DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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Unsitten i.d. Oper
Musikerwitze

 

Die OPERNFREUND-Schnuppe gibt es für Produktionen, die uns überhaupt nicht gefallen haben. Solche Abende sollten auch Ihnen schnuppe sein... Die symbolische Schnuppe ist die schlechteste Bewertung, wie wir vergeben können; unser Negativpreis ganz im Gegenteil zum OPERNFREUND-STERN unserem "Oscar". Seit Anfang 2012 haben wir sechs Schnuppen vergeben.

 

 

 

 

 

 

 

CARMEN in Dortmund

Wellblechfolklore - von spannendem Musiktheater keine Spur!

Zum Einsteig zitiere ich unseren Kollegen Christoph Zimmermann "Was ist nun zur Regie von Katharina Thoma zu sagen? Sie ist konventionell ausgefallen, und sogar auf eine beschämend klägliche, peinliche Weise."

Recht hat er! Siehe gesamte Kritik.

Am wenigstens verdrießlich ist noch das mangelhafte Französisch in den Dialogpassagen; wobei man sich ohnehin fragt: wozu überhaupt? Die simple klare Handlungsstruktur macht diese Textstellen ohnehin verzichtbar. Deprimierendes Sahnehäubchen: In Dortmund werden sie deklamiert, wie in der Vorstadt-Aula eines Schülertheaters.

Und warum müssen die Soldaten / Polizisten (?) schon wieder mal auftreten und hampelnd dilettantisch marschieren, wie die Keystone Cops im Stummfilm? Das Ganze wäre ja, ironisch gemeint, noch akzeptabel... Leider ist es nicht ironisch gemeint. Auch nicht im geringsten zynisch oder machofeindlich; die Auftritte mutieren zum Kasperle-Theater.

Sollten etwa die orangefarbenen Umhänge der Fabrikarbeiterinnen wirklich an Guantanamo erinnern? Schlimmer geht´s nimmer... Das sind Kostüme für die Altkleidersammlung!

Gut, die Chöre singen ganz passabel, aber warum müssen sie, wenn sie nicht öde herumstehen, dermaßen blödsinnig outrieren wie bei einem schäbigen US-Musical-Abklatsch; es fehlten nur noch Zylinder und Stöcke. Dazwischen positionieren sie sich, als warte man auf den Bus oder sie starren ins Publikum. Zur Chorus-Line ordnet man sich vorne an der Rampe an wie bei einem Andrè Rieu Konzert. Das tut dem Musiktheaterfreund weh...

Wenn schon die Sänger nicht befriedigen, so singt wenigstens der Kinderchor hervorragend, würde er nicht - den schönen Klangeindruck sofort und schnell wieder kaputtmachend - so fürchterlich nervig agieren, als spiele man eine Persiflage auf den alten Hitparaden-Song Das Lied von Manuel.  Jeden Moment könnte Dieter-Thomas Heck um die Ecke der Bühne kommen und rufen "Ja Hurra Leute, das ist Platz Eins unserer heutigen Deutschen Hitparade!!"

Auch ist das Bühnenbild von seltener Einfallslosigkeit und simpler Bretterbudenhässlichkeit; weder stimmen die Perspektiven, noch die Räume. Es sieht auf den ersten Blick aus, wie ein Billig-Bonanza-Verschnitt mit Ikea-Charme plus Saloon-Entry mit übergroßem Klohäuschen.

Nix Femme Fatale - die Carmen-Besetzung vermittelt den erotischen Charme einer Doris Day in ihrer legendären Werbung für Häppi-Seife (Im Jewison-Film "Was diese Frau so alles treibt" Universal 1962).

...und der Maestro im Graben fetzt über die Partitur, als gelte es die Qualifikation für ein Formel-Eins-Rennen zu gewinn, wo hundertstel Sekunden zählen - er hat obsiegt! 

Dass die Zuschauer jubeln, als wenn Bumm Bumm Becker erneut Wimbledon gewonnen hätte, hält uns nicht davon ab, für diese in fast allen Bereichen provinzielle Steinzeit-Regie und deren miserable Umsetzung sowie die musikalische Minderqualität unsere OPERNFREUND-SCHNUPPE zu verleihen.

Liebe Musiktheaterfreunde, diese scheußliche Carmen-Produktion sollte Ihnen wirklich schnuppe sein. Gehen Sie lieber mit Ihrer Familie nett irgendwo essen und anschließend ins Kino.                                                       PB (Jan. 2014)

 

 

 

Düsseldorf

EINE FLORENTINISCHE TRAGÖDIE

Eine inszenatorische Frechheit

Die Opernfreund-Schnuppe ergeht diesmal für die schlechteste, überflüssigste und dilettantischste Opernregie, die der Lokalkritiker an der Rheinoper binnen 40 Jahren erlebt hat. Und wenn böse Zungen nun behaupten, daß die völlig unbegabte Regisseurin Barbara Klimo ihr Regiedeputat nur der naheliegenden Tatsache zu verdanken habe, daß sie die Tochter der legendären Edita Gruberova sei, dann möchte ich das dahingestellt sein lassen.

Darüber hinaus ist es eine Frechheit, Dreistigkeit und Betrug am Zuschauer, wenn bei einem so selten aufgeführten Werk der unbedarfte Opernfreund mittels Programmheft noch nicht einmal über den originalen Operninhalt informiert wird, sondern absichtlich in die Irre geführt wird, weil es nicht den Originalinhalt, sondern das hanebüchene Blödsinns-Konzept der Regiedebütantin wiedergibt, die wahrscheinlich zu oft im Kino war - Woody Allen "The purple Rose of Cairo" (1985) oder Arnold Schwarzeneggers "The last Action-Hero" (1993) - diese Filme spielen tatsächlich im Kino und von dort ist natürlich auch das dramaturgische Konzept geklaut.

Wenn man als Regisseur eine sehr seltene, also dem Publikum praktisch unbekannte Oper, szenisch übernimmt, hat ein Regisseur die verdammte Pflicht und Schuldigkeit und auch kulturelle Verantwortung, dieses Werk wenigstens einigermaßen fürs Publikum kenntlich rüber zu bringen

Hier wurde Oscar Wildes/Zemlinskys Werk nicht neu entdeckt, sondern übelst verhunzt und damit geradezu hingerichtet. Das hätte kein Intendant mit nur etwas Verantwortungsbewusstsein zulassen dürfen. Hier hat der Genralintendant der Rheinoper zum zweiten Mal peinlichst versagt. Man hätte diesen unsäglichen Schmarren unbedingt schon im Vorfeld aus ernsthaften "künstlerischen Gründen" absagen müssen - diesmal zurecht!

PB   (Juni 2013)

 

 

Düsseldorf

CHRISTOPH MEYER (Intendant)

Presseschlagzeilen (nur einige von gut 100 aus Europa):

Nicht der Tannhäuser ist der Skandal, sondern die Reaktion der Intendanz

Tannhäuser-Absetzung nach Zuschauerprotesten und Pöbeleien...

Opernsteinzeitler jubeln über einen "Sieg gegen das Regietheater"

Das kommt einer Entmündigung des Opernpublikums gleich!

Für das feige und rückgratlose Zurückrudern beim Düsseldorfer "Skandal-Tannhäuser" vergeben wir die Opernfreund-Schnuppe an Generalintendant Christoph Meyer und sein Leitungsteam. Offiziell verlautete aus der Pressestelle höchst peinliches, nämlich daß die vorgebliche "Krankmeldung" von (angeblich) 10 Zuschauern den schockierten und zutiefst entsetzten Rheinoper-Intendanten Meyer und sein Team so tief betrübten, daß er sofort nach der Premiere anordnete jede weitere Vorstellung nur noch konzertant zu geben, um sein Publikum zu schützen.

Was war geschehen:

- Tumulte und Zuschauerproteste schon während der Aufführung

- Abbruch der Premierenfeier wg. Gefahr fürs Regie-Team durch aggressive  Zuschauer

- Drohungen von Nazis, Pöbel und "wahren" Wagnerianern im Umfeld

- Potest-Schreiben der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf

- Forderungen der Lokalzeitung, Rheinische Post, die Kulturfreiheit in solchen Fällen soofrt einzuschränken.

Davor ist der Intendant dann wirklich eingeknickt!  

P.S.

Der Regisseur mußte, wie weiland Salman Rushie untertauchen, weil er sich körperlich bedroht fühlte vom Umfeld und angesichts der Reaktionen teilweise hochangesehener Düsseldorfer Honartioren, Wagnerverbandsmitgliedern und Gutmenschen, die drohten ihn zu vergasen bzw. zu erschießen.

                                

PB  (Mai 2013)

 

 

 

Staatsoper Wien

DON GIOVANNI

How low can you get?

... Es tut mir weh, so einen Bericht schreiben zu müssen – aber das war einfach nichts!!! Ich hoffe, dass zumindest die „Clemenza“ besser wird – immerhin haben Freunde aus Amerika über EUR 300,- für ihre Tickets gezahlt und ich würde mich schämen, wenn sie eine Aufführung in dieser Qualität zu hören bekämen. 

... Zum Schluss noch, lieber Herr Direktor Meyer: Diese Inszenierung ist ein Schmarrn, die Ausstattung gehört auf den Sperrmüll, die Beleuchtung (das Wort „Lichtregie“ will man nicht in den Mund nehmen) ist eine Katastrophe. Dagegen waren de Simones Kostümshow und Zeffirellis Bambus-Jalousien Kult. Und übermorgen bei „Figaro“ mehr vom gleichen Martinoty… Das Leben des Opernfreundes ist nicht immer nur angenehm.

RW & KV  (März 2013)

 

 

Essen  Aalto Theater

AUF DER SUCHE NACH DEM TUBERKEL-BAZILLUS

LA TRAVIATA 

Penicillin wurde im September 1928 entdeckt; Violetta stirbt dennoch...

Emotionslos, lust- und herzlos wird diese "selten" gespielte Oper von  Köpplinger inszeniert, dessen Vorliebe sich anscheinend (?) auf völlig überflüssiges Männerballett und nackte Jünglinge mit "Knackärschen" erstreckt, die auch gelegentlich unverblümt ihren "Johannes" vorne an der Rampe baumeln zu lassen. Leiackers Bühne gähnt, wie leider mittlerweile üblich, mit der Kreativität seiner allseits bekannten hohen Bühnenräume mit steriler Lichtgalerie. Zauberberg-Ambiente gilt anscheinend mittlerweile in Essen wohl als Standard-Bühnenbild.

Superoriginell: Violetta trägt violett ! und liegt schon zu Anfang zwischen anderen Kranken in der Lungenheilstätte Davos. Mal wieder AOK-Krankenhausbetten (Marke Kassenpatient) - wie delektierlich.

Violetta deliert ihre Geschichte zwei pausenlose Stunden lang in gähnender Langeweile - aus dem Armenschlafsaal wird später ein Luxusbordell.

Gesang: überwiegend auf Stadttheater-Niveau. Die Essener Musiker unter Stefan Soltesz spielen brav, zurückhaltend und emotionslos um die Kranken nicht zu stören...

Fazit: Alles wirkte wie eine zweitklassisch abgekupferte Hilsdorf-Produktion - ein völlig überflüssiger Abend, findet der desillusionierte Kritiker. Gehen Sie lieber ins Kino!

PB   (Juni 2012)

 

 

 

Essen    Aalto Theater

Die Entführung aus dem Serail

Wenn man meint besser zu sein, sollte man besser besser sein! Jetske Mijnssen verschandelte mit ihrer nichtssagenden "Inszenierung" Mozarts normalerweise funktionierendes Meisterwerk "Die Entführung aus dem Serail". Pseudomoderner Kitsch mit einer neuen Textfassung der Regisseurin haben das Stück abgeschafft, ohne irgendetwas bewegendes Neues zu schaffen. Musikalisch leider auch gediegene Langeweile mit einem ordentlichen, aber nicht wirklich überzeigendem Ensemble. Ausnahmeerscheinung die Konstanze von Simona Saturova, ganz große Klasse! Die Aufführung ist somit lediglich emotional sehr angespannten Menschen zu empfehlen, die ein Sedativum mit schöner Musik benötigen.              

MF (Juni 2012)

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