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BERLIN

Musikbanausen und mehr...

Zunächst stand am 18.02. die Komische Oper mit Schrekers "Die Gezeichneten" auf dem Programm, die ich seit Anfang der 1980er Jahre von einer mitgeschnittenen Rundfunkaufnahme der Frankfurter Oper unter Michael Gielen sehr gut kenne und die zum meinen Lieblingsopern gehört. Live erlebt habe ich sie einige Male in Stuttgart (Inszenierung Kusej) mit grandiosen Sänger (Sade, Westbroek, Otelli). Danach habe ich sie in der Bayerischen Staatsoper letztes Jahr erlebt mit Naglestad usw. Die Aufführung war gut, aber nicht annähernd so gut wie die Stuttgarter Aufführungen.

Ich bin kein Freund von Bieito. Nun gut, um die Schreker-Renaissance zu unterstützen, ließen wir uns vom Regisseur nicht abschreken. Das Orchester unter Soltesz war sehr gut. Peter Hoare hat den Alviano zu meiner Zufriedenheit gesungen, Michael Nagy schätze ich sehr.
Seine Kritiken für den Tamare fielen sehr gut aus. Ich denke aber, dass er der Rolle (noch) nicht gewachsen ist. Ich habe da auch den grandiosen Claudio Otelli in Stuttgart im Ohr. Frau Stundyte hat gesungen, wie ich sie kenne: Keine Textverständlichkeit, immer aufgeregt und total ohne schöne Stimme. Wenn man die Aufnahme aus Salzburg mit Anne Schwanewilms gehört und gesehen hat, war das in Berlin unerträglich.
 
Nun zu Bieito: Ich habe in Stuttgart seine Inszenierung von "La Fanciulla del West" erlebt. Der musikalisch hervorragende 1. Akt wurde von tausenden Pistolenschüssen im wahrsten Sinne erschossen. Ein Verbrechen an dem Werk, das ja nicht so häufig gespielt wird. Es gab keine Wiederaufnahme.
 
Bieito liebt die Musik nicht, und er verachtet das Publikum. Das hat man auch bein den Gezeichneten erleben müssen. Das Werk ist gerade wegen des Themas "Kindesmissbrauch" ja hochaktuell und man sollte das unbedingt bei einer Inszenierung thematisieren.
 
Aber Bieito hat wohl als ganze Vorbereitung zu seiner Inszenierung mal eine Inhaltsangabe gelesen und dachte sich: Aha, Kindesmissbrauch. Das nehme ich. Folge ist eine Inszenierung, die so schlecht ist, dass sie die Leute von Schreker entfernt und vom Opernbesuch natürlich auch.
Er hat großen Schaden verursacht. Die Verantwortlichen, die ihn engagiert haben, haben wahrlich keine Ahnung.
 
Ich bin zwar äußerst dankbar, dass wir eine so blühende Theaterlandschaft in Deutschland haben, aber eine Verpflichtung dieses Musikbanausen müsste Zuschusskürzungen zur Folge haben. Ich weiß aus zuverlässiger Quelle, das Bieito völlig unvorbereitet zum Probenbeginn erschienen ist.
 
Am 20.02. haben wir im Konzerthaus das gigantische Oratorium "Des Jona Sendung" von Rudolf Tobias unter Neeme Järvi erleben dürfen.
Chöre und Orchester waren hervorragend, die Solisten leider nicht, wobei die beiden Damen waren noch akzeptabel.
Dominik Wortig hat keinen einzigen schönen Ton gesungen. Die Rolle des Jona ist für einen Bass-Bariton eigentlich spektakulär. Ain Anger,
so heißt er glaube ich, hat zwar gute Kritiken bekommen. Er hat es aber einfach runtergesungen, ohne Leidenschaft und ohne Esprit.
Das war schade, aber wie gesagt, es war eine großes Erlebnis.
 
Am 21.02. stand dann die konzertante L'Arlesiana auf dem Programm. Hier schließe ich mich den Kritiken meiner Kollegen im Opernfreund in vollem Umfang eigentlich an. Erstaunt hat mich nur, dass keiner der Kritiker erwähnt hat, dass Mariangela Sicilia ja große Erfahrungen mit der Vivetta hat. Sie hat die Rolle szenisch 2013 in Jesi gesungen. Es gibt hiervon BR, DVD und CD. Sie und die anderen Sänger waren hervorragend. Dolora Zajicks Notengestarre war einfach nur lästig. Bedauerlich war, dass Calleja auf die 2. Arie "Una mattina" verzichtet hat. Ich verstehe es nicht. Das Stück ist wunderschön und passt gut in den 3. Akt.
 
Im März steht für uns nochmal die Deutsche Oper auf dem Zettel mit der Premiere von Korngolds "Das Wunder der Heliane", endlich in einem Haus das die Demensionen des Werkes adäquat bewältigen könnte. Brian Jagde traue ich die unglaublich schwierige Tenorrolle zu.
Falls die Regie normal ausfällt, könnte es vielleicht zu einem kleinen Durchbruch für das Werk kommen.
 
Noch eine Anmerkung zu einer Kritik (zur Pause die Aufführung abgebrochen), wo der Kritiker das Schrekersche Libretto anfeindet:
"Dürfte man dann eine Wagner-Oper aufführen?
 
"So buhlt nun im Finstern, feuchtes Gezücht"
 
Herzliche Grüße
Rolf Mildenberger 2.3.2018


 

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