DER OPERNFREUND - 42.Jahrgang
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Belcore (Erwin Belakowitsch) und seine verlotterte Söldnertruppe
Photos Theater Meiningen
Jörn E. Werner (Dulcamara)

MEININGEN – Ein Muss für jeden Opernfreund


 

DER LIEBESTRANK

– Ein Operntraum im Strandcafé

Die verständnisvollen netten Damen und Herren des Hauses hatten mich aufgrund meiner Wotansfigur freundlicher- und passender Weise in der „Fremdenloge“ platziert. Fußfreiheit ohne Ende – ein Operntraum wurde wahr; so muß sich also Georg der II. gefühlt haben - besser, übersichtlicher, näher am Geschehen und das alles in sowohl optischer, als auch akustischer Perfektion habe ich noch nirgendwo gesessen.

Nachdem mich der als konservativ geltende „Mellrichstädter Opernkreis“ gewarnt und nachhaltig im Vorfeld bedauert hatte („Moderner Schund“ „Unsinn“ „Pornografie“ „großer Mist“ „Opernvergewaltigung“„schrecklich, wir sind schon in der Pause gegangen“) war ich doch etwas verunsichert.

Um es gleich vorweg zu nehmen: ich habe mich prächtig unterhalten gefühlt und kann mich nur uneingeschränkt positiv äußern. Ein moderner „Liebestrank“, der Herz und Seele anspricht und so humorvoll witzig unterhält wie ein Jaques Tati oder Louis de Funès-Film.

Das lag nicht nur an der fulminanten Regie von Petra Luisa Meyer, einer überragend und bis ins Feinste durchdachten und durchgestylten modern gestalteten Bühne (Matthias Schaller) bzw. der prachtvollen Bademode von Susanne Füller, sondern auch an dem perfekten leicht-luftigen Donizetti-Dirigat von Elisa Gogou. Alles passte! Die Meininger Hofkapelle versprühte Champagner, wo an anderen Häusern nur schal der billige Erdbeersekt quirlt, und die ganze Geschichte hatte dermaßen Charme und Humor, daß die gute Laune von der Bühne (Sänger, Chor & Statisterie) auch schnell ins Publikum übergriff. Natürlich gingen einige ältere Herrschaften, die knappe Bikinis, manch Griff an den Busen und 50er-Jahre-Schmuserei (nichts Anderes war es!) mit Pornografie verwechselten, aber wer auch nur über einigermaßen Humor und Lebensfreude verfügt, muß diese hinreißend süße und nette Produktion einfach lieben.

Vera Schoenenberg - Nomen est omen ! - bot eine Adina, daß der Atem nicht nur manch männlicher Opernbesucher schon beim ersten Anblick/Auftritt ins Stocken geriet. Was hatte Kostümbildnerin Susanne Füller der Künstlerin für ein herzkasperl-erregendes Outfit verpaßt. Wow! Hochhackige Stöckelschuhe, der Bikini, ein weißes Dreamteil, welches man problemlos auch in einer kleinen Männerfaust verstecken könnte, dazu eine Designersonnebrille und ein trefflicher Ascot-Hut. Von mir aus hätte sie erst gar nicht mehr zu singen brauchen… ;-)

Die stellenweise ausgesprochen tückische Adina-Partie beherrschte sie mit einem anrührend schönen Timbre, Leichtigkeit, Stimmschönheit und temperamentvollen Vokalisen. Ihr blutjunger Bewunderer, Nemorino (Jaques de Roux), ist eine Entdeckung; er überzeugt zwar nicht auf Anhieb, doch sein „una furtiva lacrima“ war eine Offenbarung, nicht nur des Herzens. Wenn mich nicht alles täuscht, läßt seine Stimme noch viel erwarten, bei guter Pflege und sinnvollem Rolleneinsatz.

Wunderbar spielte und sang Jörn E. Werner seinen Dulcamara, als Transvestit a la Rocky Horror Picture Show. Weiterhin brachten sich die sing- und spielfreudige Sybille Sachs (Gianetta) und Erwin Belakowitsch (Belcore), mit seiner schlaffen Söldnertruppe perfekt ins Regiekonzept ein. Überragender Einsatz bei allen; keiner stand neben seiner Rolle. Doch Kern und tragendes Element dieses Abends war der herrliche Chor. Darstellerfreudig und stimmlich treffend, trotz der gewöhnungsbedürftigen neuen deutschen Übersetzung, ist er sowohl gestalterisches Bühnenelement à la boneur, choreografisches Bewegungsballett erster Kategorie, als auch feinste Slapstickmaschinerie. Eine ideale Truppe für solch anspruchvoll witzig und unterhaltsames Musiktheater. Gratulation. Bravi!

Fazit: Ich habe mich lange nicht mehr so gut unterhalten gefühlt: Wunderschöne Frauen, gute Stimmen und ein Regiekonzept, welches einfach gute Laune verbreitet und noch viel mehr feinhumorig ausziselierte Elemente beinhaltet als der Kritiker hier ausführen konnte. Moderner Donizetti at its best. Bitte Hinfahren! 5 Opernfreund-Sterne!                                       Peter Bilsing



DIE LUSTIGE WITWE

 Oh Du selige Operettenzeit! -Ja die Operette lebt, wenn Sie ernst genommen wird. Ausstaffiert mit großer Dekoration auf drei Bühnenbilder! Auch das gab es wieder zu bestaunen im Meininger Theater. Und es gab Darsteller zu bestaunen, die chic angezogen sind. Kompliment  an Kostüm -und Maskenbildnerei! Und die walzerselige Hofkapelle der Meininger verführte manche Besucher/innen dazu, die einschmeichelnden Melodien mitzusummen. Walzer -Seligkeit  pur, jubelnder Beifall war garantiert.

Die Regie zu dieser gelungenen Aufführung kam von Klaus Rak. Niemals verfing die Regie sich in überholten Operetten - Albernheiten. Erfreulich ging Klaus Rak auch allen Klischee ’s  aus dem Weg. Lieber riskierte er, das mache Szene etwas zu steif geriet, was machte das, der Erfolg am Premierenabend gab dem Regisseur recht.

Walzerseligkeit aus dem Orchestergraben. Die Meininger Hofkapelle wurde hervorragend von Stefanos Tsialis geleitet. Dabei komme ich direkt zum Bewegungschor des Meininger Theaters. Hervorragende Einstudierung von Sierd Quarre’. In den größeren Rollen erlebten wir: Daniela Sott als Hanna Glawari, Erwin Belakowitsch als Graf Danilo.

Ein Sängerpaar frisch und modern in der Darstellung, sicher im musikalischen Part. Eine besonders elegante und erfrischende Valencienne gab Sybille Sachs. Ihren trostlos verliebten Camille de Rosillon sang traumhaft schön  Jacques le Roux. Gar nicht trottelig der Ehemann Baron Mirko, Roland Hartmann hatte die Lacher stets auf seiner Seite. Als Gast zurückgekehrt auf (seine ) Meininger  Bühne und vom Publikum mit Applaus überschüttet: Albert R. Pasch als schlitzohriger Njegus.

Leider, für meinen Geschmack zu wenig eingesetzt wurden die schwungvollen Damen vom Ballett des Landestheater Eisenach. Choreographie: Tomasz Kajdanski.

Diese operettenselige Lustige Witwe verspricht dem Meininger Haus sicherlich riesigen Erfolg.                                              Wolfgang Eichhorn

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