DER OPERNFREUND - 50.Jahrgang
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 (c) Peter Klier

 

 

BERLIN DO

L’invisible

Genauso so sollten Uraufführungen sein: eindringlich und zwingend inszeniert, sorgfältig musikalisch einstudiert, glänzend vokal besetzt und engagiert gespielt. So ist es derzeit an der Deutschen Oper Berlin zu erleben. Aribert Reimann hat Texte des belgischen Symbolisten Maurice Maeterlinck vertont, drei kurze Theaterstücke, die sich auf unterschiedliche Weise dem zentralen Thema des Literaturnobelpreisträgers widmen: der Hilflosigkeit des Menschen gegenüber dem Tod.

In seiner Musik verbindet Reimann seine Fähigkeit zu suggestiven Klangballungen mit einem souveränen ökonomischen Einsatz der Mittel, plastisch umgesetzt vom konzentrierten Orchester unter der Leitung von Donald Runnicles. Altmeisterlich-meisterhaft ist das und dabei so unmittelbar zugänglich wie kaum eines seiner Werke zuvor. Zudem schreibt Reimann für und nicht gegen die menschliche Stimme. Rachel Harnisch mit ihrem prachtvollen, reichen Sopran und Annika Schlicht mit ihrem opulenten Mezzo wissen die Vorlage zu intensivem Gesang zu nutzen, der in seiner perfekten Selbstverständlich die exorbitanten Schwierigkeiten der Partien vergessen läßt. Die übrigen Sänger stehen ihnen in nichts nach. Hinzu kommt die ungemein spannende Regie von Vasily Barkhatov, die geschickt mit dem wandelbaren Bühnenbild von Zinovy Margolin spielt und von den raffinierten Schattenspielen in Silke Senses Videoprojektionen kongenial abgerundet wird. Hier paßt alles zueinander. Diese Produktion setzt den Maßstab für alle nachfolgenden Umsetzungen, denn es steht außer Frage, daß ein Werk von dieser Qualität bald schon an weiteren Opernhäusern nachgespielt werden wird.

Michael Demel / Ingrid Wanja 19.10.2017

 

 

DRESDEN

Die Passagierin

Der OPERNFREUND-STERN geht an die Dresdener Semper-Oper für eine ganz ausgezeichnete Aufführung von Mieczyslaw Weinbergs grandioser Auschwitz-Oper "Die Passagierin". Der Premierenabend geriet zu einem atemberaubenden Erlebnis der Sonderklasse, das man noch lange in Erinnerung behält.

Der Eindruck war wieder einmal gewaltig. Aus dieser Oper ging man anders heraus als bei sonstigen Stücken des Musiktheaters. Man war in höchstem Maße ergriffen, berührt und sogar beklommen. Weinbergs phänomenale Musik entfaltete erneut ihre ganze geniale Wirkung und zog den begeisterten Zuhörer ganz in ihren Bann. Die musikalischen Leistungen waren hervorragend. Dirigent Christoph Gedschold und die Sächsische Staatskapelle Dresden zeigten sich voll in ihrem Element. Zur Begeisterung gab auch das homogene, insgesamt tolle Stimmen aufweisende Ensemble Anlass. Hier sind insbesondere die sehr schön anzusehende und phantastisch singende Christina Bock als Lisa und die in die Rolle der Marta sehr viel Gefühl legende Barbara Dobrzanska zu erwähnen. Voll zufrieden sein konnte man auch mit der Inszenierung von Anselm Weber in dem Bühnenbild von Katja Hass und den Kostümen von Bettina Walter. Dem Regisseur ist es um eine Mischung aus realistischen und abstrakten Elementen zu tun. Zudem ist seine Regiearbeit auch psychologisch angehaucht. Die stilistische Gratwanderung, die er vollführt, ist vollauf überzeugend. Ein herzliches Dankeschön an die Semperoper, dass sie dieses tolle Werk auf die Bühne gebracht hat. Bravo! Die "Passagierin" sollte auf dem Spielplan sämtlicher Opernhäuser stehen.

Ludwig Steinbach 30.6.2017

 

FRANKFURT

Krenek Triptychon

Willkommene Abwechslung im Repertoire-Einerlei bietet erneut die Oper Frankfurt. Mit prägnanten Sängerleistungen und einem farbig aufspielenden Orchester gelingt ihr die fulminante Wiederentdeckung eines deutschen Gegenstücks zu Puccinis Trittico. Eine lebendige Regie spannt in abwechslungsreichen Bühnenbildern überzeugend und kurzweilig einen großen Bogen über drei disparate Kurzopern. Das Premierenpublikum ist hingerissen. Der Kritiker ist es auch.                        M.D.

Es ist mehr als vorbildlich, was Intendant Bernd Loebe hier seinem Publikum anbietet. Gerade Krenek, der bei den Nazis als Paradebeispiel für "entartete Kunst" herhalten mußte, hat es mehr als verdient mit seinen großartigen Werken, eigentlich überall (!) im Repertoire eines subventionierten Opernhauses in Deutschland präsent zu sein. Daß man ihn weiterhin überwiegend ignoriert, ist ein Kulturschande. Mit der Präsentation solch toller Werke, noch dazu in dieser Qualität, steht das Frankfurter Opernhaus bei uns weiterhin unangefochten auf Platz 1. Ein Bravo, Bravissimo dafür auch vom ganzen Opernfreund-Team - dafür sei unser OPERNFREUND STERN von ganzem Herzen verliehen.          P.B. (Hrg.) 3.5.2017                          

 

 

WUPPERTAL

Rigoletto als Politthriller erster Güte

Eine ausnahmslos überzeugende Besetzung geht einher mit einer hochdramatischen Altualisierung des Stoffes, der unter Regisseur Timofej Kuljabin zu einer Story wird, die glaubwürdiger daherkommt, als das verdische Original.

Der Fil Rouge wurde gefunden einen alten unglaubwürdigen Stoff durch relativ werttreue Modernisierung dem heutigen Publikum sehr nahe zu bringen. Eine Inszenierung, über die man spricht und nach der Oper noch lebhaft diskutieren kann. Die an Kinobildern orientierte Produktion ist ein genialer Wurf um Oper auch jüngeren Menschen überzeugend ans Herz zu legen. Dazu kann man nur gratulieren...

Peter Bilsing / Markus Lamers  / Christoph Zimmermann 11.4.2017

 

 

 

COBURG

Die Stumme Serenade

Der OPERNFREUND-STERN geht verdientermaßen an die Produktion von „Die stumme Serenade“ von Wolfgang Erich Korngold in Coburg.
Eine Rarität so kurzweilig und überzeugend zu präsentieren, dass jeder Besucher sofort zum Fan des Werkes wird, will schon gekonnt sein.

Daran hat neben der Spürnase des Intendanten Bodo Busse, der diesen Strauß eingängiger Melodien auf den Spielplan genommen hat, vor allem die geniale Inszenierung von Tobias Materna mit ihrer gekonnten wie interessanten Aktualisierung ebenso beigetragen, wie die im wahrsten Sinne des Wortes filmreife Bühne und die aufwändigen Roben des Duos Lorena Diaz Stephens/Jan Hendrik Neidert. Wenn zu diesem Augenschmaus dann noch ein dermaßen talentiertes Ensemble voller ansteckender Spielfreude und ein so präzise wie beschwingt aufspielendes Orchester kommen, entstehen wahrhafte Glücksmomente, die unbezahlbar sind! Und dass so etwas in der so genannten „Provinz“ entsteht, straft alle Kritiker am deutschen Theatersystem Lügen und beflügelt geradezu dazu, ein Hoch auf die deutsche Theaterlandschaft auszurufen!

Jochen Rüth / Arabella Bilsing 23.3.2017

 

HEIDELBERG

Morgen und Abend

Der OPERNFREUND-STERN geht an das Theater und Orchester der Stadt Heidelberg für die Neuproduktion von Georg Fredrich Haas neuer Oper "Morgen und Abend" im Rahmen seiner bewährten Reihe von Zweitinszenierungen erfolgreicher Uraufführungen. Hier haben wir es mit einer mustergültigen und regelrecht atemberaubenden Aufführung zu tun. Mit Tageszeiten hat das Werk nichts zu tun. Vielmehr geht es um Geburt und Tod des Fischers Johannes. Das Stück thematisiert in sehr emotionaler Weise das Thema Sterben. Grenzerfahrungen werden hier auf sehr einfühlsame Art und Weise geschildert. Das Orchester der Stadt Heidelberg spielte unter GMD Elias Grandy einfach grandios auf und breitete den ganzen Reichtum der ungewöhnlichen Partitur mit großem Glanz vor den Ohren des begesterten Publikums aus. Regisseur Ingo Kerkhof und seinem Team ist eine geschlossene, in sich ruhende und stille Inszenierung zu bescheinigen, die sich durch eine gute Personenführung auszeichnet. Insgesamt haben wir es hier mit einer ausgezeichneten Ensembleleistung mit dem großartigen Holger Falk als Johannes an der Spitze zu tun, die nachhaltig beeindruckte und sich tief in das Gedächtnis einprägte. Ein Bravo an alle Beteiligten! Aber dass das Theater Heidelberg für die moderne Oper ein gutes Händchen hat, wusste man ja schon lange. Sicher gehört es zu den absolut besten mittelgroßen Häusern.

Ludwig Steinbach 10.3.2017

 

ZÜRICH

Weihnachtskonzert 2016

Einen Stern verdient hat sich das Tonhalle-Orchester Zürich mit der Programmgestaltung und den Interpretinnen und Interpreten dieses Weihnachtskonzerts, welches eben gerade einmal nicht auf den vertrauten und gefälligen barocken Pfaden wandelte, sondern Werke wie die Ramirez' MISA CRIOLLA und Bernsteins JEREMIAH und seine CHICHESTER PSALMS zur Diskussion stellte, welche gerade in Mitteleuropa nicht zum gängigen Weihnachtsrepertoire gehören, aber nichtsdestotrotz bewegende Glaubensbekenntnisse darstellen.
Mit Omer Meir Wellber stand ein junger, hoch engagierter Dirigent am Pult (und sass am Flügel bei der MISA CRIOLLA), welcher durch seine Leidenschaft das Orchester zu einer eindringlichen Leistung anspornte und die unbekannteren Werke dem Publikum in einer begeisternden Art und Weise näher zu bringen imstande war. Dazu gesellten sich die mit exquisiter Tongebung intonierende Zürcher Sing-Akademie und exzellente vokale und instrumentale Solisten. Zu solchen Programmen braucht es Mut - und der soll gewürdigt werden."
Kaspar Sannemann / Peter Bilsing 26.12.2016
 
 

 

BERLIN

Elektra

Die „Elektra“-Produktion der Staatsoper im Schillertheater erhält den

Opernfreund-Stern für eine hochsensible Deutung der Partitur durch die Staatskapelle unter Daniel Barenboim, die Regie von Patrice Chéreau ganz aus der Musik heraus, mit neuen Akzenten, die sich nicht gegen Libretto und Musik richten, sondern aus ihnen erwachsen, und ein Ensemble aus hochverdienten alten und aus jungen Sängern, die neben berührenden, ja aufwühlenden darstellerischen Leistungen wahre Sternstunden des Strauss-Gesangs bieten. Auch demjenigen Zuschauer, der bereits viele „Elektra“-Aufführungen gesehen und gehört hat, vermittelt sich der Eindruck, er habe zum ersten Mal die definitive „Elektra“ erlebt.

IW / MF 1.11.16

 

FRANKFURT

Martha

Es sind die glücklichsten Abende für einen Opernbesucher, wenn er ohne große

Erwartungen und vielleicht sogar mit Vorurteilen über ein Stück im Zuschauerraum Platz nimmt und dann zweieinhalb Stunden lang aus dem vergnügten Staunen nicht mehr herauskommt. Wie gut doch diese Partitur gearbeitet ist, wie locker die Dialoge funktionieren, wie schwungvoll die Ensembleszenen komponiert sind! Wie großartig und berührend die Wunschkonzertmelodien von Maria Bengtsson doch präsentiert werden! Und was für eine Entdeckung im Tenorfach doch dieses neue Ensemblemitglied AJ Glueckert ist! Mit welcher wie selbstverständlich wirkenden Perfektion die Regisseurin Pointen zu setzen versteht und dazu völlig unverkrampft Raum für die Romantik in dieser Komödie schafft! Wie virtuos die Frankfurter Drehbühne genutzt wird und wie brillant die szenische Aktualisierung des Stoffes gelingt! Orchesterleistung, Chor und Solisten, Regie und Bühnenbild sind genau aufeinander abgestimmt, tragen, ergänzen und verstärken sich gegenseitig, mit einem Wort: Es wird ideales Musiktheater geboten, das keine Wünsche offen läßt. Wunderbar!

MD / PB 19.10.16

 

ESSEN

Der Barbier von Sevilla

Was Philipp Gloger und sein Team im Zusammenwirken mit dem tollen Nachwuchsdirigenten Giacomo Sagripanti (Namen bitte unbedingt merken) da auf die Bühne des Aalto zaubern bzw. hören und sehen lassen, ist ein Rossini-Traum vom Feinsten. Locker perlen die Champagnerklänge aus dem angehobenen Orchestergraben, hier wird musiziert mit einer Leichtigkeit und dennoch Akkuratesse, wie ich sie seit der legendären Kleiber-Fledermaus nicht mehr gehört habe. Dazu ein Feuerwerk an witzigen (nicht platten oder seichten) Ideen in der Szene, viel Ironie, schöne Gags, auch die Gattung Oper wird durch den Kakao gezogen und es gibt guten Gesang.

Soviel scheinbare Leichtigkeit des Seins und des feinen Humors erforderte sicherlich höchste Anstrengungen und viel Arbeit in der Vorbereitungsphase. Daher ein dickes BRAVI vom OPERNFREUND für alle! Auch eine außergewöhnliche musikalische Interpretation. Ich werfe meine alten Platten alle auf den Müll und höre mir diesen beispielhaften lockeren Rossini sicherlich noch ein paar Mal an, schon allein wegen der hundert prozentigen guten Laune-Evokation, die hier garantiert ist. ;-))))

Hinfahren, hinfahren, hinfahren...

PB / MC  5.6.16

 

 

MÜNCHEN

Gefährliche Liebschaften

Hier stimmt einfach alles: der Stoff, die Musik, die Dramaturgie, Kostüme und Perücken, das Licht, das relativ einfache, doch beeindruckende Bühnenbild (Drehbühne und Deckenspiegel!) und vor allem: die singenden Spieler. Gefährliche Liebschaften: das ist der beste Beweis für die These, dass die Gattung Musical lebt und entwicklungsfähig ist.

Hier kommt jeder auf seine Kosten: der Musical-, der Theater- und der Opernfreund, denn die Musik von Marc Schubring ist mit ihren Anklängen an die Oper (Richtung: Wiener Schule) und die Filmmusik alles andere als banal. Es muss schon verwundern, dass es gelungen ist, die Romanvorlage aus 250 Briefen in einen musikalischen Theaterabend zu gießen. Dass der Stoff spannend ist

weiß man ja – aber dass das Ensemble bis zur letzten Dame perfekt besetzt ist, macht aus der ambitionierten „show“ ein einziges sinnliches und zugleich intellektuelles Vergnügen. Kein Wunder, dass die Produktion fünf hochrangige Preise erhielt, darunter Bestes Musical, Beste Musik – und Beste Hauptdarstellerin. Julia Klotz ist als verführte und geopferte Madame de Tourvel einfach hinreißend – und ernstzunehmen. Schon sie würde den Besuch, neben den weiteren drei stark besetzten Hauptrollen, lohnen. Was den vollkommenen Theaterabend aber einzigartig macht, ist der Raum. Im Cuviélles-Theater sitzt man in einem wunderschönen historischen Ambiente, das auf seine Weise zum packenden Stück den perfekten Rahmen bietet: als Spiegel und zugleich als Gegenwelt zu den hinreißenden wie erschütternden Bosheiten, die auf der Bühne vor sich gehen.

FP / PK 18.5.16

 

LANDSHUT

Tristan & Isolde

Der OPERNFREND-STERN geht an das Landestheater Niederbayern für eine sensationelle Neuproduktion von Wagners "Tristan und Isolde". Mit diesem Werk, das sogar für größere Opernhäuser eine echte Herausforderung darstellt, hat das kleine Landestheater Niederbayern mit seinen Spielstätten in Landshut, Passau und Straubing alles auf eine Karte gesetzt und haushoch gewonnen.

Was einem an diesem phänomenalem Abend geboten wurde, war in jeder Beziehung außergewöhnlich. Inszenierung und musikalische und gesangliche Leistungen formierten sich zu einem beeindruckenden Ganzen, das meinen Wahlspruch "Verachtet mir die kleinen Häuser nicht" wieder einmal voll und ganz bestätigte. Die von cirka 40 auf 65 Musiker aufgestockte Niederbayerische Philharmonie spielte unter Leitung ihres versierten GMD Basil H. E. Coleman auf exzellentem Niveau, klangschön, äußerst konzentriert und mit großer Verve. Geradezu erstaunlich war es, was für ausgezeichnete Kräfte für die Hauptpartien aufgeboten worden. Da musste sich niemand verstecken. Sowohl musikalisch als auch gesanglich brauchte diese Aufführung den Vergleich mit Produktionen der Oper an großen Häusern nicht zu scheuen. Hoch gelungen war auch die moderne, stark psychologische Inszenierung von Stefan Tilch. Der Regisseur hat die Handlung gekonnt in ein Museum verlegt und das Ende auf beeindruckende Art und Weise als Vision Isoldes von einem Happy End gedeutet. Herzliche Gratulation an alle Beteiligten für eine mustergültige Aufführung. Bravo!                                             

LS / 10.5.16

 

DÜSSELDORF

DIE FLEDERMAUS

Robert-Schumann-Hochschule

Witzig, spritzig, amüsant, charmant, werktreu und voller lockerer Lebensfreude zeigt die diesjährige Robert-Schumann-Hochschul-Truppe das Straußche Meisterwerk. Eine wunderbare Fledermaus ist entstanden, der man auch als alter saturierter Kritiker von der ersten bis zur praktisch ungekürzten letzten Minute mit frohlockendem Herzen folgen kann - ein Jungbrunnen geradezu. Ein Lichtblick im Einerlei der Langweiler üblicher Kalauer-Produktionen.

Endlich einmal sind keine Graben-Dudler zu erleben, sondern gutgelaunt und dennoch konzentriert aufspielende Musiker, welche diese geradezu champagnerperlende Musik auch selber zu genießen scheinen und mit Spass am Musizieren auch optisch ;-)) zu Werke gehen.

Hier wurde mit einer Freude und Lockerheit, die ich auch bei allen Mitwirkenden beobachten konnte, musiziert und gesungen, welche sofort auf das Publikum überschlug, ja es geradezu infiziert. Ich gebe zu, daß ich mich mit dem gesamten Auditorium im unison siebten Fledermaus-Himmel befand. So macht Operette Spaß - so lernt die verstaubte Fledermaus endlich wieder fliegen...

PB / MZ, 29.4.16

 

 

DORTMUND

Peter Grimes

Spannenderes Musiktheater ist kaum denkbar. Was Tilman Knabe da in Dortmund inszeniert hat schon fast Hitchcock-Charakter. Ein ungeheuerlicher Opernabend. Perfektes Musiktheater auf allerhöchstem Niveau in allen Bereichen.

Ein lautes "Bravi" unserer Opernfreund-Kritiker geht an das gesamte Team. Hier stimmte gestern bei der Premiere Alles: Musik, Sänger, Bühne, Kostüme und Licht! Ein 5-Sterne Abend - einen Stern für jede Kategorie. Grandios!

Ein Sängerensemble vom Feinsten, wobei mit Peter Marsh ein Hauptdarsteller gewonnen wurde, der sich durchaus auf dem Niveau von Peter Pears bewegte. Und das Schönste: Durchweg alle Hauptpartien sind grandios besetzt und alle mitwirkenden Künstler - inclusive Chor, Extrachor und Statisterie - leisten Phänomenales. Was für ein überwältigend unter die Haut gehehnder Opernabend.

Unbedingt hinfahren - bitte achten Sie aber auf ihren Blutdruck ;-) !

PB / DO / SB 10.4.16

 

 

OLDENBURG

La voix humaine / Trouble in Tahiti

„La Voix humaine“ von Poulenc ist kein ausgesprochener Publikumsrenner und wird es auch nie sein. Außerdem ist das Werk mit einer Spieldauer von 45 Minuten nicht gerade abendfüllend. Womit soll man es also koppeln? Beim Oldenburgischen Staatstheater fiel die Wahl auf „Trouble in Tahiti“ von Leonard Bernstein.

Man hat da eine sehr kluge Entscheidung getroffen. Zwar ist Bernsteins Minioper beim großen Publikum auch nicht gerade sehr bekannt, aber der Name Bernstein dürfte doch manchen Zuschauer ins Theater locken. Auch inhaltlich ist die Kombination von Poulenc und Bernstein sehr sinnvoll. Und der musikalische Kontrast der in zeitlicher Nähe entstandenen Werke ist besonders reizvoll. Wenn die Umsetzung von Musik und Szene, nicht nur dank einer hervorragenden Nina Bernsteiner, so gut gelingt, kann man das Oldenbuger Haus dazu nur beglückwünschen.                                                                 

WD / PB 22.3.16

 

MANNHEIM

Die Jüdin

Der OPERNFREUND-STERN geht an das Nationatlheater Mannheim für eine einfach sensationelle, mitreißende Neuproduktion von Fromental Halévys Oper "La Juive". Hier haben wir es mit einer echten Rarität zu tun, der man gerne auf den Spielplänen der Opernhäuser etwas öfter begegnen würde.

Gott sei Dank haben sich in den letzten Jahren immer mehr Opernhäuser auf dieses phänomenale Stück besonnen, unter ihnen jetzt auch das Nationaltheater Mannheim, dem man zu dieser mehr als gelungenen Aufführung nur herzlichst gratulieren kann. An diesem überaus gelungenen Abend stimmte einfach alles. Musik, Inszenierung und gesangliche Leistungen fügten sich zu einer phantastischen Symbiose zusammen, die einen ganz in ihren Bann zog. Wer diese geniale Vorstellung gesehen hat, wird sie garantiert nicht so schnell wieder vergessen. Peter Konwitschny entkleidet das Stück aller Ingredienzien einer Grande Opéra und macht daraus ein eindringliches Kammerspiel auf höchstem Niveau. Schon seine Personenregie mutet meisterhaft an. Aber auch seine Konzeption ist in hohem Maße überzeugend. Bei ihm steht nicht der Gegensatz zwischen Christen und Juden im Zentrum des Interesses, sondern austauschbare Ideologien, die auch mal terroristische Ausmaße annehmen können. Insgesamt geht es hier um ausgemachten Fanatismus, der am Ende auf der ganzen Linie siegt und die Hoffnung auf eine Besserung der Verhältnisse im Keim erstickt. Am Pult lotete Alois Seidlmeier zusammen mit dem prächtig disponierten Orchester des Nationaltheaters Mannheim jede Facette der vielschichtigen Partitur mit großer Akribie und Klangpracht aus, und auch die stimmlichen Leistungen waren durchweg hervorragend.                                                                       

LS 14.10.16

 

 

FRANKFURT

Hänsel und Gretel

Der OPERNFREUND-STERN geht an die Oper Frankfurt für eine hoch interessante Produktion von Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel". Hier bilden die Szene sowie musikalische und gesangliche Leistungen eine treffliche Symbiose von hoher Eindringlichkeit. Die großartige, gut durchdachte Inszenierung bietet Erwachsenen intellektuell allerhand zum Beißen und den Kindern viel zum Staunen, sodass beide auf ihre Kosten kommen.

Regisseur Keith Warner betrachtet das Geschehen durch die Brille des Psychologen und führt märchenhafte und tiefenpsychologische Elemente gekonnt zu einer gelungenen Einheit. Insbesondere den Lehren Sigmund Freuds und Bruno Bettelheims wird große Bedeutung zugemessen. Einfühlsam nimmt Warner sowohl das alte als auch das junge Publikum an die Hand und unternimmt mit ihm einen ausgedehnten Streifzug durch die Kinderseele, wobei Traum und Wirklichkeit zunehmend miteinander verschmelzen. Was sich auf dem Papier wie ein Theoretisierungsprozeß der Dramaturgie liest, geht szenisch voll auf. Kaum je spürt man bleierne Gedankenschwere. Das liegt an der lebendigen Personenregie, ungemein spielfreudigen Darstellern und nicht zuletzt einem phantastischen Bühnenbild. Mit dem märchenhaft schönen Orchesterklang und den fast durchweg engagierten Gesangsleistungen rundet sich das Gesamtbild einer gelungenen Produktion ab. Nicht nur zur Weihnachtszeit.                         

LS & MD 22.12.15

 

MÜNCHEN

Der feurige Engel

Der OPERNFREUND-STERN geht an die Bayerische Staatsoper für einen ganz vorzüglichen "Feurigen Engel". Wieder einmal ist der Mut, mit dem sich das Nationaltheater weniger bekannten, nichtsdestotrotz aber hervorragenden Werken des Musiktheaters annimmt, hoch zu loben. Die Münchner Erstaufführung von Prokofjews fulminanter Oper geriet in jeder Beziehung zu einer echten Sternstunde der Oper. Das war erstklassiges, hochkarätiges und innovatives Musiktheater, das sich fest in das Gedächtnis einbrannte.

Prokofjew hat eine gewaltige, sehr eindringliche Musik geschrieben, die höchste Dramatik atmet. Dirigent Vladimir Jurowski und das bestens disponierte Bayerische Staatsorchester haben sie mit kammermusikalischer Eleganz und vielen Zwischentönen vermittelt, wobei die vielfältigen Ecken und Kanten der Partitur behutsam geglättet wurden. Beeindruckend  waren die gesanglichen Leistungen. Ein Lob ist auch Regisseur Barrie Kosky auszusprechen, dem mit seiner Inszenierung ein Volltreffer gelungen ist. Bei ihm spielt sich das dramatische Geschehen nicht im 16. Jahrhundert ab, sondern in einem First-Class-Hotelzimmer der Gegenwart. Der Hauptaspekt von Koskys gelungener Regiearbeit ist das Pendeln zwischen Wahn und Wirklichkeit, Irrationalität und Vernunft. Dem Surrealen misst der Regisseur ebenfalls entscheidendes Gewicht zu. Er nähert sich dem Ganzen stark von der psychologischen Seite her und siedelt einen Großteil der Handlung lediglich in den Köpfen von Renata und Ruprecht an. Dabei gelingen Kosky auch eindringliche visuelle Impressionen. Diese famose Produktion lohnt die Fahrt nach München voll und ganz.                                                                                    

LS 13.12.15

 

 

GELSENKIRCHEN

ALICE IN WONDERLAND - Exemplarisches Tanztheater

Nicht nur grandios inszeniert und bildgewaltig arrangiert, sondern auch perfekt und geradezu atemberaubend vom Ensemble getanzt. Dazu eine phänomenal

ausdrucksvoll beeindruckende Tänzerin, Francesca Berruto als Idealbesetzung einer Alice - sowohl tänzerisch, als auch darstellerisch. Diese junge Italienerin ist ein absoluter Glücksfall für das Gelsen- kirchener Ballett - man muß sie einfach gesehen haben! Des Choreografen Bongiovannis fantastische Tanz- sprache enthält bewusst stilistische Elemente aus allen Tanzrichtungen, die sich in einem Kaleidoskop der Tanzstile prachtvoll verbinden. Überragendes hat Kostümbildnerin

Ines Alda geleistet. Hier ergänzt sich alles perfekt zu einem tänzerischen Gesamtkunstwerk von ganz außergewöhnlicher Qualität. Die Produk- tion zählt zum Beeindruckendsten, was der Herausgeber auf einer Ballettbühne in Jahrzehnten in diesem Land gesehen hat.

Das tänzerisch hohe Niveau, wird atemlos gehalten und sie Spannung lässt nie nach. Das Tüpfelchen auf dem "i" ist die perfekte Musik- und Toncollage. Es ist fast wie der Gang über eine historisch zeitgeschichtliche Kirmes, wo an jedem Karussell sich ein anderes Klangbild dem Wanderer präsentiert. Tolleres, lebendigeres und faszinierenderes Tanztheater kann man zurzeit nirgends in NRW erleben.                                                                                              

PB / AB 23.11.15

 

BONN

Unterhaltsam kurzweiliger geht Berlioz Benvenuto Cellini nicht

Musiktheater par Excellence

Seit der genialen ebenfalls vor tollen Einfällen geradezu überbordenden Produktion aus Salzburg von 2007 von Philipp Stölzl (GsD noch auf DVD erhältlich) gab es keine so wunderbare Umsetzung mehr, wie die gestrige der grandiosen Musiktheater- Regisseurin Laura Scozzi in Bonn. Diese Künstlerin versteht den Begriff "Musiktheater" und lebt ihn und begeistert alle Beteiligten. Die Zeit verrinnt humorvoll im Flug, und man ist am Ende eigentlich traurig, daß es "nur" die neuere Kurzfassung mit gesprochenen Dialogen von knapp 2,5 Stunden ist. GsD kein plattes Humor-Niveau à la Komödienstadel oder Kölner Karneval - stets ist alles augenzwinkernde Ironie vom Feinsten.

Die unfassbaren Einfälle des genialen Regieteams (Bühne: Barbara de Limburg / Kostüme: Jean Jacques Delmotte ) hätten wahrscheinlich auch für ein 16-Stunden-Epos, wie Wagner´s RING mehr als gereicht. Unterhaltsameres Musiktheater ist für mich nicht denkbar. Die Oper lebt in Bonn! Was Chor und Statisterie des Theaters leisten ist perfekt und überwältigend. Hinzu kommt eine brillante Leistung des Beethoven Orchesters Bonn - quasi als Abschiedgeschenk von scheidenden großen GMD Maestro Stefan Blunier.

Schon nach dem ersten Teil gab es nicht enden wollenden Jubel, und am Ende ein quasi unsisoner Akklamations-Orkan. Mit Anna Princeva (Teresa) und Mirko Roschkowski als Cellini präsentierte sich ein Traumpaar; Gesang und Darstellung auf allerhöchster Ebene, alle Spitzentöne gelangen - aber auch die Comprimarii waren perfekt. Man merkte der Inszenierung an, daß jeder hier alles gab und auch die begeisterte Umsetzung des Regiekonzepts in allen Beteiligten große Spielfreude evozierte. Nach der Holländer-Pleite gaben wir unseren Negativpreis die "Opernfreund-Schnuppe", nun für diese mehr als respektable Wiedergutmachung unseren raren Opernfreund-Stern als Wertschätzung eines ganz außerordentlichen, unbedingt sehenswerten Abends.                                                                                                   

PB / MC 2.11.15

                         

 

DORTMUND

Herrlicher Nussknacker zum Genießen

Seit der legendären wunderschönen Inszenierung von Youri Vamos´s "Nussknacker" 1988 an der Bonner Oper (damals im Stil von Dickens Weihnachtsgeschichte) gab es keine so bezaubernd leichtfüßige Choreografie von diesem populären Handlungsballett, wie die derzeitig in Dortmund von Benjamin Millepied choreografierte und von

Paul Cox bebildertereizend ausgestattete Version dieses ewigen Klassikers. Endlich mal keine psychoanalytischen verstörenden Traumbilder, sondern wunderschönes lebendiges und humorvoll augenzwinkernd inszeniertes Ballett vom Feinsten. Jeder, der solches genießen möchte und dessen Herz noch fröhlich und jung geblieben ist, muß einfach nach Dortmund fahren - egal ob Jung oder alt; garantiert wird ein fantasievoller Märchenabend allzu üppie Ausstattungsorgien mit einem hochmotivierten, Freude ausstrahlenden Tanzensemble im Aliceschen Wunderland einer aufs Wesentliche reduzierten Zauberbühne. Wer Wert auf schöne Tanzbilder legt, einen farbenfrohen pastösen Bilderreigen noch genießen kann, dem wird das Herz nicht nur auf- sondern übergehen. Genießen Sie so ein seltenes Balletterlebnis bitte mit der ganzen Familie, bevor die Vorstellungen ausverkauft sind. Der Weihnachtstipp schlechthin... Bitte hinfahren!   - und wenn sie es nur Ihren Kindern zuliebe tun ;-)))

PB / RH 20.10.15

 

AUGSBURG

König Kandaules

Der OPERNFREUND-STERN geht an das Theater Augsburg für die Neuproduktion von Alexander Zemlinskys selten gespielter Oper "Der König Kandaules". Hier haben wir es mit einer echten Rarität zu tun, die ungemein beeindruckte. Es ist der Theaterleitung hoch anzurechnen, dass sie dieses phänomenale Werk auf den Spielplan gesetzt hat. Zemlinsky hat eine sehr eindringliche, vielschichtige Musik geschrieben, die Anklänge an Wagner, Strauss und Mahler aufweist. Lancelot Fuhry und die prächtig disponierten Augsburger Philharmoniker haben sie glänzend dargeboten. Hoch gelungen ist auch die Inszenierung. Soren Schuhmacher hat sie von dem erkankten Lorenzo Fioroni übernommen und die dramatische Handlung aufgrund von dessen konzeptionellen Erwägungen grandios auf die Bühne gebracht. Er hat aus dem Stück zusammen mit Paul Zoller (Bühnenbild) und Annette Braun (Kostüme) eine bizarre Märchengeschichte gemacht, wobei er starke Anleihen bei Walt Disneys "Schneewittchen"-Film nahm. Das Ergebnis ist vollauf gelungen. Im Großen und Ganzen hervorragend waren auch die sängerischen Leistungen. Selbst noch bei den Nebenrollen der Höflinge war ein erstaunlich hohes stimmliches Niveau zu konstatieren. Herzliche Gratulation an alle Beteiligten für eine mustergültige Aufführung.                                                                         

LS 17.10.15

 

 

MANNHEIM

Der ferne Klang

Der OPERNFREUND-STERN geht an das Nationaltheater Mannhem für eine sensationelle Produktion von Franz Schrekers Oper "Der ferne Klang". Herzliche Gratulation an alle Beteiligten für eine in jeder Beziehung gelungene Aufführung. Hier haben wir es mit einer echten Rarität zu tun, die im Repertoirebetrieb der Opernhäuser leider ein Schattendasein führt. Ein umso herzlicheres Dankeschön an die Mannheimer Opernleitung, dass sie dieses äußerst reizvolle Stück nun auf den Spielplan gesetzt hat. Schreker hat eine phantastische Musik geschrieben, die vieflältige Stilelemente seiner Zeit aufnimmt und diese gekonnt in ein durchkomponiertes Gewand nach Wagner'schem Vorbild kleidet. Auch von der Leitmotivtechnik und der Klangsprache her ist der Bayreuther Meister stets präsent, aber auch Einflüsse von Strauss und Mahler sind spürbar. GMD Dan Ettinger und das bestens disponierte Orchester haben Schrekers phänomenale, in hohem Maße eindringliche Musik mit Bravour vor den Ohren des Publikums ausgebreitet. Die sängerischen Leistungen bewegten sich auf hohem Niveau. Ein Extralob geht an Tatjana Gürbaca, die zum ersten Mal in Mannheim am Regiepult Platz genommen und mit ihrer hervorragend durchdachten, handwerklich famos umgesetzten und atmosphärisch dichten Inszenierung einen Volltreffer gelandet hat. Besonders beeindruckend geriet ihr der dritte Akt, bei dem ihr Konzept seinen Ausgangspunkt nimmt. Von diesem ausgehend erzählt sie das Ganze als Rückschau, wobei die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Surrealität verschwimmen und Sigmund Freud um jede Ecke winkt. Hier hat sich die junge, sympathische Regisseurin, die zu den besten ihres Fachs gehört, wieder einmal voll in ihrem Element gezeigt. Bleibt zu hoffen, dass sie noch oft den Weg nach Mannheim finden wird.        

LS 23.7.15

 

BRAUNSCHWEIG

Peer Gynt

Raritätenpflege auf exzellentem Niveau. Eigentlich hätte das Staatstheater Braunschweig schon für Bernard Hermann spannende "Sturmhöhe" einen Stern verdient gehabt, doch mit Dietrich W. Hilsdorfs absolut werktreuer und vor allem hochemotionaler Umsetzung von Werner Egks "Peer Gynt" hat das leitende Team, sozusagen, noch eine Kirsche auf die Sahne des Eisbechers gesetzt.

Dazu kommt eine ausgesucht passende Besetzung der Partien in vokaler wie szenischer Hinsicht, die hervorragenden Leistungen des Staatsorchesters. Erinnert sei ebenso an die packende Umsetzung von Giacomo Meyerbeers " Der Prophet", die gute Umsetzung von Antonio Vivaldis "Farnace", die einen überzeugenen Abend eines barocken Werkes garantiert. Nächste Saison läßt neben der Wiederaufnahme von Jenö Hubays "Anna Karenina" in einer erfolgreichen Aufführung, das Augenmerk auf deutsche Erstaufführungen des Musicals "Ragtime", der Oper "Hexenjagd", sowie der Rekonstruierung von Antonio Smareglias "La Falena", dem verschollenen wie berüchtigtem Werk eines Puccini-Zeitgenossen, enorme Vorfreude für alle neugierigen Opernfreunde entstehen. Also immer hin, nach Braunschweig !

26.6.15 GE & MF

 

FRANKFURT

Rosenkavalier

Der OPERNFREUND-STERN geht an die Oper Frankfurt für eine Sternstunde hochkarätigen Musiktheaters: Der "Rosenkavalier" an diesem schon oft bewährten Haus stellt einen echten Klassiker dar, in dem sich sämtliche Elemente - szenische, musikalische und gesangliche - zu einer nahtlosen, stimmigen und sehr homogenen Einheit zusammenfügen. "Der Tod, das muss ein Wiener sein..."

Mit einer Melange aus morbidem Charme, sanfter Melancholie und pointesicherem Humor gelingt Claus Guth eine Regiearbeit, die der "weanerischen Farce" eine völlig neue Sichtweise jenseits aller Rokoko-Plüschigkeit abgewinnt und doch dem Stück kein überambitioniertes Regietheater-Konzept gewaltsam überstülpt, sondern vielmehr auf eine eigene Weise werktreu wirkt, weil der Ansatz gekonnt aus der Dramaturgie des Stückes entwickelt ist.

Guth wartet mit einer überzeugenden Parallelführung von Wirklichkeit und Surrealität auf und versteht sich zudem trefflich auf die Anwendung Tschechow'scher Elemente.

Das Orchester unter GMD Sebastian Weigle stellt seine Strauss-Kompetenz mit duftigem, blühendem Klang erneut unter Beweis. Die Sängerbesetzung, allen voran die wunderbare Amanda Majeski als Marschallin, lässt kaum Wünsche offen. Gratulation für eine rundum gelungene Produktion von

MD / CH / LS 18.6.15

 

DÜSSELDORF

Der Feurige Engel

Die exemplarische Inszenierung eines höchst selten gespielten Meisterwerkes des

20. Jahrhunderts. Die hochschwierigen Partien werden nicht nur in den Hauptrollen perfekt gemeistert. Die Inszenierung incl. Bühnenbild, Kostümen und Bewegungschor geht mehr als unter die Haut und die musikalische Leistung der Düsseldorfer Symphoniker liegt auf höchstem Niveau. Hier stimmt alles! Nicht nur der Opernfreund- Kritiker jubelt: Bravo! Bravissimo!!

PB / MF - 14.6.15

VIDEO

 

HEIDELBERG

Abends am Fluss / Hochwasser

Der OPERNFREUND-STERN geht an das Theater der Stadt Heidelberg für die mehr als gelungene, fulminante Uraufführung von Johannes Harneits beiden Opern "Abends am Fluss" und "Hochwasser"

für die Gero Troike die Libretti geschrieben hat. Mit der Übernahme dieses ursprünglich für die Oper Leipzig komponierten Doppelabends, wo er in der Saison 2012/13 wegen des Weggangs von Chefregisseur Peter Konwitschny, der das Ganze in Auftrag gegeben hatte, nicht zustande kam, an das Heidelberger Theater haben Intendant Holger Schultze und Operndirektor Heribert Germeshausen großen Mut bewiesen, der sich dann auch voll ausgezahlt hat: Der Abend geriet zu einem spektakulären Triumph für alle Beteiligte. Schon vom Musikalischen her war die Aufführung der beiden neuen Werke sehr beeindruckend. Die Klangsprache von Harneit, der auch selbst am Pult stand, ist gleichermaßen packend und energisch, erstaunlich und irritierend, fesselnd und stark unter die Haut gehend. Peter Konwitschny, der zum ersten Mal in Heidelberg am Regiepult Platz genommen hatte, ist ebenfalls eine ausgesprochene Glanzleistung zu bescheinigen. Ein erlesenes Sängerensemble und und der für seine grandiose Leistung gleichfalls sehr zu lobende Chor taten ein Übriges, um dem Abend den Stempel der Extraklasse aufzudrücken. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass das Theater Heidelberg für neue Opern ein ganz ausgezeichnetes Händchen hat. Herzliche Gratulation!                                                                

LS - 6.6.15

 

OLDENBURG

Der Idiot

Die Aufführung von Mieczyslaw Weinbergs grandioser Oper "Der Idiot" am Staatstheater Oldenburg geriet zu einem Opernereignis der Sonderklasse. Es ist schon erstaunlich, wie rasch Weinberg, der vor einigen Jahren in Deutschland noch gänzlich unbekannt war, jetzt das Interesse des Publikums zu wecken versteht. Seine vom Klangbild her stark an Schostakowitsch gemahnende und von der phänomenalen Leitmotivtechnik her stark Richard Wagner angenäherte, einer erweiterten Tonalität huldigende letzte Oper ist etwas ganz Besonderes.

Diese Musik ist einfach wunderbar und berührt einen ganz unmittelbar. Allein der Entschluss, diese selten gespielte, zuvor erst einmal in Mannheim produzierte Oper ins Programm zu nehmen, ist schon sehr begrüßenswert. Wenn dann noch die Inszenierung von Andrea Schwalbach so gelungen ist und die Leistungen von Dirigent, Orchester, Sängern und Chor derart phantastisch sind wie in Oldenburg, gibt das doppelten Anlass zur Freude. Alle Aspekte fügen sich nahtlos zu einer sehr eindrucksvollen, stimmigen Einheit auf exellentem Niveau zusammen und ziehen den begeisterten Zuschauer ganz in ihren Bann. Mit dieser hochkartigen Aufführung, die sich den OPERNFREUND-STERN mehr als verdient hat, ist dem Staatstheater Oldenburg ein ganz großer Wurf gelungen, der viel zu der jetzt hereingebrochenen Weinberg-Renaissance beiträgt. Es wäre schön, wenn sich das Staatstheater Oldenburg dazu entschließen könnte, in absehbarer Zeit auch Weinbergs "Passagierin" einmal auf den Spielplan zu setzen. Vivat Weinberg!

MD & LS 3.6.15

 

AACHEN

Jenufa

Das kann Oper sein! Es sind oft die eigentlich schlichten, unaufgeregten Produktionen, die das Herz des Zuschauers erreichen. So inszeniert am Aachener Theater Michael Helle "Jenufa" von Leos Janacek einfach vom Blatt weg, ohne irgendwelche selbstverliebten Regiemätzchen, dafür mit einer absolut stimmigen ungemein intensiven Regie. Die Sänger sind vom Aussehen, wie vom Gesanglichen einfach perfekt besetzt und durch die Bank weg tolle Darsteller. Kazem Abdullah liefert mit dem Sinfonieorchester Aachen den grandiosen "Soundtrack". Großes Kino, besser noch, große Oper! Die Premierenbesucher, wie der Kritiker waren schier aus dem Häuschen. Dafür den Opernfreund-Stern, danke Theater Aachen.

MF & MC 5.4.15

 

Hagen

Vanessa 

Große Oper in der angeblichen "Provinz". Eine rundherum zufriedenstellende Aufführung von Samuel Barbers selten gespielter "Vanessa", hat das Theater Hagen in ihrer Reihe amerikanischer Opern herausgebracht. Roman Hovenbitzers Inszenierung stellt die Stärken des Werkes mit teilweise filmischen Mittel auf das Beste heraus. Die Sängerbesetzung läßt kaum Wünsche offen. Florian Ludwig bringt Barbers Musik mit dem Sinfonieorchester Hagen zum Glühen ! Mehr geht nicht ! Jedem Opernfreund sei die Reise zu der raren Oper nach Hagen angeraten !

CZ  MF 28.3.14

 

Oper Frankfurt

Die Passagierin

Das Werk des Komponisten Mieczyslaw Weinberg erlebte in der Frankfurter Oper erst seine dritte Produktion und bescherte dem Haus einen nachhaltigen Triumph. Ein Werk des Musiktheaters gegen das Vergessen, auch gegen das Vergeben, aber für die Bejahung des Lebens. Die suggestive Musik erschließt sich dem Zuhörer teilweise unmittelbar, teilweise auf einer verhaltenen Metaebene. Sie gemahnt stark an die Klangsprache Schostakowitschs, lässt den Einfluss von Mahler und Britten erkennen und verarbeitet dabei auch ganz moderne Instrumentations- und Satztechniken. Das Frankfurter Opernorchester musizierte die gut abgesetzte Partitur von ihren lyrischen kammermusikalischen Passagen bis zu den Aufschärfungen à la Schostakowitsch in den tutti unter den Dirigenten Christoph Getschold und Leo Hussain jeweils packend, mitreißend und t nachhaltig unter die Haut gehend. Nicht minder beeindruckend ist die Inszenierung von Anselm Weber, der einen eine überwiegend konkrete Bildersprache wählt, ohne den Zuschauer zu verschrecken, dabei die Inszenierung psychologisch vertieft und verfeinert. Dabei überzeugt neben dem Gesamtkonzept vor allem seine spannende Personenregie. Der von Katja Haß auf die Drehbühne gestellte Kubus lässt mit seinem schnellen Wechsel von „Schiff“ (außen) zu „Lager“ (innen) nicht nur den schnellen Übergang der Zeitebenen zu, sondern gestattet auch große psychologische Permeabilität zischenden beiden Epochen: Naziterror und Restauration. Bettina Walters Kostüme ergänzen und verdeutlichen die Zeitebenen. Dazu gesellt sich - fast ausschließlich aus den Reihen des Frankfurter Ensembles - eine Spitzenbesetzung mit Tanja Ariane Baumgartner und Sara Jakubiak in den weiblichen Hauptrollen. Bei der ausverkauften Derniere der Premierenserie am 28.03. gab es für dieses profilierte Werk der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts vor der Abendkasse Szenen wie zu guten alten Opernzeiten. Für die erste Wiederaufnahme in Frankfurt muss man sich nun bis zum Herbst 2017 gedulden. Aber zwischenzeitlich folgt die Frankfurter Opernleitung einer Einladung für zwei Vorstellungen zu den Wiener Festwochen im Mai 2016. 

LS & ML 29.3.15

 

 

post mortem an

WERNER RUHNAU

Der große Meisterarchitekt und kühne Visionär verstarb 92-jährig in Essen.

Der tolle - heute immer noch in jeder Hinsicht maßstabsetzende ! - Bau des Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen (neben vielen anderen Konstrukten wie z.B. seine Mitarbeit am Theater Münster oder dem Grillo Bau in Essen) wird uns ewig an diesen großen Meister nicht nur der Theater-Baukunst erinnern.

(Foto rechts, vor dem Wandflies des MiR) >>>

Für mich war und ist es immer noch jedesmal eine Freude dieses fabelhafte Theater, egal ob im Hellen oder Dunklen, im Sommer oder Winter zu betreten; es ist immer (noch) eindrucksvoll und strahlt über die Stadt hinaus und die Stadt strahlt durch die beispielhaften Glasfassade ins Theater hinein...

Es gibt Häuser, da geht man immer wieder gerne hin - egal was und wie gut das jeweilige Stück gebracht wird. Das MiR steht bei mir da auf Platz eins.

Gerade in diesem Haus habe ich in den letzten 40 Jahren meine spannendsten Opernerlebnisse gehabt; Abende, die man nie vergißt.

Ruhe in Frieden Werner Ruhnau                                                  

PB / AB 7.3.15

 

Stadttheater Klagenfurt

Dialogues des Carmélites

Die einhellig positiven Kritiken in den führenden - sowohl konservativen als auch eher progressiven - Zeitungen in Österreich bestätigen den Bericht im „Opernfreund“: Hier ist einem kleinen Stadttheater eine exemplarische Produktion auf höchstem Niveau gelungen! Der französische Regisseurs Richard Brunel sorgt für eine geradezu erschreckend aktuelle und spannungsvolle Inszenierung mit blendender Personenführung ohne je vordergründig zeitgeistig zu sein. Die fünf weiblichen Hauptfiguren sind - mit den großen Singschauspielerpersönlichkeiten Laura Tatulescu als Blanche und Heidi Brunner als Mère Blanche an der Spitze - allesamt exzellent besetzt. Das Kärntner Sinfonieorchester unter Alexander Soddy wächst über sich hinaus. Wer auch immer die Möglichkeit hat, diese Aufführung zu besuchen, dem sei dies uneingeschränkt empfohlen!

HB / PB – 18.2.2015

 

OPER BONN

Salome

Selten durchlebt man in einer Oper eine so aufregende Inszenierung, die schon fast wie ein Film wirkt. Aber nicht nur überzeugt der Abend durch eine phänomenale Leistung des Regie-Teams Alexandra Szemerédy & Magdolna Parditka, gleichzeitig verantwortlich auch für Kostüme und Bühnenbild, sondern auch durch vorbildliche Orchester- und Künstlerqualität. Nicola Beller Carbone ist Salome! Spannenderes ist kaum vorstellbar. Dafür gehen wir in die Oper; so wird Oper, als exemplarisches Musiktheater, eine Zukunft haben. Mal wieder ein Erlebnis, eine Offenbarung an einem "bloß" mittleren Theater.

CH / CZ / PB - 9.2.15

 

Deutsche Oper Berlin

Lady Macbeth von Mzensk

Bei dieser Produktion stimmt einfach alles: Ein viel zu selten gespieltes Stück von herausragender musikalischer Qualität erfährt durch den norwegischen Regisseur Ole Anders Tandberg eine kongeniale szenische Umsetzung. Die Verlagerung des Ortes der Handlung von Rußland nach Norwegen ist schlüssig gelungen. Personenführung, Bühnenbild und Beleuchtung greifen perfekt ineinander in dieser atmosphärisch dichten Inszenierung. Alle Hauptpartien sind mit großartigen Sänger-Schauspielern besetzt: Evelyn Herlitzius bietet das Porträt einer Mörderin, der in ihrer Tragik ganz nach dem Wunsch des Komponisten das Mitgefühl des Publikums nicht versagt bleibt. Der große John Tomlinson ist als gefühlsroher Schwiegervater von ehrfurchtgebietender Bühnenpräsenz. Maxim Aksenov gibt den Sergej mit tenoralem Stahl als virilen, aber charakterlosen Frauenheld. Donald Runnicles führt sein hervorragend disponiertes Orchester souverän durch die disparate Partitur. Der szenisch stark geforderte Chor fügt sich präzise in das Klangbild ein. So muß Oper sein. Für die letzte Aufführung in dieser Spielzeit am 14. Februar gibt es noch einige Karten. Wer das versäumt, der versäumt was!

IW / MD - 8.2.15

 

Semperoper Dresden

KÖNIGSKINDER                                         Premiere im Dezember 2014

Märchenhaft an dieser  „Märchen“-Oper ist nur die Musik, umso mehr wenn sie von der „Zauberharfe“ gespielt wird, die unter dem Dirigenten Mikhel Kütson ein zauberhaft tönendes Bilderbuch mit seiner suggestiven Programmatik und feinst ausgemalten Farben aufblättert. Märchenhaft ist in Jetske Mijnssens Inszenierung nicht einmal der erste Aufzug des Werks im Zauberwald, denn schon dort wirft szenographisch das bedrückende Gesellschaftstableau des Mittelakts seine Schatten voraus. Glaubt man, dass Bosheit und Gemeinheit hier den Höhepunkt erreicht haben, so wird im dritten Aufzug noch eins draufgesetzt – bis zum Ende der „traurigsten aller Opern“. Mijnssen legt die Handlung nicht in das Hellastadt einer niedlichen, vfolkloristisch-mittelalterlichen Vergangenheit, sondern in die nicht so ferne Zwischenkriegsgesellschaft, von der unschwer in unsere Gegenwart extrapoliert werden kann. Die damit stellenweise verbundenen Reibungen am Text stehen einem sehr eindringlichen, unter die Haut gehenden Opernabend in keiner Weise entgegen. Musikalisch auch für Wagnerianer! Und es versteht sich, dass die Semperoper in Dresden alle wesentlichen Rollen auch solistisch prächtig besetzen kann – was für ein fantastischer Kinderchor!

CH und ML  im Januar 2015                                                                 

 

 

Staatstheater Mainz

PERELÀ – l’uomo di fumo  (Pascal Dusapin)  - EA -    Premiere im Januar 2015

Die neue Mainzer Produktion ist aus verschiedenen Gründen bemerkenswert. Das fängt schon mit der Programmierung des außergewöhnlichen Stücks an, in welchem sowohl das Sujet als auch die originelle Klangsprache (weit entfernt vom bei zeitgenössischen Opern vielfach anzutreffenden eklektischen Retro-Stil) mitreißen. Die bunte quirlige Inszenierung des parabelhaften Stoffs mit viel szenischer Ironie ist Lydia Steier in Mainz stringent, bruchlos und geschlossen gelungen. Die Ausstattung mit einem ebenso einfachen wir wirkungsvollen Bühnenbild und mit ihrem Akzent auf den fantasiereichen Kostümen runden das Bild ab. Hermann Bäumer beweist wieder einmal, welche Kompetenz er sich in Sachen zeitgenössischer Musik mit dem Mainzer Orchester erarbeitet hat und wie ihm dieses perfekt folgt. Sicher gibt es bei dem einen oder anderen Solisten kleinere Abstriche zu machen; die stören aber nicht das Gesamtbild der Produktion, zumal Personenführung und schauspielerische Leistung von Chor und Ensemble keinen Wunsch offen lässt

ML, Januar 2015

 

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Opernfreund-Stern für ein exemplarisch gelungenes Regiekonzept

der CSARDASFÜRSTIN

Operette hat es schwer. Umso mehr erfreut Dietrich Hilsdorf mit seinem Team das Herz des aufgeschlossenen heutigen Operettenfreundes mit einer Produktion, die mehr als sehenswert ist. Blendend, spannend und intelligent, mit großer Fachkenntnis bis ins letzte Detail der Musik, ausziseliertes Musiktheater in Form von fabelhaften Kostümen, einer tollen Bühnenkonzeption, engagierten Sänger und einem sensationeller agierenden und singenden Chor. Alles dermaßen brillant, daß man über orchestrale Schwächen bei der Premiere leicht hinwegsehen kann. So kann Operette überleben - so wird sie auch Jüngeren begreif- und erlebbar. Nach Konwitschnys bahnbrechender Dresdner Inszenierung nun einen neues Stück Rezeptionsgeschichte. So muß Operette heutzutage inszeniert werden.  

PB Dez 2014

                                                                    

 

Staatstheater Braunschweig

für einen vorbildlichen Spielplan 2014/15

Aus aktuellem Anlass (öffentliche Schmähbriefe und Denunziationen) und auch weil der Text vom Mai wohl versehentlich auf unserem Server gelöscht wurde:

Gratulation an das Braunschweiger Staatstheater in persona des Intendanten Joachim Klement! Ihm  und seinem Team verleihen wir unseren OPERNFREUND-Stern diesmal nicht für eine Produktion, sondern für einen vorbildlichen und auch durchaus ausgewogenen Spielplan. Endlich ein Intendant der weg vom Immergleichen seiner Verantwortung fürs gesamte Musiktheater und seiner Geschichte gerecht wird.

Dies ist ein Spielplan, der international (Ausnahme Frankfurt) seinesgleichen suchen kann und mit hoher Fach- und Sachkenntnis mit anspruchsvollen Werken zusammengestellt wurde. Jedes Theater hat, aufgrund seiner hohen steuerlichen Förderung, auch eine Verpflichtung: neben anspruchsvollem Unterhaltungstheater muß es "Ausgrabungen" guter unbekannter Werke geben, selten gespielte vergessene Werke sollten der Vielfalt halber wiederbelebt werden und es muß auch Uraufführungen geben.

Joachim Klement und sein Team haben sich hier großen und dankenswerten Aufgaben für die neue Saison gestellt.

Da melden sich natürlich, wie gewohnt, sofort die Ewiggestrigen im muffigen Gedankengut der Volksbühnen und Theatergemeinden, die ihren Schweinehirten, die Zauberflöten, Cosis, Holländer, Bohèmes, Toscas und Aidas zurückfordern und meinen ihr lokales selbstbezahltes Opernheimhaus müsse den Zuschauer hofieren und habe deren Geschmack zu bedienen.

Noch einmal: Solch ein fabelhafter und geradezu exemplarischer Spielplan ist preiswürdig und müsste eigentlich – nicht nur lokal - bejubelt werden. Wir tun dies mit dieser Auszeichnung, unserem raren OPERNFREUND-Stern.

Peter Bilsing & Martin Freitag 2.12.14

 

 

Landestheater Salzburg

Rigoletto                                                 Premiere Oktober 2014

Hochkarätiges, spannungsgeladenes Musiktheater stellt die Neuproduktion von Verdis "Rigoletto" des Landestheaters Salzburg dar. Hierbei dürfte es sich um eine der beeindruckendsten Aufführungen des Werkes der vergangenen Jahre handeln. Die gut durchdachte Inszenierung, ein fulminantes Dirigat und ausgezeichnete Sänger formten sich zu einer glanzvollen Einheit, für die das Haus für Mozart einen adäquaten Rahmen lieferte. Amélie Niermeyer siedelt die Handlung weitab von herkömmlichen Traditionen zur Zeit des italienischen Faschismus an und wartet mit einer fesselnden und atmosphärisch dichten Regiearbeit auf. Die Rechnung ist voll aufgegangen, da sich die Handlungselemente der Oper bestens in das totalitäre Regime Italiens der 1930er Jahre einfügen. Alexander Müller-Elmau steuert eine äußerlich ein wenig der Ästhetik von Pasolonis Film "Saló" angeglichene faschistische Machtzentrale bei, in deren verschiedenen Stockwerken sich das Geschehen abspielt. Adrian Kelly und das brillant aufspielende Mozarteum-Orchester Salzburg erwiesen sich als ausgezeichnete Vertreter von Verdis Oper. Und gesungen wurde fast durchweg vorbildlich im Körper, was man nicht alle Tage erlebt und ebenfalls beredtes Zeugnis von dem hohen Niveau des Landestheaters Salzburg ablegt.

Ludwig Steinbach, 12.11.2014

 

 

 

Theater Dortmund

Jesus Christ Superstar                         Premiere im Oktober 2014

Besser geht nicht - nach über 40 Jahren reicht die Qualität dieser wirklich sensationellen Revival-Aufführung durchaus an das Original vom Broadway (1971) heran. Eine in allen Punkten überzeugende Produktion, die jede noch so weite Anreise lohnt! Da geht allen Oldtimer-Rockfreunden das Herz auf...  Übrigens eine Kooperation Bonn/Dortmund - schon in Bonn fast immer ausverkauft. Die Rockoper JCS lebt und hat den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft - ewige Musik überlebt halt immer! Quod erat demonstrandum

Peter Bilsing & Detlef Obens 22.10.14

 

 

Theater Augsburg

JENUFA                                                 Premiere im September 2014

Mit dem Engagement von Regie-Altmeister Peter Konwitschny für Janacecs "Jenufa" ist am bisher eher konventionell geprägten Theater Augsburg ein neuer, moderner szenischer Kurs eingeläutet worden. Wie immer ist Konwitschny voll in seinem Element. Früher hat er bekannnte Opern ganz neu erzählt, hier wartet man auf die von ihm gewohnten Verfremdungen und Provokationen vergeblich. Er bleibt bei der originalen Geschichte, bringt diese aber mit so viel Sorgfalt und Spannung auf die Bühne, dass man vergisst auf die Übertitel zu schauen. In puncto Ausstattung nimmt er gekonnt eine Reduktion auf das Wesentliche vor: Ein Tisch, mehrere Stühle und ein Bett genügen ihm für seine herausragende Regiearbeit. Bei ihm gerät Janacecs Oper zu einem dramatischen psychologischen Kammerspiel. Das durchweg hervorragende Ensemble liefert dazu die Charaktere, die auf den Punkt genau entwickelt sind. Diese "Jenufa" wird auch frühere Konwitschny-Gegner begeistern. In Augsburg erlebte das begeisterte Publikum eine Aufführung auf Festspielniveau. Herzliche Gratulation an die Theaterleitung für diese überaus gelungene Prodouktion.

Rolf Hermes & Ludwig Steinbach, 13.10.2014

 

 

 

Pfalztheater Kaiserlautern

FRIEDENSTAG   (Richard Strauss)            Premiere im September 2014

Friedenstag ist schwer aufzuführen, stellt große Anforderungen an die Theater und füllt dabei nur einen halben Abend. Und mit was soll man den Einakter kombinieren? Diesen Anforderungen stellt sich nun ausgerechnet ein kleineres Regionaltheater und erzielt  mit einer beeindruckenden und bewegenden Produktion weit über die Region hinausgehendes Interesse. Mit dem vollen Aufgebot des Orchesters, prominenten Gastsängern und dem eigenen Sängerensemble sowie einer beziehungsreichen, sehr wirksamen Inszenierung von Kerstin Maria Pöhler wird Strauss‘ Oper szenisch und musikalisch als Antikriegsstück gebracht und um seine Streicherelegie „Metamorphosen“ als szenischem Epilog ergänzt. Mehr unter die Haut gehender Zeitbezug geht kaum. Programmierung, Anlass, Setzung und die Qualität der Aufführung ergeben ein Ganzes, vor dem man nur den Hut ziehen kann. Die Produktion zeugt keine propagandistische Richtung auf, sondern lässt dem Besucher noch viel Raum für eigene Betrachtungen.

Harald Lacina und Manfred Langer, 07.10.2014

 

Frankfurt

ROMEO UND JULIA AUF DEM DORFE                    Premiere im Juni 2014

Dem Frankfurter Intendanten Bernd Loebe ist hoch anzurechnen, dieses reizvolle Werk auf den Spielplan gesetzt zu haben und zugleich mit Regieteam und Besetzung für einen großen Höhepunkt der Saison gesorgt zu haben. Das fabelhafte Orchester unter Paul Daniel, das neben dem Wagner-Erbe mit Emotionalität und Suggestivität auch der Klangsprache von Mahler und Strauss huldigte, war ohnehin wiederum eine Klasse für sich. In hohem Maße gelungen ist die Inszenierung von Eva-Maria Höckmayr. Die Art wie sie die Handlungsträger einfühlsam und stringent zu führen versteht, ohne sie jemals beim Singen zu behindern, ist bemerkenswert. An die Stelle traditionellen romantischen Flairs setzt sie nüchternen Realismus. Frau Höckmayr rollt das Stück von hinten auf und stellt den Protagonisten Alter Egos verschiedener Altersgruppen an die Seite. Treffsicher verzahnt sie die Zeitebenen miteinander: Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, Traum und Wachen, Wirklichkeit und Surrealität laufen parallel ab und überlappen sich zunehmend. Das spiegelt sich auch in dem perfekten Bühnenbild von Christian Schmidt, dessen Drehen, In- und Gegeneinanderschieben der Bühnenteile sich in virtuoser Perfektion zeigt. Mit Amanda Majeski, Johannes Martin Kränzle und auch Jussi Myllis waren die Hauptrollen festspielreif besetzt. Ein wahrhaft außergewöhnlicher Opernabend. 

MD & LS, 13.07.2014

 

 

Berlin Komische Oper

DER FEURIGE ENGEL                                               Premiere Januar 2014

Hochkarätige Präsentation einer sehens- und hörenswerten Rarität: Die Neuproduktion von Prokofjews "Der feurige Engel" hinterließ einen gewaltigen Eindruck. Ein herzliches Dankeschön an die Leitung der Komischen Oper Berlin, dass sie dieses selten gespielte, aber faszinierende Meisterwerk auf den Spielplan gesetzt hat, und noch dazu in der russischen Originalsprache. Der junge Regisseur Benedict Andrews hat das Werk hervorragend durchdacht und mit einer spannungsgeladenen, stringenten Personenregie bestens umgesetzt. Er nähert sich dem Stück von einer surrealistischen, psychoanalytischen Seite aus und fasst das Ganze als Stationendrama auf. Er setzt das Geschehen in Bezug zu David Lynchs Fernsehserie Twin Peaks und identifiziert Renata mit Laura Palmer aus der Serie. Wie diese ist sie ein Missbrauchsopfer. Die Schändung durch den eigenen Vater hat in ihr ein Trauma ausgelöst, das sich in zahlreichen Alter Egos verschiedener Altersgruppen manifestiert. Darüber hinaus hat sie infolge ihrer Psychose einen Vaterkomplex entwickelt. Ihre erotischen Phantasien münden immer wieder in die dominierende Figur des Vaters, der ihr als Graf Heinrich und als Inquisitor erscheint. Sie wird zur Schwester im Geist Elektras. Das beeindruckende Dirigat von Henrik Nánási und fast durchweg ausgezeichnete gesangliche Leistungen brannten sich ebenfalls tief in das Gedächtnis ein. Herzliche Gratulation zu einer rundum gelungenen Aufführung!                                                                               

Ingrid Wanja, Ludwig Steinbach, 15.07.2014

 

 

Osnabrück 

DIE VÖGEL von Walter Braunfels                   Premiere  im Juni 2014

Das Theater Osnabrück ging das Risiko ein, diese wenig bekannte Oper als Darstellung der Zeit des I. Weltkriegs aufzuführen. Dies geschah in einer schlüssigen Inszenierung ohne warnenden Regie-Zeigefinger. Vielmehr ließ sie auch gleichberechtigt Raum den heiteren Handlungsteilen und der rauschhaften Romantik der Oper. Musikalisch erreichte die Aufführung ein sehr hohes Niveau von Orchester und Chor. Die zahlreichen Gesangspartien waren teils erstklassig und sonst ohne Ausnahme die Rollen gestaltend passend besetzt.. Diese Aufführung hatte absolut die Klasse, wie man sie sonst nur bei grösseren und finanziell besser ausgestatteten Häusern erwarten kann.

SB 13.7.14

 

 

Köln

Studiobühne der Universität

LES ENFANTS TERRIBLES

Längst haben unsere Opernhäuser (und auch andere musikalische Institutionen) erkannt, dass sie nicht museal erstarren dürfen. Neue Werke sind allerdings eher etwas für Connaisseurs. Aber mit einer moderaten Tonsprache dürften Jugendliche, auch Kinder zu locken sein. Entsprechende Erfahrungen konnte man bei der seit über einem Jahrzehnt aktiven Kölner Kinderoper machen (seit kurzem gibt es eine entsprechende Kooperation zwischen Düsseldorf/Duisburg, Dortmund und Bonn). Freilich: die mittlere Generation (etwa um die 15) wurde bei alledem nicht erfasst. Das hat die ehemalige Leiterin der Kinderoper, Elena Tzavara, erkannt und noch vor ihrem (unfreiwilligen) Abschied ein Projekt für diese Klientel ins Leben gerufen. Mit der Wahl der Studiobühne im Universitäts-Arreal als Spielort wurde die oft zitierte „Schwellenangst“ nochmals reduziert. Die Besucherzahlen bei „Les enfants terribles“ sprechen für sich. Der Komponist und Minimal-Guru Philip Glass bietet wohltönende Moderne (bei Einsatz von lediglich drei Flügeln), das Sujet über eine tödlich endende, inzestuöse Liebe zwischen Bruder und Schwester (Vorlage: Erzählung von Jean Cocteau) stellt relativ hohe intellektuelle Anforderungen. Anna Horn hat das Werk bei ihrer ersten Opernregie fantasiereich und optisch brisant ins Bild gesetzt. Für die drei Mitglieder des Opernstudios (neben einer ebenfalls dort groß gewordenen Ensemblesängerin) ist die durchaus lasziv zu nennende Story eine große Herausforderung, sängerisch wie darstellerisch, wobei vor allem Erika Simons und Marcelo de Souza Felix nichts weniger als ein Ereignissind. Und die Musik wirkte beim zweiten Besuch noch schlüssiger und suggestiver als bei der Premiere. Riesenbeifall. Weiter so!

05.07.2014 CZ

 

  

München

Gärtnerplatztheater

AIDA                                                                 Premiere im Juni 2014

Das Staatstheater am Gärtnerplatz hat sich zum ersten Mal in die Gefilde des modernen Regietheaters gewagt und einen großen Erfolg für sich verbuchen können. In der Inszenierung von Torsten Fischer knistert es stets vor Spannung. Fischers  hohes handwerkliches Können und Innovationsfähigkeit sind bemerkenswert. Er versteht, Handlungsträger und Chor brillant zu führen, und immer wieder gelingen ihm eindringliche, imposante Bilder einer hochpolitischen Oper: Anhand der machtorientierten Priester, deren Anführer Ramphis die Fäden in der Hand hält, wird eine Staatskirche gezeichnet, in deren Händen der karikative König nur eine Marionette ist. Aida erlebt das Ganze als einen Alptraum vom Bürgerkrieg. Fischers neue Darstellung des Aida-Stoffs gelingt in sich stimmig und ohne große Reibungen am Text und gänzlich ohne Regiemätzchen, Die Qualität der Produktion wird durch  das feurige und ausdrucksstarke Dirigat von GMD Marco Comin und ausgezeichnete Sängerleistungen abgerundet. Es zeugt vom hohen Niveau des Gärtnerplatztheaters, dass es in der Lage ist, einige große Partien gleich doppelt und dabei gleichermaßen hochkarätig zu besetzen. Herzliche Gratulation für diese Leistung und den Opernfreund-Stern. 

LS, Juni 2014

 

  

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein

Death in Venice                                               Premiere im Juni 2014

Eine rundum sehens- und hörenswerte Produktion einer wichtigen Brittenoper, die sämtlichen Apekten des Werkes in konservativer Weise gerecht wird, ohne altbacken oder altmodisch zu wirken. Eine Inszenierung , die man sich auf DVD aufgenommen wünscht, weil sie exakt das Werk abbildet. Eine Produktion die musikalisch und szenisch höchste Beachtung finden sollte, die zeigt wie frisch und aktuell eine "Übernahmeproduktion", die sie eigentlich nicht ist, wirken kann, wenn sie von dem echten, künstlerischen Team selbst verantwortungsvoll neu produziert wird.

MF & CZ 19.6.14

 

 

Würzburg

SALOME                                                          Premiere im April 2014

Eine neue, originelle und weitestgehend schlüssige Darstellung des Werks, die zudem vom handwerklichen Können des jungen Regisseurs Alexander von Pfeil zeugt. Seine Auseinandersetzung mit Strauss' Oper gehört mit zum Besten dessen, was man in letzter Zeit mit Salome zu sehen bekam. Trotz der Modernisierung werden Kern und Wesensgehalt des Stückes nicht angetastet: Von Pfeil zeigt ein verkommenes kriminelles Gesellschaftsgefüge in turbulenter Bewegung. Dazu kamen ein Orchester, das unter Enrico Calesso den ganzen Reiz der Partitur übermitteln konnte, und ein Darstellerensemble, das den anspruchsvollen Rollen voll gerecht wurde. Eine außergeeöhnliche Leistung des Mainfrankentheaters.

ML und LS , 16.06.2016   

 

 

Theater Augsburg

PELLÉAS ET MÉLISANDE             

Für eine in jeder Beziehung gelungene, hochkarätige Umsetzung von Debussys "Pelléas et Mélisande" erhält das Theater den Opernfreund-Stern. Wieder einmal wird offenkundig, dass auch an den  kleinen und mittleren Opernhäusern sehr gute Aufführungen stattfinden. Sehr beeindruckend ist die klug durchdachte, innovative Inszenierung von Yona Kim, die das Geschehen ganz aus dem Inneren der beteiligten Personen heraus deutet. Die psychoanalytische Lupe, unter die sie ganz im Einklang mit den Intentionen von Komponist und Librettist die Handlungen und Emotionen der Protagonisten nimmt, lässt das Ganze trotz eines modernen Rahmens als ausgesprochen werktreu erscheinen. Nicht zuletzt aus der hervorragend gelungenen Visualisierung der surrealen Ebene zieht die Inszenierung ihren ganz großen Reiz. Das treffliche Dirigat von Roland Techet und die vorzüglichen gesanglichen Leistungen tun ein Übriges, um den Abend zu einem ausgesprochenen Erlebnis zu machen, das sich kein Opernfreund entgehen lassen sollte. Die Fahrt nach Augsburg lohnt sich

LS, 28.04.2014                   

 

 

Hamburgische Staatsoper

MADAMA BUTTERFLY                     Premiere September 2012           

Regisseur Vincent Boussard ist das Kunststück gelungen, einen ästhetisch-schönen Rahmen mit einer klug durchdachten und innovativen Regie zu kombinieren. Seine Inszenierung stellt ein eindrucksvolles Gemisch aus traditioneller Oper und anspruchsvollem, spannendem modernem Musiktheater dar und vermag sowohl zeitgenössisch als auch konventionell eingestellte Gemüter zu befriedigen. Die edlen Kostüme des Modeschöpfers Christian Lacroix sind bestes Postkarten-Japan. Und auch das Bühnenbild von Vincent Lemaire ist mit seinen verschiebbaren Wänden, die in immer neue Pastellfarben getaucht werden, durchaus reizvoll. Der mit vielfältigen symbolischen und psychologischen Elementen angereicherte geistige Gehalt des Ganzen ist enorm. So stellt beispielsweise die sich im Hintergrund vom Schnürboden herabwindende und bedrohlich in den Boden bohrende Wendeltreppe das Schicksal mit all seinen Windungen und Verstrickungen dar. Butterfly tritt die Flucht nach Innen an und pendelt ständig auf einer Metaebene zwischen Wahn und Realität hin und her. Das Kind ist eine Plastikpuppe. Es wird zum Prinzip erhoben, objektiviert und funktionalisiert. Das war alles sehr überzeugend. Ein tolles Dirigat und durchweg ausgezeichnete Sängerleistungen taten ein Übriges, die Aufführung als außergewöhnlich einzustufen.

WD und LS, 25.04.2014                        Premierenkritik 2012

                                                          Letzte Kritiken WA 2014

 

  

Bremerhaven

OTELLO  

(Premiere: 25.12.2013)  

und die Gesamtleistung des Hauses

Ein OPERNFREUND-Stern geht nach Bremerhaven für einen szenisch mitreißenden, musikalisch spannenden und erstklassig gesungenen "Otello". Die behutsam modernisierte, klug durchdachte und viel Neues beinhaltende Inszenierung von Bruno Berger-Gorski ist ein Gewinn für die Rezeptionsgeschichte - insbesondere deshalb, weil der Regisseur in Zusammenarbeit mit der wunderbaren Katja Bördner, einer der ersten Sängerinnen des Bremerhaveners Theaters, die Partie der Desdemona ungemein aufwertet. Er befreit sie von ihrer leidigen traditionellen Passivität und drückt ihr den Stempel der Stärke auf. Aus der konventionellen, rührseligen Heulsuse wird eine starke, selbstbewusste Frau. --- Gleichzeitig wollen wir mit dieser Auszeichnung dem Theater Bremerhaven allgemein unsere Anerkennung für seine Leistungen aussprechen. Der "Otello" ist nur eine unter zahlreichen bemerkenswerten Produktionen, mit denen dieses Opernhaus in letzter Zeit auf sich aufmerksam gemacht hat. Dazu gehört auch dessen Aufgeschlossenheit für die moderne Oper. Allein in der Spielzeit 2012/13 standen drei zeitgenössische Werke des Musiktheaters in sehr gelungenen, phantasiereichen Inszenierungen auf dem Spielplan. Auch in Sachen der leichten Muse hatte das Bremerhavener Theater tolle und geschmackvolle Sachen im Angebot. Wir gratulieren einem Haus, das aufgrund seiner großen Leistungen in der Opernlandschaft viel stärker wahrgenommen werden sollte.

WD und LS , 09.03.14                   Hier stehen die Kritiken

  

 

Staatstheater Wiesbaden

DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN                Premiere November 2013

Ansgar Weigner inszeniert eine fulminante musikalische Komödie am Staatstheater - mit vielen gelungenen Einfällen, spannender Personen- und Chorregie und keiner Minute Langeweile in dem variablen stilisierten Bühnenbild und bizarren bunten Kostümen. Dazu liefert das Staatsorchester eine konzentrierte farben- und kontrastreiche Musikdarbietung, nicht zu schrill und auch für konservative Hörgewohnheiten. Die kompakten Leistungen von Chor, Extrachor und Ensemble in Erst- und Zweitbesetzung runden das hohe Niveau des Abends ab. 

ML, 05.01.14                                Hier geht es zur Kritik

 

  

Nationaltheater Mannheim

FALSTAFF                                                       Premiere Dezember 2013

Der Opernfreund-Stern gilt einer modernen originellen Falstaff-Produktion der Extraklasse, die alle schöne Pracht einer konventionellen Inszenierung vergessen lässt und nicht einen Moment der Versuchung erliegt, das Werk zu demontieren; eine in jeder Beziehung stimmige und stilsicher erarbeitete Produktion. Christof Nels Rückgriffe auf historische Elemente des Theaters und deren Umsetzung ein einem modernen Rahmen sind ebenso beeindruckend und überzeugend wie der von Schauspielern verkörperte allegorische Überbau des Ganzen. Das Mannheimer Ensemble besetzt alle Positionen auf hohem Niveau. Das Orchester passgenau mit Prägnanz und Schärfe.  Ein Abend, auf den Verdi stolz gewesen wäre, hätte er im Publikum gesessen. Geeignet für eine lange Lebenszeit im Repertoire des Mannheimer Theaters.

ML & LS, 16.12.2013                                         Die Kritik lesen Sie hier

 

 

Staatstheater Darmstadt

 

Der doppelte WOZZECK                                  Premiere Oktober 2013

Der Opernfreund-Stern für diese Aufsehen erregende Produktion ist doppelt verdient. Einmal für die Programmierung durch Intendant und Regisseur John Dew, der zuletzt leider stark aus dem Standard-Repertoire geschöpft hatte. Den freudlosen Stoff gleich zweimal an einem Abend zu präsentieren und dabei die fast vergessene Gurlitt-Oper wieder vorzustellen, ist gleichermaßen mutig wie spektakulär. Zum zweiten gerät die Realisierung des Doppelabends sowohl szenisch als auch musikalisch zum vollen Erfolg. In einer seiner besten  Regiearbeiten der jüngeren Vergangenheit versteht Dew es ausgezeichnet, die Tragödie (auch auf manchmal völlig leerer Bühne) mittels einer gekonnten stringenten Personenregie eindringlich zum Leben zu erwecken, wobei er den identischen Stoff beider Opern gänzlich unterschiedlich und mit jeweils anderer Ästhetik in Szene setzt. Eine hochklassige Besetzung (fast durchweg aus dem Darmstädter Ensemble) und eine meisterliche Orchesterleistung runden den Abend ab. Unsere Kritiken stehen hier.

ML & LS,  13. 12. 2013

 

  

Dortmund

TANNHÄUSER                                            Premiere Dezember 2013

Während der Rom-Erzählung hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Ich hatte das Gefühl das Publikum wäre sogar physisch vor Spannung gelähmt, immobil geworden den Atem anhaltend. Hier war eine ungeheure Hochspannung geradezu explosiv zum Greifen nahe. Mein Puls näherte sich der 200-er Marke. Achtung: Wagner kann wirklich ihre Gesundheit schädigen!

Selten habe ich eine dermaßen professionelle Bühnengestaltung auch mittels des Mediums Film erlebt. Kay Voges und sein begnadeter Bühnenbildner Daniel Roskamp haben mit den Sängern einige wichtige Sequenzen im Filmstudio drehen lassen, die dann mittels zweier HD-Kinoprojektoren ins Bühnenbild sinnvoll (!) integriert wurden. Das ergab bisher noch nie gesehene verblüffende Effekte auch für alte Opernhasen. Ein Gesamtkunstwerk par excellence ist entstanden. Der alte Richard würde jubilieren ohne Ende.

Und dann ist da Daniel Brenna; ich habe nach Windgassen keinen so überzeugenden Tannhäuser-Darsteller mehr erlebt - was für ein unfassbarer Einstieg als Debütant in eine der schwersten Opernrollen, die es gibt! Brenna gibt alles; er singt bis zur Selbstaufgabe und wir zittern mit ihm und um ihn - dieser Künstler ist Tannhäuser - auch darstellerisch einen Oscar wert. Eine ungeheuerliche Bühnenpräsentation. Die Videos, gedreht teilweise mit einer Hochgeschwindigkeitskamera, von Daniel Hengst sind hollywoodreif; da wirken teilweise auch die Sänger wie große Stummfilm-Mimen, wie Monumente aus einem anderen Jahrhundert. Sie halten jeder Kameragroßaufnahme stand.

Gabriel Feltz lässt die Dortmunder Philharmoniker Bayreuth-reif aufspielen; auch die Chöre sind perfekt, geben alles. Ein Ausnahmeabend...

PB, 03.12.13                                                            zur Kritik

 

 

Hamburgische Staatsoper

DER MEISTER UND MARGARITA             Premiere 14.09.13

Bei der Neuproduktion von York Höllers Oper  an der Hamburger Staatsoper handelt es sich um ein Musterbeispiel in Sachen modernen Musiktheaters. Nicht nur die eindringliche Musik mit ihren zahlreichen Zitaten aus Werken anderer Komponisten blieb nachhaltig in Erinnerung, auch die von Jochen Biganzoli stammende Inszenierung hinterließ einen bleibenden Eindruck. Der Regisseur hat das Werk packend und mit einem überzeugenden geistigen Überbau auf die Bühne gebracht. Zu begeistern vermochte auch das Dirigat des Nürnberger GMD Marcus Bosch, der zusammen mit dem bestens disponierten Orchester ein imposantes, in sich geschlossenes und oft sehr irisierendes Klangbild erzeugte und die schwierigen Tempowechsel mit Bravour bewältigte. Dazu ein durchweg gutes Sängerensemble, aus dem sich insbesondere die Margarita von Christina Damian und Derek Weltons Voland hervortaten. Alles in allem ein hoch spannender, atmosphärisch dichter und stringent umgesetzter Opernabend, der stark unter die Haut ging. Hier ist unsere Kritik der Aufführung vom 26.09.13  

LS,  November 2013

 

 

Oper Frankfurt

ARIADNE AUF NAXOS                             Premiere am 05.10.13

Einen ersten Höhepunkt der neuen Frankfurter Opernsaison stellt diese gekonnte, detail- und spielfreudige Inszenierung von Brigitte Fassbaender dar: geistreiche Boulevardkomödie im ersten, Parodie im zweiten Teil, bis Wagner (Entschuldigung: Bacchus) erscheint. Mit Claudia Mahnke, Brenda Rae und Camilla Nylund steht ein fulminantes Damentrio auf der Bühne. Franz Grundheber mit Altersweisheit als idealtypischer Musilehrer. Sebastian Weigle mit seinem perfekten Orchester erweist sich wieder einmal als ein Meister des Strauss-Dirigats. Dazu als Schmankerl  ein Bühnenbild in einer Qualität, wie es seit einiger Zeit auf der Liste der aussterbenden Spewzies steht.  Demnächst auch auf CD! Hier steht die Kritik.

MD + ML, Oktober 2013

 

 

Ulm/Heilbronn

DIALOGUES DES CARMÉLITES

Premiere in Ulm Februar 2013; Premiere in Heilbronn Oktober 2013

Über die im Februar in Ulm herausgekommende Produktion hatte der Opernfreund leider nicht berichten können; nun kam diese vorzügliche Inszenierung zu einer Gastspielserie ans Theater Heilbronn. Sicher ist der Stoff der Oper nicht jedermanns Geschmack, aber mit welcher Spannung die Regie das bruchlos in Szene gesetzt hat, ist bemerkenswert. Dazu kommen ein überaus einfühlsames Dirigat, ein quasi perfekt aufspielendes Orchester sowie eine solistische Besetzung, die man in einer so homogen hohen Qualität selbst an viel größeren Theatern nicht voraussetzen kann. Große emotionale Oper des 20. Jahrhunderts! (zur Kritik)

ML,  Okt. 2013

 

 

Theater Kiel

JENUFA                                                 Premiere am 28.09.13

Eine Inszenierung nach Maß, modern, aber immer dem Stück verpflichtet, knapp drei Stunden atemlose Spannung, eine Besetzung, die keine Wünsche offen lässt mit zwei herausragenden Sängerinnen in den Hauptrollen, dazu ein beseeltes Dirigat und das alles (natürlich) an einem deutschen Stadttheater. Schon der Mut des Opernhauses Kiel, die Saison mit Leo Janaceks "Jenufa" zu beginnen, verdient Anerkennung, doch die rundum geglückte und beglückende Umsetzung noch mehr. Dafür der Stern vom Opernfreund, für eine Inszenierung, die noch lange nachhallt! Gleich drei Opernfreund-Kritiker (Siehe dort) können nicht irren.

CB,  Sept. 2013

 

 

Nationaltheater Mannheim

DER IDIOT                

Premiere Mai 2013

Ein Opernereignis allererster Güte war die Vorstellung der neuen großen Oper des zu Unrecht fast vergessenen Komponisten Mieczyslaw Weinberg, die fast dreißig Jahre auf ihre Uraufführung warten musste, in einer spannenden und sehr psychologischen Inszenierung.  Dazu kommen ein perfektes Orchester, ein ausdifferenziertes, eindringliches Dirigat sowie überdurchschnittliche Gesangsleistungen. All das ruft geradezu nach der Auszeichnung mit dem  OPERNFREUND-STERN. Neben dem Werk und den szenischen Leistungen gilt der Stern auch der Theaterleitung, die den Mut zu dieser Programmierung hatte, und dem Mannheimer Publikum, das den Saal bei allen Vorstellungen  bis auf den letzten Platz füllte und somit die Unkenrufe über die Zukunft der Oper eindrucksvoll des Feldes verwies. Zu den Kritiken

ML & LS, Juli 2013

 

 

  

Nationaltheater Mannheim

THE TURN OF THE SCREW                          Premiere Juli 2013

Mut gehört heute nicht mehr dazu, diese Oper von Benjamin Britten aufs Programm zu setzen, denn sie ist heute beliebt und vielfach auf den Spielplänen vertreten. Daher hat man auch gute Vergleichsmöglichkeiten. Unter den vielen ordentlichen Inszenierungen der Schraubendrehung gehört zweifellos die des Nationaltheaters von Frank Hilbrich zu den besten. Ihm und seinem Bühnenbildner Volker Thiele gelingt es mustergültig, die ursprüngliche Gespenstergeschichte von Henry James im Sinne der Umdeutung durch Britten zu einer tiefenpsychologischen Studie als nicht genau ergründbares Stück über Halluzination und Wirklichkeit, über Schein und Sein zu machen dessen Vielschichtigkeit in eine komplexe Szenographie projiziert wird, deren Simultanvorgänge die verstörenden Bewusstseinszustände darstellen. Meisterhaft!  Ein Kammermusikensemble aus dem Mannheimer Orchester spielt die Musik perfekt von den feinsten Soli bis zu den Tutti (Mus. Ltg.  Joseph Trafton); aus dem homogen auf hohem Niveau singenden Ensemble der Premiere  ragt als idealtypische Besetzung die wunderbare Astrid Kessler als Gouvernante noch heraus.

ML & LS,  September 2013

zur Erstkritik; zur WA-Kritik

 

 

 

Stadttheater Gießen

AGRIPPINA

Für uns Berichterstatter des Opernfreunds ist es gar nicht ungewöhnlich, dass wir auch bei den kleineren Theatern Leistungen entdecken, die den Opernfreund-Stern verdienen. So jetzt für eine fulminante Inszenierung von Händels Agrippina über Politik in antiker Zeit. Regisseur Balázs Kovalik schenkt er es der heutigen Politik mal richtig ein und verlegt dieses Spiel um Machtkämpfe, Intrigen, Lügen, Verstellung, falsche Versprechungen, Wahlkampf und Inkompetenz in einen deutschen Kindergarten der Jetztzeit. Alle Charaktere sind bei den Kleinen bestens wiederzuerkennen. Zu dem genialen Konzept gesellt sich eine quirlige und handwerklich perfekte Arbeit im Einzelnen sowie eine Ausstattung, in welcher jedes Detail gleichermaßen mit Liebe und Fantasie gestaltet ist. Dazu kam eine frappierende musikalische Qualität. Der neue GMD Michael Hofstetter hievte sein Orchester, quasi ohne Anlauf zu nehmen, in die Top-Liga der Barockmusik, vibrierend vor Spielfreude und glasklar in Transparenz und Präzision. Die Darsteller schlüpften darstellerisch idealtypisch in die Rollen der Kleinen, als hätten sie ein Praktikum in einer Kita gemacht. Seinen eigenen jungen Ensemblemitgliedern hatte das Stadttheater passende Gäste (Countertenöre) zugesellt, so dass auch vokal ein sehr hohes Niveau erreicht wurde, das weitaus größeren Häusern zur Ehre gereicht hätte. Könnte diese Produktion für das Stadttheater nicht  ein Exportartikel sein? Dann würde man diese wunderbare Inszenierung ja noch einmal sehen können.

ML, Mai 2013                                     Zur Kritik

 

  

Frankfurt

DIDO & AENEAS   /  HERZOG BLAUBARTS BURG

Aus zwei verschiedenen Sonnensystemen kommen diese Werke, und sie sind auch so inszeniert. Regisseur Barrie Kosky hat dafür zwei komplementäre Regiearbeiten abgeliefert, die zum Besten zählen, was das zeitgenössische Musiktheater zu bieten hat.

Bei Dido und Aeneas ist er bühnentechnisch auf eine Bühnenfläche von einem Meter beschränkt, versteht es aber, aus diesem „Mangel“ sogar Funken der Bewegungsregie (!) zu schlagen und bringt die Sache virtuos und handwerklich perfekt von einem fröhlich-ahnungslosen Beginn der Hofgesellschaft zu dem bekannten eindringlichen und einsamen Ende der Dido. Ein Barockensemble aus dem Frankfurter Museumsorchester und der fein intonierende Chor bieten Purcell mit geradezu betörender Sogwirkung. An der Spitze des jungen Sängerensembles brilliert Sharon Carty mit ihrem geradezu sensationellen Rollendebut als Dido; das Ensemble spielt das Stück hingebungsvoll von Shakespeare’scher Hexenmagie mit Urkomik bis zum traurigen Ende. Man muss ein Herz aus Stein haben, um davon unberührt zu bleiben.

Dazu ist Herzog Blaubarts Burg auch inszenatorisch Kontrast pur. Dem schmalen Spielstreifen folgt eine schwarze leere Bühne von unendlich scheinenden Dimensionen. Die Spannung auf dem raumgreifenden Drehteller wird nun durch Langsamkeit der Bewegungen erzeugt, dabei ist ein Psychodrama von selten gesehener Intensität durch herausragende schauspielerische Leistungen der beiden Protagonisten in ihrem Ringen miteinander zu erleben. Das große Orchester bringt Bartoks Klangwunderwerk atmosphärisch dicht zur Entfaltung. Leidenschaftlich und engagiert sind auch die stimmlichen Leistungen der Sänger in diesen bestimmt nicht einfachen Rollen.

Perfektes, beglückendes Musiktheater in Frankfurt, für das wir den OF-Stern vergeben. Die Produktion ist zum Edinburgh Festival eingeladen und wird in der nächsten Spielzeit wieder aufgenommen.

MD & ML,  Mai 2013                       Zu den Kritiken

 

  

Dortmund

ANNA NICOLE

Bewundernswert ist schon der Mut der Dortmunder Opernleitung, sich nach der Uraufführung in London als kleineres Haus an die überhaupt zweite Aufführung von „Anna Nicole“ zu wagen; einer Oper, die grosses Orchester, grossen Chor, viele Mitwirkende in verschiedenen Rollen, aufwendige Bühnentechnik und eine schwer zu findende Darstellerin der Titelpartie erfordert und für alle Mitwirkenden neu ist.

Ein Ereignis!

Dieses Wagnis ist nicht nur gelungen, sondern sie ist anders aber durchaus gleichwertig und in einigen Szenen intensiver gespielt als in der Uraufführung, vor allem dank des Einsatzes der Darsteller(innen) der wichtigen Partien, der musikalischen Qualität des Orchesters und der konsequenten Durchführung der Inszenierungsidee.

Oft ist für die Verbreitung einer Oper die zweite Aufführung wichtigere als die Uraufführung, da damit die Spielbarkeit auch an anderen Bühnen bewiesen wird. Insofern kann die Dortmunder Aufführung von „Anna Nicole“ auch andere Bühnen zum Nachspielen veranlassen, was ja an der New Yorker City-Opera demnächst schon beginnt.

Der OPERNFREUND verleiht seine Ehrenauszeichnung auch, weil hier alles stimmt und die Produktion auf wirkjlich allen Ebenen von herausragender Qualität ist, was gleich drei (!) Kritiker übereinstimmend feststellen.     

PB, April 2013

   

 

Stuttgart 

WOZZECK

Wieder einmal ein hochkarätiger Opernabend, der der Staatsoper Stuttgart und seiner phantastischen Chefregisseurin Andrea Moses, die zu den ersten Vetreterinnen ihres Fachs gehört, alle Ehre macht. Was Frau Moses hier auf die Bühne gebracht hat, war Musiktheater pur von großer Eindringlichkeit und Stärke. Ihre ausgesprochen gut durchdachte Sozial- und Gesellschaftsstudie wies große Spannung und Stringenz auf. Einmal mehr hat sie brandaktuellen Zündstoff auf sehr beklemmende Art und Weise abgehandelt und dabei auch nicht versäumt, der modernen Konsumgesellschaft nachhaltig den Spiegel vorzuhalten. Ihr großartiges Plädoyer für die Akzeptanz gesellschftlicher Randgruppen sind uns den Opernfreund-Sterne wert! 
 
ML &  LS,  Februar 2013

  

 

Heidelberg

ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

Wieder einmal hat sich nachhaltig erwiesen, dass an den sog. kleinen und mittleren Häusern die besten Aufführungen stattfinden: Die einfach grandiose, ungemein spannend und fulminant umgesetzte moderne Regiearbeit der jungen Nadja Loschky mit stark psychologischem Einschlag hat sich den Opernfreund-Stern mehr als verdient. Der Besuch dieser absoluten Sternstunde hochkarätigen, spannenden Musiktheaters, die das derzeit beste Aushängeschild für das schon oft bewährte Heidelberger Theater ist und von der man sich eine DVD-Aufzeichnung wünschen würde, wird dringendst empfohlen.               

LS, Januar 2013

 

  

Zürich

TANNHÄUSER

Bei der Verleihung eines OF-Sterns an eines der europäischen Spitzenhäuser muss ein besonders strenger Maßstab angelegt werden, umso mehr, wenn es sich um die Auszeichnung der Produktion des Hauptrepertoires handelt. Bei der Zürcher Tannhäuser-Wiederaufnahme 2013 stimmte einfach alles. Die Arbeit des bekennenden Opernfreundes und Regie-Altmeisters Harry Kupfer genügt mit ihrem intelligenten und packenden Konzept und der tiefgründigen und subtilen, bis ins kleinste Detail gekonnten Umsetzung, insbesondere der spannenden Personenführung höchsten Ansprüchen. Nahe am Libretto gestaltet, wurde das schwierige Werk Wagners in eine äußerst beziehungsreiche Gegenwart versetzt. Dazu ein kongeniales Bühnenbild von Hans Schavernoch.  Mit der quasi perfekt aufspielenden Philharmonia gelang es Marc Albrecht, die Dramatik der Musik mit zeitweise großer Energie-freisetzung noch packend zu schärfen und aufwühlende Momente zu erzeugen. Dazu setzte Besetzungsliste mit Vesselina Kasarova, Peter Seiffert, Anja Harteros und Michael Nagy (in der Reihenfolge des Auftritts) ein weiteres Glanzlicht, das wohl noch einige Zeit auf seinesgleichen suchen dürfte.                                                                  

ML,  Januar 2013

 

  

Stuttgart

DER SCHAUM DER TAGE

Mit der Ausgrabung dieser absoluten Rarität ist der Stuttgarter Staatsoper ein ganz großer Coup gelungen! Die grandiose Neuproduktion ist in hohem Maße geeignet, das Werk für den internationalen Opernbetrieb wieder zu rehabilitieren. Hier haben wir es mit einer insbesondere musikalisch und szenisch hockarätigen Aufführung von enormer Eindringlichkeit zu tun. Die vielschichtige Musik, das intensive und ausdrucksstarke Dirigat des neuen GMD Sylvain Cambreling sowie die stringente, atmopsphärisch dichte und hoch innovative, einen starken philosophischen Einschlag aufweisenden Inszenierung des schon oft bewährten Regie-Teams Jossi Wieler und Sergio Morabito haben sich den OPERNFREUND-STERN mehr als verdient.    

LS, Dezember 2012

 

  

Bonn

NORMA

Eine gewitzt-satirische Operntravestie kontrastiert mit dem Seelendrama und läßt den begeisterten Musiktheater-Fan alle Gefühlswallungen durchleben. Eine lebendige hochspannende Inszenierung, die alles bietet, was man sich vom heutigen Theater nur wünschen kann. Dabei wird nur in Grenzen gegen den Strich gebürstet - das Regieteam nahm das Stück sogar ausgesprochen ernst. Bezüglich der Qualität der Solisten, das sei voraus-geschickt, braucht sich die Oper Bonn mit ihren Ensemble-Sängern, verstärkt nur durch eine Gastsängerin, selbst vor ganz großen Häusern nicht zu verstecken.

So wird der klamaukig-klamottigen Asterix-Opernparodie mit buntem Chor und Banda das Leben der Norma mit ihren beiden illegitimen Kindern und das Eifersuchtsdrama mit dem Dreiecksverhältnis Norma-Adalgisa-Pollione als jetzt-zeitliche Beziehungkiste im Hinterbühnenbereich entgegengestellt; gewissermaßen ein Blick hinter die Kulissen des Zauber- und Illusionkasten der heutigen Opernbühne.

Ein hinzu erfundener Intendant (fabelhafte schauspielerische Leistung) treibt die Leute an, Zuckerbrot und Peitsche sind dabei seine Stilmittel, er geht dabei auch unmittelbar in die Handlung hinein. Wenn auch mit spürbaren und gewollten Holperigkeiten durch die Interventionen des Intendanten verschweißt die Regie die drei Dimensionen zu einem geschlossenen Ganzen und lässt sie zum Schluss überraschend konvergieren.

Wenn man als Zuschauer nicht in die Oper geht, um sich einer romantischen Illusion des stets Gleichen und allseits Bekannten hinzugeben oder dem Rampengesang zu frönen, muss man sich mit dieser originellen Lesart des Werks anfreunden können.

Ein grandioser Opernabend!                               

PB & ML, November 2012

  

 

Frankfurt    

PELLÉAS & MÉLISANDE

Eine internationale Spitzenleistung ist in Frankfurt mit der Neuproduktion von Pelléas et Mélisande zu verbuchen. Die bis ins Letzte durchdachte ausgefeilte Regiearbeit von Claus Guth zeigt, dass es auch ohne Brunnen, Grotten, Türme und finstere Burgen geht. Die beklemmende Atmosphäre von Allemonde spielt in einem Herrenhaus, aus welchem es Entrinnen nur ins schwarze Nichts gibt. Personenregie vom Feinsten. Hinzu kommt Christian Schmidts bestechendes Bühnenbild. Die Oper Frankfurt bietet dazu eine Besetzung mit Christian Gerhaher, Christiane Karg (beide in Rollendebuts!) und Paul Gay auf, wie sie wohl nur alle Dutzend Jahre erlebbar ist: durchweg idealtypische Sänger und Darsteller, deren französische Diktion zudem geradezu den Neid anderer Häuser hervorrufen sollte. Das nicht Greifbare des Werks wird abgerundet durch Friedemann Layers Dirigat und das perfekt aufspielende Orchester, wobei Layer sich von Debussy-Klischees entfernt hält. Ein OF-Stern für diese Produktion, womit auch die Frage aufgeworfen sein soll, warum die ganz großen Musentempel für solche Qualitätsproduktionen das doppelte Budget benötigen. Und wieder eine Oper des randständigen Repertoires in Frankfurt, deren Premierenserie so gut wie ausverkauft ist.                    

ML,  November 2012

 

 

Krefeld

MAZEPPA

Wenn ein finanziell so knapp dimensioniertes Haus solch eine grandiose Aufführung auf die Bretter stellt, ist das der Redaktion den OPERNFREUND- STERN wert. Regisseurin Helen Malkowsky bietet eine so intelligente, wie spannende Inszenierung - überzeugendes Musiktheater, kein Folklore-plunder (!) und durchweg hervorragernder Gesang sowie ein fabelhaftes Orchester. Man spricht endlich wieder überregional über die Vereinigten Bühnen. Die dreieinviertel Stunden russisch gesungene Oper vergehen fast zu schnell und hinterlassen an allen bisherigen Abenden ein begeistertes Publikum, das von dem unbekannten Werk und der grandiosen Vorstellung überrascht und hingerissen ist. Die Krefelder haben verstanden, daß ihnen hier ganz große Oper geboten wird.                  

PB & MF, Oktober 2012

 

 

Bremen

MAHAGONNY

Die absolut beste und ungewöhnlichste "Mahagonny"-Inszenierung, die ich je gesehen habe, ein überaus gelungenen Abend. Der ganze Abend beruhte auf Brechtcher Verfremdung. Der neue Leiter des Musiktheaters Benedikt von Peter lässt das gesamte Opernhaus bespielen. Er hebt die Grenze zwischen Bühne und Parkett, Sängern und Publikum in einer noch nie dagewesenen Weise auf. Das hatte eine ungemein unter die Haut gehende emotionale Unmittelbarkeit zur Folge. Einfach atemberaubend!   Wenn diese Produktion ein Maßstab dafür ist, was man regiemäßig am Bremer Theater in den nächsten Jahren erwarten kann, steht ihm eine große Zukunft bevor. 

LS , Oktober 2012

 
  

Coburg

DON GIOVANNI

Selten hat man eine so gute Realisation von Mozarts großem Menschheits- drama gesehen wie in Coburg. Soren Schuhmachers geniale, einen starken psychologischen Einschlag aufweisende, spannende und stringente moderne Regie, das hervorragende Dirigat von GMD Roland Kluttig und das erlesene Sängerensemble mit der wunderbaren Sofia Kallio und dem prächtigen Norman D. Patzke an der Spitze ergaben einen ungemein hochkarätigen Opernabend von großem Glanz. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass man die besten Inszenierungen an den sog. kleinen und mittleren Operntheatern findet, wo durchweg ausgezeichnete Arbeit geleistet wird. Jedenfalls hat sich mein Wahlspruch "Verachtet mir die kleinen Häuser nicht und ehrt mir ihre Aufführungen" wieder einmal auf das Hervorragendste bestätigt. Ein herzliches Dankeschön an das Landestheater Coburg und seinen Intendanten Bodo Busse für diese ausgezeichnete Aufführung, die jedem Opernfreund nachhaltig ans Herz gelegt wird. Die Fahrt nach Coburg lohnt sich!                                         

LS, September 2012

 

  

 

Frankfurt

 

KÖNIGSKINDER

Frankfurt landet wieder einen Volltreffer mit dem Wagnis zu Humperdincks „Königskinder“. Zwar ist die Inszenierung nicht frei von Schwächen, aber die Mehrschichtigkeit dieses Stücks vom Wald- und Hexenmärchen über groteske Gesellschaftsatire zu vertaner Erneuerung oder Erlösung wird überzeugend präsentiert. Das feine Frankfurter Sängerensemble ist in den Hauptrollen durch Gäste komplettiert. die für eine selten zu erlebende Homogenität im obersten Qualitätssegment sorgen, ohne dass „Stars“ hätten verpflichtet werden müssen. Wieder einmal hat die Intendanz mit bestem Augenmaß agiert. Dazu kommt die schon sprichwörtliche Perfektion des Frankfurter Opernorchesters, das mit seinem GMD kammermusikalische Transparenz,  fein ausdifferenzierte Farben und Tiefe herausarbeitete und nicht mit verführerischem Schönklang oder gar spätromantischen Dröhnen zu punkten versucht. Der OF-Stern für diese Neuproduktion der traurigsten aller Opern.                                              

ML, Oktober 2012

 

  

Bonn                                         

HINDEMITH-TRIPTYCHON

Einst gab es Opernskandale ohne Ende. Jahrzehntelang versuchte die Katholische Kirche SANCTA SUSANNA zu verbieten; später hat Hindemith um weiteren Ärger zu vermeiden das ganze Triptychon jahrzehntelang gesperrt. Jetzt liegt es in Bonn in einer grandiosen Produktion von Klaus Weise vor; aber nichts für schwache Nerven! Was für eine wahnsinnige Musik; vom GMD Stefan Blunier und den Bonner Musikern einfach traumhaft umgesetzt. Unglaubliche Sänger-Leistungen. Wer diese Mega-Rarität nun verpasst, dem ist nicht mehr zu helfen.   

PB , September 2012

 

  

 

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