DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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http://www.hauptstadtoper.de/

 

Die Witwe Grapin

Besuchte Vorstellung: 11.05.12    (Premiere am 04.04.12)

Wenn man Glück hat, wird von der Berliner Hauptstadtoper so etwas wie eine „Flotow“-Renaissance ausgehen.

Hauptstadtoper Berlin? Flotow-Renaissance? Natürlich sollte man die Kirche im Dorf lassen. Es ist nicht zu befürchten, dass von der Aufführung nicht der relativ schrecklichen (weil ungut sentimentalen) Oper „Martha“, diesem Lieblingskind des Bürgertums des 19. und noch des frühen 20. Jahrhunderts, sondern von der Wiederentdeckung der „Veuve Grapin“(der „Witwe Grapin“) ein Impuls ausgeht. Schließlich findet die Aufführungsserie ja „nur“ in der „Hauptstadtoper“, in der Mitte Berlins in der Rungestraße 12, Nähe Jannowitzbrücke gelegen, zu einem sichtlich amüsierten Publikum – aber was heißt hier „nur“?

Die Hauptstadtoper (sie heißt wirklich) so, ist ein kleines Haus, das nicht einmal eine Bühne, keinen Orchestergraben und kein festes Ensemble hat. Allein sie bereichert die Berliner Off-Opernszene, neben der Neuköllner Oper und der Kammeroper, seit drei Jahren um gut gemachte Klavieropern, die ausschließlich mit Profikünstlern über den Teppich gehen. 12 Quadratmeter Opernszene: das ist nicht wenig, wenn „kleine Meisterwerke“ (so wird das Werk, durchaus richtig, in Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters charakterisiert) wie Flotows „Witwe Grapin“ einfallsreich und lustvoll, vokal und schauspielerisch versiert gegeben werden. Die Prinzipalin Kirstin Hasselmann steht selbst auf der Bühne; nach Engagements in Schwerin, Weimar, Düsseldorf, Görlitz, Trier und Krefeld/Mönchengladbach erfüllte sie sich 2009 den Traum einer eigenen Low-Budget-Bühne.

Birgit Eckenweber erhielt hier, nach Offenbachs „Ehemann vor der Tür“, die Chance, Flotows Rarität zu inszenieren – sie nutzt sie, indem sie mit Poesie und Humor, einer ästhetischen Linie und schönen Bildern an die Komödie herangeht. Flotow, der seine Lehrzeit in Paris erlebte, schrieb das Stück zusammen mit P.A.P. Deforges, der für Adolphe Adam und Offenbach schrieb; auch diese „Opérette“ wurde 1859 in den Bouffes-Parisiens uraufgeführt, was man dem Stück – glücklicherweise – anhört: von der melodisch inspirierten Ouvertüre über das kesse Auftrittslied der Witwe zum vitalen Schlussterzett. Angereichert haben Eckenweber und der Pianist Ralph Zedler das kurze Stück um 5 französische und deutsche Lieder Friedrich von Flotows, die, wie die Operette selbst, die besseren Seiten des Komponisten zutage fördern. Die Geschichte um einen Marquis, der pleite ist, weil er das Vermögen seiner Ahnen durchgebracht hat und sich darob umbringen will, der dann durch eine neu- wie steinreiche, sehr lustige Witwe gerettet wird, indem er gleichsam gekauft wird: diese textlich gekürzte und gelind modernisierte Geschichte, die natürlich in ein glückliches Finale mündet, entbehrt nicht einer Aktualität, der die Regie mit Poesie, nicht mit Ideologie beikommt. Kristina Jean Hays, ein wunderschöner Mezzosopran, spielt den Diener Vincent, der das Finale befördert: eine Figur, die dem Puck aus dem „Sommernachtstraum“ verwandt ist.

Ricardo Frenzel Baudischs Marquis Bressieux ist, zumindest ein bisschen, eine Hamlet-Type, die – das macht die langjährige Schauspielpraxis des Sängers – grotesk und „tragisch“ genug agiert.Die Witwe selbst ist Sache der Prinzipalin: Kirstin Hasselmann singt sopransicher und agiert detailgenau: eine witzige Frau auf der Suche nach dem Glück, die ihre Dollars inmitten des Blümchenreichs des verzweifelten Marquis herum flattern lässt.

Eine „kleine“ Sache? Gewiss – aber Aufführungen wie diese beweisen, wie aktiv und qualitätsbewusst, inszenatorisch und musikalisch niveauvoll Berlins Opernbühnen unterhalb der so genannten „Großen Häuser“ ein Publikum unterhalten, das niemals in die „Staatsoper“ gehen würde.

Seinerzeit hatte Flotows und Deforges' Werk einen guten Erfolg, bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. In der Hauptstadtoper erfüllt sich an solchen Abenden – und das ist nun wirklich keine Übertreibung – so etwas wie ein „Opernglück“ mit kleinsten Mitteln: wofür der Besucher nicht einmal auf den gleichnamigen Abend warten muss, den die Besucher am 1. Juni in der kleinen und guten Oper in Berlin-Mitte besuchen können.

Frank Piontek

 

 

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