DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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Gregor Hatala

Solotänzer, Organisator, Choreograph und Gastprofessor 

 

Foto: Löffelmann

Gregor Hatala ist der wohl vielseitigste, erfolgreichste österreichische Ballettstar der letzten dreißig Jahre. In Wien geboren wurde er mit 16 Jahren jüngstes Ensemblemitglied des Wiener Staatsopernballetts (heute: Wiener Staatsballett). 1993 gewann er die Bronzemedaille beim Eurovisionswettbewerb für junge Tänzer. Ein Jahr lang war er Solist beim Boston Ballet, bevor er wieder zurück an die Wiener Staatsoper kehrte, dort 1996 zum Solotänzer, und 2000 zum Ersten Solotänzer avancierte und in sämtlichen Hauptpartien des klassischen und modernen Repertoires zu erleben war. Er gastierte an der Budapester Staatsoper u.a. in seiner Paraderolle „Spartacus“, sowie in der Slowakei, China, Mexiko, Italien und zahlreichen Ländern weltweit. Überdies organisierte er in Spoleto die Ballettgalas, wo 2009 seine erste Choreographie uraufgeführt wurde. Er choreographierte zudem an der Wiener Volksoper die Neuproduktionen von „Die lustigen Weiber von Windsor“ und „Der Vetter aus Dingsda“, sowie den „Feuervogel“ in Zusammenarbeit mit dem Borusan Philharmonic Orchestra in Istanbul. 2009 wurde er zum Obmann der Vereinigung Wiener Staatsoperballett gewählt und organisiert seither zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland, sowie renommierte Bälle in Wien. 2011 wurde er als Nachfolger von Prof. Karl Musil zum Präsidenten des österreichischen Tanzrates gewählt. Mit der mehrfachen Latino Meisterin Yvonne Simona Rueff bestreitet er seit 2012 zahlreiche Show Dance Auftritte, u.a. Dancer against Cancer, MIA Award, Life goes on gala, Bukarester Staatsball,.... Seit einem Monat ist er zudem Gastpädagoge an der Konservatorium Wien Privatuniversität und unterrichtet dort die Abschlussklasse Ballett. 

www.hatala.at

 

OF: Die „klassische Frage“ vorweg, wie sind Sie zum Tanzen gekommen? 

GH: Meine Eltern waren beide Tänzer, wollten allerdings nicht unbedingt, dass ich auch tanze. Mein Vater war 30 Jahre lang Probenleiter an der Wiener Staatsoper – und meine Eltern haben jetzt seit ca. 20 Jahren eine Ballettschule, aber wie gesagt, sie hatten die Ballettkarriere für mich eigentlich nicht vorgesehen. In der Volksschule meinte man dann, sie sollten mich doch tanzen lassen, und das war dann damals zweimal die Woche, und ausgerechnet zu der Zeit, wo Biene Maja und Wickie im Fernsehen lief – so kamen wir zum ersten Videorekorder, da ich deswegen zu tanzen aufhören wollte, was wiederum für meine Eltern kein Grund war. Und so bin ich beim Tanzen geblieben.  

 Gregor Hatala in „La Bayadère“, (Foto: Wiener Staatsballett – Axel Zeininger)

OF: Wer hat Ihre Karriere entscheidend geprägt, welche Lehrer, Coaches, Tänzer oder Tanzpartnerinnen? 

GH: Ich war immer ein grosser Nurejewfan, schon als Kind. Auch dadurch dass mein Vater die Stücke von Nurejew an der Staatsoper betreut hat, habe ich natürlich viel mitbekommen. Mit 16 habe ich Nurejew persönlich kennengelernt, und ich hatte Gelegenheit mit meinem großen Vorbild über den Tänzerberuf zu plaudern. Wer mich auch entscheidend geprägt hat, war mein Vater, der mein Haupttrainer war, ich kam ja schon mit 16 Jahren an die Oper. In der Ballettschule hatte ich einige Ballettlehrer, aber niemand war so prägend, wie mein Vater. Es lief so ab, mein Vater hat die Vorarbeit geleistet, dann kam die Vorstellung, meine Mutter hat alle Vorstellungen gesehen, und mir danach Kritik gegeben, wir machten Videoanalysen, meinen Eltern habe ich sehr viel zu verdanken, meinem Vater als Trainer, meiner Mutter als Kritikerin. 

OF: Und was die Tanzpartnerinnen betrifft, Sie haben ja mit vielen grossartigen Tänzerinnen getanzt. 

GH: Ja, da sind vor allem Margaret Illmann, Polina Semionova, Brigitte Stadler, Simona Noja, Shoko Nakamura und Eva Petters zu nennen. Die meisten Vorstellungen habe ich mit Eva Petters getanzt, die ja auch gemeinsam mit mir zum Solisten und auch zum Ersten Solisten avanciert ist. Und sehr intensiv war auch die Zusammenarbeit mit Brigitte Stadler. Z.B. für „Raymonda“; sie hatte die Partie zuvor mit Nurejew getanzt, etliche Jahre später dann mit mir. Das war natürlich ein enormer Druck für mich, an seinem Platz zu stehen.
 

OF: Rückwirkend betrachtet haben ja auch die neuen Solistinnen enorm von Ihnen profitieren können, wie z.B. die Maria Yakovleva, die mit 19 Jahren herkam und ihre erste Hauptrolle mit Ihnen getanzt hat. 

GH: Ja, mit Maria Yakovleva habe ich oft getanzt, aber auch mit Shoko Nakamura, welche ihre ganzen ersten grossen Pas de deux mit mir bestritten hat.

 

Gregor Hatala mit Aliya Tanikpaeva in „Le Corsaire“, (Foto: Gallauer )

 

 OF: Und ein erfahrener Bühnenpartner ist gerade für so junge Tänzer ein enormes Glück, eben die Yakovleva, Tanikpaeva und Esina kamen mit Anfang 20 bereits als Solotänzerinnen nach Wien und mir als Zuschauerin fällt dann auch auf, dass sie darstellerisch immer stärker wurden, und technisch immer versierter, und da haben sie Ihnen als wirklich guter Bühnenpartner sicher auch eine Menge zu verdanken. 

GH: (lacht) Ja, ich habe ihnen schon gesagt, was sie tun müssen, wenn ich sie über die Bühne trage.

OF: Welche Rollen haben Sie am liebsten getanzt?

GH: Den Spartacus in Budapest, in der Version von Seregi. Das war für mich eine bedeutende Produktion, in dieser Rolle habe ich mich so wohl gefühlt, da brauchte ich nichts spielen, das war ich einfach. In Budapest habe ich das jahrelang getanzt, wir haben damit auch in Mexico und in China gastiert. Da gab es eine Vorstellung am Zokalo in Mexico, 5000 Leute im Publikum, danach hat mich die Security hinausbegleitet, da bin ich mir vorgekommen, wie ein Popstar, das war lustig! Natürlich zählt auch der Schwanensee von Nurejew zu meinen Favoriten, in Italien tanzte ich den John in „Zorba, der Grieche“, gemeinsam mit Irek Mukhamedov, er war Zorba, ich John, das war eine wunderschöne Vorstellung, das bleibt in Erinnerung!

OF: Und etliche Romeos! 

GH: Ja, natürlich Romeo, aber auch Rudolf in „Mayerling“, da war ich der einzige aus Wien, der das tanzen durfte (Anm: die 2. Besetzung war ein Gastsolist)
Was mich besonders freut ist, dass Lady MacMillan, die Witwe des Choreographen, von meiner Interpretation ganz begeistert war.
Auch das Ehepaar Edward Thorpe und Gillian Freeman, er ist Kritiker, sie hat das Libretto von
Mayerling geschrieben, sagten mir, sie haben schon sehr viele Vorstellungen gesehen und das sei eine der besten gewesen. Wenn man bedenkt, dass es dieses Stück seit 35 Jahren gibt, war ich natürlich nicht unzufrieden.  

Gregor Hatala als Romeo, Copyright: Wiener Staatsballett, Axel Zeininger

OF: Die Partie von Rudolf ist auch äußerst anspruchsvoll.

GH: Mit sieben Pas de deux, aber wunderschön zu tanzen. Rudolf habe ich wirklich gerne getanzt, Romeo natürlich auch, aber auch den Colas in „La Fille mal gardée“, eine lustige Rolle, das war etwas ganz anderes. 

OF: Ja, das war z.B. auch eine Produktion, wo die Yakovleva enorm von Ihnen profitieren konnte. 

GH: Ich denke schon, also ich hoffe es. Das Aschenbrödel von Zanella war auch eine amüsante Produktion, davon gibt es auch eine DVD. Es waren so viele Rollen, die mir wirklich viel Spass gemacht haben, auch die „Tanzhommage an Queen“ von Ben van Cauwenbergh, das waren starke Momente, wie das Publikum mitgegangen ist! Und wenn man vom Publikum so ein Feedback bekommt, dann mobilisiert man noch ganz andere Kraftreserven, und dann will man erst recht alles geben. Wie auch in dem Schluss Pas de deux mit Mihail Sosnovschi. Das war eine tolle Produktion! 

OF: Und was die Choreographen betrifft, welchen Stil tanzen Sie am liebsten? 

Gregor Hatala in „Schwanensee“, (Foto: Wiener Staatsballett, Axel Zeininger)

GH: Nurejews Stücke habe ich immer sehr gerne getanzt, wir sind uns physisch ähnlich- sehr athletisch, dadurch kommen mir seine Schrittkombinationen, seinen Choreographien sehr gelegen. Es ist schwierig, aber ich tue mir nicht so wahnsinnig schwer damit. Von Seregi habe ich zwar nur Sylvia und Spartacus getanzt, aber diese Partien habe ich sehr gerne getanzt. Generell gefallen mir die Rollen am besten, wo ich einen Charakter hineinlegen kann und wo es nicht darauf ankommt, ob alles akademisch perfekt ist und man 5 oder 6 Pirouetten dreht, sondern wo man die Rolle kreiert. Wie z.B. der Des Grieux in „Manon“. 

OF: Oh ja, und diese Partie ist auch technisch nicht ganz ohne, gerade die erste Variation erfordert eine unglaubliche Balance. 

GH: Ja, stimmt. Das ist im Ballett Mayerling ähnlich. Gleich im 1. Akt, da ist man die ganze Zeit auf der Halbspitze, muß von der Halbspitze weg drehen, wirklich unangenehm, da braucht man irrsinnig viel Spannung, Körperkontrolle. Mayerling hat mir dann ab den ganzen Pas de deux besser gefallen, da kann man wirklich den ganzen Charakter, viel Ausdruck hineinlegen und das ist wesentlich wichtiger, als alles andere. Das war auch meinerseits eine Entwicklung, früher wollte ich ja nur die Prinzen tanzen, und mit zunehmender Reife werden die Prinzen irgendwann mal langweilig. 

OF: Wie der Dornröschenprinz...

GH: Genau, der muss nur schön sein und weiter nichts. Die Variation im 3. Akt in Nurejews Choreographie habe ich zwar gerne getanzt – die ist anspruchsvoll und bei Galas passt das gut -, aber sonst gibt das Stück wenig her. Aber zugegeben, „La Fille mal gardée“ ist sehr lustig, da kann man den Bauernburschen spielen und davon habe ich hier 2 Wiederaufnahmen getanzt, Romeo ebenfalls 2 Wiederaufnahmen, und die Premiere in Rom. Den Romeo habe ich oft getanzt.  

 Gregor Hatala als Dornröschen-Prinz, (Foto: Wiener Staatsballett – Axel Zeininger)

 

 OF: Und wie ging es Ihnen bei Eifman's „Anna Karenina“? 

GH: Die Einstudierung war etwas mühsam, wir waren 3 Besetzungen, und von den 6 Leuten waren 4 Russen, einer, der russisch sprach und einer, der kein russisch konnte und das war ich. Die Assistentin hat nur russisch gesprochen. Ich versuchte dann zu verstehen, was sie will, aber habe schlussendlich viel Eigenes hineingegeben, wie es für mich plausibel erschien. Aber es hat sich keiner beschwert, also wird es nicht ganz falsch gewesen sein. Karenin war jetzt allerdings für mich nicht so prägend, wie andere Partien. 

OF: Wie hat sich Ihre erste eigene Choreographie ergeben, und in welchen Stil würden Sie sie einordnen? 

GH: Für meine allererste Choreographie war eigentlich meine Schwester verantwortlich, die Medizin studiert hat, aber immer hobbymässig bei meinen Eltern in der Ballettschule trainiert hat. Sie hat auch schon früh mit dem Choreographieren begonnen. Sie war viel kreativer als ich, früher hat mich das Choreographieren nie gross interessiert. Und irgendwann meinte sie, sie möchte etwas für mich choreographieren. Sie kam dann mit der Idee Musik von „Pirates of the Caribean“ für mein Solo zu verwenden, und da ich zu dem Zeitpunkt die Tanzgalas des Spoleto Festivals organisiert habe, ergab es sich, dass wir aus dem Solo einen kompletten Pas de deux entwickelt haben. Der erste Input kam von ihr, ich habe dies dann weiter entwickelt. Wir haben das gemeinsam erarbeitet und ich habe es Francis Menotti zum 94. Geburtstag gewidmet, das war die erste Choreographie Katharina und Gregor Hatala und seither choreographiere ich doch relativ häufig, z. B. an der Wiener Volksoper „Die lustigen Weiber von Windsor“ und den „Vetter aus Dingsda“ .Dann habe ich einmal für den Kaffeesiederball eine Choreographie gemacht, zweimal für das Sommernachtsfest Schönbrunn der Wiener Philharmoniker, das war sehr spannend! Und natürlich etliche Sachen für die Vereinigung Wiener Staatsopernballett. Eigentlich permanent, wir waren im Sommer in Italien mit einem Wiener Abend und von den 23 Choreographien waren 21 von mir, ein abendfüllender Wiener Abend. Meine aktuellen neuen Choreographien sind jetzt im Showdance Bereich, welches ich gemeinsam mit der Yvonne Rueff mache. (Anm.: Videos gibt es unter www.showdancehatalarueff.com)  

Gregor Hatala mit Yvonne Simona Rueff, (Foto: Andreas Tischler)

OF: Damit wären wir schon bei der nächsten Frage, wie sind Sie zum Showdance gekommen? 

GH: Durch Zufall. Ich bin relativ häufig bei verschiedensten Charity Events eingeladen, meistens auch bei Dancer against Cancer -  Veranstaltungen. 

OF: Genau, da wird es nächstes Jahr wieder eine Gala geben, wo Sie mit Frau Rueff auftreten. 

GH: Und ein Fotograph hat mir dann die Latinomeisterin und Tanzschulbesitzerin Yvonne Rueff vorgestellt, und gefragt, ob ich sie für das Foto hochheben könnte. Wir haben uns dann später wieder zusammengesetzt und überlegt, was man mit Showdance und Ballett kombinieren könnte und zwei Wochen später sagte Yvonne zu mir „in drei Wochen haben wir einen Auftritt“. Das ganze läuft unter „Ballet meets Latin“, wir mischen die Stile, ich tanze Ballett, sie tanzt Latin, es gibt zahlreiche Hebungen, die an das klassische Ballett angelehnt sind. Wir adaptieren diese und wir machen sehr viele Elemente aus dem Showdance und der Akrobatik. Da treten wir bei verschiedensten Galas, Bällen und Veranstaltungen. Die Arbeit macht uns großen Spaß und wir erweitern täglich unser Repertoire. 

Gregor Hatala mit Yvonne Simona Rueff, (Foto: Society24.at)

OF: Seit 2011 sind Sie ja der Präsident des österreichischen Tanzrats. Wie kann man sich diese Tätigkeit vorstellen? 

GH: Der österreichische Tanzrat möchte eine Drehscheibe für Ballettschulen sein, wenn sie Rat brauchen, wenn sie Unterstützung brauchen, wenn sie Lehrer brauchen, oder aber auch dass wir für diverse Veranstaltungen Werbung machen. Und es ist so, dass wir Schulen zertifizieren, wenn gewisse Kriterien erfüllt sind, z.B. ein guter Boden, wenn Stangen vorhanden sind, Spiegel, Lehrer eine gesundheitsorientierte Ballettausbildung vermitteln, etc. Dann bekommen sie von uns ein Zertifikat und darüber hinaus organisieren wir die Ballet Days, das ist eine Veranstaltung, die im Odeon stattfindet.

Letztes Jahr hatten wir 23 Schulen aus 6 Ländern und ca. 150 Kinder, die gemeinsam aufgetreten sind. Der Sinn ist, dass es keinen Wettbewerbsdruck gibt, dass Profi-Schulen und private Schulen nebeneinander ihr Können demonstrieren können. Die Jüngsten sind 8, 9 Jahre, das geht bis ca. 20 Jahre, wir haben hier die Ballettschule der Oper, das Konservatorium, Performing Arts, wir haben aus den Bundesländern Schulen dabei, aus Italien, aus Slowenien, Ungarn, Tschechien, Slowakei. Es wird allerdings immer grösser, früher hatten wir 2 Veranstaltungen, letztes Jahr waren es schon 5, und wir haben Anfragen aus Brasilien und aus China, es wächst immer mehr. 

Gregor Hatala mit Yvonne Simona Rueff, Copyright: Birgit Spiess

 

OF: Und seit Oktober 2013 sind Sie zudem Lehrbeauftragter am Konservatorium Wien Privatuniversität, welche Aufgaben haben Sie dort? 

GH: Ich unterrichte die Abschlussklasse. Was mir gut gefällt, dass bei den Studenten das Vorwissen da ist, mit Kindern zu arbeiten ist nicht so meines, jeder, der 3, 4 Jahre Ballett gelernt hat, kann einem Kind erklären, wie es dastehen muss, dazu braucht man nicht mich, das ist sinnlos. Ich muss mich auch nicht an einen fixen Lehrplan halten, ich kann frei entscheiden und aufbauen, in erster Linie habe ich geschaut, was die Studenten können und wo ich so schnell wie möglich etwas weiterbringen kann und verfeinere nun die Technik, bzw. ich versuche auch zu vermitteln, wie man die Dinge im Endeffekt auf der Bühne umsetzt und nicht wie es im Buch steht. Es gibt viele Dinge, die in den Schulen zu starr unterrichtet wird, auf der Bühne schaut es ganz anders aus, ich versuche, diesen Mittelweg zu finden, so steht es im Buch und jetzt machen wir es so, wie es auf der Bühne ist. 

OF: Und wie ist Ihr Tagesablauf mit den vielen neuen Aufgaben? 

GH: Um 8h bis 9.30 unterrichte ich am Konservatorium, um 10h beginnt mein eigenes Training an der Staatsoper bis 11.15, danach habe ich Showdance Proben, und abends wird für die Vereinigung organisiert, welche Gastspiele anstehen, etc. und choreographiert. 

OF: Seit 2009 sind Sie ja der Obmann der Vereinigung Wiener Staatsopernballett (Anm.: bei der Wiederwahl wurde der Vorstand mit 100% der Stimmen bestätigt.) Wie viele Auftritte im Jahr haben Sie mit der Vereinigung? 

GH: Ich würde sagen, 15 bis 20. 

OF: Jeweils verschiedene Projekte? 

GH: Ja, und wir choreographieren immer neue Stücke. Jeder, der uns bucht, bekommt ein auf ihn zugeschnittenes neues Programm. Hin und wieder nehmen wir aus dem Standard Repertoire den Donauwalzer oder den Kaiserwalzer dazu, das sind vorgefertigte Choreographien, die wir bereits haben, und die wir an die Gegebenheiten anpassen, ist es Live Musik, ist es von der CD, wie viel Platz ist vorhanden, wie viele Paare treten auf, diese Choreographien sind so konzipiert, dass es mit einem Paar, aber auch mit 21 Paaren funktioniert. Und im Sommer waren wir mit dem Wiener Abend in Taormina und in Gardone, das war ein schöner Erfolg. Das Interesse für Gastspiele im Ausland ist weiterhin vorhanden, jetzt schicke ich zwei Paare nach Istanbul im Dezember, dann gibt es den Grand Bal zu Silvester, dann den Ball Imperial in Baden, die Rudolfiner Redoute, den Kaffeesiederball, und der Sommer ist in Planung, es kommen laufend neue Projekte herein. 

OF: Herr Hatala, vielen Dank für das Gespräch! 

Das  Interview führte Katharina Gebauer

DER OPERNFREUND  | DerOpernfreund@aol.com