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 STADTHEATER FÜRTH

 

(c) Thomas Langer

 

 

HÄNSEL & GRETEL

Ein Märchen für alle Sinne von Ulm nach Fürth

Aufführung 18.02.2014                 

(Premiere 07.11.13)

Zauber und Märchen, in Fürth gab es keine gespaltene Meinung

Mein Kollege Ludwig Steinbach war in der Premiere von „Hänsel und Gretel“ in Ulm und hatte als Fazit in seiner Rezension angemerkt, dass es eine gelungene Oper für die ganze Familie gewesen und ein Besuch dieser Aufführung aus diesem Grund durchaus zu empfehlen sei. Das Märchen – auch für Kinder - aus Ulm machte nun Station in Fürth und ich war sehr gespannt, wie das Publikum im fränkischen Fürth reagiert. Auf der einen Seite war die Gesangsbesetzung eine teilweise total andere wie in Ulm, zum anderen reizte es mich zu sehen und zu hören, ob die teilweise konträren Kritiken der Aufführung in Ulm zutreffen würden. Und zum anderen freue ich mich natürlich immer wieder, wenn ich das wunderschöne Fürther Theater besuchen darf.

Im Gegensatz zur Premiere in Ulm waren in Fürth relativ viele Kinder ins ausverkaufte Haus mitgekommen und auch ihnen hat es sehr gut gefallen. Man konnte dies in den Pausengesprächen und an den aufgeregten roten Bäckchen ablesen. Für einige – noch sehr kleine Kinder – war natürlich die „Hexenverbrennung“ ein bisschen problematisch und man kann nur hoffen, dass die Eltern sich mit ihren Sprösslingen nach der Aufführung ausführlich darüber unterhalten und auseinandergesetzt haben. Das Bühnenbild von Mona Hapke verstand es vorzüglich neuzeitliches mit märchenhaftem traditionellem zu verbinden um damit eine gelungene Synopse beider zu erhalten. Gelungen auch die Inszenierung von Benjamin Künzel, der versuchte fast jeden Bereich zu bedienen und so auf den Publikumsgeschmack in all seinen Facetten einging, dort natürlich nur, wo es möglich war.

Einen umfassenden und äußerst zutreffenden Abriss zur Handlung und den auch sozialkritischen Aspekten hat mein Kollege Steinbach ausgezeichnet bei seinem Premierenbericht gegeben. Dies zu wiederholen wäre unsinnig, sein Bericht ist unter Ulm abzurufen und auf jeden Fall sehr empfehlenswert. Ich möchte auf jeden Fall vor allem auf die musikalische Seite der Märchenoper eingehen, da sie sich ja, wie ich bereits erwähnte, von der Premierenbesetzung zum Teil erheblich unterschied.

Das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm ist an diesem Tag hervorragend aufgelegt und wird von Daniel Montané, der für das Theater Ulm ein wahrhafter Glücksfall zu sein scheint, mit leidenschaftlichem Atem geleitet. Er bringt die wunderschöne Musik Humperdincks zum Erblühen, romantisch, weich, zart, trotzdem auch straff und lodernd, wo es erforderlich ist. Die Musik ist auch das große Plus der gesamten Märchenoper mit warmen, an die Herzen gehenden einschmeichelnden Melodien, die jedoch, wenn es nötig wird auch großer sinfonischer Klangesfülle werden können. In einem Märchen wird auch gezaubert, diese Musik verzaubert in jedem Fall. Erwähnt sei auch der von Hendrik Haas eindrucksvoll einstudierte Opernchor des Stadttheaters Ulm, der seine Sache ausgezeichnet machte. Bei den Sängern, denen man praktisch allen die Freude ansah, in einer einmal etwas anderen Oper aufzutreten, gab es praktisch keinen einzigen Ausfall. Von der Premierenbesetzung blieb einmal Hans-Günther Dotzauer als Hexe. Er hatte das Publikum auf seiner Seite und bot einen schauspielerisch sicherlich über dem Durchschnitt liegenden Part. Fast eine Stunde muss der Arme vor der Aufführung in die Maske und über eine halbe Stunde dauert das Abschminken. Doch jede Minute lohnt den Aufwand, so grausig, verschlagen sieht man selten so eine Hexe. Stimmlich fehlen ihm mitunter die leidenschaftlichen Ausbrüche, dennoch kann er mit seinem ansprechenden Tenor auch hier überzeugen. Genauso überzeugen wie Maria Rosendorfsky als müllmannspielendes Sand- und Taumännchen. Über die Kostümierung kann man sicherlich lange streiten und diskutieren, über ihren sauberen, hellen und zarten, aber dennoch durchdringenden Sopran gibt es jedoch keine Einschränkungen anzubringen, hier kann sie voll überzeugen. Der Besenbinder war auch in Fürth Tomasz Kaluzny, der mit durchschlagskräftigem, stimmschönem Bariton aufhorchen ließ und in Eleonora Halbert eine adäquate Partnerin hatte. Die beiden Rollen sind ja nicht sehr groß, müssen aber auch entsprechend angelegt sein und dies waren sie an diesem Abend. Katarzyna Jagiello konnte als liebreizende Gretel voll überzeugen. Ihr leuchtender, frischer, jugendlicher erblühender Sopran passte hervorragend in die Rolle und auch an der schauspielerischen Gestaltung gab es nichts auszusetzen. Zu Recht wurde sie mit viel Applaus bedacht. Ein ebensolcher Applaus für ihren Hänsel, der von Frauke Willimczik (die in der Premiere die Mutter sang) rollendeckend verkörpert wurde. Ihr kräftiger Mezzo verband sich in idealer Weise mit dem Sopran ihrer Gretel. Beide boten auch eine überaus sympathische Verkörperung ihrer Rollen.

 

Die Aufführung in Fürth hat beeindruckt, die Musik Humperdincks tut es ohnehin. Ich habe kaum eine kritische Stimme beim Nachhausgehen gehört. Eine Oper der etwas anderen Art, die man ab und zu mit immer größerer Lust wieder hört und sieht. Der Abend war gelungen, das Publikum war zufrieden – und das ist schon mehr als man heutzutage über manche Opernaufführung sagen kann.

Manfred Drescher, 16.03.2014  

Fotos 1 und 2  = Martin Kaufhold, 3 = Eigenaufnahme

 

 

 

 

 

 

 

DIE ZIRKUSPRINZESSIN

29.12.2013                 

(Premiere Tourneetheater Herbst 2013)

Leise zieht das Glück vorüber – hält aber im Stadttheater Fürth inne

Die Operettenbühne Wien unter Heinz Hellberg bringt mit „Der Zirkusprinzessin“ die Manage ins Stadttheater Fürth. In diesem Sommer gastiert die Wiener Operettenbühne, die von Heinz Hellberg souverän und mit viel Gespür für den Publikumsgeschmack geführt wird, in Wunsiedel. In diesem Jahr kommt bei mir Bad Ischl dazwischen, deswegen war ich sehr erfreut, die Aufführung im wunderschönen neubarocken Theater in Fürth erleben zu dürfen. Und um es vorwegzunehmen, es war wieder ein Erlebnis. Heinz Hellberg weiß, wie man Operette inszeniert und wie man damit dann auch sein Publikum begeistert. Er will sich nicht selbst verwirklichen mit Inszenierungen, bei denen man keine Handlung mehr nachvollziehen kann, sondern er will nur eins, unterhalten. Und das gelingt ihm seit vielen Jahren immer wieder ausgezeichnet, so auch heute in Fürth. Er hat eine Reihe neuer Sänger um sich geschart, die auch wieder frischen Wind in die Aufführungen bringen und er hat mit seiner Frau, Susanne Hellberg (früher Susanne Fugger) ein Vollbluttheaterpferd an seiner Seite. Ich bitte Sie auch gleich um Verzeihung für die despektierliche Anrede, aber sie lebt die Operette und das spürt man bei jeder Note von ihr und bei jedem Tanzschritt. Man merkt ganz einfach, dass Sie das Theater liebt – und das Publikum liebt sie. Aber erst einmal schön der Reihe nach.

Regie führt Heinz Hellberg, der auch für die Bühnenfassung der leider nur sehr selten gespielten Operette von 1926 zuständig ist. Wunderschön anzusehen auch die farbigen und farbenfrohen Kostüme von Lucya Kerschbaumer und die Choreographie von Enrico Juriano kann ebenfalls voll überzeugen. Die Handlung ist mit ein paar Worten umrissen. Mister X (Thomas Markus) ist der Neffe des russischen Fürsten Palinsky. Er hatte sich unsterblich in Fedora (Judit Bellai) verliebt, die jedoch seinen Onkel geheiratet hat und er musste das zuhause verlassen. Voll Gram tritt er seitdem mit einer schwarzen Maske als Zirkusreiter Mister X auf, dessen Todessprung die Menge jeden Tag begeistert, seinen Seelenfrieden findet er jedoch nicht. In diesem Zirkus trifft er wieder auf Fedora, inzwischen die Witwe seines Onkels. Die alte Liebe flammt bei ihm wieder auf, er gibt sich jedoch nicht zu erkennen. Fedora hat inzwischen dem russischen Prinzen Vladimir (Viktor Schilkowsky) wiederholt einen Korb gegeben und ihm höhnisch zugerufen, dass sie eher einen Zirkusreiter als ihn heiraten würde. Der in seiner Ehre tief verletzte Prinz will sich rächen. Er engagiert Mister X, in den sich (ohne Maske) Fedora unsterblich verliebt und schließlich in der Manege heiratet. Nach der Hochzeit lüftet der Prinz das Geheimnis von Mister X, der sich nun aber auch als Fürst Pedja Palinsky zu erkennen gibt. Fedora, zutiefst enttäuscht ob der Intrige, will aber nun von ihm auch als Fürst nichts mehr wissen und er verlässt sie tief gekränkt und wütend. Doch wir befinden uns in einer Operette, man trifft sich in Wien wieder, versöhnt sich und einem Happy End steht nichts mehr entgegen. Selbstverständlich, und auch das ist typisch für die Operette gibt es noch ein zweites sogenanntes Buffopaar, welches für die überwiegend heiteren Seiten des Lebens zuständig ist. Der leichtlebige Hotelerbe Toni Schlumberger (Michael Weiland) wird von Prinz Vladimir für den Sohn seines Freundes Erzherzog Karl gehalten (dabei ist er nur der Sohn der Besitzerin des Hotels Erzherzog Karl (Sylvia Denk) und verliebt sich in die vermeidliche amerikanische Zirkusreiterin Miss Mabel (Susanne Hellberg), die in Wahrheit auch eine echte Wienerin ist. Beide heiraten gleich mit Fedora und Mister X in der Zirkusmanege. Nach einigen Kämpfen mit Mutter Schlumberger und der Hilfe des liebenswerten Oberkellners Pelikan (Peter Erdelyi) gibt es auch hier ein Happy End, Alle sind zufrieden, nur der Prinz Sergius bleibt allein zurück.

Das Orchester spielt sicher und souverän und ist überwiegend ein kongenialer Begleiter der Sängerdarsteller. Heinz Hellberg führt es mit lockerer, aber teilweise auch etwas härterer Hand, lässt aber seinen Sängern überwiegend den notwendigen Spielraum und lässt nicht die Orchesterwogen über ihnen zusammenschlagen.

Gesungen und gespielt wird größtenteils ausgezeichnet. An der Spitze Thomas Markus als Mister X, dessen Tenor kräftig, durchschlagsfähig, aber auch sanft und gefühlvoll ist. Er hat mit den hohen Tönen keinerlei Probleme und seine „Zwei Märchenaugen“ geben zu spontanem Beifall Anlass. Judit Bellai als Fürstin Fedora ist ihm eine fast ebenbürtige Partnerin. Vor allem in den Duetten kann sie bravourös bestehen. In ihren Solis ist sie mir manchmal etwas zu steif und unnahbar.

Über das Buffopaar gibt es kaum etwas zu klagen. Susanne Hellberg, gewohnt souverän, witzig und gut gelaunt und ebenso gut bei Stimme, ist eine voll und ganz überzeugende Zirkusreiterin Mabel aus Wien und Michael Weiland gibt als Toni Schlumberger eine gute tänzerische Leistung und kann auch mit seinem Spiel voll überzeugen, sympathisch und engagiert. Stimmlich ist er mir an diesem Abend etwas zu zurückhaltend, fast könnte man sagen „gebremster Schaum“. Zusammen geben aber beide eine rollendeckende Vorstellung.

Viktor Schilowsky gibt mit warmen, einfühlsamen Bariton eine überzeugende Darstellung des am Ende unglücklichen Prinz Sergius ab und Teresa Honzek als Piccolo Maxl sowie Mario Penev als Pinelli ergänzen die Riege der Sängerdarsteller ohne im geringsten abzufallen. Besonders erwähnen möchte ich noch Peter Erdelyi als Oberkellner Pelikan, der aus dieser Rolle alles herausholt und darstellerisch seine Pointen exzellent zu setzen versteht. Ihm ebenbürtig die resolute Sylvia Denk als Clara Schlumberger, die Besitzerin des Hotels „Erzherzog Karl“. Beide haben das Theaterblut verinnerlicht und bringen das Publikum mehr als einmal zum herzhaften Lachen.

Ich muss zugeben, dass ich sehr zufrieden, heiter und die „Zwei Märchenaugen“ vor mich hin pfeifend das Theater verließ. Was kann man von einem Operettenabend mehr verlangen, den man als voll gelungen bezeichnen kann. Ich freue mich schon auf die nächste Ausführung der Wiener Operettenbühne, die dann mit „Das Dreimäderlhaus“ und „Maske in Blau“ gastieren. Ich werde auf jeden Fall wieder als Besucher dabei sein.

Manfred Drescher, 30.01.2014  

Fotos Theater Fürth / Claudius Schuttee

 

 

 

 

Eine Aufführung von „Rigoletto“ im wunderschönen Stadttheater Fürth

RIGOLETTO

21.12.2013 (Premiere in Meiningen am 18.10.13)

Oft gehört und wieder einmal beeindruckend dargeboten

Vor wenigen Wochen war ich in einer aufsehenerregenden Aufführung von „Il Puritani“ in Meiningen und die gleichen Sänger gaben nun „Rigoletto“. Im Juni wollte ich mit meinen Freunden nach Meiningen um ihn mir anzuhören, aber da das Südthüringische Staatstheater Meiningen im Dezember mit „Rigoletto“ in Fürth gastierte, musste ich natürlich unbedingt dort hin, zu groß war die Vorfreude auf die musikalischen Genüsse. Das Stadttheater Fürth, mitten in der Innenstadt gelegen, wurde in den Jahren 1901 und 1902 im neubarocken Stil erbaut. Die Inneneinrichtung folgt dem Stil des Neurokoko und ich muss ehrlich zugeben, dass ich dieses kleine, aber wunderschöne Theater liebe. Die Fassaden schmücken sechs Repräsentanten aus dem Bereich der Musik und des Schauspiels in Form von Bildnismedaillons oder Büsten über den Fenstern. Das Theatergebäude ist zu einem Denkmal der deutschen Sprach- und Musikkunst geworden. Die Atmosphäre ist einfach einzigartig, dies kann man auch von der Akustik sagen. Leider sind im Stadttheater Fürth nur musikalische Gastspiele zu hören und zu sehen, da das Haus selbst kein eigenes Musikensemble beschäftigt. Seit 1990 leitet Werner Müller als Intendant das Stadttheater und entwickelte das sogenannte Drei-Stufen-Modell, welches das Theater vom Gastspielbetrieb über Koproduktionen bis hin zu regelmäßigen Eigenproduktionen führte. Pro Jahr werden ca. 250 Vorstellungen in den Spielstätten des Stadttheaters für weit über 100.000 Zuschauer realisiert. Es lohnt mit Sicherheit einen Besuch, wozu ich nur herzlich auffordern kann.

Gekommen war ich um Dae-Hee Shin als Rigoletto zu erleben und mich vor allem von der wunderbaren Elif Ayetkin als Gilda und dem exzellenten Tenor Xu Chang als Herzog verzaubern zu lassen. Ich wollte einfach nur das Traumerlebnis der „Puritaner“ in „Rigoletto“ wiederauferstehen lassen. Mit diesen hohen Erwartungen fuhr ich nach Fürth und war - jedenfalls am Anfang - maßlos enttäuscht. Aus gesundheitlichen Gründen hatte Elif Aytekin absagen müssen und auch der von mir hochverehrte Xu Chang sang nicht an diesem Abend, sondern die zweite Besetzung Rodrigo Porras Garulo übernahm den Part des Herzogs. Diesen hatte ich in relativ schlechter Erinnerung aus der schwachen Darbietung des Edwin aus der Aufführung der „Csárdásfürstin“ in Meiningen. Ich konnte mich nur dadurch trösten, dass ich wusste, dass ich im Juni „Rigoletto“ wieder in Meiningen erleben würde – und dann hoffentlich in der „richtigen Besetzung“. Ja, es ist schon schön, wenn man voreingenommen ist, genauso schön ist es aber auch, wenn man dies einsieht und insgesamt eine ausgezeichnete Aufführung des „Rigoletto“ erleben durfte. Doch alles der Reihe nach.

Wollen wir erst einmal über die Inszenierung von Ansgar Haag den Mantel des Vergessens breiten. Er verlegt die Handlung nach Sizilien, in das Jahr 1962, er lässt Rigoletto bei einem Unfall einen Arm verlieren und der Arme hat nun keinen Buckel, muss sich aber mit einem kaschierten Arm herumschlagen. Für mich ergibt das Ganze keinen Sinn, weil nichts stimmig ist. Ein ausschweifender Weiberheld in den 70er Jahren ist nicht unbedingt wahrscheinlich, ein einziges Bühnenbild und ein kleiner Container, der einmal als Wohnung von Gilda dient, einmal als Schlafzimmer des Frauenverführers und einmal als Kneipe Sparafuciles reißt mich nicht vom Hocker. Dieses Einheitsbühnenbild von Kerstin Jakobssen passt vielleicht noch in den 3. Akt, in die Spelunke, aber mit Sicherheit nicht in den Palast des draufgängerischen Herzogs. Ach, wie schön wäre es, wenn nicht die Selbstverwirklichung manch abstruser Ideen im Vordergrund stehen würde, sondern die stimmige inszenatorische Begleitung einer herrlichen Musik – und auch einer tollen Handlung im Original. Sei es, wie es sei, Gott sei Dank hat Meiningen Sänger, die auch in Fürth alles aus dem Feuer reißen.

Generalmusikdirektor Philippe Bach hat, wie so oft, auch wieder einen ausgezeichneten Tag und es gelingt ihm mit straffer, aber gleichzeitig einfühlsamer Hand aus der Meininger Hofkapelle alles aus der zündenden Musik von Verdi herauszulocken. Und noch etwas gelingt dem gut aufgelegten Orchester, dass es nämlich die Stimmen der Protagonisten nicht mit riesigen Klangwogen zudeckt. Insgesamt eine ausgezeichnete Leistung des Orchesters und seines Dirigenten.

Beginnen wir mit dem einzigen aus der sensationellen Aufführung von „Il Puritani“ verbliebenen Sänger und zwar dem – trotz seines einbandagierten Armes – kraftvoll, ausdrucksstark, heldenbaritonal singenden Dae-Hee Shin. Er hat einen langen Atem, eine durchschlagskräftige Höhe, aber auch die Möglichkeit zarte lyrische Passagen über die Rampe zu bringen. Ihm, der ja zu einer der Säulen in Meiningen gehört, gebührte zu Recht langanhaltender Beifall. Als Gilda war Gaseul Son für die erkrankte Elif Aytekin eingesprungen und sie war mehr als eine Einspringerin. Zerbrechlich und zierlich stand sie auf der Bühne, umso erstaunlicher wie sie von zarten berührenden lyrischen Passagen bis zu dramatischer Gestaltungskraft auftrumpfen konnte. Der Herzog wurde von Rodrigo Porras Garulo verkörpert – und er verkörperte ihn exzellent. Schon vom Erscheinungsbild der „geborene Verführer“ wartete er auch mit einem schmetternden Tenor auf, sowohl in den lyrischen Teilen, aber noch mehr im auftrumpfenden Forte mit glasklar gesetzten Spitzentönen konnte er voll überzeugen. Den Halsabschneider Sparafucile gab Ernst Garstenauer mit raumfüllender Bassorgel. Seine Schwester Maddalena wurde von Carolina Krogius verführerisch in Szene gesetzt, ihre körperlichen Reize bewusst ausspielend, konnte sie auch mit ihrer angenehmen dunkelgefärbten Altstimme überzeugen. Stephanos Tsirakoglou als Monterone, Kuksung Han als Ceprano, Camila Ribero-Souza als seine Frau, Marian Krejcik als Marullo, Stan Meus als Borsa, Ute Dähne als Giovanna und Dimitar Sterev als Kommissar vervollständigten das eindrucksvolle Ensemble, bei welchem kein Ausfall zu verzeichnen war.

Ich muss zugeben, dass ich trotz der hervorragenden Vorstellung gespannt bin auf den Juni, wenn ich in Meiningen die Alternativbesetzung erleben werde. Dieser „Rigoletto“ in dem wunderschönen Fürther Theater jedoch konnte mich bereits schon voll überzeugen.

Manfred Drescher, 14.01.2014  

Fotos 1+2 = foto-ed Meiningen, 3 = Eigenaufnahme

 

 

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