DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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BILSING IN GEFAHR - Teil 5

 

Ein letzter Brief aus Alcatraz

Oder

 

SCHULDIG - in den Fängen des Finanzamtes Novaesium

 

Es hat mich meinen letzten Goldzahn gekostet, daß ich nun an alle meine lieben alten Freunde diesen letzten Brief (wie einst Mario Cavaradossi in Puccinis "Tosca") schreiben kann. Die jahrelange schlechte Nahrung - nur MacDreck-Burger - und der damit verbundene Skorbut durch Vitaminmangel - ihr kennt ja alle "Papillon" (Henri Charrière) - ließen die anderen Zähne ausfallen. 

Was war passiert? Wie um Himmels Willen konnte es soweit kommen?

Achtung! Das kann jedem jederzeit passieren in Deutschland, wenn das Finanzamt einen Fehler macht und Ihr das nicht ernst nehmt.

Ausgangslage: Kleines Brieferl von meinem Finanzamt: Ich hätte die 62 Euro Kfz-Steuer für meinen Kleinwagen angeblich nicht bezahlt, gar falsche Angaben auf dem Abbuchungsformular gemacht. Promt bekam ich die geballte Staatsmacht, in Form der Vollstreckungsstelle eines germanischen Finanzamtes zu spüren.

Ursache: Bei der Umgliederung/Neustrukturierung der niederrheinischen Finanzämter meiner Heimat ist wohl unbemerkt ein Fehler passiert.

Es hat sich mein Datensatz bei der Kfz-Steuerabteilung plötzlich geringfügig geändert bzw. ist (Eingabefehler oder Sabotage?) klammheimlich verändert worden. Sollte da etwa ein ungeliebter Kritiker... Insoweit, daß da plötzlich bei Bankverbindung nicht mehr "Sparkasse Neuss" - sondern "Sparkasse Krefeld" stand; kleiner Fehler - große Wirkung. Für mich mit fatalem Ergebnis.

Das Unheil nahm seinen Lauf: So erhielt ich vom Finanzamt Novaesium ein harmloses Brieflein mit dem Hinweis binnen 48 Stunden (bei angedrohtem Sofort-Arrest) die fällige Kfz-Steuer von 62 Euro für meinen Golf (ich zahle nur so wenig, weil das Auto natürlich extrem schadstoffarm ist) umgehend - quasi sofortig - zu bezahlen. Eine Abbuchung wäre wegen falscher ! Angaben zum Konto fehl gelaufen.

Der Stil des Briefes stempelte mich moralisch irgendwo zwischen einem Hoeness oder Zumwinkel ein - fand ich. Wir kriegen Dich Bürschlein schon! - stand irgendwie zwischen den Zeilen. Dafür schicken wir Dir Staatfeind die Kavallerie auf den Hals.

Aber hallo liebe Finanzbeamte!

Mein Konto - von dem seit 42 Jahren die Kfz-Steuer meines Autos und meiner Maotorräder immer korrekt abgebucht wurde, wird doch nicht bei der Sparkasse Krefeld, sondern bei der Sparkasse Neuss geführt. Das müßt Ihr doch wissen - bucht es doch von dort (bisher jedenfalls!) immer ab. Und Merke: Wo ich kein Konto habe, kann auch nichts abgebucht werden.

Na, das sollte im Zeitalter des schnellen Internets doch zügig geregelt sein.

Denkste!

Zuerst einmal stelle ich fest, daß mein Finanzamt und seine Mitarbeiter anscheinend gar keinen Internetanschluss haben - denn eine Adresse finde ich nicht; findet sich nirgendwo. Man will anscheinend auch im Jahr 2013 nicht zeitnah, oder vor dem Frühstück, kontaktiert werden...

Aber eine Telefonnummer gibt es - hurra - mit Namensbezug. Ich rufe also die Dame rund an - mindestens 2456 Mal - immer vergeblich! Mal teilt mir die Telefonansage mit, daß ich außerhalb der Dienstzeiten anrufe, mal werde ich stundenlang vertröstet und belogen ("Sie sind der nächste in der Leitungs-Warteschlange!") um dann nach 4,5 Stunden und der 67894 Wiederholung einer dämlichen Kindermelodie, die wohl von selbigen auch auf dem Xylophon gespielt wird (um GEMA -Gebühren zu vermeiden) definitiv mitgeteilt zu bekommen, daß ich demnächst erneut anrufen soll, da die Leitungen leider leider total überlastet seien.

In meiner Verzweiflung wähle ich alternative Nummern, die ich so im Telefonbuch unter Finanzamt Novaesium finde. Immer die gleiche Reaktion.

Endlich gelang es ein lebendes  Wesen ans andere Ende der Leitung zu bekommen: "Da sind wir nicht zuständig; sie müssen bitte diese Nummer anrufen!" - "Aber Verehrteste, das versuche ich seit zwei Monaten! Können Sie nicht eine kurze Nachricht weitergeben. Es muss heißen NEUSS !!! Nicht KREFELD !!! Mehr nicht - mehr wirklich nicht. Da ist ein Fehler in ihrem Datensatz. Bitte!" NEUSS!!!!!!

Ich klinge geradezu flehentlich - doch Klong - aufgelegt. Rückruf - besetzt! Auch eine Woche später noch. Gibt es doch Leben auf dem Mars? Ich glaube nicht.

Doch dann keimt Hoffnung auf - ich entdecke eine Fax-Nummer auf den Formularen - unten ganz klein geschrieben am Rande des Formulars raffiniert versteckt. Also sofort auf ins Elektro-Steinzeit-Technologie-Museum nach Heimbach (Ruhrsee) und mir ein noch funktionierendes Faxgerät geliehen.

Daß es für die Millionen Kunden des Finanzamtes am Niederrhein nur EINE EINZIGE FAXNUMMER ausgeschrieben gibt - kein Scherz ! - hätte mir verdächtig aufstoßen müssen... Also faxe ich und faxe und faxe. Und faxe und faxe bis ich die Faxen dicke habe.

Nun denn die alte Methode: DER BRIEF.

Die 23,50 Euro für ein "Einschreiben - persönliche Zustellung mit Rückschein" hätte ich mir sparen können, denn es gibt nur ein Postfach, wo der vermutete Ein-Euro-Jobber Hubert H. (Name erfunden) als Postbevollmächtigter die tausende von Briefen wohl alle quittiert.

Zwischenzeitlich wiehert der Amtsschimmel orkanmäßig und es verfügt die Finanzbehörde (Kopie an mich) eine Pfändungs- und Einziehungsverfügung um meine 62 Euro Staatsschulden direkt von der Bank einzuziehen.

NA - RATEN SIE VON WELCHER BANK...

Ähem... genauvon eben dieser KREFELDER SPARKASSE, wo ich ja gar kein Konto habe. Noch Fragen?

Die Geschichte eskaliert...

Tatbestand: Absichtliche Irreführung der Staatsmacht, bewußte Täuschung der Steuerbehörden, Heimtücke und Hinterlist - so ein Schwein!

Nein !! Ich bin nicht SEBASTIAN VETTEL! Heisse auch nicht Schumacher. Ich zahle ehrlich meinen Anteil an den Staatsausgaben....

 

Ende: Über den Einsatz der GSG-9 vier Wochen später nachts um 4 h und die weiteren Umstände meiner Verhaftung zu schreiben macht keinen Sinn mehr nach den vielen Jahren in Alcatraz. Habe auch das meiste vergessen oder verdrängt.

Und, liebe Freunde, glaubt nicht die Presse-Lügengeschichten, daß dieses Gefängnis schon seit Jahren geschlossen sei - alles nur amerikanische Propaganda. Überall treffe ich hier noch Menschen in orangenen Arbeitsanzügen...

 

P.S.

Und manche sprechen sogar Deutsch - niederrheinischen Nüsser Dialekt.

 

 

 

 

Bilsing in Gefahr - Teil 4

 

SCHWANENSEE anno 1953 & ein Rotzlöffel

 

Eigentlich sollte alles ganz friedvoll & schön werden

 

Erinnerungen an ein Gastspiel des Moskauer Stanislawsky-Balletts in der Rheinoper vor Jahren - ein ständig wiederkehrender Alptraum.

Trügerische Vorfreude! Auf Einladung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters geht auch der bärbeißigste Kritiker besonders gerne ins Theater; es ist ja auch eine Ehre! Daneben freut man sich an solch seltenen Abenden natürlich besonders darüber, endlich einmal wieder - ohne Chronistenpflicht - einen schönen Ballett-Abend genießen zu dürfen. Ach, was hätte es idyllisch sein können! Allein schon deshalb, weil ich modernen Schwanensee-Choreografien, wie in Essen oder esoterisch moderner Tanzchoreografie doch ziemlich reserviert gegenüberstehe.

Daher war ein Abend angesagt, wo „Schwanensee“ in der originalen Burmeister-Choreografie von 1953 das Publikum mal so richtig zum träumerischen Schwelgen bringen sollte. Als wenn ein altes Märchenbuch aufgeschlagen wird. Herrlich sollte es werden! Doch wie es so oft im Leben ist, wenn sich jemand besonders auf etwas freut, hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht… Und mögliche Wirte gab es annähernd 1350 im voll besetzten Düsseldorfer Opernhaus. Die meisten waren harmlos und konnten sich adäquat unauffällig benehmen. Immerhin war „Event“ angesagt. Für mich leider Dantes „Inferno“! Wieder einer jener Tage, wo sich die letzten schwarzen Haare noch in weisse verwandeln.

Vielleicht war es auch eine göttliche Bestrafung für meine oberlehrerhafte Glosse „Unsitten in der Oper“  Späte Rache irgendeines Hilfsgottes - wer weiß? Gestern Abend war Wotan mal wieder zum Schabernack aufgelegt. Verstehen Sie Spaß, Herr Bilsing?

Das Stichwort „Rotzlöffel“ wird den Großteil dieser Sottise prägen – leider! Denn eigentlich sollte es eine Kritik werden. „Held“ meiner wahren Geschichte ist ein kleines, süßes, ca. 6-jähriges Mädel (Parkett rechts, Reihe 9 - Platz 163/165). Eigentlich kein „Rotzlöffel“, oder „Rotziges“, wie man in Düsseldorf sagt, sondern ein hübsch zurecht gemachtes und adrett gekleidetes Engelchen, welches von einer unsensiblen Mutter - wohl mangels spätabendlichen Kinderhortes - augenscheinlich völlig unvorbereitet in den „Schwanensee“ getaucht wurde. Gala-Ballett als Kindermädchen für Begüterte, oder sollten das etwa preiswerte Hauskarten gewesen sein? Egal – die variantenreiche Mobilität der Kleinen war frappierend. Weniger störte, daß die Mutter ihr auch noch ständig den komplizierten Inhalt erklärte.

Nun ist es in der Düsseldorfer Oper leider so, daß der Besucher im kaum ansteigenden Parkett unter Körpergröße 1,75 eigentlich permanent, bei nicht-japanischem Vorsitzenden per saldo Sichtbehinderung „genießt“. Wie verzweifelt muß sich da erst so ein 1-Meter-Zwanzig-Knirps hinter lauter Sitzriesen fühlen.

Doch dafür bietet das Opernhaus immerhin seit einigen kinderfreundlicheren Jahren separate Sitzkissen an. Ich nahm früher immer für meine Kids den Kinderautositz mit und drehte ihn herum, was ältere Opernbesucher (die ja bekanntlich 95 Prozent in der Rheinoper ausmachen) stehts zu einem lauten "Ich seh nichts mehr!" veranlasste.

Doch zurück:

Immerhin besorgte das „fürsorgliche“ Muttertier ihrem Sprösslinchen nach dem ersten Akt und diskreteren Hinweisen der umsitzenden rund 20 Personen schließlich diese Sicht- und Sitzhilfe.

„Jetzt wird doch wohl endlich Ruhe sein!“, so mein sichtlich genervter Nachbar. Der Mann sprach uns allen aus der hoffnungsvollen Seele. Man will ja nicht gleich als Kinderhasser gelten. Erratio diabolico! Jetzt ging´s erst richtig los. Nun entdeckte unser Schatzilein die wunderbare Möglichkeit, die nun mal halt so ein großes dickes Sitzkissen für talentierte Jungsportler bietet, nämlich:

Die wunderbare Welt des Trampolinspringens.

Heia jupheidi – das war ja wie zu Hause auf dem Sofa. Welche Freude! „Mama! Oper ist suppi! Geil!“ Dagegen hatte sich die Kleine im ersten Akt noch richtig zurückgehalten. Gab es vorher wenigstens noch einige ruhige Minuten, wenn sich die Süße zur Freude der Hintersitzer wenigsten gelegentlich („Buhuh - schau her Mama, wo bin ich?“) unter ihrem Sitz versteckte, so wurde im 2. Akt unsere kleine Königin geradezu sprunghaft ständig sichtbar. Man kann sagen, sie blühte richtig auf.

Den mittlerweile schon zunehmend ärgerlicher werdenden Beschwerden unseres Leidenskollektivs begegnete die Mutter mit einem sicherlich ehrlich gemeinten „Ja, ja... ein Talent meine Kleine - die will halt ständig mittanzen… hihihi!“ Angesichts der Tatsache, daß wir wohl hier die zukünftige Anna Pavlowa erleben durften wurde die Empörung etwas gedämpft – nicht aber die Bewegungsfreude unseres Schnuckelchens! Hegten wir noch die bare Hoffnung, daß der Zwerg wenigstens im Dritten Akt müde werde und uns endlich die herrlichen Schwäne genießen lassen würde, wurden wir realiter eines anderen belehrt.

Manche Kinder werden halt um 22.00 h erst richtig munter.

Wir hatten natürlich genau diese Ausnahme von den 100.000 friedvollen anderen erwischt. Pech! Schluchzend und weinend fiebern wir dem dritten Akt entgegen. Ein älterer Herr bekam einen Herzanfall.

Zu diesem Zeitpunkt (3. Akt. 22.15 h) waren allerdings nicht wenige „Ballettfreunde und Fachleute“ schon gegangen. Nicht unbedingt aus Ärger über ähnliche reizende Sitznachbarn, sondern eher, weil man in der örtlichen Tagespresse - und solcher glaubt man halt blind, egal was im Programmheft steht - gelesen hatte: Ende 22.00 h! Und wenn da 22 h steht, dann gehen wir auch. Basta!

Selbst den dezent gehauchten freundlichen Worten der angesichts dieses frühen Menschenschwalles sichtbar überraschten Garderobieren: „Es ist aber doch noch lange nicht zu Ende“ wurde nicht geglaubt, insbesondere angesichts der langen Kette geldgieriger Taxifahrer, die – ebenfalls fehlinformiert – bereits draußen hupend und ungeduldig warteten. Hinzu kamen jene Privat-Chauffeure, die ihre Angehörigen selbstverständlich ebenfalls „pünktlich“ abholen wollten und heftig gestikulierend mit der anderen Seite der Familie (die sich logischerweise ja noch im Inneren des hehren Opernhauses aufhielt und Schwanensee zu Ende sehen wollte) mobiltelefonisch auseinandersetzten. Sie werden von diesem unverhofften Verkehrschaos auf der Heine-Allee sicherlich in den Tageszeitungen gelesen haben. Nein, es war keine Kurdendemonstration.

Fazit:

Hier hört jetzt der Spaß auf, wenn ich an dieser Stelle drei Fragen zu stellen wage:

1) Wie blöd, egozentrisch, naiv und rücksichtslos können eigentlich Eltern heutzutage sein?

2) Wie unbedarft ist ein Publikum, welches ein dreiaktiges Ballett (eigentlich sind es 4 Akte) mit angegebenen 2 Pausen und einer Netto-Musik von beinahe 140 Minuten schon nach 2,5 Stunden, zumal bei solch hohen Eintrittspreisen, herdenartig vorzeitig verlässt?

3) Wo bitte ist der Minimalservice der Rheinoper, die sich sogar selbst auch im Programmheft verschätzt hat: Angekündigtes Ende 22.30 h ! – tatsächliches Ende gegen 23.00 h !! Hätte man nicht wenigstens ein paar Reiter aufstellen oder Zettel kopieren können, um das verehrte Publikum auf solche Divergenzen hinzuweisen?

Wer derartig kritisiert, muß auch Verbesserungsvorschläge machen.

a) Die Eintrittskarte wird zukünftig erst ausgehändigt, wenn jeder Besucher schriftlich bestätigt, das Programmheft gelesen und keine Fragen mehr an das selbstverständlich an jedem Abend anwesende Dramaturgen- oder Musikpädagogenteam zu haben.

b) Eltern mit kleinen Kindern kommen nur noch ins Auditorium, wenn sie einen Pfand in Höhe von 100 Euro pro Balg beim Türsteher hinterlegen: Dieses wird nur zurückgezahlt, wenn die Sitznachbarn am Ende der Vorstellung dies wohlwollend abnicken und das ordentliche Verhalten der Zwerge bestätigen. Ansonsten wird das Geld von den/die Gestressten, quasi als Schmerzensgeld, hinterher veralkoholisiert. Bei Schulklassen zahlt grundsätzlich der Lehrer!

c) Abendspielleiter und Dirigent bestätigen schriftlich und verbürgen sich dafür im Namen des Generalintendanten auf mehreren Aushängen, daß die Aufführung tatsächlich zur angekündigten Zeit endet. Für jedes überzogene 5-Minuten-Intervall gibt es ein Freigetränk, ab 15 Minuten hinterher ein Gratis-Buffet.

d) Sollten Schulklassen in der Oper sein, wird das Ordnungspersonal der Türsteher mit Elektroschockern ausgestattet.

 

 

 

Bilsing in Gefahr - Teil 3

Wenn Sekunden zu Stunden werden

oder

Das 2. Gesetz der Thermodynamik*

Achtung: Ein Theaterbesuch von Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ am Dortmunder Schauspielhaus kann Ihrer Gesundheit schaden!

Es gibt in meinem bisherigen langen Kritikerleben nur zwei Produktionen, die ich frisch und fromm direkt von der Leber weg unbeschönigt und proletenhaft als "gequirlte Scheiße" bewerten würde; das eine war der Ratten-Lohengrin aus den Bayreuther Versuchslaboren von Hans Neuenfels (2010/11), und das zweite geschah gestern (14.1.) in Dortmund - Premiere DER GOTT DES GEMETZELS, Machwerk und Publikumsverarsche unter der Regie von Marcus Lobbes. Shit happens - aber warum mußte ich mal wieder dabei sein? WARUM STEHLT IHR MIR ZWEI STUNDEN LEBENSZEIT? WAAAAARUM? Was habe ich Euch getan?

Doch gehen wir in medias res:

Es sind mal gerade erst drei (!) Sätze, aufs schlimmste affektiert und künstlich (künstlerisch?) verfremdet gesprochen, da möchte der Kritiker schon panikartig das Schauspielhaus verlassen. Kennen Sie auch solche Situationen? Dann verfügen Sie über ein gerüttelt Maß an Empathie um nun mitzuleiden; Sie wissen eines genau: das ist "Scheiße hoch 3" und wird garantiert nicht besser; aber wir müssen noch geschlagene 89 Minuten sitzen bleiben, weil wir halt gut erzogen sind und uns nicht, wie Fußballplatzpöbel oder Opernbesucher, während der laufenden Vorstellung störend mitten durch die anderen Zuschauer quetschen. Das tut man nicht! Das tun wir auch nicht.

Weiter:
 
Puh! Ich habe Schweißperlen auf der Stirn. Jedes gesprochene Wort auf der Bühne wird zum Martyrium, welches sich in den unendlichen Sekunden des zäh springenden Zeigers meiner Armbanduhr spiegelt. In der Tat ein Gemetzel! Der Versuch zu entfliehen, wenigstens virtuell, indem ich mich in den Sekundenschlaf flüchte, was sonst in jeder Oper gelingt, klappt diesmal nicht, denn mein Hals ist zornesgeschwollen und mein wutentbrannt forcierter Puls tendiert gegen 180 - Blutdruck 200. Ich bin in der Stimmung für eine ordentliche Schlägerei. Von Schlafen keine Spur; ich kann mich auch nicht in meinen zumindest körperlich doch vorhandenen Panzer zurückziehen. Rien ne va plus. Keine nahegelegene Notausgangstüre ist in Sicht! Zwei Stunden sind, so scheint es, vergangen, doch meine exakt funktionieren Funkarmbanduhr zeigt erst 13 Minuten Spieldauer! Zu diesem Zeitpunkt gehe ich fatalistisch davon aus, daß ich diese Schmiere nicht überleben werde... Warum muß ich ausgerechnet bei so einem Schund sterben?
 
Welcher Teufel hat den Regisseur geritten diese landauf, landab vielgespielte und international gefeierte wunderbare Tragikomödie so zu verhunzen und ein derartiges Affentheater mit grimassierenden Darstellern zu inszenieren? Was sollen die dauernden homoerotischen Anspielungen? Die körperlichen Verrenkungen beim Sprechen? Die Kindergartengestik?

Versuch einer Erklärung:

Natürlich dachte das Regieteam beim Titel "Gott des Gemetzels" an Antike. Die Griechen hatten bekanntlich viele Götter, denn für alle Phänomene, die sie sich nicht erklären konnten, erfanden sie neue. Einen richtigen "Gott des Gemetzels" gab es vielleicht bei den Inkas - allerdings noch unentdeckt. Wegen des Titels und weil halt keine Zeitsprünge im Stück sind - wir erleben alles in Echtzeit - verwendet Regisseur Lobbes Symbole griechischer Tragödien: Ein nachlässig umgeworfenes Bett-Tuch verunziert als eine Art Toga alle Mitwirkenden. Da bei der griechischen-Tragödie (wie wir ja wissen! Oder nicht?) alle Rollen von Männern gespielt wurden, müssen auch hier die Männer Frauenkleidung tragen und sich auf Stöckelschuhen über die Treppen quälen, was dazu führt, daß sie natürlich öfter stolpern und sich hinlegen. Hahahaha... Das ist wirklich urkomisch und das Premierenpublikum schlägt sich unentwegt auf die Schenkel. Man trifft anscheinend haargenau den Publikumsgeschmack. Bei soviel Spaß müßten eigentlich gleich alle den Karnevalshit "Es steht ein Pferd auf dem Flur..." intonieren.

Doch einige Zuschauer ziehen nicht mit. Sicherlich - so vermute ich - Theater-Besucher, die das Stück kennen und eventuell sogar den superben Film gesehen haben. Sie schauen  so finster drein wie der Kritiker. Ich suche Verbündete per Blickkontakt - im Halbdunkel.

Na klar: die Schuhe sind eine "hochintelligente" Reminiszenz an die klassischen Kothurnen: Männer tragen Stöckelschuhe, Frauen tragen Schuhe mit Tableau-Sohlen; Gott-sei-Dank torkelt keiner auf Stelzen herum. Aber beides wirkt durch die Bewegungshemmung wirklich (?) saukomisch - zumindest für einen nicht gerade kleinen Teil der Premieren-Zuschauer. Jerry Lewis läßt grüßen. Witze auf Pocher-Niveau! Vielleicht tritt gleich noch Harald Schmidt auf.
 
Ich versinke immer tiefer in meinem Theatersessel - was, zugegebener Maßen, bei einer Größe von gut zwei Metern schwer fällt. Gerade versucht eine Schauspielerin sich an einer der vielen von der hohen Decke herunterhängenden Klopapierrollen zu erhängen - jodelnde Begeisterung im Publikum! Die Logik und Sinnhaftogkeit der Bühnendekoration wird mir jetzt klar. Die Akteure tun mittlerweile so, als ob sie sich besaufen. Auch diese Sequenzen werden natürlich künstlerisch intellektuell verklärt und verfremdet, indem man sich gegenseitig mit großen Stücken schwarzen Textilbandes eine klebt bzw.  sich und anderen das Gesicht verklebt. "Hier noch einen Drink!" – klatsch, ein Stück schwarzes Klebeband auf die Backe! "Danke! Prost" klatsch - Klebeband zurück. Merde...

Ich schließe die Augen. Aber der seltsam verfremdend deklamierte Text (Man sagt z.B. nicht "unser Junge" sondern "Uuuuuuunseeeeer Junnnnggggge!"), die Schauspieler müssen mal schnell mal langsam sprechen, zerhacken den Text, brüllen und grunzen sinnlos, rollen mit den Augen und gehen sich an die Wäsche. Als ich zwischenzeitlich mal wieder die Augen öffne, geht ein Darsteller nicht nur sich, sondern auch dem drei Meter großen Teddybären auf der echten Bühnenseite ans Gemächt. Wo ist jetzt da der Sinn? Der sinnsuchende Kritiker grübelt, versinkt in Verzeiflung.

Nur noch 60 Minuten signalisiert meine Uhr - nach gefühlten und schmerzlich erduldeten durchlittenen zehn Stunden baren Unfugs und spätpubertären Blödsinns. Das ist Folter dritten Grades!
 
"Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani..." Jau - das ist es: Ich erinnere mich nun mit Freuden an die Lateinstunden vor 50 Jahren und erkenne jetzt endlich den Sinn dieser elenden Auswendiglernerei. Zum ersten Mal bereitet mir Latein Freude im Leben. Welch wunderbare Ablenkung! Ich versinke mental in Caesar - und... - überlebe dieses Schmierentheater. Unmerklich ist es 21 Uhr geworden und das Publikum jubelt und jodelt plötzlich los. Die Pfiffe sind Akklamation - wir sind ja in Dortmund (Stichwort: BVB!). Ein paar Wenige buhen. Jetzt nur kein Dacapo! Ach Entschuldigung... wir sind ja im Schauspiel.
 
Der Nachhauseweg zu "Siegfrieds Trauersmarsch (Wagner) ist mir ein innerer Durchmarsch - ich sehe mich auf der Opernbühne, vor mir den Regisseur, den ich vorher grausam gemeuschelt und viergeteilt habe, zu Grabe tragen. Herrlich! Wunderbar!

Ein roter Blitz zerstört meinen Abendtraum. Diese dreckeligen Schweinepriester haben doch auf dem Ruhrschnellweg anscheinend alle 5 Kilometer Radarkästen aufgestellt. NUN IST DAS MASS ENDGÜLTIG VOLL.

Was sind eigentlich zwei Stunden Lebenszeit wert?

 

 


Bilsing in Gefahr - Teil 2

Aus dem nicht ungefährlichen Leben des Opernfreund-Chefredakteurs auf Reisen

 

Der Nichthoteltipp - Das Norman Bates Hotel

Radisson BLU - schwarzer Bock (Wiesbaden) *****

Das 5 Sterne "Radisson BLU" liegt verkehrsgünstig mitten in der City - nur fünf Minuten von der Oper entfernt. Ein Katzensprung! Das Hotel arbeitet wie mein Autohersteller Volkswagen. Der Basispreis ist Augenwischerei! Lüge gar. Wenn Sie z.B. zum zur Zeit billigsten VW-Modell den UP für schlappe 9999 Euro greifen wollen, dann bekommen Sie den Wagen unlackiert, denn die einzigen beiden preiswerten Basisfarben - weiß und rot - kosten Aufpreis ! treiben den Kleinstwagen über die 10 000-Euro-Schwelle. Das ist ehrlich kein Scherz!

Doch zurück zum Hotel: Die 110 Billig-Euro addieren sich blitzschnell zu 160 Teuro, wenn man die quasi verpflichtende Parkpauschale und das Frühstück hinzu addiert. Drei Drinks in der Bar, die wenig stilvoll ohne Unterdeckel serviert werden, und man hat locker die 200-er Grenze blitzschnell überschritten.

Doch zurück zum Entrée: Mit einem Fahrzeug, daß auch das "Blu", wenn auch mit zusätzlichem "e" im Titel trägt, nämlich Blue-Motion, denke ich doch besonders freundlich und herzlich empfangen zu werden. - Irrtum Denkste! Am Empfang werde ich in meiner edlen Strickjacke und mit echten ! Birkenstock Clogs, sowie teurer Victorinox-Sporttasche aus der Schweiz, kritisch und blasiert, von einem anscheinend adligen Ober-Concierge, durch die Horn-Brille misstrauisch beäugt. Meinem präsentierten HRS-Internet-Reservierungs-Bon widmete er keinen einzigen Blick - pure Verachtung entströmt seinen Zügen. Ich fühle mich als Kröte, als Wurm als Abschaum gar.

Ich bin total verunsichert und krame in meiner Erinnerung: So schaut Wotan im Ring des Nibelungen (Rheingold) bevor er Alberich den Finger mit dem Ring abhackt. Könnte es sein, daß diese preiswerte Internet-Buchungsmethode mich als eine Art schäbigen Kleinverdiener ausweist - einen Trinkgeldschnösel gar? Einen quasi subalternen miesen Hotelgast? Droht mir etwas jetzt das Engländer-Zimmer. Ich schaudere....

"Name! - Kreditkarte!" Klingt wie früher beim Baras: "Stillgestanden!!" Meinen Einwand, daß doch die Rechnung vom Einlader (meiner Schwester) längst bezahlt sei, entgegnete der Livrierte: "Das ist nur zur Sicherheit! Nur zur Sicherheit. Verstehen Sie.!?" und er schaut mich durchbohrenden Blickes an - "Nö!" Die blitzschnell nachgeschossene Frage, ob ich den Parkservice nutzen wolle, war eigentlich überflüssig, denn ich konnte mein Fahrzeug ja nicht mit aufs Zimmer nehmen, und vor dem Hotel gibt es nur eine handvoll Stellplätze.

Auf mein "Ja!" kam sofort die Replik: "Kostet aber 25 Euro - egal ob wir Ihr Fahrzeug vor dem Hotel oder im Parkhaus abstellen!" Verdammt! - sehe ich wirklich so armselig aus? Ich nehme mir vor den Bart zu stutzen. Meinem kritischen Blick und der kurzen Bemerkung, daß mir ja nichts anderes übrig bliebe, begegnete der Empfangsgeneral jetzt schnippisch, schnöselig und beinah mitleidsvoll: "Ahem, Entschuldigung, mein Herr - Sie sind hier in der City von Wiesbaden!" Und er läßt jedes Wort quasi auf der Zunge zergehen. Was immer er damit sagen will; ich beschließe demnächst mit Zug und Taxi anzureisen. Falls überhaupt...

Das Zimmer im dritten Stock finde ich alleine - nach 30 Minuten! Zwischenzeitlich lernten meine Koffer und ich schon mal die Sauna, alle Fluchtgänge und das antike Sprudelbad kennen. Hurra! Endlich das Zimmer. Wie nett: Auf dem Tischlein begrüßen mich zwei Mineralwasserflaschen. Allerdings steht auf dem angehängten Schildlein nicht "Herzlich Willkommen" sondern "7,40 Euro"! Die zweite Flasche ist ohne Kohlensäure - auch "7,40 Euro"! Ich frage mich, was das wohl für ein edles Gesöff sein mag?

Na wenigstens ist das Kabelangebot gratis und vielfältig - und das Bett lang genug. Wohl doch kein Engländerzimmer. Es gibt rund 60 verschiedene Kanäle - davon 20 arabische und sogar mehrere russische Sender - Donnerlittchen! Sagt uns das etwas über die Hauptklientel des Hotels? Wohl eher nicht, ich werte es als ein Zeichen für guten Service - obwohl ich einen türkischen Kanal sowenig entdecke, wie einen holländischen.

Die kurze Zeit bis zum Opernbeginn (Turandot) verweile ich im "Dschihad-TV". Leider wird in dieser Zeit weder die Steinigung einer Frau, noch eine ordentliche Auspeitschung übertragen; noch nicht einmal die passable Live-Aufhängung eines Christen oder sonstiger Ungläubiger gibt es. Ich bin irgendwie enttäuscht. Vielleicht sind das ja doch alles nur Vorurteile. Pornofilmchen gibt es - aber nur im Dreierpack für 18 Euro; anscheinend ist das ein Sonderpreis - während das Pay-TV Kinoklassiker schon für schlappe 7 Euro auch einzeln anbietet: Die Hard, Rambo, Mission Impossible....etc.

Die Turandot-Premiere in der Hessischen Staatsoper ist eine Katastrophe (bitte nachlesen!), so daß ich beschließe mich in der Hotelbar hinterher ordentlich zu besaufen. Leider läßt der Fuffi, den ich noch bar habe, nur ein paar Bierchen zu. Anschreiben lasse ich natürlich nicht. Die Getränkepreise entsprechen fast genau denen in der Rio-Rita-Bar in Düsseldorf hinterm Bahnhof - allerdings dort mit barbusigem Personal Service.

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Ich schlafe schlecht und habe Alpträume. Eine Art Halloween-Killer aus John Carpenters Massaker-Film in Gestalt und Maske des Oberportiers verfolgt mich grinsend mit einem langen Messer und schreit immer wieder: "Trinkgeld! Trinkgeld! Ich krieg Dich!" Vielleicht sollte ich nicht soviel Horror-Filme schauen...

Nächster friedlicher Morgen: Daß man zu einem 5-Sterne-Frühstück Kaffee in billigen Thermoskannen (die meinige war auch noch fast leer!) serviert bekommt, wie bei Kanaken-Fritze auf der Reeperbahn an der Pommes-Bude, verwundert bei diesem Preis.

"Rührei" steht auf dem Kessel - kaltes Stockei ist drinnen; im Notfall könnte man damit bestimmt Fensterscheiben einwerfen. Die Bratwürstel sind nur leicht angebraten - medium. Und die Minifrikadellen schmecken wie von Lidl bzw. in der Post-Kantine. Ansonsten ist das Buffet aber ausreichend reichhaltig rustikal: Man bietet eine Vielfalt des Mittelmaßes an. Frohsinnig bemerke ich, daß die verschiedenen Brötchen auch am Sonntag knusprig sind. Dazu gibt es gibt die üblichen Billigwurstsorten und etwas Käse. Leider kein Lachs, keinen Parma-Schinken, keine Crevetten, kein Roastbeef - Dinge, die in einem 5-Sterne-Hotel selbstverständlich sein sollten auf dem Frühstücksbuffet.

Da mein Fahrzeug vom Oberchauffeur des Fahrdienstes direkt am Hotel parkiert worden war, wollte ich nach dem Frückstücks-Genuss mein vergessenes Handy holen. Dazu mußte ich aber meinen Parkschein an der Rezeption gegen den Wagen-Schlüssel eintauschen. Würden Sie, liebe Leser, darin irgend eine Problematik sehen? ... So dachte ich auch.

Merde alors... Der Empfangsgeneral von gestern hatte schon wieder Dienst! Ein Kloß entsteht in meinem Hals. Schuldbewusst mache ich mich drei Zentimeter kleiner, grinse freundlich, halte ihm meinen Parkzettel unter die Nase und bitte höflichst um meine Autoschlüssel. Dagegen kann man doch wohl nichts sagen - so denke ich - insbesondere da ja alles schon am Vortag bezahlt....

Welch fundamentaler Irrtum!

Ich hatte die Abrechnung ohne den Generalfeldmarschall, unseren adligen Gesichtskontrolleur, gemacht. Seine Miene verfinstert sich merklich als er mich sieht. Ich kann nur noch stotternd hervorbringen "Ö ö ö, die Autoschlüssel bitte!" Meine Bitte wird mit einer Gegegenfrage beantwortet "Entschuldigung! Haben der Herr schon ausgecheckt!?" Ich fühle mich, wie der 12-Jährige, den die Mutter beim Onanieren erwischt und antworte verdutzt und verstört: "Ähem, nein, sorry - ich wollte nur mal eben mein Handy aus dem Auto holen; hatte ich gestern ä ä vergessen - und dafür brauche ich halt meinen Autoschlüssel. Tschuldigung nochmal!" Hätte ich vielleicht einen Fuffi dazulegen sollen? Die Antwort kam unerwartet prompt:

"Na... den Schlüssel lassen wir mal schön noch hier bei uns bis sie ausgecheckt haben!" Wenigstens hat er nicht noch "Freundchen" ergänzt. Ich versinke vor Scham fast im Boden und frage eine hinter mir stehende ältere Dame, ob mir irgendein Scherzkeks vielleicht ein Schild Harz-4-Empfänger, Asi oder Bankräuber angeklebt hat?

Absolut sprachlos, mich fühlend wie ein ertappter Sünder (Wo ist Deine große Klappe geblieben, Big P!? - tönt eine Stimme in meinem Innenohr) beschließe ich beim nächsten Mal das Erste Hotel am Platz, dem gegenüberliegenden Nassauer Hof (witziger doppeldeutiger Name!) zu buchen - nebenkostenbereinigt kaum teurer, allerdings kostet dort die Sauna extra, aber zum Frühstück gibt es Lachs und Roastbeef, sowie frische Rühreier. Und guten, leckeren Kaffe.

So trolle ich mich in Richtung meines Zimmers - klaue aber, um das Hotel zu schädigen noch zwei Zeitungen. Der Bademantel ist leider für einen 5-XL-Menschen zu klein und die Handtücher zu schäbig. Fünf Minuten später stehe ich dann wieder (mit meinen gepackten Sachen und Blutdruck 250!) mutig an der Rezeption. Nach einem Beruhigungschnaps aus der Minibar - ich füllte das Fläschken natürlich mit Wasser wieder auf - fühle ich mich jetzt besser. Ausgesprochen frisch und aggressiv.

Wenn ich jetzt meinen Wagenschlüssel nicht bekomme gibt es ein Blutbad, Freundchen! Ich denke reumütig an meine Alu-Baseballschläger... der aber leider einsam im Kofferraum meines Autos liegt, neben meinem Pfefferspray und dem Elektro-Schocker.

Der Haushofmeister am Empfang symbolisiert mir mit einem kurzen Wiedererkennungs-Blick sein Ahah.

Na also Bürschlein - geht doch!

Meinen Autoschlüssel bekomme ich aber immer noch nicht, denn der General-Oberst fragt noch kritisch und investigativ nach der Nutzung der Mini-Bar. Mein spontanes "Nein!" läßt seinen skeptischen Blick noch einmal verächtlich über mich streichen (na wenigstens kann er keine Gedanken lesen) - sein Röntgenblick scheint mich vom Scheitel bis zur Sohle zu durchleuchten. Ich stehe kurz davor zu bemerken: Bitte schauen Sie doch selber nach - ich warte natürlich so lange. Man kann heutzutage ja keinem trauen!

In der Tat überlegt einen kurzen Moment und dann geschieht das Lohengrinsche Wunder:

Ich bekomme doch noch meine Wagenschlüssel!

Glückstränen kullern mir über die Bäcklein. Es ist, als wenn die Kameliendame überlebt hätte und gleichzeitig die Butterfly unselbstgetötet aus einem Alptraum erwacht. Florestan Bilsing, Du bist frei!

Die übrigen herumstehenden Angestellten, sowie der Oberchauffeur-Parkiermeister, zählen ausdauernd imaginäre Fliegen an der Decke. Bin ich beim Herausschlendern zum "Unsichtbaren" degeneriert? Nicht ansatzweise taucht die Frage auf, ob man vielleicht meine Koffer zum Auto tragen dürfte...

Fazit: Liebe Opern-Freunde, auch der finsterste Portier hat mal Urlaub. Buchen Sie sich also dennoch bitte demnächst, trotz meiner ketzerischen Zeilen, hier ein, denn ich gehe davon aus, daß der Generalmanager beim nächsten Personal-Fortbildungsseminar "Qualitätsmanagement" bzw. "Kundenfreundlichkeit" diese Zeilen für eine Klassenarbeit seiner Mitarbeiter nutzen wird. Es kann nur noch besser werden! Nur bitte: Geben Sie ihren Autoschlüssel niemals NIEMALS aus der Hand !!, oder bringen Ihren Zweitschlüssel klammheimlich mit. ;-)


Bilsing in Gefahr - Teil 1

An der Schweizer Grenze

Grenze Bregenz, Juni 2011 - 15 h:

Alle dürfen fahren, nur mein schmutziger Golf wird zielgerade zwischen lauter Mercedes Geländewagen-Panzern, Luxuslastern a la Audi Q 7 und weiteren Prunkkarossen mit Chauffer zielbewußt heraus gewunken.

Zöllnerin: Sie haben keine Vignette!

PB: Stimmt auffallend!

Zöllnerin: Haben Sie vor über Schweizer Autobahnen zu fahren?

PB: Aber Frau Oberförster! Dann hätte ich doch eine Vignette!

Ich aber halte Vignetten für eine Form mittelalterlicher Wegelagerei; sozusagen modernes Raubrittertum. Bei den Milliarden, welche die Schweiz an nichtabgeholten Judenvermögen einkassiert hat und den Zinsgewinnen aus dem Blutgeldern der Weltdiktatoren, dürfte die Schweiz eigentlich so etwas nicht nötig haben. Sehr peinlich! Außerdem heißt das grammatikalisch richtig "auf schweizer Autobahnen zu fahren!"

Zöllnerin: Was wollen Sie in der Schweiz?

PB: Meinen Sie die Frage ernst?

Zöllnerin: Ich meine alles ernst!

PB: Ich möchte am Bernina-Gletscher einen Schneemann bauen!

Zöllnerin: Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?

PB: Sie meinen "verarschen"?

Zöllnerin: In etwa!

PB: Was meinen Sie denn wohl, was das Presseschild da vorne in meinem Auto bedeutet? Und der danebenliegende Ausweis!

Zöllnerin: Sind Sie Journalist?

PB: Wenn Sie lesen könnten, wäre diese Frage überflüssig!

Zöllnerin: Wieso?

PB: Das Kleine ist ein internationaler Presseausweis!

Zöllnerin: Bringen Sie irgend etwas mit in die Schweiz?

PB: Ja Geld! Und ein Wurstbrot! Das esse ich aber sofort auf, wenn Sie möchten.

Zöllnerin: Wieviel Geld?

PB: Sage ich nicht!

Die Zöllnerin geht zu einem Kollegen und bespricht sich länger.

Kollege kommt und fragt: Haben Sie ein Navigationsgerät?

PB: Was ist das wohl da für ein kleiner Kasten der mittels eines schwarzen Saugnapfes da mitten auf meiner Windschutzscheibe prangt?

Zöllner: Zeigt das Gerät Radarstationen und polizeiliche Messpunkte an?

PB: Das wäre ja illegal!

Zöllner: Sehr richtig! Zumindestens bei uns in der Schweiz!

PB: Wußst ich es doch.

Zöllner: Öffnen Sie bitte den Kofferraum!

PB: Und wenn ich jetzt die Schweizer Nationalhymne singe?

Zöllner: Kennen Sie die denn?

PB: Nö! Aber der Kofferaum ist offen! Sie dürfen darin wühlen, soviel Sie wollen! Aber passen Sie bitte auf die Spritzen auf!

Zöllner: Waaaas........?

PB: Kleiner Scherz!

Zöllner: Haben Sie Drogen oder Ähnliches dabei?

PB: Was verstehen Sie unter "oder Ähnliches"?

Zöllner: Zum Beispiel Alkohol und Zigaretten!

PB: Ist das in der Schweiz verboten?

Zöllner: Bitte beantworten Sie meine Frage!!!

PB: Nein! Habe ich nicht dabei diesmal.

Zöllner: Und Drogen?

PB: Was für Drogen?

Zöllner: Haschisch oder Marihuana z.B.

PB: Das ist Tabak in meinen Augen!

Zöllner: Haben Sie nun so etwas dabei?

PB: Heute ausnahmsweise mal nicht.

Es kommen noch zwei weitere Zollbeamte und man fängt an mein Auto zu durchsuchen, findet aber nichts.

PB: Wollen Sie nicht auch die Polster aufschlitzen?

Zöllner: Wo ist denn hr Warndreieck?

PB: Links in der Klappe!

PB: Wollen Sie nicht auch noch die Luft aus meinem Reifen lassen?  Homosexuelle z.B. verstecken Verbotenes auch gerne lustvoll im Enddarm!

Die Zöllnertruppe verschwindet im Zollhaus und kontaktiert einen anscheinend Hochrangigen. Es folgt wildes Gestrikulieren und ständiges Zeigen in meine Richtung. Ich verfolge das Ganze mit meinem Fernglas. Via Smartphone suche ich sicherheitshalber schon einmal die Telefonnummer des deutschen Botschafters heraus.

30 Minuten später: Ich darf fahren...

Ich beschließe doch ein Stück über die Autobahn zu fahren; auch ohne Vignette und werfe, als keine mehr hinter mir ist, Müll aus dem Fenster. Dann schalte ich die Radarwarnfunktion meines Navis ein. Darüber hinaus werde ich einen Brief an Jean Ziegler schreiben (Autor von: "Die Schweiz wäscht weißer" - jenem tollen Buch, welches u.v.a. genau beschreibt, wie der Schweizer Banken-Reichtum durch "nicht mehr abgeholte Judengelder" ursprünglich historisch gesehen zustande kam und wie international gesuchte Verbrecher und afrikanische Massenmörder "mit Polizeischutz" vom Flughafen Genf zur nächsten schweizer Bank und wieder retour eskortiert wurden. Unglaubliche Dinge!)









 

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