DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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OFFENER BRIEF - SPIEGEL-online 30.5.13

WAGNER WAGEN

...Für uns ist es pure Ironie, wenn Israel einerseits jegliche Aufführung von Wagners Werken wegen dessen Nazi-Assoziationen verbietet - und gleichzeitig der israelische Botschafter protestiert, dass ein deutscher Regisseur Wagners mögliche NS-Verstrickungen aufzeigt. "Jegliche Verwendung von Nazi-Symbolen ist fehl am Platz", sagte er der "Rheinischen Post".

Es ist keine Überraschung, dass es Wagner-Anhängern davor graut, wenn jemand diese unausgesprochene Verbindung herstellt, die den Festakt zu Wagners 200. Geburtstag stören könnte. Aber sollte es deshalb in Deutschland verboten werden, Wagners Antisemitismus als zentrales Thema ins Rampenlicht zu rücken....

http://www.spiegel.de/kultur/musik/offener-brief-zur-abgesetzten-inszenierung-von-wagners-tannhaeuser-a-902583.html

 

Das sagt ein Sänger

22.5.13

... Nun lassen Sie mich bitte die beiden oben dargestellten Themen, also Stakeholder Theorie und die unter starkem finanziellen Druck stehenden Opernbetriebe, samt der besonders schlechten Situation für Sänger und alle anderen, die unter NV-Bühne arbeiten (also Kapellmeister, Repetitioren, Inspizienten, Assistenten, Maskenbildner, etc.) zusammenführen mit dem im Titel angeführten Stichwörtern “Respekt, Teamwork und Solidarität” und mit der konkreten Situation des Düsseldorfer “Tannhäuser”.

Erlauben Sie mir bitte, zuerst die Managementebene zu beleuchten:

Im Normalfall steht das Regiekonzept ein Jahr vor der Premiere und wird zu diesem Zeitpunkt auch der Intendanz (manchmal auch dem Dirigenten) vorgestellt. Danach gibt es Bauproben, zahlreiche Gespräche mit den Dramaturgen, bis es schließlich nach der musikalischen Einstudierungsphase zu sechs bis acht Wochen Bühnenproben kommt. Das Management kennt das Konzept also etwa ein Jahr vor der Premiere, die musikalische Leitung meist viel später, aber auch noch rechtzeitig genug und die werten Kolleginnen und Kollegen der hohen Sangeskunst spätestens bei dem “Konzeptionsgespräch” am Tag der ersten Probe, also sechs bis acht Wochen vor der Premiere. Also kennt jeder der Beteiligen, jeder der Kern-Stakeholder, das Konzept früh genug, um noch einzuschreiten, so man eine totale Katastrophe befürchtet. In Düsseldorf ist niemand eingeschritten. Dass die Sänger nicht eingeschritten sind, erklärt sich teils damit, dass man schlicht um seinen Job fürchtet – und, werte Leser, dies sind oft berechtigte Existenzängste. Oder vielleicht war man sogar von dem Konzept überzeugt, oder hat sich überzeugen lassen. Wenn man mitten drinnen steht, sieht man die Probleme oft nicht!

Was war aber nun mit dem Management, also der Theaterleitung und der Dramaturgie? (Ich weiß zwar, dass dieser Artikel wohl dazu führen könnte, dass ich unter der gegenwärtigen Intendanz nie in Düsseldorf singen werde, was ein weiters Zeichen für die Machtverhältnisse im Opernbetrieb wäre, doch diese Dinge müssen endlich einmal ausgesprochen werden. Und vielleicht hat man ja auch in Düsseldorf die Größe, diese Krise als Chance zu sehen und in einen aktiven Dialog einzusteigen – und es dem Herrn Sist nicht übel zu nehmen, dass er als Sänger und Betriebswirt für das Theater brennt…)

Also, was war nun mit den Mitarbeitern in den leitenden Positionen? Aus der Reaktion der Absetzung des Stückes, bzw. der Umstellung auf konzertante Aufführungen, kann man schließen, dass man nicht hinter dem Konzept gestanden ist. Dann frage ich mich, warum es überhaupt zugelassen wurde. Wenn man aber hinter dem Stück steht, dann war es eine extrem opportunistische Entscheidung es nicht weiter zu spielen. Beides ist, wie mein Strategie-Professor in England zu sagen pflegte, “bad news”! Denn bei beiden Varianten hat sich niemand um das System und die involvierten Stakeholder gekümmert, war sich niemand der Verantwortung bewusst, die man als Entscheidungsträger hat. Verantwortung für das anvertraute Geld, für die Mitarbeiter, das Publikum, das ganze System. Und, mit Verlaub, das ist respektlos! Respektlosigkeit führt jedoch zu Verrohung und letztendlich zum Verfall jeder Organisation, jedes Systems, jeder Gemeinschaft, jeder Gesellschaft und letztlich jeder Kultur! ... (Christian Sist)

Gesamter Text. (Gastkommentar)

 

TAMINO - Klassikforum:

Erfolg im Kampf gegen das Regietheater

"Tannhäuser" in Düsseldorf nach Publikumsprotesten abgesetzt. !

 

DER OPERNFREUND mein dazu:

"Sieg Heil!"

NA BRAVO HERR INTENDANT MEYER...

...auf so ein Publikum kann man wirklich stolz sein!

 

"ÜBERZOGENE REAKTION..."

Klaus Zehelein

(Präsident des Deutschen Bühnenvereins)

im Interview mit DPA

20.5.13

Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Klaus Zehelein, betrachtet die Absetzung der umstrittenen “Tannhäuser”-Inszenierung in Düsseldorf als überzogene Reaktion. “Man hätte sie nicht absetzen müssen”, sagte Zehelein am Donnerstag in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur. “Kunst muss einem gewissen gesellschaftlichen Druck Stand halten können, selbst wenn etwas misslungen ist – aber letzteres kann ich nicht beurteilen, weil ich die Produktion nicht gesehen habe.”

Ein Wiederaufnahme der Inszenierung hält Zehelein jedoch für unrealistisch. Der Präsident der Akademie der Künste in Berlin, Klaus Staeck, hat gefordert, die umstrittene Inszenierung wieder in ihrer ursprünglichen Form zu zeigen.

Rheinoper-Intendant Christoph Meyer hatte die Inszenierung von Regisseur Burkhard C. Kosminski mit drastischen Gaskammer- und Erschießungsszenen nach empörten Reaktionen vieler Zuschauer nur vier Tage nach der Premiere abgesetzt. Er lässt die Wagner-Oper nur noch konzertant aufführen. Mehrere Zuschauer hatten sich nach der Premiere mit brutalen Nazi-Szenen in ärztliche Behandlung begeben. Die Gesundheit gehe über die künstlerische Freiheit, hatte Meyer seine Entscheidung begründet.

Unter Zensur würde er den Fall nicht fassen, weil Zensur eine staatliche Maßnahme sei, nicht aber die Entscheidung eines Opernhauses, sagte Zehelein. “Wenn man der Meinung ist, eine Inszenierung so nicht rauslassen zu wollen, dann diskutiert man das im Vorfeld.”

Eine Wiederaufnahme hält Zehelein für unrealistisch: “Man kann das Ding nicht einfach wieder ansetzen als wäre nichts gewesen – das geht überhaupt nicht.” Regisseur und Opernhausleitung sollten sich zusammensetzen und eine gemeinsame Lösung suchen – vorausgesetzt es herrsche Einigkeit, dass das nicht ganz richtig war: “Eine Änderung im Nachhinein kann man nur mit der Regie selbst machen, aber nicht selbstherrlich tun.”

Zehelein erinnert der Düsseldorfer Fall an zwei Inszenierungen von Hans Neuenfels. Eine “Idomeneo”-Inszenierung, in der abgeschlagene Köpfe von Religionsstiftern – unter anderem des Propheten Mohammed – auf einen Stuhl gelegt werden, wurde 2006 mehrere Monate aus Furcht vor islamistischer Gewalt abgesetzt. “Auch eine völlig überzogene Reaktion damals, nur weil sich einige Zuschauer aufregten”, sagte Zehelein. Im Jänner 1981 habe er in Absprache mit der Polizei an einer “Aida”-Premiere in Frankfurt festgehalten, obwohl es Stunden zuvor eine Bombendrohung gab. Spürhunde und eine Hundertschaft der Polizei hätten damals das Opernhaus durchsucht.

“Manche meinten damals, diese “Aida” sei eine Schändung des Komponisten – am Ende war diese Neuenfels-Inszenierung ein Riesenerfolg.” “Wir alle neigen dazu, unsere Erwartungshaltungen erfüllt sehen zu wollen”, beschrieb Zehelein das Empfinden von Theaterbesuchern. “Es ist aber grundsätzlich richtig, Theaterstücke auf unsere heutige Situation zu befragen – wir sind ja keine historisierenden Menschen, die Geschichte als eine Art Gut betrachten, das nur gepflegt werden müsste.

 

Berlin - 15.05.2013

AdK (Akademie der Künste Blog)

Kunst ist keine Schönwetterangelegenheit!

(Offener Brief an den Intendanten der Deutschen Oper am Rhein, Prof. Christoph Meyer, und den Regisseur der dortigen Inszenierung von Wagners „Tannhäuser“, Burkhard C. Kosminski)

Sehr geehrter Herr Prof. Meyer, sehr geehrter Herr Kosminski,

wir sind leider nicht in der Lage, uns über die jüngste Premiere an der Deutschen Oper am Rhein, der Neuinszenierung von Wagners „Tannhäuser“, ein Urteil erlauben zu können, wir haben die Premiere am 4. Mai in Düsseldorf nicht besucht. Auch andere Mitglieder der Akademie der Künste haben die Premiere nicht besucht, sind aber mit uns der Ansicht, dass es keine ästhetische Einschätzung dieser Arbeit und keine inhaltliche Debatte über sie geben könnte, die es rechtfertigen würde, diese Inszenierung nach nur einer Vorstellung wieder abzusetzen.

Im vollen Bewusstsein der Verantwortung Ihrer Ämter haben Sie als Regisseur und Intendant diese „Tannhäuser“-Interpretation am 4. Mai in die Welt der Kunst entlassen und müssen es jetzt gemeinsam ertragen, dass sich die Öffentlichkeit ein Bild davon macht. Das zumindest ist die Überzeugung vieler Mitglieder der Akademie der Künste, einer Institution, die die Freiheit der Kunst seit vielen Jahren weltweit verteidigt.

Kunst - gleich welcher Güte! – ist keine Schönwetterangelegenheit! Ob sie irrt oder im Recht ist, misslungen ist oder brillant muss diskutiert werden. Sollte sie, aus Gründen der Lautstärke etwa oder durch eine bedrängende Bildsprache, das gesundheitliche Wohlbefinden von Zuschauern gefährden, so kann davor gewarnt werden. Sie sicherheitshalber ganz zurückzunehmen und sich damit dem Druck der allzeit erregungsbereiten Medienöffentlichkeit zu beugen, ist unserer Ansicht nach der falsche Weg.

Richtig wäre nach unserer Überzeugung, die drei weiteren Aufführungen dieses „Tannhäuser“, die für den 19. und 30. Mai und 2. Juni angesetzt sind, nicht nur konzertant, also ohne szenische Interpretation vorzuführen, sondern in der ursprünglich geplanten Form, damit Interessierte (die ja nun über mögliche Gefährdungen informiert wurden) zu einer eigenen Meinung kommen können und nicht auf tendenziöse Berichterstattung angewiesen sind. Richtig fänden wir außerdem, möglichst viele dieser Meinungen nach einer der Vorstellungen dann auch öffentlich auszutauschen. Auf diesem Weg steht die Akademie der Künste als Partnerin jederzeit zur Verfügung.

Prof. Klaus Staeck

Präsident der Akademie der Künste

Nele Hertling

Vizepräsidentin der Akademie der Künste

Ulrich Matthes

Direktor der Sektion Darstellende Kunst

 Rheinoper Düsseldorf: DER SKANDAL

Spießers Alptraum (Klier)

 

Nicht der Eklat im Düsseldorfer Tannhäuser von Burkhard C. Kosminski ist der Skandal, sondern dessen feige Absetzung durch Intendant Meyer

Kosminski stellte deutlich klar „dass ich in keinem Moment die furchtbaren Verbrechen des Nationalsozialismus als Selbstzweck oder billiges Mittel, einen Skandal zu provozieren, benutzt habe. Ich will nicht die Opfer verhöhnen. Ich will die Opfer beklagen. Das Kernthema sind Schuld und Erlösung.“

weiter im Spiegel-Interview vom 13.5.13

 "In Wagners Oper versündigt sich der sterbliche Tannhäuser, indem er die göttliche Venus liebt. Das läßt sich heute nicht mehr als Skandal erzählen, der zu einem Ausschluß aus der Gesellschaft führt. Mich interessierte das große archaische Thema der Schuld. Wie so sollte man also Tannhäuser nicht zu einem Täter machen, zu einem Kriegverbrecher? In meiner Inszenierung wird Tannhäuser von Mitgliedern der Wehrmacht gezwungen, eine Familie zu erschießen. Der Abend beschäftigt sich mit individueller Schuld im Nationalsozialismus und während der Entstehung der BRD." 

(c) Szenenbild Tannhäuser Düsseldorf - von Hans Jörg Michel

 

Ein Kennzeichen der Kunstfreiheit ist, dass sie verfassungsrechtlich vorbehaltlos gewährleistet ist.

Grundgesetz, Artikel 5:

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Des Weiteren gilt:

Geschützt sind die künstlerische Betätigung und die Darbietung und Verbreitung des Kunstwerks; der so genannte Werkbereich und der Wirkbereich. Die Kunstfreiheit enthält das Verbot, auf Methoden, Inhalte und Tendenzen der künstlerischen Tätigkeiten einzuwirken, insbesondere den künstlerischen Gestaltungsraum einzuengen oder allgemein verbindliche Regelungen für diesen Schaffungsprozess vorzuschreiben.

Auslegung:

Dabei wird heute von der Rechtsprechung und der Rechtswissenschaft ein „offener“ Kunstbegriff vertreten. Kunst ist also nicht nur in den traditionellen Formen wie Literatur, Malerei, Musik etc. existent, sondern ist gekennzeichnet durch einen subjektiven schöpferischen Prozess, dessen Ergebnis vielfältige Interpretationsmöglichkeiten zulässt. Verständlicher: Kunst ist das, was der Künstler als Kunst bezeichnet, wenn auch andere möglicherweise darüber streiten, ob es Kunst ist. In der Literatur wird allerdings auch der materielle und der formelle Kunstbegriff vertreten.

 

Spiegel online Im Land der Täter und Sanitäter

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kommentar-tannhaeuser-absetzung-in-duesseldorf-ist-ein-skandal-a-899176.html

Westdeutsche Zeitung Rheinoper hat sich der Hysterie gebeugt

http://www.wz-newsline.de/home/leitartikel/tannhaeuser-inszenierung-die-oper-hat-sich-der-hysterie-gebeugt-1.1314031

Der Westen Absetzung ist eine Kapitulation

http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/absetzung-von-nazi-tannhaeuser-in-duesseldorf-ist-eine-kapitulation-id7936411.html

Die Welt Feige Absetzung des Düsseldorfer Tannhäuser

http://www.welt.de/kultur/buehne-konzert/article116061521/Die-feige-Absetzung-des-Duesseldorfer-Tannhaeuser.html

New York Post Safe and Sorry

http://www.musicalamerica.com/mablogs/?p=11106

Süddeutsche Zeitung Jüdische Gemeinde begrüßt Tannhäuser Absetzung

http://www.sueddeutsche.de/kultur/wagner-oper-in-duesseldorf-juedische-gemeinde-begruesst-tannhaeuser-absetzung-1.1668904

Frankfurter Rundschau Skandal mit Ansage

http://www.fr-online.de/theater/tannhaeuser-in-duesseldorf-skandal-mit-ansage,1473346,22724576.html

Kölner Stadtanzeiger Falsche Entscheidung

WDR-Beitrag (Video) Theater um Oper

http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2013/05/09/aktuelle-stunde-theater-um-oper.xml?noscript=true

Frankfurter Allgemeine Erste Hilfe

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/rheinoper-setzt-tannhaeuser-ab-erste-hilfe-12177705.html

 

Das meint der OPERNFREUND Herausgeber

"Scheiße!" - "Sofort aufhören!" -"Regisseur aufhängen!" - "Vergasen!" - "Das Schwein verbrennen!" - "Arschloch!" ... etc

So und ähnlich lauteten die noch-Verbalattacken vornehmlich zumindest optisch wohlsituierter Düsseldorfer Wagnerianer während der Premiere vor einer Woche. Während der Premierenfeier wollte man wohl diese Androhungen dann in die Tat umsetzen, sodass Intendant Meyer die üblichen Feierlichkeiten mit Publikum sofort abbrechen ließ.

Seit 10 Monaten weiß man in der Deutschen Oper am Rhein, was da läuft und geplant ist. Opernintendant Meyer hat sich den stets mit markanten Bildern arbeitenden Regisseur Burkhard C. Kosminski ja nicht ohne Grund ausgesucht. Hausintern gab es nicht wenige Mitarbeiter, die mit dem Intendanten (schon lange vor dem Premierentermin!) sehr ernste persönliche Gespräche führten - Tenor: "Das darf und kann man nicht auf die Opernbühne bringen!" Künstler/Statisten weigerten sich in diesem Zusammenhang nackt aufzutreten. Was zum Teufel kam dann am Premierenabend überraschend Schockierendes an unerwarteten Publikumsreaktionen?

Ja wie naiv ist bitte dieses Rheinopernteam?

Wobei ich ausdrücklich die Damen in den Leitungspositionen für Dramaturgie (Hella Bartnik) & Öffentlichkeitsarbeit (Heide Koch) mit einbeziehe. Denn wenn nicht sie, wer sonst (?), hätten die Verpflichtung gehabt den Intendanten zu beraten (!), bevor er einen solchen hanebüchenen Schwachsinn als feige und rückgratlose Presse-Erklärung und Absetzungsgrund herausgibt:

" ... Mit allergrößter Betroffenheit reagieren wir darauf, dass einige Szenen, insbesondere die sehr realistisch dargestellte Erschießungsszene, für zahlreiche Besucher sowohl psychisch als auch physisch zu einer offenbar so starken Belastung geführt haben, dass diese Besucher sich im Anschluss in ärztliche Behandlung begeben mussten. Nach Abwägen aller Argumente sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir eine solch extreme Wirkung unserer künstlerischen Arbeit nicht verantworten können. Ein völlig unverändertes Weiterspielen dieser Produktion ist uns vor diesem Hintergrund nicht möglich. Im intensiven Gespräch mit dem Regisseur Burkhard C. Kosminski haben wir die Möglichkeit der Abänderung einzelner Szenen diskutiert. Dies lehnt er aus künstlerischen Gründen ab. Selbstverständlich haben wir auch aus rechtlichen Gründen die künstlerische Freiheit des Regisseurs zu respektieren. Wir haben uns daher entschieden, den „Tannhäuser“ ab dem 9. Mai konzertant aufzuführen..."

Regisseur Kosminski, der mittlerweile wg. handfesten Bedrohungen aus radikalen Ecken, die leider - hoffentlich unbewußt - von der Lokalzeitung Rheinische Post (Forderung nach Einschränkung der Kulturfreiheit - vom Opernkritiker Wolfram Goertz) noch instrumentalisiert wurde, als quasi Selbstschutz vorübergehend untergetaucht ist; erklärt fernmündlich heute (11.5.13) in der Tagespresse

"Die Absetzung wurde mir nur mitgeteilt!"

Eine von Regisseur vorgeschlagene Diskussion mit dem Publikum lehnte Intendant Meyer strikt ab. Mehr darüber im Spiegel-Interview ab Montag 13.5.

"Peinlich, peinlich Herr Meyer!" - "Eine Riesenblamage für die Rheinoper!"

Sind nur die gelindesten Kommentare in der deutschen und internationalen Presse. Und es ist ja auch wirklich einmalig in der Rezeptionsgeschichte von Theaterproduktionen der deutschen Nachkriegszeit, daß eine derartige Zensur stattfindet. Einzig in Berlin wurde an der Deutschen Oper vor Jahren eine Aufführung direkt nach der Premiere abgesetzt, weil man Bombendrohungen von Islamisten befürchtete; also eine weitaus größere Gefahr fürs Publikum real vorhanden war, als die hier von der Rhein-Oper zitierten Herzbeklemmungen, Kreislaufstörungen, Bluthochdruck und Angstgefühle im Sinne "physischen und psychischen Unwohlseins".

Ja das ist schon schlimm im Deutschland unserer Tage. Nicht angesichts der Erinnerung millionenfachen Mordes an Juden fühlt man sich unwohl - nein, erst wenn man eine einzige (allerdings wirklich brutal realistisch wirkende) Hinrichtung plötzlich unvermittelt vorgeführt bekommt, steigt Unwohlsein auf. Ein KZ und Vergasungsszenarien statt schwülstigen Venusberg mit nackerten Tanzmädels in erotischen Dessous - das ist ein böser Schlag in die Magengrube. Das sitzt! Das ist wirklich hundsgemein.

Der arme Wagner!

Armer Wagner?

Arm war er in der Tat, was aber an seinem monströsen verschwenderisch größenwahnsinnigem Lebensstil lag. Ihm gelang es skrupellos bei einem Verdienst von 1500 Talern (Hofkapellmeister in Dresden 1845) sagenhafte 200 000 Taler Schulden zu machen.

Wagner war ein Dieb, Lügenbold und Hochstapler sein Leben lang.

Schon 1837 hatte er den Verdienst aus einem Wohltätigkeitskonzert mal eben privat eingesackt. Geldnot und Gier waren seine ständigen Begleiter. Er verkaufte sogar dreist und frech Dinge, die ihm gar nicht gehörten. Revolutionär, so wissen wir mittlerweile, war er nicht aus politischer Überzeugung (siehe ARTE Dokumentation ab 22.Mai), sondern weil er glaubte, daß mit dem Aufstand gegen Friedrich August II, und dem damit verbundenen gesellschaftlichen Umschwung, auch seine Gläubiger entmachtet würden. So war er unser Ritchie!

Selbst seine eigene Autobiografie fälschte er, wie später nur noch Kujau die vorgeblichen Hitler-Tagebücher im Stern. Er betrog seine Freunde und schlief mit ihren Frauen, nahm Drogen und feierte rauschhafte Feste in gigantischer Verschwendungssucht.

Richard Wagner hasste Juden und Homosexuelle.

In seinen miesen Schriften (u.a. Das Judentum in der Musik) ging er bis zur Ausrottung der Juden, was auch musikalische Konsequenzen hatte, denn die Rolle und Karikatur des späteren "Jud Süß" übernahmen bei Wagner schon seine Antihelden namens Beckmesser, Alberich... und Co.

Kein Wunder, daß Goebbels & Hitler ihn mochten bzw. vergötterten und sowohl seine Schriften, als auch seine Musik für das Dritte Reich nicht nur vereinnahmten, sondern sie quasi zu Leitmotiven mörderischen Handels transponierten. Es wird Gründe geben, warum man den Briefverkehr des Hauses Wagner mit den Nazis immer noch nicht der Öffentlichkeit freigibt.

Würde dann ein Idol zertrümmert?

Wessen Werke wären also als Folie für eine moderne zeitkritische Operninszenierung gerade im Jubiläums-Jahr 2013 besser geeignet, als die des großen Deutschmeisters Richard Wagner.

Peter Bilsing (Hrg. Der Opernfreund) 11.5.13

 

Safe and sorry

By James Jorden

NEW YORK POST

It may have been Robert A. Heinlein or Napoleon Bonaparte who first crafted that variation on Occam’s Razor “Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity.” But whoever said it, in whatever century and in whatever language, it certainly seems to apply to the fiasco that is the Deutsche Oper am Rhein’s Tannhäuser.

Not that we’re talking about the production per se here; no one really knows much about what really transpired onstage besides the first-night audience who actually saw seen it, minus that subset who slammed the doors on the way out of the theater and those mysteriously delicate Düsseldorfers whose exposure to imagery from the recent past landed them in the ER.

No, since the DO have taken the virtually unprecedented step of canceling the production after the first night, the vast majority of opera-watchers in the world have no way of gaining first-hand knowledge of what the production is like, and vanishingly little of second-hand. There’s no complete video, not even a trailer, and the company has released only a dozen or so fairly innocuous still photos. A TV news report offers a few seconds of dress rehearsal footage.

And the production will apparently never be revived.

Not that this lack of information has hampered armchair experts half a continent away from framing and expounding detailed exegeses of the production. For example, the cocktail of Wagner, the Holocaust and Regie proved irresistible catnip for Norman Lebrecht, who has spent the best part of the past week cheerleading for the banning of a production he has never laid eyes on.

But even serious journalists are running around with their hair on fire. In The Guardian, Kate Connolly placidly parrots the claim made by the DO’s press department that “some scenes, in particular the very realistically portrayed shooting scene, caused such strong psychological and physical reactions in some visitors that some of them had to be taken into medical care,” without bothering to ask how many “visitors” were so taken with vapors, or, more to the point, why exactly an opera company is receiving medical updates from members of the audience.

Unfazed by having no facts to go on, Connolly does what any crack British journalist does under the circumstances, which is to interview an Oxford academic who not only knows nothing about the particulars of the case but seems shaky on musical history as well:

This production rather hit the audience over the head with its message. It recalls the scenes in Ken Russell’s film Lisztomania, in which Wagner emerges from a Nazi grave at a Nuremberg-style rally and shoots everyone with a machine-gun-cum-electric guitar. While Wagner has questions to answer in relation to the Third Reich, a degree of subtlety would help.

Yes, subtlety is nice, but so is honesty. Did this James Kennaway see the production, and, if as it seems, he did not, what is he doing commenting on it?

So, since I know as little as everyone else, what follows is almost pure guesswork, with a few provisional conclusions based on the assumption that at least some of the hearsay floating around is correct.

This is Burkhard Kosminski’s first attempt at directing opera. He has a rather long resumé in straight theater, about 40 productions since 2000. Here, for example, is a trailer for his staging of August: Osage County.

The reviews for the opera, meanwhile, are most negative:

“Es ist eine schlechte, weil unsensible und unwürdige Inszenierung. Und das ist schade, weil das gesamte Ensemble eine überzeugende Leistung abliefert, die so nicht ausreichend gewürdigt wird.”

“Es ist ein Abend, dessen Wirkung man sich nicht entziehen kann – und der gleichzeitig, als Tannhäuser-Produktion betrachtet, ein szenisches Desaster und musikalisch über weite Strecken enttäuschend oder gar ärgerlich ist.”

And so far as I can make out from descriptions of the production, Kosminski’s big ideas mostly involve the first 45 minutes of the opera and the finale: during the overture, there is a graphic depiction of execution by lethal gas, and then, at a pause in the scene between Venus and Tannhäuser, the “hero,” apparently a passive stooge for the Nazis, shoots dead a husband, wife and child. Later, Elisabeth, who by the third act has taken the veil as a nun, is raped by Wolfram and then self-immolates, leaving a refugee child to hand an olive branch to the dying sinner.

Yes, it does sound rather heavy-handed and something of a mess. But, even stipulating that, should the staging have been canceled after the first night?

As a purely practical matter, perhaps. Taking so bold and unusual a step makes the management of the DO seem decisive and responsive to their audience, and it relieves them of the responsibility of having to defend a production that (for all we know) may indeed be a heavy-handed mess.

But the responsibility of a theater’s management is not solely to the public; it also needs to support its artists. Even artists who have failed–or, really, especially artists who have failed–need to be assured that the theater values them: you’re not evil, you’re not stupid; you just didn’t get it right this time around.

And the violation between intendant and artist is what really bothers me about the abrupt decision to cancel this Tannhäuser. The message the action sends is, “When the going gets tough, don’t count on us to stand by our artists. We will rather listen to whoever howls loudest among the mob.”

Ass-covering belongs in no art manifesto, in an opera house or anywhere else.

Photos: Hans Jörg Michel

     
 

 

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