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L’ELISIR D’AMORE

am 30.6.13

Die Saison in der Hauptstadt des Piemont endete mit einer zurecht gefeierten Produktion von Donizettis entzückendem melodramma giocoso, war das Werk doch in drei der vier Hauptrollen exzellent besetzt. Die Krone gebührt Francesco Meli, der dem Nemorino die ganze Schönheit seines so schmelzreichen Tenors schenkte, und dessen Stimme außerdem in der Lage war, sämtliche agogischen Vorschriften des Komponisten zu befolgen und damit eine wahre Lektion an gesanglicher Kunst zu bieten. Dazu spielte er mit einer Lockerheit, die ihm in anderen Opern nicht immer eigen ist und porträtierte einen in seiner Naivität wirklich liebenswerten Burschen. Mit Désirée Rancatore stand ihm eine Adina mit überaus geläufiger Gurgel zur Seite, der recht rasch bewusst wurde, welchen Schatz sie in diesem Nemorino hat. Der Jubel des als recht zurückhaltend bekannten Turiner Publikums war so groß, dass der Tenor die „Furtiva lagrima“ und der Sopran das Schlussrondo wiederholen musste. Spontanen Beifall gab es auch nach der großartigen Fermate Melis bei „Dulcamara vado tosto a ricercar“ in seinem Duett mit Belcore. An sich ist es ja nicht das Wahre, wenn in die Musik hineingeklatscht wird, aber dieser strahlende Ton riss einem förmlich den Applaus aus den Händen.

Als von sich eingenommener, aber letztlich doch sympathischer Belcore (der sich am Schluss Giannetta angelt) war Fabio Maria Capitanucci mit seinem flexiblen, warm timbrierten Bariton ein weiteres As dieser Besetzung. Etwas weniger überzeugend fiel der Dulcamara von Nicola Ulivieri aus, der (abgesehen von ein paar zerquetschten Spitzentönen) recht anständig sang, aber Charisma vermissen ließ. Die Figur in überzeugender Maske mit üppigem schwarzem Haar und ebensolchem Schnurrbart hätte überzeugender ausfallen dürfen. Eine szenisch entfesselte Giannetta mit hübscher Stimme war Annie Rosen. Die stumme Rolle eines Helfers von Dulcamara wurde mit Verve und großer körperlicher Beweglichkeit von Mario Brancaccio verkörpert.

Das Orchestra del Teatro Regio wurde von Giampaolo Bisanti geleitet, der eine gute Leistung erzielte, auch wenn die Blechbläser etwas weniger laut klingen hätten dürfen. Am Fortepiano waltete Luca Brancaleon mit Sicherheit seines Amtes. Der von Claudio Fenoglio einstudierte Chor erwies sich als schönstimmig und auffallend spielfreudig.

In ihrer Buntheit und hübschen Ländlichkeit erinnerten das Bühnenbild (Saverio Santoliquido) und die Kostüme (Alessandra Torella) ein wenig an die gute alte Schenkinszenierung in Wien. Es war eine Freude, die hübsch aufeinander abgestimmten Farben zu sehen, wobei auch die Lichtregie von Andrea Anfossi ihre Meriten hatte. Regisseur Fabio Sparvoli hatte viele nette Ideen, wie z.B. die auf der Terrasse ihres Hauses aus ihrem Buch vorlesende Adina, wobei Nemorino auf einer Leiter verzückt zuhört, oder das von Adina und Dulcamara wie auf der Bühne eines Kasperltheaters vorgetragene Liedchen von der Gondoliera und dem Senator. Wenn manches etwas derb geriet, so war dies wohl auch darauf zurückzuführen, dass die gut gelaunten Sänger bei dieser die Saison beschließenden Vorstellung dazu neigten, etwas auf die Tube zu drücken. Jedenfalls eine hübsche Produktion mit bedeutenden gesanglichen Leistungen.                                    

Eva Pleus                                     Bilder: Copyright Theatro Regio

 

 

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