DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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LE GRAND MACABRE

Premiere 22.6.2003                                19. Vorstellung: 15.4.13

Unterhaltsame Wiederaufnahme   

Kein Griff ins Klo - den mußte nur Claudio Otello als Nektrotzar ins zum Glück geruchsfrei überquellende tun - war am 25.4. die Wiederaufnahme von Ligetis „Le Grand Macabre“ in der Regie von Barry Kosky vor einem überwiegend jugendlichen Publikum. Zwar nicht Breughelland, dafür aber bizarre, skurrile, deftige, irrsinnige, groteske Gegenwart ist die Geschichte vom Grand Macabre, der den Weltuntergang wieder einmal nicht schafft, in dieser Produktion, obwohl die zumindest im ersten Teil unermüdlich kopulierende, onanierende, einander frustierende Gesellschaft es nach religiösem Verständnis- und die Vertreter der drei monotheistischen Religionen mischen zumindest bei der Totenbergung mit- es nicht anders verdient hätte. Ein moderner Totentanz und die Ausstellung aller möglichen Laster ist die phantasievolle Inszenierung, die die Bewegungen der Sänger aus der Musik erwachsen läßt, sind die ebensolchen Kostüme und ist das witzige Bühnenbild ( Peter Corrigan). Absurdes Theater in höchster Vollendung wird geboten, unterhaltsam und nur für Schwangere nicht geeignet, die sich vor dem in einen Babybauch verbeißenden Grand Macabre erschrecken könnten. 

Alle Mitwirkenden sind mit sichtbarem Engagement bei der Sache, angefangen von der „menschlichsten“ Figur unter all den abstrusen Erscheinungen, Piet vom Faß, gesungen von Chris Merritt, einst gefeierter Rossini-Tenor, jetzt mit dieser Rolle ( neben anderen des 20.Jahrhunderts) über die Kontinente tourend. Von dem Tenor, der einst das Opernpublikum in Bologna jubeln ließ, als sein Besitzer nur als Zuschauer den Saal betrat, ist nicht mehr viel vorhanden, dafür aber umso mehr Wissen um die Figur und eine enorm sympathische Ausstrahlung. Claudio Otello verleiht dem Nektrotzar baritonale Gefährlichkeit, ist dazu hingebungsvoll dessen Darstellung ergeben. Sensationell ist der Countertenor Andrew Watts als Fürst Go-Go mit warmer, geschmeidiger Stimme. 

Fast schon Übermenschliches leistet Eir Inderhaug als Venus, besonders aber als sich in schwindelnde vokale Höhen begebender Gepopo. Seinem Affen Zucker geben kann Jens Larsen als stimmgewaltiger Astradamors, der hier in tuntiger Kleidung auftritt und so den Zorn seines sexuell unersättlichen Weibes Mescalina, von Michaela Lucas in jeder Hinsicht ansehnlich vertreten, auf sich zieht. Weißer und schwarzer Minister dürfen in dieser Fassung auch singen, und Tansel Akzeybek und Carsten Sabrowski tun es auf angenehmste Weise. Das junge Liebespaar, das den drohenden Weltuntergang zwar nicht im ursprünglichen, aber erotischen Sinne verschlafen hätte, ist mit dem klar konturierten Mezzosopran von Annelie Sophie Müller und dem feinen Sopran von Julia Giebel auf angenehme Weise präsent. In Baldur Brönnimann hat die Musik den bestmöglichen Anwalt, der die unterschiedlichen musikalischen Formen mit dem Orchester und seinem Ableger seitlich der Bühne klar herausarbeitet, nicht nur ihre klirrende Kälte, ihre auch vorhandenen historischen Zitate und Rhythmen wirkungsvoll zur Geltung bringt. In jeder Hinsicht einsatzfreudig wie von ihm gewohnt zeigt sich der Chor unter David Cavelius und weiß zum Schluß sogar Tröstliches zu verkünden: „Irgendwann kommt er ( der Tod), aber nicht heute“.

25.4.2013, Ingrid Wanja                              

 

 

 

 

 

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