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NEW YORK MET

Cineplexx Wien 5. April 2014

Der Generaldirektor der Met, Peter Gelb, trat vor den Vorhang und verkündete ein historisches Ereignis. Da die als Mimi angesetzte Anita Hartig wegen einer Erkältung absagen musste, kündige er die lettische Sopranistin Kristine Opolais als Einspringerin in letzter Minute an. Sie hatte am Vorabend auf der Met-Bühne noch die Butterfly gesungen und erst am Morgen von ihrem „Glück“ erfahren. Denn als solches könnte man es durchaus bezeichnen, wenn einem unverhofft eine weltweite Opernübertragung bevorsteht. Diese Rollenkombination an zwei aufeinander folgenden Abenden hat es also in der Met-Geschichte noch nicht gegeben. Und sie ging - wenngleich stimmliche Beurteilungen einer Kinoübertragung nie mit letzter Sicherheit abgegeben werden können - für die Opolais ausgezeichnet aus.

Sie war gleich von Beginn an eine tragische, ja nahezu depressive Mimi und spielte die Rolle mit zwar verhaltener, aber damit umso wirkungsvollerer Empathie beeindruckend glaubhaft. Mit ihrem bestens intonierenden, wohlklingenden und in der Höhe topsicheren Sopran mit seiner leicht abgedunkelten und so zu diesem Rollenprofil bestens passenden Mittellage war sie damit eine sehr gute Mimi, deren Interpretation oft berühren konnte. Vittorio Grigolo agierte als Rodolfo auf entsprechend hohem darstellerischen und stimmlichen Niveau - auch er mit Leib und Seele in seiner tragischen Rolle, fast mit der Emotionalität eines Rolando Villazón. So kam die alles tragende Liebesgeschickte authentisch über die Rampe und den Cinema-Sreen, ganz anders als noch Anfang März zwischen Yusif Eyvasov und Anna Netrebko in der Puccini-„Manon“ in Rom (siehe weiter unten). Allein bei den dramatischeren Höhen verlor der relativ helle aber kraftvolle, sowie leicht baritonal timbrierte Tenor Grigolos etwas an Corpus, auch wenn man nicht von einem Forcieren sprechen kann.

Massimo Cavaletti sang den agilen Marcello mit seinem ausgezeichnet geführten, kultivierten Bariton, einer der besten des Abends. Auch Patrick Carfizzi wusste mit seinem wohlklingenden Bariton als Schaunard zu überzeugen. Allein Oren Gradus fiel mit seinem nicht ganz rund klingenden Bass als Colline etwas gegen die übrigen ab. Ein weiteres stimmliches und mit ihrer gekonnten Koketterie sowie echten Betroffenheit im Finale auch darstellerisches Glanzlicht war Susanna Philips als Musette - offenbar ein großes Nachwuchstalent in diesem Fach. Donald Maxwell rundete als verzopfter Benoit und Alcindoro mit seinem guten Bass das Met-adäquate Ensemble der Protagonisten ab. Die weiteren Nebenrollen waren ansprechend besetzt, sogar der Sängerknabe, der um das Horn und das Pferd bittet. Der Chor agierte sehr engagiert mit kräftigen Stimmen.

Zur Uralt-Inszenierung (und damit ist nicht nur das Alter gemeint…) von Franco Zefirelli, der auch für die verstaubten Bühnenbilder verantwortlich zeichnete, in ebensolchen Kostümen von Peter J. Hall, ist wohl auf allen relevanten Kanälen genug geschrieben worden. In der mausgrauen Lichtgestaltung von Gil Wechsler wirkt das ohnehin auch bühnentechnisch sicher bald baufällige Mansardenheim der Bohemiens über der auf einen Rundhorizont gemalten Stadtsilhoutte von Paris aus der Zeit der Oper noch deprimierender. Der Mittelakt gleicht dem der ebenfalls recht alten Wiener Produktion auf ein Haar. Hand aufs Herz, so kann man heute eigentlich nicht mehr Oper inszenieren bzw. zeigen. Die Zeiten und damit die technischen Möglichkeiten haben sich doch erheblich geändert, und man muss damit vor einem Verismo-Stück nicht unbedingt Halt machen. Gute Ideen sind gefragt, wie man ein solches auch für die heutige Jugend ansprechender zeigen kann. Es handelt sich schließlich um ein universales Meisterwerk, welches eben auch deshalb viele Herangehensweisen zulässt. Andere Met-Produktionen zeigen ja, dass dies auch and diesem Haus mittlerweile möglich ist.

Stefano Ranzani dirigierte das Metropolitan Opera Orchester eher unauffällig, aber hier lässt sich noch weniger sagen als bei den Stimmen. Denn der Klang im Cineplexx war relativ flach und kam einzig aus dem Bereich des Screens. Ein Raumklang, den man eigentlich bei einer solchen Übertragung erwartet und auch herstellen können müsste, hätte hier ganz anders gewirkt und wäre in Zukunft sicher wünschenswert. Zu loben sei abschließend die hervorragende Bildregie von Barbara Willis-Sweete.

Zum Schmunzeln waren einmal mehr die immer wieder bei solchen Übertragungen vorgebrachten Absolutheitsansprüche der Met, diesmal von Moderatorin Joyce DiDonato. Sie hält das Haus im Gespräch mit dem Stage Manager für das meist beschäftigte Opernhaus der Welt und scheint dabei zu vergessen, dass man in Wien am Ring um viele Wochen länger spielt. Sie sollte es eigentlich wissen. Noch bei der „Parsifal“-Übertragung im letzten Jahr war kein Wort davon zu hören, dass die an der Met gezeigte Produktion ihre Premiere in Lyon erlebte…

Klaus Billand 7.4.14

 

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