DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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CHESS

Vorstellung am 11.10.2011                             (Premiere am 25.09.2011)

Musical von den ABBAs

Es regnet in Strömen, als wir in Bielefeld ankommen. Die lästige Baustelle auf der Zufahrtsstraße von der Autobahn zum Theater ist nicht mehr da, dafür wird die Tiefgarage unter dem Rathaus total umgebaut, dabei bleibt sie doch für die Theaterbesucher gegen eine geringe Gebühr geöffnet. Anstatt zugeklebter Hinweisschilder informieren handgeschriebene Plakate, wo die Ausgänge und wo die Kassen sind. Immer wieder zeigen sie in die entgegengesetzte Richtung. Ich schließe mich einer Gruppe an, die auch ins Theater will, wir irren eine Weile gemeinsam durch frisch zubetonierte Decken und Wasserflächen herum, wir wechseln die Parkebenen, bis wir die Straße erreichen.

Es ist bereits die vierte Vorstellung des Musicals „Chess“. das Haus ist ausverkauft. Den ersten Rang dominiert eine Gruppe von Teenagern, die in Erwartung eines besonderen Ereignisses die etwas erwachseneren Nachbarn an den Ärmeln zupfen: Waren Sie schon im Theater? Haben Sie schon ein Musical gesehen? Was haben Sie für die Eintrittskarte bezahlt? Die Schul-mädchen sind in großer Aufregung vor dem ersten Mal. Auffallend: es sind ausschließlich Mädchen, Jungs fehlen in dieser Gruppe ganz.

Die Eröffnungsszene, der Merano-Chor, schleppt sich zu einer einfachen Choreographie dahin, und diesen Eindruck werde ich bis zum Schluss der Vorstellung nicht los - was für ein Unterschied zu „Anything goes“, das seit der vergangenen Spielzeit das Publikum mit hinreisendem Tempo und Esprit begeistert, wo ist der Enthusiasmus von damals geblieben? Dem Insze- nierungskonzept von „Chess“ fehlt es an Geschlossenheit, zuweilen zerfällt das Spiel in einzelne Nummern, nach denen Pausen für die Bühnentechnik und stürmischen Beifall eingefügt wurden. Nun, der Beifall verklingt zu schnell, eine Lücke bleibt. Hinzu breitet die Regie die abgewrackten Kli- schees des kalten Krieges aus, das Bühnenbild beherrschen Panzer, die mal senkrecht gen Himmel zielen, mal sich gegenüber stehen. Und die Russen sind böse und selbstsicher, die Amerikaner locker und arrogant. Die Glanz- leistung der vier Protagonisten (Alex Melcher, Veit Schäfermeier, Roberta Valentini und Karin Seyfried), die dem eigentlichen Inhalt des Musicals - einer konfliktreichen Liebesgeschichte und Leidenschaft für Schachspiel - folgen, hilft dem etwas matten Theaterabend nicht viel. Die zu laute, übersteuerte Rockband raubt dem Klang der Bielefelder Philharmoniker die Transparenz, bei tutti klingt das Ensemble undefinierbar mit einem Nachhall eines monströsen Küchenradios.

Wie es scheint erlebt das Theater Bielefeld mit „Chess“ einen kleinen Qualitätsknick, wenn man es mit anderen Musikproduktionen des Hauses vergleicht. Und doch johlen und kreischen beim Schlussapplaus die Schulmädchen im ersten Rang lautstark, blass vor Begeisterung. Ihr Erlebnispotenzial kann sich bei weiteren Theaterbesuchen noch steigern.

Jan Ochalski

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