DER OPERNFREUND - 49.Jahrgang - Europas Nr. 1
Startseite
Unser Team
Impressum/Copyright
---
Kontrapunkt
Die OF-Schnuppe :-((
Der OF-Stern * :-)))
HUMOR & Musikerwitze
Bilsing in Gefahr
Herausgeber Seite
----
PLATTEN
BÜCHER
KINO Seite
-----
Oper und Konzert
Pr-Termine 2016.17
Aachen
Aachen Sonstige
Aarhus
Bad Aibling
Bad Reichenhall
Altenburg Thüringen
Altenburg Österreich
Amsterdam
Amsterdam TC
Andechs
Annaberg Buchholz
Ansbach
Antwerpen
Arnheim
Aschaffenburg
Athen
Athen Onassis Cultur
Augsburg
Avignon
Baden bei Wien
Baden-Baden
Badenweiler
Baku
Bamberg
Bamberg Konzerte
Basel
Basel Musicaltheater
Basel - Casino
Bayreuth div.
Pionteks Bayreuth
Bayreuth Festspiele
Bergamo
Berlin Deutsche Oper
Berlin DO WA
Berlin Staatsoper
Berlin Staatsoper WA
Berlin Kom. Oper
Berlin Kom. Oper WA
Berlin Neuköllner Op
Berlin Konzerte
Berlin Ballett
Berlin Sonstige
Bern
Bielefeld
Bochum Ruhrtriennale
Bochum Konzerte
Bonn
Ära Weise 2003-2013
Bozen
Bratislava
Braunschweig
Braunschweig Konzert
Bregenz Festspiele
Bremen
Musikfest 2016
Bremerhaven
Breslau
Brünn Janacek Theate
Brüssel
Budapest
Budap. Erkel Theater
Buenos Aires
Burgsteinfurt
Cagliari
Casciana
Chemnitz
Chicago
Coburg
Coburg Joh. Strauss
Coesfeld
Colmar
La Coruna
Cottbus
Crevoladossola
Darmstadt
Dehnberg
Den Haag
Dessau
Dessau Weill Fest
Detmold
Döbeln
Dortmund
Dortmund Ballett
Dortm. Konzerthaus
Dresden Semperoper
Dresden Operette
Duisburg
Düsseldorf
Düsseldorf Tonhalle
Schumann Hochschule
Eisenach
Ekaterinburg
Enschede
Erfurt
Erl Festspiele 2015
Erl Festspiele 2014
Erlangen
Essen Aalto Oper
Essen Aalto Ballett
Essen Aalto WA
Essen Philharmonie
Eutin
Fano
Fermo
Florenz
Frankfurt
Frankfurt WA
Bockenheimer Depot
Freiberg
Freiburg
Füssen
Fürth
Fulda
Gelsenkirchen MiR
MiR Ballett
Genf
Gent
Gera
Giessen
Görlitz
Gotha Ekhof-Festsp.
Graz
Graz Styriarte
Graz Konzerte
Hagen NEU
Hagen alt
Halberstadt
Halle
Halle Händelfestsp.
Hamburg StOp
Hamburg StOp Wa
Hamburg Konzert
Hamburg Sonstige
Hamm
Hannover
Heidelberg
Heidenheim Festsp.
Heilbronn
Heldritt
Helsinki
Hildesheim TfN
Hof
Hohenems
Gut Immling
Ingolstadt
Innsbruck Landesth.
Innsbruck Festwochen
Bad Ischl
Jennersdorf
Kaiserslautern
Karlsruhe
Karlsruhe Händel
Kassel
Kiel
Kiew
Bad Kissingen
Klagenfurt
Klosterneuburg
Koblenz
Köln Staatenhaus
Köln Wiederaufnahmen
Köln Kinderoper
Köln Kammeroper
Köln Philharmonie
Köln und Umgebung
Konstanz Kammeroper
Kopenhagen
Krummau a.d. Moldau
Krefeld
Landshut
Langenlois
Bad Lauchstädt
Leipzig Oper
Leipzig Mus. Komödie
Leverkusen
Lille
Linz/Donau
Linz Sonstiges
Ljubljana/Laibach
London ENO
London ROH
Ludwigshafen
Luisenburg
Lübeck
Lübecker Sommer
Lüneburg
Lüttich/Liège
Luxemburg
Luzern
Lyon
Macerata
Madrid
Magdeburg
Mailand
Mainz
Malta
Mannheim WA
Mannheim
Maribor/Marburg
Marseille
Martina Franca
Massa Marittima
Meiningen
Melbourne
Minden
Minsk
Miskolc
Mönchengladbach
Mörbisch
Hamburg
Monte Carlo
Montréal
Moskau Bolschoi N St
Moskau Sonstige
München NT
München NT Wa
München Cuvilliés
MünchenPrinzregenten
München Gärtnerplatz
München Ballett
Münster
Münster Konzerte
Münster Sonstiges
Muscat (Oman)
Neapel
Neuburger Kammeroper
Neuburg/Donau
Neuss RLT
Nizhny Novgorod
Nordhausen
Novara
Nürnberg
Nürnberg Gluck 2016
Nürnberg Konzerte
Oldenburg
Ölbronn
OperKlosterNeuburg
Oslo
Osnabrück
Ostrau
Palermo
Paris Bastille
Paris Palais Garnier
Paris Champs
Paris Chatelet
Paris Ballett
Parma
Passau
Pesaro
St. Petersburg
Piacenza
Pisa
Pforzheim
Plauen
Posen
Potsdam
Prag
Radebeul
Raiding
Recklinghausen
Regensburg
Reggio Emila
Bad Reichenhall
Remscheid
Rendsburg
Riga
Ruhrtriennale
Saarbrücken
Salzburg 2016
Salzburg 2015
Salzburg LT
Salzburg Osterfestsp
San Francisco
San Marino
Sarzana
Sassari
Savonlinna
St. Gallen
St. Petersburg
Bad Reichenhall
Oper Schenkenberg
Schweinfurt
Schwerin
Schwetzingen
Sevilla
Singapur
Sofia
Solingen
Stockholm
Straßburg
Stuttgart
Stuttgart Ballett
Szeged (Ungarn)
Tampere (Finnland)
Tecklenburg
Teneriffa
Toggenburg
Tokyo
Toulouse
Trapani
Trier
Triest
Turin
Ulm
Valencia
Valle d´Itria
Venedig Malibran
Venedig La Fenice
Verona Arena
Weimar
Wels
Wexford
Wien Staatsoper
Wien TadW
Wien Volksoper
Wien Konzerte
Wien Ballett
Wien Sonstiges
Wiesbaden
Bad Wildbad 2014
Winterthur
Wolfsburg
Wunsiedel
Wuppertal
Würzburg
Zürich
Zürich WA
Zürich Ballett
Zürich Konzert
Zwickau
---
INTERVIEWS A - F
INTERVIEWS G - K
INTERVIEWS L - P
INTERVIEWS Q - Y
---
In Memoriam
Musical
Jubiläen 2016
Essay
Nationalhymnen
Doku im TV
Oper im Fernsehen
Oper im Kino
Unsitten i.d. Oper
---
CD Kritiken Archiv

Halberstadt

http://www.harztheater.de/

Foto HBS

 

 

TANNHÄUSER

Premiere am 4. März 2017

Schattenseiten

25 Jahre Nordharzer Städtebundtheater: „Das Theater beweist Mut – ein großer Wagner steht nicht jedes Jahr auf dem Spielplan.“ Diesen Satz aus der Pressemittteilung des Nordharzer Städtebundtheaters kann man nur unterstreichen. Wenn ein so kleines Theater mit dem Stammhaus in Halberstadt sich an „Tannhäuser“ herantraut, fährt man mit gehörigem Respekt und manchen Zweifeln in die Domstadt am Rande des Nordharzes. 

Max An/Norbert Zilz/ Klaus-Uwe Rein/Raymond Sepe/Juha Koskela/Tobias Amadeus Schöner

Was der Regisseur Oliver Klöter mit der Ausstatterin Andrea Kaempf da auf die kleine Bühne gestemmt hat, ist trotz mancher Vorbehalte aller Ehren wert. Wenn man den Zuschauerraum betritt, fallen die Prospekte auf beiden Seiten des Bühnenportals auf, die die Landschaft eines Mittelgebirges zeigen. Unwillkürlich denkt man an den Harz, gemeint sein dürfte dagegen die Gegend um die Wartburg, wo ja der berühmte Sängerkrieg stattfand und in deren Nähe der Hörselberg, der Venusberg der Oper, liegt, in dessen Innerem Tannhäuser sinnliche Vergnügungen genießt. Dies wird von ihm und Venus in der ersten Szene nach der Ouvertüre in gestellten Bildern auf einer breiten Liege gezeigt. Alles ist von Flammen umgeben und damit ein Blick auf das gerichtet, was die Gesellschaft von solchen Ausschweifungen hält: In der „Rom-Erzählung“ heißt es, dass es keine Vergebung gibt, wer „so böse Lust geteilt und sich an der Hölle Glut entflammt“ hat.

Szenenwechsel: Zurückgekehrt in die reale Welt, sieht man in eine weite, frühlingshafte Landschaft. Im 2.Akt geht der Blick aus dem Festsaal auf abgeerntete Felder im Sommer, während im 3. Akt arktisch-eisige Kälte vorherrscht. All dies bildet den sinnfälligen Hintergrund für die immer wieder spannende Geschichte über den mittelalterlichen Streit um das „Wesen der Liebe“. Dass dies auch eine wohl immer aktuelle Auseinandersetzung einer verkrusteten Gesellschaft mit einem Außenseiter ist, wird in der Kostümierung deutlich, wenn bis auf Tannhäuser in modernem, schwarz-weißem Dress alle anderen biedermeierliche Kleidung der Entstehungszeit der Oper tragen. Dem Regisseur gelingt es, den Sängerkrieg lebendig zu gestalten, wenn es auch insgesamt arg nach bayrischem Volkstheater aussieht; außerdem wird wie bei den gestellten Bildern des Anfangs die Neigung des Regisseurs zu plakativen, aufgesetzten Gesten deutlich. So gehen beispielsweise die Männer unnatürlich langsam bedrohlich auf Tannhäuser zu, oder alles bleibt zum Aktschluss plötzlich in der Bewegung stehen, wenn es eigentlich „nach Rom“ geht. Dass sich Elisabeth während des Abgangs nach ihrem „Gebet“ noch die Pulsadern aufschlitzt, ist schlicht überflüssig. Dagegen ist das Schlussbild wieder versöhnlich, wenn Wolfram den gestorbenen Tannhäuser sozusagen aufbahrt und sanfter Schnee alles allmählich zudeckt.

Gerlind Schröder/Raymond Sepe

Nun zur musikalischen Seite: Alle Musiker vom Chor, Verstärkungschor und Mitgliedern des Coruso-Chors über das verstärkte Orchester bis zu den Solisten waren äußerst engagiert bei der Sache. Dass dennoch manches nicht so klang, wie man es von größeren Häusern gewohnt ist, kann man keinem von ihnen anlasten.

Problematisch war die Besetzung der überaus anspruchsvollen Titelrolle mit Raymond Sepe: Wie der amerikanische Tenor seine wenig flexible Stimme mit unschönem Timbre im Einheitsforte durch die Partie stemmte, war befremdlich. Sicher, meist bekam er die Höhen, allerdings nur mit größter Kraftanstrengung; zu leiseren Tönen war er kaum fähig, denn wenn er versuchte, seinen Tenor zurückzunehmen, brach ihm die Stimme weg. Außerdem bediente er sich eines inzwischen überkommenen Operngestus‘, der sein Verhalten unnatürlich aussehen ließ. Ebenfalls als Gast trat Annabelle Pichler auf, die überzeugend deutlich machte, wie sehr sich Elisabeth zu Tannhäuser hingezogen fühlte. Sie gefiel zudem mit in allen Lagen abgerundetem, höhensicherem Sopran, wenn auch manche Unsauberkeiten das „Gebet“, das sie teilweise im Liegen zu singen hatte, trübten. In Halberstadt gern gehört und gesehen ist Juha Koskela, der Wolfram sympathisch zu gestalten wusste. Bei seinen wirkungsvoll präsentierten Arien („Blick‘ ich umher“ und „Abendstern“) führte er seinen weichen Bariton in gutem Legato; am Schluss beim Venus-Auftritt fehlte jedoch die nötige dramatische Attacke.

Ein sonorer, in den Höhen angestrengter Landgraf Hermann war Gijs  Nijkamp. Die Besetzung der Minnesänger überraschte: So störte Tobias Amadeus Schöner als Walther mit seinem allzu aufdringlichen Timbre den Gesamtklang der Sänger-Ensembles erheblich: Hier wäre Max An (Heinrich der Schreiber) mit seinem schönen lyrischen Tenor wohl angemessener gewesen. Auch die Besetzung des Biterolf mit dem überanstrengt wirkenden Norbert Zilz konnte nicht gefallen, während sich der bewährte Klaus-Uwe Rein sich mit der kleineren Partei des Reinmar van Zweter begnügen musste. Eine durchaus attraktive Venus war Gerlind Schröder, die sich mit hellem Mezzo und etwas engen, aber sicheren Höhen profilierte. Eine reine Freude war Runette Botha als Hirt, die ihren klangvollen Sopran blitzsauber führte, ein Versprechen für größere Aufgaben wie z.B. die Elisabeth.

Juha Koskela/Annabelle Pichler

Bei den Chören (Einstudierung: Jan Rozehnal) fielen positiv die Pilgerchöre auf, deren Übergänge vom Gesang aus dem Off auf die Bühne besonders gut gelangen; manches Wackeln beim „Einzug der Gäste“ war wohl dem lebhaften Spiel der Choristen zuzuschreiben. Dirigent Johannes Rieger ließ das kleine Orchester in der Dynamik auffallend differenziert musizieren; vor allem die Geigen waren jedoch im zweiten Teil der Ouvertüre und später beim immer wieder auftauchenden Venusberg-Motiv im Hinblick auf Rhythmik und Intonation hörbar überfordert.

Insgesamt gab es bei dieser Mammut-Aufgabe manches Licht, aber leider auch viel Schatten.

Mit Bravos, Standing Ovations und lang anhaltendem Applaus feierte das begeisterte Premierenpublikum alle Mitwirkenden.

Gerhard Eckels 5. März 2017

Bilder (c) Jürgen Meusel

Weitere Vorstellungen: 10.3.+8.,29.4. in Quedlinburg; 19.,31.3.+21.5. in Halberstadt; 25.3. in Herford; 17.4. in Bad Elster+ 22.4. in Eisleben

 

 

 

 

Der Barbier von Sevilla

Besuchte Vorstellung am 30.12. in Halberstadt

(Premiere am 25. Dezember 2016 in Quedlinburg)

Dauerwirbel

Klaus-Uwe Rein/Bénédicte Hilbert/Max An

In der Jubiläumsspielzeit „25 Jahre Nordharzer Städtebundtheater“ stand in und zwischen den Feiertagen die Neuinszenierung von Giacomo Rossinis bekanntestem Werk auf dem Programm, eine Produktion in Kooperation mit der Theater Vorpommern GmbH Stralsund-Greifswald-Putbus. In der Saison 2014/15 wurden die Aufführungen dort im italienischen Original gesungen, während man sich für Halberstadt für die etwas ungewohnte deutsche Übersetzung von Wolf Ebermann und Hellmut Döhnert entschied. Das auf das wirbelige Lustspiel von Beaumarchais zurückgehende Stück bietet jedem Regisseur immer wieder Zündstoff für neue Ideen. So war dies auch bei Susanne Knapp, die neben vielen netten Einfällen und turbulente Aktionen wohl von Anfang an auch die Fortsetzung „Figaros Hochzeit“ im Hinterkopf hatte. Darauf deutete nicht nur das von Rosinas Seite her doch durch die vorangegangenen Lügen leicht getrübte Glück im Finale hin, sondern auch Figaros Vermessen des Raumes während der Schlusstakte und Versteckspiele um den Sessel. Übertreibungen passen zu dieser Komödie, allerdings war z.B. der erste Auftritt von Marzelline als vollbandagierte Mumie ebenso überflüssig wie die Wiederholung des Stock-Ansäge-Gags. Ansonsten stand sinngemäß über dem Ganzen: „Liebe und Geld, Geld und Liebe, das ist alles was zählt.“

Klaus-Uwe Rein/Gijs Nijkamp

Jakob Knapp (Künstlername!), Schwester der Regisseurin und für die Ausstattung verantwortlich, hatte ein verblüffend einfaches und praktisches Einheitsbühnenbild entworfen, das sich durch einen zweiten Vorhang einer Kulisse und eine zweite Wand, die den Raum dann schloss und sich für Schattenspiele anbot, sowie wenige Möbelstücke verändern ließ. Die Kostüme waren generell hell gehalten; lediglich Rosina durfte Farbe zeigen. Ansonsten hatte Perückenmacher Figaro in herrlich grellbunte Töpfe gegriffen. Da fiel nur Fiorillo mit seiner Strickmütze ab.

Norbert Zilz/Michael Rapke/Max An

Am Pult hatte Kari Kropsu während der Ouvertüre viel zu tun, das zunächst mit unsicheren Einsätzen schlampig und unsauber spielende Orchester in Form zu bringen. Im weiteren Verlauf des Abends folgten die Musiker und Sänger seinen unnachgiebig flotten Tempi immer besser und hielten den Schwung bis zum Ende durch. Als Titelheld machte Michael Rapke gute Figur. Mit in allen Lagen gut ausgebildetem und gleichmäßig geführtem Bariton setzte er sich auch darstellerisch voll ein. Sein „Ich bin das Faktotum …“ war einer der Höhepunkte. Daneben hatte Max An leichte Anlaufschwierigkeiten, indem er z.B. die Kavatine viel zu laut und undifferenziert sang. Aber mit lockeren Koloraturen, größerer Stimmfarbpalette und munterem Spiel konnte er später seine Stärken unter Beweis stellen. Bénédicte Hilbert entzückte als lebhaft agierende Rosina und mit hellem intonationssicheren Koloratursopran, den sie in seiner ganzen Pracht entfaltete. Bei „Frag ich mein beklommnes Herz“ kamen auch die Lyrismen nicht zu kurz.

Michael Rapke/Herrenchor

Eine köstliche Studie des Rosina streng bewachenden Dr.Bartolo lieferte Klaus-Uwe Rein, der mit rundem Bass in der großen Arie „Einen Doktor meinesgleichen“ voll überzeugte. Nicht im Vollbesitz seiner Sangeskraft schien Gijs Nijkamp als Don Basilio zu sein, der die Verleumdungs-Arie sehr verhalten anbot. Bettina Pierags als Marcellina gefiel durch die frisch gesungene Arie „Sich vermählen will der Alte“ und passendes Spiel. Die durch häufigere Szenenauftritte aufgewertete Rolle des Fiorillo lag bei Norbert Zilz in bewährten Händen und sicherer Kehle. Eine sichere Bank war der Männerchor (Einstudierung: Jan Rozehnal), hier eine 8-köpfige Band à la Blues Brothers, die durch unvorhergesehene Zwischenauftritte das Spektakel immer wieder anheizte.

Das gut besetzte Haus dankte der gesamten Ensembleleistung zu Recht mit anhaltend begeistertem Applaus.

Marion Eckels 31.12.2016

Bilder: Jürgen Meusel

Weitere Vorstellungen: 29.01./ 25.02. (beide Halberstadt), 12.03. (Quedlinburg) u.a.

 

 

 

FRA DIAVOLO

Premiere am 27. Februar 2016

Spektakel im Museum

Daniel Francois Esprit Aubers Opéra comique konnte man jahrelang nur äußerst selten erleben. Jetzt ist das früher wegen seines Melodienreichtums sehr beliebte Werk auf die Entfernung von rund 100 km gleich in zwei Häusern zu sehen, nach Hildesheim (vgl. www.deropernfreund.de/Hildesheim) auch in Halberstadt (Nordharzer Städtebundtheater). Anders als in Hildesheim hatte man sich nicht für ein blutiges Ende entschieden, sondern ließ die Geschichte in einer Bildergalerie spielen, eine hübsche, richtig gute Idee: „Die ins Museum der Theatergeschichte verbannten Protagonisten“ des nun schon „fast zwei Jahrhunderte alten Opernsujets“ (so Musiktheater-Dramaturgin Susanne Range im Programmheft) dürfen während der Ouvertüre „auferstehen“ und treten am Schluss in ihre jeweiligen Bilderrahmen zurück. Für den variabel zu bespielenden Ausstellungsraum eines Museums und die fröhlich bunten Kostüme war Wiebke Horn verantwortlich.

Max An / Chor

Entsprechend der Slapstick-Komödie „The Devil’s Brother“ (1933) mit Stan Laurel und Oliver Hardy waren im Inszenierungskonzept von Christian Poewe die beiden Strolche Beppo und Giacomo deutlich aufgewertet, indem sie zunächst Aufseher im Museum gaben und später zu den trotteligen Begleitern ihres „Capitano“ mutierten – Lacherfolge waren den wirklich komischen Norbert Zilz und Klaus-Uwe Rein sicher.

Norbert Zilz/Tobias Amadeus Schöner/Klaus-Uwe Rein 

Das gesamte Opernensemble und der trotz einiger Wackler solide Opern- und Verstärkungschor (Einstudierung: Jan Rozehnal) ging mit viel Witz und enormer Spielfreude ans Werk. Mit klarem, intonationsreinem Sopran überstrahlte Bettina Pierags als muntere Zerline die Ensembles. Ihr Lorenzo war bei Max An und seinem höhensicheren, schlanken Tenor gut aufgehoben. Seinen Tenor-Gegenspieler, den Räuberhauptmann Fra Diavolo, gab Tobias Amadeus Schöner, der stimmlich enttäuschte. Im Spiel war er der elegante, Frauenherzen betörende Charmeur, wozu seine durchdringende, eher unangenehm timbrierte Stimme nicht so recht passen wollte, von einigen gesangstechnischen Problemen ganz abgesehen. Mit kultiviertem Bariton und eifersüchtigem Gehabe war Juha Koskela der englische Lord, während Gerlind Schröder seine Lady Pamela als temperamentvolle, stimmkräftige, erotischen Abenteuern nicht abgeneigte Frau gab. Bassgrundiert ergänzte Gijs Nijkamp als Wirt Matteo.

Bettina Pierags/Gerlind Schröder/Tobias Amadeus Schöner/Juha Kuskela/Gijs Nijkamp

Am Pult des nicht durchgehend technisch sicheren Orchesters sorgte Musikdirektor und Intendant Johannes Rieger für den nötigen Elan, in dem auch manches Mal der französische Esprit der Komposition aufblitzte.

Das Premierenpublikum war begeistert und belohnte alle Mitwirkende mit kräftigem, lang anhaltendem Applaus.

Gerhard Eckels  29.02.2016

Bilder: Jürgen Meusel

 

Weitere Vorstellungen:

6.3.+15.4.+7.5. in Quedlinburg, 11.3.+9.4.+1.,21.5. in Halberstadt, 3.4. in Bernburg

 

 

 

 

 

 

 

DORNRÖSCHEN

Premiere am 30. November 2014

Mutig

Mit der Aufführung von Engelbert Humperdincks heute weitgehend unbekannter Vertonung des Grimmschen Märchens, angereichert mit einigen frei erfundenen Szenen, hatte man sich sehr viel zugemutet. Das Libretto schrieb Elisabeth Ebeling, die die hart erkämpfte Erlösung Dornröschens durch Prinz Reinhold mehr in den Mittelpunkt rückt. Kurz vor Ablauf von 100 Jahren – so lange wirkt der Feenfluch – verliebt er sich in das Porträt der schönen Prinzessin und will sie erwecken, wozu er allerdings diverse Prüfungen bestehen und sich auch Versuchungen gegenüber standhaft zeigen muss, bevor er ans Ziel kommt.

Bereits 1895 sandte Elisabeth Ebeling dem Komponisten das Libretto zu, der es aber zunächst ablehnte und auch weitere Anfragen negativ beschied, ehe er sich 1901 doch damit befasste, nachdem sie ihm mit seiner Familie ihre Villa am Wannsee als erstes Domizil anbot, als er einem Ruf an die Preußische Akademie der Künste nach Berlin folgte. Aus der Verpflichtung entstand eine Märchenoper, die vor allem in der Ouvertüre und den instrumentalen Zwischenspielen stark an Humperdincks großes Vorbild Richard Wagner erinnert. Dazu passen auch die Erlösungsgeschichte durch einen unschuldigen Knaben (Parsifal) und die Versuchung der Dämonia à la Kundry. Am 12.November 1902 wurde die Märchenoper „Dornröschen“ in Frankfurt am Main uraufgeführt, die Gesang, gesprochenen Dialog und Melodram eng miteinander verknüpft.

Thea Rein/Annabelle Pichler

Die liebevolle Inszenierung hatte Philip Jenkins übernommen, der auch eine moderne Dialogfassung erstellte mit aktuellen Anspielungen wie z.B. zu Prinz Reinhold, „ein Bandmitglied der Gruppe ‚Prinzen‘“, die im sehr gut besetzten Haus bestens ankam. Er ließ die schnell wechselnden Szenen munter ausspielen, was durch Wiebke Horns kunterbunte, detailreiche Bühnenbilder und hübsche Kostüme unterstützt wurde. Besonders gelungen war das „Wachsen der Dornenhecke“ gelöst.

Nina Schubert/Gerlind Schröder

Das gesamte Ensemble zeichnete sich durch besondere Spielfreude und Agilität aus. Star des Nachmittags war Gerlind Schröder als böse Fee Dämonia, die sich voll einsetzte, rassig-temperamentvoll spielte und auch gesanglich immer textverständlich blieb; hinreißend ihr Verführungsversuch und unvergesslich ihr diabolisches Gelächter! Ein reizendes Röschen war Nina Schubert , die mit leichtem Sopran ihr Lied „Zum ersten Mal allein“ sauber und mit Ausdruck erklingen ließ. Der Schauspieler Jeremias Koschorz legte den Prinz Reinhold (da ist eigentlich ein Tenor gefragt) modern burschikos an und gefiel durch sein intensives Spiel, die gesangliche Seite kam dabei naturgemäß zu kurz. Das war bei Annabelle Pichler als gute Fee Rosa anders. Sie überzeugte mit ansprechender Darstellung und rundem Sopran, nur die Textverständlichkeit ließ ein wenig zu wünschen übrig. Norbert Zilz (bewährt als König/Vogt), Thea Rein (stimmstark als Königin), Runette Botha (entzückend als Quecksilber/Morphina) sowie Gijs Nijkamp (Koch), Thomas Kiunke (Tellermeister) und Anke Walter (Sonne) ergänzten das homogene Ensemble. Chor und Ergänzungschor (Einstudierung: Jan Rozehnal) bildeten den festlichen, klangvollen Rahmen; aus dem Hintergrund klangen sie leider zu schwach.

Jeremias Koschorz/Nina Schubert

Problematisch war Humperdincks Musik für das kleine Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters, da hatte man sich doch übernommen. Johannes Rieger am Pult hatte das Geschehen immer fest im Griff, aber zu tief spielendes Blech und zu wenige Geigen, die sich so klanglich nicht genug mischen konnten, waren ein zu großes Hindernis für eine adäquate Wiedergabe der Klangopulenz. Dass es dennoch eine empfehlenswerte Aufführung wurde, lag vor allem an dem guten Ensemblespiel der Darsteller. Um dies so selten gespielte Werk überhaupt einmal kennenzulernen, lohnt sich eine Fahrt nach Sachsen-Anhalt.

Marion Eckels 1.12.2014

Bilder: Jürgen Meusel

 

    

 

 

 

CABARET

Vorstellung am 15. November 2014 (Premiere am 31.Oktober 2014)

Zündend

 

Tobias Amadeus Schöner/Ensemble

 

Das erfolgreichste Musical von John Kander und seinem Liedtexter ist „Cabaret“, das am 20.November 1966 am Broadway uraufgeführt und, 1972 mit Liza Minnelli, Michael York und Joel Grey verfilmt, weltweit populär wurde. In Halberstadt setzte Wolfgang Dosch das in Berlin 1929/30 angesiedelte Stück mit viel Schwung und guten Ideen in Szene. Dazu schuf ihm Odilia Baldszun (Ausstattung) ein ebenso einfaches wie effektives Bühnenbild, in dem lediglich überdimensionale Buchstaben des Wortes „CABARET“ auf der Bühne und seitlich auf der Vorderbühne bei Szenenwechseln verschoben wurden, wobei die Musik fließend den letzten Song weiterführte oder den kommenden intonierte. Bei den Kostümen war das Fortschreiten der Zeit an allmählich zunehmender Zahl von Braunhemden zu erkennen. Dosch führte die Akteure schlüssig und passend durch den Abend bis auf die Szene des Conférenciers mit der Äffin, an deren Stelle hier der gerade von Hitlerjungen zusammengeschlagene und mit einem Sack über dem Kopf verhüllte Herr Schulz fungieren musste zu „Säht ihr sie mit meinen Augen“. Das war ein unnötiger Bruch der sonst gelungenen Regie. Sehr gut war die Idee, die politische Entwicklung der damaligen Zeit an dem Song „Der morgige Tag ist mein“ zu verdeutlichen, indem er erst wie ein schlichtes Volkslied daherkommt und später mit festerem Marschrhythmus missbraucht wird.

Katja Uhlig/Ensemble

Das solide Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters spielte unter der anfeuernden Leitung von Florian Kießling mit viel Elan die flotten Rhythmen, aber ebenso die ruhigeren, elegischen Songs. Als agiler Conférencier eröffnete Tobias Amadeus Schöner den Abend mit dem berühmten „Willkommen, bienvenue, welcome“, was sofort beim Publikum zündete. Die Musicaldarstellerin Katja Uhlig mit klarer, heller Stimme wirkte für die Sally Bowles fast zu jung und frisch, im Gegensatz zu deren eigentlich schon vorhandenen Lebenserfahrung; die Wandlung nach der Abtreibung gelang ihr dagegen sehr gut. Lutz Standop überzeugte als wandlungsfähiger Clifford Bradshaw. Das späte Mädchen Fräulein Schneider und der joviale Herr Schultz, waren mit Bettina Pierags und Norbert Zilz treffend besetzt; die verschämte Verehrung zu Beginn und später die Trennung auf Grund der politischen Verhältnisse rührten direkt an. Der Geld für die Partei schmuggelnde Ernst Ludwig wurde von Gerd Wiemer rollengerecht forsch dargestellt, wie auch Marlies Sturm eine köstliche Studie als Fräulein Kost mit ihren Matrosen ablieferte. Zwei Sologirls (Thea Rein/Gabriella Gilardi) mit u.a. „Two Ladies“ sowie Ballett und Chor ergänzten das muntere Ensemble.

Norbert Zilz/Bettina Pierags/Lutz Standop/Katja Uhlig

Das Publikum feierte die Akteure begeistert; umso bedauerlicher war es, dass das Haus nur halb besetzt war.

 

Marion Eckels 16.11.2014

Bilder: Jürgen Meusel 

                          

Weitere Vorstellungen: 29.11.+ 19.12.

(QLB), 11.+28.12. + 25.1.15 (HBS)

 

 

 

 

 

 

DON GIOVANNI

Premiere am 21.Februar 2014

Don Giovannis Alpträume

Erfreulicherweise hat sich in der wie überall finanziell immer schwieriger werdenden Theaterlandschaft von Sachsen-Anhalt das seit 1992 bestehende Nordharzer Städtebundtheater mit den Spielstätten in Halberstadt und Quedlinburg als Drei-Sparten-Haus halten können. Dazu trägt sicher auch das solide Musiktheater des Hauses bei, für dessen beachtliches Niveau Musikdirektor und Intendant Johannes Rieger seit über zehn Jahren die Verantwortung trägt. So kann sich auch die Neuinszenierung der „Oper aller Opern“ (E. T. A. Hoffmann) durchaus sehen und hören lassen, die nach der Voraufführung in der Lutherstadt Eisleben nun im ausverkauften Großen Haus des Theaters Halberstadt Premiere hatte. Die Regisseurin Verena von Kerssenbrock sieht den Frauenheld weniger als dämonischen Verführer als den Mann mit einem Mutterkomplex; dies zeigt sich bereits zur bespielten Ouvertüre, wenn Don Giovanni von der matronenhaften Mutter im übergroßen Reifrock immer wieder abgewiesen wird. Im Verlauf des Abends taucht sie häufig drohend im Hintergrund auf, während ihn sieben Frauen in heller Unterkleidung alptraumartig bedrängen.

Juha Koskela/Statistinnen

Eine große Rolle spielen als Zeichen der „Erfolge“ Giovannis Damen-Pumps in allen Formen und Farben, die eine der Wände und die Rahmen des für zügigen Szenenwechsel praktischen Türen zieren (Ausstattung: Wiebke Horn). Ausgehend von dem Heiratsversprechen Giovannis an Zerlina sind außerdem Brautkleider wichtige Requisiten; eins davon wird zu „Reich‘ mir die Hand, mein Leben“ mit das schöne Duett störender, quietschender Seilwinde vom Schnürboden herabgelassen. Wenn das Absicht war, war das genau so fragwürdig wie der Umstand, dass sich zum Finale des 1.Aktes auch Don Ottavio als Braut verkleiden musste.

Klaus-Uwe Rein/Juha Koskela/Xiaotong Han/ Annabelle Pichler/Runette Botha

Am Schluss, wenn Don Giovanni vor Schreck an einem Herzinfarkt gestorben ist, ziehen die jetzt in schwarze Unterwäsche gekleideten Erinnyen die Leiche von der Bühne; zum Schluss-Sextett lässt der Titelheld über der Pumps-Wand höllisches Gelächter hören. Insgesamt hat das Inszenierungsteam eine gute Mischung von Ernst und Heiterkeit gefunden; das fand offenbar auch das begeisterte Publikum, das nach zahlreichem Zwischen-Beifall am Schluss allen Beteiligten nicht enden wollenden Applaus spendete.

Erster Kapellmeister Michael Korth sorgte am Pult des ihm nicht durchweg aufmerksam folgenden und deshalb stellenweise „klappernden“ Orchesters des Städtebundtheaters für den erforderlichen vorwärts treibenden Schwung. Wie die quietschende Seilwinde, die er hätte verhindern müssen, störte die unrein gestimmte, zu kräftig verstärkte Mandoline in Giovannis Ständchen. Juha Koskela ließ sich dadurch nicht irritieren und brachte seinen wohlklingenden Bariton passend einschmeichelnd zur Geltung. Aber auch sonst gefiel der Finne durch gekonnte Stimmführung in allen Lagen. Gestalterisch ließ sein Giovanni nun wirklich jede Dämonie vermissen; er war ein durch und durch sympathischer jungenhafter Sonnyboy vom Typ „Schwiegermuttertraum“. In bewährter Buffo-Manier hatte Klaus-Uwe Rein als Leporello die Lacher auf seiner Seite.

Runette Botha/Klaus-Uwe Rein

In dieser Produktion hatte Don Ottavio gegenüber den starken Frauen nichts zu melden. Xiaotong Han hatte den möglichen Verlobten Donna Annas als Schwächling darzustellen. Auch stimmlich wirkte der Chinese etwas unterbelichtet; so durfte er die Arie „Nur ihrem Frieden“ nicht singen, sondern musste sich mit der jedenfalls für ihn offenbar deutlich schwierigeren Arie „Folget der Heißgeliebten“ abquälen. Annabelle Pichler als rachsüchtige Donna Anna verfügt über einen durchschlagskräftigen Sopran, der allerdings in den Höhen einige Schärfen aufwies; auch fielen die Spitzentöne allzu oft aus der Gesangslinie heraus. Mit glaubwürdiger Darstellung, gestochenen Koloraturen und durchweg sauber geführtem, substanzreichem Sopran gefiel Runette Botha als Donna Elvira.

Bettina Pierags/Reinhold Schreyer-Morlock

Bettina Pierags war eine reife Zerlina mit operettiger Tongebung, die ihren Masetto immer wieder erfolgreich becircte; in dieser Partie ließ der junge Reinhold Schreyer-Morlock mit prächtigem Bariton aufhorchen. Schließlich ist noch Gijs Nijkamp zu nennen, der als Komtur sonore Basstöne beisteuerte. Der munter agierende Chor des Städtebundtheaters sang ausgewogen und sicher (Jan Rozehnal).

Gerhard Eckels 22.2.2014                             Bilder: Jürgen Meusel

                                     

Weitere Vorstellungen:

2.+ 23.3. (QLB), 8.,28.3.+11.,20.4. (HBS) + Gastspiele in Rathenow und Bernburg

 

DER OPERNFREUND  | DerOpernfreund@gmx.de