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Marcelo LOMBARDERO

es fehlen derzeit die Visionäre…

Interview mit Marcelo Lombardero, Regisseur des neuen „Parsifal“ am Teatro Colón in Buenos Aires, Argentinien, am 10.12.2015

Foto (c) Arnaldo Colombaroli

Anlässlich der Aufführungen des neuen „Parsifal” am Teatro Colón in Buenos Aires konnte ich den argentinischen Regisseur Marcelo Lombardero interviewen, der für diese Neuinszenierung verantwortlich zeichnete. Lombardero stammt aus Parana in der Provinz Entre Rios, etwa 500 km von Buenos Aires entfernt, und ist Sohn italienerischer Einwanderer. Er kommt aus einer Familie, in der die Oper und der Operngesang eine große Rolle spielt. So gründete der Großvater das Orchester der Provinz Entre Rios – er war wie die Großmutter selbst Opernsänger. Der Onkel des Großvaters war der berühmte italienische Tenor Giuseppe Anselmi. Die Mutter Lombarderos ist eine ebenfalls sehr bekannte Mezzosopranistin namens Marilú Anselmi.

Aber auch Marcelo Lombardero selbst war Opernsänger. Er begann schon mit 5 Jahren im Kinderchor des Teatro Colón 1969 und hatte dann eine 22jährige Karriere als Bariton, wobei er am Colón beispielsweise den fliegenden Holländer, den Fritz aus der „Toten Stadt“ und Blaubart sang. Er sang auch in Europa, wo sein letzter Auftritt als Opernsänger in der Henze-Oper „L´Upupa und der Triumph der Sohnesliebe“ war. Ihm war aber immer klar, dass das Inszenieren seine eigentliche Berufung war. So hat Marcelo Lombardero auf allen wichtigen und auch kleineren Bühnen Lateinamerikas inszeniert und auch an einer Reihe von europäischen Häusern. Darunter waren auch einige Werke von Richard Wagner. „Tristan und Isolde“ hat er bereits mehrfach inszeniert, u.a. in Chile am Teatro Municipal und in Prag 2010. Des Weiteren inszenierte er u.a. in Italien, Frankreich, Polen, Litauen und Griechenland. In Deutschland hat Lombardero nur gesungen, aber nicht inszeniert. Da besteht also noch Nachholbedarf.

Als der Intendant des Teatro Colón Darío Lopérfido nach der Beendigung des Vertrages mit Katharina Wagner im vergangenen Februar – sie sollte die Produktion ursprünglich machen – , Lombardero fragte, ob er den neuen „Parsifal“ machen wolle, musste er ein wenig nachdenken. Denn er hält den „Parsifal“ für ein ganz außergewöhnliches Werk im Opernkanon Richard Wagners und steht ihm mit großer Wertschätzung und Respekt gegenüber. Ihn hat er am meisten in seinem Leben gehört. Und es war in diesem speziellen Fall ja die Rettung einer Neuinszierung, was immer gewisse Probleme mit sich bringen kann. Zudem hatte er seit 10 Jahren nicht mehr am Colón inszeniert. Seine letzte Oper dort war „Jonny spielt auf“ von Krenek. Ausschlaggebend für seine Sicht auf „Parsifal“ waren drei sehr bekannte Inszenierungen, und zwar jene von Nikolaus Lehnhoff, Calixto Bieito und die Harry Kupfer Inszenierung an der Lindenoper in den 1990er Jahren. Unter allen Umständen wollte er sich aber von diesen Konzepten lösen und eine eigene Lesart für Wagners großes Abschlusswerk finden. So hat er in diesem Fall das Werk für die Aufführung am Colón besonders gründlich studiert, um eine eigene dramaturgische Lösung zu finden.

Dabei arbeitete er – zum Unterschied in vielen Fällen in Europa – von Beginn an sehr eng mit dem Dirigenten Alejo Perez zusammen. Für Lombardero ist der Dirigent integraler Bestandteil des Regieteams, sozusagen als hätte die Produktion zwei Väter. Er hält Differenzen zwischen Regisseur und Dirigent für abträglich. Hinzu kommt eine enge Zusammenarbeit mit den Sängern. Und natürlich den anderen Mitgliedern des Regieteams, also Bühnen- und Kostümbildner/in, Choreograf/in, Beleuchter/in etc. In diesem Kontext sieht sich Lombardero als integrativer Künstler. Und er nähert sich dem Werk vom Text her an. Er sieht den Text jedoch von zwei Seiten: Erstens als den reinen Text, wie er im Libretto steht, und zweitens als musikalischen Text – somit ergeben sich zwei Sprachen. Seine Aufgabe als Regisseur sieht er darin, diese beiden Sprachen zu einer neuen, musikdramatischen, zusammen zu führen.

Marcelo Lombardero machte auch noch einige Ausführungen zu seiner Sichtweise des „Parsifal“ in der Inszenierung in Buenos Aires. Es ging im vor allem darum, das oftmals zitierte Religiöse aus dem Werk zu nehmen und durch eine synkretistische Religion zu ersetzen, sozusagen ein Mythos einer synkretistischen Religion zu zeigen, den seiner Ansicht nach Wagner selbst kreierte. Für ihn ist der Gral Amfortas selbst, der in der Szene der 1. Aufzugs ja auch als der allein Leidende gezeigt wird. Das Hauptproblem ist aber Titurel, der ohne Rücksicht auf den Sohn immer wieder die Enthüllung des Grals fordert. Das Problem der Gralsgesellschaft ist der Gral selbst, mit dem immer wieder der Ordensbruder großes Leid erfahren muss. Alle hängen davon ab, und nun macht Lombardero einen großen Sprung: Es sei eine Abhängigkeit wie wir heutzutage von den neuen Medien abhängen. Insofern sieht er hier eine neue Religion herauf dämmern – die Religion der Medien… Folgerichtig organisiert Klingsor seinen Zaubergarten und Kundry auch mit einem sog. Tablet.

Was das Nichterscheinen von Kundry im Finale betrifft, so möchte er die Frau, die als Kundry im 3. Aufzug ja nur zwei Mal das Wort „dienen“ hervor bringt, nicht als eine Dienerin des Grals zeigen. Das Problem des Grals sollte allein zwischen Titurel, Amfortas und Parsifal gelöst werden. Insofern könnte man Parsifal als einen positiven Siegfried aus dem gleichnamigen Musikdrama Wagners sehen. Parsifal schafft hier die finale Lösung einer Beendigung der Abhängigkeit vom Gral und eine Auflösung der Gralsgemeinschaft auf eine demokratische Art und Weise – also mit einem optimistischen Ausklang. Die Gralsburg verschwindet im Schlussbild. So sieht Lombardero das Finale des „Parsifal“ auch als logische Fortsetzung des Finales der „Götterdämmerung“. Richard Wagner ist für Marcelo Lombardero der Konstrukteur einer neuen musikdramatischen Sprache im 19. Jahrhundert, die wesentlich das Opernschaffen des 20. Jahrhunderts beeinflusst hat. „Das 20. Jahrhundert beginnt 1865 mit dem Vorspiel von „Tristan und Isolde“!“ meint Lombardero mit dem Brustton der Überzeugung. Selbst die Komponisten, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1940er Jahre von Wagner abzusetzen versuchten, sahen eben Wagner als Referenz für ihr Schaffen.

Wie sieht Lombardero die Zukunft der Oper? Für ihn ist die Oper in einer Krise, und zwar weltweit. Es gibt immer weniger Künstler in den Direktionen der Opernhäuser. Und hinzu kommt, dass einige ganz große Visionäre der Kunstgattung Oper nicht mehr leben. Dabei hebt er besonders Gerard Mortier und Luc Bondy hervor. Es fehlen nun eben diese Visionäre, die allein mit ihrem Ruf ein Haus zu füllen im Stande sind und dem Publikum auch neue Opern nahe bringen könnten. Ganz wichtig ist eben für die Zukunft, dass mehr Künstler in den Direktionen der Theater sitzen, um der Oper als Kunstgattung die richtige Richtung zu geben und für ständige Erneuerung zu sorgen. In einigen großen Häusern ist dies durchaus der Fall.

Was sind seine nächsten Projekte? Es sind einige Kammeropern an kleineren Häusern in Buenos Aires geplant, darunter „Das Wundertheater“ von Henze und „The Tempest Song Book“ von A. Jacobsen. Und dann wird er am Teatro Colón einen neuen Macbeth inszenieren. In Chile ist „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ geplant, in einer Ko-Produktion mit der Oper in Bogotá, Kolumbien. Im Jahre 2017 wird er „Lohengrin“ in Rio de Janeiro inszenieren.

Marcelo Lombardero hat also weiterhin sehr viel vor, und die Dynamik und Fantasie, mit der er dieses auf Spanisch geführte Interview bestritt, macht mich sicher, dass diesen neuen Unternehmungen so wie seinem neuen „Parsifal“ in Buenos Aires Erfolg beschieden sein wird.

Klaus Billand 22.12.15

 

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