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Staatstheater Braunschweig

http://www.staatstheater-braunschweig.de/

 

 

 

DER BETTELSTUDENT

Premiere am 13.10.2012

So nicht!

Schon seit längerer Zeit gibt es eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Staatstheater und der Kammeroper Schloss Rheinsberg, wo sich jedes Jahr in einem Wettbewerb Sängerinnen und Sänger um die Partien in meist konzertant aufgeführten Werken bewerben. Seit drei Jahren gibt es mit den Preisträgern halbszenische Aufführungen von Operetten, diesmal nach „Frau Luna“ und dem „Vogelhändler“ Millöckers  BETTELSTUDENT. Dass an unseren Opernhäusern die Operette sträflich vernachlässigt wird, ist nach wie vor zu beklagen; deshalb ist es auch lobenswert, dass man sich wenigstens auf diese Weise ihrer erneut angenommen hat. Das, was jetzt zu erleben war, war allerdings eher problematisch: Auf der Bühne waren ca. 80 (!) Choristen in schwarzer Konzertkleidung aufgereiht, die übrigens prächtigen, ausgewogenen Chorklang entwickelten (Einstudierung: Chor des Staatstheaters –  JOHANNA MOTTER/KonzertChor Braunschweig – MATTHIAS STANZE). Davor traten die handelnden Personen in bunten historischen Kostümen (MARTIEN WITHOOT) auf und mühten sich in der Regie von DETLEF SOELTER um die szenische Verwirklichung des wie so oft unwahrscheinlichen Librettos. Dabei waren ihnen nur die musikalischen Nummern der Operette vorbehalten, denn der Inhalt erschloss sich eher weniger als mehr aus den dem Gefängniswärter Enterich, bzw. dem Kammerdiener Onuphrie in den Mund gelegten Texte, wobei MANOS KIA der französische Akzent deutlich besser gelang als das teilweise schwer verständliche, reichlich bemühte Sächsisch. So wurde überdeutlich, wie schwierig es ist, ausgerechnet Operetten nur halbszenisch aufzuführen.

Aber auch die musikalische Verwirklichung hatte am Premierenabend ihre Grenzen: Mir hat sich nicht erschlossen, warum ein derartig übermächtiger Chor beteiligt werden musste, der in großen Finali die fast durchweg jungen Stimmen der Solisten geradezu zudeckte. GEORG MENSKES am Pult des soliden Staatsorchesters sorgte für den Zusammenhalt und den nötigen Schwung ebenso wie das melodienselige Sentiment, konnte aber die Lautstärke aus dem Orchestergraben bei manchen Arien und Duetten nicht ausreichend abdämpfen. Darunter hatte auch TOBIAS HAAKS als der „Bettelstudent“ zu leiden, dessen kerniger Tenor manchmal kaum zu hören war. Seine Laura war die junge, unvorteilhaft gekleidete und darstellerisch ungelenke KATHARINA SCHWESINGER, deren schon recht geläufiger Sopran noch Entwicklungsmöglichkeiten hat.

Der bühnenerfahrene HENRYK BÖHM gab den letztlich düpierten Ollendorf beinahe zu elegant, überzeugte aber stimmlich durch seinen charaktervollen, abgerundeten Bariton. Klarstimmig gefielen das Buffo-Paar AGNIESZKA SOKOLNICKA und MANUEL GÜNTHER (Bronislawa/Jan) ebenso wie der klangvolle Mezzo der natürlich viel zu jungen Gräfin Nowalska von MELINDA HEITER; fehlerlos ergänzten JENNIFER GLEINIG (Kornett von Richthofen) und SEBASTIAN MATSCHOSS (Rittmeister von Henrici). Fazit: Schön, dass es ab und zu noch richtig gute Operetten zu erleben gibt (u.a. z.B. an der Rheinoper in Duisburg - siehe OF-Bericht "Die Csardasfürstin"),

aber bitte so nicht!

Gerhard Eckels

                                                                                                            

                                                                                                            

 

AIDA

Premiere am 22.9.2012

Ramphis als Drahtzieher

In der neuen AIDA-Inszenierung am Staatstheater rückt KONSTANZE LAUTERBACH  neben der schwierigen Dreiecks-Geschichte vermehrt das Schreckliche am Kriegsgeschehen in den Focus ihrer Arbeit. Der Oberpriester Ramphis wird hier zum Drahtzieher eines Angriffskrieges, indem er bereits zum musikalischen Vorspiel den Boten mit einer fingierten  Nachricht zum König schickt und so die Soldaten mit Flugblättern aufwiegelt. Anstelle der Balletteinlagen des Triumphmarsches läuft u.a. ein Video im Hintergrund, das eindringlich eine der pompösen Verona-Inszenierungen heutigen Kriegsschauplätzen, Verwundeten und Kindersoldaten gegenüber stellt. Ein schlichtes Bühnenbild (HANS-MARTIN SCHOLDER) mit drei hintereinander gestaffelten Podesten, die sich auch leicht schräg stellen und im vorderen Teil in der Mitte teilen ließen, glatten Seitenwänden und wenig Hängern (mit Kakteen am Nil) gab Lauterbach die Grundlage zu zwingender Personenregie, die einprägsame Bilder entstehen ließ. Leider ging es nicht ganz ohne überflüssige Regie-Mätzchen ab, wie das gierige Essen der Priester aus Pappschalen, das Zuschütten der Amneris mit roten Papierschlangen oder aktuelle Verschiebungen des Inhaltes wie das Niedermetzeln der eigentlich freigelassenen Äthiopier am Ende des Triumphbildes. Zeitlose, teils moderne Kostüme (HANNAH HAMBURGER) mit Bomberjacken für die Soldaten, einfachen langen Gewändern der Frauen und orange-farbenen Umhänge für die Priester rundeten die Optik passend ab.

Nach einigen Unsauberkeiten zu Beginn steigerte sich das Braunschweiger Staatsorchester unter der anfeuernden Leitung von ALEXANDER JOEL zu subtilen Klangfarben und üppiger Klangpracht. In der Titelrolle erlebte man IRINA RINDZUNER, die die Zerrissenheit zwischen der Liebe zum Vaterland und Radames intensiv gestaltete; ihr durch alle Lagen bruchlos geführter, farbenreicher Sopran gefiel trotz geringer Intonationsmängel. ARTHUR SHEN war ein im Spiel stark überzeugender Radames, der z.B. nicht triumphal heimkehrte, sondern durch das Kriegsgeschehen stark berührt und nachdenklich auftrat. Sein prächtiger Tenor entfaltete sich besonders in Mittellage und Tiefe zu warmen Klängen; in der Höhe stieß er in dieser Rolle noch an seine Grenzen und wurde ein wenig steif im Ton.

YANYU GUO (Amneris) setzte ihren kräftigen Mezzosopran mit großem Umfang geschickt ein und überspielte so gekonnt beginnende Schärfen in der Höhe; sie wusste gut zwischen dramatischen Ausbrüchen und einschmeichelnden Tönen zu differenzieren. Als auch in der Darstellung beherrschender Ramphis war SELCUK HAKAN TIRASOLGLU mit kraftvollem Bass ein sicheres Fundament. Als Amonasro präsentierte OLEKSANDR PUSHNIAK einen für seine Jugend gut abgerundeten Bariton mit weichen Höhen. HYUNG WOOK LEE sang den von der Regie her als geradezu debil angelegten König grundsolide mit gleichmäßig durchgebildetem, schönem Bass. TOBIAS HAAKS (Bote) und MORAN ABOULOFF (Priesterin) ergänzten passend das insgesamt ausgeglichene Ensemble. Chor und Extrachor des Staatstheaters Braunschweig erfreuten mit ausgewogenen Klängen (Einstudierung: GEORG MENSKES) von der Bühne, was natürlich beim Singen vom 1.Rang zu Beginn des Triumphbildes nicht ganz so gegeben war, weil die jeweils am nächsten stehende Stimmgruppe stark überwog. Einmütiger, etwas zurückhaltender Applaus belohnte alle Beteiligten am Premierenabend.                                     

Marion Eckels                                            

 

 

IL BARBIERE DI SIVIGLIA

besuchte Aufführung am 25.03.12    (Premiere am 04.02.12)

Politur der Oberfläche

Sicherlich meint es Michael Talke, der Regisseur der Neuinszenierung von Rossinis "Barbier von Sevilla" am Staatstheater Braunschweig, gut, wenn er sich im Programmheft Gedanken um das Werk macht, doch das Ergebnis wird oberflächlicher, als es die Oper verdient hätte: die Mechanik der Beaumarchais-Komödie geht glänzend einher mit der Mechanik von Rossinis Kompositionstechnik, so übersetzen Barbara Steiners Spanplattenkulissen mit bunten Rummelplatzglühbirnen auf der Drehbühne die Dynamik ins Sichtbare (die überdimensionalen Fünfziger-Jahre-Pin-Ups dienen dabei wohl eher dem Dekorativen), Inge Medert sorgt dazu für schöne Kostüme dieser Zeit. Doch Talke meint, daß die Rezitative der heutigen Geschwindigkeit hemmend entgegenwirken (stimmt vielleicht, denn das Stück ist ja auch nicht von Heute), deshalb wird gekürzt, dabei allerdings ausgerechnet, das oft gestrichene, Nies-Rezitativ der Berta mit seiner unsäglich (gut das ist meine Aussage) hausbackenen Komik von Anno Poof hereingenommen. Zusätzlich wertet man die Rolle des Dieners Ambrogio auf, der a la Peter Frankenfeld die italienische Opera buffa unterbricht und sich vermittelnd direkt an das Publikum wendet, mit Henryk Böhm hat man einen Darsteller und Sympathieträger, der so etwas exakt auf dem Punkt zu bringen weiß. Im turbulenten Bühnengedrehe stimmt jedoch oft das nötige Timing nicht, die eigentlichen handelnden Personen bleiben blasser, als sie müssten; in vielen unangestrengteren Inszenierungen habe ich das einfach schon besser gesehen. Die Zuschauer jedoch haben ihren Spaß, was ja die Hauptsache ist.

Musikalisch kann man in Braunschweig die Rosina sowohl als Mezzo (Sarah Ferede), oder, wie an diesem Abend, als Sopran mit Ekaterina Kudryavtseva erleben: Die Sängerin verfügt über einen zwitscherigen Sopran mit leichter Delikatesse, doch die Höhe kommen leicht klirrend an diesem Abend, außerdem komponiert sie eine sehr eigene Fassung der Rosina, wo gerade Rossini bis in die Koloraturen verbindlich schrieb. Mit Matthias Stier besitzt das Braunschweiger Haus einen jungen, lyrischen Tenor, der auch an großen Bühnen bestehen könnte, bereits von der heiklen Serenade von gesanglicher Präsenz in der hohen Tessitur und schmelzendem Ton in der Farbe, ein Almaviva von Weltformat ! Nicht wenig danach Orhan Yildiz als südlicher Womanizer schon ein Publikumsliebling, sein Bariton gefällt mit vor allem in Tiefe und Mittellage, in der Höhe fehlt seinem Figaro ein wenig der "Strahl". Selcuk Hakan Tirasoglu als bewährter seriöser Bass, zeigt als Basilio durchaus mit einem Schuss Ernsthaftigkeit, daß ihm auch das Buffa-Fach liegt. Taras Konoshenko ist ein ernstzunehmender Bartolo von einnehmender vokaler Statur. Als Berta weiß Yuliya Grote sich in der Sorbetto-Arie berechtigt einen Soloapplaus zu erringen. Malte Roesner (Fiorillo) und Tadeusz Nowakowski (Offizier) komplettieren ansprechend, der Herrenchor macht vokal wie szenisch Freude. Sebastian Beckedorf hält das, nicht ganz fehlerlose, Staatsorchester zu einem trockenen Rossini-Brio an und schärft die dynamischen Unterschiede.

Wie bereits gesagt, macht die Aufführung den Zuschauern hörbare Freude, dem Kritiker wird der "Barbier" (wie bereits Donizettis "Liebestrank" in Aachen) vom Regisseur Talke mit allzu linker Hand billiger verkauft als nötig.

Martin Freitag

 

 

SARKA

Premiere am 22.03.12, besuchte Aufführung am 27.03.12

Unbekannter Schatz aus Tschechien

Jedes Jahr widmet sich das Braunschweiger Staatstheater einer wirklich unbekannten Oper; dieses Jahr der Deutschen Erstaufführung von Zdenek Fibichs heroischer Oper "Sarka", mit "Hatschek" über dem S also sprich "Scharka". Fibich gilt in unseren Breitengraden als musikalische Randfigur, lediglich bekannt durch das kleine Orchesterstück "Poeme", oft als Salonstück oder mit dem Text "Eine kleine Frühlingsweise" gegeben. Dabei stellt die Oper "Sarka" in der tschechischen Wagnernachfolge, wie vor drei Jahren die Shakespeare-Oper "Der Sturm" in Bielefeld, vor, daß wir es mit einem zu Unrecht Unbekannten zu tun haben (was sich bei einer Gesamtaufnahme bei Supraphon überprüfen läßt). Denn die spätromantischen Klangwogen brauchen einen Vergleich mit Dvorak nicht zu scheuen; schöne Melodieeinfälle, wie eine feine, gelungene Orchesterbehandlung, lassen die Oper zu einer echten Entdeckung werden, der man gerne auch auf anderen Bühnen begegnen möchte.

Die Handlung beginnt nach dem Tod der Königin Libussa, der Witwer Premyslaus und die Männer gehen gegen die matriarchalische Staatsform vor, was sich die Frauen unter der politischen Führerin Vlasta und der heroischen Kämpferin Sarka nicht gefallen lassen. Innerhalb dieser innerpolitischen Kriege verlieben sich ausgerechnet Sarka und der Ober-Macho Ctirad ineinander, nachdem letzterer von den slawischen Amazonen gefangen und hingerichtet werden soll, verrät Sarka ihre Kampfgenossinnen. Nach der Rettung Ctirads und dem Gemetzel an den Frauen, sieht sie keinen Ausweg mehr als den Tod.

Konstanze Lauterbachs Arbeit am Staatstheater hatte mit einer spannenden "Lady Macbeth von Mzensk" begonnen, während Mascagnis "Isabeau" eher einen gespaltenen Eindruck hinterließ, nach einem etwas läßlichen Anfang mit einem Monolog aus Grillparzers "Libussa"-Trauerspiel mit der charismatischen, doch auch etwas unverständlichen Martina Krauel, funktionierte ihre Inszenierung mit ihrer symbolhaften Bildersprache und der choreographischen Regie ausgezeichnet zu der leicht pathetischen, spätromantischen Tonsprache. Lauterbach zeigte sich ebenfalls für die Kostüme verantwortlich, während die Männerkostüme etwas konventionell blass (Anzüge und Ähnliches) ausfielen, begeisterten ihre phantasievollen, schönen und dabei gut charakterisierenden Frauenkostüme, elegant in der Matriarchatsgesellschaft, wild in den kriegerischen Amazonengewändern. Mit wenigen optischen Versatzstücken gelang Andreas Jander mit seinem stilisierten Bühnenbild, das Naturnähe, wie Kunstbild suggerierte, einen ähnlich starken Eindruck zu entwickeln.

Musikalisch gab es auch Beachtliches zu hören: Zwar lenkte Sebastian Beckedorf die Orchesterwogen etwas knallig, doch auch mit viel Emphase, die spätromantische Musikliteratur liegt dem Staatsorchester Braunschweig auch hörbar gut im Blut. Mit Rena Harms konnte man eine tolle Sopranistin für die Titelpartie gewinnen, die nicht nur starke szenische Akzente setzen konnte, dabei der Sarka auch glaubhafte mädchenhafte Züge verlieh, sondern eine wunderbar eigen timbrierte Stimme mitbrachte, die sie für das jugendlich dramatische Fach prädestiniert, zwar in den tiefen Lagen nicht immer ganz den Fokus findet, doch mit enormer Stimmkraft und einer metallisch gleißenden Höhe die heroischen Züge der Kämpferin zum Klingen bringt. Arthur Shen scheint im letzten Jahr einen enormen Sprung gemacht zu haben, denn sein Tenor besitzt die nötige Robustheit für den heldenhaften Strahl des Ctirad, wie er Flexibilität mitbringt die hohe Tessitura der Partie mit der richtigen Liebeslyrik zu verbinden. Oleksandr Pushniaks szenisch leicht lethargische Ausstrahlung passt zum Fürsten Premyslaus, sein Prachtbariton mit der dunklen Glut verspricht eine außerordentliche Sängerkarriere. Julia Rutigliano wirkt als Vlasta durchaus mädchenhaft, während ihr üppiger Mezzosopran schon in das dramatische Fach reicht. Ekaterina Kudryavtseva (Libyna),Simone Lichtenstein (Svatava), Moran Abouloff (Mlada), Sarah Ferede (Radka), Malgorzata Przybysz (Castava) und Yuliya Grote (Hosta) ergänzen auf ganz hohem Niveau die kämpferischen Frauen. Chor und Extrachor begeistern in den gesanglich anspruchsvollen Partien, wie in der choreographischen Szenographie unter Georg Menskes Leitung.

Man kann sich zwar streiten, ob man das Werk in deutscher Sprache geben muß, doch Peter P. Pachls Übersetzung geht sehr geschickt mit der schwierigen tschechischen Prosodie um, zumal es den meisten Sängern gelingt den Text sehr deutlich über die Rampe zu bringen. Insgesamt ein sehr mitreißender Opernabend und die Entdeckung eines unbe-, wie verkannten Werkes, also ein Muss für jeden Opernliebhaber.

Martin Freitag

 

 

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