Bodo Busse
Intendant Landestheater Coburg, zum Start in die zweite Saison
Ort Café Feiler, Coburg, 13.10.2011, 16.45h
Photo Copyright: Landestheater Coburg
OF: Herr Busse, zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich kurz vor der GP der Traviata Zeit für den „OPERFREUND“ nehmen.
BB: Everything for the press (grinst)
OF: Die letzte Saison schloss ja formidabel ab, quasi ein Start ohne Fehl und Tadel. Die neue Saison eröffnete das Schauspiel mit den „Blues Brothers“, eine Show, sie das bisher gesehene in Coburg sprengte. Das Theater ist für die Nachfrage zu klein. Nun kommt am Samstag die Traviata, eine sichere Bank, in einer wie ich sagen darf, traumhaften Besetzung, und dann zeigt ihr als deutsche Erstaufführung „Curtains“ das letzte Musical des Teams Kander und Ebb. Ist es ein Risiko, ein in Deutschland unbekanntes Musical auf den Spielplan zu setzen?
BB: Theater ist immer ein Risiko, und muss auch immer ein Risiko sein. Aber Kander und Ebb garantieren stets höchste Qualität in Text und Musik, und unser Team um Jean Renshaw und Ingomar sind in Coburg ja keine Unbekannten mehr.
OF: Ja, „Crazy for you“ ist mir noch in bester Erinnerung, schade, dass es davon keine DVD gibt.
BB: lacht
OF: Nein wirklich, so eine Show gehört für die Nachwelt konserviert, aber „Curtains“, eine klassische „Who did it“- Komödie im Theatermilieu, nicht gerade ein neues Thema.
BB: Nein, und doch wird es ganz anders laufen, wie man denkt. Jean Renshaw ist ja bekannt dafür das Schrille und Schräge auf die Bühne zu bringen. Und es wird sehr lustig werden, z. B. wird ein riesiger Doppelwhopper auftreten.
OF: Der steht nicht im Textbuch, aber gut, kommt die Giraffe aus „Crazy for you“ auch nochmal zum Einsatz?
BB: Lassen Sie sich überraschen!
OF: Ja und es ist das zweite Musical im Western- und Theatermilieu.
BB: Aber „Curtains“ ist ganz anders. Wir werden den Plot mit Spitzen auf die Gesellschaft und die politische Situation in den USA aufpimpen, und dann natürlich auch mit den klassischen Vorurteilen über die Theaterwelt abrechnen.
OF: „Curtains“ ist ja das letzte Werk von Ebb, er erlebte die Premiere nicht mehr, und Kander war auch schon 70, als er die Musik schrieb. Beim Abhören der CD der Broadwayproduktion erinnerte mich vieles an die Glanzzeiten des Musicals, die Ära nach dem Zweiten Weltkrieg und die 60er und 70er Jahre, als auch Kander und Ebb ihre größten Erfolge feierten.
BB: Ja „Chicago“ und „Cabaret“, aber genau in diese Reihe passt „Curtains“, mit satirischen Mitteln Zeitgeschehen kommentieren. Kander zitiert ja auch andere berühmte „Westernmusicals“, wie etwa „Oklahoma“, ohne dabei in eine platte Parodie zu verfallen.
OF: Ja, Kander und Ebb, die haben schon was Besonders, es geht ins Ohr und setzt sich fest. Bei euch spielt Jens Janke den Ltd. Cioffi, er ist ja spätestens seit seinem Professor Abronsius(Tanz der Vampire) und seinem Abahachi(Der Schuh des Manitu) auf skurrile Typen festgelegt.
BB: Und bei uns hat er auch genügend Gelegenheit dazu, Cioffi ist ein ein einsamer Kommissar, der in seinem neuesten Fall, einem Giftmord, in das Bühnengeschehen, seiner heimlichen Traumwelt, hineingezogen wird. Und dort erlebt er alles, inklusive der großen Liebe.
OF: Ein weiterer Gast in einer leading role ist Alexander Franzen.
BB: Nicht so laut, er sitzt am Nebentisch. (lacht herzlich)
OF: Ein Womanizer
BB: Ja und genau das wird er auch bei uns sein, a charming guy.
OF: Mit Stephan Mertl haben sie ja den Bobby Pepper, Choreograf und Tänzer, besetzt. Mertl ist ja schon so was wie Coburger Urgestein, universell verwendbar, und das ist jetzt absolut als Lob zu verstehen.
BB: Zusammen mit Ulrike Barz, die in „Curtains“ die Georgia Hendricks spielt habe ich wieder ein Dreamteam auf der Bühne.
OF: Ja „Evita“, unschlagbar die Beiden, große Kunst, läuft es noch?
BB: Wir haben es im neuen Jahr wieder auf dem Spielplan.
OF: Ich habe persönlich ja Schwierigkeiten mit Lloyd Webber, aber die Evita ist sehenswert.
BB: Danke, aber zu „Tell me on a Sunday“ kommen Sie aber auch?
OF: Da nicht für, auch wenn ich die journalistische Distanz verliere, Coburg ist nie enttäuschend, und Ulrike Barz, da würde ich auch zu Fuß nach Coburg laufen.
BB: lacht (hoffentlich mich nicht aus)
OF: Wir berichten ja regelmäßig über euch.
BB: Und wir freuen uns darüber.
OF: Aber zurück, die Zeit rennt davon, Curtains ist musikalisch ja ein Leckerbissen, feinste Musicalmelodien, ohne großes Synthie-Brimborium, Roland Fister hat die musikalische Leitung und spielt mit.
BB: Seitdem er sein Können in den Blues Brothers und Beweis gestellt hat, ist er dran. Aber auch viele andere werden ihren angestammten Platz verlassen und auf der Bühne präsent sein. Boris Stark, sonst unser Schauspielsouffleur spielt den Produzenten Sydney Bernstein.
OF: Ne janz fiese Möpp, aber das kann er, ich hab ihn mal im Fernsehen gesehen.
BB: Sie kennen das Stück?
OF: Ich bemühe mich meine Hausaufgaben zu machen. Also, „Curtains“ wird eine wild bunte Crazyshow, mit gepfefferten Dialogen, grandioser Musik, exzellenten Darstellern und einer fantastischen Ausstattung?
BB: Nicht zu vergessen Jean Redshaws Regie.
OF: Genau.
BB: Premiere ist am 5. November.
OF: Meinerseits steht der Termin.
BB: Aber am Samstag geht erst einmal die Traviata raus, wollen Sie mit zur GP.
OF: Danke für die Einladung, gerne!
Das Opernfreund-Exklusiv-Interview führte Alexander Hauer