DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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www.oper-graz.com/

 

 

TURANDOT

Oper Graz, Premiere am 18.1.2014

Geschmackvoll-kluge Opulenz und großer Beifall! 

Marco Arturo Marelli ist gemeinsam mit seiner Frau, der Kostümbildnerin Dagmar Niefind-Marelli ein seit langem in Graz geschätzter Gastregisseur und –bühnenbildner. Hier  entstanden bisher  "Der Rosenkavalier", "Arabella", "Der Freischütz" (als Übernahme von der Wiener Volksoper) und 2010  die wunderbare " Frau ohne Schatten". Verständlich also, dass schon vor der Turandot-Premiere unter den Grazer Opern-Habitués die Vorfreude auf die neuerliche Begegnung in Gesprächen zu hören war. Diese Turandot- Inszenierung entstand in Kooperation mit der königlichen Oper Stockholm und hatte dort im  Februar 2013 Premiere. Wer wollte, konnte sich also schon durch ein Video über diese Inszenierung vorinformieren und auch die damalige Premierenkritik nachlesen. Die Grazer Einstudierung der Marelli-Inszenierung hatte Enrico de Feo übernommen, Marelli kam erst zu den Schlussproben.

Bevor noch die Musik einsetzt, öffnet sich der Vorhang – wir sehen in einem (fast möchte man sagen: Marelli-) blauen Raum die drei Hauptfiguren: links vorne steht statuenhaft-starr Turandot, rechts vorne kauert Liu und im Hintergrund ist offenbar Puccini, der später zu Calaf wird, am Klavier. Dann öffnet Puccini eine Spieldose, der „Kaiser-Hymnus“ erklingt, die Traumwelt wird durch Vorhangbahnen verhüllt und erst dann erklingt der erste Orchesterschlag. (Mit der Spieldose nimmt der Regisseur Bezug auf den Umstand, dass Puccini tatsächlich eines der Leit-Themen der Partitur durch eine chinesische Spieldose eines Freundes kennengelernt hatte. Analysen haben übrigens erwiesen, dass mindestens sechs oder sieben Turandot-Themen chinesischer Herkunft sind)

 

„Ein blauer Traumraum, das ist Einsamkeit“ – so Marelli in einem Interview. Man hat das zuletzt auch in seiner „Frau ohne Schatten“ erlebt: Durch wunderbare Lichtregie entwirft Marelli ein irreales Szenario, aus dem dann die Opernhandlung herauswächst. Diesmal entwickelt sich das Spiel auf drei Ebenen:

Im blauen Zimmer steht Puccini-Calaf im Spannungsfeld zwischen zwei Frauenidealen, davor lagert sich in Abendkleidung auf Theaterstühlen der Chor als voyeurhafte und sensationslüsterne Masse und im Vordergrund agieren die Protagonisten in prachtvoll-grellen asiatischen Kostümen samt einer virtuosen Schar von Artisten. Marelli und seiner Frau gelingt es auch in dieser Inszenierung wieder eindrucksvoll, eine zeitgemäß-kluge Interpretation des Werks in geschmackvoll-eleganter Form zu vermitteln. Da sind auch die krassesten Szenen nie derb, der ganze Abend ist opulent, aber nie vordergründig simpel oder kitschig.

„Wer wird meine Oper singen?“ fragte sich Puccini 1924. „Es gehört eine außerordentliche Frau und ein bedeutender Tenor dazu….“ 

Graz hat das Glück, diese außerordentliche Frau gefunden zuhaben.

Die aus Moskau stammende Mlada Khudoley (für Sprachinteressierte empfiehlt sich unbedingt die Erläuterung der Transkription ihres Namens!) kennt man in Graz seit ihrer hervorragenden Abigaille in Nabucco (2009) und ihrer packenden Katerina in Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzsenk (2011). Inzwischen hat sie weltweit an vielen großen Häusern gesungen, wie auf ihrer Homepage nachzulesen ist. So wie in Stockholm Nina Stemme in dieser Marelli-Produktion ihre erste Turandot gesungen hatte, so ist dies in Graz auch für Khudoley ein Rollendebut. Und dieses Rollendebut hat sie virtuos bewältigt. Khudoley verfügt nicht nur über die nötige Kraft für die gefürchteten Spitzentöne, ihr gelingt es auch, in lyrisch-warmer Farbe schöne Legatobögen im piano und mezzoforte zu singen - und ebenso vermag sie ohne Forcieren mit ihrer hervorragend sitzenden Stimme auch die Ensembles strahlend zu dominieren. Dazu kommt, dass sie in der Rätselszene des 2.Akts eine große darstellerische Bandbreite beweist: überzeugend erlebte man hier ebenso die stolze Prinzessin wie die verzweifelte Frau, die nach und nach ihre Machtsymbole abgeben muss. Das war durch Personenführung und Kostümierung sehr schön und bildhaft in Szene gesetzt. Bei der Stockholmer Premiere schrieb man: „this was definitely Nina Stemme’s night“ – nach der Grazer Premiere kann man mit Fug und Recht sagen: es war ein großer Abend der Mlada Khudoley!

 

Als Calaf erlebt man in Graz erstmals den aus Südkorea stammenden und in Düsseldorf ausgebildeten James Lee, der bereits in seinem ersten Engagement vor zwei Jahren an der Oper in Bukarest den Calaf gesungen hatte. Im September 2013  gewann er den renommierten Wettbewerb »Competizione dell’Opera«, der immer in verschiedenen europäischen Städten ausgetragen wird und 2013 in der europäischen Kulturhauptstadt Linz stattgefunden hatte. Lee gewann dort diesen angesehenen Wettbewerb mit Nessun dorma – nachzuhören hier Aber in einem Wettbewerb zu gewinnen,  ist doch etwas anderes, als die vollständige Partie darstellerisch auf der Bühne zu gestalten und stimmlich durchzustehen. Um das oben zitierte Puccini-Wort aufzugreifen: James Lee hat zweifellos die Anlagen, ein bedeutender Tenor zu werden, aber derzeit ist er wohl noch kein ausreichender Calaf. Wirklich eindrucksvoll sind seine strahlenden und sicheren Höhen, mit denen er sich im 2.Akt neben Mlada Khudoley durchaus behaupten kann, aber noch hat er nicht die notwendige breite Mittellage für diese heldenhafteste Tenorpartie unter den Puccini-Figuren. Und auch in den lyrischen Passagen fehlt es ganz einfach noch an Volumen. Auch darstellerisch bleibt er ein wenig blass. Im 3.Akt hatte man das Gefühl, dass er seinen Reserven im 2.Akt ausgeschöpft hatte – da wirkte noch so manches unfertig und einfach eine Nummer zu klein für diese Heldenpartie. Aber wie gesagt: James Lee hat durchaus eindrucksvolle stimmliche Anlagen.

 

Typengerecht besetzt als drastische fernöstliche Commedia dell’arte- Figuren waren die drei Minister mit Ivan Orescanin, Taylan Reinhard und Martin Fournier, wobei die beiden Tenöre mit klarer Stimmführung und einigen schönen Legatophrasen dominierten. Nach einer Babypause stand erstmals wieder das beliebte Grazer Ensemblemitglied Gal James in der Rolle der Liu auf der Bühne. Im 1.Akt bei „Signore, ascolta“ fehlte noch der frühere stimmliche Glanz, das „Tu, che di gel sei cinta“ im 3.Akt gelang schon wesentlich besser. Konstantin Sfiris war ein mächtiger Timur, David McShane vor allem bei seinem zweiten Auftritt ein sonorer Mandarin und Manuel von Senden ein profilierter alter Kaiser. Chor und Extrachor (Leitung: Bernhard Schneider) boten das nötige Klangvolumen.

Die musikalische Gesamtleitung hatte der junge venezolanische Dirigent Domingo Hindoyan. Er wurde mit der Saison 2013/14 an die Staatsoper Berlin als 1. Assistent von Daniel Barenboim geholt. Seine Ausbildung erfuhr Hindoyan anfangs in Venezuela im Rahmen von »El Sistema« als Geiger, bevor er dann in Genf Dirigieren studierte. An der Oper Graz hat Domingo Hindoyan in der Spielzeit 2012/2013 die Tanzproduktion "Celebrating Sacre", die Neuinszenierung von "Hänsel und Gretel" und die Wiederaufnahme von "La traviata" geleitet. Die Turandot-Premiere dirigierte er mit großen und energischen Gesten. Er bevorzugte große pathetische Bögen und Ausbrüche – ein wenig wurde man bei diesen mächtigen Orchesterfluten daran erinnert, dass das Werk in der Zeit des aufkommenden Faschismus geschrieben wurde. Mehrmals gab es kleinere Koordinierungsprobleme zwischen Orchester, Bühne und den hinter der Bühne postierten Ensembles und es wäre vor allem schön, wenn sich in den folgenden Vorstellungen ein transparenterer und differenzierter Orchesterklang entwickeln könnte - damit auch die lyrischen Valeurs der Partitur zur Geltung kommen.

 

Zum Schluss nochmals ein Wort zu Werk und Inszenierung: Puccini musste das Ende des Stücks ungelöst lassen. Er setzte sich intensiv mit verschiedenen Varianten auseinander, die ihn aber alle unbefriedigt ließen – und so war es durchaus konsequent, dass Toscanini die Uraufführung am 25.4.1926 nur bis zu jener Stelle dirigierte, an der Puccini von der Krankheit zum Aufhören gezwungen war, nämlich nach dem Tod der Liu. Erst zwei Tage später wurde die von Franco Alfano ergänzte Version erstmals aufgeführt. Diese Fassung wurde auch in Graz aufgeführt und Marelli schreibt im Programmheft über das Ende nach dem Freitod Lius: „Betroffen wendet sich die Menge von der Prinzessin und dem fremden Prinzen ab. Im Lichte der Morgenröte stehen Turandot und Calaf einander gegenüber.“

Gesehen haben wir aber in Graz ganz einen anderen Schluss: Nicht nur Turandot und Calaf erscheinen in Hochzeitskleidung – nein, auch der gesamte Chor erscheint in Hochzeitskleidung und es wird offensichtlich eine Massenhochzeit gefeiert…. Welche neuen Rätsel wurden uns da aufgegeben ?? Wie auch immer: das Publikum im ausverkauften Haus ließ sich nicht beirren und feierte alle Ausführenden mit großem, mit einhelligem (und wenig differenziertem) Beifall. In der Nachtkritik unmittelbar nach Ende der Vorstellung konnte man lesen: „Donnernder Applaus nach Phonorgie“ – dem ist nichts hinzuzufügen!

  

Hermann Becke, 19.1.2014

Fotos: Oper Graz, Werner Kmetitsch

Weitere Vorstellungen
22.1., 30.1., 2.2. (18.00 Uhr), 6.2., 9.2. (18.00 Uhr), 1.3., 7.3., 12.3.,
21.3., 6.4. (15.00 Uhr), 27.4. (15.00 Uhr), 16.5., 18.5. (18.00 Uhr), 25.5. (18.00 Uhr)
Beginn jeweils 19.30 Uhr, sofern nicht anders angegeben

 

Links:

Video : Probenausschnitte samt Interviews mit Intendantin und Dirigent

Zeitungsinterview : Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli

 

 

 

 

 

CAROUSEL

Premiere: 7.12.2013 (Grazer Erstaufführung)

Publikumserfolg für ein selten aufgeführtes Musical!

An diesem Samstag begann die Grazer Erstaufführung des Musicals „Carousel“ von Rodgers & Hammerstein im Opernhaus um 19h30. Aber die berühmte Schlussnummer „You’ll Never Walk Alone“ konnte man schon davor um 18h30 im Fernsehen erleben – allerdings nicht in der Grazer Oper aufgezeichnet, sondern inbrünstig gesungen, um nicht zu sagen gebrüllt von 80.645 hoffnungsvollen Fußballfans im ausverkauften „SIGNAL IDUNA Park“-Stadion von Dortmund beim Spiel Borussia Dortmund gegen Bayer 04 Leverkusen! Die Fußballfans werden wohl nicht gewusst haben, von wem dieses Stück stammt und die Premierenbesucher, werden wohl kaum einmal im fußballstadion gewesen sein…….

Heute hört man also die Carousel-Musik in vielen Fußballstadien, aber nur selten auf den Bühnen im deutschsprachigen Raum. Laut Statistik des Deutschen Bühnenvereins gehört „Carousel“ nicht zu den 20 beliebtesten Musicals. In Österreich wurde das Werk erstmals 1972 an der Wiener Volksoper gezeigt – und nun eben in Graz in einer besuchenswerten Produktion.

Vorweg daher einige Informationen zum Stück, das vielleicht unter Opernfreunden nicht allgemein bekannt ist: Ferenc Molnárs 1909 in Budapest uraufgeführte Vorstadtlegende "Liliom" wollten schon Giacomo Puccini und George Gershwin vertonen, doch der im New Yorker Exil lebende Molnar lehnte ab - erst Oscar Hammerstein und Richard Rodgers durften den Stoff 1945 als Musical herausbringen. Zwar bleibt auch im Musical das Scheitern eines Menschen an seiner eigenen Hilflosigkeit und dem ungeschriebenen Gesetz, wonach jeder für sein Glück oder Unglück selbst verantwortlich ist, auch weiterhin zentrales Thema, doch die krasse Direktheit der Vorlage wird abgemildert: Der leichtlebige Hutschenschleuderer Billy Bigelow liebt die Arbeiterin Julie Jordan und verliert deswegen seine Anstellung. Dennoch ist Billy glücklich, da Julie ein Kind erwartet. Er lässt sich zu einem Raubüberfall überreden, der allerdings misslingt. Um sich der Verhaftung zu entziehen, begeht Billy Selbstmord. Im Hinterhof des Himmels, wo er seine Sünden abbüßen muss, erhält er die Erlaubnis, nach 15 Jahren für einen Tag auf die Erde zurückzukehren, um für seine Tochter Louise eine gute Tat zu vollbringen. Als Geschenk bringt er ihr einen gestohlenen Stern mit. Ohne dass Louise ihn sehen kann, darf Billy der Schulabschlussfeier seiner Tochter beiwohnen. Für ihren Lebensweg rät er ihr, nicht zu verzagen und aufrecht in die Zukunft zu blicken.

„Carousel“ enthält nur sehr wenige und knappe Dialoge, die zudem nahezu alle musikalisch untermalt sind, so dass der Eindruck eines durchkomponierten Werks entsteht. Rodgers schreibt seine Songs arienhaft, eher angelehnt am Genre Oper als an der Operette. In Graz hat man sich für die deutsche Fassung mit englisch gesungenen Liedern entschieden. Für die szenische Umsetzung hat man auf ein erfahrenes Team gesetzt, das auch schon in Graz erfolgreich war – zuletzt in „Gigi“ im März 2012: Matthias Davids (Inszenierung), Mathias Fischer-Dieskau (Bühne & Video) und Judith Peter (Kostüme); neu kamen Melissa King (Choreographie) und Guido Petzold (Licht) dazu.

Der Regisseur schreibt im Programmheft: „Das Karussell ist ein Ort, an dem sich Träume und Wünsche erfüllen, ein bunter Ort. Alle anderen Schauplätze befinden sich quasi ‚hinter den Kulissen‘. Die wahre Welt ist hässlicher als die Scheinwelt, sie wird von Brettern zusammengehalten und ist grauer und freudloser.“ (Das Programmheft ist von Dramaturg Bernd Krispin sehr informativ zusammengestellt – durch den von ihm übersetzten Auszug aus der Autobiographie von Richard Rodgers erhält man einen sehr schönen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Werks).

Das Werk ist übrigens natürlich auch aus der damaligen politischen Situation zu sehen: Die Uraufführung am 19.April 1945 fand kurz vor dem Ende des 2.Weltkriegs statt, auch noch vor dem Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki. Das Lied „You’ll Never Walk Alone“ hatte für viele, die um Angehörige bangten, die an der Front des 2.Weltkriegs  kämpften, eine emotionale Wirkung. Diese wurde durch den Text noch verstärkt, weil eine schwangere Frau ermutigt wird, den Tod ihres Mannes zu überwinden. Am 1. Mai 1945 stand Frank Sinatra im Studiound nahm die erste Single-Version des Liedes auf. Das alles muss man mitbedenken. Für uns Europäer ist die Anreicherung des Liliom-Stoffs mit Ballettszenen und erst recht mit dem Schulfest am Ende des Stücks eben Ausdruck des „American Way of Life“ der Entstehungszeit und des Bemühens trotz aller Probleme eine „heile Welt“ zu zeigen. Ich teile nicht die Auffassung eines Besuchers, der mir nach der Premiere sagte, „das Stück sagt uns heute nichts mehr und die Musik ist belanglos“. Was sagt dem heutigen Opernbesucher z.B. die Geschichte von Madame Butterfly?? Wie immer bei musikdramatischen Werken geht es primär um die Frage: Wie wird das Werk heute auf die Bühne gebracht und können die Protagonisten uns anrühren? Und da ist der Grazer Produktion zu einer wohlgelungenen Gesamtleistung zu gratulieren. 

Das Inszenierungsteam hat sehr geschickt die Mittel der modernen Bühnentechnik eingesetzt: die Drehbühne, sparsame Dekorationen, stimmungsvolle Projektionen sorgen für den gerade bei einem Musical unverzichtbaren raschen Szenenwechsel, die Choreographie setzt mit der Grazer Tanzkompanie wirkungsvoll die Originaltänze der Uraufführung um und bindet das bunt gemischte Solistenteam sehr geschickt in die Bewegungsabläufe ein. Macher mag es vielleicht als Nachteil empfunden haben, dass da kein vereinheitlichter, geradezu „synchronisierter“ Musical-Stil zu erleben war. Aber die Mischung von Opern-, Operetten-, Schauspiel- und Ballettkräften mit echten Musical-Spezialisten war erfrischend und erlaubte eine individuelle Zeichnung der einzelnen Charaktere.

Aus der Opernwelt kommt der englische Heldenbariton James Rutherford – in Graz und inzwischen auch international als Hans Sachs, Orest, Falstaff, Barak hoch geschätzt. Er war kaum wiederzuerkennen: der gewichtige Held hatte 30 kg abgenommen und war nun ein geradezu schlanker und sympathischer junger Mann, dem man eher seine emotionale Unbeholfenheit als seine latente Gewalttätigkeit abnahm. Er bewältigte die deutschen Dialoge ausgezeichnet und war stimmlich prächtig disponiert, wobei er den Musicalton wunderbar traf. Da war nichts zu dick gesungen, die großen Bögen wurden ideal gespannt und auch mit schlank-strahlenden Höhen wurde nicht gegeizt. Rutherford schließt mit dieser Partie an eine Tradition großer Vorgänger an, die neben der Oper auch im Musical-Fach überzeugten – man denke an Ezio Pinza, Cesare Siepi oder George London, der auch Carousel gesungen hat - nachzuhören auf http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/George-London-Triumph-and-Tragedy/hnum/3299800

Ich bin überzeugt, dass sich seine Auseinandersetzung mit dieser Musical-Partie positiv auf seine klassischen Opern-Partien auswirken wird – und da kommt als nächstes ab April der Mandryka in Amsterdam und in Hamburg. Seine Julie war Sieglinde Feldhofer, die trotz ihrer Jugend schon reichliche Bühnenerfahrung erwerben konnte und die sich stimmlich sehr geschickt und überaus erfolgreich im Grenzbereich zwischen Oper, Operette und Musical bewegt – nicht umsonst hat sie in diesem Jahr den „Goldenen Schikaneder“ als beste Nachwuchskünstlerin verliehen bekommen. Feldhofer hat auch in dieser Rolle bewiesen, dass man mit ungekünstelter Natürlichkeit in Stimme und Spiel das Publikum anrühren kann. Bei ihr gibt es kein kitschiges Sentiment, sondern ehrliche und der Rolle adäquate Ausstrahlung.

Ihre Freundin Carrie gestaltet die in großen Opernrollen bewährte Mezzosopranistin Dshamilja Kaiser – hier erstmals in einer großen Musical-Rolle. Sie gestaltet diese Figur überzeugend-köstlich als überspanntes bürgerliches Wesen des amerikanischen Mittelstands und stattet die Partie mit üppigen Stimmfarben aus. Für sie gilt das zu Rutherford Gesagte: die Auseinandersetzung mit dem Musical wird ihre demnächst an der Wiener Volksoper bevorstehende Carmen und die in Graz geplante Léonore in Donizettis „La Favorite“ bereichern.

Ganz aus dem Musical-fach kommt die wunderbare Dagmar Hellberg als Nettie Fowler. Sie versteht es ideal eine lebensvoll-pralle Figur mit dem nötigen Ernst zu verbinden und singt mit ihrer Musical-erprobten Stimme so ganz anders als Rutherford und Kaiser, ohne dass dies die Geschlossenheit des Ganzen beeinträchtigt. Den Bösen im Stück – Jigger Craigin – gestaltet der Schauspieler Christian Dolezal virtuos. Sowohl in seiner Körpersprache als auch in seiner Artikulation ist geradezu bedrückend das Böse. Den biederen Enoch Snow stattet Martin Founier mit schönen Tenortönen und prägnantem Spiel aus. Die erprobten „Veteranen“ der Grazer Musiktheaterszene Uschi Plautz als Mrs .Mullin und Götz Zemann (Starkeeper/Doktor) sind eine verlässliche Ergänzung des Ensembles.

Zu all diesen prägnanten Bühnenpersönlichkeiten kommt noch eine junge Gruppe von engagierten und bewegungsfreudigen Musicalspezialisten –gleich vier von ihnen aus dem Wiener Performing Center Austria ( http://www.performingcenter.at/performing-artists-im-karussell-des-lebens ) – an deren Spitze beeindruckend vor allem , wie Astrid Gollob die heikle Rolle der 15-jährigen Tochter Louise in Tanz und Ausdruck bewältigt. Und eines darf keinesfalls vergessen werden:

Unter der Leitung von Marius Burkert spielt das Grazer Philharmonische Orchester schwungvoll und mit stets ausgewogenem Klang. Burkert versteht es großartig, den Übergang zwischen Dialogbegleitung und den einzelnen Musiknummern bruchlos zu gestalten und die Sänger immer aufmerksam-rücksichtvoll zu begleiten, ohne dabei an Orchesterprofil einzubüßen. Am Ende gab es im diesmal nicht ganz ausverkauften Haus uneingeschränkten Beifall für alle - mit einem deutlich höheren Pegel und Bravorufen für Rutherford, Feldhofer und Dolezal. Der Grazer Oper ist zu gratulieren, sich dieses im deutschen Sprachraum bisher selten aufgeführten Werkes angenommen zu haben. Vielleicht leitet die Grazer Produktion einen Umschwung ein?! 

Hermann Becke, 8.12.2013                               Fotos: Oper Graz, © Dimo Dimov

 

PS für Fußball-Interessierte:

Borussia-Dortmund hat übrigens das eingangs erwähnte Spiel am Premierenabend mit 0:1 verloren. Auf der Homepage ist zu lesen „Wir haben verdient verloren“ – umso berechtigter ist es wohl, wenn die Fans der Borussen beim nächsten Spiel am 11.12. in Marseille wieder singen werden „You’ll Never Walk Alone“!

Links:

Sieglinde Feldhofer: http://sieglindefeldhofer.com/

Nächste Aufführungstermine in Graz:

http://www.oper-graz.com/vorstellung.php?id=17635&cat=&type=

Ausschnitte der Premiere werden am 15.12.2013 ab 20h04 auf Radio Steiermark gesendet:

http://steiermark.orf.at/radio/stories/2618807/

Unbedingt anhören: die Dortmunder Fußballfans mit „You’ll Never Walk Alone“ (leider keine Aufzeichnung vom 7.12.2013, aber dennoch signifikant und für alle interessant, die sich nie in ein Fußballstadion begeben): //youtube.com/watch?v=jT-p71C-0ho

 

 

 

 

 

Karlheinz Stockhausen für Kinder

DER KLEINE HARLEKIN

Vorstellung auf der Studiobühne der Oper Graz  am 01.12.2013                                   Premiere in Wien: 22.11.2013 (Wiener Taschenoper)

Ambitionierter Versuch

Die Wiener Taschenoper  (http://taschenoper.at/de) produziert vornehmlich zeitgenössische Oper in Koproduktion mit Partnern im In- und Ausland. Sie vergibt regelmäßig Kompositionsaufträge und richtet ihr Augenmerk auf die Klassiker der Avantgarde (Stockhausen, Cage, Xenakis u.a.). Sie experimentiert im Grenzbereich zwischen Musiktheater, Multimedia-Performance und zeitgenössischem Tanz. Seit 2006 engagiert sie sich außerdem im Bereich Kinderoper  - und so steht die aktuelle Produktion unter dem Motto „Karlheinz Stockhausen für kleine und große Kinder ab 8 Jahren“. Es ist dies eine Koproduktion mit der Bayerischen Staatsoper, dem Natalia-Sats-Theater Moskau und der Oper Graz, die nach der Premiere in Wien nun die Produktion auf ihrer Studiobühne zeigt und damit ein modernes Werk in die Reihe der Familien- und Schülerkonzerte einbaut.  

Die Produktion hat Teile aus fünf verschiedenen Stockhausen-Werken zusammengefügt: „Eine junge, sprudelnde Klarinettistin spielt auf zum Tanz. Doch dann betreten drei Burschen die Szene, und es kommt zum Streit. Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich immer mehr seiner selbst bewusst wird, hin-und hergerissen zwischen Gut und Böse zu EVA heranwächst und an der Seite MICHAELs in eine neue Welt entschwebt.“  - das schreibt der Programmfolder.

Einer der Mitbegründer von „La Fura dels Baus“ – Carlus Padrissa - inszenierte erstmals für Kinder. Allerdings hatte er sich gemeinsam mit dem Bühnenbildner Roland Olbeter, dem Videokünstler Franc Aleu und dem Kostümbildner Chu Uroz in diesem Sommer schon intensiv mit Stockhausen auseinander gesetzt - nämlich bei der nordamerikanischen Erstaufführung von Stockhausens „Michaels Reise um die Erde“ im Lincoln Festival Center . Und wenn man das im Netz verfügbare Video anschaut ( //youtube.com/watch?v=COgRQ7oj0M0 ), dann weiß man, dass die Elemente dieser Aufführung  nun für diese Produktion genutzt wurden.

Die Aufführung an einem Sonntagnachmittag war recht gut besucht  mit etwa je zur  Hälfte von Kindern und Erwachsenen  - und es war interessant zu beobachten, wie die Kinder reagieren, zumal es zwei völlig unterschiedlich geartete Teile gab. Der erste Teil beschränkte sich musikalisch auf die Klarinette und die Bratsche und die stumm agierenden Figuren des weißen Michael und des roten Luzifer.  

Die wenigen bühnentechnischen Mittel – eine großes Strohpuppe, Feuer, Nebel – lenkten nicht ab, sondern sorgten für Spannung. Die Kinder waren aufmerksam und konzentriert. Man hatte den Eindruck, siehe lauschen wirklich den Tönen nach und folgen geradezu gebannt den Bewegungen der Akteure. Nach der Pause ein ganz anders Bild: vor der Bühne ein Gazevorhang, auf den faszinierende Videos projiziert werden- mit einer Raumschifflandung, Sternenhimmel, Fischen, Vögeln, sich öffnenden Blüten, ja die ganze Weltkugel wird sichtbar. Die agierenden Figuren bleiben mitsamt dem mechanistischen Drachen hinter diesem Vorhang im wahrsten Sinne des Wortes im Hintergrund.  

Die Instrumente Trompete (Michael) und Bassetthorn (Eva) gehen durch die vielfältigen optischen Reize und die elektronische Musik fast unter. Und plötzlich sind auch die Kinder, die noch im ersten Teil so aufmerksam waren, unruhig. Wieder ein Beweis für mich , dass Kinder sehr wohl auch ungewohnten Klängen und Aktionen aufmerksam folgen, solange der agierende Mensch im Vordergrund steht und nicht ein Übermaß an elektronischen (akustischen und optischen) Eindrücken ablenkt – wohl ein klarer Auftrag an alle Bühnenverantwortlichen!

Für den an Stockhausen Interessierten war klar, dass es nicht Ziel dieser Produktion für Kinder sein konnte, den okkulten Hintergrund herauszuarbeiten, der Stockhausen so stark bewegte. Aber selbst die ganz einfache Botschaft, dass das Gute über das Böse siegt, konnte durch die überbordenen optischen und akustischen Reize meiner Meinung nach nicht schlüssig vermittelt werden. Schade, dass damit im zweiten Teil die hervorragenden Leistungen der agierenden Instrumentalisten zu sehr in den Hintergrund gedrängt wurden. Das junge Team war nämlich großartig – sie alle sollen ausdrücklich gewürdigt und für weitere Aufgaben empfohlen werden:

Merve Kazokoglu (Klarinette/Bassetthorn/Tanz):

http://www.internationale-em-akademie.de/de/iema/masterstudiengang/stipendiaten/2007-08/11509

Simon Schellnegger (Bratsche): http://oe1.orf.at/artikel/275465

Paul Hübner (Trompete) und Stephen Menotti (Posaune), die beide gerade Preisträger beim Karlsruher Wettbewerb für die Interpretation zeitgenössischer Musik  geworden sind:

http://www.hit-karlsruhe.de/hfm-ka/hfm/akutell/2013/131029_pm_ZeitGenussWettbewerbePreistraeger.pdf

Insgesamt war es eine interessante Aufführung, die sicher dazu beiträgt, dass die Jugend für zeitgenössisches Musiktheater interessiert werden kann. Die Oper Graz hat dies offenbar erkannt und eine ganze Reihe von Vormittagsterminen für Schulen angesetzt. Soferne die Schulkinder entsprechend vorbereitet werden, werden sie spannende eineinhalb Stunden erleben. Für unsere bayrischen Leserinnen und Leser hier schon die Vorschau auf die Münchner Termine im nächsten Frühjahr: 28.03.-30.03. und 03.04.-05.04.2014  -  Der Besuch lohnt!

Hermann Becke,  05.12.2013

Fotos: Taschenoper Wien, © Robert Polster und Dimo Dimov

 

Links:

Hier ein sehr informatives Video über die Grazer Aufführung:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/video/multimedia.do?action=showEntry_VideoDetail&project=462&id=367967

und hier video clips mit der Klarinettistin der Uraufführung und Stockhausen selbst:

http://www.stockhausen.org/Harlekin_Clip.mov

Die komplette Werkausgabe von Stockhausen auf CD:

http://www.stockhausencds.com/

 

 

 

 

DIE ZAUBERFLÖTE

Premiere am 9. 11.2013

Sarastro als blinder Dandy im cremefarbenen Dreiteiler, die beiden Geharnischten als Teilzeitkomiker, Papageno als Dosenravioli essender Aussteiger, der in einem Flugzeugwrack wohnt und seine Vögel in Plastiktüten sammelt – an der "Zauberflöte" hat sich schon mancher verhoben. Zu fragil ist bei Mozarts Oper die Mischung aus Märchen und Mysterium, aus Leichtigkeit und Schwere, Einfachheit und Vielschichtigkeit. Jetzt hat sich die französische Regisseurin Mariame Clément an der Straßburger Opéra national du Rhin der nach wie vor meistgespielten Oper angenommen. Und sie buchstäblich in den Sand gesetzt. Den gesamten ersten Akt lässt die Regisseurin in einer offenen Landschaft spielen: zwischen Sand und Steinen, Schilf und Sträuchern (Bühne und Kostüme: Julia Hansen), halb Wildnis, halb Idylle. Hier trifft Tamino auf eine künstliche, begrenzt gefährliche Schlange und auf einen echten Hund. Hier hält aber auch Monostatos Pamina gefangen. Zu "Das klinget so herrlich, das klinget so schön" treten ein paar Müllmänner mit orangefarbenen Bademützen auf und genauso schnell wieder ab. Sarastro wandert mit Blindenstock ebenfalls gerne durch diesen Hain. Und seine Gefolgsleute untersuchen mit ihren Lupen ein paar Gräser.‘

Das schreibt die Badische Zeitung im Dezember 2012 über die Premiere jener Inszenierung, die nun erstmals in Graz – natürlich in eigener Sängerbesetzung - gezeigt wird, und die dann auch noch weiter an die Opéra de Nice Côte d'Azur weiterwandern wird. Dank der informativen Website ‚The Opera Critic‘ (The world's leading gateway and information resource for opera on the Internet) können alle sieben Kritiken, die recht einhellig sind, nachgelesen werden. Der interessierte Opernfreund kommt also vorinformiert in die Grazer Premiere, gleichzeitig aber mit dem Vorsatz, möglichst unbefangen und ohne Vorurteil die Grazer Aufführung zu erleben. Derzeit gibt es ja  in Österreich geradezu einen Boom an Neuinszenierungen der Zauberflöte: das begann im neuen Linzer Musiktheater im September, nun folgen Graz und die Wiener Staatsoper (17.11.) und im Juli wird die Zauberflöte bei den Bregenzer Festspielen in der Produktion von David Pountney wieder aufgenommen - bereits jetzt vom Publikum gestürmt, sodass Bregenz schon zwei Zusatzvorstellungen ansetzen musste.

Auch die Grazer Premiere fand vor vollem Hause statt. Und wie bei der Saisoneröffnung mit Lohengrin war auch bei der zweiten Opernpremiere eine ganz kurzfristige Umbesetzung zu bewältigen. Am Tag vor der Premiere musste das Pressebüro melden: „Aufregung kurz vor der Premiere der „Zauberflöte“ an der Oper Graz: Johee Keum, die koreanische Sopranistin, die morgen, 9.11., mit der Partie der Königin der Nacht an der Oper Graz debütieren sollte, ist gestern Abend an einem plötzlich auftretenden Infekt erkrankt. Ihr Debut muss sie nun auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Glücklicherweise konnte kurzfristig hochkarätiger Ersatz gefunden werden, so dass die Premiere nicht länger gefährdet ist. Die junge Sopranistin Hila Fahima wird einspringen. Seit dieser Saison gehört sie dem Solistenensemble der Wiener Staatsoper an, davor war die Preisträgerin des „Europäischen Gesangswettbewerbs DEBUT 2010“ an der Deutschen Oper Berlin engagiert. Ihre Ausbildung erhielt Hila Fahima an der Jerusalem Rubin Academy for Music.“

Nicht zuletzt diese Umbesetzung ist Anlass, sich in diesem Bericht zuerst mit den musikalischen Leistungen auseinanderzusetzen – umso mehr als man über die Inszenierung durch die oben erwähnten Berichte und die Szenenfotos ohnedies vorbereitet war.

Beginnen wir also mit der 26-jährigen israelischen Sopranistin Hila Fahima, die innerhalb eines Tages eingesprungen ist und damit die Premiere gerettet hat. Die Königin der Nacht hatte sie bereits im Vorjahr an der Deutschen Oper in Berlin gesungen. Mit  attraktiv-jugendlicher Erscheinung und zarter, sauber geführter Stimme war sie bei der ersten Arie noch recht vorsichtig, die Rachearie im 2.Aufzug gelang dann sehr schön mit kalt-blitzenden Koloraturen. Insgesamt gewann man an diesem Abend den Eindruck, dass ihr derzeit noch die dramatische Attacke ein wenig fehlt und dass sie in jenen Rollen sehr gut eingesetzt sein wird, die sie an der Wiener Staatsoper singt (Frasquita und demnächst den Maskenball-Oscar).  Ausgezeichnet besetzt waren die drei Damen, so wie es diese Partien verlangen mit Sängerinnen des ersten Fachs – und dies sind Margareta Klobučar und Dshamilja Kaiser wahrlich, solid ergänzt mit der jungen Xiaoyi Xu, deren schöntimbriertes Material sich zunehmend profiliert.

Yosep Kang debütiert mit dem Tamino in Graz. Der koreanische Tenor hat schon eine ansehnliche Karriere an deutschen Bühnen hinter sich und ist nun Mitglied der Deutschen Oper Berlin, wo er im Oktober auch den Tamino sang. Er zählte an diesem Premierenabend zu den großen Pluspunkten. Mit klarer Artikulation und einem hellen, in allen Lagen ausgeglichenen Tenor, aber auch mit glaubhaftem Spiel war er ein sehr guter Tamino, der am Ende verdient großen Beifall erntete. (Die Grazer Spielpläne ab 2014/15 sind noch nicht bekanntgegeben, aber aus Kangs Website kann man übrigens entnehmen, dass Graz offenbar in absehbarer Zeit einen Guillaume Tell mit ihm zu erhoffen hat).

Der zweite große Pluspunkt des Abends war der Papageno des 29-jährigen Südtirolers Andrè Schuen. In ungekünstelter Natürlichkeit spielte er die von der Regie geforderte Aussteigerfigur. Dazu sang er mit charaktervoll-warmer Stimme und stets vorbildlicher Wortdeutlichkeit. Er hatte am Ende eindeutig den größten Publikumsbeifall. Welch Verlust, dass er im nächsten Jahr nicht mehr dem Hausensemble angehören wird! Aber eigentlich war dies ja von seinen ersten Auftritten im Jahre 2010 an klar (und ist in den Opernfreund-Berichten nachzulesen): dieser junge Mann wird nicht lange in Graz zu halten sein. Man kann gespannt sein, wie er sich im nächsten Jahr in Harnoncourts da Ponte-Zyklus im Theater an der Wien als Figaro, Guglielmo und Don Giovanni bewähren wird. Zwei Routiniers des Grazer Stammensembles sorgten dafür, dass in der etwas nervös-angespannte Premieren-Atmosphäre etwas Ruhe und Würde aufkommen konnten. David McShane sang wie in der letzten, schon 10 Jahre zurückliegenden Zauberflöten-Produktion mit breit ausladender Stimme den Sprecher sehr schön Wilfried Zelinka schien bei seinem ersten Auftritt am Ende des 1.Aufzugs noch etwas zurückhaltend (vielleicht auch von der Regie beeinträchtigt, ja gehetzt), gestaltete aber dann seine beiden Arien mit breiter Kantilene und hier auch mit dem nötigen Gewicht in der Tiefe.

 

Die persische Sopranistin Nazanin Ezazi begann in der Saison 2011/12 im Grazer Opernstudio und erarbeitete sich nun mit der Pamina nach Adina und Nanetta die erste große Rolle im lyrischen Fach. Leider musste man an diesem Abend registrieren, dass diese Rolle von ihr (noch) nicht erfüllt werden kann – zu unruhig, ja unsicher ist ihre Stimmführung. Einige wenige schöne Spitzentöne können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der große lyrische Bogen fehlt. Manche rhythmische und intonatorische Ungenauigkeit wird wohl auch auf die Premierennervosität zurückzuführen gewesen sein. Schade, dass durch diese Besetzung dem sonst so guten und ausgewogenen Vokalensemble das Zentrum fehlte. Positives ist hingegen über ein weiteres junges Ensemblemitglied zu berichten: Mit der Papagena hat Tatjana Miyus nach der Musetta eine weitere Fachrolle dazugewonnen, die sie erwartungsgemäß mit lebhaftem Charme erfüllte und die sie gesanglich blitzsauber gestaltete. Manuel van Senden war ein prägnanter Monostatos – Taylan Reinhard und Konstantin Sfiris bewährten sich als Priester und Geharnischte stimmlich, aber auch schauspielerisch. Sehr Erfreuliches ist auch über die drei Knaben (2 Mädchen, 1 Bub) zu vermelden, die aus der Singschul‘ der Grazer Oper kommen und die ihren Part mit Frische bewältigten. Chor und Extrachor (Leitung: Bernhard Schneider) singen klangschön und recht präzise – schade, dass die Regie den Chor gerade in der entscheidenden Finalszene von der Bühne in die beiden Proszeniumslogen verbannte. Das ist nicht nur nicht dem Stück gemäß (dazu komme ich noch später), sondern es beeinträchtigt auch das akustische Gesamtbild.

In einem gewichtigen Punkt der musikalischen Umsetzung habe ich ernsthafte Einwände: Der neue Grazer Opernchef Dirk Kaftan wählt vom Vorspiel an durchwegs sehr zügige Tempi, jedes Adagio wird gleichsam zum Andante und das Allegro zum Presto – fast hat man den Eindruck, das Tempo der Regie und des Orchesters feuern sich gegenseitig an. Diese zügigen Tempi haben den Vorteil, dass ein durchaus vorwärtsdrängender Zug zwischen den einzelnen musikalischen Nummern und damit kein Spannungsabfall eintreten, aber gleichzeitig den Nachteil, dass musikalische Ruhepunkte erschwert werden. Die Sängerroutiniers McShane und Zelinka schienen sich da in der Sprecherszene und in den beiden Sarastroszenen (mit Mühe) gegen den vorwärtsstürmenden Dirigenten durchgesetzt zu haben, Pamina und Papageno gelang das aber z.B.im Andantino des Duetts „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ nicht. Das Duett ist ein Wunder an Schlichtheit und Innigkeit, das ja den Handlungsablauf, in dem höchste Eile geboten ist, auf scheinbar geradezu unverständliche Weise unterbricht. In Kaftans Interpretation siegt die vorwärtsdrängende Handlung über schlichte Einfachheit (im erwähnten Duett vermisste man übrigens besonders schmerzhaft die lyrische Ruhe und Ausgewogenheit der Sopranstimme). Jan Assmann schreibt in seinem Buch „Die Zauberflöte – Oper und Mysterium“  – allen dringend zu empfehlen -  sehr klug über die verschiedenen Idiome, die Mozart in der Zauberflöte verwendet hat. Das „Urwienerische“, das da auch vorkommt - etwa in den Walzeranklängen im ersten Terzett der drei Damen oder in Papagenos Abschied von der Welt - , das hörte man an diesem Abend nicht. Die stürmischen Tempi führten auch zu manchen Differenzen zwischen Bühne und Orchester, wie überhaupt über dem ganzen Abend eine gewisse Unruhe lag, die sich wahrscheinlich bei den späteren Aufführungen legen wird. Sehr schön und plastisch-durchsichtig gelang Kaftan die Feuer-und Wasserprobe.

Und zum Schluss komme ich zur szenischen Umsetzung: Eigentlich kann und muss ich mich den eingangs zitierten negativen Berichten über die Straßburger Premiere nur anschließen, will aber versuchen, auch einige positive Ansätze herauszuarbeiten. Die Regisseurin und ihre Ausstatterin haben die beiden Welten Natur und Vernunft in den beiden Aufzügen klar einander gegenübergestellt und damit auch für rasche Szenenübergänge gesorgt. Es gibt auch einige durchaus nette und bühnenwirksame Einfälle, wie die koreanisch/deutsche Sprachverwirrung zwischen Tamino und Papageno, die englisch/griechische Simultanübersetzung von Sarastros Rede an seine Eingeweihten oder die Rutschbahn in das Labor, aber es gibt vor allem gravierende Einwände:

Dass der den zweiten Aufzug einleitende Priestermarsch für das Auftreten eines Trupps von Putzfrauen missbraucht wird, ist sinnlos und gegen die Musik gerichtet. Die Regisseurin betont zwar im Programmheft ihr Anliegen der Übereinstimmung von Musik und Text und beachtet dann so gar nicht das, was Bruno Walter so wunderbar in seinem auch heute noch gültigen Buch „Von der Musik und vom Musizieren“ zu den Problemen der Opernregie geschrieben hat: „Nun sind manche Regisseure, die den Begriff der notwendigen Harmonie zwischen Musik und Szene missverstehen, um eine auffällige Synchronisation bemüht….., indem sie seelisch gemeinte Musik als illustrativ behandeln“. Dazu ein konkretes Beispiel: Bei den Worten „durch unsres Armes Tapferkeit“ müssen die drei Damen im ersten Terzett martialisch-skurril ihre Arme bewegen… Die Feuer- und Wasserprobe beschränkt sich darauf, das Tamino und Pamina Videos mit Feuer- und Wasserkatastrophen betrachten… Ganz ungelöst ist meiner Überzeugung nach auch der Schluss. Da verharren Sarastro und Königin in einer endlosen Kussszene auf der leeren Bühne –  weder Tamino und Pamina, noch das Volk haben am Sieg der Wahrheit und Weisheit Anteil…

Der Unmut des Publikums beim Erscheinen des Regieteams war unüberhörbar und verständlich, der Beifall für das musikalische Team groß, aber deutlich abgestuft. Verdient erhielten Tamino und vor allem Papageno den größten Applaus.

Aber wie auch immer: Es wird die Aufführung zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zu besuchen sein, wenn sich die Premierenanspannung gelegt hat – die musikalische Qualität der Grazer Produktion und vor allem Mozart werden es lohnen!

Hermann Becke, 10.11.2013                        Szenenfotos: Oper Graz, © Werner Kmetitsch

 

Links:

Interview mit Andrè Schuen

seine Homepage

Die eingesprungene Königin der Nacht Hila Fahima in einer Aufnahme des Jahres 2012 aus der Deutschen Oper Berlin

Trailer

 

 

 

 

 

 

IM WEISSEN RÖSSL

Premiere am 19.10.2013

Wohlgelungen und heiter

Die Oper Graz kündigte diese Premiere mit folgenden Worten an: „Josef Ernst Köpplinger ist der Oper Graz seit vielen Jahren verbunden. Wenn sein Name auf dem Besetzungszettel steht, kann man davon ausgehen, einen vergnüglichen Theaterabend zu erleben.“ Diese Versprechen wurde eingelöst - schon bei Betreten des Opernhauses wird man geradezu in heiter-unverkrampfte Volksfeststimmung eingefangen.

Im Foyer spielt die Blasmusik, Trachtenpaare (des Balletts) mischen sich unter die eintreffenden Premierengäste und tanzen einen Bandltanz, der Kinderchor singt und zuletzt tritt die köstliche Uschi Plautz als Reiseleiterin mit Megaphon auf die zentrale Treppe des Foyers und lädt (deutsch und in „Schwarzenegger“- Englisch) das Publikum zu einer Reise in das Salzkammergut ein. Im Zuschauerraum erklingt aus der rechten Proszeniumsloge Volksmusik (delikat von einem Trio Geige, Zither und Gitarre gespielt) und auf einem Laufsteg zwischen Orchestergraben und Parkett taucht wieder die Reiseleiterin mit Anweisungen für das Publikum auf. Dann beginnt schwungvoll das Philharmonische Orchester Graz unter Florian Erdl und der Vorhang geht auf. Man blickt auf eine grotesk-drastische Berg- und-See-Szenerie (Bühne & Kostüme: Rainer Sinell), in der die Münchner Assistentin von Köpplinger (Ulrike Aberle) gemeinsam mit dem Choreographen Karl Alfred Schreiner die ursprünglich für die Saisoneröffnung 2012/13 im Münchner Gärtnerplatztheater geschaffene Produktion äußerst schwungvoll mit dem Grazer Ensemble neu einstudiert hat. Es wird ein heiterer Abend mit einer Vielzahl von szenischen Einfällen und was gar nicht so selbstverständlich ist: ohne jegliche Peinlichkeit!

Das Stück war bei seiner Uraufführung im Jahre 1930 in Berlin ein Riesenerfolg, der binnen kurzer Zeit die ganze Welt eroberte. Die Berliner Morgenpost schrieb über die Uraufführung: „Dieses .... zum Singspiel umgewandelte und dem heutigen Zeitgeschmack angepasste Weiße Rössl ist ein Rausch von Farben, ein Wirbel dekorativer und choreographischer Einfälle….das ländlernde (und nur spärlich walzernde) ‚Älplerkolorit‘ wird konsequent von Foxtrott und Tango aufgemischt.“  Genau das ist in dieser Köpplinger-Inszenierung mit den heutigen Mitteln des Theaters und mit einem gewissen Augenzwinkern gelungen. Und das konnte auch in musikalischer Hinsicht umgesetzt werden, da 2008 das in Kriegswirren verloren geglaubte Originalorchestermaterial in Zagreb wiederentdeckt und so das Stück wieder in seiner Urfassung aufführbar gemacht wurde. Diese Urfassung wurde 2009 von der Staatsoperette Dresden erstmals wieder aufgeführt - und wenn man die damaligen Bilder anschaut, dann sieht man deutlich, dass sich Köpplinger und sein Team nicht nur musikalisch an dieser Aufführung für die Münchner/Grazer Produktion orientiert haben – siehe:

http://www.staatsoperette-dresden.de/spielplan/repertoire/stueckansicht/stueck/im-weissen-roessl/

In Graz ist übrigens der fließende und bruchlose musikalische Übergang zwischen Volksmusik, Jazz, Operette und Revue sehr gut gelungen. Die Volksmusikgruppe saß in der rechten Proszeniumsloge, die Jazzcombo in der linken Proszeniumsloge. Beide waren durch Florian Erdl ausgezeichnet mit dem animiert im Graben musizierenden Orchester koordiniert.

Die Besetzung entsprach in weiten Teilen der Münchner Besetzung des Jahres 2012, die in einigen wesentlichen Punkten nun durch bewährte Grazer Ensemblemitglieder ersetzt wurde. Graz kann sich glücklich schätzen, da wirklich einige außerordentliche Persönlichkeiten auf die Bühne bringen zu können. Da war einmal die bereits erwähnte Reiseleiterin von Uschi Plautz, die außerdem noch in vier weiteren Rollen brillierte. Ungeheuer verwandlungsfähig und bühnenerfahren wie sie ist, war sie auch eine köstliche Braut, eine altjüngferliche Anführerin des Jungfrauenkomitees für den Kaiser, eine skurrile englische Touristin und die „Dicke Frau in Rosa“. Ebenso erfahren und routiniert ist Götz Zemann, den man in Graz schon in geradezu zahllosen Operetten- und Musicalrollen erlebt hat – immer ein lebhaft-aktiver Darsteller – umso überraschender, mit welch souveräner und überzeugender Ruhe er den Kaiser Franz-Joseph gütig und überzeugend vermittelte.

Und zu diesen beiden Routiniers kam noch die junge Sieglinde Feldhofer, die eine reizend-resolute Ottilie verkörperte – für sie wieder eine Rolle, in der sie nachweisen konnte, dass sie im vergangenen Jahr zurecht den Österreichischen Musiktheaterpreis "Goldenen Schikaneder" als beste Nachwuchskünstlerin gewonnen hat.

Neu war auch Christoph Wagner-Trenkwitz - der Chefdramaturg der Wiener Volksoper ist als Bühnen-, Radio- und TV-Moderator ungeheuer aktiv und tritt auch immer wieder selbst auf die Bühne. Er war in seiner hektischen Schusseligkeit ein überzeugender „schöner“ Sigismund. Natürlich ist es für das Publikum immer anregend, wenn man jemanden, der aus den Medien überregional bekannt ist, nun in einer Bühnenrolle erleben kann. „Sein“ lispelndes Klärchen spielte animiert Bettina Mönch. Und damit komme ich zu jenen Solisten, die schon im München dabei waren: Stimmlich wird das Ensemble von ganz eindeutig von Tilmann Unger angeführt, der mit seinem prächtigen (Helden)tenor einen eindrucksvollen Rechtsanwalt Dr.Siedler auf die Bühne stellt. Übrigens: auch bei der Uraufführung im Jahre 1930 war dies die einzige Rolle, die mit einem Opernsänger besetzt war. Nach dem, was an diesem Abend zu hören war, kann man durchaus gespannt auf seinen Parsifal sein, der in Innsbruck bevorsteht! Wolfgang Kraßnitzer ist mit seinem berührend gestalteten Professor Hinzelmann wieder nach Graz zurückgekommen, wo er in jungen Jahren am Schauspielhaus engagiert war. Dirk Lohr war ein prägnanter Giesecke.

Unter den zahlreichen durchwegs sehr gut besetzten Nebenrollen fiel die Kathi von Sophie Aujesky in der großartigen Slapstick-Szene mit den skurrilen Kühen (ein Bravo den Darstellern!) als junges Talent positiv auf. Die beiden zentralen Figuren des Stückes sind mit erfahrenen Musicaldarstellern besetzt, Sigrid Hauser ist eine repräsentative Rössl-Wirtin – leider allerdings mit recht wenig Gesangsstimme. Ihr Leopold ist sehr rollendeckend und überzeugend Daniel Prohaska. Er hat in dieser Rolle gegenüber großen Vorgängern zu bestehen (es seien nur Johannes Heesters und Peter Alexander genannt). Prohaska gelingt dies mit Anstand und er schafft das Kunststück, sich stimmlich sehr geschickt zwischen klassischem Operettentenor und Musicalsänger zu positionieren – eine runde Gesamtleistung! Keinesfalls vergessen werden dürfen der spielfreudige Opernchor (Leitung: Georgi Mladenov), die Kinder der Singschul‘ (Leitung: Andrea Fournier) , die Statisterie und vor allem auch die wandlungsfähige und exzellente Tanzkompanie – sie alle trugen Entscheidendes dazu bei, dass eine wunderbar-geschlossene Ensembleleistung zustande kam.

Am Ende konnte das gesamte Ensemble lebhaften Beifall entgegennehmen – ein Verkaufsschlager scheint sich für die Grazer Oper mit dieser Produktion anzubahnen!

Hermann Becke              Fotos: Oper Graz, © Werner Kmetitsch

 

Hinweise:

Ein Gespräch mit den beiden Hauptdarstellern und Probenausschnitte: http://www.kleinezeitung.at/steiermark/3443301/glueckliche-wahnsinn-weissen-roessl.story

 CD-Tipp für Spezialisten: Originalaufnahmen aus 1916 -1930 – siehe: http://www.musenblaetter.de/artikel.php?aid=825&suche=R%F6ssl

Es gibt eine eigene Ralph-Benatzky-Website – auf ihr wird auch die neue Verfilmung des Weißen Rössls angekündigt, die im November in die deutschen Kinos kommt:

http://www.ralph-benatzky.de/main.php?cat=1&sub_cat=1&task=1&sort=1

und hier dazu der Trailer:

//youtube.com/watch?v=S4RYASigTe4&feature=share

 

 

 

LOHENGRIN

11.Oktober 2013 (vierte Aufführung nach der Premiere vom 28.9.2013) 

Rollendebut von Johannes Chum als Lohengrin

Bei der Präsentation des Jahresprogramms 2013/14 im Frühjahr 2013 berichtete die Grazer Intendantin Elisabeth Sobotka, man habe intensiv den geplanten Fachwechsel des in Graz wohlbekannten lyrischen Tenors Johannes Chum diskutiert, erprobt und letztlich gemeinsam entschieden – er sollte in der Eröffnungspremiere erstmals den Lohengrin singen. Wenige Tage vor der Premiere musste er allerdings krankheitsbedingt absagen.

Da war man schon in Sorge, ob die Absage nicht vielleicht doch auf Überforderung beruhte. Offenbar hat aber Johannes Chum die Krankheit gut und rasch überwunden: es war ein respektabler Einstand im neuen Fach! Ich kenne Johannes Chum seit seiner Studienzeit in Graz – seither hat er eine schöne internationale Karriere gemacht, zunächst primär im Mozart-Fach, aber vor allem  auch auf den Konzertpodien etwa als Bachinterpret. Und Bach wird er auch weiterhin singen: so etwa im April 2014 in Wien unter Giovanni Antonini als Evangelist in der Johannes-Passion – siehe: http://www.wienersymphoniker.at/konzert/pid/000000e9h5850001b644

Der Fachwechsel ins jugendlich-dramatische Opernfach zeichnete sich schon ab, wie ich bereits im Februar 2012 bei seinem Evangelimann in Klagenfurt registrieren konnte. Aber natürlich ist der Lohengrin ein anderes Kaliber – und Graz ist ein großes Haus!

Dass  Chum der Auftritt im ersten Aufzug gut gelingen würde, war zu erwarten. Er sang den heiklen Dank an den Schwan mit seiner ganz eigen gefärbten klaren Stimme sehr schön und lyrisch-verhalten, er zeigte aber auch bei seiner Begrüßung „Heil, König Heinrich“ die nötige Durchschlagskraft und metallisch-helle Höhe. Er schonte sich auch nicht in der Auseinandersetzung mit Telramund und in den Chorpassagen des Aktschlusses – insgesamt eine gültige Lohengrin-Interpretation. Im 2.Akt fehlte ihm ein wenig die nötige Dominanz. Alle Spitzentöne sitzen ohne Forcierung, aber speziell die Piano-Passagen wirkten doch zu wenig fundiert und zu wenig breit-strömend. Da hörte man noch stark den Mozart-Sänger Chum. Die Brautgemachszene gelingt wieder vollends überzeugend. Die Gralserzählung singt Chum ganz zurückgenommen, fast kammermusikalisch. Sein klares, geradezu Cherub-artiges Timbre passt sehr gut zur Lohengrin-Figur – wenn es Chum gelingt, die dramatischen Stellen organisch mit den lyrischen Phrasen zu verbinden, dann ist der Fachwechsel endgültig gelungen und man kann gespannt sein auf seinen Loge (in Erl) und seinen Stolzing (in Chemnitz und Neuschwanstein). 

 Insgesamt hat die Produktion seit der Premiere erfreulich an Geschlossenheit gewonnen. Es sind wirklich alle Rollen ausgezeichnet besetzt und hohen Ansprüchen genügend. Das beginnt mit Andrè Schuen als Heerrufer mit markant-viriler Stimme (er verdient die Bravorufe beim Schlussapplaus!) und geht über den profunden König von Derrick Ballard  zum düsteren Paar Ortrud und Telramund. Michaela Martens hat gegenüber der Premiere an stimmlicher Ausgeglichenheit (leider aber nicht an Textprägnanz) gewonnen und Anton Keremidtchiev ist ein geradezu idealer Telramund. Die Elsa von Sara Jakubiak vermittelt überzeugend die Verzweiflung der jungen Frau – ihre intensive Darstellung und ihre sich von Akt zu Akt steigernde stimmliche Leistung beeindrucken. Sie wird am Ende zurecht vom Publikum im gut gefüllten Haus bejubelt.  

 Eine erfreuliche Steigerung der Orchesterleistung ist zu registrieren. Julien Salemkour sorgt für straffe, aber nie gehetzte Tempi. Die Spannung lässt nie nach, gleichwohl die Solisten rücksichtsvoll begleitet werden. Diesmal sitze ich auf dem Balkon – und da ist die Balance zwischen Streichern und Bläsern wesentlich besser, als ich sie  bei der Premiere vom Parterre aus erlebt habe. Einzige kritische Anmerkung: die hohen Streicher könnten noch mehr strahlen – aber dazu müssten sie wohl auch stärker besetzt werden…..

Der Bläserklang ist kompakt und rund – einige (wenige) Unebenheiten bei den Holzbläsern verzeiht man gerne, wenn der Gesamtduktus überzeugend ist – und das war er an diesem Abend. Der Chor bewährte sich wieder ausgezeichnet – und so kann insgesamt über eine wirklich beeindruckende musikalische Gesamtleistung berichtet werden.

Was die szenische Umsetzung durch das Team Johannes Erath – Kaspar Glarner – Christian Lacroix – Bernd Purkrabek  anlangt, bestätigen sich die Eindrücke aus der Premiere (siehe dazu den Premierenbericht).

Die ersten beiden Akte sind optisch und auch in der Personenführung eindrucksvoll und schlüssig. Im dritten Akt wird Wagners Intention ins Gegenteil verkehrt: es siegt die schwarze Magie Ortruds über die weiße Magie Lohengrins. Bei Wagner ruft Lohengrin den Elsa-Bruder Gottfried ins Leben zurück und setzt ihn als Herzog von Brabant ein – dazu die  szenische Anweisung: „Ortrud sinkt bei Gottfrieds Anblick mit einem Schrei zusammen“. In der Grazer Aufführung hingegen  ist Lohengrin schon vorher – gar  nicht irgendwie bühnenwirksam – abgegangen und er bleibt mit seinen Erlösungsworten unsichtbar. Daraufhin schwebt ein Kindersarg über die Bühne und Ortrud setzt Gottfried (mit Augenbinde) gleichsam leblos auf den Herrscherstuhl….. Der Zweifel hat in der Sichtweise des Regieteams über den Glauben gesiegt.

Aber wie auch immer:

Im Mai 2014 wird der Internationale Richard-Wagner-Kongress in Graz stattfinden – siehe dazu: http://www.wagnercongressgraz.com/

Da wird diese Lohengrin-Produktion wieder auf dem Spielplan stehen. Graz wird sich dem internationalen Wagnerpublikum mit einer musikalisch eindrucksvollen, aber auch szenisch interessanten und der Diskussion würdigen Aufführung präsentieren  – und es lohnt sich dafür die Reise nach Graz!

Hermann Becke                                                          Bilder: Oper Graz

 

 

Die Spielzeit 2013/2014

Die Auslastungszahlen der letzten Jahre in der Grazer Oper waren nicht allzu befriedigend.

„Elisabeth Sobotka, die im Herbst 2009 das Ruder übernahm, erzielte in ihrer zweiten Spielzeit ihre besten Ergebnisse in Graz. 157.167 zahlende Besucher ließen in der Saison 2010/11 insgesamt 4.498.855 Euro in den Kassen fließen. Dann folgte, mitbedingt durch Sparzwänge, der Absturz. 2011/12 gaben nur 132.598 zahlende Besucher 4.033.443 Euro für ihre Karten aus. Die eben zu Ende gegangene Spielzeit (2012/13) zeitigte einen leichten Aufwärtstrend: 135.924 zahlende Besucher ließen sich ihre Tickets 4.149.514 Euro kosten. 20.125 Freikartenbezieher mitgerechnet, ergibt das 69 Prozent Auslastung.“ (Zitat: Kleine Zeitung vom 6.7.2013)

Verständlich also, dass sich die Intendantin in ihrem letzten Grazer Jahr, bevor sie die Leitung der Bregenzer Festspiele übernimmt, bemüht, die Auslastung weiter zu steigern. Auf dem Spielplan der Saison 2013/14  stehen also unter anderem Neuproduktionen der Zauberflöte und des Operettenschlagers „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ und die Wiederaufnahmen von Hänsel und Gretel, My Fair Lady, West Side Story sowie eben von La Bohème, die am Tag nach der Saisoneröffnung auf den Spielplan gesetzt wurde – alles absolute „Renner“ in der Aufführungsstatistik. Siehe dazu den lesenswerten Artikel von Arnold Jacobshagen im MIZ des deutschen Musikrats: http://www.miz.org/static_de/themenportale/einfuehrungstexte_pdf/03_KonzerteMusiktheater/jacobshagen.pdf

 

 

LA BOHÈME

Wiederaufnahme am 29.9.2013

Solides Repertoiretheater mit Niveau!

Aber nun zur Wiederaufnahme einer Produktion, die der 2007 verstorbene Dietmar Pflegerl im Jahre 2003 am Stadttheater Klagenfurt herausgebracht hatte, die dann 2008 Graz übernommen hatte und die nun nach vier Jahren unter der Spielleitung von Elisabeth Kassal aufgefrischt wurde.

Es ist eine handfeste, praktikable Inszenierung - die Oper Graz beweist  damit, dass sie ein bestens disponiertes Ensemble hat und dass sie unmittelbar nach der aufwendigen Lohengrin-Premiere eine rundum niveauvolle Repertoire-Aufführung mit drei Rollendebuts sehr erfolgreich auf die Bühne bringen kann. Das Haus war voll – das animierte Publikum spendete kurzen, aber intensiven Beifall und es gab keinen Schwachpunkt.

Das Bohèmien-Quartett ist jugendlich und spielfreudig. Wilfried Zelinka als Colline war an diesem Abend mit seiner warmen und nie forcierten Stimme besonders gut disponiert. Den in dieser Produktion neuen Rodolfo Abdellah Lasri kennt man in Graz schon als Nemorino und Fenton. Er verfügt über ein schönes Timbre und sichere Höhen. Er erweist sich neuerlich als ein Gewinn für das lyrische italienische Tenorfach in Graz. Er singt die bei Puccini so wichtigen großen Legato-Bögen sehr schön, solange er sich im Forte bewegt. Bei den Pianophrasen wird der 1982 geborene marokkanische Tenor darauf zu achten haben, dass er sich nicht ins Falsett flüchten muß. Wenn dies gelingt, kann man von ihm noch weitere schöne Karriereschritte erwarten. Marcello ist Ivan Oreščanin mit markantem Charakterbariton (und mit fehlender Belcantowärme). Byeong in Park debutiert als Schaunard – er hat einen kräftigen, noch ausbaufähigen Bariton.

An diesem Abend sang erstmals Margareta Klobučar die Mimi. Sie ist seit über zehn Jahren eine qualitätsvolle Stütze des Grazer Ensembles und zurecht beim Grazer Publikum sehr beliebt.  

Der Fachwechsel von der Musette zur Mimi ist ihr ausgezeichnet gelungen. Es gibt nie forcierte oder scharfe Töne – überzeugend zeichnet sie die berührende Figur des einfachen Mädchens. Musetta wird erstmals von der Ukrainerin

Tatjana Miyus gegeben, die aus dem Grazer Opernstudio hervorgegangen ist und zuletzt eine ausgezeichnete Nanetta im Falstaff gesungen hatte. Auch diese für sie neue Rolle gelang ihr sehr gut – temperamentvoll wirbelte sie über die Bühne, überzeugte aber auch mit ehrlicher Anteilnahme im Schlussbild. 

Die Qualität des Grazer Hauses zeigt sich nicht zuletzt auch darin, dass die kleinen Rollen mit profilierten Persönlichkeiten besetzt werden können – David McShane als Benoit, Manuel van Senden als Parpignol und Konstantin Sfiris als Alcindoro – bravo! Der Chor (Einstudierung Bernhard Schneider) sang und spielte routiniert, die Kinder der Singschul‘ (Einstudierung Andrea Fournier) – offenbar frisch geprobt – waren mit Einsatz und Freude bei der Sache. Auch das Orchester bot manche schöne Klangfarbe, wenn auch auffiel, dass die – speziell in den lyrischen Passagen - fast schleppenden Tempi des argentinischen Dirigenten José Miguel Esandi die Solisten manchmal ein wenig in Schwierigkeiten brachten. Da fehlte dem Dirigenten noch das drängende Vorwärtsgehen.Das Publikum feierte das gesamte Ensemble – speziell das Paar Rodolfo/Mimi und die Musetta.

Nach der Lohengrin-Premiere am Vortag, bei der praktisch nur Gäste im Einsatz waren, war diese Bohème-Wiederaufnahme ein erfreulicher Qualitätsbeweis des Stammensembles. 

Hermann Becke                                             Fotos: Oper Graz, Dimo Dimov

 

 

LOHENGRIN

29. September 2013

Saisoneröffnung zum Wagnerjahr

Auf der Homepage der Oper Graz kann man zu dieser Premiere lesen: „Mit der „Lohengrin“ Musik, die Friedrich Nietzsche als "blau, von opiatischer, narkotischer Wirkung“ bezeichnete, erklang 1899 die erste Oper im neuen Grazer Opernhaus. Mit ihr im Wagner-Jahr 2013 die Saison zu eröffnen, schließt an diese Tradition an.“

Graz hat wahrhaft eine große Wagner-Tradition, die mit Carl Muck begann, der Lohengrin als erste Oper (nach Schillers „Wilhelm Tell am Vortag) zur Eröffnung des neuen Hauses in Graz dirigierte. Muck war zuvor schon 1.Kapellmeister in Graz gewesen und wirkte dann von 1901 bis 1930 in Bayreuth. Es würde sich lohnen, einmal eine Zusammenstellung jener großen Wagnerdirigenten zu verfassen, die von Graz aus ihren internationalen Weg gemacht haben – um nur einige Namen zu nennen: vor Carl Muck war dies z.B. Franz Schalk, später dann Karl Rankl, Clemens Krauss, Karl Böhm, Berislav Klobucar …….. Bei den Sängerinnen und Sängern begann die Grazer Wagner-Tradition mit Amalie Materna, Wagners Bayreuther Brünnhilde und Kundry. Die Aufzählung weiterer Namen erspare ich mir, geht es doch um die Gegenwart. Aber dieser Blick in die ruhmreiche Wagnervergangenheit der Oper Graz ist berechtigt, beruft sich doch das Haus auf eben diese Tradition – siehe oben.

Nun gilt es anhand der aktuellen Neueinstudierung zu prüfen, ob und wie eine Verbindung von Tradition und zeitgemäßer Moderne gelingt. Eines wusste man ja vorweg: Der in Graz schon durch einige Produktionen bekannte Regisseur Johannes Erath und sein Dramaturg Francis Hüsers stehen „ für ein Musiktheater, das man mit dem Etikett Regietheater verbindet" – so Hüsers eigene Worte bei seiner Bestellung zum Hamburger Operndirektor. Gemeinsam mit dem Bühnenbildner Kaspar Glarner und dem Nobelcouturier Christian Lacroix (Kostüme) entwickelten sie ihr Konzept. Lassen Sie mich also schildern, was ich gesehen habe: Schon während des Vorspiels ist der Vorhang offen – auf der Bühne sitzt im Vordergrund in Sesselreihen der Chor, schwarz gekleidet und mit schwarzen Augenbinden. Im Hintergrund kahle Bäume und eine gotische Kirchruine – ganz offensichtlich Caspar David Friedrichs „Abtei im Eichwald“ nachgebildet.

Durch diese düstere Szenerie irrt Elsa – barfuß und in Jeans, einen langen weißen Schleier umklammernd. Auch Ortrud erscheint und setzt dem inmitten des Chors sitzenden Telramund eine preußische vergoldete Pickelhaube auf. Dann erklingen aus der linken Proszeniumsloge die C-Dur- Königsfanfaren – für das Publikum sichtbar und so, wie es sich Wagner gewünscht hatte: „Vier messingene, lange, posaunenartige Instrumente, von der allereinfachsten Form, ungefähr wie wir sie auf Kirchengemälden von den Auferweckungsengeln geblasen sehen.“ Aus dem Chor erhebt sich der Heerrufer und kündigt den König an.

König Heinrich tritt mit Krone und blauem, Hermelin-besetztem Königsmantel auf, begrüßt sein Volk und ruft Telramund – in preußischer Uniform - aus der Mannenschar hervor, der seine Anklage gegen Elsa vorträgt. 

Elsa, nun im weißem Kleide, tritt auf – bei den Worten „Seht hin- sie naht die Hartbeklagte“ legt der Chor die schwarzen Augenbinden ab. Nach Elsas visionären Gebeten stürzen alle an die Rampe und weisen auf das Deckengemälde im Zuschauerraum, das angestrahlt wird. Es stammt von Hugo Löffler und zeigt die Ankunft Lohengrins (Die Architekten des Hauses Ferdinand Fellner und Hermann Helmer hatte großen Wert auf eine künstlerisch gediegene Ausgestaltung gelegt und den angesehenen Wiener Maler beauftragt). Von der Decke rieseln gleichzeitig kleine Schwanenfedern und plötzlich öffnet sich im Bühnenhintergrund ein strahlendweißes Geviert (leider mit störend ächzenden Geräuschen) - und Lohengrin in einem weißen Schwanenfedernmantel tritt auf. Zum Gottesgericht verbindet sich der Chor wieder die Augen, der Heerrufer misst den Kampfplatz aus, der König betet zu Gott- mit jenen Worten, die das Regieteam zum Ausgangspunkt ihres Konzepts erklärt: „weil unsre Weisheit Einfalt ist!“ Für den Zweikampf gibt es nur ein riesiges Schwert, das Telramund nicht aus dem Boden ziehen kann und mit dem er von Lohengrin zu Boden gestreckt wird. Im Jubel aller ziehen Elsa und Lohengrin nach hinten ins strahlende Licht des weißen Gevierts. 

Nach dem ersten Akt registriert man als kritischer Opernfreund: eine stimmungsvolle, ästhetisch geschlossene und überzeugende Interpretation in sehr schönen Kostümen und einem eindrucksvollen Bühnenbild. Nichts geschieht gegen die Musik – keine die Musik konterkarierende Aktion, wie man es so oft bei heutigen Inszenierungen erleben muss. Einige Kleinigkeiten, die  in meiner Schilderung unerwähnt blieben, nimmt man wahr – etwa dass beim Hochziehen der Sesselreihen vor der Ankunft Lohengrins eine Wagner-Puppe sichtbar wird und in den Bühnenhimmel entschwebt. Diese Kleinigkeiten – man könnte auch sagen Mätzchen - stören nicht den märchenhaften Gesamteindruck.

Im zweiten Aufzug wird das weiße Geviert der Lohengrin-Ankunft fast auf den ganzen Bühnenraum ausgeweitet. Elsa ruht und scheint durch Angstträume beunruhigt. Gebückt müssen sich Ortrud und Telramund in ihrer großen Szene darunter ducken – und etwas mühsam gelingt Ortrud, von Elsa gerufen, der Aufstieg in den weißen Bereich. Die folgende große Chorszene mit Heerrufer ist - im Unterschied zur erklingenden Musik! – statisch. Ein schwarzer Bühnenvorhang sinkt herab und deckt einen Großteil der Bühnenöffnung ab, sodass nur der schwarzgekleidete auf Sesseln sitzende Männerchor sichtbar bleibt. Zu den Bläserklängen lesen die Herren gelangweilt Dresdner Zeitungen. Während Chor und Heerrufer (nun mit einem anderen Hut als im ersten Aufzug) singen, tragen schwarzgekleidete Statisten gemessenen Schrittes Tabletts quer über die Bühne - zunächst mit Kaffeeschalen und einem Radio, dann aber auch mit symbolträchtigen Gegenständen ( einem kleinen Abbild des Schwerts, einer Minieiche, einer Königskrone, der Pickelhaube, dem Schleier, offensichtlich auch mit dem Gral und sonst einigem, das ich nicht identifizieren bzw. woran ich mich nicht erinnern kann).

Optisch sehr reizvoll ist der Zug zum Münster gelöst: Der nun in prächtige strahlendweiße Schwanengewänder gehüllte Chor füllt rückwärtsgehend den vorher den dunklen Mächten vorbehaltenen unteren Bühnenraum, bevor Elsa und Lohengrin mit dem König auftreten. Ortrud trägt zunächst die lange weiße Schleppe Elsas, bevor sie diese wegschleudert, um Elsa den Vortritt zu rauben – dies alles bis zum Aktende im Einklang mit der Musik und durchaus bildhaft gelungen. Das Vorspiel zum 3.Aufzug und die Hochzeitsmusik zeigen ein fröhliches Versteckspiel von Elsa mit ihrem kleinen Bruder zwischen den kahlen Bäumen von Caspar David Friedrich, bis der Knabe von Ortrud „abgeführt“ wird. Dann dreht sich die Bühne und es wird – gleichsam als Baumhaus – das weiße Geviert sichtbar. Allerdings diesmal in bedrückender Enge. Man sieht in der Mitte einen Tisch mit Kaffeeschalen und Eierbechern sowie mit dem im 2.Aufzug vorbeigetragenen Radioapparat, zwei Stühle sowie Elsa und Lohengrin – mehr hat nicht Platz. 

Der unsichtbare Hochzeitschor verklingt, Lohengrin schaltet ostentativ das Radio aus – „das süße Lied verhallt“. Nach „kleinbürgerlichem“ Liebesduett, nach Mahnung und nach der unausweichlichen Frage von Elsa wird der mit dem Schwert auftauchende Telramund mit einer Geste Lohengrins hingestreckt. Alles ist vorbei – Bühnenarbeiter erscheinen und räumen die Szene leer – gleichsam unter den Füßen von Lohengrin und der zusammengebrochenen Elsa.

Hinter einer herabgelassenen Leinwand mit dem Caspar-David-Friedrich-Bild legt der Chor seine weißen Schwanengewänder wieder ab, die in die Höhe entschwinden- wohl den Schwan symbolisierend mit dem Lohengrin die irdische Welt verlässt. Am Ende schwebt ein weißer Kindersarg im Hintergrund – Ortrud setzt den kleinen Gottfried, der die Augen verbunden hat und leblos scheint, auf den Stuhl des Königs. Ein illusionsloses Ende!

Zusammenfassend meine Meinung zu dieser Inszenierung: Ein ästhetisch sehr schönes, stimmungsvolles, bühnenwirksames und konsequent umgesetztes Konzept, das im Programmheft von Francis Hüsers schlüssig begründet wird, die Ingredienzien des aktuellen Regietheaters in so manchem Detail uns nicht erspart (so z.B. Sichel und Hammer bei „des Ostens Horden“, Bühnenarbeiter, Anleuchten des Publikums…..) – ein Konzept, das letztlich Transzendenz leugnet und uns deprimiert zurück lässt. Erlösung gibt es in den Augen des Regieteams nicht.

Aber was wären alle noch so gescheiten Konzepte ohne Musik! Und die wunderbare Lohengrin-Musik wurde hier in Graz insgesamt überzeugend dargeboten. Das Grazer Philharmonische Orchester unter Julien Salemkour spielte klangschön, wenn auch zumindest von meinem Platz aus im Parkett links das Blech gegenüber den Streichern ständig zu sehr dominierte. Chor, Extrachor und Gustav-Mahler-Chor (Gesamtleitung: Bernhard Schneider) samt den Chorsolisten als brabantische Edle und Edelknaben sangen klangschön und mit großem Volumen – auf noch mehr rhythmische Präzision und Transparenz ist in den folgenden Vorstellungen zu hoffen. Als Lohengrin sollte Johannes Chum sein Rollendebüt geben und einen Fachwechsel einleiten, er erkrankte aber eine Woche vor der Premiere. Der Routinier Herbert Lippert, der die Rolle zwar studiert, aber noch nie auf der Bühne gesungen hatte, übernahm die Titelpartie mit nur zwei Proben und rettete damit die Premiere – das allein schon ist eine großartige Leistung! Lippert steigerte sich nach einem schwachen, ja unsicheren Beginn erstaunlich. Die lyrischen Phrasen waren wunderbar gestaltet und artikuliert. Im 1.und 2. Aufzug schonte er sich mit großer Erfahrung sehr geschickt bei den dramatischen Ausbrüchen, um dann am Ende bei der Gralserzählung genügend Kräfte auch für strahlende Höhen zu haben. Seine Elsa war die Graz- und Rollen-Debütantin Sara Jakubiak , und sie wurde sofort zum erklärten Publikumsliebling durch ihre intensive Rollengestaltung. Auch stimmlich gelang sehr vieles – insbesondere in den lyrischen Phrasen. Der König von Derrick Ballard hatte das gebührende stimmliche Gewicht und bewies eine sehr gute Textbehandlung. Dies gilt auch für den Bulgaren Anton Keremidtchiev, der die schwierige Telramund-Partie exzellent meisterte und für mich die stimmlich geschlossenste Leistung des Abends bot. Michaela Martens, die man in Graz schon als ausgezeichnete Amme in der „Frau ohne Schatten“ erlebt hatte, sang ihre erste Ortrud, die sie auch an der Wiener Staatsoper singen wird. Sie bewältigte die Spitzentöne (fast immer) eindrucksvoll – an der sprachlichen Schärfe und Präzision wird noch zu arbeiten sein. Immer erfreulich ist es, den jungen Andrè Schuen in seiner stimmlichen Entwicklung zu beobachten – der Heerrufer war mit ihm ideal besetzt (vor allem, wenn er nicht zu weit hinten postiert ist).

Am Ende gab es begeisterten Beifall für alle Ausführenden – am meisten für Elsa. Beim Lohengrin vermeinte ich ein (wahrlich unberechtigtes!) vereinzeltes Buh zu hören – das Regieteam wurde mit lautem Applaus samt Pfiffen begrüßt – ob die Pfiffe positiv oder negativ gemeint waren, kann ich nicht einschätzen. Für mich war es in jedem Fall ein beachtlicher Beitrag der Grazer Oper zum Wagner-Jahr – die Neueinstudierung erwies sich trotz kleinerer Einschränkungen der großen Wagnertradition dieses Hauses als würdig!

Hermann Becke                                            Fotos: Oper Graz, Wener Kmetitsch

 

 

 

 

Ein kulturpolitisches Postskriptum aus aktuellem Anlass:

Drei Tage vor dieser Premiere (und nur vier Tage vor der österreichischen Nationalratswahl!) geschah Erfreuliches in der lokalen Kulturpolitik!

Die Theaterholding Graz/Steiermark GmbH ist die Konzernleitung der Bühnen Graz – Eigentümer sind jeweils zu 50% das Land Steiermark und die Stadt Graz. Diese Holding hat fünf Tochtergesellschaften (Oper, Schauspielhaus, Jugendtheater, Theaterservice und drei weitere Spielstätten in Graz (http://www.theaterholding.at/ ).

Der Geschäftsführerposten dieser Holding war aufgrund einer Pensionierung nachzubesetzen. In Aufsichtsrat und Lenkungsausschuss sind alle politischen Kräfte von Stadt und Land vertreten – und trotz Vorwahlzeit gelang es, diesen verantwortungsvollen (und laut Medien angeblich mit brutto € 11.000,-- im Monat dotierten) Posten in einer einstimmigen Entscheidung zu besetzen. Nach einer internationalen Ausschreibung erstellte die Jury aus 32 Bewerber/innen einstimmig einen Dreiervorschlag mit Mag. Bernhard Rinner an erster Stelle – und diesem Vorschlag folgten die politischen Gremien ebenso einstimmig.

Der Aufsichtsrat- und Juryvorsitzende Alfred Wopman – international erfahrener Regisseur und langjähriger Intendant der Bregenzer Festspiele – hatte wiederum ganze Arbeit geleistet. Die Entscheidung wurde nämlich durch eine politische Facette erschwert, da Bernhard Rinner seit über 15 Jahren parteipolitisch aktiv und derzeit Landesgeschäftsführer der ÖVP und Landtagsabgeordneter ist. Im Sinne des Credos von Wopmann, Kunst müsse „farbenblind“ sein, versicherte Rinner bei der Pressekonferenz, dass er mit der Übernahme der Leitungsfunktion in der Theaterholding alle Parteifunktionen zurücklegt - seine Partei werde in Hinkunft nur mehr die der Kunst sein. Dass dies alle politischen Kräfte einstimmig akzeptiert haben, ist ein erfreuliches Signal für das Theaterleben in Graz. Alle bekannten sich dazu, dass alles getan werden müsse, um den Rang der Grazer Oper als zweites Haus nach der Wiener Staatoper (Aussage Alfred Wopmann) und die gesellschaftspolitisch prägende Stellung der Grazer Theaterszene zu bewahren.

„Der Opernfreund“ wünscht dem neuen Geschäftsführer viel Erfolg im Kampf für die Kunst – und um die entsprechenden Budgetmittel. Ich kann – nicht zuletzt aus eigener Berufserfahrung – nur sagen, die Kombination von Rinners abgeschlossenem rechtswissenschaftlichem Studium mit einem Gesangsstudium ist zweifellos eine solide Ausgangsposition für eine derartige Position. Er wird zu beweisen haben, dass die Entscheidung richtig war – dafür alles Gute!

Links:

Ein bei der Generalprobe gedrehter kurzer Filmbeitrag vermittelt einen korrekten optischen Eindruck und die Sichtweise des Regisseurs:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/video/multimedia.do?action=showEntry_VideoDetail&project=462&id=360178

 

 

MY FAIR LADY

Wohlgelungene Wiederaufnahme

7. Juni 2013

Der Deutsche Bühnenverein schreibt über Musicalaufführungen in Opernhäusern auf seiner Homepage: „Sehr viel Bewegung gab es in den letzten Jahren im Bereich des Musicals. Produktionen wie "Der König der Löwen", "We will rock you" und andere, die an einer Musical-Bühne über Jahre hinweg Abend für Abend aufgeführt werden, erreichten hohe Besucherzahlen. Der Beliebtheit von "My Fair Lady" (Frederick Loewe) und "West Side Story" (Leonard Bernstein), die an Opernhäusern gespielt werden, tut dies jedoch keinen Abbruch.“

http://www.buehnenverein.de/de/theater-und-orchester/19.html

Diese allgemeine Schilderung passt  sehr gut zur derzeitigen Situation in Graz. Nach drei Jahren mit vielen Stationen in Deutschland und Österreich ist nämlich in Graz derzeit das 90 Meter hohe Tournee-Theaterzelt für die mit großem Medienaufwand beworbene „Cats“-Produktion aufgeschlagen. In diesem Riesenzelt steht ein Nachbau der 240-Grad-Rundbühne der Londoner Originalproduktion, der dafür sorgt, dass keiner der 1800 Plätze mehr als 20 Meter von der Bühne entfernt ist. Zwischen 16.Mai und 16.Juni gibt es hier 38 „Cats“-Aufführungen – also ein Angebot für rund 68.000 Musical-Fans! Ich kann die Grazer Auslastung dieser „Cats“-Produktion nicht beurteilen, aber eines steht fest: Der Mut der Grazer Intendantin Elisabeth Sobotka , gerade in der Zeit des „Cats“-Gastspiels im Tourneezelt auf dem Grazer Messegelände im Opernhaus die Wiederaufnahme von „My Fair Lady“ anzusetzen, hat sich gelohnt – das Haus war sehr gut besucht und das Publikum bejubelte am Schluss das Ensemble. Also: der Deutsche Bühnenverein hat recht – die ensuite gespielten Musicalproduktionen beinträchtigen offenbar nicht die Beliebtheit von Musical-Aufführungen im Opernhaus, sofern es sich um die großen Standardwerke handelt!

Und „My Fair Lady“ von Alan Jay Lerner und Frederick Loewe ist zweifellos ein solches Standard,- ja Meisterwerk. Seit seiner Erstaufführung in der Übersetzung von Robert Gilbert vor über 50 Jahren in Berlin ist es auf allen deutschsprachigen Bühnen zuhause. Die Wiener Textfassung von Gerhard Bronner wurde für Graz verwendet, aber der Wiener Dialekt ins Steirische verwandelt. Die Neuinszenierung des Jahres 2008 wurde damals in  Graz sehr freundlich von Presse und Publikum aufgenommen und steht nun wieder auf dem Spielplan – mit einer neuen Eliza und einem neuen Higgins. Sieglinde Feldhofer kennt allerdings diese Produktion bereits, hatte sie doch als blutjunge Anfängerin schon 2009 die Chance, für die damalige Premierenbesetzung einzuspringen. Inzwischen ist Feldhofer zu einem Grazer Publikumsliebling geworden und wohl völlig verdient wurde sie vor zwei Tagen mit dem heuer erstmals vergebenen Österreichischen Musiktheaterpreis als „Bester Nachwuchs“ der Saison 2011/12 ausgezeichnet (siehe dazu am Ende einen Hinweis). Sie bezaubert als Eliza durch natürlichen Charme und gestaltet die Wandlung vom einfachen Blumenmädchen (mit genuin derbem Oststeirisch), über die noch etwas künstliche Dame beim Pferderennen in Ascot bis zur berührenden jungen Frau der Schlussszene. Stimmlich gelingen ihr die lyrischen Nummern ausgezeichnet, an der Schärfe und Wortdeutlichkeit der „kantigen“ Nummern wird noch zu arbeiten sein (z. B. bei „Wart’s nur ab“).

Den neuen Higgins Guido Weber kennt man schon in Graz – im Vorjahr war erfolgreich im  Ensemble des Musicals „Gigi“. Vermisste man diesmal in der ersten Szene vielleicht noch ein wenig die adelig-professoral versnobte Attitude, so steigerte er sich im Laufe des Abends zu einer geradezu vorbildhaften Leistung. Seine ausgezeichnete Artikulation, die ideale Balance zwischen Sprech-und Gesangslinie und die berührende schauspielerische Gestaltung als letztlich unglücklicher Hagestolz überzeugen. Alle anderen Hauptdarsteller waren schon bei der Premiere vor fünf Jahren dabei - es ist eine durchwegs sehr gute Besetzung. Exzellent der Pickering von Gerhard Balluch, deftig und durchschlagskräftig Gerhard Ernst als Doolittle (mit charmantem Seitenhieb auf die parallele „Cats“-Produktion), diesmal wieder ideal besetzt Fran Lubahn als Mrs.Pearce, charmant-frisch der Freddy von Martin Fournier und Uschi Plautz, die wunderbar die überspannt-versnobte mit der menschlichen Seite der Higgins-Mutter verbindet. Der Chor und das Ballett sind gewohnt engagiert und professionell. Die musikalische Gesamtleitung hat nun der 32-jährige Münchner Florian Erdl übernommen, der seit dieser Saison als Kapellmeister in Graz engagiert ist. Mit großer Geste dirigiert er schwungvoll das gut disponierte Orchester, in den großen Ensembles wird es bei den folgenden Aufführungen noch mehr Präzision geben können.

Das durchaus charmante Konzept des Regisseurs Michael Schilhan, die englische Szene mit vielen Grazer Lokalassoziationen anzureichern, geht auf. Gemeinsam mit dem ausgezeichnetem (und gleichzeitig sehr praktikablem) Bühnenbild von Mignon Ritter und den köstlich-bunten Kostümen von Michaela Mayer-Michnay. Nach meinem Eindruck hat die gesamte Aufführung durch die Wiederaufnahme an Geschlossenheit gewonnen und man kann erfreut registrieren, dass diese Inszenierung auch in der nächsten Spielzeit auf dem Spielplan stehen wird. Und um auf die Einleitung dieses Berichts zurückzukommen: die Intendantin betreibt kluge Spielplanpolitik, wenn sie neben den – manchmal kontroversiell aufgenommenen Opernproduktionen – Publikumsrenner wie „My Fair Lady“ und „West Side Story“ bringt.

Hermann Becke

Fotos: Oper Graz, Dimo Dimov

 

 

Zu dem im Bericht erwähnten

Österreichischen Musiktheaterpreis sei erklärend folgendes gesagt:

 

Diese private Initiative der Solistenvereinigung der Volksoper Wien vergab heuer erstmals Preise in 11 Kategorien, über die eine Jury mit klingenden Namen entschied. Teilnahmeberechtigt waren alle darstellenden Künstlerinnen und Künstler an den österreichischen Stadt-, Landes- und Bundestheatern entsprechend der jeweiligen Kategorien, die über und von ihren Theatern eingereicht wurden. Jedes Theater war berechtigt je eine Nominierung pro Kategorie einzureichen. Die Wiener Staatsoper und das Stadttheater Klagenfurt haben sich nicht beteiligt – zu den Spekulationen, warum dies so ist, siehe:

 http://derstandard.at/1363710823433/Neuer-Musiktheaterpreis-ohne-Staatsoper

Wer von den „Opernfreund“-Leser/innen Lust hat, kann die Preisträgerliste mit den entsprechenden „Opernfreund“-Berichten vergleichen, da praktisch über alle Aufführungen der Ausgezeichneten im reichhaltigen „Opernfreund“-Archiv Berichte vorliegen….

http://www.musiktheaterpreis.at/de/home.html

Warten wir ab, wie sich der Bewerb weiter entwickelt!

 

 

 

AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY

Premiere am 22.5.2013

Mahagonny von Brecht /Weill ist momentan auf vielen Opernbühnen präsent. Der detaillierte Aufführungskalender der Universal Edition weist folgende Premieren aus: 2012 in Tel Aviv, Gelsenkirchen, Staatsoper Wien, Athen, Leipzig, Komische Oper Berlin, Hamburg, Bremen; 2013 in Kassel, Berlin, Flensburg, Wiesbaden - und nun macht

Mahagonny an der Oper Graz Station. Dafür wurde eine 2011 für Gent und Antwerpen geschaffene Produktion der Vlaamse Opera vom Team Calixto Bieito (Inszenierung), Rebecca Ringst (Bühne), Ingo Krügler (Kostüme) mit dem Grazer Ensemble neu einstudiert. Die Inszenierung war von vorneherein als Koproduktion geplant - gleichsam als „Gegengabe“ zur wunderbaren „Frau ohne Schatten“ von Marco Arturo Marelli, die 2010 in Graz ihre umjubelte Premiere hatte und dann 2011 nach Antwerpen wanderte. Und wenn wir schon bei Statistischem sind: Die Grazer Erstaufführung von Mahagonny fand im Jahre 1983 statt – damals in der Regie von Kurt Josef Schildknecht mit der unvergessenen Martha Mödl als Leokadja Begbick.

Und da schließt sich auch der Kreis von 1983 zur Premiere des Jahres 2013: die Jenny war nämlich 1983 Fran Lubahn, die nun gleichsam Martha Mödl nachfolgt und die zentrale Rolle der Leokadja Begbick verkörpert – durchaus eine glaubwürdige Weiterentwicklung, wenn man die beiden Frauencharaktere bei Brecht/Weill betrachtet, leider aber in diesem konkreten Fall ein klarer Besetzungsfehler, der vom Publikum am Ende mit deutlichen Missfallensbekundungen quittiert wurde. Man hat Fran Lubahn keinen guten Dienst erwiesen: Lubahn setzt zwar ihre routinierte Spielfreudigkeit ein, aber es fehlt ihr für die Drahtzieherin in diesem Stück ganz einfach die nötige stimmliche Substanz, die sprachliche Prägnanz und auch die hier nötige darstellerische Dominanz. Die Intendanz hätte diese wichtige Rolle mit einer echten Mezzo/Alt-Stimme besetzen sollen, wie dies im Vorjahr die Wiener Staatsoper mit Elisabeth Kulman getan hatte – das Grazer Ensemble hätte dafür eine ideale Alternative gehabt. Schade, dass die Chance nicht genutzt und dadurch das hochverdiente Ensemblemitglied Buhrufen ausgesetzt wurde!

Abgesehen von dieser Fehlbesetzung bewährte sich das Grazer Ensemble überaus und ließ sich mit bewundernswerter Einsatzfreude in Calixto Bieitos Inszenierung ein. Bieito und seine Bühnenbildnerin Rebecca Ringst siedeln das Stück in einer Wohnwagensiedlung an – eine durchaus überzeugende Metapher für die unruhige Mobilität in unserer Zeit, noch dazu ein boshafter Hinweis auf Bieitos katalanischen Wohnort. Denn man liest über das Inszenierungskonzept auf seiner eigenen Homepage: „Bieito places the action of this biting satire on capitalism in a beach campsite (giving a cunning wink to the city he lives in, Castelldefels).“ Die Wohnwagen stapeln sich in drei Ebenen übereinander auf. Dadurch werden geschickt vielfältige Spielflächen geschaffen, die von Solisten, Chor und Statisten dicht bevölkert und in ständiger Bewegung bespielt werden. Alle sind in bunt-grelle Kostüme gekleidet. Von allem Anfang an ist Bieitos Intention klar: er will das epische Lehrspieltheater Brechts durch das Stilmittel der Übertreibung und der Karikatur in ein sinnlich-opulentes Theaterspektakel verwandeln. Und seien wir doch ehrlich: das Stück als solches ist dramaturgisch schwach und eine zeitgebundene Lehrstück-Story, die nicht dadurch an Qualität gewinnt, dass die Uraufführung von Nazi-Horden gestört wurde! So ist also Bieitos Ansatz sehr legitim, diese theatralisch blutleere Chose mit allen erdenklichen Ingredienzien der heutigen Fun-Gesellschaft zu beleben. Und es wird natürlich alles geboten, was man von Bieito erwartet: Kopulationen jeglicher Art, Selbstbefriedigung, nackte Frauen, am Ende auch ein offenbar auf seine Kastration wartender nackter Mann, rohe Gewalt, Blut und natürlich ständige und überbordende Aktion aller. Man kommt gar nicht mit dem Schauen nach…..Aber eigentlich bleibt alles nur eine oberflächliche Illustrierung einer Kapitalismus-Kritik der Dreissiger-Jahre des vorigen Jahrhunderts, die in ihrer zeitverhafteten Form uns nicht mehr berührt und die durch den riesigen szenischen Aufwand kaschiert und gänzlich überlagert wird. Wenige berührende Theatermomente bleiben haften – es sind die Momente, wo die Ausstrahlung der Bühnenkünstler über die grelle Bilderflut siegt. Margareta Klobucar gelingt es, sowohl stimmlich als auch darstellerisch die Rolle der Jenny mit Leben zu erfüllen. Wenn sie im Mittelpunkt der Aktion steht, dann erlebt man einen Menschen und nicht bloß eine Schablone.  

Plastische Gestalten sind auch Konstantin Sfiris (Alaskawolfjoe), Ivan Orescanin (Sparbüchsenbill) und Manuel von Senden (Jack O'Brien) sowie Taylan Reinhard (Fatty, der "Prokurist"), etwas blasser diesmal David McShane als Dreieinigkeitsmoses. Großartig ist aber vor allem Herbert Lippert als Jim Mahoney. Er warf sich vorbehaltslos in diese Rolle, dominierte auf der Bühne nicht nur darstellerisch , sondern mit seinem klaren Tenor auch stimmlich und verstand es, mit ausgezeichneter Artikulation auch in den Ensembles immer verständlich zu bleiben und einen Brecht-adäquaten Tonfall zu wahren. Grauenvoll seine Hinrichtung am Schluss – er wird nicht wie im Libretto vorgesehen erhängt, sondern in einen Einkaufswagen gezwängt und dort gleichsam wie auf einem elektrischen Stuhl durch Stromstöße gemordet.

 

Der Supermarkt-Einkaufswagen – hier wohl ein Symbol für die Konsumwelt unserer heutigen Zeit – scheint übrigens ein von Calixto Bieito derzeit geschätztes Requisit zu sein. In der Stuttgarter Parsifal-Inszenierung schiebt Gurnemanz den mit vielfältigen Glaubensinsignien behängten Parsifal in einem ebensolchen Einkaufswagen zur Gralsgemeinschaft…..

Aber kommen wir zurück zur Grazer Produktion – übrigens der ersten Bieito-Inszenierung auf einer österreichischen Opernbühne: Noch in einem weiteren Punkt weicht Bieito geschickt von der epischen und damit undramatischen Brecht’schen Lehrstückvorlage ab. Anstelle der vorgesehenen Tafeln mit den Titeln der 20 Bilder des Stücks wurde ein Schauspieler eingeführt, der das Publikum durch den Abend führt und damit Distanz zur Bühnenaktion schafft. Der Schauspieler Daniel Doujenis sprach die Texte mit angemessener Schärfe und Prägnanz.

Am Ende der Vorstellung zeigt sich dann doch noch eindrucksvoll die Theaterpranke des Calixto Bieito: Man hat es ja schon wiederholt erlebt, dass ein Regisseur in seiner Inszenierung das Publikum und den Zuschauerraum in sein Konzept einbaut. Aber so wie es diesmal Bieito umsetzt, so geht es doch unter die Haut und ist spannend. Der Chor ist auf alle Ränge verteilt, er dringt in die Logen ein und montiert Spruchbänder, Solisten und Statisten drängen sich singend und grölend durch die Reihen des Parterres, auf der Bühne steht völlig verlassen der Einkaufswagen mit dem toten Jim Mahoney. Damit gelingt ein Schlusstableau, das nachdenklich macht.

 Zum Schluss noch zur musikalischen Seite: Die Weill-Musik ist zwar effektvoll, aber hat nach meiner Meinung doch nicht die Qualität, einen zweieinhalbstündigen Opernabend zu tragen. Daher war es auch in dieser Hinsicht nicht von Nachteil, dass die üppige szenische Aktion gleichsam alles überwucherte. Die musikalische Leitung lag bei Julien Salemkour, dem deutsch-algerischen Dirigenten der Staatsoper Berlin. Er hielt gut die Balance zwischen Orchester und Bühne. Die Solisten waren teilweise durch Mikrophon verstärkt. Man wird jedenfalls Julien Salemkour erst im Lohengrin, der Eröffnungspremiere der nächsten Spielzeit, wirklich beurteilen können. Der Chor (Einstudierung Bernhard Schneider) bewährte sich musikalisch und szenisch.

Meine Zusammenfassung des Abends: Auch durch eine karikierend-üppige Inszenierung wird aus dem zeitgebundenen Werk von Brecht und Weill kein überzeugender Wurf. Es würde wohl genügen, die ursprüngliche Song-Fassung in kleinerem Rahmen aufzuführen. Dies geschah in Graz vor einigen Jahren durchaus spannend in einer Studentenaufführung auf einer Studiobühne (damals gekoppelt mit Weills „Berliner Requiem“). Das war und ist meiner Meinung nach der geeignete Rahmen für das Stück. Auf den großen Bühnen wird die Opernfassung wohl immer „Viel Lärm um nichts“ sein – in welcher Inszenierung auch immer. Aber mit meiner Meinung werde ich wohl allein bleiben. Die nächsten Aufführungen der Opernfassung - abgesehen von Graz - sind nämlich schon fixiert – in Leipzig, Freiburg, Wiesbaden, Bremen, Winterthur, Hof, Innsbruck – und das sind nur die Aufführungsorte bis Juni 2014………

Am Schluss gab es diesmal in der Grazer Oper viel Applaus – verdienten Beifall vor allem für Margareta Klobucar und Herbert Lippert.

Hermann Becke                               Fotos: Oper Graz, Werner Kmetitsch

Zwei Hinweise:

Ein Interview mit Calixto Bieito zur Grazer Produktion

Auf der Homepage der Oper Graz gibt es reiches Bildmaterial, allerdings sind offensichtlich jene Szenen ausgespart, die für die Theaterleitung dafür verantwortlich sind, folgendes anzukündigen: „Die Aufführung ist für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet.“. Unmittelbar nach der Premiere hat aber eine Grazer Tageszeitung einen Videoclip online gestellt, der auch Drastisches nicht vermeidet. Wen es also interessiert, der schaue sich das an.            

 

 

Chefdramaturgin der Semperoper Dresden Nora Schmid ab 2015 Opernintendantin 

 

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Theaterholding Graz ist seit 2005  Prof. Dr. Alfred Wopmann.  Zur Recht  wurde der international überaus erfahrene und anerkannte Theatermann aus Anlass seines 75. Geburtstages als einer gewürdigt, der „erfolgreich und uneitel“ als „graue Eminenz“ Personalentscheidungen mit Hilfe von Experten ohne Einmischung der Politik herbeiführt. Graz hat ihm die Berufung von Anna Badora als Schauspielhauschefin und von Elisabeth Sobotka als Opernintendantin zu danken – und übrigens auch eine wunderbare und Maßstab setzende Inszenierung von Bellinis Sonnambula im Jahre 1975.

Da Sobotka nun ab 2015 die Leitung der Bregenzer Festspiele übernimmt (die Alfred Wopmann von 1983 bis 2003 zu internationalem Ansehen geführt hatte), war über ihre Nachfolge in Graz zu entscheiden. Wopmann hatte eine hochrangige Jury zusammengestellt: unter anderem mit Eva Kleinitz (Stuttgart), Dominique Meyer (Staatsoper Wien), Christoph Meyer(Düsseldorf) und Dietmar Schwarz (Berlin), die die 43 Bewerbungen prüften. Namens der Jury berichtete Dominique Meyer in der Pressekonferenz am 10.4.2013, dass 19 Bewerber/innen nach Graz zu einer Präsentation eingeladen wurden. Von ihnen kamen vier in die engste Wahl und aus ihnen hat die Jury „einstimmig und sehr schnell“ die derzeitige Chefdramaturgin der Semperoper Dresden Nora Schmid der Politik als einzige Kandidatin vorgeschlagen. Und dieser Vorschlag wurde von der Politik ebenso einstimmig angenommen.

Nora Schmid, geboren 1975 in Bern, studierte in ihrer Heimatstadt und in Rom Musikwissenschaft und Betriebswirtschaft. Sie sammelte Erfahrungen im Orchestermanagement bei der "basel sinfonietta“. In der Staatsoper Unter den Linden in Berlin war sie im Bereich Marketing tätig. 2005 ging sie als Musiktheaterdramaturgin an das Theater Biel Solothurn. Ab 2007 war Schmid Dramaturgin im Theater an der Wien, bevor sie 2010 Leitende Dramaturgin an der Semperoper in Dresden wurde. Nach dem Tode der Intendantin Dr.Ulrike Hessler im Sommer 2012 gehört Nora Schmid zur geschäftsführenden Interims-Intendanz.

In Graz wird Nora Schmid ab 1. Jänner 2015 tätig sein. Die Spielzeiten 2013/14 sowie 2014/15 wurden bzw. werden noch von der derzeitigen Intendantin Elisabeth Sobotka gestaltet, die dann mit Jahreswechsel 2014/15 zu den Bregenzer Festspielen wechseln wird. Nora Schmid hat sich bei der Pressekonferenz mit einem kurzen Statement vorgestellt – und gleich Sympathien gesammelt, bezeichnete sie doch - mit entschuldigendem Seitenblick auf Dominique Meyer - das Opernhaus Graz (zu Recht!) als das „schönste Opernhaus Österreichs“. Inhaltlich war naturgemäß noch nichts Essentielles zu erfahren – hier ist es aber durchaus interessant, ein ausführliches Interview zu lesen, das sie 2010  einer schweizerischen Zeitung bei ihrem Antritt in Dresden gab:http://www.journal21.ch/eine-junge-bernerin-chefdramaturgin-der-semperoper-desden An ihre damaligen Aussagen kann man nur den Wunsch knüpfen, Nora Schmid möge mit der österreichischen Mentalität in Graz besser zu Rande kommen, als dies offenbar in Wien der Fall war….

A propos Österreich: Die Bühnen Graz werden vom Bundesland Steiermark und der Stadt Graz gemeinsam finanziert – beide Gebietskörperschaften sind paritätisch im Lenkungsausschuss vertreten. Den Vorsitz führen im Jahrestakt wechselnd der Landeshauptmann (entspricht in Deutschland dem Ministerpräsidenten) und - derzeit - der Bürgermeister (entspricht dem Oberbürgermeister). Dieser führte auch durch die Pressekonferenz, bei der alle Kultur- und Finanzverantwortlichen von Land und Stadt anwesend waren.

Abschließend bleibt nur der Wunsch, dass es  Wopmann neuerlich gelungen ist, eine positive Führungsentscheidung herbeizuführen – in jedem Fall wird es seine letzte Entscheidung gewesen sein, weil er seine Funktion im Aufsichtsrat beendet. Wopmann: „Nach zehn Jahren Graz und im 78. Lebensjahr habe ich auch ein Recht auf mehr Eigeninteressen. Das Maß ist dann für mich gefüllt.“

DER OPERNFREUND wünscht "Alles Gute" für Nora Schmid resp TOI TOI TOI - und natürlich auch für "Alfred Wopmann" !

Hermann Becke

 

Fotos von der Pressekonferenzhttp://www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=158818

Video mit Nora Schmid: http://www.kleinezeitung.at/allgemein/video/multimedia.do?action=showEntry_VideoDetail&project=462&id=330186

Interview mit Alfred Wopmann: http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/3284760/mass-gefuellt.story

 

 

 

 

Besprechungen früherer Opernaufführungen befinden sich weiter unten auf der Seite Graz des Archivs.

 

 

 

 

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