Bohuslav Martinů
HRY O MÁRII (Marienspiele)
– 9.10.
Auch in
der slowakischen Hauptstadt gedenkt man des 50. Todestages des größten
tschechischen Komponisten des 20. Jhd mit einer konzertanten Aufführung seiner
äußerst selten aufgeführten Marienspiele im Historischen Gebäude des
Slowakischen Nationaltheaters. Die Marienspiele wurden am 23. Februar 1935 in
Brünn uraufgeführt. Nach anfänglichen Kompositionsstudien
bei Josef Suk in Prag und ab 1923 bei Albert Roussel in Paris, wandte sich Martinů
der Musik von Igor Strawinsky und der Groupe des Six (Georges Auric, Louis
Durey, Arthur Honegger, Darius Milhaud, Francis Poulenc und Germaine
Tailleferre) zu, die auf seine neoklassizistische, von Jazzelementen unterlegte
Musiksprache einen großen Einfluss ausübten. Der Zyklus dieser zwischen 1934
und 1935 in Paris komponierten Marienspiele, auch als „Marienlegenden“
bezeichnet, setzen sich aus vier kurzen einaktigen Opern zusammen: einer
Parabel aus dem Neuen Testament, einer biblischen Geschichte über die Geburt
Jesu Christi und zweier mittelalterlicher Legenden. Alle vier Geschichten huldigen
der Gottesmutter auf unterschiedliche Weise. Es war dies bereits die fünfte
Oper von Bohuslav Martinů und seine zweite in tschechischer Sprache. In
formaler Hinsicht stellen die Marienspiele eine Wiederbelebung der
mittelalterlichen geistlichen Mirakelspiele dar.
Den Prolog bildet die Oper „Panny moudré a Panny pošetilé“ (Die klugen und die
törichten Jungfrauen). Der Text stammt von Vítězslav
Nezval (1900-1958). Ihm liegt das sogenannte Gleichnis von den klugen und
törichten Jungfrauen zu Grunde, mit welchem Jesus von Nazareth in Matthäus
25,1-13 den Unterschied zwischen Auserwählung und Verdammung in der
Vorbereitung auf das Reich Gottes verdeutlicht. Die Zahl 7 dominiert auch die
einzelnen Instrumente des Orchesters: 7 Violinen, 7 Celli und 7 Kontrabässe,
sowie Schlagzeug und Bläser mit zweimal sieben Musikern. Dazu gesellt sich noch
ein Klavier, welches Jesus Christus als Erzähler versinnbildlicht. Die junge
Slowakin Denisa Harmarová verfügte als Erzengel Gabriel über
einen
Mezzosopran mit glutvoller Tiefe und erotischem dunklen Timbre, gepaart mit
einer strahlenden Höhe. Monika Fabiánova trat aus dem Chor der törichten
Jungfrauen mit elegantem hellem Sopran solistisch hervor. Die zwei Ölhändler
wurden von Ján Ďurčo und Martin Malachovský mit
bodenständigem Bass und warmem Bariton in der Kehle imposant vorgetragen. Der
„Bräutigam“, Sinnbild für Jesus Christus, wurde von dem vierköpfigen
Vokalensemble , Denisa Harnarová,
Katarína Sroková und Mikuláš Doboš vollendet
dargeboten.
Den
Text zur zweiten Oper, „Marien z Nimègue“ (Mariken von Nimwegen), verfassten
Henri Ghéon (1875-1944) und Vilém Závada (1905-1982) nach dem bekannten
mittelalterlichen Mirakelspiel Mariken van Nieumeghen. Diese hatte sieben Jahre
lang zügellos mit dem einäugigen Moenen, einem Teufel in Menschengestalt, zusammengelebt.
Die Titelrolle wurde von der attraktiven jungen Katarína Štúrová
mit großem lyrischen Sopran, der im hohen Register förmlich aufblühte,
ausdrucksvoll dargeboten. Hier waren schon Ansätze einer Jenůfa
oder Rusalka hörbar. Ihr zur Seite gab Gustáv
Beláček den Teufel mit mächtigem Bariton. Die Sprechrolle des Prinzipals,
der das Geschehen auf der Bühne in slowakischer Sprache kommentiert, gab Boris
Farkaš aus einer Loge im ersten Rang. In kleineren Rollen
traten noch Jozef Kundlák als Maskaron, Ján Ďurčo
als Gottessohn, Denisa Harnarová als Mutter Gottes, Mikuláš Doboš als ein Trinker und Miriam Maťašová
als Mädchen auf.
Den
Text zur dritten Oper, „Narození Páně“ (Die Geburt des Herrn), stilistisch
eine Pastorale, verfasste Martinů selbst nach einer mährischen Volksdichtung.
Die vier Hauptrollen, Maria, ein Schmied, die Tochter des Schmieds und der
Schenkwirt wurden ausgewogen von Katarína Štúrová, Martin
Malachovský, Denisa Hamarová und Ján Ďurčo vorgetragen.
Den Text zur vierten Oper, „Sestra
Paskalina“ (Schwester Paskalina), schrieb
der Komponist nach der 1887 verfassten gleichnamigen Legende von Julius Zeyer
(1841-1901). Die Handlung dieser Legende wurde ebenfalls von Boris Farkaš in der Sprechrolle des
Kommentators dem Publikum in slowakischer Sprache erklärt. Einen besonders
starken Eindruck hinterließ Adriana Kohútková als Schwester Paskalina mit
glockenhellem Sopran. Ihr zur Seite war Katarína Sroková eine würdevolle Schwester
Martha. Ergänzt wurden diese beiden durch das prächtige Solistenquartett Katarína Štúrová, Denisa Hamarová, Jozef Kundlák und Gustáv Beláček.
Am Pult des
Orchesters der Oper des Slowakischen Nationaltheaters (SND) stand mit dem
gebürtigen Brünner Jaroslav Kyzlink ein fundierter Kenner des Oeuvres
von Bohuslav Martinů. Kyzlink, der sich als Janáček- und Dvořák-Kenner bereits
international einen Namen gemacht hat (zuletzt bei seiner Rusalka in Athen im
März diesen Jahres), schaffte es vortrefflich, die speziellen Nuancen und den
Farbenreichtum in Martinůs kongenialer Musik zur Geltung zu bringen. Er lotete
kongenial die ständigen Taktwechsel aus und schreckte auch nicht vor den
fallweise harschen Dissonanzen zurück, die sofort wieder in rhapsodische Formen
überfließen. Eine besondere Freude bereitete es auch dem jungen Maestro beim
Dirigieren zuzusehen. Kyzlink lebte förmlich mit der Musik Martinůs und kostete dessen Klangfülle schwelgerisch
aus. Einziger Wermutstropfen war jedoch die Lautstärke des Orchesters, denn das
historische
Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters war ob seiner
geringen Größe denkbar ungeeignet für die gewaltige Tonsprache des
tschechischen Meisters. Eine Aufführung in einem Konzertsaal oder im neuen
Opernhaus hätte Martinůs Musik wohl einen um
vieles leuchtenderen Rahmen verliehen. Schade nur, dass so viele Sitzplätze im
Opernhaus leer blieben. Immerhin wurde die Premiere von vielen interessierten Opernfreunden
aus Wien besucht, wie man den Pausengesprächen entnehmen konnte. Das Publikum
bedankte die Künstler mit starkem Applaus und einigen Bravo Rufen.
Harald
Lacina
HE’S OUR MAN
LEONARD COHEN
Bratislava , 28.8.2009
Es bedarf manchmal eines
kriminellen Elements damit man in den Genuss des besten Konzerts kommen kann,
das man in seinem ganzen Leben besucht hat – und das inkludiert Konzerte aller
Arten – seien es nun Liederabende oder klassische Konzerte im Musikvereinssaal,
Folkkonzerte oder Rockkonzerte. Als sich Leonard
Cohen in den 1990ern für viele Jahre in das buddhistische Zen-Kloster auf
Mount Baldy zurückzog, dort Koans studierte und als Priester mit dem Namen
„Jikan“ (Der Schweiger) ordiniert wurde, veruntreute seine (jetzt ehemalige)
Managerin sein gesamtes Vermögen, sodass er – nachdem er das Kloster verlassen
hatte – ohne Altersversorgung da stand. Diese Geldnot veranlasste ihn, mit 73
Jahren wieder auf Tournee zu gehen. In der Zwischenzeit – Cohen wird in weniger
als einem Monat 75 Jahre alt – schließen hunderttausende „Cohenites“ die
Ex-Managerin in ihre Abendgebete /-meditationen ein, weil es dadurch noch
einmal die Möglichkeit gab, diesen Sänger/Songwriter noch einmal live zu
erleben.
Cohen sah sich selbst immer
mehr als Poeten denn als Sänger an, was auf Grund der Limitierung seines
Stimmumfanges absolut nachvollziehbar ist. Aber was er aus dieser Stimme macht,
wie viel Gefühl, Weisheit und Demut er seine Lieder interpretiert – ja das ist
unvergleichbar. Man braucht nur den Klang seiner ersten Aufnahmen aus dem Jahr
1967 mit dem von 2009 vergleichen – die Stimme ist tiefer, breiter und
ausdrucksstärker denn je. Ich denke, dass er jetzt die Stimme – und das Alter –
für die Lieder hat, die er vor 42 Jahren geschrieben hat.
Im Rahmen seiner European
Summer Tour beehrte Cohen die Incheba Expo Hall in Bratislava und in etwa 4000
Besucher hatten sich eingefunden. Das Konzert war schon seit langem ausverkauft
– trotzdem versuchten Dutzende, noch vor der Halle Karten zu bekommen – es
wurden auf dem Schwarzmarkt bis zu 500 Dollar pro Karte geboten – das erinnerte
mich schon an den Netrebko-Hype in Wien.
Der Liederabend – als
solchen empfand ich ihn – ließ keine Wünsche offen. Eine der großen Stärken von
Cohen war es immer, großartige Musiker um sich zu versammeln – wahre
Großmeister. So auch dieses Mal. Besonders beeindruckten der „Master of
Breath“, Dino Soldo, der Klarinette,
Saxophon, Mundharmonika und Keyboards spielte sowie vor allem der Spanier Javier Mas, der auf der 12-saitigen
Gitarre, Bandurria und anderen akustischen Saiteninstrumenten einen
mediterranen Touch einbrachte und die Instrumente mit allerhöchster Virtusiotät
beherrschte. Weitere Bandmitglieder waren der „Prince of Precision“,
Perkussionist Rafael Gayol,
Keyboarder Neil Larsen, Gitarrist Bob Metzger und der „Musical Director“
und Bassist Roscoe Beck. Alle diese
Musiker gehören zur absoluten Weltspitze und wurden von Cohen auch entsprechend
gewürdigt. Er zog im wahrsten Sinne des Wortes immer und immer wieder den Hut
vor ihnen. Seine drei
Backgroundsängerinnen haben alle samt auch eine eigene erfolgreiche Karriere. Sharon Robinson, die auf eine
klassische Klavierausbildung zurückblicken kann, hat eine dunkel timbrierte
Stimme, während Charley und Hattie Webb,
von Cohen als „the sublime Webb-Sisters“ vorgestellt, beides Soprane sind und –
selbst begleitet mit irischer Harfe und Gitarre – mit einer unglaublich Version
von „If it be your will“ das Publikum verzauberten. Dieses „Gebet“ war schon im
Zugabenteil und es fühlte sich hier wie bei einer Messe an – oder, um denn
Bezug zur Oper zu bringen – wie bei der Enthüllung des Grals bei Parsifal.
Engelsstimmen zu einem
wunderschönen Text – wie im übrigen an diesem Abend sicherlich „Prima le parole
voi le musica“ zutreffend war.
Für all diejenigen, die mit
dem Lied nichts anfangen können, hier ein Link zu einer Aufnahme davon - http://www.youtube.com/watch?v=mTf2KD75zOM
Einer der großen Vorteile
zeitgenössischer Lieder ist es, dass Künstler diese immer wieder neu
arrangieren können, ohne dass das Publikum und die Kritik sie niedermacht (man
stelle sich vor, was passieren würde ein Pianist bei einer Beethoven-Sonate zum
Improvisieren beginnen!). So können karge Arrangements aus den 1960ern für die
Band neu geschrieben werden und somit den Liedern noch mehr tiefe verliehen
werden. Ein herausragendes Beispiel dafür ist „The Partisan“, die Ballade über
die französische Resistance – ein Musikstück, dass, wenn man sich mit dem Text
beschäftigt zum Weinen schön ist.
Original - http://www.youtube.com/watch?v=oG4ndbhOkpI
Version 2009 - http://www.youtube.com/watch?v=seXMLRpDXYk
Insgesamt dauerte das
Konzert – inklusive 7 Zugaben – zweieinhalb Stunden lang. Und da bewies es sich
wieder einmal dass jemand, der wirklich etwas zu sagen hat, keinen unnötigen
Firlefanz braucht, um sein Publikum in seinen Bann zu ziehen. Keine Tänzer,
Videoeinspielungen. Im Hintergrund die Projektion des Cohen-Gemäldes „Montreux
Girl“, die Bühne – je nach Lied – in einheitliches Licht getaucht. Das war’s
schon. Cohen selbst – wie auch die übrige Band – im Nadelstreifanzug und
„Fedora-Hat“. Ein 75-jähriger, weißhaariger Mann, keine 1,70 Meter groß – aber
mit einer unendlichen Ausstrahlung. Er selbst hat in seinem Leben sicherlich
nichts ausgelassen, wie er selbst immer in Interview betonte – Drogen, Alkohol
und seine großes Liebe – die Frauen. Und einigen verdanken wir die schönsten
Liebeslieder und Beziehungslieder überhaupt – „Chelsea Hotel #2“ (das Lied, das
er für Janis Joplin geschrieben hat und das den Rezensenten dazu verleitet hat,
sich für einen Tag in ebendiesem Hotel um USD 330,- ohne Frühstück
einzuquartieren…), „So Long Marianne“ (für die Norwegerin, die mit ihm einige
Jahre auf der griechischen Insel Hydra verbracht hat), „Suzanne“ , die an
diesem Tagen etwas über-arrangierte Danksagung an die „Sisters of Mercy“ (da
wäre meiner Meinung nach eine reduzierte Version mehr gewesen) oder „Famous
Blue Raincoat“, für das er spontane Standing Ovations erhielt.
Die Reise aus 40 Jahren
Musikgeschichte führte uns in „The Future“, gemeinsam mit Cohen nahmen wir
Berlin ein „First We Take Manhattan, then we take Berlin“, bestiegen mit ihm
den „Tower of Song“, verharrten andächtig bei „Hallelujah“ und konnten bei
„Take This Waltz“ die Tränen nicht mehr zurückhalten.
Zu Beginn des Konzerts sagte er zum Publikum „It might be the last time
that we cross our paths, so we will give you everything we have“. Er hat nicht zu wenig versprochen. Als sich auf der
Bühne die Band, Tontechniker, Crew und Cohen mit “Whither thou goest”, einem
Lied, dessen Text eine Adaption der Worte aus der Bibel (Ruth 1:16-17) sind,
verabschiedete, hoffte er, dass Menschen, die einen Partner haben, mit ihm
glücklich sind und „all of you who are lonely may you find your blessing in
solitude“. Schöner und wahrer kann man sich nicht von „seinem“ Publikum
verabschieden.
Noch nie in meinem Leben bin
ich mit so hochgesteckten Erwartungen in ein Konzert gegangen – ich wartete
immerhin mehr auf 21 Jahre darauf, diesen Künstler wieder einmal sehen und hören
zu dürfen – und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Im Gegenteil – jetzt,
18 Stunden nach dem Konzert, wirkt es noch viel stärker nach, als ich es
erwartet habe.
Kurt Vlach
P.S. Ein Muss für jeden, der
Lieder mag – die DVD seiner aktuellen Tournee, „Leonard Cohen – Live in
London“. Obwohl er da vor 20.000 Besuchern singt und seine Musik eher zu
intimeren Rahmen passt, schafft er es – besonders im 2.Teil des Konzerts – dass
man glaubt, dass er nur für einen persönlich singt. Und das ist glaube ich das
Höchste, was ein Interpret zu bieten hat.
SVÄTOPLUK
am 22.11.2008
Ein
monumentales Opernwerk von unvergleichbar musikalischer Schönheit! Zum
100.Geburtstag von Eugen Suchon entschied sich die neue Intendantin des
slowakischen Nationaltheaters Gabriela Benacko, das phänomenale
Opernwerk von Regisseur Juray Jakobisko neu inszenieren zu
lassen.„Svätopluk“ ein Operndrama als die höchste Form des
musikalischen Ausdrucks, ein Gesamtkunstwerk mit Seltenheitswert, ein
gigantisches Historiengemälde, das die inneren und äußeren
Zwistigkeiten behandelt, die Ende des neunten Jahrhunderts den
Zusammenbruch des legendären Großmährischen Reiches von König Svätopluk
herbeigeführt haben.
Das
Libretto zu Svätopluk geht aus Stodolas Drama König Svätopluk aus.
Eugen Suchon schrieb das Libretto zusammen mit dem Dramatiker Ivan
Stodola (1888 – 1977) und der Dramaturgin und Librettistin Jela
Krcméry-Vrtelová (geboren 1924). Eugen Suchon war jedoch für die
gesamte Konzeption zuständig. Diese Tatsache zeugt davon, dass Suchon
schon zurzeit der Entstehung des Librettos klare Vorstellung von der
Gedankenwelt der dramatischen Situation, von der Dramaturgie des
Gesamtwerkes und der einzelnen Szenen hatte. Offensichtlich war sich
Suchon schon während seiner Arbeit am Libretto dessen bewusst, dass das
Komponieren einer historischen Oper im 20.Jahrhundert eine große
künstlerische und ästhetische Herausforderung darstellt. Die Musik soll
modern sein- und dabei den Geist und die Atmosphäre eines 9.Jahrhundert
widerspiegeln.
Kompositorisch
hat er dafür ein prunkendes, über weite Strecken byzantinisch
zeremonielles Klanggewand erfunden. Ein Klanggewand das mit
romantischen Motiven der Spätromantik und der Avantgarde der
Zwölftonmusik im kompositorischen Einklang steht, und wo insbesondere
die Chorsätze von wichtiger Bedeutung, klangvoll und mächtig den
kompositorischen Facettenreichtum des Komponisten verdeutlicht.
„Spätopluk“ ist eine orchestrales Meisterwerk der Superlative und mit
keinem vergleichbaren Opernwerk des 20.Jahrhunderts gleichzusetzen. Was
bietet sich mehr an als dieses grandiose Werk auch dementsprechend in
Szene zu setzen. Hier wurde weder an Bühnenbild noch Kostüme gespart.
Dank
großen Ideenreichtums des Bühnenbildner Milan Ferencik entstand hier
ein beinahe surrealistisches Bild, das jederzeit auch den Ideen Dalis
entsprungen sein könnte, wo riesige Steinsäulen in der Darstellung des
Königs Svätopluk sich zu den einzelnen Szenenabläufen immer wieder
öffnen und schließen. Wo schicksalsschweres dunkles Gewölk abwechselnd
mit leuchtendem Mondlicht ein malerisches Gesamtwerk darstellt.
Harmonisch eingebunden sind die Kostüme in purpurrot, dann wieder in
warmen Grautönen und als Auflockerung Orange und Weiß für die L’udmila
Várossová verantwortlich und die ein wahrer Augenschmaus waren. Beinahe
wie eine Filmkulisse erschien das gesamte Werk durch die großartige
Inszenierung Juray Jakobisko, der aller Visionen mächtig außerdem zu
den größten Filmregisseuren und Drehbuchautoren seines Landes zählt.
Die imposante Inszenierung geballt mit einer tonalen, groß
dimensionierten Musik, ist vergleichbar zu den großen
Operninszenierungen in Verona, schon beinahe ein künstlerischer
Gewaltakt - nicht dass das Auge und Ohr künstlerisch überfordert,
sondern weil man derartige Perfektion eines Opernwerkes und einer
Inszenierung im deutsprachigen Raum gar nicht mehr gewöhnt ist. Die
künstlerische Mittelmäßigkeit und die abstrakten Ideen mancher
Regisseure sind zu einem Bestandteil geistiger Verirrung und des
schlechten Geschmacks geworden, sodass die wahren Schönheiten der Kunst
dadurch verloren, und alles Bedeutungsvolle ins Bedeutungslose zwar
seine Zustimmung aber in keiner wirklichen Begeisterung und Bewunderung
zu finden ist.
Es
lohnt sich nach Bratislava zu fahren um diese neue Begeisterung wieder
zu finden, um sich wirklich davon überzeugen zu lassen, dass großes
Theater immer noch nicht tot ist. Allein die sängerischen Leistungen
die hier einen erwarten sind weit über dem Durchschnitt. Ján Galla in
der Rolle des alten Königs Spätopluk überzeugte mit gut geschultem Bass
und darstellerischer Höchstleistung. Ján Babjak und Thomás Juhás
trumpften mit warmer, lyrischer und tenoraler Gesangskunst. Als
Hochdramatische brillierte Lubica Rybárska, die mit einem gewaltigen
Stimmvolumen, allen gesanglichen und stimmlichen Facettenreichtums
ihres Könnens unter Beweis stellte. Katarína Stúrová als Sklavin
Milena, die einem heidnischen Opferritus geweiht, überzeugt mit
schmelzenden und lyrischen Timbre und herzergreifender Darstellung. Mit
berührenden Mezzotönen agiert ihre Mutter Denisa Slepkovská, die ebenso
zur Sklavin verdammt am Ende ihre tote Tochter verzweifelt in den Armen
hält. Außerordentlich sind auch die Nebenrollen besetzt, wo unter
anderem Mikulás Dobos, Igor Pasek, Daniel Capkovic und Robert
Remeselnik zu erwähnen wären. Allein die Chorszenen brachten das
Gesamtwerk zum überschäumen, als auch die hervorragende Wiedergabe des
slowakischen Nationaltheater Orchesters unter der musikalischen Leitung
von Dusan Stefánek.
Fazit:
Ein grandioses Opernwerk mit einer ausgezeichneten Besetzung in einer
großartigen Inszenierung. Die nächsten Aufführungstermine 8.2.2009 in
Bratislava und am 15.2.2009 Gastspiel in Brünn, wo sich selbst die
weite Anreise von Deutschland aus lohnt.
Manuela Miebach