DER OPERNFREUND - 44.Jahrgang
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Yen Han

Die Chinesin Yen Han studierte bei Stefan Mucsi und Paul Maure in Los Angeles, an der Hartford Ballet School, sowie beim San Fransisco Ballet und schloss an der Beijing Dance Academy ab. Sie war zunächst im Jeune Ballet de France und im Ballet de Nice engagiert, bevor sie 1993 zum Zürcher Ballett wechselte. Bereits ein Jahr später beförderte sie der damalige Ballettdirektor Bernd Roger Bienert zur Solotänzerin, wo sie zahlreiche Hauptrollen, u.a. in „Le Sacre du Printemps“, „Nussknacker“, „Der Feuervogel“ und einigen modernen Balletten tanzte.

before nightfall

In der Saison 1996/97 übernahm der renommierte Schweizer Choreograph Heinz Spoerli die Direktion des Zürcher Balletts, fast die ganze Company wurde damals ausgewechselt, Yen Han war eine der wenigen, welche in Zürich blieb. Auch während der ganzen Direktionszeit von Spoerli ist sie die einzige, welche seit 1996 dem Zürcher Ballett erhalten blieb. Für grazile Tänzerin choreographierte Spoerli Rollen, wie die Solveig in „Peer Gynt“, und die Chloé in „Daphnis et Chloé“, Hauptpartien in „moZART“, „...und mied den Wind“, „In den Winden im Nichts“, „Wäre gestern heute und morgen jetzt“, „allem nah, allem fern“, „Les débauches du rêve“, „Prime Time“ und „Approaching clouds“. In der Ära Spoerli tanzte Yen Han zudem die Julia, Giselle, Marie (Nussknacker), Lise (La fille mal gardée), Hermia (Ein Sommernachtstraum) und Solopartien in „Goldbergvariationen“, „Le Sacre du Printemps“, „Cinderella“, „Don Quixote“, „Schwanensee“, „Nocturnes“, „Abschied“ (alle Choreographien von Heinz Spoerli), überdies die Titelpartie in „La Sylphide“ (Johan Kobborg), „Dornröschen“ (Mats Ek), Hauptpartien in „Allegro Brillante“, „Symphony in C“ (Balanchine), „Before Nightfall“ (Nils Christe), „Frank Bridge Variations“ (van Manen), „Continuum“ (Christopher Weldon) und „Smoke“ (Hwai-Min Lin).

Die vielseitig begabte Tänzerin ist zudem zweifache Mutter von Julius (8) und Maximilian (1 ½). Mit der neuen Spielzeit 2012/13 wird Christian Spuck neuer Direktor des Zürcher Balletts, und Yen Han wird weiterhin Solotänzerin bleiben. Einen besonders grossen Erfolg bei Publikum und Presse feierte die Ballerina vor wenigen Monaten in der Titelpartie von Mats Eks „Dornröschen“.

Dornröschen

OF: Wie sind Sie zum Ballett gekommen?

YH: In meiner Kindheit war es meiner Mutter wichtig, dass ich Musik und Tanz lerne. Daher habe ich neben der Schule Klavier gespielt und Ballett getanzt.

OF: Wie bereiten Sie sich auf neue Partien vor?

YH: Es kommt darauf an, ob es ein bereits bestehendes Ballett ist, oder eine Uraufführung. Aber generell lese ich die Handlung und befasse mich mit der Musik. Es ist mir ein grosses Anliegen, über jeden Charakter Bescheid zu wissen, was um mich herum geschieht und herauszufinden, wie meine Rolle in die Umgebung und zu den anderen Rollen passt. Jede Emotion ist eine Verbindung und Reaktion zu dem, was sich um einen herum abspielt. Und am wichtigsten ist mir, den Choreographen zu verstehen, wie er über sein Werk denkt, welchen Ausdruck er von mir verlangt. All diese Aspekte helfen mir gemeinsam, den Charakter der Rolle zu finden und ihn zum Leben zu erwecken.

In den Winden im Nichts

OF: Wenn ich mich recht erinnere, haben Sie schon zu Bienerts Zeiten „Alte Kinder“ von Mats Ek getanzt. Wie war es nun, nach 17, 18 Jahren wieder mit ihm für „Dornröschen“ zu arbeiten? Inwiefern unterscheidet sich „Dornröschen“ von den anderen Werken von Ek?

YH: Meine erste Zusammenarbeit mit Mats Ek war für „Alte Kinder“, ich war die 3. Besetzung für die Rolle „Selbst“. Ich war damals sehr jung und noch recht unerfahren mit seinem modernen Stil, welcher mit dem klassischen Ballett so gut wie gar nichts zu tun hat. Es war alles eine grosse Herausforderung für mich und ich lernte eine Menge von ihm. Jetzt nach all diesen Jahren wieder mit ihm zu arbeiten, ist erneut eine unvergessliche Erfahrung. Er ist ein wunderbarer Choreograph und Lehrer. Einhergehend mit seinem grossen Wissen, ist er ein äusserst freundlicher, warmherziger Mensch. Er kann aus einem Tänzer das Beste herausholen und als Tänzer möchte man das Beste geben. Es war jetzt genau der richtige Zeitpunkt für mich, die Aurora zu tanzen und erneut mit ihm zu arbeiten. Ich bin nach all diesen Jahren reifer und erfahrener und kann diese Partie gestalten und verstehe, was er meint. Vor einigen Jahren habe ich hart gearbeitet, um diese Perfektion hinzubekommen und die Arbeit zu verstehen, und nun arbeite ich hart, um die Perfektion hinzubekommen und drücke das aus, was ich verstehe.

Nocturnes

OF: Welche Tänzer, Coaches oder Choreographen haben Ihre Karriere geprägt?

YH: Da gab es eine Menge Menschen, welche für meine Karriere und mein Leben Bedeutung und Einfluss hatten. Ich denke, vom jedem Tänzer, Choreographen und Coach, mit dem ich gearbeitet habe, haben mich auf die eine oder andere Art geprägt, mich technisch, aber auch persönlich weiterzuentwickeln. Das ist ein Teil des Lebens, wir machen unsere Erfahrungen und das prägt den Charakter. Wie auch immer, ich möchte mich an dieser Stelle bei meinem ersten Ballettlehrer, Stefan Mucsi bedanken. Von ihm habe ich über den Sinn des Tanzens eine Menge gelernt. Und ebenfalls bei Peter Appel, mein Coach, welcher meine Inspirationen immer gefördert hat.

OF: Welche Rollen tanzen Sie am liebsten?

YH: Ich liebe es, dramatische Partien zu tanzen. Ich liebe das Drama!

Nußknacker

OF: Ihr Zürcher Repertoire beinhaltet zahlreiche verschiedene Choreographien, wie z.B. Spoerli, Mats Ek, van Manen, Balanchine, Bienert, Niels Christe, um nur einige wenige zu nennen. Welche Choreographie tanzen Sie am liebsten?

YH: Das ist schwer zu sagen. Wenn ich tanze, bin ich auf diese oder jene Choreographie konzentriert. Und in diesem Moment ist dann diese oder jene Choreographie für mich am besten.

OF: Sie sind die einzige Tänzerin vom Zürcher Ballett, welche unter drei Direktoren getanzt hat – zuerst Bienert, dann 16 Jahre lang Spoerli und ab kommender Saison übernimmt ja Christian Spuck die Leitung des Zürcher Balletts. Wie waren all diese Jahre in Zürich für Sie?

YH: Natürlich fühle ich mich nach so langer Zeit diesem Haus und dieser Company sehr verbunden. Ich habe so viele schöne Erinnerungen hier. Ich bin sehr glücklich, so lange schon hier sein zu können.

OF: Wie viele neue Partien studieren Sie pro Saison ein?

YH: Das ist von Saison zu Saison unterschiedlich. Einmal mehr, einmal weniger.

OF: Sie haben ja eine Menge Uraufführungen von Heinz Spoerli getanzt, wie z.B. die Solveig in „Peer Gynt“, oder Hauptpartien in „moZART“, „in den Winden im Nichts“, „Approaching Clouds“, „allem nah allem fern“ und viele weitere – inwiefern unterscheiden sich solche Proben von Repertoire-Proben, wie „Nussknacker“, „Romeo und Julia“, die für Sie zwar einmal Rollendebüt waren, aber zum Zeitpunkt Ihrer Première schon bestehende Stücke?

Les Sylphides

YH: Es ist um einiges anstrengender, eine Rolle zu kreieren. Dies ist nämlich ein ganzer Arbeitsprozess, um den Charakter der Rolle einhergehend mit den Choreographien zu finden. Ein Ballett einzustudieren, welches bereits aufgeführt wurde, ist leichter, weil diese Arbeit bereits abgeschlossen ist und man es auf seine Art wiederholt. Und eine Repertoire-Partie bedeutet für mich, wieder proben und mich an alles erinnern.

OF: Es ist wirklich bewundernswert, Sie sind ja zweifache Mutter – 2003 kam Julius zur Welt und Ende 2010 Maximilian – und tanzen nach wie vor brillant, gerade wenn ich an Ihre letzte Première „Dornröschen“ denke, wo Sie u.a. an zwei Tagen hintereinander Vorstellung hatten und jedes Mal eine perfekte Leistung bieten. Wie haben Sie das geschafft, wieder auf die Bühne zurückzukommen?

Wäre gestern heute und morgen jetzt

YH: Zwei Monate nach der Geburt habe ich wieder mit dem Training begonnen und dies täglich fortgesetzt. Mit der Regelmässigkeit des Trainings wird der Körper wieder fit. Ich muss hier auch ein grosses Dankeschön meinem Mann aussprechen. Er hilft mir enorm! Dadurch, dass er sich um die Kinder kümmert, kann ich wieder trainieren und mich auf das Tanzen konzentrieren. Ohne ihn wäre es geradezu unmöglich.

OF: Liebe Frau Han, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Katharina Gebauer

 

Das Copyright aller Bilder liegt beim Zürcher Ballett

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