DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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Opernfestspiele Heidenheim

Einmal im Jahr wird der historische Rittersaal im Heidesheimer Schloss Hellenstein Schauplatz von großer Oper beim Opernfestival Heidenheim. Neben der Oper gibt es noch ein musikalisches Begleitprogramm, für das der Musik-Chef des Festivals Marcus Bosch ein eigenes Orchester gegründet hat: die Cappella Aquilqeia.

http://www.opernfestspiele.de/

 

 

TURANDOT

Besuchte Aufführung: 13. 7. 2013                     (Premiere: 5. 7. 2013)

Musikalischer Gaumenkitzler, szenisch leider überwiegend belanglos

Es war insgesamt nicht gerade aufregend, was die Opernfestspiele Heidenheim an diesem Abend geboten haben: Die Neuproduktion von Puccinis „Turandot“ vermochte rein szenisch kaum zu überzeugen. In dem Ambiente des Rittersaales von Schloss Hellenstein kam die Inszenierung von Michael Helle nur schwer in die Gänge. Es war weder modernes Musiktheater noch ein aufwendiges Freiluftspektakel à la Verona, mit dem man hier konfrontiert wurde. Zwar war der Regisseur auf eine Mischung von modernen und traditionellen chinesischen Acessoirs bedacht, allein die zeitgemäßen Anzüge des Chors, der legere Freizeitlook Kalafs, das Fahrrad, auf dem er zu Beginn hereinfährt und die von Liu getragenen Koffer machen aber noch keine moderne Inszenierung aus. Eine solche will auch gelebt und mit Problemen der Gegenwart gespickt sein. Und das war hier eindeutig nicht der Fall. Wenn es nur das gewesen wäre. Schließlich kann auch eine konventionelle Produktion durchaus spannend sein, wenn der Regisseur sein Handwerk versteht und Leben in seine Inszenierung bringt. Aber wenn auf der Bühne über zwei Akte lang fast nichts los ist und sich Langatmigkeit einstellt, hätte man die Oper auch gleich konzertant geben können. Der Chor sitzt fast nur auf seinen rot-blauen Tribünen herum und Turandot verlässt bis zum dritten Akt ihren kitschigen Drachenbalkon nicht. Erst im Schlussakt nahm die bis dahin unbefriedigende Inszenierung mehr Fahrt auf. Die Szene, in der die drei grotesk anmutenden Minister Calaf mit den sexuellen Diensten dreier offensichtlich unwilliger junger Mädchen bestechen wollen, geriet zum eindringlichen Plädoyer gegen Kinderprostitution. Bei der Folterszene, in deren Verlauf die gefesselte Liu einige kräftige Ohrfeigen einstecken musste, durfte man die Sklavin im Unterhemd sehen. Ein sehr stimmiger Einfall war es, dass sich der an Gehhilfen fortbewegende Timur neben die tote Liu auf den Boden legt, bereit ebenfalls zu sterben. Wenn er und Liu dann auf einmal aufstehen und die Bühne verlassen, ist das als szenisches Zeichen dafür zu verstehen, dass genau an dieser Stelle der Tod Puccini die Feder aus der Hand genommen hat und Franco Alfano in die Bresche sprang. In diesem Akt begibt sich Turandot auch endlich herab auf die Bühne. Erstmals stellte sich in der letzten halben Stunde auch ein, worauf man den ganzen Abend über vergeblich gewartet hat: Psychologie in der Zeichnung der Personen. Wenn aber von drei Akten nur einer überzeugt, muss die Inszenierung in ihrer Gesamtheit als nicht gelungen eingestuft werden.

Musikalisch sah die Sache erheblich besser aus. Marcus Bosch am Pult setzte nicht auf ausladende, eruptive Klangmassen, wie es andere Dirigenten bei diesem Werk häufig zu tun pflegen, sondern animierte die homogen aufspielenden Stuttgarter Philharmoniker zu einer leichten, filigranen Tongebung, wobei er mehr die lyrischen als die dramatischen Akzente betonte. Der von ihm und dem Orchester erzeugte Klangteppich war ausgesprochen weicher Natur, transparent und mit kammermusikalischem Feinschliff versehen.

Eine gute Besetzung für die Turandot stellte Rachel Tovey dar, die mit ihrem bestens focussierten, in der sicheren Höhe mächtig auftrumpfenden und ausdrucksstarken hochdramatischen Sopran der chinesischen Prinzessin mehr als gerecht wurde. Etwas Zeit, um warm zu werden, benötige Luis Chapa als Calaf. Obwohl er schließlich zu einem guten Sitz seines ansprechenden Tenors fand und auch schön auf Linie sang, wurde doch offenkundig, dass er für den unbekannten Prinzen zwar eine solide, aber keine außergewöhnliche Besetzung ist. In der Liu, die sie mit wunderbar warmen, innigen und emotional eingefärbten Tönen sowie in der Höhe mit herrlichen, gut gestützten Pianissimi versah, hat Ashley Thouret eine gute Partie für sich gefunden. Ausgezeichnet schnitt auch Woong-jo Choi ab, der mit vollem, rundem und sonorem Bass bester italienischer Schulung den Timur sang. Profundes Stimmmaterial brachte Felix Rathgeber für die kurze Rolle des Mandarins mit. Durchweg vokal etwas dünn präsentierten sich die drei Minister von Timothy Sharp (Ping), Christoph Wittmann (Pang) und Andrés Felipe Orozco (Pong). Ihnen fehlte es genauso an der nötigen Körperstütze ihrer Stimmen wie dem ebenfalls sehr flach intonierenden Kaiser Altoum von Jens Krogsgaard. Eine ansprechende Leistung erbrachten die von Tarmo Vaask trefflich einstudierten Stuttgarter Choristen und der Kinderchor.

Ludwig Steinbach, 14. 7. 2013

Die Bilder stammen von Dr. Thomas Bünnigmann

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