Pippi Langstrumpf unter den Soldaten - Ein kesser Wirbelwind, den Zopf nach oben gesteckt, im blauen Overall (Kostüme: Dorien de Jonge)l, flink mit Werkzeugen aller Arten aber am liebsten mit einem Schlagbohrer hantierend, dabei immer ein Blick auf die prall gefüllten Waschmaschinen gerichtet und gerne ein nicht gerade aristrokratisches Wort auf den Lippen: So wuselt und quirlt Marie, die Regimentstochter über die Bühne des Theaters aan het Vrijthof, als sei Astrid Lindgrens Pippi unters Militär geraten. Annemarie Kremer spielt das mit einem solch hingebungsvollen Charme und einer überbordenden Spiellaune, daß man mit Vergnügen ihren abenteuerlichen, fast circensischen Kapriolen zusieht, dabei singt sie die Partie mit nonchalanter Noblesse, daß die gestochen klaren Koloraturen nur so aus ihr heraussprudeln. Selbst in der kratzbürstigen Attitüde der ungeliebten Gesangsstunde behält sie Würde und in ihrem melancholischen Liebesseufzer nach Tonio verdrückt man gern mit ihr ein Tränchen. Ihre Mitstreiter haben es da schwer mitzhalten. Am besten gelingt das noch Rolf A. Scheider, der den alten Haudegen Sulpice mi ungewohnt jugendlicher Virilität zeichnet. Er ist eher ein großer Bruder an dessen Schulter sich Marie nur allzugern lehnt und mit dem man so herrliche Soldatengesänge anstimmen kann. Scheider singt das mit noblem Baßbariton und einer apercuhaften vis comica. Somit wird der Sergeant als Mensch glaubhafter, denn als baßklamottiger Pausenclown, wie er sonst gern einmal überzeichnet wird.
Todd Wilander wäre eigentlich ein idealer Tonio. Von kräftiger Statur gesegnet mit einem berückend schönen Timbre, erfüllt er die kantablen Stellen der Partie mit seinem warmtönenden Tenor. Nur in seiner Bravourarie geschah es: War es Nervosität oder Indisposition, es wollte ihm nicht gelingen und die Töne purzelten wie Dominosteine, schade - bleibt zu hoffen, daß ihm Fortuna bei den restlichen Aufführungen gewogener ist.Klara Uleman gefiel als köstliche miesepetrige Marquise de Berkenfield im schrulligen Gouvernantenton, begleitet von ihrem hektischen "Manager" Hortensius, den Marcel van Dieren im überdrehten Schwung zeichnete. Die niederländische Theaterdoyenne Elsje de Wijn war eine äußerst resolute Duchesse de Krakenthorp. Eine feine Aristrokratin bedacht auf Anstand, Sitte und vor allem Etikette, wen wunderte es da noch, daß sie Prinz Willem und seine Maxima im Schlepptau hatte? Bruno Berger-Gorskis ambitionierte Regie gefiel in der spitzen Zisilierung der Charaktere und flinken Personenführung. Vor allem den zu wahren Rekruten mutierten Herren des "Het Zuidelijk Theaterkoors" forderte er körperliche Höchstleistung in diesem Donizetti-Manöver ab, daß es die von Tjaling Wijnstra einstudierte Soldateska, dabei nicht an sauberer Tongebung fehlen ließ zollt darüberinaus noch hochachtung. Herbert Janses Bühnenbild orientierte sich im ersten Bild auffallend an der inzwischen bis zur Met vorgerückten Inszenierung Laurent Pellys, ohne aber deren unübertrefflichen Charme zu erreichen. Janses zweite Szenerie mit ihrem luzid duftigen impressionistischen Magritte-Zitat konnte da schon besser gefallen.
Für die temperamentvolle Rahmenbedingung sorgte Stefan Veselka mit dem leicht beschwingt aufspielenden Limburgs Sinfonie Orkest. Jubelnder Applaus für einen allemal lohnenswerten Opernnachmittag an der Maas. Dirk