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DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR

27. Juli 2013                                                 (Premiere 9. Juli 2013)

Manche Stücke der Opernliteratur sind einfach eine 100 Prozent-Garantie für regen Publikumszuspruch im heiß umkämpften Markt der Sommerfestivals, schwierig wird es für die Intendanten dann aber bei nicht so gängigen Werken auch für den wirtschaftlichen Erfolg zu sorgen. Diese Erfahrung musste heuer Michael Garschall als Hausherr von „operklosterneuburg“ im gleichnamigen Stift im Norden Wiens machen, denn „Die lustigen Weiber von Windsor“ aus der Feder des Philharmoniker-Gründers Otto Nicolai sind nicht gerade das, was man sich unter einem Selbstläufer vorstellt. Das 1849 uraufgeführte Werk nach der Vorlage von William Shakespeare leidet doch ein wenig unter seinem altmodischen Libretto und schleppender Dramaturgie. Da half es auch nicht, dass man auf die bewährte Regie von Andy Hallwaxx setzte, der im Vorjahr einen fulminanten Don Pasquale inszeniert hatte. Heuer wollte die Handlung einfach nicht in Schwung kommen, allzu lange plätscherte es in der warmen Sommernacht belanglos dahin. Erst mit dem Auftritt des berühmten Mondchores und dem Finale sollte Stimmung aufkommen, da war es aber bereits knapp vor Mitternacht! Nicht gerade förderlich erwies sich auch die wegen eines Feuerwerks im angrenzenden Strandbad notwendig gewordene überlange Pause bei der von mir besuchten Aufführung!

Hans Kudlich schuf ein durchaus praktikables Breitformat-Bühnenbild mit Balkonen, das Hallwaxx’ Konzept des Theaters auf dem Theater ideal unterstützte und in das auch die ästhetischen Kostüme Franz Blumauers passten. Problematischer hingegen die musikalische Leitung Christoph Campestrinis: Etwas mehr Frische und Schwung und ein paar zusätzliche Striche hätten dem Abend gut getan. Dabei ging die Sinfonietta Baden durchaus engagiert und blendend disponiert ans Werk - inklusive der solistischen Einlagen ihrer Konzertmeisterin! Auch der von Tom Böttcher einstudierte Chor tat sein bestes und wurde von der Choreographie Monica Ivona Rusu-Radmanns auch entsprechend gefordert.

Licht und Schatten auch bei der Sängerriege: Die hünenhafte Figur von Christian Hübner als Sir John Falstaff versprach mehr als von ihr zu hören war, nicht einmal beim bekannten „Als Büblein klein an der Mutterbrust“ konnte der Bass punkten. Allerdings erfuhr ich nach der Vorstellung, dass er an einer Halsentzündung erkrankt war, eine "Ansage" wäre angebracht gewesen.

Viktor Rud gab dem Herrn Fluth das notwendige Profil, sein Kollege David Steffens hatte es da rollenbedingt als Herr Reich schwerer. Von der Regie an der Grenze zur Karikatur angesiedelt wurden Junker Spärlich und sein Konkurrent Dr. Cajus, wofür sich Ilker Arcayürek und Boris Grappe entsprechend ins Zeug legten. Positiv zu vermerken bleibt der Fenton Patrick Vogels, der mit souveräner lyrischer Tenorfärbung zu gefallen wusste.

In vokaler Hinsicht gehörte der Abend aber den drei Damen: Die sympathische Talia Or hätte zwar durchaus noch mehr erotische Prise ins Spiel bringen könne, aber ihr Sopran überzeugte mit Geläufigkeit und Textdeutlichkeit - übrigens ein großes Plus beim gesamten Team, wodurch eigentlich die sonst so notwendigen Übertitel diesmal fast überflüssig waren. Die in Graz unter Vertrag stehende Mezzo-Sopranistin Dshamilja Kaiser, die mich vor vier Wochen schon in Schönbergs Gurre-Liedern begeistert hatte, bewies in Klosterneuburg, dass neben einer tollen Stimme auch Komödiantik zu ihren Stärken gehört. Feine lyrische Töne hörte man von Sarah Tuleweit als Jungfer Anna.

Der gelungene Schluss-Gag brachte drei weitere lustige Weiber von Windsor ins Spiel: Vom Balkon winkten nämlich Königin Elisabeth gemeinsam mit Schwiegertochter Carmilla und Prinzessin Kate – im Arm ihr frisch geborener Sohn George!

Ernst Kopica                           Fotocopyright: Lukas Beck/operklosterneuburg

 

 

DON PASQUALE

11. Juli 2012    (Premiere 8. Juli 2012)

Bestes Sommertheater - und das ist nicht abwertend gemeint - bietet Michael Garschall im 15. Jahr seiner Klosterneuburger Intendantentätigkeit. Don Pasquale, das Alterswerk von Gaetano Donizetti, hat er dem Regisseur Andy Hallwaxx anvertraut - eine glückliche Wahl. Denn der am Wiener Volkstheater engagierte Schauspieler beweist bei jeder Form von Musiktheater sein feines Händchen. Im Klosterneuburger Stiftshof transportiert er die doch eher seichte Geschichte rund um den reichen und geizigen Junggesellen Don Pasquale, seinen widerspenstigen Neffen Ernesto und dessen Liebe Norina in ein römisches Hotel der 1950-iger Jahre. Eine rote Vespa, Sophia Loren-Plakate und ein buntes Völkchen von Touristen und Einheimischen in Petticoat-Röckchen und mit Sonnenhut lassen richtige Urlaubsstimmung aufkommen und man fühlt sich an die italienischen Filmkomödien dieser Zeit erinnert. Witzige Pointen liefert Halwaxx am laufenden Band, wobei die Mitglieder des Chores ganz schön in die Pflicht genommen werden. Hans Kudlich sorgte für das sehr stimmige Bühnenbild, dem sich die Kostüme Franz Blumauers perfekt anpassten.

Musikalisch umgesetzt wurde Donizettis Meisterwerk von dem 44jährigen Österreicher Christoph Campestrini, der in den USA wesentlich größeren Bekanntheitsgrad hat als in seiner Heimat. Er ist auch der neue musikalische Leiter der "operklosterneuburg" und gerade erfolgreich von einer US-Orchestertour mit Starpianist Lang Lang zurückgekehrt. Für Donizetti findet er in jeder Sekunde die richtige Leichtigkeit und auch die Sinfonietta Baden setzte sein Konzept wunderbar um, wobei auch die schwierigen solistischen Aufgaben - etwa das Trompetensolo vor Ernestos Arie im dritten Akt - bravourös bewältigt wurden.

Der Schweizer Bassbariton Marc-Olivier Oetterli war im Kaiserhof schon als Magnifico/Cenerentola (2001), Dulcamara/Liebestrank (2002) und Mustafà/Italienerin in Algier (2005) zu hören und zu sehen. Entwickelt er sich so weiter ist er sicher bald an den ganz großen Bühnen zu sehen. Bei den Presto-Stellen zeigte er eine so enorme Zungenfertigkeit und Textdeutlichkeit, dass die Achtel- und Sechzehntelnoten nur so dahinpurzelten. Aber auch sein warmes Timbre konnte gefallen, sein einziges Manko an diesem Abend: Für den alten Trottel Don Pasquale wirkte er einfach zu jung! Da hatte es seine Landsmännin Chiara Skerath in ihrem Rollendebüt als Norina wesentlich leichter, die Rolle war für sie maßgeschneidert. Kein Säuselstimmchen, sondern ein wunderbarer klarer Sopran, der alle Koloraturen mühelos meisterte und nur bei den hohen Strahletönen noch Luft nach oben hat. Die Wandlung vom sanften Kätzchen zur Furie im Haushalt gelang ihr hervorragend.

Der in Klosterneuburg schon als Tonio/Regimentstochter brillierende Caner Akin (in der Premiere sang Arthur Espiritu) hat den Ernesto perfekt drauf, ein Donizetti-Tenor wie er im Buche steht, bravissimo! Günter Haumer, ab September 2012 im Ensemble der Volksoper Wien, gab sein Debüt als Malatesta. Er konnte leider mit den drei Hauptprotagonisten nicht ganz mithalten, wobei der Unterschied besonders im schnellen Duett mit Don Pasquale auffiel. Der sehr engagierte Chor der "operklosterneuburg" war von Thomas Böttcher perfekt einstudiert worden.

Nach diesem durchaus erfreulichen Opernabend stellt sich natürlich die Frage, warum dieses Werk auf den Spielplänen der beiden großen Wiener Opernhäuser nicht präsent ist. In der Volksoper gab es die letzte Premiere im Jahr 2000, in der Staatsoper 1977 mit Edita Gruberova, wobei diese Produktion nur bis 1984 lief. Gelegenheit in Klosterneuburg gibt es jedenfalls noch bis zum 31. Juli.

Ernst Kopica                                           Fotos: copyright Lukas Beck

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