DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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BIEDERMANN UND DIE BRANDSTIFTER

Aufführung 26.2.2014   

(Premiere 25.2.2014)

Exzellente Tragikomödie

Auf der Studiobühne des Bozner Stadttheaters war diese Koproduktion mit der Neuen Oper Wien zu sehen, die im September 2013 im Semperdepot ihre Uraufführung erlebt hatte. Der in Prag geborene und in Wien lebende Komponist Simon Vosecek hatte das von Max Frisch in den frühen Fünfzigerjahren geschriebene Stück in den Jahren von 2005 bis 2007 vertont. Diese von dem Schweizer Schriftsteller im Untertitel als „Lehrstück ohne Lehre“ bezeichnete Tragikomödie hatte der Komponist mit einigen wenigen Strichen praktisch wörtlich in das von ihm selbst verfasste Libretto übernommen. Zur Gänze eliminiert hat er nur den moralisierenden Epilog, den Frisch erst später angehängt hatte, um zu erläutern, dass seine Parabel nicht gegen den Kommunismus, sondern gegen den Faschismus gerichtet war. Vosecek zieht es vor, sich nicht festzulegen und beendet das Stück mit Biedermann, der wie zu Beginn friedlich auf dem Sofa sitzt und Zeitung liest, während die Flammen in der Umgebung wüten.

Die zunächst relativ eingängige Musik wird mit Fortschreiten der Handlung, also wenn sich der Ringer Josef Schmitz und der Kellner Wilhelm Eisenring in Biedermanns Haus installieren und durchaus ohne Geheimhaltung Anstalten zu einer Brandstiftung treffen, immer härter, quälender, atonaler, überzeugt aber damit in jedem Moment. Die satirische Einlage, in der Schmitz die Musik des Komturs aus der Friedhofszene in „Don Giovanni“ singt, löst dankenswerterweise ein wenig die fast ins Unerträgliche gestiegene Spannung. Walter Kobéra und sein amadeus ensemble-wien waren für diese Musik gewohnt engagierte Sachwalter und boten eine hinreißende Leistung.

Hinreißend war aber auch das, was Regisseurin Béatrice Lachaussée mit ihrem Team (Bühnenbild: Dominique Wiesbauer, Kostüme: Nele Ellegiers, Lichtdesign: Norbert Chmel) erarbeitet hatte. (Kaum zu glauben, dass dies ihre erste eigenständige Regiearbeit ist). Auf der winzigen Bühne deuteten ein Tisch und ein Sofa ein Wohnzimmer an, darüber war der Dachboden zu sehen, auf dem die Brandstifter nach und nach ihre Benzinfässer horteten. Die Personenführung war fabelhaft, aber es muss auch unterstrichen werden, dass ausnahmslos echte Singschauspieler zu bewundern waren. Als primus inter pares möchte ich Tomasz Pietak nennen, dessen Schmitz wunderbar zwischen Scheinheiligkeit, angeblicher Bescheidenheit und plötzlich losbrechender Arroganz changierte. Als der den Gebildeten gebende Eisenring war ihm Till von Orlowsky ein idealer Partner. Den Biedermann versorgte Stephen Chaundy mit der rechten Mischung aus Überheblichkeit und servilem Getue. Seine Frau Babette wurde von Barbara Zamek-Gliszczynska mit erschreckter Hausfrauenattitüde gegeben. Köstlich in seinem steigenden Unverständnis der Entwicklung der Dinge gegenüber auch das Dienstmädchen Anna von Katharina Tschakert. Begleitet wird die Handlung von drei Feuerwehrmännern in Gestalt von Harald Wurmsdobler, Christian Kotsis und Frédéric Pfalzgraf, die im (auch textlichen) Stil eines antiken Chores die Handlung begleiten, ohne aber gegen die Brandstifter einzugreifen.

Riesenapplaus und Bravorufe für diese so engagierte Produktion, von der man hoffen möchte, dass sie auch in Zukunft in andere Häuser exportiert wird.     Eva Pleus

Eva Pleus 5.3.14

Photocredit: Armin Bardel

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