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LE NOZZE DI FIGARO

Premiere am 2.10.11

besuchte Aufführung am 23.11.11

Mozart für Alt und Jung

Eine, bis auf die Marzellina-Arie, nahezu ungestrichene "Le nozze di Figaro" gibt es am Theater Mönchengladbach zu geniessen, denn die dreieinviertel Stunden vergehen wie im Flug. In den Zwanziger Jahren hatte Kobie van Rensburg, der sonst als begehrter Tenor für Alte Musik und Klassik auf der ganzen Welt verlangt wird, seine Inszenierung angesiedelt, freilich nicht, ohne durch barocke Anspielungen, das Werk aus der Ständegesellschaft in seiner Entstehungszeit zu verankern, Dorothee Schumacher und Lutz Kemper teilten sich die gelungene Ausstattung. Die Aufführung lebte, neben der spielerischen, excellent gelungenen Personenregie Rensburgs, aber vor allem durch den durchgängigen Gebrauch des sonst überstrapazierten Videos (ebenfalls Rensburg). Denn auf schlichten weißen Pannelen wurde das geniale Libretto Lorenzo da Pontes, neben den gelungenen architektonischen Einblendungen, zum optischen Handlungsträger der italienisch gesungenen Aufführung, keine Übertitel, sondern mitzulesender Text erscheint gleich Sprechblasen über den jeweiligen Akteuren. Die Worte zerplatzen vor Wut, gefrieren in Sarkasmus oder motivieren durch Platzwechsel den Akteur zu einem Gang, das wirkt nie aufgesetzt, sondern immer unterhaltsam. Die Mechanik der Komödie bringt die Personage zum Handeln.

Die Vereinigten Bühnen können mit einem soliden Ensemble aufwarten, da kommt es aus Kostengründen manchmal zu ungewohnten Besetzungen, die bei der Qualität der Solisten doch funktionieren: Dara Hobbs, eine gestandene Tosca und Isolde, gelingt es ihren mächtigen Sopran als Gräfin Almaviva stets auf Linie zu halten und der Partie ein ungewohntes, stimmliches Gewicht zu geben, so etwas geht nur mit einer ausgezeichneten Gesangstechnik. Tobias Scharfenberger als Graf gefällt mit virilem, gelenkigem Bariton. Laura Nicorescu setzt sich als Susanna, sympathisch durchtrieben, mit feinstimmigem Sopran ab. Andrew Nolen singt dazu einen eher basslastigen Figaro.  Lilia Tripodis Cherubino kommt emotional turbulent, stimmlich nicht immer ganz ausgeglichen daher. Markus Heinrichs Basilio ist ein herrlich schadenfroher Intrigant, die Arie von der Eselshaut gelingt ihm spannend zu servieren. Matthias Wippichs Bartolo beeibdruckt mit üppigem Bassmaterial. Debra Hays, eigentlich als Sopran selbst eine gefeierte Susanne, brilliert facettenreich als Marcellina. Walter Plante`(Don Curzio), Thomas Peter (Antonio) und Gabriela Kuhn (Barbarina) komplettieren das Ensemble durch kleine Charakterstudien.

Die reiche Statisterie, der spielfreudige Chor samt Blumenmädchen runden den Abend gelungen ab.

Leider kommt aus dem Orchestergraben ein recht biederer Mozart, da habe ich schon vergleichbar Besseres am selben Ort gehört. Mehr als solide kann ich Andreas Fellners Interpretation nicht beschreiben. Auch die Niederrheinschen Sinfoniker hatten einen mäßigen Abend, viele kleine Unkonzentriertheiten führten zu einigen Detailfehlern, schade.

Trotzdem ein kurzweiliger Mozart, der in seiner modernen Art weder alte Abonnenten erschreckt, dabei gerade bei dem zahlreichen, jungen Publikum, auch über drei Stunden, die Aufmerksamkeit fesselt. Kobie van Rensburg sollte man sich auch als Regisseur merken.

Martin Freitag

 

 

 

Rocky- Horror- Picture-Show

Übernahme aus Krefeld

Nur mit Einschränkungen geglückt - Bühne und Licht mit Mängeln

Premiere Rheydt am 14.Oktober

Leider, leider hat die wirklich legendäre und fabelhaft umgesetzte Jahrhundert-Inszenierung der Rocky-Horror-Picture-Show, trotz erneuter Betreuung durch das Regie-Team:

Inszenierung: Frank Matthus Bühne und Kostüme: Johanna Maria Burkhart Choreografie: Ralph Frey Dramaturgie: Ulrike Brambeer

den Transport ans Schwesternhaus nach Rheydt nicht schadlos überstanden. Auch klaglos kann leider nicht berichtet werden. Der Überschwang meiner ersten Kritik ist weg. Selten war ich so enttäuscht.

Zwar bleiben die wirklich sensationellen Leistungen der Hauptdarsteller -

allen voran der unglaubliche geniale Adrian Linke (Frank N Furter)

die fabelhafte Esther Keil (Usherette/Magenta)

immer noch unerreicht Felicitas Breest und Ronny Tomiska (Brad & Janet)

der unerschütterlich souveräne und schlagfertige Matthias Oelrich(Erzähler)

der stimmgewaltige Paul Steinbach (Riff-Raff)

nicht zu vergessen die schauspielerische Seele des Theater seit über einem Viertel Jahrhundert, der unvergleichliche Joachim Henschke (Dr. Everett-Uuuuh-Scott)

& all die anderen über sich hinauswachsenden Team-Mitglieder

sowie die tolle Band - aber was ist aus dem Stück geworden?

Pars pro toto: Die Lichtregie versagte gestern völlig. Plötzlich geht mitten im heimeligen Kerzenschein-Song "Theres´s a light..." das Licht an. Gleiches wiederholt sich an diversen Stellen - dafür fallen dann auch noch Mikrofone aus und der Bühnendampf, nicht nur im Finale, ist ein dermaßen lächerliches peinliches Püffchen (Spargebot?), das selbst die Hühner nicht mehr lachen können.

Die Lautstärke hat man dermaßen drastisch herunter geregelt, daß z.B. oben auf dem Balkon (letzte Reihe) nur noch marginaler Sound ankam - Rocky auf Zimmerlaustärke! Vielleicht fehlen auch nur zusätzliche Lautsprecher. Man tat dies vermutlich aus Rücksichtnahme aufs doch in Rheydt erheblich konservativere Publikum. Beim ersten geworfenen Reiskorn verließen zumindest spontan einige ältere Herrschaften, die wohl ein Stück von Shakespeare erwartet hatten, fluchtartig das Theater! Ich kann dem Regisseur nur empfehlen sich bei Generalproben auf die billigen Plätze zu setzen und auch der Sound-Check müsste den Balkon mit ein beziehen.

A propos "billige Plätze":

Wahrscheinlich sind die Karten zu billig. 15 Euro kostet die preisgünstigste Karte und da verliert sich (zumindest in Mönchengladbach) dann prompt auch jenes angesoffene Fußballplatz-Gesockse ins Theater, welches man anscheinend vom edlen Borussia-Rasen schon vertrieben hat. Es wird Zeit, wenn es so weiter geht, daß man zusätzlich zu den alten rüstigen Damen der Türstehergilde vielleicht demnächst 3-4 Security-Leute beschäftigt, welche eindeutig Angetrunkenen (die mir persönlich schon im Vorfeld auffielen!) den Zutritt verwehrt. Freunde! Die ruinieren Euer liebenswürdiges kleines Theater!

Rufe wie "Arschloch!" und ähnliches bei den Sprecherszenen wollen wir nicht hören!!! Auch nicht "Ausziehen!" oder "Lass es nochmal hüpfen!" bei den Tanzszenen von Frau Breest und ähnliches.

Daß dann das "ehrenwerte" Publikum auch noch mehrheitlich diese dämlichen Zwischenrufe unterstützend akklamiert und damit solche Volltrottel bestätigt und zum Weitermachen quasi auffordert, vertreibt mich vorerst aus diesem Theater. Schade, denn ich hätte mir gerne noch (wie in Krefeld) weitere Vorstellungen des wirklich absolut genial inszenierten Stückes angeschaut.

Es sind genau diese Dinge, die mich einst auch aus den Kinos getrieben haben. Hoffentlich erkennt die Theaterleitung diesen Missstand, bevor der Ruf des Hauses vollends ruiniert ist. Mehr kann der Kritiker nicht tun. Handlungsbedarf ist dringend angesagt.                                                              

Peter Bilsing

Besonderer Dank an Matthias Stutte für die brillanten Bilder

P.S.

Wasserpistolen u.a. sind nach dem "Theater-Knigge" ausdrücklich nicht erlaubt! Was schert es......? Werden demnächst auch Lebensmittel geworfen? Wer kontrolliert das letztendlich? Wahrscheinlich wird die Theaterleitung erst klug, wenn die ersten Schadenersatzforderungen auf sie zu kommen.

Weitere Bilder: www.musenblaetter.de/artikel.php?aid=8139&suche=Rocky

 

Stellungnahme zur Kritik des Opernfreundes  zur Premiere von „The Rocky Horror Show” am 14. Oktober im Theater Mönchengladbach

Sehr geehrte Damen und Herren,

lieber Peter,

Bezug nehmend auf die Kritik unserer Premiere von „The Rocky Horror Show“ am 14. Oktober 2011 im Theater Mönchengladbach möchte ich mich zunächst einmal herzlich für die überaus positiven und lobenden Worte für das Regieteam und die Darstellerinnen und Darsteller bedanken!

Was die absolut berechtigte Kritik an den technischen Zwischenfällen und Fehlern angeht, möchte ich jedoch Folgendes erklärend richtig stellen und herzlich darum bitten, dies auch in der Kritik nachgehend zu berücksichtigen: So wurde weder von der Generalintendanz aus Rücksicht auf das „konservativere Publikum“ in Rheydt im Vorfeld angeordnet, die Lautstärke zu regulieren, noch haben sich die Kolleginnen und Kollegen aus den technischen Abteilungen etwas zu Schaden kommen lassen.

Im Gegenteil: Diese haben in den vergangenen Wochen unter Hochdruck und mittels vieler Überstunden daran gearbeitet, dass die Premiere von „The Rocky Horror Show“ überhaupt stattfinden konnte.

Das eigentliche Problem liegt leider ausschließlich in der mangelhaften Übergabe des Bühnenbereiches nach erfolgter Sanierung an das Theater. So hat sich die Nutzungsmöglichkeit des Theaters- und Bühnen-Equipment anders als zuvor vereinbart bereits um Wochen verschoben. Hinzu kommt, dass sich das Theater auch jetzt noch bedauerlicherweise nicht in dem professionellen Zustand befindet, wie man es nach einer zweijährigen Umbau- und Sanierungszeit erwarten würde.

Daher sind alle in der Kritik aufgeführten technischen Mängel einer noch nicht abgeschlossenen Sanierung des Bühnenbereiches zuzuschreiben. In Hinblick auf unsere Kolleginnen und Kollegen aus den technischen Abteilungen und zu ihrem Schutze, wäre ich Ihnen und dir, lieber Peter, deshalb sehr dankbar, wenn dies in der Kritik berücksichtigt werden könnte.

Darüber hinaus hoffen wir natürlich, dich dennoch auch in Zukunft wieder in unserem Hause begrüßen zu dürfen!

Mit besten Grüßen

Saskia Fetten

 

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