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OBERAMMERGAU

 

Zum Zweiten

DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

16. Juli 2017

Gelungener Wagner im Passionsspielhaus

Oberammergau – da denkt man doch an die alle zehn Jahre statt findenden Passionsspiele! Zum ersten Mal hat man aber den langen zeitlichen Zwischenraum schon im Jahre 2015 genutzt, um auf der Riesenbühne des Passionsspielhauses eine Oper aufzuführen, und zwar „Nabucco“ von G. Verdi. Eine zentrale Rolle spielt dabei der auch in Oberammergau geborene Christian Stückl, der seit 1987 Spielleiter der Passionsspiele Oberammergau ist und sie 2020 bereits zum vierten Mal leiten wird. Seit 2002 ist Stückl auch Intendant des Münchner Volkstheaters. Er ist mittlerweile auch ein weithin bekannter Opernregisseur und u.a. 2005 mit „Fidelio“ in Köln, 2009 mit „Palestrina“ an der Bayrischen Staatsoper München und in der Spielzeit 2011/12 an der Staatsoper Hamburg mit „Ariadne auf Naxos“ hervor getreten. In Salzburg konnte man seine Regiekunst beim letzten „Jedermann“ kennen lernen. So war es naheliegend, dass Stückl nach dem „Nabucco“ auch die Regie für Richard Wagners „Fliegenden Holländer“ in diesem Sommer übernahm. Wohl niemand kennt die speziellen Verhältnisse in Oberammergau und im Besonderen des Passionsspielhauses, welches ja zwischen Publikumsraum und Bühne nach oben hin offen ist, so gut wie er. Nicht zuletzt deshalb und wohl auch wegen der großen Höhe und Tiefe des Zuschauerraumes werden alle Stimmen verstärkt. Dass viel Herzblut in diese Inszenierung geflossen ist, bewies Christian Stückl mit einem kurzen emotionalen Auftritt vor Beginn der Oper, in dem er sich an das Publikum zur Entstehung der Idee dieses Wagnerschen Werkes für das Passionsspielhaus wandte. Ja, nach „Nabucco“ sollte es nicht wieder Verdi sein, aber in jedem Falle eine Oper mit bedeutendem Chor, die nicht allzu lang ist. Und Wagner ist ja immer etwas Besonderes…

Immerhin 2.700 Zuschauer und -hörer bei einer Kapazität von 3.100 waren an diesem Abend im Passionsspielhaus und erlebten eine sehr gelungene Aufführung des „Fliegenden Holländer“. Der Bühnen- und Kostümbildner Stefan Hageneier, der schon seit langen Jahren mit Christian Stückl zusammen arbeitet, wusste die breite Oberammergauer Bühne sehr gut auf das Geschehen der Oper zu fokussieren. In der Mitte der ganz in hellblau gehaltenen Bühne zwischen zwei seitlichen Wänden mit Öffnungen für Auf- und Abtritte rotiert fast ständig eine Drehbühne, die einen breiten Zylinder trägt, der bei fortwährender Rotation stürmische Fluten zeigt und so die Präsenz des alles beherrschenden Meeres suggeriert. Die Handlung dramaturgisch akzentuierend öffnet sich dieser Zylinder einige Male und gibt so gegen Ende des Holländer-Monologs dessen Schiff frei, eine eindrucksvolle Dreimast-Kogge unter vollen Segeln. Ein Norwegerschiff ist nicht zu sehen. Im 2. und 3. Akt zeigt der Zylinder die Brücke am Heck des Holländer-Schiffes, in dem auch die in einem Gefängnisartgen Verschlag sitzenden und wie aus einer anderen Welt anmutenden Matrosen des Holländers sichtbar werden. Stefan Hageneiers Kostüme sind weitgehend schlichter Seemannsästhetik verpflichtet. Allein der Holländer sticht mit einem befremdlich wirkenden weißen Bärenfellkostüm kontrastreich hervor. Die den Umständen entsprechend spießig wirkenden Spinnerinnen inkl. Mary tragen biedere Hausmannskleidung - fast alle haben eine Brille.

Der große Bühnenraum ist natürlich wie geschaffen für den enormen Chor des Passionstheaters Oberammergau, der 2015 für die Produktion des „Nabucco“ neu gegründet wurde. Er setzt sich zusammen aus dem Ammergauer Motettenchor und vielen Sängerinnen und Sängern aus Oberammergau und der Region, mit einer Gesamtstärke von 180 Mitwirkenden! Natürlich ist dieser riesige Chor das bestimmende dramaturgische Element der Inszenierung und fast ständig auf der Bühne. Interessanterweise singen dieselben Choristen sowohl die Norweger als auch die Holländer, womit auch für den kleineren Holländerchor eine beachtliche stimmliche Intensität erreicht wird. Unter der Leitung des Oberammergauers Markus Zwink singen die Damen und Herren mit kräftigen Stimmen und werden auch bestens choreografiert. Ein starkes Bild entsteht beispielsweise, wenn der Holländerchor sich bei seinem Horrorgesang langsam aber sicher wie ein Krake unter die Norweger schleicht…

Schon zur Ouvertüre erleben wir, worum es geht: Ein „Knabe“, dargestellt von Suleman Hashimi und „hinzugedichtet“ vom Regieteam, wirkt wie ein Beobachter den ganzen Abend über und kommt mit dem berühmten Bild des Holländers auf die Bühne. Es wird umgehend mit größtem Misstrauen von Mary ergriffen, die mit ihren Spinnerinnen bereits auf der Bühne ist. Senta kommt herein, reißt das Konterfei mit Inbrunst an sich und läuft damit fort. Hier deutet sich bereits an, was dieser „Holländer“ später zu werden scheint, wenn sie den Angebeteten nach dem Duett des 2. Aktes herzlich umarmt: Eine Liebesgeschichte. Die Holländerin Iris van Wijnen ist eine ausdrucksvolle und dominante Mary, die weit mehr aus der Rolle macht als man normalerweise erlebt. Sie überzeugt durch einen kräftigen und wortdeutlichen Mezzo, den sie technisch gut führt. Liene Kinca, die bereits 2011 und 2013 zur besten lettischen Sängerin gekürt wurde, gibt eine zunächst etwas verhaltene Senta mit viel Emotion. Ihr Sopran ist eher dunkel gefärbt und wartet mit warmen Tönen in der Mittellage sowie einer guten Tiefe auf. Bei der ansonsten eindrucksvoll interpretierten Ballade und dem Finale klingen die Spitzentöne allerdings etwas angestrengt.

Die gute und die Akteure oft lebhaft agieren lassende Personenregie zeigt sich bereits beim kurzweiligen Handel zwischen Holländer und Daland im 1. Akt. Guido Jentjens mit seinem profunden Bass merkt man die lange Erfahrung mit dem Daland an. Er singt die Rolle klangvoll und souverän. Der Ungar Gábor Bretz weiß schon im großen Monolog mit einem voluminösen und weit ausschwingenden Heldenbariton sowie souveränem Gebaren zu überzeugen. Er singt die Titelpartie mit ausgezeichneter Diktion. Man merkt diesem Holländer den ganzen Abend über die Qualen seines Schicksals an, gerade auch im Duett mit Senta im 2. Akt und im Finale. David Danholt ist ein nachdrücklicher Erik, der sein Beharren in der Liaison mit Senta nicht nur darstellerisch sondern auch mit einem kräftigen Tenor, der gelegentlich in den Höhen etwas abgedeckt klingt, zu untermauern weiß. Denzil Delaere singt einen engagierten Steuermann mit gut geführtem Tenor. Als der Holländer mitten unter den Norwegern auftaucht und der Steuermann seine Strophe noch weiter singt, wird er kurzerhand vom Ahasver mit einem Druck auf die Augen in Schlaf versenkt… So fallen dem Regieteam immer wieder kleine Kniffe für Aktionen ein, die ansonsten ohne die Präsenz des Chores auf der Bühne stattfinden. Denn auch wenn man wollte, dieser große Chor ist so mir nichts Dir nichts kaum von der Bühne zu bringen. Der „Fliegende Holländer“ wird in Oberammergau im wahrsten Sinne des Wortes neben einer Liebesgeschichte auch zu einer „Choroper“.

Der Lette Ainars Rubikis, Preisträger des Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs der Bamberger Symphoniker 2010 und Träger des Nestlé Young Conductors Award der Salzburger Festspiele 2011, leitete nach dem „Nabucco“ nun auch den „Fliegenden Holländer“ mit der Neuen Philharmonie München. Dieses bemerkenswerte Orchester hat sich seit seiner Gründung 2005 zu einem der meistbeachteten jungen Orchester aus der Region München heraus entwickelt. Es setzt sich aus Musikerinnen und Musikern zwischen 18 und 30 Jahren deutscher und internationaler Herkunft zusammen, die projektbezogen zusammen kommen und mit der Neuen Philharmonie an den Beruf des Orchestermusikers herangeführt werden. Ainars Rubikis verstand es, trotz der nicht idealen akustischen Verhältnisse eine hohe musikalische Qualität mit diesem Jugendorchester zu verwirklichen. Der etwas breite Klang, wahrscheinlich auch der Öffnung ins Freie über der Bühne geschuldet, stand jederzeit in guter Balance mit dem Bühnengeschehen und konnte den weit nach hinten ausladenden hohen Zuschauerraum des Passionsspielhauses mit guten „Holländer“-Klängen durchdringen. Insgesamt ein bemerkenswerter Wagner-Abend im Passionsspielhaus! Starker und langer Applaus.

Klaus Billand 24.7.2017

Bilder siehe unten Erstbesprechung!

 

 

 

DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

Premiere am 30.6.

Flirrendes Gesamtkunstwerk

TRAILER

Der Oberammergauer „Holländer“ überrascht mit musikalischer Präzision und einer fast überwältigenden Klangfülle. Christian Stückl, der Intendant des Münchner Volkstheaters, scheint ein Faible zu haben für betont dramatische Stücke. Der mit Kulturpreisen überhäufte Regisseur brachte mit „Nabucco“ 2015 zum ersten Mal eine Oper auf die Oberammergauer Bühne. Bis 2020 wieder – wie alle zehn Jahre – die Passionsgeschichte Besitz ergreifen wird von dem kleinen, feinen Ort in den Alpen, offeriert Stückl alljährlich eine gelungene Melange aus einheimischen Laiensängern und -schauspielern sowie professionellen Schauspielern. Dazu zelebriert das für den „Holländer“ engagierte Studentenorchester der Münchener Philharmoniker eine Ode an die musikalische Freude: Ein satter Klangteppich durchwebt das vorne offene Schauspielhaus, auf dem der lebensmüde Seemann schlussendlich in den Hafen der Ewigkeit rudern darf.

Rettung durch die selbstlose Liebe einer Frau

Turmhohe Wellen schlägt das raffiniert-einfache Bühnenbild, vor und in dem Stefan Hageneier den Hauptdarsteller von Richard Wagners 1841 vollendeter Oper in See stechen lässt. Wagners Holländer ist dazu verflucht, immerdar die Weltmeere zu durchkreuzen. Und auf diesem unaufhaltsamen Weg so lange Furcht und Schrecken zu verbreiten, bis sich eine Frau dazu bereit erklärt, diesen Haudegen auf immer zu lieben. Dummerweise erhält der Holländer auch diese Gelegenheit nur alle sieben Jahre, und so sinkt seine Hoffnung auf Erlösung bis auf den Grund des Meers, das er befährt: „Die Frist ist um – und abermals verstrichen sind sieben Jahr. Voll Überdruss wirft mich das Meer an Land“, klagt der wider Willen Unsterbliche. Bei diesem Landgang trifft er auf Kapitän Daland, dessen Schiff soeben in einen schweren Sturm geraten ist. Der Kapitän sucht mit seiner Mannschaft Zuflucht in einer Bucht, wo ihn der Holländer antrifft. Geblendet vom reichen Gold, das ihm der Fremde vor Augen hält, verspricht Daland ihm die Hand seiner Tochter Senta. Obwohl die junge Frau bereits mit Erik verlobt ist, rührt sie das Schicksal des Holländers. Mutig stürzt sie sich in die Wogen und beide sind im Tod vereint.

Eine Meisterleistung des Laien-Chors

Gábor Bretz, dem Oberammergauer „Holländer“, nimmt man gerne ab, dass er den Kampf mit den Elementen nicht scheut. Wie einen riesigen Keil rammt der Budapester Bass-Solist und siebenfache Vater seinen Körper zwischen die 180 Mitwirkenden des Chors - angesichts deren Perfektion man kaum glauben mag, dass es sich dabei durchwegs um Laiensänger handelt. „Good job!“ muss man an dieser Stelle den Einheimischen Markus Zwink loben, der seine zwitschernde, jubelnde, raunende Truppe monatelang zu dieser Leistung angespornt hat. Dazwischen brillierte die lettische Sopranistin Liene Kinca etwa bei der Ballade der Senta, in welcher sie in bewegten Worten vom Schicksal des verfluchten Seemanns erzählt. Kinca gelingt es scheinbar mühelos, die anspruchsvollsten Passagen in Wagners Partitur zu meistern. Kein Wunder, dass sie 2011 und 2013 in ihrer Heimat jeweils zur besten Sängerin des Landes gewählt wurde. Auch dem dänischen Tenor David Danholt nimmt man ab, dass er für seine Verlobte Senta wahre Leidenschaft empfindet. Flankiert werden beide von Guido Jentjens, dem Bassbariton und Daland dieser Aufführung.

Langanhaltender Applaus und stehende Ovationen

Auch was die Regie betrifft, gibt es hier wenig zu meckern: In seiner Inszenierung gelingt es dem sympathischen Christian Stückl, das Tempo und die Leidenschaft immer weiter voranzutreiben: Bis das Festspielhaus zu einem einzigen, wogenden (Noten-)Meer geworden ist, in dem sich das Publikum selig und hingerissen mittreiben lässt. Ein gelungener „Holländer“, wozu die farblich bestens aufeinander abgepassten Kostüme sowie Anas Rubikis als Dirigent der Münchener Philharmoniker den letzten Schliff geben. Das Publikum dankte es den Mitwirkenden mit stehenden Ovationen, welche Stückl hoffentlich den Mut geben werden, sich bald an die nächste Oper in Oberammergau heranzuwagen.

 

Bilder (c) Arno Declair / Andy Stückl

Daniela Egert 4.7.2017

 

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