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besuchte Aufführungen
Don Giovanni
am 05.08.2011
Aida
am 06.08.2011
Wir sahen wir einen ausgezeichneten „Don Giovanni“. Viel war im Vorfeld über diese Aufführung gesprochen und geschrieben worden. Zu laute Liebesspiele auf der Bühne würden die Musik beeinträchtigen, angebliche Kontroversen zwischen der Regisseurin Petra Luise Meyer und dem Dirigenten Georg Schmöhe machten die Runde und gespannt auf das Kommende. Was folgte war eine stimmige und flotte Inszenierung, wer ein Sexspektakel erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Copyrigth aller Bilder: Gut Immling / Opernfestival
Nicht enttäuscht wurden diejenigen, die eine nachvollziehbare Inszenierung erwarteten und diese auch bekamen. Don Giovanni ist der Koreaner Adam Kim – und er singt einen prachtvollen Verführer. Explosiv, verführerisch, aber auch sanft, schmelzend und stimmschön. Ein Don Giovanni, der auf Konventionen pfeift und sich nimmt, was er möchte und der schließlich daran scheitert. Neben ihm brillieren vor allem Ivi Karnezi als eine hervorragende Donna Anna. Sie beherrscht die Bühne und zwar darstellerisch als auch stimmlich und Olga Czerwinski als leichte, frische Zerlina. János Szerekován als Don Ottavio gefällt mit einem schönen, kultivierten Tenor, den er in den wenigen Auftritten zum Erblühen bringen kann. Der Leporello von Jacek Janiszewski ist vielleicht ein bißchen ungeho-belt, stimmlich etwas rauh, aber gestalterisch voll „ankommend“. Jana Dolezilková als Donna Elvira ergänzt mit üppigem, ausladendem Sopran das ausgezeichnete Ensemble, den Jenisbek Piyazov als guter Masetto und Kirill Borchaninov als stimmgewaltiger Komtur abrunden. Georg Schmöhe führt die Münchner Symphoniker vielleicht etwas langatmig, ein klein bisschen schwerfällig.

So wird der Fluss des Geschehens doch etwas gebremst, davon lassen sich die Sängerdarsteller aber nicht beein-drucken und zeigen, wie auch das Orchester eine hervorragende Leistung, die vom angetanen Publikum mit großem Applaus bedacht wird. Großen Beifall auch für den hervorragenden Festivalchor, mit rund 70 Sängern aus der Gegend bei denen man in jeder Sekunde merkt, dass sie mit Leib und Seele – und auch viel Stimmschönheit – dabei sind.
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Gespannt waren wir vor allem auf die „Aida“ des nächsten Tages. „Verona gestählt“ wartet man auf Pyramiden und Elefanten, obwohl es klar ist, dass dies auf der Bühne in Gut Immling nicht zu reali-sieren ist. Nein, modern soll alles werden, die Oper in die Neuzeit verlegt, statt dem Schwert die Atomrakete, statt des Triumphmarsches Pappkameraden der Despoten unserer Zeit, Gaddafi, Stalin, Fidel Castro usw. Blau geschminkt das unterdrückte Volk und alles in den Kulissen die von Claus Hipp, einem der großen Förderer von Gut Immling glänzend entworfen worden sind. Das kann nicht gut gehen, na ja, man wird diesen Abend schon herumbekommen. Und dann kommt das Unvorherge-sehene, unfassbar vor allem auch für mich, der sich normal an den Urfassungen klammert und die Nase bei Modernisierungen rümpft.

Man erlebt eine Aida, die stimmig ist, die zu Beifallsstürmen hinreißt und die so toll auf die Bühne gezaubert wird, wie ich es noch nie erlebt habe (und ich habe mindestens 25 Aidas erlebt). Nicht nur ich bin begeistert, der Zuschauerraum brodelt und der Applaus wird immer stärker und drängender. Diese Aida hätte man gerne als Mitschnitt um ihn immer wieder einmal anzusehen. Ja – und dann wird auch noch gesungen, und das einfach prächtig. Radames ist der kanadische Tenor Mario Zhang. Und er, der schon ein alter Bekannter in Gut Immling ist, begeistert. Er lebt die Rolle, die Spitzentöne kommen glasklar und schweben über dem Bühnenraum, die Kondi-tion reicht bis zum letzten Ton. Radames wie man ihn selten zu hören bekommt. Rossana Cardia steht ihm als Aida kaum nach, ihr leicht auf alle Feinheiten reagierender Sopran, der sich zur vollen Blüte entfaltet, nie forciert und immer präsent ist, fügt sich auch im Duett bestens ein. Die Amneris von Yvonne Fontane zeichnet eine interessante Rolleninterpretation, auch stimmlich gibt es nichts an ihr auszusetzen, sie fügt sich nahtlos in die positiven Sängerdarsteller ein. Kein Ausfall im Sängerensemble, Derrick Lawrence als Amonasro, Kirill Borchaninov als Ramphis und Andrzej Saciuk als König vervollständigen das ausgezeichnete Ensemble. Viel Beifall auch für die Regisseurin Verena von Kerssenbrock und langanhaltender überaus verdienter Beifall für die Münchner Symphoniker und dem souveränen Dirigat von Cornelia von Kerssenbrock, der es gelingt die Massen auf der Bühne, im Orchester und im Chor bestens zusammenzuhalten und zu Höchstleistungen anzuspornen.

Diese Auf-führung war für mich einer der besten Aida-Interpretationen, die ich in den letzten 30 Jahren gesehen habe. Eine tolle Aufführung, die ihren krönenden Abschluss wie immer im Kulturzelt findet, bei de-nen man den Künstlern weiter bei Arien und Canzonen lauschen kann. Eben Gut Immling. Ich freue mich auf den „Troubadour“, aber auch auf „Die Hochzeit des Figaro“ im nächsten Jahr und kann jedem nur einen Besuch im Chiemgau ans Herz legen.
Manfred Drescher
Eine Reise nach Gut Immling
Ein Geheimtip – der viele Freunde finden sollte
Gut Immling – ja wo ist das denn? So hörte ich es von vielen Seiten, als ich mich entschloss – auf Empfehlung eines guten Freundes – mit einer größeren Gruppe an den Chiemsee zu reisen. Und diese Reise haben wir nicht bereut. Im Gegenteil, im nächsten Jahr fahren wir wieder hin und über 2/3 der Teilnehmer waren bereits in diesem Jahr dabei. Im nächsten Jahr werden wir uns an „Aida“ und „Don Giovanni“ erfreuen können, in diesem Jahr standen „Der fliegende Holländer“ und „Carmen“ auf dem Programm.

Alle Bilder Copyright: Gut Immling
Heute möchte ich ein bisschen über das Opernfestival und dessen Philosophie berichten, die Aufführungen selbst werde ich am Schluss noch kurz behandeln.
Der Bass-Bariton Ludwig Baumann, der sein erstes Engagement 1971 erhielt und dessen Karriere zu den größten Hoffnungen Anlass gab, hatte nach seinem Wechsel vom Bass zum Bariton sein Debüt am Landestheater Coburg. Hier sang er eine Vielfalt von Opernpartien und wurde durch den Coburger Kirchenmusikdirektor Martin Rauch in den Oratorien- und Konzertgesang eingeführt. Seine Karriere führte ihn als Gastsolist nach Berlin an die Deutsche Oper, die Semper Oper Dresden, die Pariser Oper, die Deutsche Oper am Rhein, an die Staatsopern nach München und Hamburg und viele aus-ländische Opern- und Konzerthäuser. Im Jahr 1994 stürzte er an der Semper Oper Dresden bei der Hauptprobe zu Verdis „Ein Maskenball“ so unglücklich auf den Rücken, dass er nach langem Kran-kenhausaufenthalt Dauerschmerzpatient wurde und leider nicht mehr in der Lage ist, Opernpartien körperlich durchzustehen. Er pachtete das Gut Immling (zwischen Bad Endorf und Halfing im Chiemgau) und führte in der dortigen Reithalle im Jahr 1997 Mozarts „Zauberflöte“ auf, da diese - ursprünglich als Freilichtaufführung auf einem nahe gelegenen See geplant – wegen Dauerregens verlagert werden musste. Dies war die Geburt des Reithallen-Opernhauses

mit ca. 700 Plätzen. Das statt-findende Opernfestival in traumhafter Kulisse mit den weitläufigen Pferdekoppeln macht den speziel-len Reiz dieser Opernaufführungen im malerischen Chiemgau zwischen Rosenheim und dem Chiem-see aus. Ludwig Baumann stellt kein Tourneetheater auf die Bühne sondern ausschließlich Eigenpro-duktionen mit den Münchner Symphonikern und internationalen Sängern. Die Mischung macht den Reiz aus, neben etablierten Gesangsstars treten junge Nachwuchskünstler auf, von denen viele von Gut Immling aus, den Weg auf die großen Bühnen der Welt fanden.
Man kommt auf das Gut Immling, ist umgeben von Tieren, die hier ein liebevolles Zuhause gefunden haben. Intendant Ludwig Baumann und die Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock (die fast alle Opern auf Gut Immling dirigiert) sind mit der Natur, den Tieren und der Musik verwachsen. Und das spürt man auch. Ich habe im Gespräch selten so natürliche, liebevolle und alles mit Herzblut angehende Künstler erlebt, wie hier auf Gut Immling. Die Augen der beiden leuchten, als sie uns auf dem Gut herumführen, alles zeigen, aber auch von den Schwierigkeiten berichten, die ein so großes Gut mit sich bringt. Und dann das Opernfestival. Neben Intendant Ludwig Baumann und der Dirigentin Cor-nelia von Kerssenbrock zeichnet auch noch deren Schwester Verena von Kerssenbrock als „Stamm-Regisseurin“ für die Aufführungen verantwortlich.
Die Philosophie von Gut Immling ist für mich das Gesamterlebnis. Man wird herzlich begrüßt und geht vor der Oper ins Kultur-Gastronomiezelt, in welchem man vor der großen Oper einen kleinen Imbiss zu sich nimmt. Und dann erlebt man die Oper. Leidenschaftlich inszeniert, leidenschaftlich dirigiert und leidenschaftlich interpretiert. Wenn man dann zur Pause aus der mit hervorragender Akustik versehenen Reithalle heraustritt kann man – wenn man Glück hat – ein farbenprächtiges Abendrot in einer herrlichen Landschaft erleben.
Und wenn dann die Oper zu Ende und der langanhaltende Applaus verebbt ist, geht man erneut ins Gastronomiezelt.

Hier nimmt man nun einen ausgiebigen Imbiss zu sich und versucht die hervorra-genden Weine der Umgebung um den Abend ausklingen zu lassen. Doch dann kommt die nächste Überraschung. Begleitet am Klavier geben die Künstler des Festivals ein weiteres Konzert. Einmalig und ausgiebig. Und wenn die Stimmung im Zelt steigt, steigt auch die Laune der Künstler. Nach unse-rer „Carmen-Aufführung“, die exzellent war, erlebten wir noch 20 Lieder und Arien der versammel-ten Künstler. Das ist mehr als bei einem normalen Konzert. Aber hier auf Gut Immling ist eben nichts normal – und dies ist einfach herrlich.
Alles hier ist etwas familiärer, individueller, liebenswerter als bei anderen Festivals. Dieser Satz, der in der Werbung im Internet bei Gut Immling steht, kann von mir voll und ganz unterschrieben wer-den, Ich werbe – aus voller Überzeugung – für dieses tolle Festival mit liebenswerten Verantwortlichen und einer Betreuung, bei der man sich einfach wohl fühlt.
Am Rande sei noch erwähnt, dass wir am 24.07.2010 einen imponierenden „Fliegenden Holländer“ sahen.

Cornelia von Kerssenbrock lenkte die Münchner Symphoniker mit Akkuratesse und viel Lust und Gefühl. Und diese sind an diesem Abend sehr gut aufgelegt, musizieren leicht und packend die wagnerischen Klangwogen. Hervorzuheben ist die Senta von Héléne Bernardy mit bravourösen Tö-nen und Leidenschaften, durchschlagskräftig und anrührend. Der Holländer von Dimitri Kharitonov beeindruckt, ebenso wie der Erik des Ralf Willershäuser. Auch Marek Gastecki als Daland fällt nicht ab und alle bekommen ihren verdienten Applaus. Beifall auch für den hervorragenden Festivalchor, der mit vielen Sängern aus der Gegend verstärkt ist und mit Herzblut überzeugen kann.
Dies gilt auch für die „Carmen“ des nächsten Tages, Eine etwas eigenwillige, aber dennoch stimmige Interpretation besticht das mitgehende Publikum.

Cornelia von Kerssenbrock leitet die Münchner Symphoniker, die – bis auf kleinere Abstriche – prächtig musizieren. Karine Ohanyan ist eine exzel-lent singende und agierende Carmen. Bei ihr fällt es nicht schwer sich vorzustellen, dass sich die Männer reihenweise in sie vergucken. Ihr Don José ist Gustavo Casanova, der mit dem Verführer gleichnamigen Namens nicht so viel „am Hut“ hat. Etwas zu altväterlich wirkt auf mich seine Inter-pretation, wenngleich er die Töne für den Don Jose sicherlich „drauf hat“. Gestalterisch, sowohl stimmlich als auch von der Ausstrahlung ist ihm hier der Escamillo des Michael Bachtadze überlegen. Bei ihm versteht man, warum Carmen Don José für ihn zurücklässt. Eine sehr gute Leistung bietet Sieglinde Zehetbauer, die eine anrührende mit zartem Sopran versehene Micaela darstellt. Insgesamt eine runde Aufführung, die ihren krönenden Abschluss im Kulturzelt findet.

Ich kann nur empfehlen, die Atmosphäre von Gut Immling einmal mit zu erleben. Ich bin sicher, dass es jedem so geht wie mir und meiner Familie, wir werden mit Sicherheit Stammgäste im Chiemgau.
Cornelia von Kerssenbrock, Intendant Ludwig Baumann, der Rezensent Manfred Drescher mit seiner Gattin Edeltraud
Manfred Drescher