DER OPERNFREUND - 42.Jahrgang
Startseite Aktuelles
---
Urheberrecht OF
KONTRAPUNKT
Oper im TV
Bilsing in Gefahr
Glosse
Interessantes
---
OF Sterne-Tipps ****
OF Warnungen ####
OF Hardware-Tipps
OF Bücher-Tipps
OF Musical-Tipps
---
Interviews:
Thorsten Büttner
Mikael Babajanyan
Bodo Busse
Miriam Clark
Tatjana Gürbaca
Tilman Knabe
Lucian Krasznek
Leila Pfister
Lothar Krause
Harie van der Plas
Vera Nemirova
Katharina Wagner
Yen Han
-----
DVD Sternetipp NEU
DVD NEU
DVD Collections
DVD Wagners RING
-----
CD Sterne Tipp
CD NEU
Hörbücher
CD Collections NEU
---
Bezolds Platten-Ecke
Wanjas Bücher Corner
Kauftipp aktuell
----
Opernhäuser:
Neu = neue Software
Aachen NEU
Altenburg
Amsterdam
AnnabergBuchholz NEU
Annaberg Buchholz
Ansbach
Augsburg NEU
Baden Baden NEU
Baden Baden
Basel NEU
Bayreuth 2011 NEU
Berlin KO NEU
Berlin DO neu
Berlin DO alt
Berli StOp NEU
Berlin R S V
BerlinHauptstadtoper
Berlin Ballette
Berlin Konzerte NEU
Biel
Bielefeld NEU
Bochum Ruhrtriennale
Bonn NEU
Bonn aktuell
Bonn Archiv
Bratislava
Braunschweig NEU
Bregenz 2011 NEU
Bremen
Brünn
Brüssel NEU
Brüssel
Budapest NEU
Bukarest
Chemnitz
Chicago
Coburg NEU
Darmstadt NEU
Dessau NEU
Dessau
Detmold NEU
Dortmund NEU
Dortmund Konzerthaus
Dreiländereck
Düsseldorf DOR NEU
DOR Wiederaufnahmen
Duisburg DOR NEU
Düsseldorf Tonhalle
Dresden NEU
Eindhoven
Erl 2011 NEU
Essen Aalto NEU
Essen Phil NEU
Aalto WA NEU
Erfurt
Eutin 2012
Flensburg
Frankfurt NEU
Frankfurt alte Oper
Freiberg NEU
Freiburg NEU
Gelsenkirchen NEU
Genf NEU
Gent NEU
Gera
Giessen NEU
Göttingen
Graz NEU
Hagen NEU
Halle NEU
Hamburg NEU
Hamm
Hannover NEU
Heidelberg NEU
Heldritt
Hildesheim
Hombrechtikon
Hof NEU
Gut Immling
Innsbruck
(Bad) Ischl NEU
Kaiserslautern NEU
Karlsruhe NEU
Kassel NEU
Kiel NEU
Kirchstetten,Schloss
Kissingen (Bad)
Klagenfurt NEU
Klosterneuburg
Koblenz NEU
Oper Köln NEU
Kopenhagen
Krefeld NEU
Landshut NEU
Linz NEU
Leipzig
Leverkusen
Liège
Lille NEU
Ljubljana NEU
London
Ludwigshafen
Lübeck NEU
Lüneburg NEU
Luxemburg
Lyon NEU
Maastricht
Macerata
Madrid
Magdeburg NEU
Mailand Scala
Mainz NEU
Mannheim NEU
Meiningen
Möchengladbach NEU
Monte Carlo
München NT NEU
München NT alt
München GP NEU
Münster NEU
Mulhouse
New York
Neumarkt
Nizza
Nürnberg NEU
Nürnberg Konzerte
Ölbronn
Ölbronn Interviews
Osnabrück
Paris Garnier
Paris Bastille NEU
Pforzheim NEU
Plauen
Plön
Potsdam
Prag
Bad Reichenhall NEU
Remscheid NEU
Rendsburg
Rom
Saarbrücken NEU
Salzburg Osterfestsp
Schwerin
Schwetzingen NEU
Stockholm
Stralsund
Straßburg
Stuttgart NEU
Tel Aviv
Ternitz
Triest NEU
Trier NEU
Ulm
Valencia
Verona
Vorarlberg
Weilheim
Weimar
Wien Staatsoper NEU
Wien TadW NEU
Wien VOp NEU
Wien Ballett NEU
Wien Kinderoper
Wien KammerOp
Wien Burgenland
Wien Neue Oper
Wiesbaden NEU
Wildbad
Wunsiedel NEU
Wuppertal NEU
Würzburg
Zagreb
Zürich NEU
-----
Johann Strauss...
Reiseberichte
Unsitten i.d. Oper
Musikerwitze
Impressum

Fotos: Staatstheater Schwerin, Silke Winkler

Così fan tutte

Vorstellung am 24.04.2011

Premiere am 8.4.2011

Vielschichtige Produktion  hinter der Buffa-Fassade

Die Aufführungszahlen von„Così fan tutte“ befinden sich derzeit auf der Überholspur und das zu Recht, wie gerade die grandiose Interpretation dieses (inhaltlich nicht ganz einfachen) Werks am Staatstheater in Schwerin beweist. Die Aufführung findet in deutscher Sprache statt. Die Übersetzung von Kurt Honolka liegt sehr nahe am Original, so dass es ihr hier und da an Poesie abging und sie sich auch schon mal an der Musik reibt. Da bei den Rezitativen eine 100 %ige Textverständlichkeit gegeben war und auch große Teile der Arien, Ensembles und Chöre gut verständlich waren, konnte dem Publikum die Ablenkung durch Übertitelung erspart werden. Zudem war das Geschehen so zuschauerfreundlich in Szene gesetzt, dass man jederzeit wusste, wer gerade wer ist und der Blick in die Abgründe dieser Oper weit geöffnet wurde.

Mathias Rümmler hat für die Inszenierung ein geniales Bühnenbild gebaut. Man sieht zuerst in einem Garten mit einigen Zypressen (Sperrholz) die Fassade eines zweistöckigen Hauses aus dem Beginn der neuen Sachlichkeit. Hinten rechts wird ein Anbau aus der Jetztzeit sichtbar mit Balkon, unter dem eine DIN-Mülltonne steht. Die Drehbühne zeigt alsbald die Rückseite des Gebäudes wie ein offenes Puppenhaus: Im Stil der Gegenwart Keller, Küche und kleiner Salon, gerade bezugsfertig; die Umzugskartons stehen noch herum. Mit dieser Anordnung werden für die verschiedenen Szenen jeweils in wenigen Augenblicken die geeigneten Räume geschaffen.

Ferrando und Guglielmo in Freizeitkleidung spielen im Keller Pfeilewerfen und trinken dazu Bier aus der Flasche – entnommen einem Kasten einer bekannten Marke aus MeckPomm. Don Alfonso in schön gestiltem hellen Anzug mit Weste und hellem Hut, in der Übersetzung als „Zyniker“ (hier ist „vecchio filosofo“ sehr frei übersetzt) bezeichnet, zeigt hier etwas mehr Stil und trinkt Rotwein aus einem richtigen Weinglas. Fiordiligi (in Blau) und Dorabella (in Rot) tragen jeweils geblümte Röcke und Uni-Blusen; Despina kommt als freche ewig kaugummikauende Göre in sehr knappem Jeans-Rock und einem ebenso knappen Top und gelben Plastik-Stiefeln daher. So wird die Handlung in einem modernen Kontext folgerichtig entwickelt. Die beiden Damen „gehobenen Standes“ (d.h. sie nehmen am Wertschöpfungsprozess nicht teil) zwischen Langeweile und Liebelei; Despina etwas überzeichnet in der Weise, wie sie die Situationen arrangiert. Zur Abreise kleiden sich die beiden Herren in Uniformhose, weißes Hemd und Marineoffizier-Mütze. Das Chorvolk wird von Despina im Auftrage Alfonsos bestochen. Um das In-See-Stechen zu persiflieren, wird hinten ein Schiffsmodell hochgehalten. Keiner hat was gemerkt! Die beiden Helden kehren alsbald ziemlich prollig zwischen Bauarbeiter und Hippie (Doris Dörrie lässt grüßen!) zurück und trampeln mit ihren Schuhen auch auf die hübsche lindgrüne Couch im Salon. (Kostüme: Mathias Rümmler)

Die Regie verzichtet auf vordergründig Komödiantisches und jeglichen Klamauk.

Im ersten Akt ist alles Spiel, Naivität, Leichtfertigkeit. Aber er endet schon in einem Gewitter, bei welchem sogar eine Wandscheibe aus dem Haus fällt; die Idylle ist spürbar vorüber! Im zweiten Akt geht es zur Sache; es werden glaubwürdig Emotionen entwickelt: eingeleitet von einer Pantomime: Despina füllt in der Küche einen großen Picknickkorb, den sie dann hinten am Seil in den Garten hinunterlässt. Aus einem Küchenradio ertönt „Besame mucho!“ Despina stellt das Radio ab; das Cembalo spielt eine Überleitung zum ersten Secco.  Es kann weitergehen: die Regie entwickelt nun die stärksten Szenen. Despina als Schlangensymbol verteilt Äpfel, den ersten verzehrt Dorabella: die paradiesischen Zustände sind spürbar beendet. Die Liebhaber müssen sich als Verführer beweisen, die Damen weichen, erst die eine, dann die andere. Verführung, Liebe Eifersucht: die letzte Anstrengung des Ferrando, es dem Guglielmo und „seiner“ Dorabella“ heimzuzahlen. Die Männer sind die eigentlich Düpierten. Die Bestrafung durch Hochzeit mit jubelndem Chorvolk folgt hier ungekürzt. Bei der Hochzeitsszene sind sie alles andere als glücklich: sie haben sich ja selbst betrogen. Das geht ziemlich unter die Haut! Despina wird gezeigt, wie sie mit Alfonso alles manipuliert und schließlich selbst auch eine Betrogene ist. Sie tritt als Pseudo-Notarin auf: eine Karrierefrau mit schwarzem Kostüm, weißer Bluse und schwarzer Krawatte über hohen Absätzen und schwarzen Nylons mit hochgesteckten blonden Haaren; dann bibbert sie aber im Bierkeller vor Angst, dass alles entdeckt werden könnte, was sie selbst noch nicht ganz verstanden hat. Und ob dann die Versöhnung nachhaltig sein wird, muss wohl bezweifelt werden.

In dieser Inszenierung mit perfekter Personenführung und stark musikeinfühlsamen Bewegungen gibt es nicht eine Sekunde Langeweile. Die Abgründe dieses Werks werden hier auch dem weniger erfahrenen Così-Zuschauer eröffnet, der vielleicht noch im vorletzten Opernführer gelesen hat, wie schön die Musik und wie albern die Handlung ist. Es gibt unendlich viel zu entdecken in dieser Regiearbeit: Hingehen!

Die musikalische Darbietung blieb dahinter nur in Kleinigkeiten zurück. Judith Kubitz leitete die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin mit großer Umsicht bei nicht zu schnellen Tempi. Sogar den einfachen Begleitungsfiguren wusste sie Inspiration zu verleihen. Besonders positionierte sie ein ums andere Mal die Holzbläser und gab der Partitur Farbe. Dazu kamen prägnante Accompagnati und präzise Ausbrüche. Dass gerade bei Fiordiligis ergreifendem Rondò “Per Pieta“ die Hörner gleich mehrfach patzten, war dagegen bedauerlich. Der Chor in modernen volkstümlichen Kostümen war präzise einstudiert und war in allen Szenen hervorragend geführt.

Das auf hohem homogenem Niveau agierende junge Sängerensemble rundete die Vorstellung ab. Die eindringlichste Partie sang Hynju Park als Fiordiligi. Nach anfänglicher Anspannung kam sie mit der Arie „Come scoglio“ und deren mörderischen Tonsprüngen ganz groß heraus, sang höhen- und intonationssicher und musste bloß bei den ganz tiefen Stellen hörbar kämpfen. Katrin Hüber sang die Despina mit glasklarer, gut geführter Stimme mit sehr hellem Timbre. Ihren „15 Jahren“ nahm man ihre despektierlichen altklugen Sprüche nicht unbedingt ab. Itziar Lesaka kam als opulente Dorabella besonders schön in der Mittellage einher. Stefan Heibach als Ferrando war erkältet angekündigt, was am Anfang aber dann noch mehr am Ende der Vorstellung deutlich hörbar war, bravourös, wie er durchhielt. Den Guglielmo gab Markus Vollberg sehr klangschön mit kultiviertem Bariton und überzeugendem Spiel. Andreas Lettowsky gab den Alfonso mit kühler Überlegenheit. Die von ihm selbst eingangs besungene Erfahrung der grauen Haare des alten Philosophen stellte sich mit seiner vollen dunkelbrünetten Frisur nicht so richtig dar: sehr jugendlich für die Rolle.

Die Zuschauer im bei weitem nicht vollen Saal des Staatstheaters bedankten sich für die Vorstellung mit begeistertem Applaus

Manfred Langer


 


MARTA

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, am 9.4.09

Martha, eine romantisch-komische Oper in 4 Akten, war das erfolgreichste Werk des Komponisten von Flotow, der zwischen1855 und 1863 auch Intendant des Schwe-riner Hoftheaters war. Flotow komponierte den 3. Akt ursprünglich als Auftragsarbeit an 3 Komponisten für je einen Akt als Ballett für die Grand Opera in Paris. Die Handlung von Martha (Text von Friedrich Riese) enthält Genrebilder der Umgebung wie den Mägdemarkt von Güstrow, die Begegnung des mittelständischen Adels mit dem stolzen Großbauerntum, das genau in die gesellschaftliche Wahrnehmung des Biedermeier traf. Musikalisch folgt von Flotow dem Singspiel, in der sonst von roman-tischer Schwere geprägten Opernwelt oder von Offenbachschem Esprit nimmt sich seine Musik einfach, geradlinig, harmonisch glatt und operettenhaft aus. Nach der Uraufführung am Großherzoglichen Hoftheater 1848 trat die Oper einen weltweiten Siegeszug an und wurde in mehrere Sprachen übersetzt auf beinahe allen Erdteilen gespielt. Heute ist sie nahezu aus der Rezeption verschwunden von renommierten Ausnahmen wie der Inszenierung durch Loriot abgesehen. Wie kann man heute dieses als altmodisch, naiv und etwas läppisch imponierende Werk mit wenig musikalischer Differenzierung auf die Bühne bringen ?

Das gelingt Robert Lehmeier (Regie) und seinem Team (Markus Meyer, Kostüme und Ausstattung) in erstaunlich spritziger und amüsanter Weise. Der Vorhang öffnet sich auf einen bunten großblumig pastellfarben dekorierten Raum  mit Innenbühne als Laufsteg. Lady Harriet und ihre Zofe Nancy sitzen gelangweilt in gleichmustrigen Sesseln vor der Präsentation eines Brautkleides. Auch die anschließende Gymnastikszene kann das allgemeine Ennui nicht unterbrechen. Mit Lord Tristans Auftritt (jugendlich schwungvoll mit geschmeidigem Bariton Roman Grübner)  tut sich nun die Möglichkeit auf, diesen in seinem langweiligen Werben zu brüskieren und durch einen Konventionsverstoss aus der Langeweile auszubrechen. Die Gesell-schaft bricht zum Mägdemarkt in Richmond auf und die Damen verkleiden sich entsprechend. Das ganze wird als Reality-Soap a la „ Bauer sucht Frau“ auf die Bühne gebracht und ist höchst unterhaltsam. Demonstrativ tragen die Damen leuchtend gelbe Gummistiefel unterm Kleid, die Herren sitzen rotbäckig in Cordhosen und mit riesigen Schnupftüchern auf dem Ausguck. Der schwer zu ertragende gereimte Unsinn, den der vorzügliche Chor zu singen hat (Einstudierung: Ulrich Barthel) passt genau zum einfachen Unterhaltungsniveau derartiger Fernsehformate und wird so nicht als Zumutung empfunden. Es kommt wie es kommen muss, aus Spiel wird ernst, die Damen sind einen Vertrag eingegangen, deren Einlösung jetzt eingefordert wird. Sie müssen mit aufs Land. Das Bühnenbild wechselt zu einem überdimensionalen Misthaufen mitten auf der Bühne vor einem Waldprospekt. Davor lehnt ein gelangweilter Hund mit einer Mistgabel. Nach dem Herantragen von zahllosen Koffern sollen die beiden zeigen, was sie handwerklich und haushälterisch so drauf haben. Beide lehnen heftig ab, geben mal die Dummen, mal die Arroganten und gewinnen schließlich die Männer in Rollenumkehr, ihnen zu zeigen, wie man spinnt. Dieses Spinn-Quartett, bei dem die Männer spinnen, in Staccati singen und die Frauen dahinter sich über die beiden lustig machen gehört zu den witzigsten musikalischen Einfällen der Oper. Gleichzeitig entstehen zwischen den Paaren zarte Bande. Zur Abendszene wendet sich die Bühne und offenbart auf der Rückseite des Misthaufens die Schlaf- und Küchenstube der Bauern.

Lady Harriett ist mit Lyonel alleine und er fühlt ihr nun auch auf den Zahn, was sie noch kann. Sie äußert, sie könne singen und beginnt die „ Letzte Rose“ zu einem schmelzenden Oboensolo anzustimmen. Lyonel verliebt sich unsterblich.

Ulrike Maria Maier gestaltet die Lady leider mit wenig Innigkeit , sie ist eine Soubrette, die immer wieder ins Alberne, Lachende, Lächerlichmachende verfällt,  der dramatische Ernst der Partie ist ihr nicht zugänglich, sie übertreibt ihn durch unnötiges Chargieren. Sie singt mit locker perlendem Sopran, geläufig und akkurat, die lyrischen Bögen bleiben kühl und farblos. Sarah von der Kemp als Zofe Nancy hat da viel mehr Mittel mit ihrem schlanken, beweglichen Mezzo und der größeren Stimme zur Verfügung. Sie beherrscht die Wechsel in die Dramatik und hat auch komisches Talent. Die Balance entlang dieses Grades ist ohnehin die Herausfor-derung des Abends. Andreas Hermann als Lyonel ist entweder leicht indisponiert an diesem Abend oder die stimmlichen Unsicherheiten und Brüche sind der Premieren-aufregung geschuldet. Im mezzavoce Bereich hat er eine schöne lyrische Stimme, die er leider zum Aktschluss hin forciert, was schepprig klingt. Frank Blees gibt einen vollmundigen und vitalen, sehr komischen Plumkett, ein reifes und auch gediegenes Gutsherrenmannsbild, der sich unsicher ist, wie er das junge Ding (Nancy) denn ansprechen soll. Sein profunder Bassbuffo grundiert den Abend wunderbar.

In der Nacht flüchten die Damen mit Tristans Hilfe. Einige Zeit später begegnet man sich wieder am Rande einer königlichen Jagd in den Wäldern. Nachdem Lady Harriett Lyonel erst von sich stößt, will sie dieser, als sich seine wahre Herkunft als der Sohn des Grafen von Derby herausstellt und damit kein Standesunterschied eine Verbindung mehr verhindern würde , nicht mehr. Mit Unterstützung des zweiten Buffopaares Nancy und Plumkett gelingt die große Versöhnung und der Vorhang fällt zur Kameraeinstellung der verzeihenden Umarmung. Hinreißend komisch ist der Annäherungsversuch des zweiten Paares, wie Nancy trotzig und spröde und doch in Plumkett verliebt von diesem mit der Aussicht auf all die Dorfschönen aus der Reserve gelockt wird. Durch intelligente Regie wird hier auch die Peinlichkeit des Textheftes wie „ Ja , was nun“ „ Ja, was nun, was nun tun…“ überspielt.

Der Star des Abends ist jedoch die Queen, die schon während der Ouvertüre als übergroße Videoprojektion passend zu den unterschiedlichen Melodien  erst mit finsterem Schmollmund, dann mit genervtem Ennui, schließlich mit huldvollem Lächeln zur Melodie des Mägdereigens geneigt auf das Publikum blickt. Zu jedem Zwischenspiel kehrt sie wieder, einmal nach der Jagdgesellschaft sich genussvoll einen Whisky gönnend, dann mit unterdrücktem Lachen, was sie versucht mit Haltung zu unterdrücken – das Publikum ist sehr begeistert – und schließlich mit scheltendem Zeigefinger vor dem Schluß. Sie tritt zur Versöhnung persönlich auf die Bühne und gibt dem Paar ihren Segen. Eine schauspielerische Meisterleistung von Jan Pawluczuk, dessen Identität sich erst beim Nachlesen im Programmheft offenbart, so gut ist die Täuschung. Das Publikum dankt es denn auch mit einem extra Applaus zum Ende.

Der Generalmusikdirektor Matthias Foremny führt die mit großem romantischen Ton musiziernde Mecklenburgische Staatskapelle, die auch die Leichtigkeit der Partitur flüssig und leicht zu musizieren versteht, beschwingt durch den Abend.

Für das Regieteam gibt es einige Einzelbuhs, sonst durchweg großen Jubel, das Publikum geht gerne mit bei der Regie und folgt dem Witz des Abends. Dem Regieteam gebührt große Anerkennung dafür, diesen antiquierten Stoff mit derart leichter Hand zu einem temporeichen und witzig-bunten Opernabend umgewandelt zu haben.

Gabriele Latzko

 

DER OPERNFREUND  | DerOpernfreund@aol.com