Judas Makkabaeus
Eindrucksvolle Freiheitsoper
Von Horst Schinzel
Der Intendant des
Schleswig-Holstein Musik Festivals Rolf Beck hat mit seinem 2002 gegründeten –
international besetzten - Festival Chor seinen vielen Freunden in den letzten
Jahren viele großartige Musikerlebnisse geschenkt. Nach der zum Händel-Jahr
produzierten CD mit dem „Alexandersfest“ kommt jetzt eine weitere Produktion
mit Händels Oratorium „Judas Maccabaeus“ hinzu.. In der bis auf den letzten
Platz besetzten Plöner Nicolai-Kirche konnte ein andächtiges Auditorium dieser
Aufnahme lauschen. 150 Minuten – die zum
beglückenden Erlebnis wurden.
Händel hat das gewaltige Werk
1747 zur Erinnerung an den Sieg der
königlichen Truppen bei Culloden im Jahr zuvor gegen katholische Aufständische
geschaffen. Für das Libretto hat Händels Textdichter Thomas Morell – ein
anglikanischer Theologe – auf das apokryphische
alttestamentarische „Buch der Makkabäer“ zurückgegriffen. Sein Text
erzählt in schwülstigen Versen in einem wohl schon zu dieser Zeit recht
altertümlichen Englisch vom Heldenmut der Israeliten, die ihre Freiheit – und
vor allem ihren Glauben – gegen übermächtige Feinde verteidigen. Dieses
Heldenlied der Freiheit hat auch außerhalb Englands großen Anklang gefunden.
Wie uns das Programmheft belehrt, ist im deutschen Sprachraum mehrfach versucht
worden, die herrliche Musik zu nationalistischen Zwecken umzumünzen – bis hin
in die NS-Zeit, wo das Werk auf den Deutsch-niederländischen
Freiheitshelden Wilhelm von Nassauen umgedichtet worden ist. Das mag einer derGründe sein, dass dieses Werk im letzten halben
Jahrhundert ziemlich gründlich vergessen worden ist.
Wie sehr zu Unrecht, hat die
Plöner Aufführung gezeigt. Nicht nur, dass dieses leidenschaftliche Bekenntnis
zur Freiheit – zu dem dem Komponisten großartige musikalische Bilder gelungen
sind – durchaus unserer Zeit etwas zu sagen hat. Sicher – der Pathos ist
manchmal doch schwer erträglich und einige besonders charakteristische Rezitative und Arien im
Dritten Teil waren der fehlenden Zeit geopfert worden. Was dem Gesamteindruck
sehr bekommen ist.
Rolf Beck hatte für dieses
Konzert und die Aufzeichnung ein beeindruckendes Ensemble zusammengestellt.
Das Elbipolis Barockorchester
aus Hamburg ist in wenigen Jahren zu einem geiferten Spezialisten für
historische Aufführungspraxis geworden. Auch die zum Teil sehr jungen Solisten
Nuria Rial, Sopran, Lucia Durchonová, Mezzosopran, Lothar Odinius, Tenor, und
Sergio Foresti, Bass, haben in den letzten Jahren international großer
Erfahrung mit Barockmusik gewonnen. Ihre herrlichen Stimmen und die Art, wie
sie die führen, gefielen in Plön sehr. Über den großartigen Chor und
insbesondere die Chorsolisten kann nur Gutes gesagt werden. Vor allem die fein
ziselierte Aussprache war ein Genuss. Rolf Beck dirigieren zu sehen, einmal
mehr ein Erlebnis. Mit sehr dediziertem Gestus wusste Klangkörper und Chor
wunderbar zusammen zu halten. Die Solisten konnte er da getrost sich selbst
überlassen.
Ein Abend, der mit jubelndem
Beifall gefeiert wurde. Auf die CD sind wir gespannt.