Národní divadlo Brno JANÁČEK Výlet pana Broučka do Měsíce
(Der Ausflug des Herrn Brouček auf den Mond) – 17.11.
Das diesjährige
internationale Janáček-Festival in Brünn stand unter dem Motto „Janáček versus
Expressionismus“. Zum zweiten Mal findet in der mährischen Hauptstadt diese
Festival statt, mit dem man nun im Zweijahresabstand versuchen will, eine
ähnliche Verbindung des Künstlers Leos Janacek mit dem zentralen Ort seines
Schaffens zu etablieren, wie sie für Richard Wagner mit Bayreuth besteht.
Während des diesjährigen Festivals, das noch bis zum 28.
November dauert, werden auch zwei Uraufführungen gezeigt: zum einen Janáčeks
erste Oper „Sarka“ in der Urfassung von 1887, szenisch und mit
Klavierbegleitung, sowie das absurd-komische Werk „Der Ausflug des Herrn
Broucek auf den Mond“ in seiner Originalfassung von 1917.
Als Gäste nehmen an diesem internationalen Festival das
Prager Nationaltheater mit „Kátja Kabanová“ in der Regie von Robert Wilson, die
Moskauer Helikon-Opera mit „Die Sache Makropulos“ und das Aalto Theater Essen
mit Alban Bergs „Lulu“ teil.
Der Abend begann mit Leoš Janáčeks Orchesterwerk
"Sinfonietta" (1926), für dessen dritten Satz Choreograph Jiří Kylián
eine neue Fassung schuf. Die Visualisierung der anderen Sätze erfolgte mittels
Videoeinspielungen.
Nach der Pause folgte die mit Spannung erwartete Urfassung
des ersten Teiles der beiden Ausflüge des Herr Broucek, nämlich jenes auf den
Mond. Die literarische Vorlage geht auf die Erzählung „Výlet pana Broučka do
měsíce“ aus dem Jahr 1888 des tschechischen Dichters, Journalisten und
Weltenbummlers, Svatopluk Čech (1846-1908), zurück. Sein Matěj Brouček ist ein
typischer kleinbürgerlicher Hausbesitzer, habsüchtig und eifersüchtig, der sich
täglich einen Rausch in seinem Stammwirtshaus antrinkt und dann seine
Fantasiereisen unternimmt. Man erinnert sich noch, dieser eher selten
gespielten Oper im Oeuvre des mährischen Komponisten einmal im Rahmen eines
Janacek-Schwerpunktes in Graz 1994 und zuletzt 2006 an der Volksoper in Wien
begegnet zu sein.
Die Oper steht vom Thema her ganz in der Tradition von
Haydns „Il mondo della luna“ und Offenbachs „Le voyage dans la lune“. Regie und
Ausstattung stammten von der 1939 geborenen britischen Bühnenbildernerin und
Regisseurin Pamela Howard, emeritierte Professorin der University of Arts
London. In der Bühnenmitte steht ein Haus, von dem man die Vorderfront mit
Eingangstor sowie die beiden Seiten sieh. Gedreht wird die Szenerie dann zur
Welt auf dem Mond. Der aufgeklappte Hintergrund erinnert dabei ein wenig an die
Bilder von Piet Mondrian. Die Kostüme der Rahmenhandlung entsprechen der
Entstehungszeit, die Kostüme der Mondbewohner sind etwas fantastischer
gestaltet und tragen diese Lunatiques auch rosafarbene Perücken. Zum
Verständnis des anwesenden internationalen Publikums trugen die tschechischen
Übertitel während der Vorstellung allerdings nur wenig bei. Eine Verbesserung
für die Zukunft wurde aber versprochen.
Ein durchwegs ausgewogenes Sängerensemble bot seine
respektablen Leistungen. Allen voran Jaroslav Březina als trunkener
Hausbesitzer Matěj Brouček mit kraftvollem Tenor. Ondrej Šaling meisterte die
äußerst schwierige Partie des Mazal und seiner Traumspiegelbilder
beeindruckend. Bassbariton Martin Gurbál gefiel als Sakristan, der frappante
Ähnlichkeiten mit dem Mesner in Tosca aufweist. Adriana Kohútková wechselte
gesanglich und emotional überzeugend zwischen dem traurigen Prager
Dienstmädchen Málinka und einer kühlen Mondbewohnerin.
Die weiteren Rollen wurden rollengerecht von Jiří.Sulženko
als Gastwirt Würfl, Andrea Priechodská als Piccolo bei Würfl, Daniela
Straková-Šedrlová als Brouceks Haushälterin Fanny Nowak, Martina Králíková
Dienstmädchen, Roman Janál in der Rolle des Dichters der Ausflüge des Herrn
Broucek, Svatopluk Čech, Petr Levíček als Komponist, Zoltán Korda als Maler und
Petr Císař als Dichter.
Der stürmische Applaus am Ende rechtfertigte die Bemühungen,
ein solches internationales Festival in der sonst so flauen Herbstzeit zu
veranstalten und das gerade in einer Zeit der allgemeinen Sparmaßnahmen gerade
auf kulturellem Sektor. Eine große
Anzahl ausländischer Gäste mag als Gradmesser dafür dienen, dass dieses
Festival bereits vom Ausland mit Neugier wahrgenommen wird. Die gebotenen Leistungen
waren gediegen und von hoher Qualität und zeichnen dieses Festival als
besuchenswert aus.
Harald Lacina