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Miriam Clark

 

 

„Man muss wissen, was man will“

 

 

„An dem Tag, als mir die Dortmunder Oper die Titelrolle der „Norma“ angeboten hat, starb mein großes Vorbild Joan Sutherland. Ich hab zuerst gedacht: Nein, Norma kann ich nicht!“. Wer weis, Miriam Clark, vielleicht dachte sich die überlebensgroße Sutherland genau das Gegenteil? Das Leben ist oft nicht planbar, es besteht auch aus Glücksfällen und Fügungen des Schicksals. Und wenn dies hier der Fall war, hatte Frau Sutherland, -die als eine der besten Normas aller Zeiten gilt-, ein glückliches Händchen. Aber auch fern von Legenden kann gesagt werden: Die Dortmunder Norma war nicht nur ein Glücksfall im künstlerischen Leben der jungen Sängerin, sie wurde auch zur verdienten Basis dessen, was sie derzeit und in naher Zukunft karrieremäßig erlebt. Mein Gespräch mit Miriam Clark.

Nach dem großen Erfolg in ihrem Rollendebut als Norma in Dortmund begeisterte sie als Lakme das Publikum der einstmals deutschen Hauptstadt Bonn. Wieder ein Rollendebut und wieder ein Triumph. Bereits nach Norma war die Musikwelt aufmerksam geworden auf diese junge Frau. Mit ihrem Erfolg in der mörderisch schweren Partie der Lakme aber überzeugte sie den vielleicht noch vorhandenen zweifelnden Rest der kritischen Opernbesucher. Die Fachwelt war und ist sich einig: eine junge Sängerin, die jeweils in zwei exorbitant anspruchsvollen Rollen des Koloraturfachs so überzeugt, macht neugierig.

Seit fast 35 Jahren bin ich begeisterter Opernbesucher, seit 2 Jahren auch als freier Kritiker tätig und habe einige Highlights in diesen Jahren erlebt. Sei es „Hoffmanns Erzählungen“ in den 80-iger Jahren in Köln mit Placido Domingo und Edda Moser, oder aber die leider viel zu früh verstorbene Sopranistin Uta-Maria Flake als Tatjana in Dortmunds „Eugen Onegin“ (meine allererste Oper überhaupt) Ende der 70-iger Jahre, als auch Mirella Freni als Mimi in „La Boheme“ in der Mailänder Scala und einige wenige mehr. Da ist man/Frau verwöhnt und erwartet eigentlich selten positive Überraschungen. Und dennoch, wie so oft im Leben, wird der Mensch auch da überrascht.

Die Premiere der Dortmunder Norma reiht sich gebührend in meine Aufzählung ein. Nicht nur die mutige, und für mich schlüssige, Inszenierung des jungen Regisseurs Enrico Lübbe haben mich begeistert. Auch, und vor allem, Miriam Clark als Norma. Dies führte nach meiner Rezension dann auch zu einem tollen und sympathischen Kontakt und Interview mit der Künstlerin. Das dieser Artikel mein erfolgreichster im Operngenre wurde, konnte ich nicht ahnen. Kein Tag vergeht, an welchem Leser an diesem Artikel ihr Interesse bekunden. Zeit also, bei Miriam Clark mal nachzufragen. Und da passiert gerade so viel, dass es nun zum zweiten Clark-Artikel kam.

Am 29. April 2012 laden die Deutsche AIDS-Stiftung und die Oper Bonn unter der Schirmherrschaft von Bundesminister a.D. Hans-Dietrich Genscher zur ersten Festlichen Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung ein. Eine der Stargäste dieses Events ist Miriam Clark. Und ihre Fans dürfen sich freuen! Im ersten Teil wird sie die Wahnsinnsszene der Elvira aus „I Puritani“ singen und im zweiten Teil, dann weniger wahnsinnig, die Rosalinde-Arie aus der Fledermaus. Besonders ihre Interpretation der Elvira-Szene dürfte für die Belcanto-Fans zum Gänsehauterlebnis geraten. Schliesslich hat Miriam bisher die Opernbesucher verwöhnt! Belcanto bei AIDS-Galas, wir denken dabei gern an Edita Gruberova, waren zumeist das Highlight des Abends. Alle Künstler singen zugunsten der Deutschen Aidshilfe ohne Gage. Wer also Zeit hat, sollte sich die Bonner Gala im Opernhaus nicht entgehen lassen.

Nicht von ungefähr fühlt sich Miriam Clark der Aidshilfe verbunden. Als offizielle Patin der Aidshilfe ist sie für schwangere HIV-infizierte Frauen in Mosambik aktiv. Bei diesem Projekt, „Dream“, geht es vor allem darum, infizierten Schwangeren Medikamente zuzuführen, die die Weitergabe des Virus auf das Kind verhindern. Anschliessend werden die betroffenen Mütter als Präventiv-Beraterinnen für andere betroffene Frauen ihres Landes tätig. Eine sinnvolle Sache, ist doch zu bedenken, dass gerade der afrikanische Kontinent besonders von der Immunkrankheit betroffen ist. „Ich mache das voller Überzeugung und ich unterstütze die Arbeit der Aidshilfe sehr gern“, sagt Miriam Clark in unserem Gespräch. „Nicht nur, aber auch, weil meine Wurzeln in diesem Kontinent sind“, erklärt die Künstlerin ihr Engagement für Afrika. Von daher war sie sofort bereit, an der Bonner Aids-Gala teilzunehmen. Es darf aber auch als Indikator gewertet werden, dass die Bonner sie dafür engagierten.

Aber apropos Bonn. Dort scheint man nun auch zu wissen, was man an Frau Clark hat. Eigens für sie wird es dort eine Inszenierung der Norma mit ihr in der Titelrolle geben. Darüber hinaus wird sie ebenda die Violetta in Verdis „ Traviata“ und die Donna Anna aus Mozarts „Don Giovanni“ geben. Hier darf man jeweils gespannt sein.

„Dortmund war mein Sprungbrett. Der Norma-Inszenierung von Enrico Lübbe, hinter der ich immer voll gestanden habe, verdanke ich viel“, sagt Miriam Clark. Und sie legt großen Wert darauf, dass es auch und gerade die Regiearbeit des jungen Enrico Lübbe war, welche die Faszination dieser Aufführung für sie ausmachte.

Es tut sich viel im Leben und in der Karriere der jungen Sängerin. Alles deutet darauf hin. Erst vor kurzem erhielt sie eine Personal-Story im renommierten „Opernglas“, eine der führenden Fachzeitschriften der deutschen Opernpresse. Und das sich noch einiges mehr tut, auch international, überrascht mich nicht wirklich. Dazu aber zum entscheidenden Zeitpunkt mehr.

Ein Mitarbeiter der Dortmunder Bühnen sagte mir einmal im Gespräch über Miriam Clark: „Hier stimmt einfach das Gesamtpaket!“. Ja, da hat er wohl recht. Aber leider hat das Dortmunder Theater dieses Ausnahmetalent nicht halten können. Das ist nicht das Problem der Miriam Clark. Eher das der Dortmunder Intendanz. Aber Theaterbetrieb ist auch Politik, ist auch Wirtschaft, Die Gelder fehlen. Aber wenn Kultur verarmt, verarmt der Mensch gleich mit. Das ist bedauerlich, aber durchaus änderbar, wenn Politik dies auch will.

Am Ende unseres sympathischen Gesprächs konnte ich mir die Standartfrage an “Belcanto-Diven” nicht verkneifen. „Miriam, stirbt es sich wirklich so schön auf der Bühne?“ „Ja!! Und wie!“, war ihre umgehende Antwort..

Das hätten wir dann auch geklärt. Als Mann ein schier unerreichbares Erlebnis. Aber wenn, wie im Falle von Miriam, so schön auf der Opernbühne „gestorben“ wird, leidet und geniesst Mann einfach nur noch mit und der kleine männliche Neid darauf verfliegt. Von daher wünsche ich ihr noch so manchen umwerfenden Opernbühnen-Exitus, weil ich weis, dass sie nach dem Schlußvorhang wieder gesund und munter aufsteht und ihren Weg weiter geht. Zielstrebig und mit Wertlegung auf die Rollenauswahl.

„Man muß wissen, was man will und vor allem, wann man es will!“, sagt sie mir. Stimmt!

*Website von Miriam Clark

*Portraits der Sängerin mit frdl. Genehmigung von Fotografin Franziska Schrödinger (nochmals Danke dafür!)

Detlef Obens - besonderer Dank an www.xtranews.de

 

 

 

 

 

 

Dortmunds gefeierte Norma im Portrait 

Foto: www.franziska-schroedinger.de

Ungeheuer talentiert, voller Selbstbewusstsein, ausgesprochen sympathisch und ein großes Ziel vor Augen. Die 31-jährige dramatische Koloratursopranistin Miriam Clark, derzeit die umjubelte Norma in der gleichnamigen Bellini-Oper am Dortmund Opernhaus.

Künstlerinnenportraits laufen in der Regel nach einem gewissen Schema ab. Man fragt die Stationen ihres Lebens ab, erkundigt sich nach Ausbildung und bisherigen Auftritten und Erfolgen, ist möglichst nicht all zu kritisch mit der Dame, um sie nicht zu verärgern, und hat nach spätestens drei Sätzen den Leser ermüdet.

Wenn dann aber die zu interviewende Gesprächspartnerin den Interviewer mit entwaffnender Frische, Humor und sehr positiver Ausstrahlung „besticht“, erscheint das herkömmliche Schema nicht mehr passend. Miriam Clark ist vieles, aber eines sicher nicht: langweilig. Denn als Tochter eines US-Amerikaners mit karibischen Wurzeln und einer Mutter, deren Familie ihre Ursprünge in Ungarn hat, bekam sie Erbanlagen mit auf ihren Weg, die an sich schon bemerkenswert sind. Dazu gepaart mit Zielstrebigkeit, einer gesunden Prise offensiven Selbstbewusstseins, hoher Musikalität und großer Stimme, ist sie heute zu einer attraktiven Künstlerin gereift, der man ohne Vorbehalte abnimmt, dass sie ihr großes Ziel in absehbarer Zeit erreichen wird: DAS Opernhaus ihrer zweiten Heimat neben Deutschland, New Yorks weltberühmte MET. Das ersehnte Mekka aller Sängerinnen und Sänger.

 

Derzeit gastiert sie u.a. in Dortmund als Norma. Zu diesem Anlass hat sie sich eine Wohnung auf Zeit in der Nähe des Theaters angemietet. Auch, weil sie neben ihrem Beruf einem ihrer Hobbys nachgehen will: dem Kochen und dem Backen. Derzeit backt sie sich ihr Brot in Dortmund. Das dies auch in New York, oder den anderen bedeutenden Opernmetropolen dieser Welt, möglich sein wird, scheint ohne Zweifel. Ganz sicher backt sie auch bald in New York. Möglicherweise kein Brot, aber Donuts entsprechen sicher auch ihrem Geschmack als deutsch-Amerikanerin.

Nach ihrem Karriereeinstieg als Musicalsängerin im „König der Löwen“ wechselte sie nach einem Jahr ins Opernfach. Der Oper gehört ihre wahre Liebe. Die Möglichkeiten, sich dort künstlerisch zu verwirklichen und weiter zu entwickeln, dazu auf musikalisch hohem Niveau, war die Triebfeder der Miriam Clark für diesen Fachwechsel. Angesichts eines Gesangswettbewerbes in Spanien sagte ihr die dortige Initiatorin: „Mit Deiner Stimme kannst Du alles singen!“. Ein großes Lob einer Gesangskollegin. Wenn dann erwähnt wird, dass diese Kollegin mit Namen Montserrat Caballe heisst, wiegt das Lob besonders schwer. Aber Frau Caballe scheint hier Recht behalten zu haben. Denn mittlerweile singt Miriam Clark viele Partien ihres Fachs. Und anders als viele ihrer Kolleginnen, die diese Rolle aus verschiedenen Gründen erst später in ihrer Karriere sangen, nahm sie sich der Partie der Norma an. Und dies fulminant! Diese Norma hat sie sich hart erarbeitet und verinnerlicht.

Gleichzeitig probt sie derzeit an der Bonner Oper die Hauptrolle der Oper Lakme, die am 29. Januar 2012 Premiere hat. Zudem wird sie in 2012 an gleicher Stelle ihre erste Violetta aus La Traviata singen. Weitere Planungen sind die Einstudierungen der Elvira aus Bellinis Oper „I Puritani“ und die von ihr so heiß geliebte Lucia di Lammermoor. Gerade letztgenannte Partie, von der sie sagt, dass sei ihre absolute Traumrolle, verbindet sie mit ihrem großen sängerischen Vorbild, der inzwischen verstorbenen Dame Joan Sutherland. Die australische Ausnahme-Sopranistin hatte als Lucia, nicht nur für nachwachsende Sängerinnen, Massstäbe gesetzt. Neben der Sutherland gilt

Diana Damrau, die von vielen als derzeit weltbeste Koloratursopranistin gehandelte Sängerin, als ein großes Vorbild von Miriam Clark. Über die Sutherland sagt Miriam Clark: „Ich bewundere ihre Stimmschönheit. Ihre Lucia ist für mich der reinste Wahnsinn!“, womit sie mit ihrer Meinung sicher nicht allein steht.

Die Dortmunder Norma darf durchaus als wichtige und wegbereitende Etappe auf der kommenden internationalen Karriere der Miriam Clark gewertet werden.Denn neben ihrer sängerischen Glanzleistung überzeugte sie in der Inszenierung auch mit schauspielerischem Talent und, wie viele meinen, einem gewissen Mut zur Hässlichkeit. Miriam Clark ist es ein wichtiges Anliegen, gerade diese Inszenierung und dessen Regisseur Enrico Lübbe verteidigend zu erklären. Der Regisseur und sein Team wurden nach der Premiere am 3.12.2011 gnadenlos von einem großen Teil des Publikums ausgebuht.In dieser Aufführung lässt Lübbe seine Norma u.a. in einem Mieder agieren.

Miriam Clark-Foto by Mark Noormann

„Das Norma in einem Mieder auftritt, soll ihre Verletzlichkeit und auch gleichzeitig ihre innere Befreiung von Zwängen symbolisieren. Das sie an anderer Stelle in einer Art Morgenmantel auftritt, um dann wieder in der nächsten Szene mit einem Pelz gekleidet daher kommt, soll die private Norma -die Mutter und Geliebte- und die andere Rolle der mächtigen Norma verdeutlichen,“ erklärt Miriam Clark die von vielen unverstandene Kostümierung der Hauptfigur der Oper. Sie selbst steht voll hinter der Dortmunder Norma und dem jungen Regisseur Lübbe. „Eine wunderbare Arbeit. Aber unsere Norma ist erst fertig nach der letzten Aufführung“. Mit ihren Kostümen hat Frau Clark, die privat sehr gern Kleider und Röcke trägt, keine Probleme. Im Gegenteil, sie will nach den Aufführungen eines der Kleider käuflich erwerben.“Ich liebe den Style der 40-ger Jahre“, erklärt sie.

Nicht immer waren die umstrittensten Operninszenierungen gleichzeitig auch die schlechtesten und erfolglosesten. Die Dortmunder Norma ist Beispiel dafür. Auffallend geradezu, dass sich hauptsächlich Frauen kritisch zur Kostümierung der Dortmunder Norma äusserten. „Ich erhielt sogar die Frage, wie sehr mich Enrico Lübbe hassen würde, mich in solche Kostüme zu stecken“, berichtet Miriam Clark mit humorvollem Unterton. Letztendlich hat Enrico Lübbe hier aber einen bemerkenswerten, sicher auch kontrovers zu betrachtenden, Entwurf seiner Ansicht der Oper Norma abgeliefert, hinter dem das Ensemble, als auch vereinzelt die Kritik, sich finden konnte.

 

Clark gehört einer jungen Sängergeneration an. Sicher hätte keine Sutherland oder gar eine Callas in ähnlicher Kostümierung jemals eine Norma präsentiert. Aber mit den Zeiten haben sich auch die Intentionen und künstlerischen Ansichten der jüngeren Sängerinnen und Sänger geändert, wobei Miriam Clark hier sicher als gutes Beispiel steht.

Miriam Clark hat sich der Bühne voll und ganz verschrieben. Das für viele Künstler lästige Lampenfieber, welches sie auch verspürt, setzt bei ihr Energien frei, die sie für den anstehenden Auftritt benötigt. Dabei ist ihr das Feedback des Publikums sehr wichtig. „Ob ich vor zwei oder zweihundert Menschen singe, ich gebe alles und es freut mich sehr, wenn ich die Menschen mit meinem Gesang berühren konnte“, sagt sie im Gespräch und es wirkt wie ihr Credo. Bei allem spielt die Familie der Sängerin eine zentrale Rolle. Die Mutter, die bei allen Auftritten dabei ist, und natürlich -wie sollte es bei Mama auch sein?- mächtig stolz auf ihr Kind ist, sowie ihr Vater (ein promovierter Banker) sind der jungen Künstlerin wichtige Stützen in ihrer Karriere. „Ich liebe meine beiden Eltern über alles!“ sagt sie mir und denkt dabei auch an ihren Bruder, der wegen seiner Pilotenausbildung in Wien nicht immer den Auftritten seiner Schwester beiwohnen kann.

 

In einem Interview, dass sie vor knapp 2 Jahren einem hessischen Onlinedienst gab, wurde sie gefragt welche Ziele sie hätte. Selbstbewusst und an keinster Stelle arrogant, antwortete sie: „Berühmt zu werden! In großen Opernhäusern wie der MET in New York, der Scala in Mailand oder der Staatsoper in Wien zu singen“. Damals konnte sie noch nicht wissen, dass sie heute, spätestens nach ihrer Norma, diesen Wunschzielen meilenweit näher gekommen ist. Ihre Zielstrebigkeit, ihre Auswahl der Rollenangebote und ihr wirklich positives Charisma ergänzen sich optimal in einer hochtalentierten Sängerin, der die Opernwelt offen steht.

 

Bei der Auswahl ihrer Rollen, und da zeigt sie sich sehr intelligent und besonnen, wird es nur eine Frage der Zeit sein, wann sie ihre ersten Engagements auf internationaler Ebene erhält. Eine Norma, eine Lucia oder gar eine Puritani-Elvira von Weltklasse sind rar. Ihre geplante CD (ein Preis für den 2. Platz eines Gesangswettbewerbs im niederländischen’s-Hertogenbosch ) dürfte sicher die erste von weiteren folgenden Einspielungen werd

Im Nachgang zu unserem wirklich angenehmen und dann doch etwas länger dauerndem Gespräch, war mir bewusst, gerade mit einer kommenden internationalen Größe der Opernwelt gesprochen zu haben, was ich als durchaus nicht unangenehm empfinde. “Bei allem was kommt bleibe ich die, die ich bin“, sagte sie mir und das nehme ich der sympathischen Künstlerin voll ab.

Fakten, berufliche Daten, Fotogalerien und weitere Infos zu Miriam Clark können Sie auf ihrer gut gemachten Homepage einsehen.

Weitere Aufführungsdaten der Dortmunder NORMA siehe HIER

Aufführungstermine der Bonner LAKME siehe HIER

Detlef Obens

mit freundlicher Genehmigung: www.xtranews.de

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