RIGOLETTO
La famiglia oder
die Mafia in Mantua
Es war
nicht die beste Vorstellung, die ich in Plauen erleben durfte. Auf dem
Plan stand Rigoletto, vielleicht Verdis
bekanntestes Stück, dessen Melodien ja schon zum Allgemeingut gehören. In
Plauen gibt man den Rigoletto auf Deutsch, die Szene ist eine klug gebaute
Containerlandschaft, die sich dank Drehbühne, stets neu formte. Die Kostüme
verweisen auf die heutige Zeit, sollen vielleicht den Mafiachic darstellen,
wirken aber stellenweise (Marullos Tigerwestchen) ein wenig wie Karneval. Dramaturgin
Birgit Eckenweber gibt in ihrem Programmheft auch eine kleine Einführung in die
Strukturen und die Verhaltensmuster der Mafia, aber Regisseur Wolfgang Dosch hat sie anscheinend nicht
gelesen, sonst wäre ihm aufgefallen, dass sexuelle Eskapaden innerhalb von La
famiglia nicht üblich, nein sogar verboten sind. Der Mafiaboss, hier der
Herzog, würde dann nicht mit den Frauen seiner Mitarbeiter schlafen.
Gut, der
Verdi’sche Herzog tut’s und so nimmt das Unglück seinen Lauf.
Rigoletto,
Elmar Andree mit sanft baritonaler Wucht, ist mehr Berater als Hofnarr,
Svetislav Stojanovic ist ein schöner junger Herzog, als Mafiapate aber wegen
seiner Jugend gänzlich fehlbesetzt. Angetrieben durch das viele Kokain aus der
Hauskapelle incl. Kitschmadonna, ist er auch für alle erotischen Abenteuer
bereit. Gräfin Ceprano (Judith Schubert) verlässt ihn mir zerzaustem Haar,
während er sich die Hose zu knöpft. Schnell wird auch Monterones Töchterlein
geschändet, und der Hofstaat schaut zu.
Auf dem
Nachhauseweg trifft Rigoletto auf den Gelegenheitskiller Sparafucile,
überzeugend Hagen Erkrath, der ihm seine Dienste anträgt. Zu Hause muss
Rigoletto erstmal den Elektrozaun deaktivieren, dann kann er sich um Gilda,
voll innigem Schönklang: Inga-Britt Andersson, kümmern kann. Diese junge Frau
scheint den Sprung vom Kind zur Postpubertierenden noch nicht ganz vollzogen zu
haben, denn sie spielt immer noch mit Puppen, während sie sich schon mit einem
Mann trifft.
Rigoletto
geht wieder weg und siehe da, die Tücken der Technik, beim nach folgendem
Entführungsfall versagt der Elektrozaun.
Im Palast
trauert der Duca um seine große Liebe, als er erfährt, dass sie im Hause ist,
ist er doch bereit sie zu entjungfern.
Rigoletto
erträgt den Spott der Höflinge und beschließt seine Rache.
Bei
Sparafucile kehrt der Herzog ein und bucht gleich mal Maddalena für eine Stunde
„Konversation“. Silke Richter besticht durch ihren Mezzo und ist auch in der
Rolle ein überzeugendes Prachtweib. Gilda opfert sich für den Herzog, zu spät
erkennt Rigoletto das Scheitern seines Plans.
Wolfgang
Dosch versuchte krampfhaft die Handlung aus der Renaissance in die Jetztzeit zu
verlegen. Leider ist es ihm nicht gelungen. Heraus kam ein handwerklich
schlecht gemachtes Spektakel, das sich nicht zwischen Moderne und Tradition
entscheiden kann. Georg Christoph Sandmann führte an diesem Abend das
Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau nicht zu den Höhen, die man eigentlich
in diesem Haus gewöhnt ist. Der Chor klang unter der Leitung von Angela Händel
zufrieden stellend, war aber nicht eindeutig genug inszeniert. Svetislav
Stojanovic, Inga-Britt Andersson und Hagen Erkrath trösteten über einen
langweiligen Opernabend hinweg.
Alexander
Hauer