Interview mit den vier Sängern des Künstlertreffens der GOTTLOB-FRICK-GESELLSCHAFT
MARYSOL
SCHALIT (oben links)
KAP SUNG AHN (oben rechts)
THORSTEN BÜTTNER (unten links)
AGNIESZKA ADAMCZAK (unten rechts)
OF: „Musikalische Grüsse von der Blumeninsel Mainau“. Unter diesem Motto stand
das Konzert, das ihr im Rahmen des diesjährigen Künstlertreffens der
Gottlob-Frick-Gesellschaft am 16. Oktober im Mühlehof in Mühlacker gegeben
habt. Was bedeutete euch dieser Auftritt?
AD, S, B, AH: Das Auftreten in Mühlacker war uns sehr wichtig, weil
wir dort vor vielen berühmten Sängerstars der Opernwelt singen durften. Nicht
nur, weil wir die Gottlob-Frick-Medaille verliehen bekommen haben und in
Ölbronn unsere Händeabdrucke hinterlassen durften, was uns sehr überraschte -
damit hatte keiner von uns gerechnet - bedeutete das eine große Ehre und
Auszeichnung für uns.
OF: Ihr seid fast alle Preisträger des Anneliese-Rothenberger-Wettbewerbs,
der traditionsgemäß alle zwei Jahre auf Schloss Mainau stattfindet. Wie kam es
zu eurer Teilnahme an diesem Wettbewerb?
S: Mir wurde diese Chance an der Musikhochschule in Bern-Biel durch meinen
Korrepetitor James Alexander vermittelt. Er kannte Anneliese Rothenberger schon
lange und war an dem Wettbewerb bereits mehrere Jahre als Klavierbegleiter
beteiligt. Er hat mich damals gefragt, ob ich da mitmachen wolle. Darüber habe
ich mich sehr gefreut und gleich Ja gesagt.
AD: Jede Musikhochschule kann maximal zwei Bewerber zu diesem Wettbewerb
schicken. Ich wurde von meinem Opernstudio ausgewählt.
AH: Meine Professorin, Frau Anneliese Fried, hat mir den Wettbewerb
empfohlen. Um daran teilnehmen zu können, musste ich erst einmal ein modernes
Stück lernen. Daraufhin habe ich zwei Wochen lang in einer Bibliothek nach
einem geeigneten Lied gesucht. Meine Wahl fiel schließlich auf den Cabaret-Song
„Black Max“. An dieser Arbeit hatte ich viel Spaß. Die Insel Mainau ist sehr
interessant für mich, weil ich die vorhergehenden zwei Jahre nur in Berlin
verbracht habe. Die lange, neunstündige Reise von der Hauptstadt nach Mainau
durch das wunderschöne Deutschland fand ich sehr anregend.
B: Ich bin bei dem Wettbewerb gar nicht dabei gewesen. Ich hätte auch gar
nicht gekonnt, da ich zu dieser Zeit am Antwerpener Opernhaus engagiert war.
Bei dem Konzert bin ich für meinen Kollegen Namwon Huh eingesprungen, der an
diesem Nachmittag leider verhindert war. Zu der Ehre, bei den Preisträgern
mitsingen zu dürfen, kam ich durch Empfehlung von Prof. Helene Schneiderman,
einer Mentorin von mir.
OF: Wie läuft dieser Wettbewerb ab?
AD, S, B, AH: Es gibt zwei Runden und das Finale. Im ersten
Durchgang mussten wir drei, im zweiten zwei Stücke vortragen. Im Finale duften
wir dann selber wählen, was wir singen
wollten. Hervorzuheben ist, dass der Wettbewerb von Jutta Bareis und Brigitte Stephan
gut organisiert war. Frau Stephan hat sich auch bei dem Konzert in Mühlacker
sehr lieb um uns gekümmert.
OF: Welche Relevanz messt ihr diesem Wettbewerb bei? Hat euch der Preis
irgendwelche Türen geöffnet?
AD, S, B, AH: Eine Tür, die sich uns dadurch öffnete, war die
Möglichkeit, die beiden Konzerte in Mühlacker und Heilbronn zu geben. Auch das
Erinnerungskonzert für Anneliese Rothenberger im Jahre 2011 auf der Insel
Mainau dürfen wir bestreiten. Darüberhinaus haben wir durch den Wettbewerb auch
so viele bedeutende Persönlichkeiten kennen gelernt wie beispielsweise Kurt
Moll und Hans Sotin.
OF: Beim abschließenden Preisträgerkonzert stellen sich die Gewinner des
Wettbewerbs zum ersten Mal dem Publikum und der Presse. Hattet ihr bei dieser
in der Öffentlichkeit stark beachteten Veranstaltung irgendwelche besonderen
Gefühle?
S: Das war sehr aufregend. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet.
AD: Ich hatte schon vorher alles gegeben. Deshalb war ich beim
Abschlusskonzert relativ locker und hatte großen Spaß daran.
AH: Auch mir machte es großes Vergnügen. Dennoch hatte ich etwas Angst
dabei. Ich war von den vorhergehenden Runden noch etwas müde. Ich konnte die
Nacht zuvor nicht schlafen, weil ich aufgrund einer Programmänderung
kurzfristig eine neue Arie einstudieren musste.
OF: Bei dem Konzert in Mühlacker seid ihr vor einigen der berühmtesten
Sänger der Vergangenheit aufgetreten. Wie war es, vor diesen Gesangslegenden
euer Können unter Beweis zu stellen? Ward ihr da aufgeregter als bei einem aus
normalen Sterblichen zusammengesetzten Auditorium?
AD, S, B, AH: Viel aufgeregter, denn so ein Fachpublikum aus
namhaften Größen der klassischen Gesangskunst hat man selten. Die waren aber
alle sehr nett, weil sie diese Anspannung und Nervosität selber gut kannten.
Zudem haben sie viel positive Energie ausgestrahlt und uns dadurch sehr
ermutigt. Außerdem stellte es für uns einen erheblichen Ansporn dar, vor
solchen Zuschauern singen zu dürfen.
OF: Wie habt ihr euch auf das Konzert im Mühlehof vorbereitet? Hattet ihr
viele Proben?
AD, S, B, AH: Jeder hat sich allein mit einem eigenen Korrepetitor
vorbereitet. Am Tag vor dem Konzert hatten wir eine Hauptprobe mit Orchester.
Die Generalprobe fand am selben Tag wie das Konzert statt.
OF: Am 24. Oktober habt ihr das Konzert dann in Heilbronn noch einmal
wiederholt. War das ein anderes Feeling als in Mühlacker?
AD, S, B, AH: Die Akustik ist in Heilbronn angenehmer gewesen. In
Mühlacker war sie sehr trocken. Da kam der Ton nicht zurück, was die Sache für
uns viel schwieriger machte und gleichsam zu einem Blindflug werden ließ.
OF: Das ganze Künstlertreffen stand im Zeichen von Gottlob Frick. Habt ihr
den weltberühmten Bassisten davor schon gekannt? Wie ist er euch ein Begriff
geworden?
B: Für mich als gebürtigen Schwaben ist es fast Pflicht, Gottlob Frick zu
kennen, denn er war „der deutsche Bassist“.
AD: Ich habe Gottlob Frick vorher nicht gekannt. Ich lernte seine Stimme
erst bei dem Künstlertreffen kennen.
S: Auch mir war Frick davor nicht bekannt. Seinen Namen hatte ich zwar
schon gehört, habe mich aber erst vor einem Jahr, als ich erfahren habe, dass
ich bei der Frick-Gesellschaft singen werde, über ihn informiert.
AH: Ich hatte zuvor ebenfalls nicht gewusst, wer Frick war. Als ich meine
Professorin nach ihm fragte, sagte sie mir, das sei ein hochberühmter Sänger
gewesen, der überall gesungen habe.
OF: Was macht eurer Ansicht nach das Besondere an Fricks Stimme aus? Wie,
glaubt ihr, ist er zum „König der deutschen Bässe“ geworden?
AD, S, B, AH: Diese Frage ist nicht schwer zu beantworten. Seine
Stimme ist sehr beeindruckend, gut und bestens focussiert - ein echter
schwarzer Bass bis in die Höhe, und das ist selten.
OF: Ist Frick ein Vorbild für euch? Gibt es etwas in seiner Gesangstechnik,
das euch so gut gefällt, dass ihr es von ihm übernehmen würdet?
AD, S, B, AH: Für uns alle kann er als Vorbild gelten. Das
Besondere an seiner Stimme ist, dass sie keinen Registerbruch aufweist und in
allen Lagen ausgeglichen klingt.
OF: Was eure Stimmen mit dem Bass von Frick gemeinsam haben, ist, dass sie
wunderbar im Körper verankert sind. Welchen Stellenwert hat eine gute
Körperstütze für euch?
B: Eine solide Verankerung der Stimme in Körper ist unabdingbar, denn ohne
sie ist gutes Singen in höheren Registern nicht möglich.
AD: Die Stütze ist der schwierigste Faktor beim Singen. Jeder hat einen
anderen Körper. Es gibt nicht ein Patent, das für alle gilt. Diese wichtigste
Sache beim Gesang muss jeder Sänger für sich selbst finden. Ganz wichtig ist dabei
der Sport.
S: Dem stimme ich zu. Ausdauersport, v. a. Jogging und Schwimmen, sind für
eine gute Körperstütze ganz essentiell. Wesentliche Bedeutung kommt auch
Atemübungen zu. Denn dadurch bekommt man auch ein schönes „appoggiare la voce“,
die Anlehnung der Stimme gegen das Brustbein.
AH: Ich denke, bevor man mit dem Gesangsunterricht beginnt, muss man erst
einmal Stimmphysiologie lernen. Im Übrigen schließe ich mich meinen Kollegen
an. Eine sichere Körperstütze ist das A und das O jeglichen guten Singens.
OF: In Ölbronn bilden die alljährlichen Teilnehmer am Künstlertreffen
gleichsam eine große Familie. Was für einen Eindruck habt ihr von dieser
erlesenen Gemeinschaft gewonnen? Wie stellte sich für euch euer Aufenthalt in
Ölbronn insgesamt dar?
AD, S, B, AH: Es war sehr schön dort. Wir wurden überaus gütig aufgenommen.
Herr Hey und Frau Stephan haben sich ganz rührend um uns gekümmert. Alle waren
sehr nett und äußerst kollegial. Wir wurden in Ölbronn wie kleine Stars
behandelt.
Wir
bedanken uns alle ganz herzlich für die Einladung zu den Konzerten in Mühlacker
und in Heilbronn sowie für die liebevolle Aufnahme. Und wir danken Ihnen, Herr
Steinbach, ebenfalls herzlich für das Interview.
OF Ludwig
Steinbach