DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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Der OPERNFREUND-Stern *

                                                                          (c) Gerd Altmann  / pixelio.de

wird für Produktionen verliehen, die in der Regel von zwei Opernfreund-Kritikern nicht nur als "sehr empfehlenswert" bewertet wurden, sondern die als ganz besonders und vorbildlich gelungene Musik-Theaterabende unseren Lesern ans Herz gelegt werden.

 

 

 

Stadttheater Bremerhaven

OTELLO   (Premiere: 25.12.2013)   und die Gesamtleistung des Hauses

Ein OPERNFREUND-Stern geht nach Bremerhaven für einen szenisch mitreißenden, musikalisch spannenden und erstklassig gesungenen "Otello". Die behutsam modernisierte, klug durchdachte und viel Neues beinhaltende Inszenierung von Bruno Berger-Gorski ist ein Gewinn für die Rezeptionsgeschichte - insbesondere deshalb, weil der Regisseur in Zusammenarbeit mit der wunderbaren Katja Bördner, einer der ersten Sängerinnen des Bremerhaveners Theaters, die Partie der Desdemona ungemein aufwertet. Er befreit sie von ihrer leidigen traditionellen Passivität und drückt ihr den Stempel der Stärke auf. Aus der konventionellen, rührseligen Heulsuse wird eine starke, selbstbewusste Frau. --- Gleichzeitig wollen wir mit dieser Auszeichnung dem Theater Bremerhaven allgemein unsere Anerkennung für seine Leistungen aussprechen. Der "Otello" ist nur eine unter zahlreichen bemerkenswerten Produktionen, mit denen dieses Opernhaus in letzter Zeit auf sich aufmerksam gemacht hat. Dazu gehört auch dessen Aufgeschlossenheit für die moderne Oper. Allein in der Spielzeit 2012/13 standen drei zeitgenössische Werke des Musiktheaters in sehr gelungenen, phantasiereichen Inszenierungen auf dem Spielplan. Auch in Sachen der leichten Muse hatte das Bremerhavener Theater tolle und geschmackvolle Sachen im Angebot. Wir gratulieren einem Haus, das aufgrund seiner großen Leistungen in der Opernlandschaft viel stärker wahrgenommen werden sollte.

WD und LS , 09.03.14                   Hier stehen die Kritiken

 

 

 

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN                Premiere November 2013

Ansgar Weigner inszeniert eine fulminante musikalische Komödie am Staatstheater - mit vielen gelungenen Einfällen, spannender Personen- und Chorregie und keiner Minute Langeweile in dem variablen stilisierten Bühnenbild und bizarren bunten Kostümen. Dazu liefert das Staatsorchester eine konzentrierte farben- und kontrastreiche Musikdarbietung, nicht zu schrill und auch für konservative Hörgewohnheiten. Die kompakten Leistungen von Chor, Extrachor und Ensemble in Erst- und Zweitbesetzung runden das hohe Niveau des Abends ab. 

ML, 05.01.14                                Hier geht es zur Kritik

 

 

 

Nationaltheater Mannheim

FALSTAFF                                                       Premiere Dezember 2013

Der Opernfreund-Stern gilt einer modernen originellen Falstaff-Produktion der Extraklasse, die alle schöne Pracht einer konventionellen Inszenierung vergessen lässt und nicht einen Moment der Versuchung erliegt, das Werk zu demontieren; eine  in jeder Beziehung stimmige und stilsicher erarbeitete Produktion. Christof Nels Rückgriffe auf historische Elemente des Theaters und deren Umsetzung ein einem  modernen Rahmen sind ebenso beeindruckend und überzeugend wie der von Schauspielern verkörperte allegorische Überbau des Ganzen. Das Mannheimer Ensemble besetzt alle Positionen auf hohem Niveau. Das Orchester passgenau mit Prägnanz und Schärfe.  Ein Abend, auf den Verdi stolz gewesen wäre, hätte er im Publikum gesessen. Geeignet für eine lange Lebenszeit im Repertoire des Mannheimer Theaters.

ML & LS, 16.12.2013                     Die Kritik lesen Sie hier

 

 

Staatstheater Darmstadt

Der doppelte WOZZECK                                  Premiere Oktober 2013

 Der Opernfreund-Stern für diese Aufsehen erregende Produktion ist doppelt verdient. Einmal für die Programmierung durch Intendant und Regisseur John Dew, der zuletzt leider stark aus dem Standard-Repertoire geschöpft hatte. Den freudlosen Stoff gleich zweimal an einem Abend zu präsentieren und dabei die fast vergessene Gurlitt-Oper wieder vorzustellen, ist gleichermaßen mutig wie spektakulär. Zum zweiten gerät die Realisierung des Doppelabends sowohl szenisch als auch musikalisch zum vollen Erfolg. In einer seiner besten  Regiearbeiten der jüngeren Vergangenheit versteht Dew es ausgezeichnet, die Tragödie (auch auf manchmal völlig leerer Bühne) mittels einer gekonnten stringenten Personenregie eindringlich zum Leben zu erwecken, wobei er den identischen Stoff beider Opern gänzlich unterschiedlich und mit jeweils anderer Ästhetik in Szene setzt. Eine hochklassige Besetzung (fast durchweg aus dem Darmstädter Ensemble) und eine meisterliche Orchesterleistung runden den Abend ab. Unsere Kritiken stehen hier.

ML & LS,  13. 12. 2013

 

 

 

Oper Dortmund

TANNHÄUSER                                            Premiere Dezember 2013

Während der Rom-Erzählung hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Ich hatte das Gefühl das Publikum wäre sogar physisch vor Spannung gelähmt, immobil geworden den Atem anhaltend. Hier war eine ungeheure Hochspannung geradezu explosiv zum Greifen nahe. Mein Puls näherte sich der 200-er Marke. Achtung: Wagner kann wirklich ihre Gesundheit schädigen!

Selten habe ich eine dermaßen professionelle Bühnengestaltung auch mittels des Mediums Film erlebt. Kay Voges und sein begnadeter Bühnenbildner Daniel Roskamp haben mit den Sängern einige wichtige Sequenzen im Filmstudio drehen lassen, die dann mittels zweier HD-Kinoprojektoren ins Bühnenbild sinnvoll (!) integriert wurden. Das ergab bisher noch nie gesehene verblüffende Effekte auch für alte Opernhasen. Ein Gesamtkunstwerk par excellence ist entstanden. Der alte Richard würde jubilieren ohne Ende.

Und dann ist da Daniel Brenna; ich habe nach Windgassen keinen so überzeugenden Tannhäuser-Darsteller mehr erlebt (und ich habe viele gehört...) - was für ein unfassbarer Einstieg als Debütant in diese wahrscheinlich schwerste Opernrolle, die es gibt. Brenna gibt alles; er singt bis zur Selbstaufgabe und wir zittern mit ihm und um ihn - dieser Künstler ist Tannhäuser - auch darstellerisch einen Oscar wert. Eine ungeheuerliche Bühnenpräsentation. Die Videos, gedreht teilweise mit einer Hochgeschwindigkeitskamera, von Daniel Hengst sind hollywoodreif; da wirken teilweise auch die Sänger wie große Stummfilm-Mimen, wie Monumente aus einem anderen Jahrhundert. Sie halten jeder Kameragroßaufnahme stand.

Gabriel Feltz lässt die Dortmunder Philharmoniker Bayreuth-reif aufspielen; auch die Chöre sind perfekt, geben alles. Ein Ausnahmeabend...

PB, 03.12.13                                                            zur Kritik

 

 

Hamburgische Staatsoper

DER MEISTER UND MARGARITA             Premiere 14.09.13

Bei der Neuproduktion von York Höllers Oper  an der Hamburger Staatsoper handelt es sich um ein Musterbeispiel in Sachen modernen Musiktheaters. Nicht nur die eindringliche Musik mit ihren zahlreichen Zitaten aus Werken anderer Komponisten blieb nachhaltig in Erinnerung, auch die von Jochen Biganzoli stammende Inszenierung hinterließ einen bleibenden Eindruck. Der Regisseur hat das Werk packend und mit einem überzeugenden geistigen Überbau auf die Bühne gebracht. Zu begeistern vermochte auch das Dirigat des Nürnberger GMD Marcus Bosch, der zusammen mit dem bestens disponierten Orchester ein imposantes, in sich geschlossenes und oft sehr irisierendes Klangbild erzeugte und die schwierigen Tempowechsel mit Bravour bewältigte. Dazu ein durchweg gutes Sängerensemble, aus dem sich insbesondere die Margarita von Christina Damian und Derek Weltons Voland hervortaten. Alles in allem ein hoch spannender, atmosphärisch dichter und stringent umgesetzter Opernabend, der stark unter die Haut ging. Hier ist unsere Kritik der Aufführung vom 26.09.13  

LS,  November 2013

 

 

Oper Frankfurt

ARIADNE AUF NAXOS                             Premiere am 05.10.13

Einen ersten Höhepunkt der neuen Frankfurter Opernsaison stellt diese gekonnte, detail- und spielfreudige Inszenierung von Brigitte Fassbaender dar: geistreiche Boulevardkomödie im ersten, Parodie im zweiten Teil, bis Wagner (Entschuldigung: Bacchus) erscheint. Mit Claudia Mahnke, Brenda Rae und Camilla Nylund steht ein fulminantes Damentrio auf der Bühne. Franz Grundheber mit Altersweisheit als idealtypischer Musilehrer. Sebastian Weigle mit seinem perfekten Orchester erweist sich wieder einmal als ein Meister des Strauss-Dirigats. Dazu als Schmankerl  ein Bühnenbild in einer Qualität, wie es seit einiger Zeit auf der Liste der aussterbenden Spewzies steht.  Demnächst auch auf CD! Hier steht die Kritik.

MD + ML, Oktober 2013

 

 

Theater Ulm/Theater Heilbronn

DIALOGUES DES CARMÉLITES

Premiere in Ulm Februar 2013; Premiere in Heilbronn Oktober 2013

Über die im Februar in Ulm herausgekommende Produktion hatte der Opernfreund leider nicht berichten können; nun kam diese vorzügliche Inszenierung zu einer Gastspielserie ans Theater Heilbronn. Sicher ist der Stoff der Oper nicht jedermanns Geschmack, aber mit welcher Spannung die Regie das bruchlos in Szene gesetzt hat, ist bemerkenswert. Dazu kommen ein überaus einfühlsames Dirigat, ein quasi perfekt aufspielendes Orchester sowie eine solistische Besetzung, die man in einer so homogen hohen Qualität selbst an viel größeren Theatern nicht voraussetzen kann. Große emotionale Oper des 20. Jahrhunderts! (zur Kritik)

ML,  Okt. 2013

 

 

Theater Kiel

JENUFA                                                 Premiere am 28.09.13

Eine Inszenierung nach Maß, modern, aber immer dem Stück verpflichtet, knapp drei Stunden atemlose Spannung, eine Besetzung, die keine Wünsche offen lässt mit zwei herausragenden Sängerinnen in den Hauptrollen, dazu ein beseeltes Dirigat und das alles (natürlich) an einem deutschen Stadttheater. Schon der Mut des Opernhauses Kiel, die Saison mit Leo Janaceks "Jenufa" zu beginnen, verdient Anerkennung, doch die rundum geglückte und beglückende Umsetzung noch mehr. Dafür der Stern vom Opernfreund, für eine Inszenierung, die noch lange nachhallt! Gleich drei Opernfreund-Kritiker (Siehe dort) können nicht irren.

CB,  Sept. 2013

 

 

Nationaltheater Mannheim

DER IDIOT                

Premiere Mai 2013

Ein Opernereignis allererster Güte war die Vorstellung der neuen großen Oper des zu Unrecht fast vergessenen Komponisten Mieczyslaw Weinberg, die fast dreißig Jahre auf ihre Uraufführung warten musste, in einer spannenden und sehr psychologischen Inszenierung.  Dazu kommen ein perfektes Orchester, ein ausdifferenziertes, eindringliches Dirigat sowie überdurchschnittliche Gesangsleistungen. All das ruft geradezu nach der Auszeichnung mit dem  OPERNFREUND-STERN. Neben dem Werk und den szenischen Leistungen gilt der Stern auch der Theaterleitung, die den Mut zu dieser Programmierung hatte, und dem Mannheimer Publikum, das den Saal bei allen Vorstellungen  bis auf den letzten Platz füllte und somit die Unkenrufe über die Zukunft der Oper eindrucksvoll des Feldes verwies. Zu den Kritiken

ML & LS, Juli 2013

 

STEFAN SOLTESZ

"Ich habe kontinuierliche Arbeit am Aalto Theater geleistet"

Ein großer Künstler geht. Er hat aus einem besseren Stadttheater ein vielfach ausgezeichnetes Weltklasseopernhaus gemacht. Arvo Aalto hätte sich keinen besseren Intendanten als Stefan Soltesz für seinen Essener Kulturtempel wünschen können. In diesem Juwel von modernem Theater (optisch wie akustisch), einem architektonischen Meisterwerk (sicherlich eines der schönsten in Europa, wenn nicht weltweit) stand 16 Jahre lang ein Ausnahmekünstler am Pult und bestimmte auch hinter den Kulissen, wo es lang ging. Wenn man überhaupt je zu Recht von einer Ära spricht, dann hat der vielfach malträtierte Begriff hier seine Berechtigung. Die Ära Soltesz ist nun zu Ende.

Ich kenne keinen anderen Weltklassedirigenten, der soviel an seinem eigenen Haus dirigiert hat. Stefan Soltesz lebte im und für sein Aalto-Theater mit einem Engagement, welches seinesgleichen sucht.

Am ende verweigert ihm das Orchester die Auszeihnung des "Ehrendirigenten". Was für eine peinliche Provinzposse sondergleichen - vielleicht schon erstes Signum für den Rückfall des Essener Opernhauses in die Provinzialität der alten Tage der Vor-Soltesz-Zeit.

Wie auch immer, was auch immer, DER OPERNFREUND verleiht seine besondere Auszeichnung, namlich den OPERNFREUND-STERN diesmal keiner Opernproduktion, sondern sie geht an Stefan Soltesz - für die jahrelange Freude und hohe Qualität, die wir, unsere Kritikerkollegen und tausende andere Opernfreunde, die teilweise weit anreisten in seinem Haus 16 Jahre lang genießen durften.

Danke Stefan Soltesz - und gutes Weiterwirken anderswo

PB

 

 

 

Nationaltheater Mannheim

THE TURN OF THE SCREW

Premiere Juli 2013

Mut gehört heute nicht mehr dazu, diese Oper von Benjamin Britten aufs Programm zu setzen, denn sie ist heute beliebt und vielfach auf den Spielplänen vertreten. Daher hat man auch gute Vergleichsmöglichkeiten. Unter den vielen ordentlichen Inszenierungen der Schraubendrehung gehört zweifellos die des Nationaltheaters von Frank Hilbrich zu den besten. Ihm und seinem Bühnenbildner Volker Thiele gelingt es mustergültig, die ursprüngliche Gespenstergeschichte von Henry James im Sinne der Umdeutung durch Britten zu einer tiefenpsychologischen Studie als nicht genau ergründbares Stück über Halluzination und Wirklichkeit, über Schein und Sein zu machen dessen Vielschichtigkeit in eine komplexe Szenographie projiziert wird, deren Simultanvorgänge die verstörenden Bewusstseinszustände darstellen. Meisterhaft!  Ein Kammermusikensemble aus dem Mannheimer Orchester spielt die Musik perfekt von den feinsten Soli bis zu den Tutti (Mus. Ltg.  Joseph Trafton); aus dem homogen auf hohem Niveau singenden Ensemble der Premiere  ragt als idealtypische Besetzung die wunderbare Astrid Kessler als Gouvernante noch heraus.

ML & LS,  September 2013

zur Erstkritik; zur WA-Kritik

 

 

Stadttheater Gießen

AGRIPPINA

Für uns Berichterstatter des Opernfreunds ist es gar nicht ungewöhnlich, dass wir auch bei den kleineren Theatern Leistungen entdecken, die den Opernfreund-Stern verdienen. So jetzt für eine fulminante Inszenierung von Händels Agrippina über Politik in antiker Zeit. Regisseur Balázs Kovalik schenkt er es der heutigen Politik mal richtig ein und verlegt dieses Spiel um Machtkämpfe, Intrigen, Lügen, Verstellung, falsche Versprechungen, Wahlkampf und Inkompetenz in einen deutschen Kindergarten der Jetztzeit. Alle Charaktere sind bei den Kleinen bestens wiederzuerkennen. Zu dem genialen Konzept gesellt sich eine quirlige und handwerklich perfekte Arbeit im Einzelnen sowie eine Ausstattung, in welcher jedes Detail gleichermaßen mit Liebe und Fantasie gestaltet ist. Dazu kam eine frappierende musikalische Qualität. Der neue GMD Michael Hofstetter hievte sein Orchester, quasi ohne Anlauf zu nehmen, in die Top-Liga der Barockmusik, vibrierend vor Spielfreude und glasklar in Transparenz und Präzision. Die Darsteller schlüpften darstellerisch idealtypisch in die Rollen der Kleinen, als hätten sie ein Praktikum in einer Kita gemacht. Seinen eigenen jungen Ensemblemitgliedern hatte das Stadttheater passende Gäste (Countertenöre) zugesellt, so dass auch vokal ein sehr hohes Niveau erreicht wurde, das weitaus größeren Häusern zur Ehre gereicht hätte. Könnte diese Produktion für das Stadttheater nicht  ein Exportartikel sein? Dann würde man diese wunderbare Inszenierung ja noch einmal sehen können.

ML, Mai 2013                                     Zur Kritik

 

 

 

Frankfurt

DIDO & AENEAS   /  HERZOG BLAUBARTS BURG

Aus zwei verschiedenen Sonnensystemen kommen diese Werke, und sie sind auch so inszeniert. Regisseur Barrie Kosky hat dafür zwei komplementäre Regiearbeiten abgeliefert, die zum Besten zählen, was das zeitgenössische Musiktheater zu bieten hat.

Bei Dido und Aeneas ist er bühnentechnisch auf eine Bühnenfläche von einem Meter beschränkt, versteht es aber, aus diesem „Mangel“ sogar Funken der Bewegungsregie (!) zu schlagen und bringt die Sache virtuos und handwerklich perfekt von einem fröhlich-ahnungslosen Beginn der Hofgesellschaft zu dem bekannten eindringlichen und einsamen Ende der Dido. Ein Barockensemble aus dem Frankfurter Museumsorchester und der fein intonierende Chor bieten Purcell mit geradezu betörender Sogwirkung. An der Spitze des jungen Sängerensembles brilliert Sharon Carty mit ihrem geradezu sensationellen Rollendebut als Dido; das Ensemble spielt das Stück hingebungsvoll von Shakespeare’scher Hexenmagie mit Urkomik bis zum traurigen Ende. Man muss ein Herz aus Stein haben, um davon unberührt zu bleiben.

Dazu ist Herzog Blaubarts Burg auch inszenatorisch Kontrast pur. Dem schmalen Spielstreifen folgt eine schwarze leere Bühne von unendlich scheinenden Dimensionen. Die Spannung auf dem raumgreifenden Drehteller wird nun durch Langsamkeit der Bewegungen erzeugt, dabei ist ein Psychodrama von selten gesehener Intensität durch herausragende schauspielerische Leistungen der beiden Protagonisten in ihrem Ringen miteinander zu erleben. Das große Orchester bringt Bartoks Klangwunderwerk atmosphärisch dicht zur Entfaltung. Leidenschaftlich und engagiert sind auch die stimmlichen Leistungen der Sänger in diesen bestimmt nicht einfachen Rollen.

Perfektes, beglückendes Musiktheater in Frankfurt, für das wir den OF-Stern vergeben. Die Produktion ist zum Edinburgh Festival eingeladen und wird in der nächsten Spielzeit wieder aufgenommen.

MD & ML,  Mai 2013                       Zu den Kritiken

 

 

 

 

Dortmund

ANNA NICOLE

Bewundernswert ist schon der Mut der Dortmunder Opernleitung, sich nach der Uraufführung in London als kleineres Haus an die überhaupt zweite Aufführung von „Anna Nicole“ zu wagen; einer Oper, die grosses Orchester, grossen Chor, viele Mitwirkende in verschiedenen Rollen, aufwendige Bühnentechnik und eine schwer zu findende Darstellerin der Titelpartie erfordert und für alle Mitwirkenden neu ist.

Ein Ereignis!

Dieses Wagnis ist nicht nur gelungen, sondern sie ist anders aber durchaus gleichwertig und in einigen Szenen intensiver gespielt als in der Uraufführung, vor allem dank des Einsatzes der Darsteller(innen) der wichtigen Partien, der musikalischen Qualität des Orchesters und der konsequenten Durchführung der Inszenierungsidee.

Oft ist für die Verbreitung einer Oper die zweite Aufführung wichtigere als die Uraufführung, da damit die Spielbarkeit auch an anderen Bühnen bewiesen wird. Insofern kann die Dortmunder Aufführung von „Anna Nicole“ auch andere Bühnen zum Nachspielen veranlassen, was ja an der New Yorker City-Opera demnächst schon beginnt.

Der OPERNFREUND verleiht seine Ehrenauszeichnung auch, weil hier alles stimmt und die Produktion auf wirkjlich allen Ebenen von herausragender Qualität ist, was gleich drei (!) Kritiker übereinstimmend feststellen.     

PB, April 2013

 

 

 

 

Stuttgart 

WOZZECK

Wieder einmal ein hochkarätiger Opernabend, der der Staatsoper Stuttgart und seiner phantastischen Chefregisseurin Andrea Moses, die zu den ersten Vetreterinnen ihres Fachs gehört, alle Ehre macht. Was Frau Moses hier auf die Bühne gebracht hat, war Musiktheater pur von großer Eindringlichkeit und Stärke. Ihre ausgesprochen gut durchdachte Sozial- und Gesellschaftsstudie wies große Spannung und Stringenz auf. Einmal mehr hat sie brandaktuellen Zündstoff auf sehr beklemmende Art und Weise abgehandelt und dabei auch nicht versäumt, der modernen Konsumgesellschaft nachhaltig den Spiegel vorzuhalten. Ihr großartiges Plädoyer für die Akzeptanz gesellschftlicher Randgruppen sind uns den Opernfreund-Sterne wert! 
 
ML &  LS,  Februar 2013

 

 

 

Heidelberg

ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

Wieder einmal hat sich nachhaltig erwiesen, dass an den sog. kleinen und mittleren Häusern die besten Aufführungen stattfinden: Die einfach grandiose, ungemein spannend und fulminant umgesetzte moderne Regiearbeit der jungen Nadja Loschky mit stark psychologischem Einschlag hat sich den Opernfreund-Stern mehr als verdient. Der Besuch dieser absoluten Sternstunde hochkarätigen, spannenden Musiktheaters, die das derzeit beste Aushängeschild für das schon oft bewährte Heidelberger Theater ist und von der man sich eine DVD-Aufzeichnung wünschen würde, wird dringendst empfohlen.               

LS, Januar 2013

 

 

Zürich

TANNHÄUSER

Bei der Verleihung eines OF-Sterns an eines der europäischen Spitzenhäuser muss ein besonders strenger Maßstab angelegt werden, umso mehr, wenn es sich um die Auszeichnung der Produktion des Hauptrepertoires handelt. Bei der Zürcher Tannhäuser-Wiederaufnahme 2013 stimmte einfach alles. Die Arbeit des bekennenden Opernfreundes und Regie-Altmeisters Harry Kupfer genügt mit ihrem intelligenten und packenden Konzept und der tiefgründigen und subtilen, bis ins kleinste Detail gekonnten Umsetzung, insbesondere der spannenden Personenführung höchsten Ansprüchen. Nahe am Libretto gestaltet, wurde das schwierige Werk Wagners in eine äußerst beziehungsreiche Gegenwart versetzt. Dazu ein kongeniales Bühnenbild von Hans Schavernoch.  Mit der quasi perfekt aufspielenden Philharmonia gelang es Marc Albrecht, die Dramatik der Musik mit zeitweise großer Energie-freisetzung noch packend zu schärfen und aufwühlende Momente zu erzeugen. Dazu setzte Besetzungsliste mit Vesselina Kasarova, Peter Seiffert, Anja Harteros und Michael Nagy (in der Reihenfolge des Auftritts) ein weiteres Glanzlicht, das wohl noch einige Zeit auf seinesgleichen suchen dürfte.                                                                  

ML,  Januar 2013

 

 

Stuttgart

DER SCHAUM DER TAGE

Mit der Ausgrabung dieser absoluten Rarität ist der Stuttgarter Staatsoper ein ganz großer Coup gelungen! Die grandiose Neuproduktion ist in hohem Maße geeignet, das Werk für den internationalen Opernbetrieb wieder zu rehabilitieren. Hier haben wir es mit einer insbesondere musikalisch und szenisch hockarätigen Aufführung von enormer Eindringlichkeit zu tun. Die vielschichtige Musik, das intensive und ausdrucksstarke Dirigat des neuen GMD Sylvain Cambreling sowie die stringente, atmopsphärisch dichte und hoch innovative, einen starken philosophischen Einschlag aufweisenden Inszenierung des schon oft bewährten Regie-Teams Jossi Wieler und Sergio Morabito haben sich den OPERNFREUND-STERN mehr als verdient.    

LS, Dezember 2012

 

Bonn

NORMA

Eine gewitzt-satirische Operntravestie kontrastiert mit dem Seelendrama und läßt den begeisterten Musiktheater-Fan alle Gefühlswallungen durchleben. Eine lebendige hochspannende Inszenierung, die alles bietet, was man sich vom heutigen Theater nur wünschen kann. Dabei wird nur in Grenzen gegen den Strich gebürstet - das Regieteam nahm das Stück sogar ausgesprochen ernst. Bezüglich der Qualität der Solisten, das sei voraus-geschickt, braucht sich die Oper Bonn mit ihren Ensemble-Sängern, verstärkt nur durch eine Gastsängerin, selbst vor ganz großen Häusern nicht zu verstecken.

So wird der klamaukig-klamottigen Asterix-Opernparodie mit buntem Chor und Banda das Leben der Norma mit ihren beiden illegitimen Kindern und das Eifersuchtsdrama mit dem Dreiecksverhältnis Norma-Adalgisa-Pollione als jetzt-zeitliche Beziehungkiste im Hinterbühnenbereich entgegengestellt; gewissermaßen ein Blick hinter die Kulissen des Zauber- und Illusionkasten der heutigen Opernbühne.

Ein hinzu erfundener Intendant (fabelhafte schauspielerische Leistung) treibt die Leute an, Zuckerbrot und Peitsche sind dabei seine Stilmittel, er geht dabei auch unmittelbar in die Handlung hinein. Wenn auch mit spürbaren und gewollten Holperigkeiten durch die Interventionen des Intendanten verschweißt die Regie die drei Dimensionen zu einem geschlossenen Ganzen und lässt sie zum Schluss überraschend konvergieren.

Wenn man als Zuschauer nicht in die Oper geht, um sich einer romantischen Illusion des stets Gleichen und allseits Bekannten hinzugeben oder dem Rampengesang zu frönen, muss man sich mit dieser originellen Lesart des Werks anfreunden können.

Ein mehr als grandioser Opernabend!                               

PB & ML, November 2012

 

 

 

Frankfurt    

PELLÉAS & MÉLISANDE

Eine internationale Spitzenleistung ist in Frankfurt mit der Neuproduktion von Pelléas et Mélisande zu verbuchen. Die bis ins Letzte durchdachte ausgefeilte Regiearbeit von Claus Guth zeigt, dass es auch ohne Brunnen, Grotten, Türme und finstere Burgen geht. Die beklemmende Atmosphäre von Allemonde spielt in einem Herrenhaus, aus welchem es Entrinnen nur ins schwarze Nichts gibt. Personenregie vom Feinsten. Hinzu kommt Christian Schmidts bestechendes Bühnenbild. Die Oper Frankfurt bietet dazu eine Besetzung mit Christian Gerhaher, Christiane Karg (beide in Rollendebuts!) und Paul Gay auf, wie sie wohl nur alle Dutzend Jahre erlebbar ist: durchweg idealtypische Sänger und Darsteller, deren französische Diktion zudem geradezu den Neid anderer Häuser hervorrufen sollte. Das nicht Greifbare des Werks wird abgerundet durch Friedemann Layers Dirigat und das perfekt aufspielende Orchester, wobei Layer sich von Debussy-Klischees entfernt hält. Ein OF-Stern für diese Produktion, womit auch die Frage aufgeworfen sein soll, warum die ganz großen Musentempel für solche Qualitätsproduktionen das doppelte Budget benötigen. Und wieder eine Oper des randständigen Repertoires in Frankfurt, deren Premierenserie so gut wie ausverkauft ist.                    

ML,  November 2012

 

 

Krefeld

MAZEPPA

Wenn ein finanziell so knapp dimensioniertes Haus solch eine grandiose Aufführung auf die Bretter stellt, ist das der Redaktion den OPERNFREUND- STERN wert. Regisseurin Helen Malkowsky bietet eine so intelligente, wie spannende Inszenierung - überzeugendes Musiktheater, kein Folklore-plunder (!) und durchweg hervorragernder Gesang sowie ein fabelhaftes Orchester. Man spricht endlich wieder überregional über die Vereinigten Bühnen. Die dreieinviertel Stunden russisch gesungene Oper vergehen fast zu schnell und hinterlassen an allen bisherigen Abenden ein begeistertes Publikum, das von dem unbekannten Werk und der grandiosen Vorstellung überrascht und hingerissen ist. Die Krefelder haben verstanden, daß ihnen hier ganz große Oper geboten wird.                  

PB & MF, Oktober 2012

 

Bremen

MAHAGONNY

Die absolut beste und ungewöhnlichste "Mahagonny"-Inszenierung, die ich je gesehen habe, ein überaus gelungenen Abend. Der ganze Abend beruhte auf Brechtcher Verfremdung. Der neue Leiter des Musiktheaters Benedikt von Peter lässt das gesamte Opernhaus bespielen. Er hebt die Grenze zwischen Bühne und Parkett, Sängern und Publikum in einer noch nie dagewesenen Weise auf. Das hatte eine ungemein unter die Haut gehende emotionale Unmittelbarkeit zur Folge. Einfach atemberaubend!   Wenn diese Produktion ein Maßstab dafür ist, was man regiemäßig am Bremer Theater in den nächsten Jahren erwarten kann, steht ihm eine große Zukunft bevor. 

LS , Oktober 2012

 
 
Coburg

DON GIOVANNI

Selten hat man eine so gute Realisation von Mozarts großem Menschheits- drama gesehen wie in Coburg. Soren Schuhmachers geniale, einen starken psychologischen Einschlag aufweisende, spannende und stringente moderne Regie, das hervorragende Dirigat von GMD Roland Kluttig und das erlesene Sängerensemble mit der wunderbaren Sofia Kallio und dem prächtigen Norman D. Patzke an der Spitze ergaben einen ungemein hochkarätigen Opernabend von großem Glanz. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass man die besten Inszenierungen an den sog. kleinen und mittleren Operntheatern findet, wo durchweg ausgezeichnete Arbeit geleistet wird. Jedenfalls hat sich mein Wahlspruch "Verachtet mir die kleinen Häuser nicht und ehrt mir ihre Aufführungen" wieder einmal auf das Hervorragendste bestätigt. Ein herzliches Dankeschön an das Landestheater Coburg und seinen Intendanten Bodo Busse für diese ausgezeichnete Aufführung, die jedem Opernfreund nachhaltig ans Herz gelegt wird. Die Fahrt nach Coburg lohnt sich!                                         

LS, September 2012

 

 

Frankfurt

KÖNIGSKINDER

Frankfurt landet wieder einen Volltreffer mit dem Wagnis zu Humperdincks „Königskinder“. Zwar ist die Inszenierung nicht frei von Schwächen, aber die Mehrschichtigkeit dieses Stücks vom Wald- und Hexenmärchen über groteske Gesellschaftsatire zu vertaner Erneuerung oder Erlösung wird überzeugend präsentiert. Das feine Frankfurter Sängerensemble ist in den Hauptrollen durch Gäste komplettiert. die für eine selten zu erlebende Homogenität im obersten Qualitätssegment sorgen, ohne dass „Stars“ hätten verpflichtet werden müssen. Wieder einmal hat die Intendanz mit bestem Augenmaß agiert. Dazu kommt die schon sprichwörtliche Perfektion des Frankfurter Opernorchesters, das mit seinem GMD kammermusikalische Transparenz,  fein ausdifferenzierte Farben und Tiefe herausarbeitete und nicht mit verführerischem Schönklang oder gar spätromantischen Dröhnen zu punkten versucht. Der OF-Stern für diese Neuproduktion der traurigsten aller Opern.                                              

ML, Oktober 2012

 

 

 

Bonn                                         

HINDEMITH-TRIPTYCHON

Einst gab es Opernskandale ohne Ende. Jahrzehntelang versuchte die Katholische Kirche SANCTA SUSANNA zu verbieten; später hat Hindemith um weiteren Ärger zu vermeiden das ganze Triptychon jahrzehntelang gesperrt. Jetzt liegt es in Bonn in einer grandiosen Produktion von Klaus Weise vor; aber nichts für schwache Nerven! Was für eine wahnsinnige Musik; vom GMD Stefan Blunier und den Bonner Musikern einfach traumhaft umgesetzt. Unglaubliche Sänger-Leistungen. Wer diese Mega-Rarität nun verpasst, dem ist nicht mehr zu helfen.   

PB , September 2012

 

 

 

Hannover 

LA TRAVIATA

Die höchste Auszeichnung von 5 Sternen für eine Aufführung, die einfach sensationell ist. Das war die beste "Traviata", die ich je gesehen habe. Benedikt von Peters grandiose, ganz auf die phantastische Vertreterin der Titelpartie Nicole Chevalier zugeschnittene Inszenierung, stellt eine echte Sternstunde in Sachen hochkarätigen modernen Musiktheaters dar, einen echten Meilenstein in der Rezeptionsgeschichte, der sich tief in das Gedächntnis einbrannte. Diese absolut geniale Produktion, die sich kein Opernfreund entgehen lassen sollte, ist jetzt bereits Kult. Das Ende aller Zeiten mag denkbar sein, nicht aber, dass diese phänomenale "Traviata" je ihre Gültigkeit verliert. Ein allerherzlichstes Dankeschön an die Theaterleitung für einen phantastisch realisierten, überaus spannenden Opernabend, der das beste Aushängeschild für die Hannoversche Staatsoper ist.     

LS ,  Juni 2012

 

 

 

                                                          

Nürnberg 

ELEKTRA

Nürnberg bringt eine fulminante, ans Mark gehende Elektra. Was hier auf der Bühne und im Graben an Wohlklang, Durchschlagskraft, Präzision und Eindringlichkeit zusammengebracht wird, ist selbst für die ganz großen Bühnen nicht alltäglich. Die vier Hauptrollen des Werks sind in einer selten zu realisierenden kompakt hohen Qualität besetzt, dem facettenreich gestaltenden Orchester ist nicht eine Unkonzentriertheit anzumerken. Die Regie gestaltet die Figuren ebenso eindringlich wie originell abseits des schon vielfach Gesehenen und erweckt mit vielen prägnanten Einfällen Interesse und Teilnahme. Ein nachhaltiger Opernabend mit stundenlanger Nachwirkung! Wenn die immerhin sechste Vorstellung der Elektra schlecht besucht war, spricht das nicht gegen das Theater, sondern gegen das Nürrnbercher Publikum. Eine leichte kritische Note kann man allerdings dem Gesamteindruck widmen: wenn zu einem drastischen Libretto eine explosive Musik kommt, die der Dirigent teilweise explosiv aus dem Graben krachen lässt zu einer Inszenierung, die ebenfalls vor Gewalttätigkeit nicht zurück- schreckt, dann wird die Doppelung noch gedoppelt: ein bisschen weniger wäre dann noch ein bisschen mehr gewesen. Fürs sprichwörtliche Mädchenpensionat ist das ohnehin nicht.                         

ML & FP & LS, April 2012


 

Frankfurt

VOLO DI NOTTE  /  IL PRIGIONIERO  (DALLAPICCOLA)

Das ist ja geradezu sagenhaft. Was ist das für ein Opernhaus da in Frankfurt - was für ein Programm! Gleich zwei absolute Raritäten, und diese werden auf absolutem Weltklasse-Niveau angeboten und zwar sowohl vom szenischen Niveau als auch in der musikalischen Realisierug von  Orchester (!!!) und Gesangssolisten. Sowohl "Der Gefangene" als auch "Nachtflug" gehören zu den spannendsten Opern, die wir kennen. Endlich, endlich, endlich hatte ein kluger Intendant begriffen, was hier noch an kaum gespielten Goldschätze zu heben ist. Diese Opern gehören weit häufiger gespielt! Die jahrzehntelange Nichtbeachtung solcher Meisterwerke ist ein Tritt vors Schienbein der modernen Opernkultur. Danke an die Frankfurter Oper und ihr Leading-Team nicht nur für diese Produktion, sondern auch besonders für den Mut, das (mindestens ?) zweimal wieder aufzunehmen. Die Anerkennung gilt gleichermaßen dem Frankfurter Publikum, das hier zahlreich erschienen war: keine Angst vor Zwölftonmusik!  

PB &  ML, April 2012

 

 

                                

 

 

 

 

 

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