DER OPERNFREUND - 50.Jahrgang
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Die OPERNFREUND-Schnuppe gibt es für Dinge, die uns überhaupt nicht gefallen haben.  Aufführungen, die auch Ihnen schnuppe sein sollten.

Die symbolische Schnuppe ist die schlechteste Bewertung, wie wir vergeben können; unser Negativpreis ganz im Gegenteil zum OPERNFREUND-STERN unserem "Oscar". 

Bilder (c) Peter Klier

 

Bisher wurden folgende 11 Schnuppen verteilt

- DARMSTADT Tannhäuser als Flüchtling im Orient / Mai 2017

- BONN Die Inszenierung von Holofernes" / Mai 2016

- GELSENKIRCHEN "Rocky-Horror-Picture-Elend" / Feb 2016

- BONN "Der Rampensteher-Holländer" / Sept 2015

- BERLIN "Die Faust- Ramschbude" / Juli 2015

- WUPPERTAL "Tosca oh je oh je" / Okt 2014

- DORTMUND "Carmen in der Wellblechhütte" / Jan 2014

- DÜSSELDORF "Der große Zemlinsky-Betrug" / Juni 2013

- DÜSSELDORF "Der Tannhäuser-Absetzungs-Skandal" / Mai 2013

- WIEN "Der Sperrmüll Don Giovanni" / MÄrz 2013

- ESSEN "Traviata auf der Suche nach dem Tuberkel Bazillus" / Juni 2012

- ESSEN "Die Kitsch as Kitsch can Entführung" / Juni 2012

 

 

Damstadt

Tannhäuser als Flüchtling - die Wartburg als Moschee

Lohnt es sich allein für drei ganz gute Stimmen (Elisabeth, Herrmann, Wolfram) und ein ordentlich spielendes Orchester nach Darmstadt zu fahren. Nein! Tun Sie´s nicht. Unser Herausgeber schrieb über "läppische Präsentation", "hilflose Regie" und "Rampengesang". Alles ist zu bestätigen, auch nach der zweiten Aufführung; doch es ist eigentlich noch viel viel schlimmer, denn ich würde bestätigen, daß der Regisseur absolut keine Ahnung vom Musiktheater hat. Möge er ein passabler Schauspielregisseur sein, aber Finger weg von Oper! Es muss nicht jeder Oper machen, verehrter Amir Reza Koohestani. Bleiben Sie bei Ihren Leisten!

Bei seiner Regie merkt man den aktuellen Zeitgeist, wo das Thema "Flüchtlinge" alles und allem aufoktruiert werden muss, und ist extrem verärgert. Nun hat Richard Wagner ja viel verdient, aber das ist einfach zuviel und kommt schon einer Vergewaltigung des Werkes nahe. Selten sah man so einen sinnlosen Blödsinn.

Die wahre platonische Liebe gibt es nur in einem muslimischen Regime. Wir müssen ja etwas für unsere muslimischen Brüder tun, schimmert die fehlgedachte Intention irgendwie durch. Na Bravo! "Tannhäuser hat es sich mit seinen verklemmten Rittersfreunden verscherzt!" schreibt die Pressestelle - gemeint sind moslemische Ritter! Hier hat jemand genau so wenig Ahnung von Oper wie der Regisseur und ruft es auch noch laut aus dem Wald - im vermeintlichen Teenie-Jargon.

Soviel Kappes sollten Sie, verehrte Opernfreunde, sich nicht antun. Daher unser Negativpreis - diese Produktion sollte Ihnen Schnuppe sein. Es gibt nette Lokale in Darmstadt und auch sonst Einiges zu sehen...

...nur eben nicht diesen Tannhäuser.

Akviano Salvago 4.5.2017

 

 

Bonn

Die Inszenierung von Holofernes - am Werk vorbei

„Der StarTrek-Holofernes“ - Wer sich einer Ausgrabung widmet und eine Oper nach mehr als 90 Jahren erstmals wieder auf die Bühne bringt, hat eine besondere Verantwortung, einem Geburtshelfer gleich.

Er ist in der Pflicht, dem Werk Raum zu lassen, seine musikalische und dramaturgische Wirkung zu entfalten. Wer dann menschliche Abgründe ins Lächerliche zieht, wer aus Drama Slapstick macht und um des vordergründigen Effektes Willen jeden noch so verstaubten Trick aus 40 Jahren Regietheater an einem Abend auf eine übervolle Bühne knallt  - und dies dazu noch handwerklich schlecht, wer sich dilettantisch an einer Parodie versucht, der tut nichts für Werk und Musik. Und wer eine solche Vergeudung an Potenzial und finanziellen Mitteln zulässt, ist nicht weniger zu rügen.

Da in dieser Produktion die Konzentration auf das eigentlich Wesentliche – nämlich die erneute Aufführung eines vergessenen Werkes nach fast einem Jahrhundert – nicht mehr möglich ist, kann vom Besuch des Bonner „Holofernes“ bei aller Ehre, die einer solchen Ausgrabung gebührt, nur dringend abgeraten werden. Stattdessen sei eine der Radioübertragungen empfohlen – die Musik ist hörenswert und musiziert wird auf beachtlichem Niveau.

Jochen Rüth 1.6.16

 

Regisseur (Kurzvideo 1)

J.R. Weber (Kurzvideo 2)

 

Redaktionelles PS

Ausnahmsweise müssen wir heuer unsere Kernkriterien (s.o.) "Diese Produktion sollte Ihnen schnuppe sein" etwas aufweichen, denn hier geht es nur und ausschließlich um die seltsame Deutung des Regieteams um Jürgen R. Weber.

Sie, verehrte Opernfreunde, die unbekanntem Guten aufgeschlossen sind, sollten sich das Werk unbedingt anschauen (!) - anhören... Darüberhinaus ist das Programmheft mit 120 Seiten ein Juwel; ein wichtiges Dokument, was auch für alle, dienicht nach Bonn kommen können absolut empfohlen werden muss.         P.B.

 

 

Gelsenkirchen

Rocky Horror zum Davonlaufen

Ballermann lässt grüßen! Ein Abend, der für richtige Altrocker Horror-Picture-Fans schlicht unerträglich sich geriert. Musik auf undifferenziertem schon beinah Disko Niveau - vermaledeiter Klangbrei! Wenig überzeugende Sänger, sowie unsägliche Übertragungstechnik - Krach statt Musik.

Verkleidet kamen zur Premiere gerade einmal eine Handvoll Personen, aber dafür gibt es Rocky-Doggy-Bags für 6 Euro mit Kinderkarnevals-Equipment (Reis ist ebenso verboten, wie weiter als einen halben Meter spritzende Wasserpistolen). Dazu eine schon fast läppisch zu nennende Choreografie nach dem Motto "Let´s do the hippy happy Shake"; doch am Ärgerlichsten: permanent werden die Zuschauer von den Künstlern zum Mitklatschen aufgefordert, nach fast jeder Szene drapiert man sich beifallsheischend an der Rampe. Erbarmungslos!

Die Krönung ist gleich im ersten Teil der legendäre "Time Warp" als Headbangerversion im Klatschmarsch-Rhythmus präsentiert. (Anmerkung: Nur für alle begeisterten MiR-Fans, bevor ihr mich beschimpft, hört bitte mal in den  Originalsound. So toll ist das Stück eigentlich.)

Das Premierenpublikum, bei dem augenscheinlich Hausmitglieder und Angehörige lautstark dominierten, jubelte ohne Ende und hofierte, nach alter Kölner-Willi-Millowitsch-Traditon, seine vermeintliche "Super-Stars" schon beim Erscheinen mit Auftrittsapplaus.

Nennen wir es Rocky 2016, denn mit dem tollen urigen Original von 1975 (Warnung an alle von weither anreisende Rocky-Fans!) hat die in einem verrosteten U-Boot bzw. Schiffambiente spielende MiR-Fassung wenig gemein. Als Eddie aus einer Bergbau-Kipplore auftaucht (Ja Leute, wir sind im "Kohlenpott"!) noch dazu einem Outfit, das an einen Buchhalter in der Disko erinnerte, war der Abend für den Rezensenten erledigt.

(c) MiR / Malinowski

Man hat den Eindruck einem verspäteten Karnevalsscherz aufgesessen zu sein. Das obige Bild sagt - pars pro toto - wirklich mehr als Worte. "Helau" oder "Alaaf" !? Ich sage "Good Bye Rocky", so eine Verhunzung hast Du nach 41 Jahren des Welterfolgs wirklich nicht verdient. Mehr Bilder.                                               PB  21.2.16


 

Bonn

Öder Rampensteher-Holländer

Wagner vom uninspirierten Bonner Orchester erschlagen.

Langweiliger und uninspirierter kann man Wagners Fliegenden Holländer kaum in Szene setzen. Von Fliegenden keine Spur - hier wird herumgestanden, als mache man Reklame für Pattex. Wen wundert es, denn der verantwortliche Arrangeur heißt Walter Schütze und gibt als Beruf "Bühnenbildner" an - das Regiefach hat er leider nicht erlernt; und solch ein überflüssiger Abend kommt dann dabei heraus:

Mal wieder ist ein Einheitsbühnenbild angesagt. Wir schauen den ganzen Abend auf einen simpel illuminierten Rahmen um einen Holzkasten; innen Treppen, hinten klappt ab und zu mal eine Bretterwand hoch. Vorne Rampensteherei ohne Ende mit Steinzeitgesten der Sänger (z.B. Arme längs ausgebreitet, Finger gestreckt oder Hand an die Stirn beim Ausschau halten - Winnetou lässt grüßen), als wären wir am Kirow Theater oder bei den Karl-May-Festspielen in Elspe; sogar der Chor grimassiert anfangs quasi militärisch in gelber Gummistiefel-Reihe an der Chorus-Line und schmettert viel zu laut ins Publikum. Später, wenn Bewegung angesagt ist, müssen sie wie die Affen herumhüpfen. Lustig, lustig... ja liebe Kinder! Kultivierter Wagner-Chor Gesang hört sich anders an.

Der Himmel hängt nicht voller Geigen, sondern voller kleiner Modellbau-Schiffchen. Was an Bühnenbildqualität, kreativer Inspiration und handwerklicher Kunst fehlt, wurde hier in die 25 niedliche Modelle arbeitsreich investiert. Rewell lässt grüßen!

Die Beleuchtung funktioniert nach dem Lichtschalterprinzip "An-Aus" - Variante: der Norweger schnippt in die Luft und der Farbrahmen verändert sich. Toll...

Der Kritiker quält und opfert sich für unsere Opernfreund-Gemeinde durch 2,5 pausenlose Stunden der Öde und der lärmenden Musik. Minuten gerieren zur Ewigkeit, während die Bonner Musiker sich unter der Leitung von Hendrik Vestmann vergeblich um Wagners schöne Musik bemühen. "Geht es noch lauter und polternder?" ist man motiviert zu rufen. "Sinnlose Plage - Müh ohne Zweck..." würde der Meister selber durch den Mund von Mime sagen. Gesanglich noch akzeptabel - aber wer geht dafür in die Live Oper. Ein Abend verschenkter Lebenszeit. Schade...

PB 28.9.15

Unsere Hauptkritik

 

Berlin

FAUST - billigster Ramsch

Es gibt wirklich ärgerlich Aufführungen, so die unglaublich halbherzige Neuproduktion von Gounods "Faust" an der Deutschen Oper Berlin. Bei Phillip Stölzls Regie (Co-Regie Mara Kurotscha; kann das eigentlich kein Regisseur mehr alleine?) fragt man sich: "Warum macht man als Regisseur in den gehandelten Kaliber ein Werk?" Offensichtlich nicht aus Interesse, sondern um Geld zu verdienen. Man dekoriert sich irgendwie auf der ständig bewegten Drehbühne durch die dreieinhalb Stunden, umgeht durch Maskenhaftigkeit irgendwei geartete Chorregie, Personenregie bleibt konventionell Standbein-Spielbein. Heike Vollmer müllt mit Ingredienzen des modernen Theaters die Bühne voll, man wartet letztendlich darauf, daß irgendetwas mit dem großen, runden Bühnenturm passiert: vergebens . Die Bühneneffekte werden zudem so ungeschickt angewendet, daß man im Vorhinein weiß, gleich leuchten die Bäume. Schlimmster Billigramsch !

Marco Armiliato dirigiert Gounods Musik unter dem der Devise "süßlich", so wie die Vorurteile französische Oper allzu oft abstrafen. Die Kommunikation mit den Solisten innerhalb der Phrasierungen geraten ebenso wackelig, wie einige mit dem Chor. So werden die eigentlich guten Solisten auch unter Wert verkauft.

Hatte man in Deutschland aus Goethepietät Gounods "Faust" zur Unterscheidung in "Margarethe" umbenannt, bei Stölzl reicht es höchstens zu "Margarine".

MF 7.7.15

 

Wuppertal

Tosca - mißglückter Saisonauftakt

Weder Stefano Podas ästhetisierende Regie, noch Toshiyuki Kamiokas fades Dirigat geben Puccinis Opernreißer "Tosca" eine Tropfen Lebendigkeit. Das häufige Benutzen der Drehbühne bietet da keine Abhilfe, ebensowenig wie fast durchgängig schwarze Kostüme vor fast schwarzem Hintergrund zu überzeugen wissen. Die ordentlichen Sänger müssen ohne Hilfe aus dem Graben vokal durch den Abend kommen. Ein langweiliger, denkbar schlechter Start für die neue Wuppertaler Opernleitung.    MF

Wenn ein Verismo-Reißer wie Puccinis „Tosca“ zur szenischen und musikalischen Schlaftablette wird, ist das ein echtes Ärgernis. Stefano Poda baut zwar eindrucksvolle Bühnenbilder, verschenkt aber als Regisseur fast alle Möglichkeiten dieses Stückes. Der Wuppertaler GMD und Neu-Intendant Toshiyuki Kamioka zerdehnt die Partitur und dampft jede Dramatik ein. Die Sänger üben sich eher in ihren Rollen, als dass sie diese gestalten. Fiebert man sonst mit Tosca und Cavaradossi mit, so zittert man nun, dass sich diese Sänger gleich noch an „Vissi d´arte“ und „E lucevan le stelle“ versuchen.   

RH Oktober 2014

 

 

Dortmund

Carmen als langweilige Wellblechfolklore

Zum Einsteig zitiere ich unseren Kollegen Christoph Zimmermann "Was ist nun zur Regie von Katharina Thoma zu sagen? Sie ist konventionell ausgefallen, und sogar auf eine beschämend klägliche, peinliche Weise." Recht hat er! Siehe gesamte Kritik.

Am wenigstens verdrießlich ist noch das mangelhafte Französisch in den Dialogpassagen; wobei man sich ohnehin fragt: wozu überhaupt? Die simple klare Handlungsstruktur macht diese Textstellen ohnehin verzichtbar. Deprimierendes Sahnehäubchen: In Dortmund werden sie deklamiert, wie in der Vorstadt-Aula eines Schülertheaters.

Und warum müssen die Soldaten / Polizisten (?) schon wieder mal auftreten und hampelnd dilettantisch marschieren, wie die Keystone Cops im Stummfilm? Das Ganze wäre ja, ironisch gemeint, noch akzeptabel... Leider ist es nicht ironisch gemeint. Auch nicht im geringsten zynisch oder machofeindlich; die Auftritte mutieren zum Kasperle-Theater. Sollten etwa die orangefarbenen Umhänge der Fabrikarbeiterinnen wirklich an Guantanamo erinnern? Schlimmer geht´s nimmer... Das sind Kostüme für die Altkleidersammlung!

Gut, die Chöre singen ganz passabel, aber warum müssen sie, wenn sie nicht öde herumstehen, dermaßen blödsinnig outrieren wie bei einem schäbigen US-Musical-Abklatsch; es fehlten nur noch Zylinder und Stöcke. Dazwischen positionieren sie sich, als warte man auf den Bus oder sie starren ins Publikum. Zur Chorus-Line ordnet man sich vorne an der Rampe an wie bei einem Andrè Rieu Konzert. Das tut dem Musiktheaterfreund weh...

Wenn schon die Sänger nicht befriedigen, so singt wenigstens der Kinderchor hervorragend, würde er nicht - den schönen Klangeindruck sofort und schnell wieder kaputtmachend - so fürchterlich nervig agieren, als spiele man eine Persiflage auf den alten Hitparaden-Song Das Lied von Manuel.  Jeden Moment könnte Dieter-Thomas Heck um die Ecke der Bühne kommen und rufen "Ja Hurra Leute, das ist Platz Eins unserer heutigen Deutschen Hitparade!!"  Auch ist das Bühnenbild von seltener Einfallslosigkeit und simpler Bretterbudenhässlichkeit; weder stimmen die Perspektiven, noch die Räume. Es sieht auf den ersten Blick aus, wie ein Billig-Bonanza-Verschnitt mit Ikea-Charme plus Saloon-Entry mit übergroßem Klohäuschen.

Nix Femme Fatale - die Carmen-Besetzung vermittelt den erotischen Charme einer Doris Day in ihrer legendären Werbung für Häppi-Seife (Im Jewison-Film "Was diese Frau so alles treibt" Universal 1962). ...und der Maestro im Graben fetzt über die Partitur, als gelte es die Qualifikation für ein Formel-Eins-Rennen zu gewinn, wo hundertstel Sekunden zählen - er hat obsiegt! 

Dass die Zuschauer jubeln, als wenn Bumm Bumm Becker erneut Wimbledon gewonnen hätte, hält uns nicht davon ab, für diese in fast allen Bereichen provinzielle Steinzeit-Regie und deren miserable Umsetzung sowie die musikalische Minderqualität unsere OPERNFREUND-SCHNUPPE zu verleihen. Liebe Musiktheaterfreunde, diese scheußliche Carmen-Produktion sollte Ihnen wirklich schnuppe sein. Gehen Sie lieber mit Ihrer Familie nett irgendwo essen und anschließend ins Kino.                                                      

PB Jan. 2014

 

 

Düsseldorf

Zemlinskys Florentinische Tragödie als inszenatorische Frechheit

Die Opernfreund-Schnuppe ergeht diesmal für die schlechteste, überflüssigste und dilettantischste Opernregie, die der Lokalkritiker an der Rheinoper binnen 40 Jahren erlebt hat. Und wenn böse Zungen nun behaupten, daß die völlig unbegabte Regisseurin Barbara Klimo ihr Regiedeputat nur der naheliegenden Tatsache zu verdanken habe, daß sie die Tochter der legendären Edita Gruberova sei, dann möchte ich das dahingestellt sein lassen.

Darüber hinaus ist es eine Frechheit, Dreistigkeit und Betrug am Zuschauer, wenn bei einem so selten aufgeführten Werk der unbedarfte Opernfreund mittels Programmheft noch nicht einmal über den originalen Operninhalt informiert wird, sondern absichtlich in die Irre geführt wird, weil es nicht den Originalinhalt, sondern das hanebüchene Blödsinns-Konzept der Regiedebütantin wiedergibt, die wahrscheinlich zu oft im Kino war - Woody Allen "The purple Rose of Cairo" (1985) oder Arnold Schwarzeneggers "The last Action-Hero" (1993) - diese Filme spielen tatsächlich im Kino und von dort ist natürlich auch das dramaturgische Konzept geklaut.

Wenn man als Regisseur eine sehr seltene, also dem Publikum praktisch unbekannte Oper, szenisch übernimmt, hat ein Regisseur die verdammte Pflicht und Schuldigkeit und auch kulturelle Verantwortung, dieses Werk wenigstens einigermaßen fürs Publikum kenntlich rüber zu bringen

Hier wurde Oscar Wildes/Zemlinskys Werk nicht neu entdeckt, sondern übelst verhunzt und damit geradezu hingerichtet. Das hätte kein Intendant mit nur etwas Verantwortungsbewusstsein zulassen dürfen. Hier hat der Genralintendant der Rheinoper zum zweiten Mal peinlichst versagt. Man hätte diesen unsäglichen Schmarren unbedingt schon im Vorfeld aus ernsthaften "künstlerischen Gründen" absagen müssen - diesmal zurecht!    

PB Juni 2013

 

 

Düsseldorf

Christoph Meyer (Intendant)

im Zusammenhang mit der Absetzung des umstrittenen Tannhäusers

Wir zitieren aus Presseschlagzeilen (nur einige von gut 100 aus Europa):

"Nicht der Tannhäuser ist der Skandal, sondern die Reaktion der Intendanz"

"Tannhäuser-Absetzung nach Zuschauerprotesten und Pöbeleien..."

"Opernsteinzeitler jubeln über einen "Sieg gegen das Regietheater"

"Das kommt einer Entmündigung des Opernpublikums gleich"

Für das feige und rückgratlose Zurückrudern beim Düsseldorfer "Skandal-Tannhäuser" vergeben wir die Opernfreund-Schnuppe an Generalintendant Christoph Meyer und sein Leitungsteam. Offiziell verlautete aus der Pressestelle höchst peinliches, nämlich daß die vorgebliche "Krankmeldung" von (angeblich) 10 Zuschauern den schockierten und zutiefst entsetzten Rheinoper-Intendanten Meyer und sein Team so tief betrübten, daß er sofort nach der Premiere anordnete jede weitere Vorstellung nur noch konzertant zu geben, um sein Publikum zu schützen.

Was war geschehen:

- Tumulte und Zuschauerproteste schon während der Aufführung

- Abbruch der Premierenfeier wg. Gefahr fürs Regie-Team durch aggressive  bedrohlich auftretende Zuschauer

- Drohungen von Nazis, Pöbel und "wahren" Wagnerianern im Umfeld

- Potest-Schreiben der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf

- Forderungen der Lokalzeitung, Rheinische Post, die Kulturfreiheit in solchen Fällen sofort einzuschränken.

Davor ist  Intendant Meyer dann eingeknickt!  

P.S.

Der Regisseur mußte, wie weiland Salman Rushie untertauchen, weil er sich körperlich bedroht fühlte im Umfeld von "Klein Paris" (gemeint ist die sich selbst so titulierender Landeshauptstadt Düsseldorf!) und angesichts der Reaktionen teilweise hochangesehener Düsseldorfer Honartioren, Wagnerverbandsmitgliedern und Gutmenschen, die drohten ihn zu vergasen bzw. zu erschießen.                             

PB Mai 2013

 

 

Wien

Don Giovanni - How low can you get?

... Es tut mir weh, so einen Bericht schreiben zu müssen – aber das war einfach nichts!!! Ich hoffe, dass zumindest die „Clemenza“ besser wird – immerhin haben Freunde aus Amerika über EUR 300,- für ihre Tickets gezahlt und ich würde mich schämen, wenn sie eine Aufführung in dieser Qualität zu hören bekämen. 

... Zum Schluss noch, lieber Herr Direktor Meyer: Diese Inszenierung ist ein Schmarrn, die Ausstattung gehört auf den Sperrmüll, die Beleuchtung (das Wort „Lichtregie“ will man nicht in den Mund nehmen) ist eine Katastrophe. Dagegen waren de Simones Kostümshow und Zeffirellis Bambus-Jalousien Kult. Und übermorgen bei „Figaro“ mehr vom gleichen Martinoty… Das Leben des Opernfreundes ist nicht immer nur angenehm.

RW & KV März 2013

 

Essen

La Traviata

AUF DER SUCHE NACH DEM TUBERKEL-BAZILLUS

Penicillin wurde im September 1928 entdeckt; Violetta stirbt dennoch...

Emotionslos, lust- und herzlos wird diese "selten" gespielte Oper von  Köpplinger inszeniert, dessen Vorliebe sich anscheinend (?) auf völlig überflüssiges Männerballett und nackte Jünglinge mit "Knackärschen" erstreckt, die auch gelegentlich unverblümt ihren "Johannes" vorne an der Rampe baumeln zu lassen. Leiackers Bühne gähnt, wie leider mittlerweile üblich, mit der Kreativität seiner allseits bekannten hohen Bühnenräume mit steriler Lichtgalerie. Zauberberg-Ambiente gilt anscheinend mittlerweile in Essen wohl als Standard-Bühnenbild.

Superoriginell: Violetta trägt violett ! und liegt schon zu Anfang zwischen anderen Kranken in der Lungenheilstätte Davos. Mal wieder AOK-Krankenhausbetten (Marke Kassenpatient) - wie delektierlich.

Noch nie gesehen: Violetta deliert ihre Geschichte zwei pausenlose Stunden lang in gähnender Langeweile - aus dem Armenschlafsaal wird später ein Luxusbordell.

Gesang findet überwiegend auf Stadttheater-Niveau statt.

Sehr nett: Stefan Soltesz Musiker spielen brav, zurückhaltend und emotionslos um die Kranken nicht zu stören...

Fazit: Alles wirkte wie eine zweitklassisch abgekupferte Hilsdorf-Produktion - ein völlig überflüssiger Abend, findet der desillusionierte Kritiker. Gehen Sie lieber ins Kino und schauen sich eine schöne Oper von der MET an.

PB  Juni 2012

 

 

Essen

Die Entführung aus dem Serail

Wenn man meint besser zu sein, sollte man besser besser sein! Jetske Mijnssen verschandelte mit ihrer nichtssagenden "Inszenierung" Mozarts normalerweise funktionierendes Meisterwerk "Die Entführung aus dem Serail". Pseudomoderner Kitsch mit einer neuen Textfassung der Regisseurin haben das Stück abgeschafft, ohne irgendetwas bewegendes Neues zu schaffen. Musikalisch leider auch gediegene Langeweile mit einem ordentlichen, aber nicht wirklich überzeigendem Ensemble. Ausnahmeerscheinung die Konstanze von Simona Saturova, ganz große Klasse! Die Aufführung ist somit lediglich emotional sehr angespannten Menschen zu empfehlen, die ein Sedativum mit schöner Musik benötigen.              

MF Juni 2012

DER OPERNFREUND  | Opernfreund.Contact@t-online.de