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LA TRAVIATA
1 ½ Autostunden entfernt von Wien liegt das Schloss Kirchstetten. Ganz
nahe der tschechischen Grenze birgt dieses barocke Kleinod einen herrlichen
Festsaal mit einem Deckenfresco von Franz Anton Maulpertsch. Seit 1999 werden
hier Opern aufgeführt und man bezeichnet sich kokett auch als kleinstes
Opernhaus Österreichs – mehr als 160 Zuseher sind hier nicht möglich. Heuer
stand Giuseppe Verdis Dauerbrenner La Traviata auf dem Programm, eine
Eigenproduktion, die insgesamt sechsmal zur Aufführung gelangte. Es gehört
schon Mut dazu, mit einem 11-köpfigen Orchester einen solchen Abend zu wagen. Jede
Stimme - von erster Violine bis zum Fagott - nur einfach besetzt! Aber der
gebürtige Perser Hooman Khalatbari meisterte als musikalischer Leiter alle Schwierigkeiten,
es gelang ihm sogar die Bühnenmusik aus dem „Off“ akustisch einwandfrei
einzurichten. Für die Regie zeichnete Pamela Schermann verantwortlich, die
ruhig auf einige unnötige Modernismen hätte verzichten können. Dass Vater
Germont symbolisch gefesselte Hände hatte, wirkte wohl doch etwas plump. Aber
wie sie das 9-er Solistenensemble, den aus vier SängerInnen bestehenden Chor
(der fallweise von den Solisten unterstützt wurde) und das 1-Mann-Ballett
elegant über den quer durch den Saal verlegten Laufsteg manövrierte, war
durchaus sehenswert.
Den größten Beifall erhielt natürlich Klara Kolonits in der Titelrolle.
Sie ist seit 2003 an der Budapester Oper engagiert und ließ das Publikum an
ihren Seelenqualen eindrucksvoll und hautnah Anteil nehmen. Wesentlich
hölzerner in seiner Darstellung dagegen der Bulgare Hristofor Yonov, der aber
einen wohlklingenden Tenor durch die Schlossgemäuer strömen ließ. Der Bass Adam
Horvath gestaltete Giorgio Germont differenziert, sein Stimmvolumen sprengte
fast den Rahmen.
Was besonders positiv auffiel: der hohe Anteil von Zusehern, die sonst
nicht zu Stammgästen von Opernhäusern zählen und die Tatsache, dass der schon
fast obligate Sturm zur Garderobe unterblieb und das Publikum bis zum
allerletzten Vorhang geschlossen sitzen blieb.
Ernst Kopica
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