zusammen mit dem fantastischen Licht von Fabian Thomsen mit den wenigen Requisiten auf der Bühne ein gewaltiges, beeindruckendes Bühnenbild (Rafal Knorowski). Optisches Highlight bildet da die Szene im Rosengarten, in welcher Darsteller, Requisiten und Videoeinspielung perfekt magisch miteinander verschmelzen.

Deborah Sassons Musik (in der Orchestrierung von Matthias Suschke) und Jochen Sautters Libretto bleiben eingängig und gefällig. Sie vermögen vor allem in den stillen, traurigen und melodramatischen Nummern tief zu ergreifen. Dazu trägt natürlich das kleine aber mit hörbarer Spielfreude agierende Orchester hinter der Kulisse unter der Stabführung von Aleksandra Kulpa wesentlich bei. Die akustische Verstärkung und Mischung des Orchesters (Sounddesign: Stefan Rudolph) klappt perfekt und so gelangt differenzierter, farben- und facettenreicher Orchestersound an des Hörers Ohr.

Grossartiges leisten sämtliche Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne. Alle sind mehrfach besetzt und auch als Cover eingesetzt. Die zwölf Aufführenden brillieren in Tanz, Darstellung und Gesang. Dem Regisseur und Choreographen Jochen Sautter gelingen sowohl witzige Einzel- als auch gefällige, raumfüllende Gruppenchoreographien, was in Anbetracht des eher kleinen Ensembles sicher eine besondere Herausforderung darstellt. Dem Ensemble gelingt eine ausgezeichnete Umsetzung mit hoher tänzerischer Präzision. Besonders witzig gerät der Steptanz des Laternenanzünders, meisterhaft von Isabel Waltsgott dargeboten. Akrobatik und Gesang verbindet Nicole Ciroth als Schlange vorzüglich.

Ulrike Ahrens, die Rose, tanzt fast durchgehend auf der Spitze, was an sich schon eine schmerzhafte Angelegenheit ist, und singt dazu in dieser unbequemen Situation ihr musikalisch sehr anspruchsvolles Solo „Ich bin zum Verlieben“ sowie das Duett mit dem Prinzen „Ich bitte dich“ glaubwürdig kokett und bezaubernd.

Gregor Rozkwitalski gefällt als Säufer, der buchstäblich an seinen Flaschen hängt, Ari Gosh begeistert mit viel zungenbrecherischem Schalk als König. Als eiskalt kalkulierender Geschäftsmann brilliert Daniel Hauser. Philipp Phung legt als Eitler eine kesse spanische Sohle auf die Bühne, unter anderem begleitet von Anna Friederike Wolf. Ein witziges Intermezzo bietet Dominik Hauser als Pillenhändler.

Der Pilot ist mit Guido Weber wunderbar besetzt. Der Bariton weist ein beachtliches Repertoire in Oper, Operette, Lied und Oratorium aus und verleiht so seinen Gesangsnummern baritonal-dramatischen Glanz.

Absolut berührend gelingt Johanna Mucha der Fuchs. Sie zeigt die Zähmung des Fuchses mit flinken feinen Bewegungen absolut glaubwürdig und begeistert zusammen mit dem Prinzen im Duett „Man sieht mit dem Herzen“. Dieser Song hat übrigens absolutes Hitpotential!

Moritz Bierbaum MUSS vom Asteroiden B612 kommen – er „spielt“ den Kleinen Prinzen nicht – er IST es! Der sensible junge Künstler verleiht der Titelfigur sämtliche Züge, welche den Prinzen so bezaubernd, liebenswert und berührend machen. Seine glockenklare, ausdrucksstarke Stimme führt Moritz Bierbaum mit grosser, echter Emotion durch die Songs und Duette und verleiht so der Musik einen ganz besonderen Glanz. Bei „Die Sterne der anderen schweigen“ und natürlich beim Duett mit dem Fuchs rührt der junge Ausnahmesänger zu Tränen. In der Darstellung zeichnet Moritz Bierbaum den Prinzen als neugierigen, jedoch nie aufdringlichen, dafür scharf beobachtenden Jungen – so, wie man ihn sich eben vorstellt, wenn man Antoine de Saint Exupérys Meisterwerk liest. Es ist Moritz Bierbaum zu wünschen, dass er bald bei den Reihen der ganz Grossen der Branche Fuss fassen kann – er ist überirdisch gut!

„Der Kleine Prinz“ – bleibt zu hoffen, dass dieses bezaubernde Musical-Juwel auf seiner Reise den Weg ins Musicaltheater Basel möglichst bald wieder findet!

Bilder Musicaltheater / Esser

Michael Hug 4.1.2017

Besonderer Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online (Wien)

 

 

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