DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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LOHENGRIN

Rattenscharfe Inszenierung von Hans Neuenfels 

ARTE Übertragung am 14.8.2011

 

1.Akt: Böse Hexen haben rote Haare

Während des Vorspiels schiebt Lohengrin die Rückwand eines weißen Zimmers mühselig nach hinten. Auch sonst ist alles weiß. Warum? Weshalb? Das schafft ihm Lebensraum und Luft. Ach so! „Sinnlose Plage, Müh ohne Zweck“ - denn am Ende des Vorspiels öffnet sich die eingebaute automatische Schiebe-Tür von selbst. Staunimann & Co....

Bläulinge führen einem verräterischen Rätterich, der kurz zuvor ein Messer gezogen hatte um Pappkronen-König-Heinrich zu erdolchen, den Rücken klopfend aus dem Saal. Leider wird das Ganze von oben gefilmt auch nicht besser, denn es sieht aus, als wenn man ihn wie ein Kind auf den Rücken klopft, dass sich verschluckt hat. Vermutlich trifft ihn die Todesstrafe: Beklopftwerden bis der Tod eintritt. Ausgesprochen kindisch...

Elsa ist mit jugendfreien Flitzebogen-Pfeilen gespickt, welche sie während ihrer Arie „Einsam in trüben Tagen…“ ohne Plopp der Saugnäpfe von ihrem weißen Kostüm entfernt. Die hinteren bleiben angeklebt  – logisch: da kommt sie nicht dran. Während sie singt wird sie von anderen Ratten mit Pfeil und Bogen bedroht, also weiteren Flitzebogenpfeilen bedroht und muss sich hinlegen.

Hoch oben läuft ein blöder Zeichentrickfilm über Ratten, als wären wir bei Kosky (Götterdämmerung Essen). Sieht aus wie Daumenkinozeichnungen. Aber Leute! Diese Inszenierung ist doch von Neuenfels! Warum klaut man immer die besten Einfälte?

Während sich Telramund unrasiert (ein auch optisch richtig fieser Möpp, dessen Friseur schon vor Jahren gestorben zu sein scheint) ein großes Schwert besorgt, bricht die Live-TV-Übertragung von ARTE, die ohnehin mit 75 minütigem Nachlauf (Welche Lachnummer! Zensur wie bei Stalin! Man hat den ernsthaften Auftrag Proteste und Buhs nicht zum Millionenpublikum durchdringen zu lassen! Das Geschwätz über die Pausen ist blanker Unsinn) gesendet wird, ab. Wie bitte? Das kann doch wohl nicht wahr sein.?

BOING – ob da der alte Richard aus dem Himmel dazwischen gefunkt hat, um seine ehernen Rechte zu wahren? Oder hat es sich Kathi doch noch überlegt und letztendlich den Stecker gezogen? Millionen Fernsehzuschauer sind entsetzt! Ist damit die weltweit erste TV Übertragung vom heiligen Hügel beendet. Wir sind auch entsetzt. Peinlicher geht es nicht mehr. Arbeitet man bei Arte ohne Sicherungen?

Es ist als befänden wir uns im der Frühsteinzeit des Fernsehens. Hallo! Huuhuh! Kommt noch was ???

Derweilen spielt ARTE Dosenkost aus dem Archiv ein. Frevel!! Unverschämtheit. Riesensauerei! Ihr Lümmel!

EIN WUNDER… Ja wir brauchen anscheinend das Wunder sofort! Oder straft so der sprichwörtliche „Liebe Gott“ den Regisseur Neuenfels für soviel "verquirlte Scheiße" und möchte verhindern, dass wir noch mehr dieses Unsinns sehen – heilige Maria!

Da !!! Hurra hurra das Bild ist jetzt nach gut 20 Minuten wieder da, was bedeutet, dass der Live-Nachlauf jetzt gut 100 Minuten beträgt. Als wäre nichts geschehen.

Wunderbar sehen wir (wieder von oben gefilmt!) wie die Choristenkostüme in die Oberbühne gezogen werden und dort verschwinden. Alle Ratten tragen jetzt gelbe Dinner-Jacketts. Heiliger Strohsack!

Lohengrin erscheint im Party-Outfit als „Wunder“. Hinter ihm ein riesiger Hirschhornkäfer, doch halt, bei mehr Licht sehen wir einen original Steiff-Knopf-im-Ohr Plüschtierschwan, den Schwarzummantelte über ihren Köpfen hereintragen als wäre es ein Sarg. „Nie sollst Du mich befragen!“

"Ich fühle das Herz mir vergehen!" Noch ein Wunder! Aus den Ratten sind Menschen geworden mit schönen Sommerhüten, die edel schauen. Ich meine natürlich die Menschen - nicht die Hüte! Nur Telramund und Ortrud schauen ausgesprochen bedeppert drein. König Heinrich stolpert ziemlich verwirrt in spastischen Bewegungen über die Bühne – ist er vielleicht bekifft? "Was ist ihm? Ist er entrückt?" Irgendwie scheint der Mann jedenfalls nicht sehr gesund zu sein.

Dem Heerrufer stehen die Haare nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich zu Berge!!

Der Zweikampf nähert sich: Ortud fletscht die Zähne, während Telli immer verbissener wirkt. Sieht aus wie eine Stummfilmparodie. Zack! Licht aus, alle Ratten fallen um. Der Zeichentrickfilm über Ratten läuft wieder an, während sich unten Lohengrin (Der Name „Lohengrins“ kommt mir aufgrund der Mimik des Hauptakteurs in den Sinn) und Telli bekämpfen - ganz furchtbar "realistisch".

Wieso der Kampf plötzlich endet wird nicht einsichtig für Laien. Lohengrin jedenfalls ist Sieger, sonst würde ja auch die Geschichte nicht mehr weiter gehen. Der Akt endet unter hochgereckten Händen der Choristen, die wackeln wie bei einem US-Musical – fehlen nur noch Stock und Zylinderhut. Von oben kommt der Schwan zurück. Er ist mittlerweile gerupft wie ein rohes Grillhähnchen – was König Heinrich nötigt panikartig und wild grimassierend den Saal zu verlassen.

Das Ganze sieht ziemlich dilettantisch aus, weil auch die Umgefallenen gerade wieder aufgestanden sind. PAUSE.

 

In der Pause:

Wer erschießt baldmöglichst diese Moderatorin? Es wäre eine echte Chance gewesen die verlorene Zeit einzuholen. Wir Kenner rätseln über die eingespielten Ausführungen vom Regisseur und dem großen Spezialisten der größten Opernzeitung der Welt. Die meisten Fernsehzuschauer sitzen derweil wohl auf dem Klo.

 

2.Akt: Ratte sich wer kann

Friedrich von Telramund und seine holde Ortrud – jetzt nicht mehr im ordinären Lederdress, sondern nun im Gary-Glitter-Partner-Look (die 68-er lassen grüßen – wie raffiniert) – haben eine Reifenpanne mit ihrer Kutsche. Zusätzlich haben wohl Verräter-Ratten ihre Pferde erschossen. Gute Gelegenheit beim Warten auf den Ratten-ADAC die Intrige zu planen. "Entsetzlich!" Ortrud legt sich auf das tote Pferd. Oh Grane! … Aber das ist eine andere Oper von Wagner! Obwohl? Stichwort: Wotan, Freia… Was für ein raffinierter Kerl ist dieser Regisseur!? Er hat das Textbuch wirklich gründlich gelesen; ihm Gegensatz zu uns – Idioten.

Wenigstens, Neuenfels sei Dank, wissen wir endlich, warum die beiden zu spät zum Hochzeitsgelage kommen… Schließlich streiten sich die Eheleute am Boden liegend, was Einsatzmöglichkeiten für neuere Kameraperspektiven bietet, die aber nur maßvoll genutzt werden. Im Prinzip gilt das Eishockey-Modell: Die Kamera ist immer da, wo der Puck ist oder wo die meisten singen.

„Wisst, dass für Euch das Unheil wacht!“ Zeit für ein unterkühltes Nümmerchen… Licht aus.

Szenenwechsel, oder doch nicht.? „Einsam in trüben Tagen“ Wie wahr werden viele Wagner-Fans vor ihrer Glotze denken! Elsa bewundert einen Marmorschwan im Museum – der mich persönlich aber irgendwie an eine moderne Kloschüssel erinnert. Wenn man den langen Schwanenhals bewegt, löst man wohl die Spülung aus...

Ortrud tritt auf und prompt müssen sich die Rivalinnen wieder auf den Boden legen und ihren Konflikt dort aussingen. Warum? Um „entweihte Götter!“ zu singen muss sich Ortrud sogar ihres Jacketts entledigen. Irgendwie stört es mich langsam, dass die Sängerin der Ortrud meistens die Hände rechts und links an den Körper gedrückt zu Fäusten ballen muss. Gesten, die ich eigentlich nur aus dem Kirov-Theater kenne. Oder aus Karl-May-Filmen.

„Es gibt kein Glück.“

Wann zeigt uns ein Regisseur endlich mal, dass diese Elsa eigentlich dumm wie Bohnenstroh ist. Prompt ist sie wieder auf ihre Feindin reingefallen. Wie oft eigentlich noch? kennen Sie den Witz von dem Blondinenkongress? Später!

An der Kloschüssel lässt sich der Schwanenhals tasächlich verbiegen. „So zieht das Unheil in dies Haus!“

OP-Helfer führen Telli weg und versuchen verzweifelt eine weiße Maus zu fangen, oder auch nicht. Die Mäuse bekommen dann eine Spritze und hüpfen fröhlich durch die Gegend. Endlich erschließt sich mir der tiefere Sinn dieser Oper!

Schwarze Ratten in Käfigen werden vom blauen Op-Personal freigelassen. Und dürfen alsbald ihre Rattenkluft gegen Dinnerjacketts tauschen. Damit auch jeder Chorist seine Größe findet, sind die herabgelassenen Anzüge mit Nummern versehen, was wir dank der brillanten Kameraführung auch deutlich in Großaufnahme sehen können. Toll!

Zwischenzeitlich hat sich Telli mit Zorro-Maske verkleidet, damit ihn keiner als Verräter erkennt und sucht… und sucht... und sucht... auch hat er wieder die fiesen Lederklamotten an.

Rosa Mäuse.

Rosa und hellblaue in bonbonfarbenen Partykleidern ausstaffierte Mäuse treten als Brautjungfern auf. Wahrscheinlich platzen sie wenn man dran zieht wie ein Sylvesterbonbon. Die darauf eintretenden Herren tragen Gott-sei-Dank ihre Schwänze nicht offen. Es kommt zur Begegnung Mannmaus & Fraumaus – Aufstellung wie beim Wiener Opernball.

Die Männermäuse ziehen nicht an den Bonbonkleidern und so platzen die weiblichen Mäuse auch nicht!

„Gesegnet sollt ihr schreiten!“ Elsa im Wunderland! Einsame Spitze ihr Fächer aus langen Schwanenfedern. Immer diese Sangesduelle; warum kriegt dieser Wagner das nicht kürzer hin?

Elsa im weißen Schwanenkostüm versus Ortrud im Schwarzen. Heureka!

Großes Mäuse-Wirr-Warr. Duell der Ballköniginnen! „nun sollt nach Recht ihr alle Fragen.“ Ortrud 12 Points! Sie singt Elsa förmlich nieder und dann noch der Judaskuss! Die weiblichen Mäuse peitschen plötzlich mit ihren Schwänzen, als Telli die Hochzeitszeremonie schon wieder stört. Mein Gott! Tumult im Mäuselabor! Aufstand der Versuchsratten! Elsa beißt sich verzweifelt auf die Fingernägel. Was für ein Genie ist dieser Regisseur Neuenfels? Von wegen Publikumsverarschung – das ist begnadete Wagnerregie! Regietheater at it´s Best. So etwas sah man noch nie…

Uns geht das Licht der wahren Wagnererleuchtung auf! „Welch ein Geheimnis muss dieser Held bewahren?“ selbst Heinrich hat seine Krone verloren. Alles auf der Bühne ergeht sich nun in sagenhaft filmischen Zeitlupeneffekte: „Du bist so hehr!“ Wir sind so leer. Bitte PAUSE! Bitte bitte!

„Gesegnet sollt ihr schreiten!“

 

Pause 2

Wenn jetzt jemand diese fürchterliche Moderatorin ausgesperrt oder entführt hat, können wir den dritten Akt noch live einholen…

Merde… Wieder erklärt uns die Moderatorin, wie doch diese Weltklasse-Inszenierung unter die Haut geht. „Was ist ihr – Ist sie entrückt?“ Es wird Zeit einen Joint in die Pfeife zu stopfen, damit wir den dritten Akt durchstehen. Im Interview fällt der Satz „Wir haben noch ein bisschen Zeit bis der dritte Akt anfängt.“ Wie kann man das Fernsehpublikum dermaßen verarschen? Weib! Der dritte Akt ist live bald zu Ende!!! Na wenigsten ein schöner Faut-Pas: „Neienfels!“ Und noch einmal zum 251. Mal die Formulierung „spektakuläre Inszenierung“. Gibt es für ein dermaßenes Geschwafel eigentlich Geld, oder ist das eine Therapie-Maßnahme. Ich schreibe gleich an ARTE.

 

3.Akt „Eint Euch in Treue…“

Ich rufe meinen Arzt an, denn ich sehe nur noch schwarz-weiße Mäuse. Verdammte Sauferei. Mit Erleichterung nehme ich plötzlivh die rosa Mäuse zur Kenntnis, oder sind es schwule Ratten?

Verdammt, es klingelt an der Tür. Unser Omma liebt Wagner und möchte mitschauen. Das ist zuviel! Ich kann ihr glaubhaft erklären, dass diese Übertragung nicht gut für ihr Seelenheil ist und verspreche ihr eine Karte in der Düsseldorfer Oper. Weiter geht´s... „atme ich Wonnen“. Die Bullaugen erwecken den Eindruck, als wären wir mittlerweile auf einem riesigen Kreuzfahrtschiff. Traumschiff Schlafgemach. Was hat dieser Bühnenbildner drauf. Respekt!

So langsam verstehe ich die Formulierung „Mir schwant Übles.“

Gerade hat Lohengrin eine riesige schwarze Ratte erledigt. „Allewiger! Erbarm Dich mein.“

Die Bullaugenfenster verdunkeln sich…

Ich glaub es nicht!! Zum Zwischenspiel des Szenenüberganges werden Bilder von der Hinterbühne aus der Schneiderei und den Werkstätten eingeblendet. Habt ihr Freunde von ARTE eigentlich noch alle beisammen? Wollt ihr neuenfelser sein, als der Regisseur?

„Habt Dank, ihr Lieben von Brabant!“ Das Herunterfahren der Leinwand lässt Schlimmes ahnen. Zum dritten Mal der Ratten-Comic – nein, bitte nicht! Ich schalte das Bild vom Fernseher ab. Einfach auf Teletext zappen, dann bleibt der Ton erhalten! Den Schluss möchte ich nur noch konzertant hören.

Bei „Im fernen Land“ muss ich die Lautstärke erhöhen, denn irgendwie habe ich zumindest den akustischen Eindruck Lohengrin sei beim Singen der ersten Zeilen eingeschlafen. „Sein Ritter ich bin Lohengrin genannt!“ Jaaa! Das ist es! So muss es klingen! Hoffentlich ist der arme Kerl nicht auch zwischenzeitlich zur Ratte mutiert. „Mir schwankt der Boden.“ Bestimmt muss Elsa wieder auf dem Boden liegend singen – nein, das will ich nicht sehen. Wir bleiben auf Teletext.

„Schon sendet nach dem Säumigen…“ Ich halt es nicht aus und schalte wieder auf Arte Bild zurück. Porentiefe Nahaufnahme des schwitzenden Tenors – Jungs an den Kameras: muss das sein!? Geht auf Halbformat.

Oh jeh! Ortrud generiert gerade zum Schwan und Lohengrin enthüllt das überbrütete Dinosaurier-Ei, welches einen schwangeren Fötus birgt! Hätte ich nur nicht mehr das Bild aufgeblendet.

BLÜHENDER BOCKMIST! *

aaaaaaaaaaaahhhhhhh !!! 

P.S. Eine ziemliche Blamage für ARTE – ohne Moderatorin wäre noch viel zu retten gewesen! Und bitte lasst allen Kameraleute in Sachen Oper und Aufnahmetechnik eine Fortbildung angedeihen, oder ist das Bier vor Ort zu billig? Im Gegensatz zur Schwafeldame habe ich doch einige Buh-Rufe gehört.

Peter Bilsing

 

* der Begriff "verquirlte Scheisse" wurde von der internen Zensur leider gestrichen


 

 

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