DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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Originelle Verortung

DAS LIEBESELIXIR

Theater Flensburg, 1.10.2010

 

Die Regisseurin Renate Liedtke siedelt das Geschehen in einem Friseursalon an; Adina, die Besitzerin, sitzt in der Mitte und liest, während um sie herum Bedienstete und Kunden behandeln und sich behandeln lassen. Das einfache, aber schön gebaute Bühnenbild zeigt moderne orangenfarbene Stühle und Sitzbänke vor einer ebenso modernen Frisierstubeneinrichtung aus Möbeln mit schwarzem Korpus vor einer kastanienbraunen Dekorplattenverkleidung. Nach hinten steigt das Bühnenbild in einigen Treppenstufen zu einer großen doppelflügeligen Glastür auf, in welcher meist durch das häufige Auf- und Abtreten des Chores großes Gedränge herrscht. (Bühnenbild: Sibylle Meyer). Ganz zwanglos lässt sich das Geschehen nicht in diesen Salon verorten (Was macht eigentlich Nemorino die ganze Zeit in einem Friseurladen, und warum kommt ein Trupp Soldaten da herein? Nur um auf Anweisung des Offiziers Liegestütze zu machen?).

Im zweiten Akt dient dann der nunmehr mit Girlanden und Lampions und kleinen Partystehtischchen zum Festraum geschmückte Salon weitestgehend losgelöst vom Geschehen nur noch als bunte Umgebung des noch bunteren Geschehens. Die Kostüme von Martina Lüpke stellen das Glanzlicht des Abends dar: jede(r) Chorist(in) ist farbenprächtig und fantasiereich in ein anderes aktuelles Kostüm gekleidet, als ob H&M gerade mal eine individualisierte Sonderkollektion zur Verfügung gestellt hätte. Dazu Nemorino in weißer Jacke und ganz aktuellen Jeans mit blauweiß kariertem Hemd und rot-weißen Sporttretern, Belcore mit seinen Soldaten in schicke aktuelle Ausgehuniformen gekleidet, Dr. Dulcamara, mit großem Alu-Koffer auftretend mit riesiger weißer Mähne in schwarzem Anzug mit grünen Revers, grüner Glitzerweste und grünen Schuhen, Adina im duftigen Kleidchen. - In der Personenregie hat sich Frau Liedtke beim Chor und dessen bunter Bewegung mehr einfallen lassen als bei den etwas statisch geführten Hauptdarstellern, die ziemlich häufig an der Rampe angeordnet werden. Das wirkt ziemlich bieder. Dafür gibt es aber eine ganze Reihe launiger Einfälle, die die Aufführung witzig-ironisch aufmischen, wozu das moderne Ambiente genügend Vorlagen leistet.

Auch etwas bieder wirkte die einfach strukturierte Donizetti-Musik unter der Leitung von Merijn van Driesten. Das Orchester musizierte sauber, und sollte es einmal zwischen Graben und Bühne etwas auseinander gehen, wurde das mit einigen kräftigen Beckenschlägen gleich wieder in die Reihe gebracht. Aber die richtige Spritzigkeit fehlte an diesem Abend. Der Chor wirkte immer präzise, was gar nicht so selbstverständlich war, da die Chorsänger fast immer völlig durchmischt auftraten. 

Die Sänger erledigten ihre Aufgaben in Flensburg sehr ordentlich, wenn auch die sonst in kleineren Theatern gelegentlich auftretende positive Überraschung ausblieb. Sophie Witte gab die Adina mit klarem klangschönem Sopran bei adrettem Auftreten; allerdings gehört sie wohl mehr ins dramatische Fach, wodurch ihre Textverständlichkeit (es wurde auf Deutsch gesungen) gerade in den Rezitativen zu wünschen übrig ließ. Beim Nemorino des Jin-Hak Mok war das gerade anders herum: Er sang mit der gebotenen Leichtigkeit. Seine etwas kleine Stimme reicht für das kleine Stadttheater in Flensburg (etwa 500 Plätze) gut hin; etwas matt seine Romanze, die er auf Italienisch vortrug. Beide Hauptdarsteller konnten auch schauspielerisch überzeugen und erhielten zum Schluss reichlich Beifall. Der Bariton des Jörg Sandig als Belcore blieb etwas schmal und war nicht höhenfest, das Spiel wirkte gehemmt: Dagegen brachte Markus Wessiak den Dulcamara mit mächtigem Bass und großer Spiellaune.  

Das Publikum im nur mäßig gut besuchten Haus dankte die Vorstellung mit viel Applaus, den es selbst aufgrund seiner enormen Geschwätzigkeit nicht verdient hatte. Die Landesbühnen Schleswig Holstein geben den Liebestrank noch bis zum 24.11.2010 in den Theatern Flensburg, Schleswig, Itzehoe und Rendsburg

 

Manfred Langer

DER OPERNFREUND  | DerOpernfreund@aol.com