DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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„La Traviata“

verzaubert den Dechsendorfer Weiher

Klassik am See erstmals mit einer stürmisch bejubelten Opernaufführung

(besuchte Aufführung am 31.07.2013)

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Dies konnte ich vor einigen Tagen feststellen, als ich eine Einladung zur „La Traviata“ am Dechsendorfer Weiher erhielt. Dechsendorfer Weiher, ja wo ist denn das, fragte ich ungläubig, obwohl dieser gerade einmal knapp 40 km von meinem Wohnort entfernt ist. Der Dechsendorfer Weiher liegt bei Erlangen und ist seit über 10 Jahren Treffpunkt musikverliebter Menschen, die unter dem Begriff „Klassik am See“ dort Jahr für Jahr ausverkaufte exzellente Konzerte erleben konnten. Und diesmal im 11ten Jahr, wagte man es, erstmals eine Oper auf die Bühne zu stellen. Und bis auf ein paar Kleinigkeiten ist das Wagnis voll gelungen. Über 4000 Menschen pilgern an den See, können vor der Vorführung Gespräche an den vielen kleinen Tischchen und Tischen führen, können Kleinigkeiten essen und trinken, können sich auch im Grünen niederlassen und den Beginn des Abends abwarten. Der Weg zum See, zu Fuß zurückgelegt oder per überfüllten Shuttle-Bussen ist bei den Gott sei Dank hochsommerlichen Temperaturen recht beschwerlich, aber das nimmt man gern in Kauf. Viel Prominenz wandelt zwanglos unter den normalen Musikfreunden umher, ich erkenne unseren Innenminister Joachim Herrmann, den unglaublich beliebt gebliebenen Ministerpräsidenten a.D. Günter Beckstein, den OB von Erlangen Siggi Balleis und viele viele mehr. Die Schnaken, vor denen man mich so gewarnt hat, und die mich zum Kauf eines Sprays verführten, lassen sich nicht sehen, auch hier Gott sei Dank. Ja und nach vielen Häppchen und Schlückchen begibt man sich dann auf seinen Platz. Und hier müssen sich die Macher noch etwas einfallen lassen, wenn Oper am See keine Eintagsfliege werden soll. Es gibt in den Sitzreihen natürlich keine Erhöhungen, und wenn man nur etwas weiter hinten sitzt, kann man zwar die herrliche Musik hören, das Geschehen auf der Bühne aber leider nur mehr erahnen. Aber sei’s drum, es ist ja eine halbszenische Aufführung und da ist das nicht ganz so schlimm. Etwas schlimmer ist, dass mitten im Operngeschehen (natürlich gerade in einem romantischen Liebesduett) die Sirenen eines Großeinsatzes der Feuerwehr fast zehn Minuten über den See heulen, weil ein Wohnmobil ins Brennen geraten ist und ausbrennt. Aber selbst dies kann die Stimmung am See nicht nachhaltig stören. Nach ein paar – erfrischend kurzen - Begrüßungsworten, die sein müssen, weil ja auch die Sponsoren im nächsten Jahr wieder eifrig dabei sein sollen, geht es los. Der nicht vorhandene Vorhang öffnet sich für „La Traviata“. 

Ljubka Biagoni (die Italienerin leitete auch das vielumjubelte Jubiläumskonzert des letzten Jahres und hat in der Opernaufführung am See die Regie, die Bühnenausstattung und die Kostüme verantwortlich übernommen) führt das Orchester, welches sich „Sofia Symphonics“ nennt und von ihr gegründet wurde und aus Musikern aus den besten Orchestern Bulgariens besteht, zur Ouvertüre. Daneben tritt auch der gewaltige Chor, der auch schon einmal durch die langen Reihen stapft, des Philharmonischen Chors Nürnberg und des Philharmonischen Chors Herzogenaurach auf. Und Frau Biagoni hat ihr Orchester fest im Griff. Unbeschwert, ja fast luftig und locker, der Situation angepasst, einem lauem Sommerabend gleichend, führt sie das ausgezeichnete Orchester zu Spitzenleistungen. Sie fordert das es mit harter zupackender Hand, nimmt sich aber in den Gesangspassagen zurück, um die Sänger nicht zu überdecken und atmet musikalisch mit ihnen. Eine ganz tolle Leistung.

Und sie hat in Marta Torbidoni als Violetta eine kongeniale Partnerin. Zart, dennoch durchschlagskräftig, aufblühend und ergreifend gestaltet sie die Violetta, man zittert und fühlt mit ihr mit und kann am Schluss der Aufführung sicherlich die eine oder andere Träne nicht unterdrücken. Was kann man schöneres über ein solch musikalisches Ereignis sagen.

Ihr Partner Mihail Karaivanov als Alfredo hat einen durchschlagskräftigen, metallischen schönen und warmen Tenor. Leider scheint er an diesem Abend mit einer leichten Indisposition zu kämpfen, und man kann eigentlich nur erahnen, zu was er im Vollbesitz seiner stimmlichen Kräfte fähig gewesen wäre.

Der Violetta ebenbürtig war Anton Kerimitchiev als restlos überzeugender Vater Germont. Er ließ sein herrliches Material voll strömen und überzeugte nicht nur in seinen großen Arien sondern auch in den Duetten – eine wahrlich meisterliche Leistung, die er an diesem Abend hier am Dechsendorfer Weiher bot.

Keinen Ausfall gab es bei den sonstigen Besetzungen, sowohl Elisabetta Lombardi als Flora, Emiliya Atanasova als Annina, als auch Momchil Karaivanon als Gaston, Dobromir Momekov als Barone, Alexander Georgiev Nosikoff als Marchese, Joannes Wiedeke als Dottore, Rainer Ostermeyer als Joseph, Felix Hacker als Commissionär sowie Sascha Betram als Diener gaben ihr Bestes und vervollständigten das Ensemble stimmig.

Langanhaltender Applaus, der sich für eine Freilichtaufführung sehr lange hinzog, gab darüber Aufschluss, dass es den über 4000 Besuchern ausgezeichnet gefallen hatte – und als dann noch ein fulminantes Feuerwerk über dem See abgebrannt wurde, sah man kein griesgrämiges Gesicht mehr. Das Wagnis mit der Oper am See war jedenfalls aus meiner Sicht ein voller Erfolg.

Manfred Drescher

Bilder: Thomas Langer

 

 

 

Im leuchtenden Gesang

KONZERT

Der 3. Siegfried-Akt und Schönberg

22.4. 2013, Heinrich-Lades-Halle

http://www.ekm-erlangen.de/

Relativ langsam beginnt es, nicht zu laut. Die Vortragsbezeichnung lautet zunächst noch „piano“. „Lebhaft, doch gewichtig“ beginnt der Akt, ein Gemenge von monumentalen „Ring“-Themen, genial kombiniert im Spiel der Stimmen, peitscht den Hörer auf. Beim doppelten Forte öffnet sich der Vorhang, bis auf auf die Fagotte (die die tiefen Streicher verdoppeln) blasen die Holz- und die Blechbläser, dass es nur so blecht.

Der 3. Siegfried-Akt also – er war, in zwei Aufführungen in Nürnberg und Erlangen, nun konzertant zu erleben. Wagner ohne Szene, geht das? Natürlich geht das; schließlich war Wagner, wie Nietzsche geschrieben hat, der Erfinder des Hörspiels. Es geht zumal dann, wenn die Kombination mit einem zweiten herausragenden Werk (der frühen Wiener Moderne) dramaturgisch Sinn macht, auch wenn die Kombination aufs erste Hören fremdartig anmutet. Dem letzten „Siegfried“-Akt Arnold Schönbergs meisterhafte Streicherkompostion „Verklärte Nacht“ vorzublenden, macht Sinn, wenn man den Titel des unter Marcus Bosch veranstalteten, schon orchestral genau gearbeiteten Konzerts der Nürnberger Staatsphilharmonie bedenkt: „Leuchtende Liebe“. Mag man auch beim Schönberg ein zufälliges „Walküre“-Motiv hören, so ist die harmonische Nähe zum „Tristan“ doch interessanter. Schildert das der Tondichtung zugrunde liegende Gedicht die Krise und die liebende Vereinigung, so zelebriert die Oper das Zusammentreffen und die ekstatische Vereinigung eines jungen Paares – und wie sie sich vereinigen! Im leuchtenden Gesang.

Linda Watson (bekanntlich auch in Bayreuth bekannt) ist eine Brünnhilde, die nicht ganz unumstritten ist – in dieser konzertanten Fassung strahlt ihr Sopran so machtvoll souverän wie nur möglich. Man hört: auch diese Figur kommt aus dem Belcanto, nicht aus der Tradition des wagnerschen Bellgesangs. Souverän geht sie die Spitzentöne an, lässt sie das Volumen ihrer Mittellage glänzen. Jürgen Müller steht neben ihr, auch er hat viel von den Italienern gelernt. Kraftvoll und zugleich lyrisch entbindet er die Kräfte seines Tenors, um den vokalen Zweikampf in der Schlussrunde noch glanzvoll zu bestehen. Jugendlicher Ungestüm, gepaart mit kontrollierter Dynamik: so kann ein Siegfried klingen, wenn er nicht zwei schweißtreibende Akte hinter sich hat. Seine Weckrufe klingen denn auch so, als könnten sie noch eine tote Brünnhilde aus dem ewigen Schlafe reißen.

Und Wotan? Er ist heldenhaft erregt, machtvoll in der durchdringenden Kraft seines Bariton. Auch Jukka Rasilainen ist ein „alter Bayreuther“, er singt – im schnell genommenen Dialog mit dem „kühnen Knaben“ - so autokratisch, wie man's von einem Gott erwartet. Alexandra Petersamer sang erstmals 2006 in Bayreuth: die Roßweiße in Tankred Dorsts „Ring“-Inszenierung, dann die Venus, nun fällt sie mit Erdas Edelsamt auf. Auch das ist nur beglückend und bedarf keiner Szene.

Frank Piontek

 

 

 

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