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DEUTSCHE JOHANN STRAUSS GESELLSCHAFT

 

 

In Coburg beginnt das Jahr beschwingt

Aufführung im Kongresshaus Rosengarten Coburg 06.01.2014

Das „Coburger Neujahrskonzert 2014“ mit dem Alt-Wiener Strauss-Ensemble Stuttgart, der Sopranistin Gudrun Ingimars und einem Füllhorn herrlicher Melodien verzaubert Coburg

Zum 27ten mal feierten wir das Coburger Neujahrskonzert, und es war wieder ein gelungener Jahresauftakt. Die ausverkaufte Halle war gut aufgelegt und geizte nicht mit wohlverdientem Applaus. Nach einer kleinen Verzögerung (einer Dame war übel geworden) war man wieder fast drei Stunden im Rausch der Musik. Großen, langandauernden Beifall für das Alt Wiener Strauss Ensemble mit seinem agilen Dirigenten Ralph Kulling, großer Beifall für das Moderatorenpaar Dr. Eduard Strauss und seinem Sohn Thomas Strauss, die im letzten Jahr schon eine vielbeachtete Premiere hatten und ebenso großer Beifall für die isländische Sopranistin Gudrun Ingimars, die die Schweißperlen auf manche Stirn, vor allem Männerstirn zauberte und die mit ihrer Stimme bezauberte. Doch eines nach dem anderen.  

Alle Besucher waren überzeugt, dass es in Coburg keinen Jahresbeginn ohne das Neujahrskonzert geben kann und dass dies weiterhin zum festen Bestandteil der Coburger Kulturszene zählt. In diesem Jahr war neben der Musik der Sträusse (Johann Strauss Sohn, Johann Strauss Vater, Eduard Strauss und Josef Strauss) auch Richard Wagner, Rudolph Bullerjahn und Franz Lehár angesagt.  

Wie immer fand das Neujahrskonzert unter Leitung des Kulturbüros der Stadt statt. Bürgermeister und Kulturreferent Norbert Tessmer, dessen Ansprache erfrischend und gegenüber dem Vorjahr noch (wohltuend) kürzer war, sandte die Neujahrsgrüße der Stadt an alle Besucher. Dr. Eduard Strauss aus Wien, Urenkel von Eduard Strauss und Ururenkel von Johann Strauss Vater, hatte zur Unterstützung wieder seinen Sohn dabei. Mit viel Charme, zuweilen auch etwas Schmäh, aber immer fundiert und mit viel Sachwissen, schoben sich die beiden die Bälle zu und führten so durch das Programm, dass auch nicht einen Moment Langeweile aufkam. So macht Moderation Spaß.   

Ralph Kulling, der sein Alt-Wiener Strauss-Ensemble gekonnt, mit fester, sicherer Hand, die aber auch den notwendigen Freiraum ließ zur Höchstform auflaufen ließ, hatte die isländische Sopranistin Gudrun Inigimars mitgebracht, und für dieses Mitbringsel konnte man ihm nur dankbar sein, denn Gudrun Ingimars brachte es fertige das Publikum zu verzaubern, und wenn man bei ihren Interpretationen eine Stecknadel hätte fallen hören, dann weiß man, wie sie ihr Publikum gefesselt hatte.  Auch in diesem Jahr verging die Zeit bis zum Konzertende wie im Flug – und die Musik riss mit und ließ die Zeit vergessen.   

Begonnen wurde mit der Ouvertüre zu „Cagliostro in Wien“, die mit wunderschönen Übergängen schwungvoll eröffnete. Eine Polka in G-Dur und den Züricher Vielliebchen-Walzer, beides von Richard Wagner hatte man zum Ausklang des Wagner Jahres aufgenommen. Schwungvoll und lebendig wurde hier musiziert. Mit dem Csárdás der Rosalinde aus der „Fledermaus“ stellte sich dann Gudrun Ingimars vor. Mit ihrer voluminösen, strahlenden Stimme, die sie gefühlvoll, den Saal ausfüllend einsetzte, hatte sie die Herzen der Konzertbesucher im Fluge erobert. Langanhaltender Applaus für sie. Die Polka schnell „Éljen a Magyar“ von Johann Strauss Sohn zeigte, wie feurig und temperamentvoll das Stuttgarter Ensemble zu spielen in der Lage ist. Erheiternd von Rudolph Bullerjahn dann die Concert-Polka „Etwas für die Aelteste“ für Kontrabass und Orchester, wobei sich Stephan Koch-Roos als einfühlsamer, wohlklingender Solist mit dem Kontrabass profilieren konnte. Spritzig und feurig wiedergegeben, ganz im Sinne des Titels „Jugendfeuer“ dann der Galopp von Johann Strauss Vater. Ein Schmankerl dann noch vor der Pause. Gudrun Ingimars brillierte mit dem „Frühlingsstimmenwalzer“ von Johann Strauss Sohn, den sie perlend, mit hauchzarten Tönen, aber immer locker und leicht interpretierte und für einen Beifallssturm sorgte. 

Nach der Pause etwas gesetzter der Walzer „Ballpromessen“ von Eduard Strauss und erneut Gudrun Ingimars mit dem Auftrittslied der Gräfin aus „Wiener Blut“. Ihr „Grüß dich Gott, du liebes Nesterl“ wurde innig, gefühlvoll und strahlend wiedergegeben, bei ihr würde man gerne Graf sein. Von Josef Strauss folgte dann der „Schwarzenberger-Monument-Marsch“, leidenschaftlich und fast militärisch zackig dargeboten, konnte das Orchester auch hier wieder voll überzeugen. Im Anschluss von Johann Strauss Sohn „Dolci Pianti“, eine Cello-Romanze. Und hier konnte sich mit gefühlvoller Bogenführung Jan Pas auszeichnen. „Hör ich Zimbal-Klänge“, Lied und Csárdás aus Franz Lehár´s „Zigeunerliebe“, gab Gudrun Ingimars Gelegenheit ein weiteres Mal zu brillieren, mit Leidenschaft und Temperament konnte sie erneut voll überzeugen. Den Abschluss brachte „Wein, Weib und Gesang“, Walzer von Johann Straus Sohn. Und hier zeigte Ralph Kulling noch einmal, was in ihm und seinen Musikern steckt, die zum Abschluss donnernden Beifall erhielten.  

Dann als Zugabe das „Schwips-Lied“, Polka von Johann Strauss Sohn und bravourös von Gudrun Ingimars interpretiert, die dieses spritzige Stück auch mit viel schauspielerischem Können über die Bühne bringt. Tobender Applaus, auch für die tolle und gekonnt dargebrachte Interpretation von „I feel pretty“ aus Bernsteins „West Side Story“. Toll gesungen, für mich persönlich passt dieses Stück aber nicht so ganz in den bisherigen Konzertrahmen, ein kleines bisschen ein Fremdkörper. Am tobenden Applaus für Gudrun Ingimars ändert dies nichts.   

Der obligatorische „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauss Vater soll als Rausschmeißer fungieren, feurig und schmissig wird er dargeboten. Mit der Polka „Auf und davon“ wird der Schlusspunkt unter ein wiederum exzellentes Konzert gesetzt. Eine Tradition, für die Coburg von vielen anderen Städten beneidet wird, ich kann nur hoffen, dass sich auch Coburg darüber im Klaren ist.

Manfred Drescher      27.02.2014                      Fotos: Manfred Drescher

 

 

 

 

Am 12.10.2013 in der Aula des Casimirianums in Coburg:

 

Deutsche Johann Strauss Gesellschaft beeindruckt mit tollem Programm

Stipendiaten-Konzert mit Nina Scheidmantel und Festvortrag mit Musikbeispielen

Es war ein beglückender Tag für die Deutsche Johann Strauss Gesellschaft, dieser 12. Oktober 2013. Mit einem exzellenten Festvortrag und einem äußerst beeindruckenden Stipendiaten-Konzert der jungen Pianistin Nina Scheidmantel wurden zwei herausragende Ereignisse geboten, die in unserer Gesellschaft mit Sicherheit lange nicht in Vergessenheit geraten werden. Doch der Reihe nach. 

„Die Deutsche Johann Strauss Gesellschaft (DJSG) auf den Spuren von Kaiserin Sisi“, ein Festvortrag mit vielen Musikbeispielen von Prof. Helmut Reichenauer, so lautete am Vormittag die Einladung. In der Aula des Casimirianums Coburg, für dessen Gastfreundschaft sich die Deutsche Johann Strauss Gesellschaft herzlich bedankt, fand dieser, ein höchst interessanter Vortrag über „Sisi, das österreichische Kaiserhaus und die Familie Strauss“, statt. Das Ehrenmitglied der DJSG, Prof. Helmut Reichenauer, gleichzeitig Präsident des Kulturvereins „Wiener Blut“ in Wien schaffte es, die „Sisi-Zeit“ den fast 50 Zuhören aus der ganzen Bundesrepublik und der Schweiz, so nahezubringen, dass man sich fast in diese zurückgesetzt fühlte. Am Heiligen Abend 2012 jährte sich die Geburt der späteren österreichischen Kaiserin Elisabeth in München als Tochter des Herzogs Max in Bayern zum 175. Male. In seiner PowerPoint Präsentation mit zahlreichen Bildern aus der Zeit der Donaumonarchie gelang es Reichenauer die Zuhörer so zu fesseln, dass man die Zeit vergaß und die 90 Minuten „wie im Flug“ vergingen. Das lag sicher auch daran, dass er die Präsentation mit insgesamt 18 Musikbeispielen ausstattete und so die musikalischen Brücken über das Kaiserhaus und die Musik der Sträusse schlug. Das Leben einer der schönsten Frauen ihrer Zeit beleuchtete er aus ihrer Zeit im Kaiserhaus und ihrer ambitionierten Rolle in der damaligen Politik. Ihrem überragenden Engagement ist es z.B. zu danken, dass es 1867 zum Ausgleich zwischen den beiden Reichshälften – Österreich und Ungarn – und damit zur Gründung der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie kam. Ihr Leben wiederspiegelt sich aber auch in der musikalischen Verbindung zur Familie Strauss, aber auch deren Zeitgenossen, wie z.B. des jungen August Lanner (Sohn von Joseph Lanner) oder von Phillipp Fahrbach jr. Neben den hinreißenden „Myrthenkränzen“ von Johann Strauss (Sohn) als kompositorische Widmung zu ihrer Hochzeit mit Kaiser Franz Joseph zeigte Prof. Reichenauer auch an Hand der beiden Walzer „Myrthen –Sträußchen“ und „Schleier und Krone“, dass das kompositorische Talent von Eduard Strauss dem seiner beiden Brüder ebenbürtig ist und er zu Unrecht in ihrem Schatten steht.  

Im Anschluss an den vielbeklatschten zuäußerst abwechslungsreichen und humorvollen Vortrag von Prof. Reichenauer stellte Rudolf Maeder, Vorstandsmitglied der DJSG, an Hand von wenigen Ausschnitten die Musikschule „Avdo Smajllowic“ in Visoko (Bosnien-Herzegowina) vor, die die DJSG mit Notenmaterial und Geldspenden seit nunmehr zwei Jahren in der Ausbildung junger Musiker unterstützt. Die Deutsche Johann Strauss Gesellschaft freute sich über den regen Zuspruch zur Veranstaltung und bedankte sich herzlich bei Prof. Helmut Reichenauer.Der Vorsitzende der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft, Dr. Ingolf Roßberg, konnte dann am Nachmittag zum Konzert von Nina Scheidmantel über 100 Zuhörer begrüßen. Besonders freute er sich, dass neben Bürgermeister Norbert Tessmer, auch die Lehrerin von Frau Scheidmantel, Frau Prof. Mathies aus Würzburg und die Eltern der jungen Künstlerin erschienen waren. Kurze Grußworte gaben Bürgermeister Norbert Tessmer, der sich besonders freute, dass die junge hochbegabte Pianistin wieder einmal in Coburg gastierte. Er dankte auch der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft für ihren Einsatz für die Musik und die musikalischen Begabungen. Ebenso ein Grußwort kam von Prof. Helmut Reichenauer, Ehrenmitglied der DJSG und Präsident des Kulturvereins „Wiener Blut“. 

Nina Scheidmantel, die in Lichtenfels geboren ist und derzeit in Würzburg lebt, war von 2002 bis 2011 am Gymnasium Albertinum in Coburg, wo sie das Abitur erfolgreich abschloss. Von 1998 bis 2007 erhielt sie Klavierunterricht bei Prof. Alla Schatz, 2002 bis 2011 Klarinettenunterricht beim Soloklarinettisten des Philharmonischen Orchester Coburgs, Edgar Eichstätter. Ihre vielen gewonnenen Wettbewerbe und mannigfaltige Auftritte aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Die Künstlerin ist auch sozial stark engagiert, Benefizkonzerte, Kulturbotschafterin der Gemeinde Seßlach, Stipendiatin des Richard-Wagner-Verbandes Coburg, sind nur einige ganz wenige Steine auf dem bereits langen Weg der jungen Künstlerin, die längst aus ihren musikalischen Kinderschuhen herausgewachsen ist. Und dann zeigte Nina Scheidmantel, dass sie eine würdige Preisträgerin ist.

Sie begann furios mit Mendelssohn-Bartholdy und dessen Präludium und Fuge e-Moll, op.35, Nr. 1, ging über zu Drei Intermezzi, op. 117 und beendete den ersten Teil mit der Fantasie fis-Moll, op.28 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Mit enormer Fingerfertigkeit, einem bestechenden Anschlag, mit warmem und einfühlsamem Ton, zeigt Nina Scheidmantel, dass sie jetzt schon zu den großen Pianistinnen gehört.

Nach dem ersten Teil des Konzertes ging es hochoffiziell zu. Der Vorsitzende der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft Dr. Ingolf Roßberg, überreichte, zusammen mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Albrecht Tauer, die Urkunde über das Stipendium 2013 an die junge Pianistin. Neben einem Blumenstrauß überreichte er an die Stipendiatin auch die Ehrennadel der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn er gab damit der Hoffnung Ausdruck, dass Nina Scheidmantel, wenn sie – und davon waren alle Zuhörer überzeugt – eine ganz Große in ihrem Metier geworden ist, noch einmal ein Konzert bei der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft geben wird.  

Nach der Pause gab es etwas Besonderes zu hören. Johann Strauss mit „An der schönen blauen Donau“, „Rosen aus dem Süden“ und „Geschichten aus dem Wienerwald“. Nina Scheidmantel spielte diese aber nicht so, wie man sie gewöhnt war, sonders als Konzertparaphrasen des russisch-österreichischen Komponisten, Pianisten und Dirigenten Eduard Schütt (1856 bis 1933). Gefühlvoll, einfühlsam, mit exzellenter Anschlagkultur meisterte sie die Stolpersteine, die gerade in dieser virtuosen Gestaltung der Strausschen Melodien a la Liszt liegen. Stehende Ovationen für die blutjunge, hochbegabte Pianistin. Sichtlich erfreut nahm sie die nicht endend wollenden Beifallsbezeugungen hin, um dann noch einen Höhepunkt draufzusetzen. In dem verhaltenen und unglaublich zart gespielten „Alt-Wien“ von Leopold Godowsky, einem Pianisten, der auch als Klavierlehrer in Wien tätig gewesen war, gab sie eine Zugabe, die die ganze Persönlichkeit der jungen Künstlerin zeigte. Sie bewies in diesen über zwei Stunden, dass sie gereift ist, nicht nur als Virtuosin begeistern kann, sondern die Musik richtiggehend auslebt und auf dem Weg zu einer ganz Großen ihres Faches ist. Sie bewies mit diesem eindrucksvollen Konzert, dass sie eine würdige Preisträgerin der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft ist.

Manfred Drescher, 21.10.2013

Bilder  Ulrich Göpfert, Coburg

 

 

 

 

Die 3 Tenöre

bringen Coburgs Kongresshaus zum Schwärmen

Das „Coburger Neujahrskonzert 2013“ mit dem exzellenten Alt-Wiener Strauss-Ensemble Stuttgart, die 3 Tenöre und ein Reigen schönster Melodien

1.1.2013

Im letzten Jahr feierten wir 25 Jahre Coburger Neujahrskonzert, und es war ein beeindruckendes Konzert. War im letzten Jahr die Halle sehr gut besetzt, so platzte sie in diesem Jahr aus allen Nähten. Und das Orchester und die Solisten passten sich dem Rekordbesuch an. Knapp 3 Stunden schwelgte man in Walzerseligkeit, immer wieder unterbrochen von lang anhaltendem Beifall und am Ende gab es begeisterten Beifall. Beifall für das Alt Wiener Strauss Ensemble mit seinem Dirigenten Ralph Kulling, aber ebenso großen Beifall für die 3 Tenöre, die vor allem nach der Pause zu großer Form aufliefen und einen Hauch Weltstadt nach Coburg brachten. Doch der Reihe nach.

Auch in diesem Jahr spielte man im praktisch ausverkauften Kongresshaus das 26. Coburger Neujahrskonzert 2013, und auch in diesem Jahr kam keine Sekunde Langeweile auf. Kein Besucher dürfte sein Kommen bereut haben und alle waren sich wieder einig, dass dieses Neujahrskonzert zum festen Bestandteil der Coburger Kulturszene zählt. Das Neujahrskonzert 2013 war natürlich geprägt von der Musik von Johann Strauss und der Familie Strauss, aber es standen auch wieder äußerst reizvolle Begegnungen mit Daniel-Francois-Esprit Auber, Franz Lehár, Hector Berlioz, Joseph Lanner und Vinzenz Stelzmüller an. Und erneut fand das Neujahrskonzert unter Leitung des Kulturbüros der Stadt statt. Bürgermeister und Kulturreferent Norbert Tessmer überbrachte mit launigen Worten die Grüße der Stadt Coburg zum neuen Jahr, seine Ansprache war wohltuend frisch und auch wohltuend kurz.

Ja – und dann kam eine Premiere bei der Moderation. Nicht mehr wegzudenken vom Neujahrskonzert ist Dr. Eduard Strauss aus Wien. Der Urenkel von Eduard Strauss und Ururenkel von Johann Strauss Vater, welcher immer mit launigen Worten durch das Programm führt, gereimt und ungereimt, aber immer mit viel Sachverstand und Hintergrundwissen, hatte sich diesmal Verstärkung mitgebracht. Als Co-moderator fungierte sein Sohn Thomas Strauss – und es war eine treffliche Premiere. Die beiden spielten sich die Bälle zu und verstanden es, dass Publikum mit sachlichen, aber auch unterhaltsamen Informationen zu fesseln. Alle musikalischen Stücke wurden mit viel Hintergrundwissen, aber auch gespickt mit amüsanten Geschichtchen und Anekdoten von beiden dargeboten.

Ralph Kulling, der wie gewohnt sicher und leidenschaftlich sein Alt-Wiener Strauss-Ensemble zur Höchstleistung  brachte,  hatte  von  der  Staatsoper Stuttgart mit den drei Tenören Metodi Morartzaliev, Alexander Efanov und Alexander Stachowiak einen Glücksgriff getan. Exzellent vor der Pause mit jeweils einer Bravourarie, mitreißend und zu Begeisterungsstürmen hinreißend in den gemeinsam dargebotenen Tenorarien-Persiflagen nach der Pause. Die Zeit bis zum Ende des Konzertes verging so rasch wie selten, man konnte es kaum glauben, dass man mit knapp drei Stunden auch eines der längsten Coburger Neujahrskonzerte erlebt hatte. Und erneut freute man sich, freute sich bereits jetzt auf das Neujahrskonzert 2014 in Coburg.

Begonnen wurde mit der Ouvertüre zu Auber´s „Die Stumme von Portici“. Dieses nicht allzu häufig gehörte Stück wurde mit Feuer und Leidenschaft und dem notwendigen dramatischen Bogen vorzüglich dargeboten. Im Anschluss stellte sich Alexander Efanov mit dem gefühlvoll, alle Schattierungen auskostenden Wolgalied aus „Der Zarewitsch“ von Franz Lehár vor. Nach dem leidenschaftlich vorgetragenen Marsch Rákóczy aus Fausts Verdammnis von Hector Berlioz brachte Metodi Morartzaliev mit dem Auftrittslied „Als flotter Geist…“ aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauss Leidenschaft und Belcanto in reinster Form in das Kongresshaus. Das weiße Tuch á la Pavarotti wurde an diesem Vormittag zu seinem Wahrzeichen. Rasant und feurig, ebenso wie einfühlsam und leidenschaftlich brachte Ralph Kulling mit seinen Mannen den Ländler „Die Nasswalderin“ von Josef Strauss und die Polka „Über Stock und Stein“ von Eduard Strauss zu Gehör. Langanhaltender Beifall für eine überzeugende Interpretation.

Mit dem Lagunen-Walzer aus der Nacht in Venedig von Johann Strauss stellte sich mit Alexander Martin Stachowik der dritte Tenor vor. Mit seinem weichen, höhensicheren, warmen und durchschlagendem Tenor, hatte er die Herzen der Anwesenden schnell erobert, die mit langanhaltendem Beifall nicht geizten. Der Walzer aus Wiener Blut von Johann Strauss beschloß den ersten Teil des rundum gelungenen Neujahrskonzerts. Beschwingt eilte man in die Pause und freute sich auf das, was noch kommt.

Mit dem Walzer „Die Vier Temperamente“ von Johann Strauss Vater, den Steyrischen Tänzen von Josef Lanner, der Polka schnell „Wo man lacht und lebt“ von Eduard Strauss zeigte das Alt-Wiener-Strauss-Ensemble auf welch hohem Niveau sie musizieren. Das Publikum ging begeistert mit und freute sich, als die beiden Brüder Ralph und Klaus Kulling ihre Geigen gegen- und miteinander antreten ließen beim Tanz für 2 Violinen, Gitarre und Kontrabass von Vinzenz Stelzmüller. Großer anhaltender Beifall für die beiden musizierenden Brüder und dem Rest des Ensembles. Mit der Polka „Piefke und Pufke“ von Johann Strauss Vater und der Polka „Furioso“ von Johann Strauss holte Ralph Kulling noch einmal alles aus dem Alt-Wiener-Strauss-Ensemble heraus.

Ja, und dann kommt ein weiterer Höhepunkt des musikalischen Vormittags. Die drei Tenöre treten in einer Tenor-Persiflage (auf Luciano Pavarotti, José Carreras und Placido Domingo) auf. Und dies tun sie sensationell gut. Gegenseitig steigern sie sich immer mehr, Belcanto auf höchstem Niveau wird ganz groß geschrieben und mit den berühmtesten Arien aus Carmen, La Traviata, Land des Lächelns, Der Zigeunerbaron, Der Troubadour und dem Lied „O sole mio“ – sowie in der Zugabe mit Turandot und Granada geben sie dem Affen Zucker. Der Dreiklang der Stimmen, die sich gegenseitig zu immer größeren Höchstleistungen anspornen, reißt die Zuhörer von ihren Sitzen. Fast drei Stunden Neujahrskonzert, längst ist die Mittagszeit vorüber und dann noch eine letzte Zugabe. Der obligatorische „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauss Vater fungiert als Rausschmeißer. Schmissig und feurig geht das Konzert zu Ende.

Im 26. Jahr kein Zeichen der Ermüdung, im Gegenteil, so beschwingt vor sich hin pfeifend ist man lange nicht mehr aus einem Konzert gegangen. Und genauso soll es sein. Wenn ein neues Jahr so anfängt wie in Coburg mit dem Neujahrskonzert, dann kann uns eigentlich nicht mehr so viel passieren. Jedenfalls glauben wir Musikfreunde fest daran und freuen uns, dass im Jahr 2014 Ralph Kulling mit seinem Alt-Wiener-Strauss-Ensemble wieder den Weg nach Coburg findet. Hier ist eine Tradition entstanden, die einmalig sein dürfte. Eine kulturelle Tradition, um die viele andere Städte Coburg beneiden. Und ich hoffe, dass dies Coburg auch bewusst ist.

Manfred Drescher, 6. Januar 2013

 

 

 

 

Von Hoffen und Bangen zum eindeutigen Erfolg

Die Coburger Johann-Strauss-Tage 2012

Die Deutsche Johann Strauss Gesellschaft wagte das eigentlich unmögliche – und hat gesiegt. Die Johann-Strauss-Tage in Coburg (die zehnten seit Beginn dieser Veranstaltungen und ihr 25-jähriges Jubiläum) vom 04. bis zum 08. Juli 2012, waren aus unserer Sicht ein voller Erfolg. Der folgende Bericht soll ein kurzer Streifzug über die Tage in Coburg sein und die Ereignisse Revue passieren lassen.

Nach dem Ausstieg der Stadt Coburg aus dem Alexander-Ghirardi-Wettbewerb und den Deutschen Johann-Strauss-Tagen in Coburg hatte sich der Vorstand der „Deutschen Johann Strauss Gesellschaft“ dazu durchgerungen – alle Risiken vorher einkalkulierend – die Deutschen Johann-Strauss-Tage 2012 in Eigenregie durchzuführen. Vor 125 Jahren gaben sich Adele und Johann Strauss in der Hofkapelle des Schlosses Ehrenburg das Ja-Wort. Johann Strauss wird damit Staatsbürger des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha. Am 03. Juni 1899 stirbt Johann Strauss Sohn, als Deutscher und als Coburger Bürger in Wien. 1887 sagte Johann Strauss über Coburg: „…Nie hätte ich gedacht, dass ein Stückchen meines Herzens in dieser Stadt bleiben wird…“. Was könnte eine Stadt wie Coburg, wenn es sich der Tragweite dieser Worte einmal bewusst werden würde, allein aus dieser Aussage machen. Schade, dass die Stadt Coburg hier ein großes Potential ohne Not einfach links liegen lässt.

Am 04. Juli beginnen die Johann-Strauss-Tage. Unter dem Titel „Wiener Melange – Vom Prater bis zum Broadway“ spielt im Riesensaal der Schloss Ehrenburg Jiri Preisinger mit dem Johann-Strauss-Quintett Coburg mit Karel Heyl, Miroslav Vávra, Libor Kucera und Michael Pokorný auf. Sinnigerweise strahlt zum Auftakt der Tage die Sonne in den Riesensaal der Ehrenburg. Und das Quintett zaubert mit Melodien von Komzák, Gungl, Drlda, Lanner, Rogers und natürlich immer wieder Johann Strauss - Vater und Sohn. Langanhaltender Applaus erzwingt zwei Zugaben und beendet einen tollen Auftakt der Johann-Strauss-Tage.

Am nächsten Tag folgt mittags eine Stadtführung der besonderen Art. Die Stadtführerin Irene Elisabeth Krempel führt die Gäste unter dem Titel „Adele Strauss in Coburg“ an Orte, die man sonst so und in dieser Art nicht zu sehen bekommt. Ihre hochinteressante, aber auch ebenso amüsante Führung ist ein gelungener Auftakt des Tages.

Im Staatsarchiv Coburg begrüßt dann am Nachmittag Diplomarchivar (FH) Horst Gehringer die interessierten Gäste. Und es sind so viele gekommen, dass der Platz im Staatsarchiv kaum ausreicht. Die Ausstellung erstreckt sich über die Themen „125 Jahre Eheschließung Johann Strauss Sohn“, „25 Jahre Johann-Strauss-Musiktage“ und „Johann Strauss, Sohn – Bürger des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha“. Zur Eröffnung geben auch Bürgermeister Norbert Tessmer und Dr. Ingolf Roßberg, der amtierende Vorsitzende der „Deutschen Johann Strauss Gesellschaft“ eine Grußadresse ab. Der langjährige stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft,  Werner Abel, hat die Ausstellung mit einer Dokumentation der ersten internationalen Johann-Strauss-Tage 1987 in Coburg aus seinen eigenen Archivbeständen angereichert. Eine rundum gelungene Ausstellung, deren Eröffnung von der Besucherzahl fast rekordverdächtig ist, von den Exponaten her ist sie es sowieso.

Und am Abend dann „Sommernachtsträume“ mit dem Alt-Wiener Strauss-Ensemble, Stuttgart, unter der Leitung von Ralph Kulling. Walzerseligkeit gilt als gebucht, ist praktisch mit der Eintrittskarte mit gekauft. Voller Elan, Feuer und mit unwiderstehlicher Vehemenz musizieren wahre Könner. Wolfgang Höger moderiert zwischen den einzelnen Stücken und er macht es sehr charmant und vermittelt gleichzeitig auch vieles an Geschichten und Geschichtchen. Und dann tritt auch noch Jeanette Wernecke auf, eine Koloratursopranistin voll Feuer und Leidenschaft, aber auch zu zarten leisen Tönen fähig. Sie, die im Jahr 2004 als beste Nachwuchssängerin der Opernzeitschrift „Opernwelt“ gekürt wurde, verzaubert die Zuhörer, die in Walzerseligkeit schwelgen.

Der „Frühlingsstimmen-Walzer“, die Arie der Adele aus der „Fledermaus“ „Mein Herr Marquis“, oder aus der „Ungarischen Hochzeit“ von Nico Dostal „Spiel mir das Lied von Glück und Treu“, lassen es mucksmäuschenstill werden im Festsaal des Kongresshauses Rosengarten – der dann umso lauter beim donnernden Applaus, für die auch äußerlich reizende Sängerin, erbebt. Mehrere Zugaben erzwingt das Publikum, das gar nicht aufhören will zu klatschen und den Zauber der Musik dadurch zu verlängern sucht. Melodien von Johann, Josef und Eduard Strauss, Robert Stolz, Paul Abraham und Nico Dostal erreichen unter der kongenialen Interpretation des Alt-Wiener Strauss-Ensembles, dass die angekündigten „Sommernachtsträume“ auf das vortrefflichste wahrwerden.

Der Freitag ist der Tag der Symposien. Es war, wenn es überhaupt stattfand, in der Vergangenheit immer etwas stiefmütterlich behandelt gewesen und vom Besuch her auch immer am untersten Ende der Skala. Doch dieses Jahr ist alles anders: Überwältigend ist der Besuch des Symposiums, aller Vorträge. Es müssen Stühle zusätzlich aufgestellt werden, um die anströmenden Besucher aufnehmen zu können. Diese Resonanz erfüllt die Straussianer mit Stolz, zeigt aber auch, dass man bei der Auswahl der Referenten eine ausgezeichnete Wahl getroffen hat.

Nach einem Grußwort von Bürgermeister Norbert Tessmer referiert Oberbürgermeister Knut Kreuch aus Gotha über „Gotha-Coburg: Zwei Städte im Dreivierteltakt“. Er macht dies humorvoll, spannend und fesselt damit seine Zuhörer, die ihm begeistert applaudieren. Begeisterter Applaus auch für den zweiten Referenten.  Der ehemalige Vorsitzende der „Deutschen Johann Strauss Gesellschaft“, Prof. Dr. Norbert Linke aus Borken, gibt einen Abriss über „Die Anfänge der Walzerproduktion in Wien“.

 Und Norbert Linke erläutert die Entstehung der Wiener Walzer Produktion mit Beispielen, die das Johann-Strauss-Ensemble Coburg unter der Leitung von Jiri Preisinger musikalisch eindrucksvoll untermalt. Er fesselt seine Zuhörer mit dem überreichen Schatz seines musikalischen Wissens und er fesselt sie auf eine angenehm leicht und immer verständliche Art und Weise. Als ganz besonderes Ereignis erklingt zum Abschluss eine Welturaufführung: Durch seine Studien ist es Prof. Linke gelungen, die ersten, jemals von Johann Strauss Vater geschriebenen Walzermelodien, die „Walzer in A-Dur“ von 1827 zu rekonstruieren: Mit dieser Aufführung, gespielt durch Musiker vom Johann-Strauss-Quintett wurde in Coburg Strauss´sche Musikgeschichte geschrieben!

Spätestens jetzt wissen die Anwesenden, dass ihr Entschluss zu den Symposien zu kommen der Richtige war. Ob solch geballter Wissensinformation geht man in die wohlverdiente Mittagspause. Und es geht weiter, wie es aufgehört hat. Der junge Coburger Jonas Geelhaar gibt eine Übersicht über „Schätze für die Straussforschung in der Landesbibliothek Coburg und deren Bedeutung für die Stadt Coburg“. Und er versteht es, eine eigentlich relativ trockene Materie so zu vermitteln, dass man wie gebannt an seinen Lippen hängt. Ein hervorragender Auftakt für den Nachmittag.

Und dann kommt Prof. Mag. Helmut Reichenauer aus Wien. Und er referiert in seiner unnachahmlich wienerisch-charmanten Art über die „Strauss-Dynastie und Ringstraßen-Ära – Der musikalische Glanz der Gründerzeit“. Und auch bei seinem hochinteressanten und leicht verständlichen Vortrag vergeht die Zeit wie im Flug und man schaut verwundert auf die Uhr und fragt sich, wie es sein kann, dass fast 1 ½ Stunden so schnell vorbei gehen können. Für alle Referenten donnernder Applaus und der Dank aller Anwesenden, den Ingolf Roßberg mit einem kleinen Geschenk zum öffentlich gezeigten Ausdruck bringt. So machen Symposien Spaß und so kann man die Mitglieder der Gesellschaft und die Gäste begeistern.

Und begeistern kann am Abend auch unser Schweizer Mitglied Rudolf Maeder aus Baar. Im Theater der Reithalle gibt er vor vollem Haus unter dem Titel „Liebeslieder“ – sehr persönliche Widmungswerke der Strauss Familie, eine musikalische Plauderei. Rudolf Maeder sitzt am Flügel und bringt Geschichte aber auch Geschichten mit bekannten und unbekannten musikalischen Klavierbeispielen. Es geht um geschriebene und ungeschriebene Widmungen an Damen der Strauss-Familie oder ihrer Umgebung und es ist zuweilen köstlich, was hier alles zu hören ist. In seiner unnachahmlichen Art begeistert Maeder die Zuhörer mit überwiegend leisen Tönen, die das Publikum besonders ansprechen. Ein Abend, der den Tag eindrucksvoll ausklingen lässt.

Der Samstag beginnt in der vollbesetzten Schlosskapelle der Ehrenburg. Pfarrerin Gabriele Munzert hält die Andacht in dem „Gedenkgottesdienst mit sakraler Musik vom Walzerkönig“. Sie erinnert an die geschichtsträchtige Trauung von Johann Strauss und der damit einhergehenden deutschen Staatsbürgerschaft und der Eigenschaft als Coburger Bürger. Ihr ist es wichtig in ihrer Predigt, zu betonen, wie sehr das 19. Jahrhundert vor allem geprägt wurde durch ein neues Verständnis von „ehe“. Eben nicht die reine Sicherung von materiellen Gütern oder von Nachwuchs, sondern die Ehe als Liebesbund waren eigentlich die – damals völlig neuen – Themen, die die Diskussionen des Bürgertums, aber auch der einfachen Bürger prägten. Etwas, das heute für uns selbstverständlich ist (oder sein sollte), war damals ungewöhnlich, und sie verwies auch darauf, dass genau diese Verbindung von Liebe und Ehe keineswegs weltweit heute selbstverständlich sei. Mit seiner Liebesheirat in Coburg hat Johann Strauss damals gleich mit mehreren Konventionen gebrochen.

Unter dem Titel „Hochzeitserinnerungen“ agieren KMD Peter Stenglein an der Orgel und als musikalischer Leiter mit Migumi Ikeda an der Violine und Melanie Alban an der Harfe. Reuters „Hochzeitsmarsch für Orgel“, Donizettis „Sonate  g-Moll für Violine und Harfe“, Tourniers „Deux Préludes für Harfe“, Strauss´ „Hochzeits-Präludium op. 469 für Orgel, Violine und Harfe“, Glaunows „Méditation für Violine und Orgel“, Faurés „Berceuse op.16 für Violine und Harfe“ und Powells „Grand March Triumphant für Orgel“ werden vorzüglich dargeboten, der Beifall am Ende – in einer Kirche eher ungewöhnlich, hier aber zulässig und auch zugelassen - ist entsprechend euphorisch.

Nach der Mittagsrast begibt man sich zum Gedenkstein im Rosengarten. Das „Gedenken an den Walzerkönig Johann Strauss Sohn“ ist ein weiterer Programmpunkt, der mit dem „Schatz-Walzer“, gespielt vom Johann-Strauss-Quintett Coburg unter Jirí Preisinger beginnt. Bürgermeister Norbert Tessmer gibt anschließend einen Abriss über das Leben und Schaffen des Walzerkönigs in Coburg. Zwölf Jahre war Johann Strauss Bürger Coburgs, davon verbracht er aber nur ein viertel Jahr in Coburg. Er erinnert an die „Strauss-Woche“ 1987 und das Engagement der DJSG rund um die Aufstellung des Gedenksteines, zunächst am Johann-Strauss-Platz, jetzt im Rosengarten. Er verteidigt aber – erneut – die Sparzwänge. Dass nach seinen Worten das „Johann-Strauss-Quintett“ ganz hintersinnig – ausgerechnet – den „Banditen-Galopp“ intoniert, soll dem Vernehmen nach ausdrücklich auf Wunsch eines Mitgliedes unserer Gesellschaft hin geschehen sein.

Dr. Ingolf Roßberg, als amtierender Vorsitzender der Gesellschaft, weist darauf hin, dass Johann Strauss irgendwo in Deutschland - ob in Straßburg, Posen oder Flensburg – hätte deutscher Staatsbürger werden können. Und ob da, oder in Oldenburg, Königsberg oder Breslau, jederzeit und im gesamten damaligen deutschen Reich die zweite Ehe von ihm als Deutscher hätte getrennt werden müssen, ist zu betonen. Coburg müsse sich bewusst werden, dass diese Wahl auch mit den handelnden Personen zu tun hat und dies auch eine Ehre und Auszeichnung ist. Welche Auswirkungen es für ihn hatte, auch wenn er nie nach Coburg zurückgekehrt sei – es war sein letzter Aufenthalt außerhalb Österreich-Ungarns überhaupt – ist bekannt. Er konnte und wollte niemals wieder Wiener werden! Damit könne Coburg agieren, völlig unabhängig von der tatsächlichen Aufenthaltszeit in der Vestestadt: „Coburg fiel es zu, wie eine reife Frucht“. Jiri Preisinger und das Johann-Strauss-Quintett Coburg schließen die Gedenkstunde, zu der Bürgermeister Tessmer und Dr. Roßberg noch Blumen niederlegen, mit „Wiener Blut“.

Am Nachmittag dann die Jahreshauptversammlung der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft, über die im Protokoll ausführlichst berichtet wird und die mir erlaubt gleich den nächsten Höhepunkt des Tages anzusprechen.

„Soiree de Vienne“ mit dem Münchner Salonorchester Tibor Jonas ist ein weiteres Highlight der Johann-Strauss-Tage. Selten wurde so schmissig musiziert, so mitreißend interpretiert und so geschmackvoll konzertiert wie an diesem Abend. Tibor Jonas, den man sicher nicht mehr eigens vorstellen braucht, hat Julian Riem als Klaviervirtuose und Herbert Hanko als Moderator mitgebracht. Man spielt sich die Bälle zu und lässt das Publikum bis zum Kochen kommen. Ob Eduard Strauss´ „Bahn frei-Polka“, die „Ohne Sorgen Polka“ von Joseph Strauss, die „Auf der Jagd“ von Johann Strauss, seine „Tritsch-Tratsch-Polka“, seine „Annen-Polka“ oder seine „Fledermaus-Quadrille“ – alles wird so schwungvoll dargebracht, dass man gar nicht anders kann, als mit zu summen und mit zu wippen. Daneben erfreut das Orchester mit Jaques Offenbach, Benjamin Godard, Johannes Brahms, Jules Massenet, Franz Lehár, Franz Liszt, Peter Tschaikowsky und Enrico Toselli.

Das Publikum ist von der Walzerseligkeit der „Soiree de Vienne“ verzaubert und will gar nicht aufhören zu klatschen und sich bei dem mit Wiener Charme durch das Programm führende Herbert Hanko und bei Tibor Jonas mit seinem Münchner Salonorchester zu bedanken Zu bedanken für einen Abend, der die Alltagssorgen vergessen lässt und in einer unnachahmlich spritzig und schmissigen Art darauf hoffen lässt, dass Tibor Jonas bald wieder einmal den Weg nach Coburg finden wird: Es war der Glanzpunkt an Ereignissen wahrlich reichen Tages.

In kleinem und fachlich beschlagenem Kreis der DJSG wiederholt sich die Stadtführung mit Irene Elisabeth Krempel am Sonntag des letzten Tages der Deutschen Johann-Strauss-Tage Coburg: Beeindruckend einerseits, was Frau Krempel autodidaktisch zusammengestellt hat – aber man ist schnell am „Fachsimpeln“ über Details: Einerseits nehmen die Anwesenden erstaunt zur Kenntnis, wie gerade ein „Nichtmitglied“ unserer Gesellschaft sich für Strauss und Coburg öffentlich einsetzt, andererseits nimmt Frau Krempel viele Hinweise entgegen, die nicht so ohne weiteres aus der Strauss-Geschichte bekannt sind – ein für beide Seiten ungewöhnlicher Rundgang findet mit dem Blick auf die Stelle, an der das berühmte Foto der gesamten Coburger Dynastie ausgangs des 19. Jahrhunderts entstand, ihr Ende.

Am Nachmittag des Sonntags findet man sich im Spiegelsaal des Landestheaters zu einem „Wiener Café Haus Treff“. Man erwartet echte Wiener Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen und musikalischer Unterhaltung mit dem Café-Haus Ensemble der Philharmonie des Landestheaters Coburg. Und man hat nicht zu viel erwartet. Vielleicht ist es nicht die „Wiener Café-Haus-Atmosphäre“, denn Selbstbedienung einerseits und viel zu wenig Sitzmöglichkeiten gehören nicht dazu: Aber wer hätte denn auch gedacht, dass zu diesem Treff weit über 100 Gäste kommen? Und dennoch: Schnell füllt sich der Spiegelsaal, ungezwungene Gespräche, untermalt von eben die „Café-Haus-Atmosphäre“ betonende Musik, hervorragend dargeboten: Eine unglaubliche Mischung trotzdem, von leiser Zusammengehörigkeit und von bezaubernder Musik-Präsentation im Salon-Stil. So etwas sollte unbedingt wiederholt werden – dies war der Tenor vieler Besucher.

Am Abend zum Abschluss der Höhepunkt der Veranstaltungen. Im großen Haus des Landestheaters Coburg, an dieser Stelle sei Intendant Bodo Busse ganz besonders herzlich für die Kooperation gedankt, bringt eine „Festliche Ballett-Gala“ einen bunten Querschnitt der Ballettsaison 2012 mit Tänzerinnen und Tänzern des Balletts Coburg, verstärkt durch einige Gäste. Der Abend wird zu einem Höhepunkt, auch weil Tara Yipp sich nach vielen Jahren der Zugehörigkeit als Solotänzerin vom Ballett verabschiedet. Bodo Busse moderiert in gekonnter Art und Weise den Abend, der nicht nur für Ballettfreunde ein Augen – und Ohrenschmaus ist. Ein Beifallssturm am Ende gibt den Dank des Publikums an die Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer des Balletts, aber auch an die Mitglieder des Orchesters wieder.

Aus Sicht der „Deutschen Johann Strauss Gesellschaft“, waren die Deutschen Johann-Strauss-Tage 2012 in Coburg ein voller Erfolg. Von der Art der Durchführung und der Attraktivität, waren sie sogar ein überwältigender Erfolg. Etliche der musikalischen Höhepunkte hätten sicher den einen oder anderen Zuschauer mehr verdient gehabt, aber dafür, dass die Vorbereitungszeit nicht sehr lang war, wurde es trotzdem eine herausragende Veranstaltungsserie. Ob sie auch finanziell einigermaßen im Rahmen blieb, wird der Kassensturz in einigen Wochen zeigen, erste Voraussagen stimmen neutral.

Ein ganz besonderer Dank an dieser Stelle an die Johann-Strauss-Stiftung Coburg, die Niederfüllbacher Stiftung, die Oberfrankenstiftung Bayreuth und die Sparkasse Coburg-Lichtenfels für ihre großzügige finanzielle Unterstützung der Deutschen Johann-Strauss-Tage in Coburg. Ein Dank auch an das Landestheater Coburg mit seinem Intendanten Bodo Busse und vor allem an unser Mitglied und jetzigen stellvertretenden Vorsitzenden Albrecht Tauer, ohne den dies alles nicht so reibungslos über die Bühne gelaufen worden wäre.

Hoffen wir, dass in drei Jahren die Stadt Coburg wieder die Mittel aufbringen kann um die Deutschen Johann-Strauss-Tage 2015 ausrichten zu können. Diese Tage haben gezeigt, dass Johann Strauss auch für Coburg ein wahres Pfund ist, mit welchem man – im eigenen Interesse – wuchern sollte.

Manfred Drescher

 

Die Deutsche Johann Strauss Gesellschaft wagt das fast Unmögliche

Deutsche Johann Strauss Tage in Coburg

vom 04. bis 08. Juli 2012

Der Gesangswettbewerb Alexander Girardi wurde 1992 vom 30. Juni bis zum 9. Juli 1992 das erste Mal abgehalten (bereits 1987 wurden die Johann Strauss Tage von der Stadt Coburg eingeführt, die ab 1992 gemeinsam mit dem Girardi Wettbewerb durchgeführt wurden). Ursprünglich alle zwei Jahre, wurde der Wettbewerb ab 2003 alle drei Jahre abgehalten. Es gab also Wettbewerbe 1992, 1994,1996, 1999 (wegen Jubiläum um ein Jahr verschoben), 2001 und 2003 und dann 2006 und 2009.

Der Alexander Girardi Wettbewerb, der übrigens zu Beginn von den Coburgern, genau wie die Johann Strauss Tage nicht allzu überschwänglich aufgenommen worden war, wurde immer mehr anerkannt und geschätzt, auch vom Coburger Publikum. Eine hochkarätige Jury mit Ingeborg Hallstein, Cheryl Studer, Josef Protschka, Felicia Weathers, Wilma Lipp, Barbara Buffy und Prof. Hartmut Hein, um nur einige zu nennen, trug dazu bei, dass der Wettbewerb weit über die Grenzen Coburgs Beachtung und hohe Anerkennung gewann. Eine Reihe der Sänger, die in Coburg aufgetreten waren, sind danach teilweise zu außergewöhnlichen, ja teilweise Weltkarrieren aufgestiegen. Es waren dies unter anderem 1992 Petra Lang, 1994 Alexandru Badea und Johannes Schwärzky, 1996 Ruth Ingeborg Ohlmann, 1999 Christoph Strehl und Marius Brencni, 2001 Jennifer Bird, 2003 Heike Wessels und daneben noch Natalia Kovalowa, Alexandra von der Werth und Hendrik Wottrich und viele weitere.

Oberbürgermeister Kastner erklärte bei der Eröffnung des dritten Wettbewerbs 1996 „Jetzt spielen wir in der Champions Ligue“, da zu diesem Zeitpunkt der Alexander Girardi Wettbewerb in den erlauchten Zirkel der wichtigsten internationalen Wettbewerbe (FMCIM) aufgenommen worden war. Noch 2009 erklärte OB Kastner bei der Eröffnung „Dieser Gesangswettbewerb ist eine feste Größe im kulturellen Leben der Stadt“. Dies war es umso mehr, als der „Coburger Wettbewerb“ eine Mischung von Oper und Operette verlangte, etwas was sonst bei fast keinem Wettbewerb in Deutschland der Fall war. Auch hier war Coburg wieder einmal einzigartig.

Und nun hat man diese feste Größe und diese Einzigartigkeit dem Sparzwang geopfert. Geopfert, weil die Verantwortlichen in der Stadt Coburg aus meiner Sicht gar nicht begriffen oder begreifen wollten, welche Werbeikone sie für ihre Stadt aufgeben haben. Kulturell scheinbar recht unbeleckte Stadträte haben mit einem Federstrich einen Wettbewerb geopfert, der international anerkannt, in der ganzen Welt mit höchster Anerkennung und Respekt und mit immer größeren Besucherzahlen (die auch wieder viel Geld in die Coburger Kassen fließen ließ) von Wettbewerb zu Wettbewerb aufwarten konnte. Der Imageverlust für Coburg ist aus meiner Sicht noch gar nicht absehbar und ist mit einem Sambawettbewerb, so schön dieser sein mag (und der ja auch schon finanziell auf der Kippe steht) in keinster Weise zu vergleichen.

Ja – und dann sind die Johann Strauss Tage Coburg. Auch diese wurden nach 24 Jahren gestrichen. Gestrichen, obwohl die Einzigartigkeit, dass nämlich der größte Komponist der sogenannten leichten Muse durch seine Coburger Hochzeit Coburger Bürger wurde und es bis zu seinem Tode blieb, ein Pfund ist, mit welchem man nicht nur wuchern kann, sondern muss. Diese Einzigartigkeit, für deren Einmaligkeit aber auch (finanzielle und ideelle) Vermarktung die meisten Städte Deutschlands sich alle Finger lecken würden, ist durch die Coburger Verantwortlichen einfach mit einem Federstrich verspielt worden. Für mich – trotz aller Sparzwänge, die ich gerne bereit bin einzusehen – nicht nachvollziehbar, vor allem weil der finanzielle Aufwand (wenn man den Alexander Girardi Wettbewerb vernachlässigt) sich in Grenzen hält und vor allem in keinem Verhältnis zu den aufgegebenen Privilegien für die Stadt Coburg steht.

Ja – und dann kam die Mitgliederversammlung 2011 in Weimar. Der amtierende Vorsitzende Dr. Ingolf Roßberg gab ebenso wie der Pressereferent Manfred Drescher sein Unverständnis zur Entscheidung der Stadt Coburg kund. Hier ist bis heute nicht klar geworden, welches Potential in der Verknüpfung des Walzerkönigs mit der Stadt Coburg liegt. Nicht nur ein hohes ideelles Ansehen ist damit verbunden, sondern auch ein probates Mittel, weitere Besucher nach Coburg zu ziehen, die dann hier ja auch entsprechende Umsätze tätigen. Dieses hätte man in eine vernünftige Relation setzen müssen. Der Vorstand plädierte unter diesen Umständen für den Wegfall der Johann Strauss Tage 2012 und für fundierte Überlegungen für eine etwaige Durchführung 2013, da unser kleiner Verein weder finanziell noch organisatorisch in der Lage sei, diese Veranstaltung, selbst in einer abgespeckten Version, auf die Beine zu stellen. Da kannte man die Mitglieder aber schlecht. Fast einstimmig wurde der Vorstand (sehr eindringlich) gebeten, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln entsprechend verkürzte Johann Strauss Tage 2012 auf die Beine zu stellen. Spontan erklärten sich eine ganze Reihe der anwesenden Mitglieder bereit, kostenfrei entsprechend mitzuhelfen. Es wurde ein musikalisch umrahmter Informationsabend zu Johann Strauss angeboten, eine Ausstellung über die vergangenen Jahre wurde – ebenfalls kostenfrei – in Aussicht gestellt. Verschiedene Mitglieder erklärten sich bereit unentgeltlich an Vorträgen mitzuwirken, es wurde ein Eröffnungsgottesdienst angeregt, ein Empfang und natürlich musikalische Veranstaltungen und vieles mehr. Der Vorstand wurde damit beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, mit welchen Kosten man bei einem auf 4 bis 5 Tage verkürzten Strauss Festival zu rechnen habe und ob es, da die Gesellschaft zu wenig eigene Mittel besitzt, Möglichkeiten gibt, Sponsoren aus dem Coburger Raum dazu zu bewegen, sich hier mit einzubringen. Sie würden dem Namen von Johann Strauss, dem Namen der Stadt Coburg, aber auch ihrem eigenen Image als Sponsoren mit Sicherheit Ehre einlegen.

Es wurde einstimmig beschlossen, dass der Vorstand alle machbaren Wege ausschöpfen sollte, um Johann Strauss Tage 2012 in Coburg zu ermöglichen.

Diese Diskussion und der Enthusiasmus der Mitglieder zeigte aber auch, wie sehr man sich mit Johann Strauss aber auch mit Coburg als Johann Strauss - Stadt identifizierte.

Einig war man sich am Schluss, dass die Tage, wenn man es einigermaßen finanziell schaffen könnte, in jedem Fall durchgeführt werden sollten. Einfach auch um die Kontinuität zu wahren und der Stadt Coburg vielleicht auch die Möglichkeit zu eröffnen, über den Wiedereinstieg bei den nächsten Johann Strauss Tagen 2015 wenigstens nachzudenken.

Ja – und der Vorstand hat die letzten Monate gearbeitet. Es ist gelungen die Niederfüllbacher Stiftung, die Oberfrankenstiftung, die Johann-Strauss-Stiftung und die Sparkasse Coburg-Lichtenfels mit ins Boot zu holen. Die Deutsche Johann Strauss Gesellschaft selbst geht finanziell auch bis an die Grenze des Machbaren – und so ist es gelungen ein umfangreiches Programm mit musikalischen Spezialitäten, aber auch mit Symposien und vielem mehr auf die Beine zu stellen. Die Deutsche Johann Straus Gesellschaft bittet herzlich darum, die einzelnen Veranstaltungen eifrigst zu besuchen, um die Johann Strauss Tage Coburg 2012 zu einem Erfolg werden zu lassen. Das genaue Programm mit Anmeldemöglichkeit befindet sich auf unserer Homepage www.djsg.de. Wir bitten auch sehr herzlich darum in Ihrem Umfeld verstärkt Werbung für unsere Gesellschaft zu machen um möglichst viele neue Mitglieder, gerne auch jüngere, für uns zu gewinnen. Für einen relativ kleinen Jahresbeitrag erhält man jährlich zwei vollgepackte Broschüren mit vielen Informationen über den Walzerkönig und seine Weggefährten. Gemeinsame Veranstaltungen, Gedankenaustausch und Treffen sind ebenfalls im Angebot. Auch hier bitten wir einen Blick auf unsere Homepage, die momentan aktualisiert wird, und auf der man auch unsere letzten Broschüren einsehen und herunterladen kann, zu werfen.

Die Deutsche Johann Strauss Gesellschaft hofft, dass mit ihrem Einsatz (der organisatorisch und auch finanziell für eine solch verhältnismäßig kleine Gesellschaft bis an die Grenzen des Machbaren geht) die Stadt Coburg sich wieder darauf besinnt, dass man sich in manchen Dingen auch kaputtsparen kann – und mit der Hilfe der Sponsoren, 2015 wieder ihren Hut in den Ring werfen wird. Wir alle jedenfalls hoffen darauf und wünschen uns allen erlebnisreiche Johann Strauss Tage 2012 in Coburg.

Manfred Drescher

Deutsche Johann Strauss Gesellschaft

Pressereferent

 

 

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