DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
Startseite
Impressum
Urheberrecht OF
---
Wagnerjahr 2013
Gastkommentar
BILSING in Gefahr
PIONTEKs Bayreuth
Die STEINBACH-Seite
---
Der OF-Stern *
Die OF-Schnuppe #
----
Blühender Bockmist
Kontrapunkt
Vermischtes
----
Ausstellungen
PLATTEN & BÜCHER
BALLETT
KONZERT
-----
Oper:
Oper im Fernsehen
Aachen
Amsterdam
Andechs
Annaberg Buchholz
Antwerpen
Arnheim
Augsburg
Baden bei Wien
Baden-Baden
Bamberg Sommeroper
Basel
Basel - Casino
Bayreuth div.
Bayreuth Festspiele
Bergamo
BERLIN
Bern
Bielefeld
Bochum
Bonn
Bozen
Ära Weise 2003-2013
Bratislava
Braunschweig
Bregenz Festspiele
Bremen
Bremerhaven
Brüssel
Budapest
Chemnitz
Chicago
Coburg
Coesfeld
Colmar
La Coruna
DAMSTADT
Dessau
Detmold
Dortmund
Dresden
Dresden Operette
Duisburg
Düsseldorf
D Tannhäuser Skandal
Eisenach
Enschede
Erfurt
Erl 2012
Erlangen
Essen
Essen WA
Eutin
FRANKFURT
Freiberg
Freiburg
Fürth
Gelsenkirchen
Gent
Giessen
Görlitz
Graz Oper
Graz Styriarte
Hagen
Halberstadt
Halle
Halle Händelfestsp.
HAMBURG
Hannover
Heidelberg
Heidenheim Festsp.
Heilbronn
Heldritt
Hildesheim TfN
Hof
Gut Immling
Innsbruck Landesth.
Innsbruck Festwochen
Bad Ischl
Jennersdorf
Kaiserslautern
Karlsruhe
Karlsruhe WA
Kassel
Kiel
Kiew
Klagenfurt
Klosterneuburg
Koblenz
Köln
Kölner Kinderoper
Krefeld
Landshut
Leipzig Oper
Leipzig Mus. Komödie
Leverkusen
Linz/Donau
Ljubljana/Laibach
Ludwigshafen
Lübeck
Lübeck Musikhochsch.
Lübecker Sommer
Lüneburg
Lüttich/Liège
Luxemburg
Luzern
Magdeburg
Mailand
Mainz
MANNHEIM
Maribor/Marburg
Martina Franca
Massa Marittima
Meiningen
Minden
Minsk
Mönchengladbach
Mörbisch
Monte Carlo
Moskau Bolschoi N St
MÜNCHEN
Münster
Nordhausen
Novara
Nürnberg
Oldenburg
Oslo
Osnabrück
Ostrau
Palermo
Paris Bastille
Passau
Pesaro
St. Petersburg
Pisa
Pforzheim
Plauen
Posen
Potsdam
Regensburg
Rendsburg
Riga
Saarbrücken
Salzburg Festsp 2013
Salzburg Landesth.
Sankt Gallen
San Francisco
Sassari
Schwerin
Schwetzingen
Sevilla
Solingen
Straßburg
Stuttgart
Stuttgart WA
Tecklenburg
Trier
Triest
Turin
Ulm
Valencia
Venedig Malibran
Venedig La Fenice
Verona Arena
Weimar
WIEN
Wiesbaden
Wildbad
Winterthur
Wunsiedel
Wuppertal
Würzburg
Zürich NP
Zürich WA
Zwickau
-----
Interviews-Porträts
In memoriam
Martin Achrainer
Julia Amos
Mikael Babajanyan
Sebastian Baumgarten
Nic. Beller-Carbone
Marcus Bosch
Johan Botha
Michelle Breedt
Thorsten Büttner
Arturo Chacón-Cruz
Miriam Clark
Yen Han
Gregor Hatala
Hansgünther Heyme
Stefan Herheim
Frank Hilbrich
Guido Jentjens
Hyuna Ko
Joseph E. Köpplinger
Lothar Krause
Michael Lakner
Bettina Lell
Aiste Miknyte
Vera Nemirova
Benedikt von Peter
Harie van der Plas
Marysol Schalit
AlexandraSamouilidou
Irina Simmes
Michael Spyres
---
ARCHIV A - D
ARCHIV E - K
ERL
Erl Archiv
Essen
Flensburg LT-SH
Frankfurt
Freiburg
Gießen
Graz
Hagen
Hamburg
Hannover
Heidelberg
Hildesheim TfN
Hof
Immling
Bad Ischl
Jennersdorf
Kaiserslautern
Karlsruhe
Kassel
Kiel
Koblenz
Köln
Krefeld
Archiv L - R
ARCHIV S - Z
ARCHIV weitere
Archiv Interviews
---
Unsitten i.d. Oper
Musikerwitze

 

THEATER FÜR NIEDERSACHSEN HILDESHEIM HANNOVER 

www.tfn-online.de

 

 

 

 

 

 

DON PASQUALE

Premiere am 8.9.2012

Zu wuselig

Dass Donizettis auf Strukturen der italienischen Commedia dell’arte zurückgeht, liegt auf der Hand. Da bietet es sich an, die typisierte Handlung um den übertölpelten Alten, die gerissene junge Frau, ihren Liebhaber und den intriganten Drahtzieher mit Elementen der Commedia zu versehen.  Leider übertrieb der Regisseur der Neuinszenierung am TfN (Theater für Niedersachsen) Axel Heil die Ausführung dieser grundsätzlich guten Idee. Das begann schon bei der hübschen, ungewohnt unsauber gespielten Ouvertüre, zu der die knapp zwanzig Choristen in einheitlichen Kostümen und Gesichtsmasken à la Pulcinella durch den Zuschauerraum wuselten und auch später während der Oper viel zu viel Unruhe auf der kleinen Bühne verbreiteten. Die Protagonisten agierten in knallbunten Kostümen auf einer runden, schrägen Spielfläche (Ausstattung: Philippe Miesch), in der sich bei den Finali auch noch eine kleine Scheibe gegenläufig drehte und so äußerlich für weitere Turbulenz sorgte.

Sängerisch gab es einige Einschränkungen: Am besten hielt sich noch Uwe Tobias Hieronimi, dessen prägnanter Bariton erneut guten Eindruck machte. Er hatte allerdings die Titelfigur als derartig gebrechlichen Greis zu geben und musste zur „Hochzeit“ in Hauslatschen auftreten, dass das Mitleid, das der Komponist zumindest musikalisch für Pasquale im 3.Akt verbreitet, nun gar nicht aufkommen wollte. Norina war mit reichlich eindimensionalem, zu Schärfen neigendem Sopran Regine Sturm. Die Sänger des Malatesta und des Ernesto hatten so starke Probleme mit der deutschen Sprache, dass deren akzentbehaftete Diktion sehr gewöhnungsbedürftig war. Dabei fiel auf, dass Kazuhisa Kurumada über einen schönen, flexiblen Bariton verfügt. Marco Antonio Lozano ließ einen noch unausgewogenen, aber interessant timbrierten Tenor hören; leider litt die „Serenade“ - jedenfalls zu Beginn - unter Intonationsmängeln.

Der Chor, dessen Bewegungsfreudigkeit Anerkennung verdient, sang klangausgewogen (Achim Falkenhausen). Am Pult des sich im Laufe des Abends steigernden Orchesters stand Leif Klinkhardt, der alles sicher zusammenhielt und für das erforderliche schwungvolle Musizieren sorgte. 

Gerhard Eckels                                                                                

 

                                                                                            

EIN WALZERTRAUM

Premiere am 28.04.12 im Stadttheater Hildesheim,

besuchte Aufführung am 5.06.12 im Theater am Aegi in Hannover

Die liabe Franzi, die guate Franzi !

Oscar Straus´ "Ein Walzertraum" gehörte einst zu den Welterfolgen des Genres Operette, heute findet er sich eher selten auf den Spielplänen; an der Musik liegt es sicher nicht, denn Straus verknüpft komödiantisches Augenzwinkern, vielleicht nicht so ausgeprägt wie in seinen früheren Operetten, mit dem schönsten Wiener Schmäh und gediegenem Sentiment; nicht nur das bekannte "Leise, ganz leise, klingt´s durch den Raum" ist ein echter Ohrwurm. Die Handlung um den deutsch eingeheirateten Wiener Leutnant, der die Hochzeitsnacht verweigert, eine Romanze mit der ebenfalls Wiener Damenkapellmeisterin Franzi erlebt, die mit geknicktem Herzchen sorgt, daß der Rechte in das Hochzeitsbettchen der Rechten kommt, ist kein allzu starker Wurf, doch bietet in seinen deutschen Adelsparodien dankbare Kalauer, wenn man es so geschickt und gekonnt macht, wie Werner Pichler am Theater für Niedersachsen (TfN), der einfach nur die Operette inszeniert, wie sie im Buche steht. Steffen Lebjedzinski ist für die sparsame, doch genügende Ausstattung zuständig, muffiger Hofplüsch contra herzliches Bürgertum mit Plastikhecken, Musikpavillon und schönen Roben, perfekt für ein Theater, das in Niedersachsen circa vierzig Häuser besucht und bespielt.

Achim Falkenhausen am Pult des Orchesters des TfN dirigiert genau die rechte Mischung, nie zu rührselig, doch auch Platz für das Herzchen der Melodie lassend, die Musiker spielen aufmerksam und differentierter, als man Operette an manch größerem Hause erlebt. Die Ensembleleistung wird am TfN großgeschrieben, da hört man nicht immer Netrebko und Villazon, doch die Rollen sind mindestens zufriedenstellend besetzt, wichtig ist die Sprache und das Spiel genauso wie der Gesang: Daniel Lenz bring als Leutnant Niki die schlanke Jungengestalt mit etwas sprödem Charme auf die Bretter, der Tenor ist stimmlich nicht von großem Volumen, doch er erreicht das Herz. Prinzessin Helene wird von Antonia Radneva mit präsenterem, in der Höhe leicht scharfem Sopran gesungen. Regine Sturm als Franzi ist die dominierende Hauptfigur, genau der echte, süße Soubrettenton für ein Weaner Madl, dazu mit Mund und Herz am rechten Fleck. Dorothee Schlemm singt mit schönem Mezzo die Kammerfrau Friederike zur musikalisch vierten Hauptpartie. Uwe-Tobias Hieronimi ist als Joachim XIII. sicher dafür verantwortlich, das das Flausenthurmsche Fürstentum am Rhein liegt, ein Komiker par excellence. Jan Kristof Schliep ist ein fieser Intrigant als Graf Lothar, lediglich Bernhard Christian Berger als Montschi/Eduard findet mit pathetischem Operngesang nicht den leichten Ton, den er im Dialog spricht. Die Nebenrollen und der Chor sind mit Hingabe dabei und sorgen für den gelungenen Abend.So schön kann Operette sein, wenn man sie nicht neu erfinden will, denn die Komik und der Unernst liegen sowieso in ihrer Art. Viele glückliche Gesichter, viel Gekicher während der Aufführung, so macht man gediegenes, gutes Unterhaltungstheater.

Martin Freitag

 

DER OPERNFREUND  | DerOpernfreund@aol.com