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SALZBURG

Drei Tage Opern-Völlerei in der Mozart-Stadt

Aufführungen vom 17.-19. Mai und  31.5. -2.6. 2019

 

Der Salzburg-Ring ist eine Rennstrecke von 4255 Metern und bei Automobilisten bestens bekannt. Weniger bekannt in diesen Kreisen dürfte ein anderer Salzburg-Ring sein, nämlich der Mozart-Da Ponte-Ring am dortigen Landestheater: alle drei Da Ponte-Opern (“Figaro”, “Don Giovanni” und „Cosí fan tutte“) an drei Abenden hintereinander. Schon ein strammes Pensum für Sänger, Dirigent und Musiker, aber auch für die Opernbesucher mit immerhin rund 12 Stunden Aufführung incl. der Pausen. Nun ist ein solcher Zyklus nichts Neues in der Szene, in der Salzburger Form aber schon etwas Seltenes: alle drei Opern sind vom selben Regisseur inszeniert, ebenso von derselben Bühnen- und Kostümbildnerin ausgestattet, alle unter der Leitung desselben Dirigenten mit demselben Orchester und teilweise mit denselben Sängern aufgeführt. Nur – wie kommt ein Kölner dazu, ausgerechnet in Salzburg in die Oper zu gehen, von den Festspielen mal abgesehen ?

Dazu muss man wissen, dass der Salzburger Intendant des Landestheaters Dr. Carl Phillip von Maldeghem im Frühjahr von einer eher unüblichen „Findungskommission“ angefragt worden war, die Leitung des Schauspiels Köln zu übernehmen. Der aktuelle Chef Stefan Bachmann hatte aus künstlerischen Gründen um vorzeitige Auflösung seines Vertrags gebeten, siehe dazu https://www.kulturcram.de/2019/01/neugierige-freude-und-skepsis-der-zukuenftige-schauspielchef/Inzwischen hat sich Bachmann bereit erklärt, seinen Vertrag nun doch bis 2021/2022 zu verlängern.

Bei der Recherche auf Maldeghems Theaterseite wurde dann der „Salzburger Ring“ entdeckt, für den Mozart-Fan eigentlich ein Muss. Daher rasch Karten, Flüge und Hotel geordert für ein hoffentlich erfülltes Wochenende, denn Salzburg hat ja nun sehr viel mehr zu bieten als nur Musik. Und einen Termin mit der Pressestelle des Landetheaters gemacht, immerhin sollte der Intendant zur „Kölner Affäre“ befragt werden. Wenn er es denn wollte. Ja, wollte er. Sehr froh sei er (wenn ihn Köln als großes Theater auch gereizt habe), in Salzburg geblieben zu sein, er habe hier ein gut funktionierendes 3-Sparten-Haus und sei in der Bevölkerung sehr anerkannt. Das kam in mehreren persönlichen Gesprächen mit Salzburgern auch klar heraus. Maldeghem war sehr erschrocken über die faktenverzerrende Pressekampagne von Menschen, die weder seine Person noch seine Arbeit kannten. Das müsse er alles nicht haben; leichten Herzens habe er daher den Kölnern „die Brocken hingeschmissen“.

Mozart fand in Da Ponte seinen idealen Librettisten – und hätte in dem italienischen Regisseur Jacopo Spirei vielleicht seinen perfekten Regisseur von heute gefunden. Denn dieser versteht es, den Opern einen aktuellen Touch zu geben, dezent in eine andere Zeit und einen anderen Ort zu verlegen, und die Geschichten leicht und in locker zu erzählen, ohne sie gleich umschreiben zu wollen – Beispiele für solche „Missetaten“ gibt es ja reichlich. So verlegte er das menschenverachtende Seelenexperiment „Così fan tutte“, welches er bereits 2012 inszeniert hatte, in die moderne amerikanische Erasmus-Universität “Naples” mit zugehörigen Studenten, einer schicken Bibliothek, der Umkleide nach einem Baseball-Spiel, mit Soldaten in GI-Uniform, Cops und stilistisch passender Kantine, dem Café Così. Sehr originell die Schlussszene: Alle sechs Akteure bekommen wie nach einem bestandenen Examen ihren Umhang und den Doktorhut, der in die Luft geworfen wird; wunderschönes Zeichen, aus der misslichen Geschichte doch etwas gelernt zu haben. Hier der Trailer.

Auch der „Don Giovanni“ wurde bereits 2010/11 bereits von Spirei inszeniert und für den Zyklus gründlich aufpoliert. Er spielt in einer amerikanischen Kleinstadt mit typischen Holzhäusern, Flagge und liberalem Waffengesetz: der Komtur wird mit einem Gewehrkolben erschlagen, alle Einwohner haben natürlich Langwaffen. Die Party erinnert an Halloween, Giovanni ist geschminkt wie Jack Nicholson als Joker in Batman, das Mahl mit dem Komtur, der vorher in einem typischen aufgeklappten Sarg lag und daraus auch singen musste, besteht aus Pizza und Hamburgern, überall lungern Nutten herum, und die Höllenfahrt passiert gleichzeitig mit einem Dutzend Doubles des Verführers, alle mit dem „Todesgriff“ des Komturs: „Da mi la mano“. Zum Trailer.

„Die Hochzeit des Figaro“ hat Spirei erst in der letzten Spielzeit inszeniert, und aktualisiert mit den #meetoo-Vorwürfen bedrängter Frauen die frivole Komödie; Almaviva müsste daher eigentlich Harvey Weinstein heißen. Umgebung ist die amerikanische High Society mit eleganter offener Villa und Pool (wo tatsächlich auch Wasser drin war), man bewegt sich in der Schickeria. Trailer.  

Musikalisch war hier nur vom Feinsten zu vernehmen. Es würde den Rahmen erheblich sprengen, die 17 hervorragenden Sänger*innen einzeln zu bewerten. Tolle Stimmen, hohe Musikalität und Spielfreude, durch die Bank passend und tadellos besetzt, dazu ein lockerer Auftritt des gesamten Teams – es war einfach nur eine helle Freude. Allen gebührte die Palme des Abends, Gesamtnote sehr gut. Dazu gehört natürlich das Mozarteum-Orchester mit seinem Dirigenten Adrian Kelly, eine sichere Bank für das Landestheater: umsichtig, sensibel und präzise dirigiert, mit blendend disponierten Bläsern, klanglich sehr gut ausgewogen, nie die Sänger überdeckend. Es ist schon ein Glück für das Theater, solche Kräfte zur Verfügung zu haben, ebenso den hauseigenen Chor.

Stefan Müller hatte ihn nicht nur hervorragend einstudiert, sondern ihm ein natürliches und glaubhaftes Schauspielerdasein verordnet. Und dazu gehört natürlich in erster Linie der Regisseur Jacopo Spirei; ihm sind hier drei temporeiche, spannende, moderne und erfrischend unverbrauchte Inszenierungen gelungen, ein kleines Feuerwerk an witzigen Einfällen, alle ein wenig gegen den Strich gebürstet, und trotz der langen Spieldauer keinen Moment mit Leerlauf. Mit vielen kleinen szenischen Gags, mit lebendigen Charakteren, einfach toll. Alles in der Ausstattung von Bettina Richter, die mit kongenialen Bildern auf der Drehbühne, vielen witzigen Details und stilsicheren Kostümen wesentlich zum Erfolg beigetragen hat. Sehr lobend erwähnt werden muss auch das alle drei Aufführungen umfassende hervorragende Programmheft; ein Download ist leider nicht möglich.

Ein Erlebnis war es auch, an den drei Abenden einige Sänger inmehreren Rollen zu erleben. So konnte in der Kantine des Theaters der Sänger des Gärtners aus dem Figaro (Michael Schober) leicht an seiner sonoren Stimme identifiziert werden, der am Abend dann den Komtur sang; er freute sich sehr über unser Wiedererkennen.

Auch der Rollenwechsel war interessant zu erleben: Gustavo Quaresma sang den Ferrando und Don Ottavio, Raimundas Juzuitis wechselt von Don Alfonso zu Leporello, Jacob Scharfmann war Guglielmo und Masetto, Laura Niccorescu wechselte von Despina zu Susanna, Katie Coventry war Cherubino und Zerlina. Und George Humpreys war Almaviva und Don Giovanni. Einen durchaus möglichen Dreifacheinsatz, so von Maldeghem mitgeteilt, wollte man den Sängern allerdings ersparen.

Wie das Landestheater mitteilte, soll der Zyklus voraussichtlich nicht wiederholt werden. Sehr schade, wir wären glatt noch einmal hingereist.

 

Bilder © Michael Cramer, Anna-Maria Löffelberger, Tobias Witzgall

Michael Cramer, 20.6.2019

 

BERLIN

Musikbanausen und mehr...

Zunächst stand am 18.02. die Komische Oper mit Schrekers "Die Gezeichneten" auf dem Programm, die ich seit Anfang der 1980er Jahre von einer mitgeschnittenen Rundfunkaufnahme der Frankfurter Oper unter Michael Gielen sehr gut kenne und die zum meinen Lieblingsopern gehört. Live erlebt habe ich sie einige Male in Stuttgart (Inszenierung Kusej) mit grandiosen Sänger (Sade, Westbroek, Otelli). Danach habe ich sie in der Bayerischen Staatsoper letztes Jahr erlebt mit Naglestad usw. Die Aufführung war gut, aber nicht annähernd so gut wie die Stuttgarter Aufführungen.

Ich bin kein Freund von Bieito. Nun gut, um die Schreker-Renaissance zu unterstützen, ließen wir uns vom Regisseur nicht abschreken. Das Orchester unter Soltesz war sehr gut. Peter Hoare hat den Alviano zu meiner Zufriedenheit gesungen, Michael Nagy schätze ich sehr.
Seine Kritiken für den Tamare fielen sehr gut aus. Ich denke aber, dass er der Rolle (noch) nicht gewachsen ist. Ich habe da auch den grandiosen Claudio Otelli in Stuttgart im Ohr. Frau Stundyte hat gesungen, wie ich sie kenne: Keine Textverständlichkeit, immer aufgeregt und total ohne schöne Stimme. Wenn man die Aufnahme aus Salzburg mit Anne Schwanewilms gehört und gesehen hat, war das in Berlin unerträglich.
 
Nun zu Bieito: Ich habe in Stuttgart seine Inszenierung von "La Fanciulla del West" erlebt. Der musikalisch hervorragende 1. Akt wurde von tausenden Pistolenschüssen im wahrsten Sinne erschossen. Ein Verbrechen an dem Werk, das ja nicht so häufig gespielt wird. Es gab keine Wiederaufnahme.
 
Bieito liebt die Musik nicht, und er verachtet das Publikum. Das hat man auch bein den Gezeichneten erleben müssen. Das Werk ist gerade wegen des Themas "Kindesmissbrauch" ja hochaktuell und man sollte das unbedingt bei einer Inszenierung thematisieren.
 
Aber Bieito hat wohl als ganze Vorbereitung zu seiner Inszenierung mal eine Inhaltsangabe gelesen und dachte sich: Aha, Kindesmissbrauch. Das nehme ich. Folge ist eine Inszenierung, die so schlecht ist, dass sie die Leute von Schreker entfernt und vom Opernbesuch natürlich auch.
Er hat großen Schaden verursacht. Die Verantwortlichen, die ihn engagiert haben, haben wahrlich keine Ahnung.
 
Ich bin zwar äußerst dankbar, dass wir eine so blühende Theaterlandschaft in Deutschland haben, aber eine Verpflichtung dieses Musikbanausen müsste Zuschusskürzungen zur Folge haben. Ich weiß aus zuverlässiger Quelle, das Bieito völlig unvorbereitet zum Probenbeginn erschienen ist.
 
Am 20.02. haben wir im Konzerthaus das gigantische Oratorium "Des Jona Sendung" von Rudolf Tobias unter Neeme Järvi erleben dürfen.
Chöre und Orchester waren hervorragend, die Solisten leider nicht, wobei die beiden Damen waren noch akzeptabel.
Dominik Wortig hat keinen einzigen schönen Ton gesungen. Die Rolle des Jona ist für einen Bass-Bariton eigentlich spektakulär. Ain Anger,
so heißt er glaube ich, hat zwar gute Kritiken bekommen. Er hat es aber einfach runtergesungen, ohne Leidenschaft und ohne Esprit.
Das war schade, aber wie gesagt, es war eine großes Erlebnis.
 
Am 21.02. stand dann die konzertante L'Arlesiana auf dem Programm. Hier schließe ich mich den Kritiken meiner Kollegen im Opernfreund in vollem Umfang eigentlich an. Erstaunt hat mich nur, dass keiner der Kritiker erwähnt hat, dass Mariangela Sicilia ja große Erfahrungen mit der Vivetta hat. Sie hat die Rolle szenisch 2013 in Jesi gesungen. Es gibt hiervon BR, DVD und CD. Sie und die anderen Sänger waren hervorragend. Dolora Zajicks Notengestarre war einfach nur lästig. Bedauerlich war, dass Calleja auf die 2. Arie "Una mattina" verzichtet hat. Ich verstehe es nicht. Das Stück ist wunderschön und passt gut in den 3. Akt.
 
Im März steht für uns nochmal die Deutsche Oper auf dem Zettel mit der Premiere von Korngolds "Das Wunder der Heliane", endlich in einem Haus das die Demensionen des Werkes adäquat bewältigen könnte. Brian Jagde traue ich die unglaublich schwierige Tenorrolle zu.
Falls die Regie normal ausfällt, könnte es vielleicht zu einem kleinen Durchbruch für das Werk kommen.
 
Noch eine Anmerkung zu einer Kritik (zur Pause die Aufführung abgebrochen), wo der Kritiker das Schrekersche Libretto anfeindet:
"Dürfte man dann eine Wagner-Oper aufführen?
 
"So buhlt nun im Finstern, feuchtes Gezücht"
 
Herzliche Grüße
Rolf Mildenberger 2.3.2018

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de