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MAGYAR ÀLLAMI OPERHÀZ /  Ungarische Staatsoper Budapest

 

http://www.opera.hu/en

 

Kleiner Tipp für reisende Opernfreunde

Die zur Zeit gültigen Eintrittspreise sind nur für den Probelauf bis Ende Juni gültig. Es gibt auch täglich viele Freikarten. Ab September läuft das Programm normal und die Preise entsprechen dann dem Preisniveu einer Volksoper in Ungarn. Teuerste Karten liegen dann bei 3600 Forint und die preiswertesten bei 300 Forint. Umgerechnet also Karten von 1 Euro bis zu knapp 13 Euro. Für Deutsche und Österreichische Verhältnisse natürlich nicht viel, jedoch für die große Masse in Ungarn schon ein Betrag, der erstmal verdient werden muss.

Liebe Grüße aus Ungarn                                                 

Jürgen Spiekermann

 

 

 

JENUFA

WA am 25.3.2014

Mährisches Kolorit in universaler Erhöhung

An der Budapester Staatsoper am Andrássy út wurde nun die Inszenierung von Leos Janáceks „Jenufa“ aus dem Jahre 2004 wieder aufgenommen. Regie führte Attila Vidnyánszky, der derzeitige Generaldirektor des Nationaltheaters Budapest. Er konnte einmal mehr zeigen, dass dieses Meisterwerk Janáceks, wie der Dirigent des Abends, Domonkos Héja, im erfreulicherweise nun auch in wichtigen Teilen auf Englisch erscheinenden Programmheft sagt, „a terribly good piece“ ist, und zwar nicht nur musikalisch.

Vidnyánszky bezeichnet die „Jenufa“ als „a unique piece of art“ und will in seiner Interpretation auf der Basis der Realität der abgeschlossenen archaischen Gemeinschaft des mährischen Dorfes mit ihren Zwängen und moralischen Fixierungen das, wie er meint, sich dahinter verbergende Ausmaß einer griechischen Tragödie zeigen, indem er die Schicksale der Protagonisten auf eine universale Ebene erhöht. Das hat etwas von Lars von Triers Film „Dogville“ und gelingt dem Regisseur in der dramaturgischen Umsetzung in den einfachen, aber symbolträchtigen und stilvollen Bühnenbildern und Kostümen von Bilozub Olekszandr mit ihrer rustikalen Ästhetik sowie mit starken SängerdarstellerInnen vorzüglich. Vidnyánszky interessiert die Frage, ob Schicksal vorgegeben, unausweichlich ist, oder ob der Mensch es beeinflussen kann. Sind wir hilflos dem Regelwerk der Skylla und Charybdis unserer Gesellschaft ausgeliefert, müssen gar die Bürde einer einmal begangenen Sünde hoffnungslos bis zum Ende tragen? Wer schafft es, sich mit seinem Schicksal auseinanderzusetzen, das Kreuz zu schultern und damit die Herausforderungen des Lebens mit dennoch erhobenem Kopf und Demut zu meistern? Dieser Ansatz zieht sich wie ein roter Faden durch die oft emotional stark berührende Produktion. Alle leben mit ihren Sünden und ihrer schweren, meist nicht bewältigten Vergangenheit und versuchen sich irgendwie aus dem Netz- und Räderwerk von Regeln und Zwängen zu befreien. Das im wahrsten Sinne des Wortes Fatale dabei ist, dass es erst des Todes eines kleinen Kindes bedarf, des einzig unschuldigen „Akteurs“, dass diese vermeintlich heile Welt kräftig durchgeschüttelt wird und die Konflikte offen ausbrechen.

Mària Temesi, die große ungarische Sieglinde und Brünnhilde und bei all ihren Auftritten einmal mehr mit enormer Bühnenpräsenz, steht als Küsterin zunächst als von allen ehrfürchtig akzeptierte Autorität dieser Regeln. Wenn sie zum ersten Mal - auch nur kurz - auf die Bühne kommt, wirken alle wie paralysiert, muss Laca ihr untertänig die Hand küssen. Großartig, wie die Temesi dann im 2. Akt in ihre eigenen tragischen Gewissensnöte kommt und sich mit ihrer ehemaligen Schülerin, Szilvia Rálik, eine außerordentlich intensive Auseinandersetzung liefert, wobei ihre hochdramatischen Qualitäten, ihre Expressivität aber auch die ganze Reife ihrer charaktervoll abgedunkelten Mittellage ausdrucksstark zum Tragen kommen. Temesi versteht es, mit intensiver Mimik und immer im Einklang mit der jeweiligen Aussage stehenden Bewegungen auf der Bühne alle Facetten dieser komplexen Rolle bis hin zur ultimativen menschlichen Tragik auszuspielen und am Ende klar werden zu lassen, dass auch sie ein Opfer geworden ist, aber kein böser Mensch.

Szilvia Rálik, die der Rezensent vor Jahren auf dieser Bühne als sehr gute Turandot erlebte, spielt die Jenufa depressiv. Man merkt von Beginn an, welche Last sie mit dem erwarteten Kind von Stewa zu tragen hat, angesichts dessen rüden Verhaltens, und der ihr immer wieder zuviel gute Miene zum bösen Spiel abverlangt. Rálik singt den großen Monolog im 2. Akt mit enormer Empathie und starkem emotionalem Ausdruck, und man nimmt ihr die große Erschütterung beim Verlust ihres Kindes in der Auseinandersetzung mit der Küsterin bewegt ab. Sie hat einen kraftvollen, leuchtenden Sopran, den sie sehr gut führt und der auch vollkommen höhensicher ist. Allerdings wirkt ihre Stimme, zumal nach der Turandot und der Salome, die sie auch singt, für die Jenufa streckenweise schon etwas zu schwer.

János Bándi legt den Laca sehr authentisch an, er ist der immer wieder zurückgesetzte Bewerber um Jenufa. Seine großen Gefühle für sie kann er äußerst glaubhaft und mit hoher Emotionalität vermitteln. Bándis durchwegs warm klingender, bestens intonierender und ins Heldische reichender Tenor kommt ihm dabei zugute. Großartig gelingt so die Intimität des Finales mit Jenufa, welches bei aller Schwere der nun zu tragenden Bürde auch viel Hoffnung macht. Hier muss Laca nämlich den letzten der Eisquader, den die Leute aus dem Fluss schnitten und auf der Vorderbühne aufstellten - in einem befand sich das tote Kind als kleiner Engel mit Kerze symobilisiert - obenauf auftürmen. Bei der schlagenden Finalmusik aus dem Graben bildet sich so ein Kreuz aus Eis! Es wirkt wie eine Absolution von aller Schuld. Der Vorhang fällt, bevor der Quader oben ist…

Atilla Kiss B. ist ein leichtfertiger Stewa mit ausdrucksstarkem Tenor und kräftiger Höhe, wenn auch nicht immer ganz klangschön. Auch er zeigt am Schluss, dass ihn die leichtfertige Ablehnung Jenufas wegen ihrer Entstellung schicksalhaft belasten wird. Éva Balatoni lässt als alte Buryja mit einigen guten Spitzentönen daran erinnern, dass sie hier einmal eine gute „Walküre“-Brünnhilde war. Die blutjunge Krisztina Simon singt die kurze Rolle der Karolka mit viel Lebendigkeit und einem glockenklaren Sopran - ein hoffnungsvolles Nachwuchstalent an der Budapester Staatsoper. János Gurban gibt einen klangvollen und eindringlichen Altgesell, und auch die weiteren Nebenrollen waren ansprechend besetzt. Der in der Choreografie von András Nádasdy bewegungsintensiv und dramaturgisch zielführend eingesetzte Chor sang auf hohem Niveau und wurde von Sipos Maté Szabo einstudiert. 

Unter der sicheren Hand von Domokos Héja erklang Jánaceks glutvolle Partitur mit dem Orchester der Ungarischen Staatsoper in bester Harmonie mit dem Geschehen auf der Bühne und verstärkte ausdrucksvoll die große Emotionalität der Handlung. Höhepunkte waren die große Szene der Jenufa im 2. Akt und die später folgende der verzweifelten Küsterin, in denen das Orchester seine großen Qualitäten sowohl im Ausmusizieren feinster Lyrik wie auch in Momenten starker Dramatik unter Beweeis stellte. Ein guter Abend an der nicht ganz voll besetzten Ungarischen Staatsoper, der klar machte, dass „Jenufa“ „a terribly good piece“ und „a unique piece of art“ ist.                                       

Klaus Billand 2.4.14

(www.klaus-billand.com)      

Fotograf Attila Nagy

                                                                    

 

 

 

György Selmeczi

I SPIRITISTI

19.1.2014  (Welturaufführung):

Die Ungarische Staatsoper Budapest koproduzierte diese neue Oper gemeinsam mit der Ungarischen Oper in Cluj-Napoca (Rumänien).

Der in ganz Europa gastierende Komponist, Dirigent, Pianist und Regisseur Gygörgy Selmeczi wurde am 8. März 1952 in Klausenburg (Cluj) geboren. Er war u.a. auch Schüler von Pierre Boulez in Paris. Der Komponist verfasste das Libretto gemeinsam mit Csilla Péntek in italienischer Sprache mit kleineren russischen und französischen Einschüben. Der Text kann im Internet im Original mit ungarischer Übersetzung nachgelesen werden (filmacademy.hu).

Das Libretto basiert auf dem Drama „Balaganchik“ (Ein Puppentheater) des russischen Symbolisten Alexander Alexandrowitsch Blok 1880-1921), eine Satire auf die klassische griechische Tragödie, Commedia dell’arte und Symbolismus. 1906 erprobte der berühmte Regisseur Wsewolod Emiljewitsch Meyerhold (1874-1940) am Wera-Kommissarschewskaja Theater in St. Petersburg an diesem Stück seine grundlegenden Ideen eines grotesken und konstruktivistischen Theaters. In den 20 Jahren wurde das Stück dann auch in Paris und New York aufgeführt.

Dem Drama lag ursprünglich eine simple Geschichte zu Grunde. Harlekin stiehlt Columbine von Pierrot. Bei einer Schlittenfahrt stürzt Columbine aus dem Wagen und Harlekin fährt weiter. Pierrot bleibt auf der leeren Bühne zurück. Blok und Meyerhold haben diese Geschichte dann zu einem abendfüllenden symbolistischen Drama ausgestaltet.

Zum Inhalt der Oper in zwei Akten: Ein Herzog hält in seinem Palazzo ducale in Moskau im Jahr 1899 gemeinsam mit seinen Freunden, unter denen sich auch Pierrot in Gestalt eines jungen Landedelmannes befindet, eine Séance ab. Die Erscheinung einer Frau wird sichtbar, in der Pierrot seine Verlobte Colombine zu erkennen vermeint. Die Szene verschwindet. Wir befinden uns nun im Ballsaal des herzoglichen Schlosses mit zeitgenössisch im Stil des fin de siècle gekleidetem Bühnenorchester. Arlecchino mischt sich in Gestalt eines rätselhaften Weltenbummlers unter die Ballgäste und sinniert über die Wechselwirkungen zwischen Langeweile und Leidenschaft nach. Aleksei und Dimitri, zwei adelige Freunde die Herzogs, fordern Arlecchino zu einem Wettstreit heraus. Hierauf führt Pierrot seine schüchterne Frau Colombina in den Ballsaal. Ein russisches Volksfest mit russischem Gesang und Folkloretänzen wird nun abgehalten, und eine Melodie, ähnlich „I want to be in America“ aus Bernsteins West Side Story, sickert marginal durch.

Gekleidet wie aus der Gegenwart erscheint der desillusionierte Dichter Desiré, der von zügellosen Fantasien gelenkt wird.

Die Truppe der Gaukler aus dem fernen Italien tritt nun auf, um die aus Leoncavallos Oper I Pagliacchi bekannte Szene aufzuführen. Dem Herzog und seinen Gästen aber gefällt das tragische Ende nicht. Sie wollen ein versöhnliches vorgeführt erhalten. Die Komödianten weigern sich aber und bestehen auf einem tragischen Ende, weil die Tragödie eben ihr ureigenstes Metier ist. Sie beginnen zu improvisieren. Pierrot hat die rettende Idee und bittet Colombina ihn zu küssen. Angewidert zieht Desiré, der sich von der Welt und der Liebe betrogen fühlt, unbemerkt von den anwesenden Gästen seine Pistole und erschießt Colombina, die mit den gleichen Worten wie im ersten Akt „Non ti lascio mai piú, mai piú!“ stirbt. Die Gäste fliehen. Der Herzog trauert um Colombina. Die Spiritisten versammeln sich aufs Neue zu einer Séance. Wird die Geschichte dieses Mal anders enden?

Was die durchaus melodiöse eklektische Musik anbelangt, so bedient sich Selmeczi großzügig bei Puccini, Mascagni und Bernstein. Er erreichte damit eine nachhaltige Wirkung beim anwesenden Premierenpublikum, das dem Komponisten nach der Aufführung anerkennenden Applaus spendete. Dahinter vermute ich natürlich schon ein wenig Nationalstolz. Der große Wurf ist diese Oper sicherlich nicht, denn es fehlt ihr, meiner Meinung nach, an musikalischer Originalität. Darüber hinaus ist dem Komponisten auch der zweite Akt viel besser gelungen, weil stringenter und spannender gestaltet als der erste. Aber Selmeczi versteht natürlich sein Handwerk und fügt sich seine Oper in die Reihe der Literaturopern, wie beispielsweise „1984“ seines komponierenden Dirigentenkollegen  Lorin Maazel, dessen Uraufführung 2005 am Royal Opera House Covent Garden statt fand. 

Der Regie von Eszter Novák gelang es nicht immer die verschiedenen Bewusstseinsebenen der handelnden Personen deutlich heraus zu arbeiten. Die Grenzen zwischen Traum, Schein und Wirklichkeit verschwammen häufig vor den Augen des Betrachters zu einem heillosen Durcheinander. Die von Edit Zeke entworfene Ausstattung war bei der Entschlüsselung der Handlungsebenen auch nicht besonders hilfreich. So erschienen die Freunde des Herzogs zu Beginn der Séance in Anzügen, die durchaus aus der Gegenwart stammen könnten, während die Ballgäste in ihren prächtigen Roben und weißgepudert an das Personal aus Roman Polanskis Film „Tanz der Vampire“ erinnerte.

Krisztián Cser versah seinen Duca mit einem würdevollen eleganten Bass. Géza Gábor als Aleksei und Szabolcs Hámori als Dimitri, die Freunde des Herzogs, ergänzten mit profunder bassbaritonaler Würde. Etwas verquollen hörte sich der raue Bass von Árpád Sándor als larmoyanter Dichter Desiré an. Aus dem Personal der Commedia dell’arte stach einzig Polina Pasztircsák als Colombina, der der Komponist im zweiten Akt eine Bravourarie „Ah! ah! ah! ah! ahi ahahahha! Voglio amare il mio tesoro, perché non vien, ah“ in die Kehle geschrieben hatte, mit jugendlich frischem Sopran hervor. Arlecchino István Kovács bestach mehr durch sein artistisches Können, indem er einen Handstand vorführte und Räder schlug, als mit seinem eher dünnen Bariton. Der Tenor von Adorján Pataki als Pierrot stieß bei den hohen Tönen leider hörbar an seine Grenzen.

János Kovács am Pult des Orchesters der Ungarischen Staatsoper hob das Werk routiniert und umsichtig wie gewohnt aus der Taufe. Seiner exzellenten Umsetzung der Partitur verdank die Oper auch ihren Achtungserfolg, an dem der hervorragend singende und agierende Chor der Ungarischen Staatsoper unter seinem Leiter Máté Szabó Sipos keinen unwesentlichen Anteil hatte. Die Choreographie der russischen Folkloretänze besorgte Tamás Topolánszky.

Der Komponist kann zu Frieden sein. Sein Werk gefiel, es gab keine Buh-Rufe und ein verdienter Achtungserfolg war ihm an diesem Abend sicher.                   

Harald Lacina 25.1.                                 Bilder: Szilvia Csibi

 

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