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Photo: Stefan Hiller

LA TRAVIATA

1 ½ Autostunden entfernt von Wien liegt das Schloss Kirchstetten. Ganz nahe der tschechischen Grenze birgt dieses barocke Kleinod einen herrlichen Festsaal mit einem Deckenfresco von Franz Anton Maulpertsch. Seit 1999 werden hier Opern aufgeführt und man bezeichnet sich kokett auch als kleinstes Opernhaus Österreichs – mehr als 160 Zuseher sind hier nicht möglich. Heuer stand Giuseppe Verdis Dauerbrenner La Traviata auf dem Programm, eine Eigenproduktion, die insgesamt sechsmal zur Aufführung gelangte. Es gehört schon Mut dazu, mit einem 11-köpfigen Orchester einen solchen Abend zu wagen. Jede Stimme - von erster Violine bis zum Fagott - nur einfach besetzt! Aber der gebürtige Perser Hooman Khalatbari meisterte als musikalischer Leiter alle Schwierigkeiten, es gelang ihm sogar die Bühnenmusik aus dem „Off“ akustisch einwandfrei einzurichten. Für die Regie zeichnete Pamela Schermann verantwortlich, die ruhig auf einige unnötige Modernismen hätte verzichten können. Dass Vater Germont symbolisch gefesselte Hände hatte, wirkte wohl doch etwas plump. Aber wie sie das 9-er Solistenensemble, den aus vier SängerInnen bestehenden Chor (der fallweise von den Solisten unterstützt wurde) und das 1-Mann-Ballett elegant über den quer durch den Saal verlegten Laufsteg manövrierte, war durchaus sehenswert.

Den größten Beifall erhielt natürlich Klara Kolonits in der Titelrolle. Sie ist seit 2003 an der Budapester Oper engagiert und ließ das Publikum an ihren Seelenqualen eindrucksvoll und hautnah Anteil nehmen. Wesentlich hölzerner in seiner Darstellung dagegen der Bulgare Hristofor Yonov, der aber einen wohlklingenden Tenor durch die Schlossgemäuer strömen ließ. Der Bass Adam Horvath gestaltete Giorgio Germont differenziert, sein Stimmvolumen sprengte fast den Rahmen.

Was besonders positiv auffiel: der hohe Anteil von Zusehern, die sonst nicht zu Stammgästen von Opernhäusern zählen und die Tatsache, dass der schon fast obligate Sturm zur Garderobe unterblieb und das Publikum bis zum allerletzten Vorhang geschlossen sitzen blieb.

Ernst Kopica

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