DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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HYUNA KO

Ich liebe die Musik von Richard Wagner

 

F: Liebe Frau Ko, am 13. Oktober dieses Jahres gaben Sie im Rahmen des diesjährigen Künstlertreffens der Gottlob-Frick-Gesellschaft ein Opernkonzert im Mühlehof in Mühlacker. Was bedeutete Ihnen dieser Auftritt?

KO: Das Konzert war für mich sehr wichtig - insbesondere deshalb, weil sich mir da die Gelegenheit bot, vor so vielen Sängern der Spitzenklasse aufzutreten.

OF: Wie kam Ihr Engagement bei der Gottlob-Frick-Gesellschaft zustande?

KO: Infolge einer Anfrage des Präsidenten Hans A. Hey.

OF: War Ihnen Gottlob Frick vor dem Konzert bereits ein Begriff?

KO: Natürlich war mir dieser große Bassist schon ein Begriff.

OF: In Ölbronn bilden die alljährlichen Teilnehmer des Künstlertreffens immer eine große Familie. Was für einen Eindruck hatten Sie von dieser erlesenen Gemeinschaft? Wie hat sich für Sie Ihr Aufenthalt in Ölbronn insgesamt dargestellt?

KO: Ich hatte den Eindruck, dass es für die anwesenden Künstler ein frohes Wiedersehen war, weil sie sich über vergangene Zeiten austauschen konnten.

OF: In Mühlacker hatten Sie die Gelegenheit, vor einigen der renommiertesten Sängerstars aus früheren Tagen ihr Können unter Beweis zu stellen? Was war das für ein Gefühl für Sie, vor so vielen Sängerlegenden zu konzertieren?

KO: Es bedeutete eine große Aufgabe für mich, vor so vielen Könnern und Kennern zu singen. Klar, dass ich da auch Lampenfieber hatte. Nach dem Konzert ist mir ein Stein vom Herzen gefallen.

OF: Wie war die Zusammenarbeit mit Clemens Bieber, Ihrem Tenor-Partner in dem Konzert?

KO: Ausgezeichnet. Herr Bieber ist ein gestandener Sänger und ein wunderbarer Kollege. Es hat mich sehr gefreut, mit ihm zusammen meine erste Elsa singen zu dürfen.

OF: Wie haben Sie sich auf diesen Auftritt vorbereitet?

KO: Indem ich über ein Jahr intensiv an dem Programm gearbeitet habe.

OF: Am 21. Oktober wurde das Konzert in Heilbronn wiederholt. An welchem der beiden Veranstaltungsorte ließ es sich besser singen: in Mühlacker oder in Heilbronn?

KO: In der Heilbronner Halle, weil da die Akustik besser war.

OF: Das Konzert stand unter dem Motto „Faszination Richard Wagner“. Was für eine Beziehung haben Sie zu dem Bayreuther Meister?

KO: Ich liebe seine Musik.

OF: Sie waren an diesem Nachmittag in Mühlacker mit Ausschnitten aus „Lohengrin“ und „Holländer“ zu hören. Lag Ihnen die Elsa oder die Senta besser in der Kehle?

KO: Die Senta. Der Grund dafür mag sein, dass ich mich über zwei Jahre auf die Partie vorbereitet habe.

OF: Haben Sie schon ganze Wagner-Rollen auf der Bühne gesungen?

KO: Ja, und zwar ein Blumenmädchen und einen Knappen im „Parsifal“. Darüber hinaus habe ich konzertant auch schon die Sieglinde und Isoldes Liebestod gemacht.

OF: Auch Gottlob Frick war ein hochkarätiger Wagner-Interpret. An dieser Stelle möchte ich nur seinen Hagen, seinen Hunding und seinen Gurnemanz ausdrücklich erwähnen. Ist er für Sie in irgendeiner Weise ein Vorbild?

KO: Das kann ich nicht sagen, da ich ihn in keiner dieser Partien gehört habe.

OF: Was denken Sie, hat den berühmten Dirigenten Wilhelm Furtwängler dazu bewogen, Frick als „König der deutschen Bässe“ zu bezeichnen?

KO: Jeder Pultmeister hat eben seine Lieblingssänger, so auch Furtwängler.

OF: Gibt es etwas in Fricks Stimme, das Ihnen besonders gefällt?

KO: Die schwarze Farbe und die Supertiefe, über die heutzutage nur noch wenige Bassisten verfügen.

OF: Wie der Bass von Gottlob Frick sitzt auch Ihr Sopran wunderbar im Körper. Welche Relevanz messen Sie einer guten Körperstütze beim Singen bei?

KO: Vielen Dank für das schöne Kompliment. Für mich ist es in erster Linie wichtig, dass die Stimme auf natürliche Weise dem Körper entströmt. Darauf lege ich starken Wert. Ich denke dabei nicht nur an die Stütze, sondern an den gesamten Körperklang.

OF: Ihr Sopran weist darüber hinaus eine vorbildliche italienische Schulung auf. Was sind Ihrer Ansicht nach die Vorzüge des italienischen Gesangsstils?

KO: Dass man mit ihm alle Partien und deren verschiedene Emotionen am besten vermitteln kann. Für mich gibt es nur diese eine Technik.

OF: Wer hat Ihnen diese vermittelt? Wo haben Sie studiert?

KO: Zunächst in Korea. Danach ging ich an die Musikhochschule Köln zu Prof. Hans Sotin, dessen Schülerin ich jetzt bereits zehn Jahre bin. Dieser große Bassist hat mir seine ebenfalls sehr italienisch geprägte Singweise hervorragend vermittelt. Ich bin sehr stark von ihm geprägt worden.

OF: Wann, wo und in welchen Rollen konnten Sie erste Bühnenerfahrungen sammeln?

KO: In den Jahren 2004 bis 2006 habe ich an der Kölner Musikhochschule in drei Opernproduktionen mitgewirkt und Füchslein Schlaukopf, Gretel und Cio-Cio-San gesungen. Damals konnte ich mich auf der Bühne aber noch nicht so gut bewegen. In dieser Beziehung hat mir Prof. Igor Folwill sehr geholfen. Er hat es verstanden, alles aus mir herauszuholen, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Dann ging ich in mein erstes Festengagement nach Eisenach, wo ich als Mimi, Margarethe und Rosalinde zu hören war.

OF: Was war Ihr erstes großes Wagner-Erlebnis?

KO: „Parsifal“ in Wels beim Richard-Wagner-Festival 2005. Ich gab damals einen Knappen und ein Blumenmädchen. Hans Sotin war damals der Gurnemanz. Bei dieser Gelegenheit habe ich zum ersten Mal realisiert, wie schön eine Wagner-Oper ist. Es stellt ein ganz großes Missverständnis dar, dass Wagner gebrüllt werden und dass das Orchester stets nur laut spielen müsse. Was ich damals empfunden habe, wie die Musik und die Worte ineinander übergingen, das war Gänsehaut pur für mich. Seitdem ist „Parsifal“ eine meiner Lieblingsopern - vorausgesetzt, das insbesondere der Gurnemanz gut besetzt ist. Im ersten Aufzug erzählt er ja die ganze Zeit. Und wenn das nicht schön gesungen wird, ist es für mich eine Qual. Gurnemanz ist meine Wunschrolle, die sich nie verwirklichen wird.

OF: Wo zieht es Sie hin: zum italienischen oder zum deutschem Fach? Welche Partien möchten Sie unbedingt einmal singen?

KO: Ich bevorzuge das deutsche Fach. Einmal, weil ich Deutsch spreche und diese Sprache liebe. Manche sagen, dass das Deutsche hart klingt, ich empfinde das aber nicht so. Zum anderen bevorzuge ich die Opern von Wagner, Strauss, Schreker, Korngold und Beethoven, die ja alle in Deutsch geschrieben sind. Es gibt so viele Rollen, die ich unbedingt singen möchte - auch slawische, z. B. die von Janacek.

OF: Wie bereiten Sie sich auf eine Partie vor?

KO: Zuerst lerne ich den Text und dann die Noten. Anschließend übe ich so lange, bis ich die Töne im Kopf bzw. in der Kehle habe. Erst dann gehe ich zum Korrepetitor. Zu guter Letzt singe ich die jeweilige Rolle noch meinem Lehrer Hans Sotin vor.

OF: Welche Anforderungen stellen Sie an einen guten Regisseur?

KO: Er muss die Musik und das dramatische Geschehen gut vermitteln und aus dem Darsteller dessen ganze darstellerische Kraft herausholen können.

OF: Heutige Inszenatoren verlangen von den Sängern manchmal ziemlich krasse Sachen. Haben Sie schon einmal zu einer Regieanweisung Nein gesagt?

KO: Noch nie. Zum Glück habe ich derartige Situationen bis jetzt nicht erlebt.

OF: Wo ziehen  Sie die Grenze, ab der Sie den Wünschen des Regisseurs nicht mehr nachkommen?

KO: Wenn der betreffende Regieeinfall nichts mehr mit dem Stück zu tun hat.

OF: Wie stehen Sie zum Thema Nacktheit auf der Bühne? Würden Sie gänzlich entblößt singen?

KO: Als Zuschauer habe ich schon einige Stücke gesehen, in denen nackte Leute vorkamen. Ich habe mir damals gedacht, dass das keine Ästhetik habe. Nackte Sänger/innen auf der Bühne ist ja auch nicht mehr neu. Ich persönlich würde mich nicht wohl fühlen, wenn ich ganz nackt singen müsste. Ich denke, dass man das Publikum auch überzeugen kann, ohne sich gänzlich auszuziehen.

OF: Welchen Regiestil bevorzugen Sie: den modernen oder den konventionellen?

KO: Für mich gibt es nur gute und schlechte Inszenierungen.

OF: Wo und was werden Sie in der nächsten Zeit singen?

KO: Zunächst Madama Butterfly in Schwerin. Dann fliege ich für eine Reihe von Konzerten nach Japan.

OF: Was erhoffen Sie sich von der Zukunft?

KO: Ich träume davon, mit festem Glauben mein Leben zu erfüllen. Ich möchte mich sowohl zu einem guten Menschen als auch zu einer tollen Künstlerin weiterentwickeln.

OF: Vielen Dank für das Interview.

 

Ludwig Steinbach, 08.11.2012

 

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