DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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Ersatz für nicht mögliche Theaterbesuche!  ?

 

Musikfilme aus der Jazzszene und der Rockmusik

Teil 2

 

HELLO DOLLY   Regie        Gene Kelly             Barbra Streisand Louis Armstrong

HUNGARIAN RHAPSODY    Regie      Anthony Mann           Porträtiert ist   Queen

MERCURY TRIBUTE        Reg   David Mallet       Erinnerung an Freddy Mercury

BOHEMIAN RHAPSODY Regie       Bryan Singer       Queen und Freddy Mercury

 

HELLO DOLLY

Das Motto lebenslustigen Witwe Dolly Levi: >Wenn du schon von der Hand in den Mund lebst, nimm wenigstens beide Hände<! 

Die literarische Vorlage für das Musical und den Film stammt von Thornton Wilder. Das Original ist ein Einakter des Engländers John Oxenford, welcher in London 1834 unter dem Titel " A Day Well Spent" uraufgeführt wurde. Nestroy machte daraus 1842 das Singspiel "Einen Jux Will Er Sich Machen". Wilder verlegte die Handlung in die 1890 noch ländliche Umgebung New Yorks, und veröffentlichte das Lustspiel 1955 unter dem Titel "THE MATCHMAKER" (Die Heiratsvermittlerin). Die Figur von Dolly wurde von Wilder eingeführt und lehnt sich an Molières Frosine aus "L’Avare" an.

Das Musical "Hello Dolly", die Musik und den Text schrieb Jerry Herman, wurde 1964 im St. James Theatre am Broadway uraufgeführt und wurde 2844 Mal gespielt. Die Erstaufführung im Londoner West End Drury Lane Theatre war im Dezember 1965.

Der amerikanische Musicalfilm wurde vom Regisseur Gene Kelly gedreht. Barbra Streisand spielte die Hauptrolle als Heiratsvermittlerin Dolly Levi. Walther Mattau interpretiert den griesgrämigen Millionär und Junggesellen Horace Vandergelder. In weiteren Rollen zu sehen und hören: Allen voran Louis Armstrong als Bandleader im vornehmen Musiklokal und Restaurant "Harmonia Gardens", Michael Crawford (Cornelius Hackl), Marianne McAndrew (Irene Molloy) und neben vielen anderen Danny Lockin als Barnaby Tucker. Der Film endet mit der Hochzeit von Dolly Levi und Horace Vandergelder. All's Well That Ends Well!

Der Film lebt, laut Lexikon des internationalen Films, vom überschäumenden Spieltemperament Barbra Streisands, der aufwendigen Ausstattung und der ausgezeichneten Choreografie.

Als Film war Hello Dolly trotz drei Oscar-Auszeichnungen nicht so erfolgreich wie auf der Bühne. Er startete zwar fulminant mit hohen Zuschauerzahlen, welche sehr schnell nachliessen. Die Produktion spielte knapp die Herstellungskosten von 35 Millionen ein. Auch das Album mit dem Soundtrack der Verfilmung erreichte nicht die Erwartungen. Die beste Billboard Platzierung war Nr. 49.

Trotz dem immer noch sehenswerte und gute, sehr Unterhaltung!

 

HUNGARIAN RHAPSODY    TRIBUTE TO MERCURY    BOHEMIAN RHAPSODY 

Drei Filme, ein Thema: Rockmusik von   QUEEN und FREDDY MERCURY

Trotz der gleichen Thematik sind es drei sehr unterschiedliche Produktionen:

Hungarian Rhapsodie ist ein Konzertmitschnitt aus dem Jahr 1986. Das Konzert fand im Népstadion in Budapest am 27. Juli 1986 statt. Von diesem Ereignis, damals das grösste je auf die Bühne gebrachte Konzert, wird noch heute 2012 gesprochen. Gefilmt wurde mit 35mm Kameras. Der ungarische Regisseur János Zsombolay verwendete für die Filmarbeit jede in Ungarn verfügbare 35er Kamera. Dank dem Einsatz von Film anstelle von Video wurde es möglich, das Filmmaterial für die DVD auf High Definition Standard zu remasteren und den Ton in Dolby 5.1 Surround neu abzumischen. Der Film wird ergänzt durch Interviews mit den vier Bandmitgliedern Brian May, John Deacon, Roger Taylor und Freddy Mercury. Der spektakuläre Konzertfilm präsentiert Queen als Band auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Als Band welche die besten Momente auf der Bühne, live, hat. Nach Live Aid 1985 beschloss Queen nur noch in grossen Stadien und Arenen zu spielen. Budapest war einer der ersten Auftritte in einem Stadion (mehr als 100'000 Zuschauer) und sicherlich der erste Grossauftritt einer Rockband aus dem Westen hinter dem damals fast noch eisernen Vorhang dieser Art.

>The Freddy Mercury Tribute Concert QUEEN+< ist das eindrucksvolle Film-Dokument des Konzertes >The Freddie Mercury Tribute Concert for Aids Awareness<. Die restlichen Mitglieder von QUEEN, Roger Taylor, Brian May und John Deacon, organisierten das Freiluft-Benefizkonzert zu Ehren des am 24. November 1991 an AIDS verstorbenen Sängers Freddy Mercury. Zu dieser DVD gehört eigentlich auch Bob Geldofs "Live Aid", dem Rockereignis des Jahres, Live übertragen aus dem Wembley Stadion London und dem John F. Kennedy Stadium Philadephia am 13. Juli 1985. Neben den 70'000 Zuschauern in London sassen ca. 1,5 Milliarden für das Konzert vor dem Fernseher. Was im Rock Rang und Namen hatte war dabei. So zum Beispiel, um nur einige wenige zu nennen: David Bowie, Bob Geldof, Annie Lennox, Gun’s and Roses, Liza Minelli, Elton John, Def Lepard und Zucchero neben Paul Young.

 

BOHEMIAN RHAPSODIE

Bohemian Rhapsodie das biografische Filmdrama der Geschichte von Queen und ihrem Sänger Freddy Mercury. Er beginnt mit der Bandgründung 1970 und endet 1985, einige Jahre vor Mercurys Tod, mit dem Konzert Live Aid im Wembley Stadion. Einige Szenen des Filmes weichen von der historischen Realität ab, was der Qualität des Filmes jedoch nicht schadet, wird doch Mercury als der Lead-Sänger und Showman real porträtiert und die Musik von Queen hervorragend präsentiert. Das Einspielergebnis mit über 900 Millionen Dollar (Mai 2020) platziert die Produktion als erfolgreichste Filmbiografie in der Filmgeschichte. Im Film singt der Hauptdarsteller Rami Malek selber, für das Soundtrack-Album wurde Originale-Aufnahmen von Queen verwendet.

Die Besetzung: Rami Malek (Freddy Mercury), Gwilym Lee (Brian May), Ben Hardy (Roger Taylor), Joseph Mazzello (John Deacon), Lucy Boynton (Mary Austin) und Aidan Gillen als der Produzent John Reid. Am 23. Oktober 2018 war Premiere in der Londoner WEMBLEY ARENA. Diese liegt gegenüber dem Wembley-Stadion, in welchem Queen 33 Jahre zuvor beim Live-Aid Konzert ihre Show präsentierten.

Sassan Niasseri vom Rolling Stone: >Bohemian Rhapsody gerät in der Chronologie der Ereignisse ins Schleudern. Gleichzeitig ist der Film aber auch ein in der Zerrissenheit seines Helden mutiges Statement. Zudem bietet er, was für einen Musikfilm fundamental ist, einen extrem gut klingenden Erzählsound<.

Bei der Oscarverleihung 2019 wurde der Film mit vier Oscars ausgezeichnet, unter anderem Malek als bester Hauptdarsteller

Am 14. März 2019 erschien der Film als DVD und Blu-ray. Neben dokumentarischen Kurzfilmen zur Entstehung des Films ist auch eine 22-minütige Fassung des vollständigen Live-Aid-Auftritts enthalten.

Alle drei Filme sind für die Geschichte der Rockmusik wesentlich, dazu natürlich der nur erwähnte Mitschnitt des Live Aid Konzertes 1985. Alle DVD warten mit erstklassigem Sound und hervorragender Bildqualität auf.

Abspielhinweis: Laut, lauter, so laut als möglich, es handelt sich um Rockmusik!

Peter Heuberger, Basel 24.5.2020

 

 

Musikfilme aus der Jazzszene und der Rockmusik

MY FAIR LADY        Regie George Cukor     Audrey Hepburn       Rex Harrison

THE WALL                Regie    Alan Parker      Porträt von                 Pink Floyd

RYTHM IS IT           Regie   Thomas Grube Musikalische Leitung  Sir Simon Rattle

ROUND MIDNIGHT   Regie Bertrand Tavernier    Porträt von    Dexter Gordon

SHINE ALIGHT         Regie    Martin Scorsese    Porträt von den  Rolling Stones

 

MY FAIR LADY           Ein Film mit vielen Eltern

Das Schauspiel PYGMALION von George Bernard Shaw (1856 – 1950), auf welchem My Fair Lady basiert, wurde am 16. Oktober 1913 im Wiener Burgtheater uraufgeführt. Die deutsche Übersetzung erarbeitete Siegfried Trebitsch.

Das Schauspiel wurde mit Gustaf Gründgens und Jenny Jugo in den Hauptrollen verfilmt. Regie führte Erich Engel. Die Uraufführung fand am 2. September 1935 in Berlin statt. Im Abspann wurde Shaw als Autor aufgeführt. Eine amerikanische Verfilmung stammt aus dem Jahre 1938. 1939 wurde Shaw mit seinem KO-Autor Cecil Lewis mit einem Oscar für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

Bernard Shaw gestattete zu seinen Lebzeiten keine Vertonung seiner Komödie. Erst nach seinem Tode wurde nach langen Verhandlungen mit seinen Erben die Bewilligung erteilt.

1956 verfasste Alan Jay Lerner (1918 – 1986) das Buch und die Liedtexte für das Musical My Fair Lady. Die Musik dazu komponierte Frederick Loewe (1901 – 1988). Die Uraufführung am Broadway im Mark Hellinger Theatre am 15. März 1956 war ein grosser Erfolg. Die beiden Hauptrollen spielten Julie Andrews und Rex Harrison. In New York feierte das Musical Dernière erst nach 6 Jahren und 2'717 Vorstellungen. Im Londoner Drury Lane Theatre lief das Musical 5 1/2 Jahre und erreichte 2'281 Vorstellungen. Die Hauptrollen wurden auch in London von Julie Andrews und Rex Harrison gespielt, Regie führte wie auch in New York Moss Hart. (Never Change A Winning Team)

1964 wurde das Musical verfilmt. Regie führte George Cukor. Rex Harrison übernahm die Hauptrolle als Professor Higgins. Audrey Hepburn spielte Eliza Doolittle, das Blumenmädchen. Die Gesangsnummern von Eliza übernahm im off Marni Nixon, da Hepburn nicht singen wollte. Dasselbe gilt für Jeremy Brett in der Rolle von Freddy Eynsford-Hill. Seine Gesangsnummern übernahm Bill Shirley. In weiteren Rollen zu sehenund hören: Stanley Holloway als umwerfend komischer Alfred Doolittle, Wilfrid Hyde-White (Col. Hugh Pickering), Gladys Cooper (Mrs. Higgins) und viele andere mehr. Der Film wurde 1964 mit acht Oscars ausgezeichnet, darunter "Bester Film" "Beste Regie" und "Bester Hauptdarsteller "      

Auch nach 56 Jahren ist der Film sehenswert und amüsant. Seine Qualität liegt einerseits in der Komposition von Loewe und andererseits an der hervorragend geschriebenen adaption für die Bühne von Alan Jay Lerner, welcher auch das Drehbuch verfasste.

"In Aufmachung und Ausstattung getreue Bühnenadaption, die trotz Superformat auf filmische Effekte weitgehend verzichtet. Eine gute Unterhaltung." (© Evangelischer Filmbeobachter 1965)

>Aufwendige Verfilmung des klassischen Musicals. Ein intellektueller Genuss, beispielhaft in der Geschichte des Genres: Die hohe Stilisierung, dem Musical ohnehin eigen, wird witzig, gescheit und romantisch auf die Spitze getrieben<. (Lexikon des internationalen Films, 1997)

My Fair Lady wurde 2016 neu digitalisiert und ist auf Blue Ray DVD erhältlich.

   

THE WALL      PINK FLOYD           Der Film zum Konzeptalbum THE WALL

Der Film erzählt die Geschichte des Rockmusikers Pink, der sich gedanklich mit seiner eigenen Situation auseinandersetzt. Der Film lässt Erinnerungen, Vorstellungen, Ängste und Träume des Darstellers Revue passieren und in Form von kurzen Szenen, Einspielfilmen und Videoclips sichtbar werden. Der Film wird untermalt mit der Musik von Pink Floyd, ebenfalls verantwortlich für die Grundidee, den Text und die Musik. Immer wieder taucht das Motiv der Mauer auf, dies als Sinnbild von Vereinsamung, Abkapselung und Eingesperrt sein auf. Diese Mauer soll auch das Fehlen sozialer Kontakte verdeutlichen. Corona lässt grüssen. Auch führt die Mauer im Kopf schließlich zum Wahnsinn, zum klinischen Fall für die Nervenheilanstalt, ein Fall für den Psychiater und letzten Endes auch zu Pinks absoluter Sprachverweigerung.

Die Hauptrolle, den Rockmusiker Pink, spielt Bob Geldof (Boomtown Rats, Band Aid, Live Aid). Regie führte der Engländer Alan Parker. Das Drehbuch verfasste der Pink Floyd Bassist und Sänger Roger Waters. Der Film erschien im Jahr 1982 und ist heute, nach 38 Jahren, immer noch so aktuell wie damals. Die Songs wie >we dont need no education<, >another brick in the wall<, oder auch >mother< klingen heute noch so frisch wie eh und je. Auch ist Inhalt und schauspielerische Leistung anderen Filmen, welche sich an eher jugendliche ZuschauerInnen wendet weit überlegen. Als Beispiel sei nur an das dümmliche, trotzdem finanziell erfolgreiche Machwerk >FACK JU GÖHTE< aus Deutschland erinnert, davon gibt es beklagenswerter weise Teile 1 bis 4. (Pecunia Non Olet)

In The Wall fällt eine Diskrepanz zwischen der Unberührtheit, dem Frieden, der Stille der Kindheitserinnerungen, und der Übermächtigkeit der Erwachsenenwelt auf. Mit der Kindheit hört, folgt man der Aussage des Films, ein friedfertiges, behütetes, angenehmes, vielleicht gerechtes Leben auf.

Der Film THE WALL ist auch nach 38 Jahre noch sehenswert, genauso wie das Konzeptalbum THE WALL hörenswert bleibt, von welchem über 30 Millionen Exemplare verkauft wurden.

 

RYTHM IS IT                           You Can Change Your Life In A Dance Class

Sir Simon Rattle: >Mit Jugendlichen ein Tanzprojekt zu Igor Strawinskys LE SACRÉ DU PRINTEMPS zu machen, ist ein lange gehegter Wunsch von mir. Warum gerade Sacré? Für mich ist dieses energiegeladene Werk eines der kraftvollsten Stücke, das je geschrieben wurde. Diese Musik erfasst unmittelbar den gesamten Körper<. (© Boomtown Media)

>Ballett ist Tanz und Tanz ist Bewegung und Bewegung ist Leben<! (Mario Schröder, Ballettdirektor und Chefchoreograf des Leipziger Balletts)

Der Choreograf Royston Maldoom : >You Can Change Your Life In A Dance Class<

Anfangs 2003 begannen die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle zusammen mit dem Choreografen und Tanzpädagogen Royston Maldoom und seinem Team das Projekt, das fast unmöglich erscheinende Projekt "LE SACRÈ DU PRINTEMPS".

250 Kinder und Jugendliche aus mehr als 20 Nationen, alle aus überwiegend problematischen Berliner Schulen, studierten in nur sechs Wochen eine Tanzaufführung zu klassischer Musik. Die jungen Leute waren weder mit klassischer Musik noch mit Tanz vertraut.

Im Film werden einzelne Jugendliche vorgestellt. So zum Beispiel der kaum deutschsprechende Olayinka, ein Kriegswaise aus Nigeria oder auch Marie, die sich für faul hält, während der Proben aber beschliesst den Realabschluss zu machen.

Der positive Einfluss auf die Kinder und Jugendlichen, welcher Maldoom mit seinen Appellen an Selbstdisziplin, Eigenverantwortlichkeit und Glauben an die individuellen Möglichkeiten hatte, wird im Film hervorragend visualisiert und auch mit vielen Gesprächen verstärkt. Auch ist der Einfluss der anstrengenden Trainingssequenzen auf die Beweglichkeit der TeilnehmerInnen unübersehbar. Dabei zeigt der Film die Entwicklung der jungen Menschen, die aus den wachsenden Erfolgen Selbstbewusstsein ziehen und als Persönlichkeit reifen. Er zeigt aber auch das Chaos der Proben, den unmotivierten Beginn der Jugendlichen und die Interventionen der besorgten Lehrer, die fürchten, ihre Schüler würden von Royston Maldoom überfordert.

ERGÄNZT WIRD 3 DISC COLLECTOR’S EDITION mit wesentlichen Beiträgen zur Entstehung und Vollendung des Projektes "RYTHM IS IT".

Das Projekt wurde aufgrund des großen Zuspruchs weitergeführt. Die Berliner Philharmoniker setzten ihre Kooperation mit anderen Ballettstücken und Choreografen in den folgenden Jahren fort.

Der Film, Regie führten Thomas Grube und Enrique Sánchez Lansch, wurde mit einigen Preisen ausgezeichnet, darunter auch 2006 bei ECHO KLASSIK: >Beste DVD des Jahres<

Die Kritiken waren generell sehr positiv, wenn auch bemängelte wurde, dass nur die Erfolge gezeigt wurden, die Abbrecher, Aussteiger aber unterdrückt sind.

WELT AM SONNTAG: >Die Filmemacher Thomas Grube und Enrique Sánchez Lansch verwenden Strawinskys Stück nicht nur als Bühnenmusik, sie binden damit auch immer wieder Berliner Stadtbilder in die Geschichte der Aufführung ein, Impressionen einer faszinierenden, zwielichtigen Urbanität. Die spannendsten Momente aber zeigen Choreograph Royston Maldoom bei der Probenarbeit mit den Jugendlichen. Maldoom ist das Herz des Films: ein Zauberer, ein Alchimist der Begeisterung, der sich zu Beginn provokant als strenger Lehrmeister zu erkennen gibt<.

Sehenswert und sehr informativ, vor allem in den zusätzlichen Sequenzen und Interviews!

 

ROUND MIDNIGHT                Echter Jazz beginnt immer um Mitternacht

Die Geschichte welche Bertrand Tavernier erzählt, beginnt Mitte der 1950er Jahre in Paris. Dale Turner, ein alkoholabhängiger amerikanischer Saxophonist (Dexter Gordon) spielt Abend für Abend im Blue Note, wo er schon 15 Jahre früher mit grossem Erfolg aufgetreten ist.

Francis Borier (Francois Cluzet) ist ein großer Fan von Dale Turner. Er lebt allein mit seiner Tochter Beranger (Gabrielle Haker), die unter der Trennung der Eltern und der häufigen Abwesenheit ihres Vaters leidet. dieser verfolgt Abend für Abend, den Eintritt kann er sich nicht leisten kann, am geöffneten Fenster des Jazzclubs hockend, die Konzerte Turners. Eines Nachts kommt Turner auf der Suche nach einem Drink aus dem Club und stößt auf Francis. Er bittet diesen, ihm einen Drink zu spendieren. So beginnt die Freundschaft der beiden. Bertrand Tavernier inszeniert die Geschichte dieser ungleichen Freundschaft vor dem Hintergrund der zeitlosen Musik von Dexter Gordon, Herbie Hancock und Wayne Shorter.

Die Geschichte, das Drehbuch stammt von Tavernier und David Rayfiel, basiert auf der Freundschaft zwischen dem Jazz-Pianisten Bud Powell und dem französischen Jazz-Autor Francis Paudras. Der Film gibt schließlich ein stimmiges Bild der Pariser Jazz-Szene. Tavernier legt grösseren Wert auf die musikalische Besetzung der Rollen als auf die schauspielerische Qualität der Protagonisten. Dies im Gegensatz zu anderen Regisseuren wie zum Beispiel Clint Eastwood in seinem Film BIRD, einem Porträt von Charlie Parker. Bei Eastwood sind die auftretenden Darsteller Schauspieler und nicht Musiker. In ROUND MIDNIGHT spielen neben Dexter Gordon, welcher eine Figur ähnlich Lester Young verkörpert, auch die Musiker Wayne Shorter, Tony Williams, Billy Higgins, John McLaughlin, Eric Le Lann, Michel Perez, Freddy Hubbard, Pierre Michelot und der Bassist Ron Carter. Geleitet werden die Musiker von Herbie Hancock, auch er tritt als Pianist im Film auf.

Round Midnight, Um Mitternacht gilt unter Kennern der internationalen Jazzszene als einer der besten Musikfilme, welcher dem Jazz gewidmet ist. Für Jazzaffine Menschen, für Musikliebhaber ganz allgemein ist der Film von Bertrand Tavernier ein Muss.

Die DVD Um Mitternacht, erschienen 2005, hat die ISBN-Nummer 7 321921 049491

 

SHINE A LIGHT       THE ROLLING STONES als Filmerlebnis

Martin Scorsese drehte den Konzertfilm über die ROLLING STONES im Herbst 2006. Als Drehort für die zwei Konzertabende 29. Oktober und 1. November 2006) diente das BEACON THEATRE in New York. Der erste Abend war Bestandteil einer Benefizveranstaltung von Bill Clinton, welcher mit seiner Gattin im Film zu sehen ist. An den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2008 (Berlinale) feierte Scorseses Film Weltpremiere. Im gleichen Jahr erschien der Film-Soundtrack als CD.

Der Filmtitel erinnert an das Lied der Stones aus dem Jahr 1972, erschienen auf dem Stones-Album "Exile on Main Street"       

Um alle interessanten Momente auf der Bühne zu dokumentieren, setzte der Regisseur 16 Filmkameras ein, (35 mm von Arnold und Richter Arri) dazu eine digitale Kinokamera (Panavision Genesis). Abseits der Bühne kamen zwei 16mm Arri-Kameras zum Einsatz, welche mit S/W Film geladen waren.

Beim Schneiden des Films entschied man, den Auftritt vom 1. November 2006 in den Film zu übernehmen. Es zeigte sich, dass sowohl das Konzert als auch die Kameraarbeit beim zweiten Konzert wesentlich besser waren.

Als Musiker und Musikerinnen sind im Film zu hören und sehen: Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts und Ron Wood, The Rolling Stones. Dann drei ehemalige Bandmitglieder: Darryl Jones, Chuck Leavell, Bobby Keys. Für Backing-Vocals verantwortlich: Bernard Fowler, Lisa Fischer und Blondie Chaplin. Und die zusätzlichen Musiker Tim Ries, Michael Davis, Kent Smith, Jack White III, Buddy Guy und Christina Aguilera.

Die bildgewaltige, musikalisch packende Dokumentation über die Stones erschien im Arthaus Verlag Leipzig unter der ISBN-Nummer 4 006680 042626

The Rolling Stones touren 2020 noch, das heisst, sie wären jetzt in Amerika und Kanada auf Tour. Kick Off war für den 8. Mai 2020 in San Diego geplant. Auch das letzte Konzert hätte am 9. Juli in Atlanta musste aus aktuellem Anlass gestrichen werden, dies zum grossen Bedauern der Stones und ihrem Management. Es scheint noch nicht klar zu sein ob überhaupt und wenn ja, wann die Ersatzkonzerte stattfinden.

Peter Heuberger, Basel 22.5.2020

 

 

Die leichte Muse des Musiktheaters – Operette und Musikfilm

IM WEISSEN RÖSSL              Regie  Werner Jacobs

DAS LAND DES LÄCHELNS    Regie Arthur. M. Rabenalt   Dirigent Wolfgang Ebert

DER ZAREWITSCH                Regie      Arthur. M. Rabenalt   Dirigent Willy Mattes

DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN          Regie  Miklós Szinetár             Dirigent Bert Grund

 

Einige Bemerkungen zur Operettengeschichte seien mir erlaubt: Die Musikgeschichte benennt zwei Zeiten der Operette: >Die GOLDENE und die SILBERNE Operettenära<. Goldene Operettenära, war der Zeitabschnitt der Wiener Operette von etwa 1860 bis ungefähr 1900. Die Verklärung dieser Zeit zur goldenen Ära begann im Zuge der Alt-Wien Mode in den 1920er-Jahren.

Silberne Operettenära wird der Zeitabschnitt von 1900 bis um 1940 in der Geschichte der Wiener Operette genannt, der auf die goldene Operettenära folgt. Die Komponisten, darunter unter vielen anderen auch Erich Wolfgang Korngold, wollten der Unterhaltungskultur dieser Jahre, wie zum Beispiel den inhaltlich unzusammenhängenden Revueoperetten, verlorene Ideale gegenüberstellen. Ob die geringere Wertung der >Silbernen Operette< berechtigt ist oder nicht bleibe dahingestellt.

Der Begriff >Silberne Operette< wurde in den 1930er- Jahren von den Nationalsozialisten instrumentalisiert und richtete sich in dieser Verwendung vor allem gegen jüdische Komponisten und Textautoren.

Die Zeit der goldenen Operette wurde geprägt von Johann Strauss (Sohn), Franz von Suppé, Richard Heuberger, Carl Millöcker und anderen. Sopranistinnen war die Stars der Uraufführungen, Tenören standen noch nicht so im Rampenlicht.

Als Hauptvertreter der silbernen Ära sind Franz Lehár, Leo Fall, Emerich Kálmán, und auch Ralph Benatzky zu nennen. Die grossen Stars der Operettenbühne zu dieser Zeit: Richard Tauber, Jan Kiepura, Joseph Schmidt und, neben vielen anderen Fritzi Massary.

Die nachfolgend vorgestellten Produktionen sind, neben vielen Anderen, nicht mehr und nicht weniger als gute Unterhaltung aus dem Operetten-Repertoire. Alle Filme sind reine Musikfilme und haben mit Bühnenproduktionen ausser Libretto und Musik nichts zu tun. Dabei sind Handlung und Musik für das Massenmedium Film und Fernsehen sinnvoll bearbeitet worden.

Das dreiaktige Singspiel IM WEISSEN RÖSSL von Ralph Benatzky feierte seine Uraufführung am 8. November 1930 im GROSSEN SCHAUSPIELHAUS in Berlin. Die Vorlage für das von Ralph Benatzky, Hans Müller-Einigen und Erik Charell verfasste Libretto war das gleichnamige Buch von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg. Die Liedtexte stammen von Robert Gilbert.

Der österreichische Spielfilm mit Musik wurde 1960 an den Originalschauplätzen am Wolfgangsee gedreht. Regie führte Werner Jacobs. Die Hauptrolle als singender Oberkellner Leopold Brandmeyer spielt und singt Peter Alexander. In den weiteren Rollen zu sehen: Waltraud Haas als die Rössl-Wirtin Josepha Vogelhuber, Karin Dor als Brigitte Giesecke und Adrian Hoven als Dr. Siedler. Umwerfend interpretiert Gunther Philipp den schönen Sigismund.

Der Film wird stark dominiert von einem grossen Star der 60er Jahre, dem unvergesslichen Entertainer Peter Alexander. Er ist, neben Gunther Philipp, der einzige singende und spielende Akteur. Alle anderen Schauspieler und Schauspielerinnen sind reine Sprechrollen inszeniert. Die Adaption zu einem Film-Drehbuch durch Helmuth M. Backhaus und Janne Fuchs basiert auf der literarischen Vorlage von Blumenthal und Kadelburg. Der Film hat bis auf die gesungenen Partien wenig mit der Originaloperette zu tun. Auch sind auch die Gags und komischen Situationen ein bisschen zu aufgesetzt, zu vordergründig. Der Film ist amüsante Unterhaltung und mehr will er, kann er auch nicht sein.

Meiner Meinung nach ist das Urteil >Überladen, reich an plumper Situationskomik, arm an natürlicher Heiterkeit<. (© Lexikon des internationalen Films) zu hart. Besser ausgedrückt:     >Die Story wurde ganz auf die Jetzt-Zeit gestellt und auf >Musical< getrimmt<. (© Filmblätter) und als ein Musical kann der Film ohne weiters bezeichnet werden.

Die gesungenen Lieder sind: Im weißen Rössl am Wolfgangsee (Peter Alexander mit Chor), Es muss was Wunderbares sein (Peter Alexander), Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein (Peter Alexander mit Chor),Zuschau’n kann I net (Peter Alexander), Was kann der Sigismund dafür (Gunther Philipp),Es ist einmal im Leben so (Peter Alexander), Das ist der Zauber der Saison (Peter Alexander mit Chor), Aber meine Herrschaften (Peter Alexander).

Bis in die 20er Jahre war eine Operette ohne Happy End undenkbar. Nach Ende des >Grossen Krieges<, heute als erster Weltkrieg bezeichnet, war eine Operetten mit glücklichem Ende auch bei Franz Lehár nicht mehr denkbar. Die Betrübnis in Form eines glücklichen Endes wurde zum Markenzeichen des zweiten Lehárbooms. Dies gilt auch für Lehárs Kompositionen DER ZAREWITSCH (1927) und DAS LAND DES LÄCHELNS (1929).

DAS LAND DES LÄCHELNS wurde unter der Regie von Arthur Maria Rabenalt 1974 auf Zelluloid gebannt. Starsolisten in diesem bei allen Adaptionen sehr sorgfältig produzierten Musikfilm sind und vielen anderen Rene Kollo (Sou-Chong), Dagmar Koller (Mi), Fred Liewehr (Graf Ferdinand), und Birgit Pitsch- Sarata (Lisa, seine Tochter).

Die musikalische Bearbeitung wurde Bert Grund übertragen. Das Radio Sinfonieorchester Stuttgart musizierte unter der Leitung von Wolfgang Ebert. Das Drehbuch stammt von Rabenalt selber und basiert auf dem Originallibretto von Ludwig Herzer, Fritz Löhner-Beda und Viktor Léon. Das LAND DES LÄCHELNS gehört mit der LUSTIGEN WITWE und mit DER ZAREWITSCH zu den erfolgreichsten Kompositionen Lehárs. Die Operette stammt aus der letzten Schaffensphase des Komponisten und darf als Annäherung an eine Oper bezeichnet werden.

Die Personenführung des Regisseurs ist dem dramaturgischen Ablauf folgend absolut zwingend und kann nur als hervorragend bezeichnet werden. Die Sängerinnen und Sängerinnen interpretieren sowohl ihre Gesangspartien als auch ihre Sprechrollen optimal. Herausragend dabei Kammerschauspieler Liewehr als Graf Lichtenfels, Hofrat im Handelsministerium. Rene Kollo singt mit der bei ihm immer klaren Diktion, vollendet in Intonation und perfekt in Körpersprache, Mimik und Gestik. Dasselbe gilt auch für Dagmar Koller als Sou-Chongs Schwester Mi.

Ein Jahr früher, 1973 produzierte Arthur Maria Rabenalt als Fernsehfilm Franz Lehárs Operette DER ZAREWITSCH. Die Hauptrolle in der Uraufführung am 21. Februar 1927 in Berlin im DEUTSCHEN KÜNSTLER THEATER wurde von Richard Tauber gespielt und gesungen.

Das Drehbuch zu diesem Film schrieb Rabenalt zusammen mit Wolf Neuber. Die Grundlage dazu bildet das Originallibretto von Leo Stein, Béla Jenbach und Heinz Reichert aus dem Jahr 1914. Die Bearbeitung und Adaption an das Filmdrehbuch der Partitur wurde wiederum Bert Grund übertragen. Das Symphonie-Orchester Kurt Graunke leitete Willy Mattes.  

Die Rolle des Erbprinzen, des Zarewitsch übernahm der polnische Tenor Wieslaw Ochmann. Die Rolle seiner Geliebten Sonja interpretierte Theresa Stratas. In weiteren Rollen zu sehen und hören: Als Grossfürst Paul Esser, der Schweizer Schauspieler Lukas Ammann als Ministerpräsident, Harald Juhnke als Leiblakai Iwan und Birke Bruck als die Frau Iwans.

Die Geschichte basiert auf einer historisch belegten Begebenheit. Der Sohn Peters des Grossen und russischer Thronerbe wurde inhaftiert, nachdem er sich dem Willen seines Vaters widersetzt hatte und mit einer jungen Finnin nach Neapel floh. Daraus entstand ein romantischer Mythos, welche Franz Lehár zu einer vielschichtigen Operette inspirierte. Die Reihenfolge der Musiknummern entspricht nicht der Originalpartitur Lehárs. Sie wurde von Bert Grund für die Filmdramaturgie abgeändert. So beginnt der Film mit der wohl bekanntesten Nummer, dem WOLGALIED und endet (ohne Happy End)! wie in der Originalpartitur mit dem Lied: >WARUM HAT JEDER FRÜHLING ACH NUR EINEN MAI<?

Der Fernsehfilm der Erfolgsoperette Lehárs ist eigentlich zeitlos und kann immer wieder mal mit Genuss betrachtet werden.

Emmerich Kálmáns Komposition DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN wurde während des ersten Weltkrieges am 17. November 1915 im Johann-Strauss Theater in Wien uraufgeführt. Das Libretto verfassten Leo Stein und Bela Jenbach. Die Handlung ist im kaiserlich-königlichen Habsburgerreich, k. u. k. Monarchie, angesiedelt. Die Zeit ist nicht festgelegt. Die Handlung nimmt im Gegensatz zu den späten Lehár Kompositionen ein glückliches Ende. Eigentlich kann das Werk Kálmáns als intelligente Revue-Operette bezeichnet werden.

Die deutsch-ungarische Co-Produktion wartet mit einer Besetzung auf, welche besser fast nicht zu haben wäre: Anna Moffo singt und tanzt die Csardasfürstin Sylva Varescu, Rene Kollo interpretiert den adligen Junior Edwin von Lippert-Weylersheim, Dagmar Koller erscheint als hinreissende Stasi Planitz.

Die Spielleitung war beim ungarischen Regisseur Miklós Szinetár in besten Händen. Das Symphonie-Orchester Kurt Graunke unter der Stabführung von Bert Grund, er besorgte auch die musikalische Bearbeitung, spielte Kálmáns Musik gekonnt und mit viel Gefühl für Rhythmik und Melos, ohne jedoch Präzision und saubere Ansätze der Blechbläser vermissen zu lassen.

Im Unterschied zu der 20 Jahre älteren Version von 1951, welche eine sehr freie Bearbeitung des Stoffs darstellte, folgt diese Fernsehadaption sehr viel enger den literarischen und musikalischen Vorgaben des Originals. Verfilmt wurde die 1951er Version mit Marika Röck, Johannes Heesters und Margarete Slezak, der Tochter von Leo Slezak.

Alle vier beschriebenen Filme dürfen als Sehens- und hörenswert bezeichnet werden.

Auch Musikfilme sind Musiktheater. Sie gelten zu Unrecht als banal und oberflächlich. Kunst kommt von Können, eine uralte Weisheit. Die Sängerinnen und Sänger, Dirigenten und Dirigentinnen, Musikerinnen und Musiker, RegisseurInnen und Kamera-Männer und-Frauen beherrschen ihr Fach, sind als Könnerinnen und Könner.

Es gibt für alle Kunstgattungen nur eine Beurteilung: Ist das Werk gut gemacht oder ist es schlecht gemacht. Und auch dieses Urteil kann nicht als Allgemeingut behandelt werden, sondern unterliegt den Vorlieben, der Geschmacksrichtung des Einzelnen.

Peter Heuberger, Basel 11.5.2020

 

 

Verfilmte Bühnenproduktionen und Musikfilme

LA TRAVIATA    1995     Dirigent:    James Levine        Regie:   Franco Zeffirelli

LA TRAVIATA    2002     Dirigent:   Placido Domingo Regie:   Franco Zeffirelli

LA TRAVIATA    2006     Dirigent:  Carlo Rizzi             Regie:   Willy Decker

DON GIOVANNI 1966   Dirigent:  Zdenek Kosler       Regie:   Walter Felsenstein

FIDELIO  1956              Dirigent:   Fritz Lehmann       Regie:   Walter Felsenstein

 

La Traviata ist eines der meistgespielten Werke im internationalen Repertoire der Opernhäuser. Es ist nach Aida und vor Othello die am meisten auf Ton- und Bildträgern zu findende Komposition Giuseppe Verdis. Es ist sehr interessant, die drei Produktionen zu vergleichen.

LA TRAVIATA 1995

Franco Zeffirelli setzt in seinem Traviata-Film aus dem Jahr 1995 mit viel Empathie und Sorgfalt den Stoff der Oper Verdis in einen Spielfilm um. Es ist keine Dokumentation der Bühnenarbeit von Künstlern oder des Regisseurs, es ist ein Spielfilm, nicht mehr und nicht weniger. Es ist der erste Opernfilm Zeffirellis. Das Filmkonzept geht auf seine Inszenierung am Opernhaus Dallas, Texas aus dem Jahre 1958 zurück. Maria Callas sang dort die Violetta, ihr Partner als Alfredo Germont war Alfredo Kraus.

James Levine dirigiert Chor und Orchester der Metropolitan Opera. Die Besetzung der Hauptrollen mit Weltstars, welche auch in den USA grosse Namen hatten, garantierte den Erfolg in den Kinotheatern weltweit.

Violetta Valery wird interpretiert von Teresa Stratas. Plácido Domingo singt den Alfredo Germont und als Vater von Alfredo, Giorgio Germont auf der Leinwand: Cornell Macneill. Stratas überzeugt vom ersten bis zum letzten Bild. Sie spielt nicht Violetta, sie ist Violetta. Nicht ganz so überzeugend wirkt Domingo. In seinem Alfredo ist der Domingo immer noch sehr stark zu spüren, wobei seine Intonation und Diktion makellos ist. Meine Kritik bezieht sich auf Mimik, Gestik und Körpersprache.

Ohne jegliche Einschränkung muss die Regiearbeit Zeffirellis, sein Drehbuch und die Bühnenentwürfe gelobt werden. Die Visualisierung des Vorspiels eine der Besten, welche ich je in einem Opernfilm gesehen habe. Die einzige in der Qualität vergleichbare Arbeit ist die bildliche Umsetzung Joseph Losey’s der Ouvertüre von Don Giovanni. Seine Personenführung der Solisten, des Chores, der Nebendarstellerinnen und Nebendarsteller ist ausgezeichnet. Sehr viel Aufmerksamkeit hat der Regisseur der Schlüsselszene der Oper gewidmet: Das erste Zusammentreffen von Violetta Valery mit Giorgio Germont. Wenn diese Szene unglaubwürdig daherkommt, wird das ganze Drama um Violetta und ihren geliebten Alfredo unglaubwürdig.

Die akustische Balance zwischen Orchester, Solisten und Chor wurde von James Levine hervorragend gemeistert. Dank moderner Aufnahmetechnik und sehr gutem Playback bei den Dreharbeiten sind nicht absolut synchrone Partien fast nicht vorhanden und meist nur von Fachleuten bemerkbar.

LA TRAVIATA 2002

Zeffirellis Traviata aus dem Jahre 2002 ist eine verfilmte Bühnenproduktion aus dem Teatro Verdi Busseto. Das Orchester und der Chor der FONDAZIONE ARTURO TOSCANINI wurde dirigiert von Plácido Domingo.

Der Regisseur hat versucht, seine filmische Inszenierung aus dem Jahr 1995 auf der Bühne zu realisieren. Dies gilt für allem für die Visualisierung des Vorspiels. Wirklich gelungen ist ihm dies allerdings nicht, zu unterschiedlich sind die Gegebenheiten auf dem Filmset und der Bühne. Aber dies nicht der eigentliche Kritikpunkt bei dieser RAI Produktion: Ungenügend, ja sehr schlecht ist der akustische Ausgleich zwischen dem Orchestergraben und der Bühne: Oft ist das Orchester zu laut und verdeckt die Arbeit der Solistinnen und Solisten auf der Bühne, dies mit Ausnahme der Chorpartien, welch allesamt zu laut, zu vordergründig abgemischt wurden. Ich habe den Eindruck, dass Domingo die fertige Abmischung nicht wirklich sorgfältig studiert hat. Sonst hätten ihm als Sänger die Fehler in der musikalischen Balance auffallen müssen. Die Besetzung ist eigentlich ansprechend und wenn man dann die Solisten mal gehört hat, waren ihr stimmlichen Leistungen ansprechend. Die schauspielerischen Leistungen sind schlecht zu beurteilen da sehr oft Grossaufnahmen eingeblendet wurden, welche dann schlussendlich den Eindruck vom Rampensingen erzeugten. Alles ins allem: Eine DVD, welche nicht zwingend Gründen gekauft werden muss und nur im geschichtlichen Kontext interessant ist. Die italienische Produktion wird trotz dem geschichtsträchtigen Aufführungsort dem Werk Verdis nicht gerecht.

Die Besetzung in den Hauptrollen: Stefania Bonfadelli (Violetta Valery), Scott Piper (Alfredo Germont), Renato Bruson (Giorgio Germont) u.a.m.

LA TRAVIATA 2005

LA TRAVIATA war die letzte Neuproduktion der Salzburger Festspiele 2005. Die sieben vorgesehenen Aufführungen waren anscheinend massiv überbucht. Karten wurden, Gerüchten zufolge zu Preisen in der Grössenordnung von € 2000.00 gehandelt. Zur Überbuchung muss, wenn es denn stimmt, nur geschrieben werden: >Das darf einer Institution wie den Salzburger Festspiele nicht passieren und kann im Zeitalter der Informatik nur mit Ignoranz, Gleichgültigkeit und dem nicht prominenten Publikum gegenüber als elitäre Arroganz bezeichnet werden.

Es ist selten, dass die Kunstform Oper derartig grosse mediale Präsenz erreicht. Ausnahmsweise wurden Beiträge zu den besten Sendezeiten ausgestrahlt. Dies dürfte vor allem den beiden umjubelten Künstlern Anna Netrebko und Rolando Villazón zuzuschreiben sein. So ganz Nebenbei ist anzumerken, dass die beiden auch noch hervorragend singen. Die internationale, deutschsprachige Kritik beurteilte die Leistung von Anna Netrebko als Violetta Valery und Rolando Villazón sehr positiv. Mit dieser Beurteilung liegt diese internationale Kritik absolut richtig.

Was allerdings die schauspielerischen Leistungen in der Salzburger Produktion betrifft bin ich persönlich nicht so enthusiastisch. Die schauspielerische Interpretation der Kurtisane Valery durch Netrebko ist zu oberflächlich, zu leichtfüssig. Violetta Valery wird von Alexandre Dumas d. j. in seinem Roman "LA DAME AUX CAMÉLIAS" als starke Persönlichkeit dargestellt und so wird sie auch von Francesco Maria Piave in seinem Libretto charakterisiert. Die Figur Valery wird von der Sängerin Netrebko zu stark dominiert. Gerade das Charisma Netrebko’s verhindert eine Interpretation der Kameliendame, welche dem Libretto und der Romanvorlage entspricht. Und ohne die schauspielerisch Rollengerechte Interpretation kann ein Sänger, eine Sängerin musikalisch noch so gut sein, die dargestellte Rolle überzeugt nur teilweise. Leider treffen meine Aussagen im gleichen Mass auch auf Rolando Villazón zu.

Es ist möglich, dass der Regisseur Willy Decker sich gegenüber den beiden Künstlern nicht durchsetzen wollte oder konnte. Ich habe Arbeiten von Decker gesehen, welche wesentlich besser daher kamen so zum Beispiel seine Zürcher Inszenierung aus dem Jahr 1917 von Claudio Monteverdi IL RITORNO DI ULISSE IN PATRIA. Deckers Personenführung beachtet legt im allgemeinen grossen Wert auf die schauspielerische Stringenz einer Darstellung, der Charakterisierung auf der Bühne. Wie dem auch sei, ich beurteile nach meinem persönlichen Gusto.

Auch die Salzburger Version von La Traviata ist nach meiner Meinung kein absolutes Muss in einer Sammlung von Opern auf DVD.

DON GIOVANNI 1966

In den Jahren 1965 und 1966 wurde Felsensteins Komische Oper Berlin umfangreich modernisiert. Am 4. Dezember 1966 wurde das Haus mit Walter Felsensteins Inszenierung DON GIOVANNI wiedereröffnet.

Der Film Don Giovanni ist eine schwarz - weiss Produktion, welche die Eröffnungsaufführung von 1966 zeigt. Die Erstausstrahlung des Films erfolgte am Premierentag, dem 4. Dezember 1966 zeitgleich auf Inter- und Eurovision.

Wie bei allen seinen Inszenierungen erarbeitete Felsenstein eine neue, auf den Originalquellen basierende deutsche Version des Librettos.

Der Film wurde anlässlich der dritten Hauptprobe am 2. Dezember 1966 ohne Publikum aufgezeichnet. Applaus wurde anlässlich der Generalprobe am 3. Dezember aufgenommen und in den Film einkopiert.

Wie bei allen Inszenierungen Felsensteins gibt es in Bezug auf die Darstellung, der Charakterisierung der Personen nichts zu bemängeln, zu akribisch und zwingend ist die Regiearbeit, die Personenführung des Regisseurs. Trotz hervorragender Rezeption national und international war er aber nicht zufrieden mit seiner Arbeit. In einem Brief an Siegfried Melchinger: >Ich betrachte- im Ganzen gesehen- meinen Giovanni insofern als misslungen, als er- wahrscheinlich auf dem richtigen Weg befindlich- in einem noch kaum verständlichen Arbeits-Stadium gezeigt werden musste. Ich möchte ihn wirklich noch einmal machen<. (©Felsenstein Edition)

Es war dies die erste Giovanni Inszenierung Felsensteins. Er wurde verschiedene Male eingeladen, Don Giovanni zu inszenieren, lehnte aber jedes Mal ab. In Berlin jedoch hatte er das Gefühl, seinem Publikum dieses Werk schuldig zu sein. Und diese Schuld beglich er auf seine eigene Art, mit einer Inszenierung, welche neue Einblicke in die Psychologie des Dramas Mozart’s erlaubte, mit der er, Felsenstein, nicht zufrieden war.

FIDELIO 1956

Walter Felsenstein hat Fidelio auf der Bühne nur zweimal inszeniert: 1927 in Beuten und 1931 in Freiburg. Weitere Inszenierungsangebote lehnte er ab. Felsenstein war der Meinung, dass Fidelio auf der Opernbühne nicht realisierbar sei.

Er sagte jedoch zu, als ihm 1953 aus Österreich angeboten wurde, Fidelio zu verfilmen. Wien-Film am Rosenhügel unterstand zu dieser Zeit der sowjetischen Besatzungsmacht. Zusammen mit Hanns Eisler, welcher 1948 aus dem Exil heimgekehrt war, erarbeitete Felsenstein das Drehbuch. Für Eisler war Fidelio nicht oder nicht nur ein "Hohelied der Gattenliebe". Diese Aussage hielt Hanns Eisler als zu einseitig, Die andere Seite der Oper zeigt den Kampf gegen Tyrannei und Despoten Willkür. Und diesen Teil betrachtete Eisler als den Hauptteil der Oper Beethovens.

Eisler und Felsenstein halten die Filmarbeit an Fidelio in vieler Hinsicht für einen neuen Versuch, welcher nichts mit den bisherigen Spiel- und Musikfilm-Produktionen gemeinsam hat.        Felsenstein gegenüber einer Kollegin im internationalen Musikrat: >Es liegt mir daran, darzulegen, was ich unter der Fotografie musikalischer Inhalte verstehe im Gegensatz zu der überwiegend bildbegleitenden Funktion der Musik im Film<. (© Felsenstein Edition)

Die gesamte Entstehungsgeschichte des Filmes ist abenteuerlich und kann im Begleitheft zum Film, geschrieben von Ilse Kobán nachgelesen werden. Frau Kobán betitelt ihren lesenswerten Beitrag: Ein in jeder Beziehung neuer Versuch<.

Unter der Stabführung von Fritz Lehmann spielen die Wiener Symphoniker, deren Konzertdirektor in dieser Zeit Herbert von Karajan (1948 -1964) war. Karajan war auch der Wunschdirigent Felsensteins für die Musik in seiner Fidelioverfilmung. Aber irgendwie war dies nicht möglich, so dass Lehmann schlussendlich die musikalische Leitung der Produktion übernahm, wobei sicher auch der Komponist Hanns Eisler mitarbeitete.

Sehr speziell ist auch die Trennung der gesungenen Rollen von den Sprechpassagen. Alle Rollen werden von Schauspielern gespielt und gesprochen. Die Gesangspartien werden von Sängern gesungen, erscheinen aber nicht im Film. Felsensteins künstlerische Auffassung von Film erinnert an Murnau, Lubitsch, Lang und auch an Sergej Eisenstein’s revolutionäre, expressionistisch angehauchte Bildsprache in seinen Revolutionsfilmen wie Potemkin, Newski und Streik. Das verwundert nicht, hat Felsenstein doch all die Arbeiten dieser Regisseure zu deren Lebzeiten sehen können. Seine Arbeit als junger Regisseur hat in der Hochblüte des expressionistischen Filmes (ca. 1920 – 1930) begonnen. Dies ist in allen seinen heute auf DVD erschienen Inszenierungen deutlich nachvollziehbar.

Die in jeder Hinsicht sehenswerte DVD ist bei Arthaus als Teil der Edition Felsenstein erschienen. Leider ist die Bildqualität trotz aufwendiger digitaler Rekonstruktion nicht über alle Zweifel erhaben. Es scheint, dass das verwendete Negativmaterial 1956 unmittelbar nach der Beendigung der Besatzung Österreichs nicht den Qualitätsansprüchen in der übrigen Filmwelt entsprach.

Viel Vergnügen und nachdenklich machende Unterhaltung!

 

Peter Heuberger, Basel, 6. Mai 2020

 

 

Eine nichtverfilmte Musikproduktion, dafür grandioses Kino im Kopf

DER RING DES NIBELUNGEN          Gesamtaufnahme 1958 bis 1964 

Die Besetzungsliste dieser ersten Gesamtaufnahme unter Studiobedingungen ist eine Auflistung von WHO IS WHO In der Interpretation von Werken Wagners in den Jahren 1950 bis 1965.

 

Musikalische Leitung: Sir George Solti             

Regie/Produktionsleitung:  John Culshaw

Das Orchester: WIENER PHILHARMONIKER       

Aufnahmeort: SOFIENSÄLE WIEN

 

 

RHEINGOLD, Aufgenommen 1958: George London (Wotan), Kirsten Flagstad (Fricka),          Set Svanholm (Loge), Gustav Neidlinger (Alberich), Paul Kühn (Mime), Walter Kreppel (Fasolt), Kurt Böhme (Fafner), Jean Madeira (Erda).

WALKÜRE, aufgenommen 1965: James King (Siegmund), Régine Crespin (Sieglinde),    Gottlob Frick (Hunding), Hans Hotter (Wotan), Brigit Nilsson (Brünnhilde), Christa Ludwig (Fricka) und als eine der Walküren unter andere Brigitte Fassbaender  (Waltraute) und Helga Dernesch (Ortlinde)

SIEGFRIED, aufgenommen1962: Wolfgang Windgassen (Siegfried), Birgit Nilsson (Brünnhilde), Hans Hotter (Wanderer), Gerhard Stolze (Mime), Gustav Neidlinger (Alberich), Kurt Böhme (Fafner), Marga Höffgen (Erda), Joan Sutherland (Waldvogel).

GÖTTERDÄMMERUNG, aufgenommen 1964: Birgit Nilsson (Brünnhilde), Wolfgang Windgassen (Siegfried), Gottlob Frick (Hagen), Claire Watson (Gutrune), Dietrich Fischer-Dieskau (Gunther), Christa Ludwig (Waltraute), Lucia Popp (Woglinde).

 

 

Ein Kritiker, er sprach von Rheingold, zu John Culshaw 1957: >Interessantes Projekt, verkaufen wird DECCA aber wenig<! Diese Prophezeiung war falsch: Rheingold war ein kommerzieller Erfolg. Der Decca-Ring ist auch heute als CD noch erhältlich. Die Produktion aus dem Hause Decca gilt als eine der besten Gesamtaufnahmen des Rings.

Jede der vier Teile wurde mit dem "GRAND PRIX DU DISQUE" ausgezeichnet. In Europa und Amerika war der Solti Ring, Als Gesamtausgabe und als Einzel-Oper, ein kommerzieller Erfolg, welcher bis dato keine Klassik-Produktion erreicht hatte. Zusätzlich zur CD – Version aus dem Jahre 2008 erschien 2014 eine nach neuesten technisch möglichen Möglichkeiten eine Blue-Ray Ausgabe der Decca Produktion.

Aufschlussreich sind, es handelt sich um eine Produktion, welche 1957 begonnen wurde und 1964ihren Abschluss fand, einige Kritikerstimmen aus dem 21. Jahrhundert nach 63 Jahren:

Audiophile Audition Steven Ritter (19. Januar 2015): >This is still the best available Ring if you are having only one< (Wenn du nur eine Ringaufnahme haben willst, ist dies immer noch die beste Wahl!)

Hi-Fi Plus Hampshire (1. Juli 2015): >This is not simply an historic recording, not simply an outstanding rendition oft he Ring cycle- it also just happens to sound damn good as well. (Es ist dies nicht einfach eine historische Aufnahme, nicht einfach nur eine ausserordentliche Interpretation des ganzen Ring-Zyklus. Die Aufnahmen tönen auch noch hervorragend!)

Paul E. Robinson, Classical Voice North America (2. August 2015): >Artistically, Solti’s RING still stands as "THE" version oft he Ring, by wich all others are judged<! (Künstlerisch ist Solti’s RING immer noch die Version des Ring’s, an welcher alle anderen gemessen werden)!

Paul E. Robinson, Musical Toronto (9. Dezember 2015): >This was the first-ever complete recording of the RING- it was completed in 1964- and after ist latest remastering it sounds better than ever<. (Es war dies die erste Gesamtaufnahme des RING’S, fertiggestellt 1964. Nach dem neuesten Remastering tönt die Produktion besser denn je)

Bruce Surtees, Wholenote Magazine, Toronto (26. Oktober 2015: >For 50 years the most talked-about, best-known recording of Wagner’s Ring-Cycle is the Decca Set from Vienna conducted by Georg Solti….< (Seit 50 Jahren wird am meisten über die am besten bekannte Aufnahme von Wagners Ring-Zyklus diskutiert : Die Decca Produktion aus Wien, dirigiert von Georg Solti).  

Die Frage sei erlaubt: Warum ist eine Opern-Aufnahme nach 50 Jahren immer noch in aller Mund? Die Antwort liegt vielleicht in folgenden Bemerkungen Johne Culshaw’s:

>Close as I have been to every incident connected with the recording over the past seven or eight years, I still find that when I hear it again, it is the characters of Wagner’s drama who come to life, and in so doing instantly dispel any memories of artists standing in front of microphones. Hagen is Wagner’s Hagen, and not just Gottlob Frick pretending to be Hagen<. (©Ring Resounding, Seite 17) (Ich war in den letzten sieben bis acht Jahren bei allen Vorkommnissen um die Ring-Produktion involviert. Trotzdem vergesse ich jedes Mal, wenn ich die Aufnahmen anhöre, den Künstler, die Künstlerinnen vor dem Mikrophon. Es sind die Charaktere aus Wagner’s Drama welche lebendig werden. Als Beispiel: Hagen wird/ist Wagner’s Hagen und nicht Gottlob Frick, der vorgibt, Hagen zu sein.)

Culshaw meint dazu weiter: Der Ring wurde von Decca ursprünglich als Schallplatte angeboten und ist heute als CD und Blue-Ray Disc erhältlich. Dies ermöglicht es dem Hörer, der Hörerin sich für jeden Akt, für jede Szene eine eigene Inszenierung zu erdenken. KINO IM KOPF Und jedes Mal, wenn sie/er den Tonträger auflegt, kann eine unterschiedliche, dem Moment entsprechende Interpretation erdacht werden. Bei einer DVD-Produktion ist dies nicht möglich, da ja neben dem Hörerlebnis die Inszenierung auch visuell vorgegeben ist.

Im Dokumentarfilm THE GOLDEN RING, produziert 1964 von der BBC zusammen mit dem ORF anlässlich der Produktion >Götterdämmerung< ist mir aufgefallen, dass alle beteiligten, von Sir George Solti über alle Musiker der Wiener Philharmoniker, die Sängerinnen und Sänger, die Produzenten John Culshaw, Gordon Parry, Christopher Raeburn bis hin zum sehr jugendlichen Studiohelfer mit Leib und Seele mitfiebern, mitmachen. Dies kann im BBC Film sehr gut nachvollzogen werden, unter vielen anderen Ausschnitten bei der Stierhornszene mit Gottlob Frick als Hagen und dem Rachetrio. Birgit Nilsson Brünnhilde), Gottlob Frick und Dietrich Fischer-Dieskau (Gunter).

Ich versuche alle Produktionen, reine Audio-Aufnahmen ebenso wie verfilmte Bühnenproduktionen und verfilmte, als Spielfilm aufgezogene Opern, vor allem aber Live Produktionen im Theater folgenden Kriterien beurteilen: >Sehe und höre ich Parsifal oder sehe und höre ich den Sänger X, welcher auf der Bühne vorgibt, Parsifal zu sein. Unterstützen Körpersprache, Mimik und Gestik den dargestellten Charakter, die physische und psychische Situation<.

Es ist müssig, noch vielmehr über die Produktion zu schreiben. Nichts kann das persönliche Erleben, das Hören des Ring-Zyklus, das Lesen des Buches RING RESOUNDING von John Culshaw, das Studium der Leitmotive anhand der beiden CD’s, erarbeitet von Deryck Cook und das Miterleben der Produktion anhand des BBC Filmes THE GOLDEN RING ersetzen.

Peter Heuberger, Basel, 5.5.2020

 

Decca Classics: Der Ring des Nibelungen, Sir George Solti, BBC Produktion The Golden Ring,

An introduction to Der Ring des Nibelungen,   Deryck Cooke

Ring Resounding John Culshaw (leider nur noch antiquarisch erhältlich)

 

 

Verfilmte Bühnenproduktionen und Filme nach Literaturvorlagen!

Nach meinen fünf letzten Beiträgen, welche sich mit vor allem der Verfilmung von Sprechtheater widmeten, hier ein Beitrag Opern als Leinwanderlebnisse.

 

ARIA           1987   Regie: 10 Regisseure aus Amerika, Frankreich, England

OTHELLO    1969   Regie: Walter Felsenstein       Musikalische Leitung:  Kurt Masur

OTHELLO    1986   Regie: Franco Zeffirelli       Musikalische Leitung:  Lorin Maazel

OTELLO       1987   Regie: Herbert von Karajan     Musikalische Leitung:  Karajan

 

ARIA   Das Konzept dieses vom englischen Produzenten Don Boyd entworfenen und produzierten Filmes ist ungewöhnlich: 10 der weltweit angesehensten Regisseure erhielten den gleichen Auftrag: Wähle ein Stück Musik aus irgend einer Oper und visualisiere deine Wahl komplett unabhängig von der Handlung im originalen Libretto. Entstanden ist eine Produktion, welche wie ein Videoclip daherkommt.

Die zehn Regisseure waren: Robert Altmann, Bruce Beresford, Jean-Luc Godard, Derek Jarman, Franc Roddam, Nicolas Roeg, Ken Russell, Charles Sturidge und Julien Temple.

Das Drehbuch für den roten Faden, die Überleitung von Szenen zu Szene schrieb Don Boyd. Der Schauspieler für diese heikle Verbindung der einzelnen Visualisierungen war John Hurt.

Auch für die Szenenfotos wurden weltbekannte Fotografinnen und Fotografen engagiert, so zum Beispiel Anny Leibowitz und Lord Snowden. Dies Besetzungsliste wartete mit so bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern auf wie Bridget Fonda, Elizabeth Hurley, Theresa Russell und andere.

Die von den Regisseuren ausgewählten Opern(Ausschnitte) sind: UN BALLO IN MASCHERA (Nicolas Roeg), LA FORZA DEL DESTINO (Charles Sturridge), ARMIDE von Jean-Baptiste Lully (Jean-Luc Godard), RIGOLETTO (Julien Temple) DIE TOTE STADT  (Bruce Beresford), ABARIS OU LES BORÉADES von Jean-Philippe Rameau (Robert Altman), Tristan und Isolde (Franc Roddam), TURANDOT (Ken Russell), LOUISE von Gustave Charpentier, (Derek Jarman), PAGLIACCI (Bill Bryden) .

Gesungen werden die Werke von Weltstars wie Leontyne Price, Jussi Björling, Carlo Bergonzi, Enrico Caruso, Anna Moffo um nur einige zu nennen. Dirigenten sind unter einigen anderen Sir George Solti, Erich Leinsdorf, Philippe Herreweghe.

Aria ist ein ungewöhnlicher Musikfilm, keine leichte Kost, welche je nach persönlichem Gusto und Episode unterschiedlich aufgenommen wird. Klassische Oper, Szenen daraus, als Videoclip produziert, sind gewöhnungsbedürftig und werden von Opernpuristen sicherlich abgelehnt. Anschauen und selber urteilen, bereit sein für ungewöhnliche Visualisierungen, Interpretationen von gut bekannten Opernszenen! Dies ist mein Vorschlag.

ARIA   ISBN 5 028836 031635      Produktionsfirma: www.secondsightfilms.co.uk

 

OTHELLO   Mit Walter Felsenstein als Regisseur von produzierte die DEFA 1969 eine Filmversion der Otello-Inszenierung, welche an der Komischen Oper Berlin im Herbst 1959 Premiere feierte. Speziell dabei ist, dass es sich um eine neue, von Felsenstein und seinem Dramaturgen Carl Stueber erarbeitete Übersetzung des Originaltextes von Arrigo Boitos Libretto handelte. Felsenstein inszenierte in Berlin alle seine Opern in deutscher Sprache. Die ursprüngliche Bühnenproduktion wurde von Felsenstein leicht adaptiert, um den filmischen Ansprüchen gerecht zu werden. Dazu Walter Felsenstein: > Das künstlerische Prinzip ist kein anderes, als die Musik von Verdi noch verständlicher zu fotografieren, als sie in der Theater-Aufführung gezeigt werden kann<. (© Felsenstein Edition) Für Felsenstein war Verdi neben Mozart der führende Komponist des Musiktheaters. Er stellte OTHELLO an die Spitze von Verdis Schaffen. Felsenstein: >Dieses Werk ist ein Schulbeispiel musikdramatischer Gestaltung, wie ich in der gesamten Weltliteratur kein zweites kenne<. (© Felsenstein Edition)

Es singt und spielt das Ensemble der Komischen Oper Berlin: Hans Nocker (Othello), Vladimir Bauer (Jago), Christa Noack (Desdemona) u.a.m. Unter der Stabführung von Kurt Masur musiziert das Orchester der Komischen Oper und der Chor der Komischen Oper Berlin.

Othello erschien bei Arthaus als Teil der Felsenstein Edition. Die DVD ist auch einzeln käuflich.

Die Arthaus Katalog Nummer ist: 101291, und die ISBN-Nummer: 978-3-939873-86-0

 

OTHELLO   In der Regie von Franco Zeffirelli produzierte Cannon Films das Werk Verdis im Jahr 1986.

Für den Soundtrack des Filmes wurden das Orchester der Skala Mailand und der Chor des gleichen Theaters engagiert. Die musikalische Leitung übernahm Lorin Maazel. Die Opern-Aufnahme erschien 1986 bei EMI und ist seit 2006 auch als CD erhältlich.

Der Film wurde anscheinend komplett im Playback verfahren gedreht. Eine Technik, welche zwar durchaus legal ist, aber als Dokumentation für die Arbeit von Sängerinnen und Sänger nicht taugt. Mimik, Gestik und Körpersprache sind im Playback-Verfahren gegenüber einer Live-Performance zu unterschiedlich.

Die Aufnahmen wurden zwischen dem 29. Juni und dem 2. Juli 1985 realisiert. Dies erscheint mir eine sehr kurze Zeit für ein musikalisches Werk von Verdi mit anspruchsvollen Passagen. Die Besetzung in Film und CD in den drei Hauptrollen: Als OTELLO Plácido Domingo, dann Katia Ricciarelli in der Rolle der DESDEMONA und als  IAGO Justino Díaz. Für den Rest der Besetzung wurden eher unbekannte, junge Sängerinnen und Sänger engagiert. Der Film ist für mich eine typische Hollywood Produktion, vor allem um Geld zu verdienen. Zu diesem Zweck dienen die grossen Namen SCALA DI MILANO, LORIN MAAZEL, sowie natürlich auch         PLACIDO DOMINGO und KATJA RICCIARELLI. Othello ist sicher nicht der beste Film Zeffirellis. Er erreicht nie die Qualität der Traviata aus dem Jahr 1983 mit Theresa Stratas, Placido Domingo und Cornell Macneil. Die musikalische Leitung bei diesem Film hatte James Levine.

OTELLO   Der Ursprung dieses hochkarätig besetzten Musikfilms ist die Salzburger Produktion 1970 von Otello, inszeniert und musikalisch geleitet von Herbert von Karajan. In Salzburg dirigierte von Karajan die Wiener Philharmoniker, den Film realisierte er mit den Berliner Philharmonikern, deren Chefdirigent er seit 1954 als Nachfolger von Wilhelm Furtwängler war.

Die Besetzung im Film entspricht nicht der Salzburger Produktion. Zwar wurden die folgenden vier Rollen Otello (Jon Vickers), Desdemona (Mirella Freni) und Jago (Peter Glossop) und Emilia (Stefania Malagu) durch die gleichen Sängerinnen und Sänger wie in Salzburg besetzt. Für die weiteren Rollen verpflichtete Karajan unter anderen José van Dam als Lodovico und Aldo Bottion für die Rolle von Cassio.

Jon Vickers ist sicherlich einer der besten Othellos weltweit und Mirella Freni als Desdemona spielt und singt ihre Rolle mitreissend und mit viel Feeling für die Shakespeare’sche Tragik, so hervorragend in Töne umgesetzt von Giuseppe Verdi.

Die Berliner Produktion ist meines Erachtens doch wesentlich sorgfältiger ausgeführt als der sehr amerikanische anmutende Otello Zeffirellis.

Othello kann, mit unzähligen anderen Produktionen aus der Berliner Philharmonie als Stream abgerufen werde. Der Link dazu: www.digitalconcerthall.com

Gute Unterhaltung!

Peter Heuberger, Basel, 3.5.2020

 

Verfilmte Bühnenproduktionen und Filme nach Literaturvorlagen!

Hommage an Erich Kästner und Kurt Hoffmann

Erich Kästner (1899 - 1974) als Schriftsteller und Drehbuchautor vereint mit dem deutschen Regisseur Kurt Hoffmann (1910 – 2001) garantieren für gute, lesens- und sehenswerte Unterhaltung. Kästner als Schriftsteller und Drehbuchautor, Hoffmann als Regisseur und Filmproduzent.

Max Ernst, 23 Jahre Unterhaltungschef beim Schweizer Fernsehen DRS, sagte einmal: > Unterhaltung ist eine ernste Sache<! Und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Ein Regisseur, welcher Unterhaltungsfilme nicht mit professioneller Ernsthaftigkeit produziert, liefert am Ende nur seichten Klamauk.

ERICH KÄSTNER     Schriftsteller und Drehbuchautor

Erich Kästner ist als Schriftsteller auch noch 46 Jahre nach seinem Tod aktuell wie zu seinen Lebzeiten.

Sein Roman "FABIAN, DIE GESCHICHTE EINES MORALISTEN", erschien erstmals 1931. Die Beschreibung einer Grossstadt, aus dem Jahr 1931 hat auch in der heutigen leistungsbetonten, utilitaristisch und hedonistisch orientierten sozio–ökonomischen Gesellschaft Gültigkeit. Das Werk trägt auch autobiografische Züge.

Der Schluss des Romans (Inhaltsangabe): >Eines Tages bekommt der geläuterte Moralist die Chance, zum Helden zu werden: Doch als er einen kleinen Jungen vor dem Ertrinken zu retten versucht, kommt er dabei ums Leben. Nichtschwimmer Fabian ertrinkt, während der Junge sich ans Ufer retten kann<. (Spiel mit vertauschten Rollen)

Schluss des Buches:               Der kleine Junge schwamm heulend ans Ufer.

                                      Fabian ertrank. Er konnte leider nicht schwimmen.

Bei der öffentlichen Bücherverbrennung der Nazis 1933 sind auch die Schriften Erich Kästners auf dem Scheiterhaufen. Trotz Schreibverbot im Dritten Reich emigrierte er nicht ins Ausland. Kästners späterer Kommentar dazu:

"Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
Mich lässt die Heimat nicht fort.
Ich bin wie ein Baum, der – in Deutschland gewachsen –
wenn’s sein muss, in Deutschland verdorrt."

Nach dem Krieg setzt Kästner seine schriftstellerische Arbeit als Verfasser humoristischer sowie zeitkritischer Gedichte, als Drehbuch-, Theater-, und Kabarettautor fort.

Marcel Reich-Ranicki beschreibt das Werk Kästners als >Spiel mit vertauschten Rollen<. Die Leser und Leserinnen seiner Essays betrachtet Kästner als Kinder und die LeserInnen seiner Kinderbücher als Erwachsene. Alle mit gesundem Menschenverstand versehenen Menschen in seinen Büchern sind Kinder oder Adoleszente. Dies kommt in einigen meiner Lieblingsbücher zum Tragen. So zum Beispiel unter vielen anderen im Buch "DER 35. MAI ODER KONRAD REITET IN DIE SÜDSEE" (1931), "EMIL UND DIE DETEKTIVE" (1929) und "DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER" (1933). Genau umgekehrt liegt der Fall im herrlichen Roman «DREI MÄNNER IM SCHNEE" (1934). Da benehmen sich die Erwachsenen oft wie kleine Kinder. Wobei gerade in diesem Werk die Sozialkritik an der Gesellschaft unterschwellig sehr präsent ist.

Eine Liste von Kästners Werken ist zu finden unter: www.deutschelyrik.de/kaestner

Mehr als 40 Filme sind in vielen Ländern nach Kästners Werken oder mit von ihm verfassten Drehbüchern entstanden. Hervorragende Regisseure (Ophüls, Hoffmann, Vohrer von Báky, Käutner u.a.m.) haben sich immer wieder mit den Werken Kästners beschäftigt. Interessant ist dabei, dass "Fabian" als Film (Regie Wolf Gremm) erst nach dem Tode des Verfassers 1980 den Weg ins Kino fand. Erich Kästner hatte sich zu Lebzeiten geweigert, diese Filmrechte freizugeben. 2020 wird ein zweiter Film, basierend auf dem teilweise autobiographische Züge aufweisenden Kästner-Roman in die Kinosäle kommen.

>Gremms Film erreicht, bei bemerkenswerten Einzelheiten, weder Dichte noch Hintergründigkeit der Romanvorlage von Erich Kästner; er ist weithin ein – nicht immer stilsicheres – Sittengemälde<! (©Lexikon des internationalen Films)

Anderer Meinung ist der Kritiker in der Filmzeitschrift "CINEMA" anlässlich der Uraufführung: >Wolf Gremm hat mit dieser glücklosen Odyssee durch das Berlin der zwanziger Jahre alle Chancen, sich als ernstzunehmender Filmemacher zu etablieren<. Der On-Line auftritt derselben Zeitschrift resümierte kurz und bündig: >Bitteres Porträt eines 'Unbeugsamen<.

Zu seinem Leben sind zwei Filme aus dem Jahre 2016:

"ERICH KÄSTNER, DAS ANDERE ICH"

Ein deutscher Dokumentarfilm mit Elementen des Dramas aus dem Jahr 2016. Der unter der Regie von Annette Baumeister, die auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, gedrehte Film porträtiert das Leben des deutschen Schriftstellers Erich Kästner unter Beachtung dessen „weniger bekannter Seiten“. Matthias Bundschuh ist als Kästner, Lisa Wagner als dessen Lebensgefährtin und Biographin Luiselotte Enderle zu sehen. Frau Enderle verfasste zwei Biografien von Kästner: Kästner: Eine Bildbiographie, erschienen 1960 im Kindler-Verlag, München sowie Erich Kästner, Rowohlt-Verlag, Reinbek 1966. ISBN 3-499-50120-1

 

"KÄSTNER UND DER KLEINE DIENSTAG"

Der deutsch-österreichischer Spielfilm aus dem Jahr 2016 über Erich Kästner orientiert sich an historischen Fakten. Er beschreibt das Leben des Schriftstellers zwischen 1929 und 1945. Das Hauptthema ist die Ambivalenz der zwischen Anpassungsdruck und persönlicher Widerspruchshaltung geprägte Lebenssituation des gesellschafts- und zeitkritischen Schriftstellers vor dem Hintergrund der ausgehenden Weimarer Republik und der Diktatur des Nationalsozialismus in Deutschland. Das Drehbuch schrieb Dorothee Schön, Regie führte Wolfgang Murnberger.

Eine empfehlenswerte Auswahl von Erich Kästners Schriften sind im Atrium Verlag 2005 neu erschienen. Die vier Bände umfassen viele der Werke für Erwachsene. Der Titel der gepflegten Ausgabe: >KÄSTNER FÜR ERWACHSENE<  ISBN 3-85535-967-9

 

KURT HOFFMANN      Regisseur und Produzent

Kurt Hoffmann  galt bei der grossen Mehrheit des Publikums und Presse als Komödienspezialist. Die Kritik bezeichnete Hoffman als den Regisseur mit der leichten Hand<. Diese Beurteilung, Schubladisierung greift zu kurz. Hoffmanns Strategie, dies auch und vor allem mit Literaturverfilmungen erweist sich als treffsicher. Thomas Manns "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (1957), Dürrenmatts "Die Ehe des Herrn Mississippi" (1961) und Tucholskys "Rheinsberg" (1967) bringt er erfolgreich auf die Leinwand genauso wie Tucholskys "SCHLOSS GRIPSHOLM".

Sicher waren seine grössten Kassenschlager die unvergesslichen Komödien wie "DAS WIRTSHAUS IM SPESSART" (1957), als Sequel "DAS SPUKSCHLOSS IM SPESSART" (1960), "WIR WUNDERKINDER" (1958), "FELIX KRULL" (1957). Dann natürlich auch seine Produktionen nach Vorlagen von Erich Kästner, so zum Beispiel " DREI MÄNNER IM SCHNEE" (1955) und "DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER" (1954), für welche Erich Kästner auch die Drehbücher verfasste.

In allen Filmen Hoffmanns spielen immer grosse Stars aus der Zeit die Hauptrollen. So unter vielen anderen: Liselotte Pulver, Günther Lüders, Hubert von Meyrink, Paul Dahlke, Hansjörg Felmy, Johanna von Kokczian, Horst Buchholz, Robert Graf, Wolfgang Müller, Wolfgang Neuss und unübertroffen: Elisabeth Flickenschildt als Frau Meisegeier u.a.m.

Seine Filme sind oft auch Milieustudien, Karikaturen deutschen (Spiess-)Bürgertums, von augenzwinkernder Ironie, gemütvoll und mit einem unerschöpflichen Arsenal an skurrilen Charakteren. Bekanntestes Beispiel ist wahrscheinlich die Verfilmung von Hugo Hartungs "Wir Wunderkinder" mit Wolfgang Müller und Wolfgang Neuss als Kommentatoren zur Handlung.

Viele der Filme Hoffmann, entstanden zwischen 1939 und 1971 sind auch leicht verdauliche Kost und dienen der Unterhaltung, dem Amüsement. Und dazu wünsche ich viel Vergnügen!

 

Peter Heuberger, Basel 1.5.2020

 

 

 

Verfilmte Bühnenproduktionen und Filme nach Literaturvorlagen - Teil 4

In meinen letzten beiden Artikeln habe ich mich mit Verfilmungen von Werken deutscher Autoren befasst. Auch im nachstehenden Artikel sind es deutsch Autoren und deutsche Regisseure.

 

FAUST I und FAUST II  DVD-Fassung 2000 Regie Peter Stein  

FAUST I 1957 Regie  Gustav Gründgens

MEPHISTO   Klaus Mann   1980  Regie Istvan Szabo        

HOMO FABER Max Frisch 1990   Regie  Volker Schlöndorff

           

Alle drei Werke haben eine Gemeinsamkeit: Sie befassen sich mit dem Schicksal des Protagonisten: Bei Goethe ist es Faust, bei Klaus Mann ist es der Schauspieler Hendrik Höfgen als Mephisto, bei Max Frisch ist es der Ingenieur Walter Faber. Dazu kommt, dass alle drei Hauptprotagonisten durch starke Antagonisten begleitet werden. Mephistopheles bei Faust, in Mephisto sind es "der Ministerpräsident" und Barbara Bruckner und bei Homo Faber ist es Hannah und Elisabeth (Sabeth). Alle drei Hauptpersonen sind auf der Suche nach sich selbst, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.

 

FAUST zum Ersten

Eigentlich ist jetzt Zeit (Lockdown lässt grüssen) für Peter Stein und seine Faust – Inszenierung, 22 Stunden dauert seine ungekürzte Produktion aller 12'110 Verse von Faust 1 (8h) und Faust 2 in zeitlicher und örtlicher Einheit. Mit einer hochprofessionellen Theatergruppe verwirklichte Peter Stein seinen Traum im Rahmen der EXPO 2000 Hannover und später in Berlin.

Diese Theatergruppe, Peter Steins "FAUST ENSEMBLE", umfasst 80 MitarbeiterInnen, davon auf der Bühne 35 Schauspielerinnen und Schauspieler. In der Inszenierung von Stein und auch in der DVD-Fassung spielt Bruno Ganz Faust, dazu Christian Nickel (junger Faust), als die vier Mephistopheles: Johann Adam Oest, Robert Hunger-Bühler, Christine Oesterlein und ein schwarzer Königspudel. Als Gretchen auf der Bühne Dorothee Hartinger und Corinna Kirchhoff als Helena um nur einige zu nennen.

Der Bühnenmarathon mit einem ständigen Wechsel der Schauplätze, welche sich das Publikum über zwei Theatertage selbst erlaufen musste, die vierfache Besetzung der Rolle des Mephistopheles zum Beispiel vierfach besetzt: Ein Fest der Sprache, ein ungeahntes, fast nicht wiederholbares Theatererlebnis.

Die Fernsehfassung wurde von den TV-Regisseuren Peter Schönhofer (Faust 1) und Thomas Grimm (Faust 2) geschaffen. Mit einer Spieldauer von ungefähr 12 Stunden für beide Teile ist diese um einiges kürzer als die Bühnenfassung. Peter Steins Faust ist ein Muss für alle Literaturliebhaber und Filmfans. Geduld allerdings und Sitzleder ist angesagt.

 

FAUST zum Zweiten

Ein Klassiker ist die Verfilmung von Faust, der Tragödie erster Teil schon lange. Die hochgelobte Inszenierung von Gustaf Gründgens (1899 – 1963) feierte ihre Premiere am 21. April 1957 im Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

Mit seiner Inszenierung setzte Gründgens neue Massstäbe in der Theatergeschichte. Peter Gorski, sein Adoptivsohn und der Chef der Gloria-Film, Dr. Barthels, gatten die Idee, diese Produktion für die Nachwelt im Film festzuhalten.

Der Film Gorskis ist nicht einfach eine Wiedergabe der Bühnenproduktion. Unter der Leitung von Gründgens wurde daraus ein eigenständiges Kunstwerk, welches Geschichte machte und immer noch macht. Über 600 Mal stand Gustaf Gründgens seit 1932 als Mephisto auf der Bühne.

Die Besetzung im Film: Will Quadflieg (Faust), Gustaf Gründgens (Mephisto), Ella Büchi (Gretchen), Elisabeth Flickenschildt (Marthe Schwerdtlein), Hermann Schonberg (Theater-Direktor),  Eduard Marks (Wagner) Max Eckard (Valentin), Uwe Friedrichsen (Schüler), Heinz Reincke (Frosch), Hans Irle (Altmayer), Friedrich G. Beckhaus (Brander), Karl Heinz Wüpper (Siebel), Heidi Leipolt (Lieschen), Gustl Busch als Hexe und als Erzengel Raphael Konrad Krauss.

Seine politische Vergangenheit im dritten Reich, 1936 Intendant des Berliner Staatstheater und ab 1937 Generalintendant Preussisches Staatstheater, führte nach 1945 immer wieder zu Diskussionen, ausgelöst durch Klaus Manns Roman "MEPHISTO". Auch andere Künstler waren Favoriten von Hermann Göring und anderen Nazi-Grössen. Unbestritten jedoch ist, dass Gründgens als Intendant etlichen von den Nazis verfolgten und bedrängten SchauspielerInnen geholfen hat. Zum Thema Gründgens im dritten Reich verweise ich auf das Buch von Dr. Dagmar Walach: "GUSTAV GRÜNDGENS, EINE DEUTSCHE KARRIERE" ISBN 3-89487-334-5

MEPHISTO Klaus Man.

Die Publikationsgeschichte des Romans, erstmals erschienen 1936, ist allgemein bekannt. In Die Veröffentlichung wurde 1971 auf Antrag Peter Gorskis vom Bundesverfassungsgericht verboten. Der Grund waren die verletzten Persönlichkeitsrechte des Theaterintendanten Gustaf Gründgens. Verlegt wurde der Roman trotzdem, galt das Veröffentlichungsverbot doch nur für in der BRD.

Im Film, genau wie im Roman sind die Bezüge zu den echten Persönlichkeiten unübersehbar. So ist ganz klar in der Person von Hendrik Höfgen Gustaf Gründgens zu erkennen. Dasselbe gilt für den Minister (Göring), Dora Martin (Elisabeth Bergner), Lotte Lindenthal (Emmy Göring), Barbara Bruckner (Erika Mann), Geheimrat Bruckner (Thomas Mann) usw. (© Wikipedia). Klaus Mann kennt seine Protagonisten und Protagonistinnen, er hat sie nicht erfunden, sondern ihnen nur ein anderes Kostüm umgehängt. Mann betont zwar, nicht Persönlichkeiten, sondern nur Typen beschrieben zu haben.

Gedreht wurde der ungarisch-österreichische-deutsche Film 1981 unter der Regie von István Szabó. 1982 erhielt die Produktion den Oscar als "BESTER FREMDSPRACHIGER FILM".

In der Hauptrolle als Hendrik Höfgen ein sich selbst übertreffender Klaus- Maria Brandauer. Auch alle anderen Rollen wurden ebenbürtig besetzt, so dass der Film in keiner Szene abfällt und über die gesamten 144 Minuten spannend bleibt. Die Charakterisierung von Höfgen als theaterbesessener Schauspieler, als egozentrischer, egoistischer Opportunist und Karrierist erscheint sehr gelungen. Ob dies für das Vorbild Gustaf Gründgens auch stimmt? Theaterbesessen, Ja. Opportunist war sicher, aber nur, um der Sache, dem Theater, zu dienen, um das deutschsprachige Theater als Kunstform zu erhalten und in einer humanistischen Art weiter zu entwickeln. Um dieses Ziel zu erreichen musste er in einem totalitären Staat zwangsläufig bis zu einem gewissen Grad Karrierist sein. Manns Roman schiesst weit über das Ziel hinaus und ist, trotz oder gerade wegen der literarischen Qualität, von einer Bösartigkeit, welche der Sache nicht dient. Die grosse Karriere von Gründgens begann 1936, nachdem er aus seinem kurzen Schweizer Exil nach Deutschland zurückgekehrt war, also nachdem der Roman Manns schon in Arbeit, ja fast beendet war. >Der Film ist trotz allen meinen Vorbehalten zur geschichtlichen Richtigkeit sehr sehenswert und eine schauspielerische Leistung, welche nur selten zu sehen ist<!   

 

HOMO FABER, EIN BERICHT Max Frisch

Der Roman von Frisch, verfasst 1957, entwickelte sich sehr schnell zu einem Bestseller. Bis zum Jahr 1998 war die deutschsprachige Auflage auf über vier Millionen angestiegen. Das Werk wurde in 25 Sprachen übersetzt.

Die Verfilmung von Volker Schlöndorff kam im März 1991, wenige Wochen vor dem Tod von Max Frisch (1911 – 1991), in die deutschen Kinos. In den ersten 10 Wochen sahen über 700'000 Zuschauer diese Literaturverfilmung. Dies obgleich viele Kritiken den Film abgesehen von den schauspielerischen Leistungen als eher missraten bezeichneten.

Die Filmpläne datieren bis in 1970 Jahre zurück. Paramount hatte Schlöndorff den Filmstoff angeboten, ein Angebot, welche der Regisseur ablehnte, weil er Schwierigkeiten in der Umsetzung sah. Die Filmrechte gingen Anfang 1988 an Max Frisch zurück. In dieser Zeit kam ein Kontakt zwischen Schlöndorff und Frisch zustande. Die Dreharbeiten begannen im April 1990. Als seine Motivation für die Verfilmung des Romans gab er an, dass es ein Meisterwerk der europäischen Literatur sei, an dem er, Schlöndorff, nicht vorbeikomme.

Homo Faber gewann einige deutsche Filmpreise. 1991 wurde die Verfilmung in den Kategorien "Bester Film", "Beste Darstellerin" und "Beste Nebendarstellerin" für den "Europäischen
Filmpreis" nominiert.

In den Hauptrollen: Der amerikanische Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor (Zabriskie Point 1970, Paris, Texas, 1984) Sam Shepard spielt den Ingenieur Walter Faber. Julie Delpy interpretiert Elisabeth/Sabeth und Barbara Sukova erscheint als Hanna, die Mutter von Sabeth.

Max Frisch begleitete die Arbeit am Drehbuch und an den Drehorten intensiv. Schlöndorff bemerkt dazu: > Er (Frisch) hat sich immer so solidarisch und positiv zum Film geäussert, wie es kein Autor, mit dem ich je zusammengearbeitet habe, getan hat. Aber er hat es getan wie einer, der mitgearbeitet hat. Zum Schluss war so der Film irgendwie auch sein Film geworden<. (© Arthaus)

Kritiken, welche mangelnde Werktreue monieren, müssen daher als eher fragwürdig bezeichnet werden, wurden doch Änderungen immer auch von Frisch mitgetragen und akzeptiert.

Der Film ist, bedingt durch sein dramatisches Konzept keine leichte Kost. Es ist eines der filmischen Kunstwerke, welche man/frau mehrere Male anschauen sollte. Dies ist auch für einige andere Literaturverfilmungen Schlöndorff ratsam, so zum Beispiel " DER JUNGE TÖRLESS (1966)" oder auch "DIE BLECHTROMMEL (1979)".

Viel Vergnügen und Ausdauer wünsch Ihnen allen

 

Peter Heuberger, Basel 28.4.2020

 

 

Kinofilme und Fernsehproduktionen nach Literaturvorlagen - Teil 3

In meinem ersten Beitrag habe ich mich mit Shakespeare-Verfilmungen befasst. Heute verfasse ich einen kurzen Abriss über Verfilmungen deutscher Literatur. Den Anfang macht Thomas Mann. Seine Novellen, Erzählungen und Romane mussten immer dramatisiert, also bearbeitet und verändert, dem Medium Film angepasst werden, Der Dramatiker Shakespeare arbeitete., vor allem für die Bühne, seine Werke können, könnten, daher unverändert produziert werden. 

Thomas Mann Arthaus Edition: KÖNIGLICHE HOHEIT (1953), DIE BEKENNTNISSE DES HOCH-STAPLERS FELIX KRULL (1957), BUDDENBROOKS (1959), DER ZAUBERBERG (1982), DOKTOR FAUSTUS (1982)     Arthaus:    501697

Thomas Mann     BUDDENBROOKS (2008)    ISBN: 5000043456

Über den ältesten der Filme aus der Thomas Mann Edition, Königliche Hoheit, ist im "Lexikon des internationalen Films nachzulesen:

>Romantische Komödie, die Thomas Manns ironischen Roman mit liebenswürdigem Charme auf die Leinwand bringt<!

Vielmehr ist dazu nicht zu sagen, bleibt die Produktion doch sehr an der Oberfläche, ohne dass Manns bissige Ironie zum Tragen kommt. Dies trotz der Mitarbeit von Erika Mann bei der Verfassung des Drehbuches. Das zweite Werk Manns, erschienen 1909, ist ein stilistisches Meisterwerk, in welchem früh schon die sprachliche Virtuosität des Verfassers zu Tage tritt. Diesem Anspruch wird der Film eindeutig nicht gerecht.

Der Erfolg des Filmes ist vor allem den Stars aus der damaligen Zeit zuzuschreiben wie zum Beispiel: Dieter Borsche, Ruth Leuwerik, Lil Dagover, Günther Lüders, Mathias Wiemann. All diese Schauspielerinnen und Schauspieler waren grosse Publikumslieblinge und garantierten so den Erfolg von Filmen, in welchen sie mitwirkten.

Der Schelmenroman, wie Thomas Mann sein letztes Werk (1954) bezeichnete, wurde 1957 mit dem jungen Horst Buchholz in der Rolle des Felix Krull verfilmt. An seiner Seite spielte Liselotte Pulver, Paul Dahlke und, neben vielen anderen, Ralf Wolter. Die Regie übernahm Kurt Hoffmann. Er war Spielleiter in vielen unterhaltsamen Filmen. In einigen seiner immer wieder sehenswerten Produktionen (Das Wirtshaus im Spessart, das Spukschloss im Spessart) spielte Liselotte Pulver, in den 1950er und 1960er Jahren eine der populärsten Darstellerinnen, die Hauptrolle. Der Film kommt, wie fast alle Filme Hoffmanns, leichtfüssig daher, nimmt jedoch die Kritik am auch heute überbordenden Hedonismus, der Genuss-Sucht auf. Dies ist meines Erachtens eine der Eigenschaften in den Filmen von Hoffmann: In vielen seiner Produktionen kritisiert er unterschwellig und gut verpackt die moderne Gesellschaft.

Buddenbrooks, das erste Buch von Thomas Mann ist 1901 erschienen hat einen Umfang von 600 Seiten. Thomas Mann erhielt für das Werk 1929 den Nobelpreis für Literatur.

 Die vier Verfilmungen: 1923 als Stummfilm mit Musikbegleitung, 1959 als zweiteiliger Kinofilm, 1979 als Fernsehserie mit elf Folgen und 2008 als CO-Produktion mit dem Fernsehen. In der Kinofassung ist diese Version 150 Minuten lang, während der Film von den Fernsehsendern in zwei Folgen à je 90 Minuten ausgestrahlt wurde. Alle Drehbücher wurden gekürzt und auf die essentiellen Szenen und Charaktere reduziert. Das ist ein bei Filmen übliche Vorgehen. Umberto Ecco hat dies nach der Uraufführung des Filmes "DER NAME DER ROSE", welcher nach seinem gleichnamigen Roman von Jean-Jacques Annaud gedreht wurde, in etwa folgendermassen ausgedrückt: > Buch und Film sind zwei unterschiedliche Kunstformen. Beide habe ihre Berechtigung<!   Wenn diese Kürzungen und Veränderungen sorgfältig und im Sinne der literarischen Vorlage angewendet werden, entsteht ein neues Werk, welches ohne weiteres neben dem Buch bestehen kann und soll. Bei allen vier Verfilmungen «BUDDENBROOKS" wurden diese Veränderungen meiner Meinung nach sorgfältig vorgenommen. Einzelne Kritiken monieren aber, dass zu viel gekürzt wurde und die Änderungen den Charakter der Erzählung Thomas Manns verändern.  Um dies selber zu beurteilen gibt es von mir einen Vorschlag: Das Buche lesen und den/die Filme anschauen und geniessen.

Die Besetzung der Produktion entstanden 1959: Hansjörg Felmy, Nadja Tiller, Gustav Knuth, Liselotte Pulver, Lil Dagover und neben vielen anderen der unvergessliche Hanns Lothar.

Ebenso hochkarätig besetzt war die Verfilmung 2008: Neben vielen hervorragenden Künstlern Armin Mueller-Stahl, August Diehl, Jessica Schwarz, Léa Bosco, Sunnyi Melles

Der dritte Roman von Thomas Mann, "DER ZAUBERBERG" ist 1924 erschienen. Das Werk wurde 1982 als deutsch-französische-italienische Co-Produktion verfilmt. Der Film, Regie führte Hans W. Geissendörfer, ist vor allem wegen der internationalen Besetzung bemerkenswert. Auf der Leinwand oder dem Bildschirm neben vielen anderen zu sehen: Rod Steiger, Charles Aznavour, Hans Christian Blech und Marie-France Pisier.  

Die Leben/Tod-Thematik, ein Hauptmotiv im Zauberberg ist mit dem der Begriff der Zeit verwoben. Die Zeit ist ein zusätzliches Hauptmotiv im Zauberberg. Roman und Film sind eigentlich chronologisch aufgebaut.

Jedoch verläuft die Handlung, sie beginnt mit der Ankunft von Hans Castorp auf dem Bahnhof Davos im August 1907 und endet mit dem Ausbruch des "GROSSEN KRIEGES" ziemlich genau sieben Jahre später, nicht linear, sondern beschleunigt sich mit wachsender Langeweile der Protagonisten und Protagonistinnen. Im Buch sind die ersten fünf Kapitel, die Hälfte des Romans, den ersten sieben Monaten Castorps in Davos gewidmet. Der Rest des Romans umfasst die übrigen 6 ½ Jahre.

Die sehr aufwendigen Literaturverfilmung von Manns Bildungsroman verwischt Manns Zeitkritik, zu Gunsten hektischer Betriebsamkeit und vordergründiger Aktion. Trotzdem ist diese Verfilmung sehr sehenswert. Auch hier gilt: Film geniessen und vorher oder nachher das Buch lesen.

"DOKTOR FAUSTUS"
>Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde<

So lautet komplette Titel des Romans von Tomas Mann, erstmals veröffentlicht 1947.

Die Kreativität des Komponisten Adrian Leverkühn kann sich nur entfalten, wenn sie mit moralischer Verkommenheit in Verbindung steht. Er ist bereit, seine Seele für die Unsterblichkeit seiner Kompositionen zu verkaufen. Leverkühn infiziert sich bewusst mit Syphilis. Er trifft sich mit dem Teufel, mit welchem er einen Pakt eingeht: Trotz seiner Krankheit wird er noch 24 Jahre am Leben bleiben, musikalischen Ruhm erlangen, aber unfähig sein, menschliche Bindungen eingehen zu können.

Der Roman Doktor Faustus entstand. In Manns Roman schildert der Erzähler Serenus Zeitblom vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges die Lebensgeschichte des Tonsetzers Adrian Leverkühn. Symbolisch ist dabei der Bezug zur deutschen Geschichte. Den Stoff lieferte die Biographie Nietzsches. Die musikalischen Grundlagen, vor allem die Erklärung der Zwölfton- Musik, stammen von Theodor W. Adorno.

Franz Seitz führte in der bis heute einzigen Filmadaption des Buches Regie. Der Film entstand 1982 als CO-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk. Als künstlerisches Team holte sich Seitz bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler: Jon Finch (Adrian Leverkühn), André Heller (Dr. Schleppfuß/Satan/Madame), Herbert Grönemeyer (Deutschlin), Hanns Zischler
(Dr. Serenus Teitblom), Gaby Dohm (Elisabeth Leverkühn), Marie-Hélène Breillat (Marie).

 

Natürlich gibt es nach den literarischen Vorlagen von Thomas Mann noch einige Produktionen mehr als die vorher beschriebenen.
Die wohl bekannteste darunter: "TOD IN VENEDIG" aus dem Jahre 1971. Regie führte Luchino Visconti, die Musik stammt von Gustav Mahler. Die Hauptrolle, Gustav von Aschenbach, spielte Dirk Bogarde.

In allen Werken von Thomas Mann ist das Verständnis der Position, der Gestalt der einzelnen Personen/Figuren wesentlich. Nachstehend der Suchbegriff, unter welchem diese Personen beschrieben und ihre Positionen erläutert werden:

Eva D. Becker Thomas Mann Figurenlexikon Universität des Saarlandes

Thomas Mann Figurenlexikon: Universität des Saarlandes Herausgegeben von Anke-Marie Lohmeier

Ich wünsche Euch allen viel Vergnügen beim Lesen und/oder Schauen

Peter Heuberger, Basel, 26.4.2020

 

Verfilmte Bühnenproduktionen und Filme nach Literaturvorlagen - Teil 2

In meinem ersten Beitrag habe ich mich mit Shakespeare-Verfilmungen befasst. Heute versuche ich einen kurzen Abriss über Verfilmungen deutscher Autoren zu verfassen.

 

Carl Zuckmayer               DES TEUFELS GENERAL (1955)                      ISBN: 4006680018638

Friedrich Dürrenmatt     ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG (1958) ISBN: 887254578895

Stefan Zweig                    SCHACHNOVELLE (1960)                                  ISBN: 4006680035345

Theodor Storm                DER SCHIMMELREITER (1984)                         ISBN: 4028951490394

 

"DES TEUFELS GENERAL"   Carl Zuckmayer

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Drama von Carl Zuckmayer (1896 - 1977), uraufgeführt am 14. Dezember 1946 am Schauspielhaus Zürich. Die Handlung folgt nicht getreu der Bühnenvorlage, sondern wurde mit dem Einverständnis Zuckmayers vom Regisseur Helmut Käutner bearbeitet.

Carl Zuckmayers verfasste das Stück im US-amerikanischen Exil 1943 bis 1945. Der Flieger Ernst Udet, befreundet mit Zuckmayer, diente als Vorlage für den Luftwaffengeneral Harras. Udet, 1941 offiziell bei der Erprobung eines neuen Flugzeuges verunglückt, tatsächlich aber beging er Selbstmord. Im Ersten Weltkrieg war Udet gemeinsam mit Hermann Göring Pilot in Manfred von Richthofens Fliegerstaffel.

>Deutschland im Dezember 1941. Während des Zweiten Weltkriegs sucht die Führung der gefürchteten SS aus strategischen Gründen die Nähe des berühmten Luftwaffengenerals Harras. Dieser ist ein hochdekorierter Veteran des Ersten Weltkriegs, persönlicher Freund des Reichsmarschalls sowie passionierter Pilot. Der weltoffene, charmante Harras teilt allerdings nicht die Ideologie der NS-Diktatur und verspottet diese. Der Spott geht jedoch nie über ein Maß hinaus, das ihn gefährden könnte. Neben dem Fliegen hegt er nur Affinitäten zu Frauen und Alkohol.< (© Wikipedia.org)

In den Hauptrollen spielen unter der Regie von Helmut Käutner unter anderen: Curd Jürgens als General Harras, dazu Marianne Koch und Victor de Kowa.

Am 23. Februar 1955 wurde "DES TEUFELS GENERAL" in den Kinos uraufgeführt. Im Fernsehen wurde er erstmals am 24. April 1967 vom ZDF ausgestrahlt.

 

"ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG"   Friedrich Dürrenmatt

Als Requiem auf den Kriminalroman bezeichnete Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990) sein Buch "DAS VERSPRECHEN". Es ist vielleicht weniger bekannt, dass das Drehbuch zum Film vor dem Roman entstanden ist. Der Roman entstand 1958, die Drehbuchvorlage 1957. Dürrenmatt war mit dem Film am Ende wohl zufrieden aber nicht begeistert, legte doch der Regisseur den Fokus auf das Verbrechen, während Friedrich Dürrenmatt den Schwerpunkt auf der Person des Ermittlers Matthäi sah. Der Filmtitel stammt vom Regisseur Ladislao Vajda, welcher auch das Drehbuch verfasste. Die Besetzung des Filmes ist hochkarätig: Heinz Rühmann, Sigfrit Steiner, Siegfried Lowitz und Gert Fröbe.

Das Remake aus dem Jahr 1997 erreichte trotz hervorragender Besetzung die Intensität, den psychologischen Tiefgang des Originals aus dem Jahre 1958 nicht. Regie führte der Produzent und Drehbuchautor Nico Hofmann.

 

"SCHACHNOVELLE"     Stefan Zweig

Seine Novelle schrieb Stefan Zweig (1881 - 1942), zwischen 1938 und 1941 im brasilianischen Exil. Es ist sein letztes und zugleich bekanntestes Werk.

Der Schachweltmeister Czentovic will per Schiff zu einem großen Turnier reisen. Doch das Schiff legt verspätet ab, weil noch ein geheimnisvoller, sichtlich verängstigter Passagier erwartet wird. In einer Rückblende erfährt man die Geschichte des geheimnisvollen Passagiers: Es handelt sich um den österreichischen Rechtsanwalt Werner von Basil, welcher Kunstschätze außer Landes schafft, um sie vor dem Zugriff der deutschen Machthaber zu schützen die kurz vorher Österreich annektiert hatten. Hans Berger von der GESTAPO lässt von Basil verhaften. Um von Basils Willen zu brechen, lässt Berger ihn in Einzelhaft stecken. Basil hat auch nach über sechs Wochen Einzelhaft keines seiner Geheimnisse verraten. Als von Basil Gesprächsbereitschaft vortäuscht und zum Verhör gebracht wird, gelingt es ihm, ein Buch aus einer Manteltasche zu stehlen. Doch muss Basil enttäuscht feststellen, dass es in dem von ihm entwendeten Buch lediglich um Schachpartien geht. Aus Mangel an Beschäftigung liest er es trotzdem und spielt mit Brotstücken die in dem Buch beschriebenen Schachpartien nach.

Während der Schiffsfahrt wird der kauzige Czentovic von Passagieren um eine Partie Schach gebeten. Widerstrebend willigt er ein. Für Czentovics Spielgegner droht die Partie verloren zu gehen, doch der zufällig anwesende geheimnisvolle Passagier schaltet sich ein und hilft ihnen, aus der Partie noch ein Remis herauszuholen. Czentovic staunt, dass er den Fremden noch nie auf einem großen Turnier gesehen hat, der seiner eigenen Aussage zufolge gerade eben das erste Mal in seinem Leben überhaupt eine Schachfigur berührt hat.

Das Drehbuch stammt von Herbert Reinecker und dem Regisseur Gerd Oswald. Es spielen die Hauptrollen: Curd Jürgens (Werner von Basil) Hans-Jörg Felmy (Gestapo-Mann Berger) sowie Mario Adorf (Mirko Czentovic) und Claire Bloom (Irene Andreny).

Dieser Film lässt einem nicht zu Atem kommen, jede Sekunde ist voller Spannung. Die Interpretation von Curd Jürgens ist kaum zu übertreffen. Ob das Remake 2020 die gleiche Qualität, dieselbe psychologische Dicht aufweist, bleibt dahingestellt. Die Regie im neuen Film führt Philipp Stölzl.

Der spanische Komponist Cristóbal Halffter komponierte 2012 für das Kieler Opernhaus eine Oper zur Schachnovelle. Das Libretto schrieb Wolfgang Haendleler. Die Oper wurde am 18. Mai 2013 in Kiel uraufgeführt.

 

"DER SCHIMMELREITER"    Theodor Storm

Der Schimmelreiter nach der gleichnamigen Novelle Theodor Storms (1817- 1888) wurde 1984 als Deutsch-Polnische Gemeinschaftsproduktion an der Ostsee (DDR und Polen), in Klockenhagen sowie in Stralsund gedreht.

Der Dramaturg Bernd Schirmer zusammen mit dem Regisseur Klaus Gendries erarbeiteten ein Drehbuch, welches auf der Storm’schen Erzähltechnik, basiert und diese Erzähltechnik im Film auch sichtbar macht.

Dazu schreibt die Theodor Storm Gesellschaft in Bezug auf die verschiedenen Schimmelreiter-Verfilmungen: >Es ist der einzige Film, der die Rahmentechnik Storms aufgreift und damit versucht, das für Storms Erzählkunst so bedeutsame Erinnerungsmotiv filmsprachlich umzusetzen<!

Der Schimmelreiter 1984 gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Jedes Mal, wenn ich den Film anschaue, entdecke ich neue Aspekte und Feinheiten der Produktion.

Der Schimmelreiter wurde auch 1933 von Hans Deppe und 1978 von Alfred Weidmann verfilmt. Keine der beiden Produktionen reicht an die DDR-Verfilmung heran.

Unter dem Titel "Die Schimmelreiter" wurde in Deutschland 2008 ein Film produziert, welcher mit Storms Schimmelreiter nichts zu tun hat.

Gute Unterhaltung und viel Vergnügen!

 

Peter Heuberger, Basel 25.4.2020

 

 

Verfilmte Bühnenproduktionen und Filme nach Literaturvorlagen - Teil 1

Als Ergänzung zu den sehr lesenswerten und informativen Betrachtungen von Ralph Piontek über Audio und Videoproduktionen, welche als Vorlagen für die Libretti Dramen von William Shakespeare verwenden, stelle ich nachfolgend einige verfilmte Bühnenproduktionen und Filme von Shakespeares Dramen vor.

1987 beschloss die BBC in einem sechs Jahre dauernden Projekt alle dramatischen Werke von William Shakespeare’s zu produzieren und diese innerhalb dieser Zeit auch zum ersten Mal auszustrahlen.

Mit "ROMEO AND JULIET" eröffnete die BBC den Shakespeare-Reigen am 3. Dezember 1978, gefolgt von "RICHARD II" am 10. Dezember des gleichen Jahres und als vorweihnachtliche Überraschung "AS YOU LIKE IT". Mit der Ausstrahlung von "TITUS ANDRONICUS" wurde die Serie am 27. April 1985 abgeschlossen. Die gesamte Werkliste der BBC füge ich am Ende des Artikels an.

Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die grösste Produktion von Dramen eines einzigen Schriftstellers. Die Schauspielerinnen und Schauspieler, welche auf den 38 DVD erscheinen, gehören zu den besten Shakespeare InterpretInnen weltweit. Die Bildsprache, die Regie und die Interpretation gehören neben den Produktionen von Orson Welles und Laurence Olivier zum Besten, was ich je gesehen und gehört habe. Natürlich hat eine TV-Produktion im Studio mehr Möglichkeiten zur Verfügung, da es sich um Spielfilme im wahrsten Sinne des Wortes handelt. Dazu kommt, dass der rein kommerzielle Aspekt, welcher in Kinofilmen sonst eine wichtige Rolle spielt, bei diesem Projekt innerhalb des gegebenen Rahmens ausser acht gelassen wurde

Sehenswert ist auch die Zusammenstellung von sechs Filme in welchen Sir Laurence Olivier (1907 – 1989) die Hauptrolle spielt und zum Teil auch Regie führt:

"LAURENCE OLIVIER: SHAKESPEARE COLLECTION" :

As You like it (1936), Henry V (1945), Hamlet (1948), Richard III (1955), King Lear (1983), Merchant of Venice (1973). Auf der Bonus DVD interviewt der englische Journalist Michael Parkinson Sir Laurence Olivier (1970). Der dreifache Oscar - Preisträger ist einer der grössten englischsprachigen Bühnen- und Filmdarsteller des 20. Jahrhunderts.

Legendär sind sicher auch zwei Shakespeare Produktionen von Orson Welles (1915 -1985):

"MACBETH" aus dem Jahr 1947 und "OTHELLO", Produktionsbeginn 1948, fertiggestellt 1952. In diesem Jahr gewann war der Film Gewinner des Festivals "PALME D’OR" in Cannes.

Anzumerken ist, dass zur Entstehungszeit der beiden Werke von Welles IT-Tonspuren, also Tonaufnahmen ohne Sprache nicht üblich waren. In den deutschen Nachsynchronisationen wurde die akustische Besonderheit der Welles-Filme oft nicht übernommen. Es ist also unabdingbar, sich die Originalversion mit Untertiteln, wenn überhaupt vorhanden, anzusehen.

Interessant ist eine Verfilmung von "KING LEAR" AUS DEM Jahre 1970. In der Hauptrolle der englische Schauspieler Paul Scofield (1922- 2008). Für die Regie zuständig war Peter Brook (1925), ein ausgewiesener Kenner der Dramen Shakespeare’s. Brook ist vor allem bekannt als Regisseur für das Musik- und Sprechtheater.

Unter den vielen Filmen in welchen Kenneth Branagh Regie führt und/oder als Schauspieler mitwirkt sind für mich zwei seiner Shakespeare Verfilmungen erwähnenswert:

"HERNRY V" (1989), und " MUCH ADO ABOUT NOTHING" (1993). In Henry V spielt Kenneth Branagh die Hauptrolle und führt auch Regie. In weiteren Rollen erscheinen Emma Thompson, Judy Dench, Paul Scofield und andere mehr. Die Filmmusik, komponiert von Patrick Doyle, wird gespielt vom CITY OF BIRMINGHAM SYMPHONY ORCHESTRA dirigiert von Sir Simon Rattle.

Much ado about nothing, eine Hollywood Produktion, wurde in Italien gedreht. Regie führte wiederum Kenneth Branagh. Er erscheint in der Rolle des Benedikt, seine Gegenspielerin ist Emma Thompson als Beatrice. Keanu Reeves interpretiert den Don Juan. In weiteren Rollen: Kate Beckinsale, Robert Sean Leonard, Denzel Washington und andere mehr. Sämtliche Dialoge entstammen dem Originaltext. Dies wie bei allen Shakespeare-Verfilmungen von Branagh. Für den Film wurde allerdings stark gekürzt und Szenen umgestellt. Die originale Bühnenversion dauert ungefähr fünf Stunden. Für den Film war jedoch eine Kürzung auf 106 Minuten notwendig. Shakespeares Stück ist eigentlich in Sizilien angesiedelt. Der Film jedoch wurde in der Toskana gedreht.

Nicht zu unterschätzen sind zwei weitere Verfilmungen aus Kalifornien:

"HAMLET" mit den ProtagonistInnen Mel Gibson, Glenn Close, Alan Bates, Paul Scofield, Ian Holm und Helen Bonham-Carter. Regie führte Franco Zeffirelli. Der Film wurde 2000 gedreht.

Unter der Regie von Michael Radford mit hervorragenden Schauspielern und Schauspielerinnen entstand 2004 William Shakespeare’s Drama "THE MERCHANT OF VENICE".

Al Pacino (Shylock), Jeremy Irons (Antonio), Joseph Fiennes (Bassanio), Lynn Collins (Portia), Zuleikha Robinson (Jessica) und andere mehr. Gedreht wurde vor allem in Venedig. Das Budget für diesen Film betrug US$ 30 Millionen.

Meines Erachtens sind die aufgeführten neueren Hollywood -Produktionen gute Unterhaltung, spannend produziert und mit hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt. Die Qualität, sowohl sprachlich als auch schauspielerisch der BBC Produktion, den Filmen mit Laurence Olivier oder Orson Welles erreichen diese modernen Produktionen nicht. Sie kommen zwar sehr spektakulär daher, bleiben aber in ihrer Interpretation an der Oberfläche, ohne die Tiefe des Universums Shakespeare zu erreichen.

Als Hilfe um Shakespeare zu verstehen kann ich das Werk von Isaac Asimov empfehlen:

"ASIMOV’S GUIDE TO SHAKESPEARE"

1970 ISBN 978-0-517-26825-4.

"WAS MAN WISSEN MUSS UM SHAKESPEARE ZU VERSTEHEN"

Mit einem Vorwort von Tobias Döring 2014  ISBN 978-3-89581-330-6

Isaac Asimov war Professor für Biochemie in Boston und Schriftsteller von Sciencefiction Romanen (Foundation, Foundatuion and Empire u.a.). Asimov zu seinem Buch: »Die meisten Leser sind mit der griechischen Mythologie oder der römischen Geschichte nicht mehr vertraut. Und noch schlechter kennen sie sich in der englischen Geschichte aus. Wenn man genauer weiß, was die Stücke behandeln, kann das neue Dimensionen eröffnen. Das möchte ich mit diesem Buch erreichen.«

 

Peter Heuberger, Basel 22.4.2020

 

Verfilmte Opern und Operetten - Teil 2

In meinem heutigen Beitrag stelle ich Ihnen drei DVD-Produktionen aus den 70er Jahren sowie eine Schallplattenproduktion auf CD aus dem Jahr 1959 vor.

Es sind dies:

 

Albert Lortzing                 ZAR UND ZIMMERMANN   (1969) Arthaus Musik        101 269 

Carl Maria von Weber    DER FREISCHÜTZ              (1968) Arthaus Musik        101 271

Carl Maria von Weber    DER FREISCHÜTZ              (1959) EMI CD                    CMS 7 69342 2

Johann Strauss              WIENER BLUT                     (1971) DG                            00440 073 4436

 

Die Aufnahmen Der Freischütz (1968) und Zar und Zimmermann (1969) wurden von der Staatsoper Hamburg unter der Intendanz (1959 bis 1974) von Rolf Liebermann realisiert. Die Inszenierungen leitete Joachim Hess. Die beiden DVD stammen aus einer Serie von 13 Musikfilmen, welche Liebermann mit der Staatsoper Hamburg realisierte. (Auflistung der Liebermann’schen Musikfilme am Ende des Artikels) Das Libretto stammt von Johann Friedrich Kind. Am 18. Juni 1821 im Königlichen Schauspielhaus Berlin wurde die Oper Uraufgeführt und wurde ein Riesenerfolg.

>Webers Oper wurde in der Musikkritik schon unmittelbar nach der Erstaufführung als die „erste deutsche Nationaloper“ bezeichnet. Die Allgemeine Musikalische Zeitung schrieb im April 1843: Kinds und Webers Freischütz ist aber auch eine echt deutsche Oper. Ja, man kann in gewisser Hinsicht sagen, sie hat in sich selbst die erste in jeder Beziehung rein deutsche Nationaloper hingestellt. Die älteren Erscheinungen auf dem Gebiete der deutschen Oper (natürlich ist hier nur von den bedeutenden die Rede) hatten fast alle irgendetwas Fremdartiges, Nichtdeutsches an sich, sei es in der Musik oder in den Büchern<. (© Wikipedia)

Die Sängerinnen und Sänger im Freischütz: Als Samiel der unvergessliche Bernhard Minetti, Ernst Kozub singt den Max, Kaspar wird von Gottlob Frick interpretiert, Als Agathe hören wir Arlene Saunders und als Ännchen Edith Mathis. Den Eremiten gibt der junge Hans Sotin und Cuno wird von Toni Blankenheim gesungen.

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg wird von Leopold Ludwig dirigiert. Auch Chor und Ballett der Staatsoper Hamburg sind mit von der Partie. Einstudiert wurden die zahlreichen Chorpartien von Günther Schmidt-Bohländer.

Sehr hörenswert ist auch die Aufnahme DER FREISCHÜTZ aus dem Jahr 1959, heute als CD veröffentlicht. Die Berliner Philharmoniker spielten unter der Stabführung von Joseph Keilberth. Der Chor der Deutschen Oper Berlin wurde geleitet von Hermann Lüddecke.

Die Solisten dieser Aufnahme: Herrmann Prey (Ottokar), Ernst Wiemann (Kuno), Elisabeth Grümmer (Agathe), Lisa Otto (Ännchen), Karl Christian Kohn (Kaspar), Rudolf Schock als herausragender Max, Gottlob Frick (Eremit) und als dämonischer Samiel, der Sänger/Schauspieler Fritz Hoppe.

Das Libretto für ZAR UND ZIMMERMANN schrieb Lortzing gleich selber. Die Uraufführung fand am 22. Dezember 1837 im Stadttheater Leipzig statt. Albert Lortzing spielte die Rolle des Peter Iwanow, hatte er doch die Partie für seine Fähigkeiten als Sänger abgestimmt. Mit seiner Oper im Stil der französischen " Opera comique in deutscher Sprache gelang es dem Komponisten für das Musiktheater in Deutschland den Stil der Spieloper oder Komischen Oper zu entwickeln.

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg wird von Sir Charles Mackeras geleitet. Auch in dieser Produktion wurden die vielen Chorpartien von Günther Schmidt-Bohländer einstudiert.

WIENER BLUT ist eine Operette von Johann Strauss. Die Uraufführung fand in Wien am 26. Oktober 1899, wenige Monate nach dem Tod von Johann Strauss (3. Juni 1899), statt.

Der betagte Strauss lehnte es ab, ein neues Werk zu schreiben. Franz Jauner, seines Zeichens Direktor des Wiener Carltheater, überredete den Komponisten, nach einem Libretto von Victor Léon und Leo Stein eine Zusammenstellung aus seiner Tanzmusik zu schaffen. Gesundheitlich angeschlagen, schaffte es Strauss nicht mehr sein letztes Werk zu vollenden, so dass Adolf Müller, Dirigent am Theater an der Wien, die Arbeit übernahm. Strauss starb im Juni 1899, wenige Monate vor der Uraufführung. Er musste den Misserfolg seines letzten Bühnenwerkes nicht mehr erleben. Erst die Wiederaufnahme im April 1905 unter Artur Bodanzky verhalf der Operette WIENER BLUT endlich zum verdienten Erfolg.

Wiener Blut ist leichte Kost, amüsant in der Handlung und eine Kompilation der bekanntesten Melodien aus dem Werk von Strauss.

Was die Produktion aus dem Jahre 1971 so hörenswert macht ist der "Aufmarsch" Solistinnen und Solisten: Als Fürst Ypsheim-Gindelbach ist zu hören und sehen: Benno Kusche. Hervorragend als Balduin Graf Zedlau: Rene Kollo, übrigens 1971 am Beginn seiner Karriere als Wagnersänger. Elegant und verführerisch, mit wunderbarer Stimme als Gabriele Gräfin Zedlau, Ehefrau des Schwerenöters Balduin: Ingeborg Hallstein. Als hinreissende Franziska Cagliari: Dagmar Koller, bei allen Wienern immer noch beliebt die Probiermamsell Pepi Pleininger: Helga Papouschek. Frau Papouschek steht, zur Freude des Wiener Publikums, immer noch auf der Bühne. Ferry Gruber spielt und singt den Josef, Kammerdiener des Grafen Zedlau. Seine Interpretation dieser Rolle dürfte schwer zu übertreffen sein.

Interessant in diesem Musikfilm ist der Unterschied in der Darstellungsart der Musical/ Operettendarstellerinnen und Darsteller (Papouschek, Koller, Gruber) und der eher dem Opernfach zuzuordnenden Sängerinnen und Sänger (Hallstein, Kollo, Kusche) zu studieren. Es gibt keinerlei Unterschiede in der professionellen Qualität der Solistinnen und Solisten, sondern nur Unterschiede in der Rollenauffassung. Dies ist sicher auch der ausgezeichneten Arbeit des Regisseurs Hermann Lanske zuzuschreiben.

 

Musikfilme, welche Rolf Liebermann realisierte: Die Hochzeit des Figaro (1967), Fidelio (1968),

Der Freischütz (1968), Die Teufel von Loudon (1969), Hilfe, Hilfe, die Globolinks (1969),

Zar und Zimmermann (1969), Elektra (1970), Die Zauberflöte (1971),

Die Meistersinger von Nürnberg (1971), Wozzeck (1972), Orpheus in der Unterwelt (1973)

 

Peter Heuberger, Basel 20.4.2020

 

Verfilmte Opern und Operetten - Teil 1

In meinen nächsten Beiträgen werde ich nicht neue Silberscheiben vorstellen, sondern CD-Produktionen und DVD-Filme, welche vor 1995 oder früher produziert wurden.

Den Anfang machen zwei Produktionen, welche unterschiedlich nicht sein könnten:

 

1979 Wolfgang Amadeus Mozart: DON GIOVANNI          
Concorde Classic Selection 2452                                                                 

1975 Johann Strauss:   DER ZIGEUNERBARON 
Deutsche Grammophone           0044 073 4437

 

Im Juni 1978, vor Drehbeginn zu DON GIOVANNI, schrieb der Regisseur Joseph Losey an die Sängerinnen und Sänger und an seinen Aufnahmestab: >Unser Film soll an das derzeitige Niveau von Operninszenierungen an den grossen Opernhäusern heranreichen<! (© Concorde)

Wenn man den Film von Joseph Losey und Lorin Maazel heute, nach 42 Jahren wieder anschaut, kann man/frau nur feststellen: Das vom Regisseur gesetzte Ziel wurde erreicht, ja sogar übertroffen.

Die Visualisierung der Ouvertüre, ein Besuch in Murano ist von einer Kraft, welche in anderen Opernverfilmungen ihresgleichen sucht, aber nicht findet! Der Übergang zu Leporellos Aufritt: >Notte e giorni faticar< musikalisch und darstellerisch hervorragend.

Die Regie versucht nie, eine Bühneninszenierung zu imitieren, sondern verwendet die Möglichkeiten des Spielfilmes zur Dramatisierung der Oper. Dazu kommt ein hochkarätiges Ensemble von Sängerinnen und Sänger, welches in ähnlicher Zusammensetzung auch heute auf einer Opernbühne nur sehr selten zu sehen und hören ist.

Das Orchester und der Chor der Pariser Oper unter der Stabführung von Lorin Maazel interpretieren Mozarts Meisterwerk mit professioneller Präzision und sehr viel Empathie. Speziell erwähnenswert ist die Begleitung der Rezitative durch die Cembalistin Janine Reiss.

Die Sängerinnen und Sänger: Ruggiero Raimondi/Don Giovanni, John Macurdy/der Komtur, Edda Moser/Donna Anna, Kiri Te Kanawa/Donna Elvira, Kenneth Riegel/Don Ottavio,
Jose van Dam/Leporello, Teresa Berganza/Zerlina, Malcolm King/Masetto, Eric Adjani/ Kammerdiener in schwarz.

Das Budget war mit 7 Mio. US $ für 1978 nicht unbedingt mager, das Resultat jedoch ist den Preis wert.

Die Geschichte der Entstehung des Musikfilms DER ZIGEUNERBARON, einer Produktion des ZDF aus dem Jahre 1975, Regie von Arthur Maria Rabenalt, liest sich ein wenig anders:

Neben grossen Sängerinnen und Sängern wie Wolfgang Brendel als Graf Peter Homonay, Martha Mödl als Mirabella, Hans Krämer als Conte Carnero und natürlich Ivan Rebroff als Kálmán Zsupán singen und spielen am Anfang ihrer Karriere stehenden Sängerinnen und Sänger: Siegfried Jerusalem als stimmgewaltiger Sándor Barinkay, Ellen Shade als überzeugende junge Zigeunerin/Fürstentochter Saffi und als verführerische Arsena, Tochter Zsupáns, Janet Perry. Die Zigeunerin Czipra wird interpretiert von Biserka Cvejic.

Speziell ist auch die Geschichte, mit welcher, Siegfried Jerusalem, Fagottist im Südfunk-Sinfonieorchester Stuttgart, zur Rolle als Barinkay kam. Franco Bonisolli, ursprünglich vorgesehen für die Rolle von Barinkay, sagte kurzfristig ab. Jerusalem, er lässt sich seit 1961 als Sänger ausbilden, singt dem Dirigenten Kurt Eichhorn vor und wird, zwei Jahre vor seinem Bayreuther Debut als Loge für die Rolle von Barinkay engagiert. Als Sänger ist dies eine späte Karriere. Seit ich jedoch Siegfried Jerusalem 2019 in den Meistersingern in Berlin hörte und sah, bin ich der Meinung, dass viele Sängerinnen und Sänger ihre Karrieren zu früh mit grossen Rollen überladen.

Rabenalt hat mit seiner Bearbeitung, trotz einiger Streichungen, einen sehenswerten und amüsanten Film geschaffen. Der musikalische Inhalt wurde voll beibehalten. Gewisse Szenen würde man heute vielleicht als zu süss bezeichnen, entsprechen aber den gängigen und populären Operetteninszenierungen des ausgehenden 19. und Anfang 20. Jahrhunderts. Zu bemerken ist auch, dass der Zigeunerbaron dem Genre Komische Oper recht nahekommt.

Auch diese DVD ist sehenswert und muss als sehr gute Unterhaltung in der theaterlosen Zeit bezeichnet werden.

Peter Heuberger, 8.4.2020

 

Der Opernfreund stellte die nachstehenden Fragen an  Persönlichkeiten der internationalen Theaterwelt

1.) DAS REGIETHEATER

Georges Delnon,     Intendant der Staatsoper Hamburg

Stephan Märki,        Intendant Staatstheater Cottbus Spielzeit 2020/2021

Barbara Mundel       Intendantin Münchner Kammerspiele Spielzeit 2020/2021

Giuliano Betta          Dirigent, erster Kapellmeister Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Rolf Romei                Tenor

Calixto Bieito           Regisseur

Olivier Py                   Regisseur, künstlerischer Leiter Festival d’Avignon

 

OF: Viel ist die Rede vom Regietheater. Im Musiktheater war früher oft der Dirigent der Vorherrschende, heute scheint es der Regisseur zu sein. Im Sprechtheater führt allem Anschein nach das Regietheater oft zu Verstümmelung und extremen Kürzungen der Texte und/oder der Musik.  Halten solche Mechanismen nicht oft das Publikum vom Theaterbesuch ab? Oder haben die Theater Angst, lange Aufführungen könnten das Publikum vom Besuch abhalten?

 

Olivier Py: Abhalten?! Aus welchem Grund? Ich glaube nicht. Das Publikum kommt ins Theater, in die Oper weil sie eine neue Generation Regisseure, Dirigenten erleben wollen. Auch ändert sich natürlich der Zuschauer, die Zuschauerin. Und ich glaube auch, dass das neue Publikum Interpretationen sehen will, welche mit der modernen Welt verbunden ist, der neuen Welt einen Spiegel vorhält. Wenn das Publikum fehlt, ist der Grund meiner Meinung nach der Eintrittspreis, welcher doch oft sehr hoch, zu hoch erscheint! Wobei anzumerken ist, dass eher das Sprechtheater unter dem Zuschauerschwund leidet. Musiktheater kommt meiner Erfahrung nach sehr gut an und verkauft sich auch gut. Regietheaterismus ist schlussendlich eine journalistische Sichtweise. Jeder Künstler, Regisseur, Dirigent, Sänger oder Sängerin ist ein Original, nie eine Kopie und hat seine eigene Sichtweise auf eine Rolle, ein Werk. Ich bin überzeugt, dass ein Regisseur zum Beispiel nicht bewusst schockieren will, sondern an seine Sichtweis als ein schönes Kunstwerk glaubt. Es kommt vor, dass ich ein Stück traditionell, originalgetreu inszeniere und damit den grossen Skandal hervorrufe. Wieso? Ich weiss es nicht.

Georges Delnon: Nein, dies ist sicher nicht der Fall. Nicolas Stemann hat 2011 in Salzburg einen achtstündigen Faust inszeniert und auch Frank Castorf scheut sich nicht vor langen Inszenierungen und beide haben damit Erfolg, das heisst Publikum. Man hat zum Teil die Texttreue aufgegeben, um den Drang nach neuen Formen, neue Interpretationen ausleben zu können. Regisseure wollen nicht unbedingt den Text inszenieren, sondern übernehmen die Strukturen oder die Personen. Ich habe den Eindruck, dass es im Schauspiel extrem darum geht, den Zeitgeist zu bedienen, neuen Zeitgeist zu provozieren. Dies funktioniert beim Sprechtheater, bei der Oper ist dies nicht so einfach zu bewerkstelligen. Es gibt Möglichkeiten, die relativ starre Form der Oper aufzubrechen und Christoph Marthaler hat dies in seiner Inszenierung "La Grande-Duchesse de Gérolstein" auch gemacht. Ich bin überzeugt, dass man heute eine Zauberflöte zum Beispiel modern inszenieren kann, mit Sorgfalt und historischem Bewusstsein, so dass sehr unterschiedliche Altersklassen, unterschiedliches Publikum angesprochen wird. Eines der Probleme besteht darin, dass ein guter Teil unserer Zuschauer in den letzten Jahren einfach weggeblieben ist. Diese Leute kommen ohne Diskussion einfach nicht mehr ins Theater. Dieser fatale Mechanismus muss durchbrochen werden. Dies ist meine Aufgabe als Intendant, dies sollte die Aufgabe aller Theaterintendanten sein. Ich wünsche mir ein Theater als Plattform, auf welcher sich Theaterfreunde, Theaterbegeisterte aller Altersklassen treffen.

Barbara Mundel: Dies ist durchaus ein Thema. Wenn Inszenierungen schlecht sind und diese Art von Regie nur noch als Mode ohne Hintergrund daherkommt, so schadet dies der Institution Theater. Regietheater, modernes Theater ganz allgemein, lebt von der intelligenten Interpretation! Regietheater gibt es aber schon lange. So inszenierte 1981 Hans Neuenfels in Frankfurt "AIDA". Am Pult: Michael Gielen. Auch dies war Regietheater, eine Neuinterpretation, ohne das Werk als Oper zu verstümmeln, welche nicht mehr in Ägypten spielte. Eine wirkliche spannende, aufregende Inszenierung. Schlussendlich aber wurde dies einer der grossen Opernskandale, weil das Publikum eine ganz andere Aufführung erwartete. Das Problem für uns heute ist die "Erwartungslosigkeit" der Besucher. Natürlich gibt es immer noch Theaterliebhaber, welche erwarten, dass Aida in Ägypten und "THE MERCHANT OF VENICE" in Venedig spielt. Aber es gibt wesentlich mehr Leute, für welche die Reibungen, die Unterschiede zum Original gar keine Aufregung, Enttäuschung mehr bedeuten. Dazu kommt, dass sich durch die zunehmende Migration die Frage stellt, welches Theater für ein Publikum mit einem komplett anderem kulturellen Hintergrund zu machen ist

Stephan Märki: In jeder Premiere versuchen wir, Neues auszuprobieren. Aber was ist denn Regietheater? Das heutige Theatersystem basiert in seinem Wesen auf Goethe und Schiller, die in Weimar den Begriff des Theaters als moralische Anstalt geprägt haben. Das bedeutet aber nicht, Moral von der Bühne herunter zu predigen. Goethe und Schiller haben gefragt: „Was ist der Mensch? Was kann der Mensch? Wo will er hin?“ So ist jenes Theater entstanden, wie es heute im deutschen und europäisch orientierten Sprachraum existiert. Das System hat sich seitdem nicht wesentlich verändert. Man könnte sagen, dass Schiller und Goethe die ersten Regietheaterautoren waren – Schiller und Goethe haben viele ihrer Werke selbst auf die Bühne gebracht. Regietheater ist Interpretation der dramatischen Vorlage. Es hat die Aufgabe, bestehende Texte aus heutiger Sicht zu untersuchen, ihren heutigen Gehalt zu finden und dies zur Diskussion zu stellen. Weder Goethe noch Schiller oder Shakespeare werden uns aus dem Grab die Hand reichen und uns mitteilen, wie es damals gemeint war. Selbst wenn dies möglich wäre, müssen wir heute anders, neu interpretieren, auf die Bühne bringen. Theater hat die Aufgabe, mit seinen ästhetischen Mitteln Interpretationen der Werke zur Diskussion zu stellen. Ein reines vom Blatt spielen würde nicht zu Diskussionen darüber führen, ob das Theater seine Aufgabe erfüllt hat, Texte auf ihre heutige Relevanz zu befragen. Je höher das Risiko bei einer neuen Interpretation, desto grösser die Fallhöhe. Das Theater und auch das Konzert müssen sich aber immer der Frage stellen, wie das Publikum erreicht wird. Zuschauen und Zuhören muss sich genauso weiterentwickeln wie das Produzieren. Diese Interaktion zwischen Bühne und Zuschauerraum ist wesentlich für Theater. Theater von heute ist immer ein Spiegel der heutigen, facettenreichen Gesellschaft. Allerdings existiert das Publikum nicht, mit einer Produktion kann man nie das gesamte Publikum ansprechen. Verglichen mit den neuen Medien ist das Theater eine langsame Institution und hinkt hinterher, ist dafür aber nachhaltiger und beständiger, kann mehr in die Tiefe gehen. Die vornehmste Aufgabe für das Theater ist dadurch, die Vielfältigkeit des Publikums in den Blick zu nehmen. Dies gilt für Musiktheater, Tanz, Konzert und Schauspiel, für alle Kulturinstitutionen. Das Publikum muss in frühester Jugend abgeholt werden. Auch die Formen müssen sich ändern. In unserer von Migration geprägten Gesellschaft ist es wichtig, die Heterogenität der heutigen Welt zu spiegeln, unseren westeuropäischen Kulturbegriff zu weiten, Partizipationsprogramme anzubieten, etc., etc. Das darf sich nicht nur auf Erwachsene beschränken. Theater, Musik, Kunst überhaupt sind ein wichtiger, ja wesentlicher Bestandteil von Integrationsprozessen. Dieser Schulungsprozess müsste mindestens eine Generation voraus angedacht werden. Eigentlich sind wir damit gesellschaftlich weit hinterher.

Giuliano Betta: Das Wichtigste in einer Musikproduktion ist das Team. Der Regisseur, der musikalische Leiter, die Sänger und Sängerinnen müssen zusammenarbeiten, einen Konsens finden. Speziell schwierig wird es, und das kommt oft vor, wenn die Ideen der Regie stark, zu stark von den musikalischen/dramaturgischen Vorgaben eines Komponisten abweichen. Wichtig ist, dass der Inhalt "richtig", was immer dies heisst, wiedergegeben wird. Dann bin ich offen für alle Arten von Regieführung. Theater soll und muss sich entwickeln. Ich freue mich über die neuen kreativen Ideen, welche junge RegisseurInnen und ChoreographInnen in die Produktionen eingebringen. Interpretation ist wichtig, sei es dramaturgisch, sei es musikalisch. Carlos Kleiber und Leonhard Bernstein zum Beispiel, haben die Art der Interpretation weiterentwickelt, modernisiert. Man muss seine eigene Auffassung ohne Angst, ohne Zweifel, aber mit Herz und Intelligenz einbringen, aber dabei darauf achten, dass diese neuen Gedanken dem Werk dienen. Entweder gefallen diese Ideen oder sie gefallen nicht! Nur so kann sich das Musiktheater, das Theater ganz allgemein weiter entwickeln.

Rolf Romei, Tenor: Als ich jung war, habe ich weder grosse Aufführungen gesehen noch grosse Sänger gehört. Ich stamme als Bauernsohn nicht aus einem künstlerischen Umfeld, daher kann ich das heutige Musiktheater nicht aus "historischer " Sicht beurteilen. Ich arbeite in Basel am Basler Theater, hatte hier durch Maya Boog, die ich noch aus Studienzeiten kannte, auch schon einige Aufführungen gesehen, bevor ich selber hierher kam. Das Theater Basel war für mich immer mein Wunschtheater, da Basel bekannt ist für aktuelle, für mich spannende, zeitgerechte Umsetzungen der Opernliteratur. Ich bin kein Freund von nicht werkgerechten Inszenierungen, bei welchen ein Konzept einfach über den Stoff gelegt wird. Dies kann nur in Teilbereichen eines Werkes funktionieren, wird das dann aber aus Prinzip durchgezogen, und endet in einer Aufführung, welche insgesamt nicht überzeugen kann. Aber: `Ich liebe es, mich mit dem Stoff, mit den Emotionen welche mit einem Werk geweckt werden können, auseinander zusetzen`. >Es ist wichtig, dass mit den Inszenierungen Geschichten erzählt werden. Wenn dies nicht passiert, wird es für mich schwierig, zu arbeiten. Wenn das Publikum nicht nachvollziehen kann, was auf der Bühne vor sich geht, wenn die "Story" unklar ist, dann ist die Arbeit auf der Bühne verfehlt. Ich durfte hier in Basel in vielen Produktionen, teils sehr spannenden Inszenierungen, mitarbeiten, bei welchen ich mich immer voll einbringen konnte<.

Calixto Bieito, Regisseur: Ich bin ein Verfechter des reinen Textes, wie er vom Autor verfasst worden ist! Das heisst für mich, dass ich zum Beispiel Richard III so inszeniere wie es vom Text, von einer anerkannten Übersetzung vorgegeben wird, und zwar ohne wesentliche Kürzungen oder Veränderungen. Natürlich interpretiere ich, als Regisseur, auf meine Weise die Personenführung, die Inszenierung. Ich werde zwar als Skandal-Regisseur wahrgenommen und meine Regieführung gibt immer wieder zu Diskussionen Anlass, eigentlich aber bin ich sehr altmodisch, humanistisch. Ich bin ein grosser Verehrer von Shakespeare's Texten. Zu bedenken dabei ist, dass in den Originalschriften Interpunktionen weitgehend fehlen und aus diesem Grunde unterschiedlich interpretiert werden können. Regisseurinnen und Regisseure sind heute Spielleiter. Und das Spiel kann eben sehr unterschiedlich aussehen oder angeleitet werden. Mal ist es eher der Narration, ein andermal dem Diskurs verpflichtet. Ich persönlich interessiere mich mehr für Erzählungen als für Lehrveranstaltungen auf dem Theater. Ich denke, dass Dokumentationen im Film oder in anderen Medien pointierter sein können. Aber ich lasse mich immer gern überraschen und vom Gegenteil überzeugen – gutes Theater überrascht einen doch immer und es ist gut so, wenn es die eigenen Erwartungen überwältigt, denn das ist eine Aufgabe der Kunst. 

 

2.) Stadttheater und Grossanlässe

Georges Delnon,     Intendant der Staatsoper Hamburg

Stephan Märki,        Intendant Staatstheater Cottbus (Spielzeit 2020/2021)

Barbara Mundel       Intendantin Münchner Kammerspiele (Spielzeit 2020/2021)

Giuliano Betta          Dirigent, erster Kapellmeister Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

 

OF: Es fällt mir auf, dass Aufführungen wie z.B. Aida in Pfäffikon, Classic Open Air Solothurn oder Opera Basel, trotz sehr stolzen Preisen, verglichen mit z.B. Freiburg, Basel oder Bern gut besucht sind, auch wenn die künstlerischen Leistungen bei Weitem nicht dasselbe Niveau erreichen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

 

Georges Delnon: In der heutigen Event Kultur wird das Zusatzgeschäft als Einnahmequelle zur Querfinanzierung zunehmend wichtiger, zum Teil sogar unverzichtbar. Als Intendant staune ich, dass einerseits der Publikumszustrom zum Beispiel nach Salzburg so zugenommen hat, dass Alexander Pereira meldet, dass die Warteschlangen noch nie so lang waren wie 2013. Ich glaube, dass Pereira als guter Geschäftsmann spürt, dass es eine Sehnsucht für das Theater von gestern gibt und dieses "Nachtrauern" ausnützt. Aber in der Kunst, und nicht nur im Theater, herrscht ein Bestreben Neues zu erfinden. Ich fühle den Zwang, anscheinend im Gegensatz zu Pereira, immer neue Sachen zu versuchen, neue Formen zu entwickeln, entwickeln zu lassen. Und es ist für mich auch spannend, den Bogen zwischen Tradition und Avantgarde zu schlagen.

Barbara Mundel: Vielleicht das vermeintlich Spektakuläre, der moderne Trend zum "Event-Besuch"! Ich habe diesen Sommer in St. Gallen die Freilichtaufführung "ATTILA" von Giuseppe Verdi gesehen. Ich kann einer Inszenierung mit Mikrofonen und Verstärkung nichts abgewinnen. Dies ist, obgleich eben spektakulär, gar nicht mein Ding. Ich möchte aber die Event-Kultur nicht einfach abwerten. Nein! Wenn wir hier in Freiburg den Ring-Zyklus machen und diesen dann innerhalb einer Woche aufführen, ist das natürlich auch ein Ereignis, etwas Besonderes, neuhochdeutsch ein "Event"! Es ist wichtig und richtig, dass Leute an diesen "Events" mit Opern in Kontakt kommen. Bloss bin ich der Meinung, dass das gewachsene Theater als Institution, als Kulturzentrum einer Stadt nachhaltiger ist. Woher diese meine Hoffnung kommt, weiss ich nicht, aber ich bin zutiefst davon überzeugt.

Stephan Märki: Diese Veranstaltungen sind abhängig von einem sehr hohen Eigenfinanzierungsgrad und können sich daher keine Experimente erlauben. Das ist aber auch nicht ihre Aufgabe. Solche Festivals haben Eventcharakter und sind auf die besondere Einmaligkeit ihres Ereignisses angewiesen. Dadurch sind sie auch für grosse Sponsoren interessant.

Giuliano Betta: Eine Oper wurde immer für das Publikum geschrieben, ihre Aufführung war immer auch ein gesellschaftliches Ereignis. Die Zuschauer möchten eine Oper, aber auch das Ereignis geniessen. Dazu gehört das gemeinsame Erleben von Musik, ein spezieller Ort, Kulinarik etc. "Genuss" ist immer eine individuelle Sache, aber meiner Meinung nach kann nur ein Dirigent, der sich auch der übrigen Faktoren bewusst ist und diese nachempfinden kann, ein guter Dirigent sein. Erst dann kann er dem Publikum die Musik näherbringen. Ich, Giuliano Betta, geniesse das Leben! Obwohl ich ein Purist der Musik bin, kann ich nachvollziehen, dass auch künstlerisch nicht perfekte Produktionen grossen Erfolg haben können. Vielleicht ist unser künstlerischer Anspruch oft zu hoch. Vielleicht vergessen wir als Perfektionisten gelegentlich, was dem Publikum gefallen könnte. Alle Theater sind aber gezwungen, immer wieder neu, anders zu inszenieren, zu versuchen, dem Publikum neue Horizonte zu eröffnen. Vielleicht versuchen wir das des Öfteren in zu grossen Schritten. Die Schulung des Zuhörens, des Zusehens sollte in kleinen Schritten, in homöopathischen Dosen geschehen! Natürlich gibt es im Theater auch Traditionen, welche abgeschafft gehören. Zum Beispiel das Da-Capo Singen nach Szenenapplaus, wie das in der Mailänder Scala immer noch verlangt wird. Ich bin der Auffassung, dass es wichtig ist, in einer Oper die Katharsis nach Goethes Muster, also den Ausgleich der Leidenschaften bei den Protagonisten, zu erreichen. So kann auch der Eindruck entstehen, dass feste Theaterinstitutionen zu wenig Wert auf den Eventcharakter legen, dass dieser Aspekt zu stark dem künstlerischen Anspruch untergeordnet, im Endeffekt gar nicht beachtet wird? Ein Besuch im Theater, in de Oper ist, darf und muss für die Besucherin, den Besucher ein Erlebnis, Event sein!

 

 

3.) Theater und Politik

Georges Delnon      Intendant der Staatsoper Hamburg

Stephan Märki         Intendant Städtisches Theater Cottbus             ab Spielzeit 2020/2021

Barbara Mundel       Intendantin Münchner Kammerspiele               ab Spielzeit 2020/2021

Andreas Beck          Intendant Residenztheater München

 

Theaterproduktionen werden in den Augen aussenstehender oft sind sehr aufwändig produziert und als elitär bezeichnet. Die Politik fragt bei der Finanzierung von Kulturaktivitäten oft nach dem wirtschaftlichen Nutzen!“ Dazu kommt auch immer wieder politische Forderungen, dass Theater- Kulturinstitutionen ganz allgemein eine wesentlich höhere Eigenwirtschaftlichkeit aufweisen sollten. Ist Kultur und Bildung, Theater ist ja auch Bildung, in jeder Form nicht eine Pflicht, ein Muss, der öffentlichen Hand ohne die Frage nach der Wirtschaftlichkeit?

 

Andreas Beck: Sie haben völlig Recht, grundsätzlich sollte – nein: muss – Kultur, denn sie wird ja darum öffentlich finanziert, allen zugänglich sein. Das ist übrigens mein Credo, und so versuche ich nicht nur ein Programm für alle Bevölkerungsschichten zu gestalten, sondern auch beim Ticketing nach und nach und immer weiter neue Angebote zu erstellen. Der Kauf einer Theaterkarte darf nicht am Geldbeutel scheitern. 

Das andere Extrem, also dass Theater eben Geschäft – nennen wir es Showbiz – ist, finden Sie im angelsächsischen Raum; dort können Sie erleben, dass Theater sich weitgehend selbst tragen. Nur was das bedeutet, können Sie dort auch sehen: Da ist Theater nämlich ausserhalb der grossen Metropolen nicht mehr vorhanden. Wenn Theater rein wirtschaftlich verstanden wird, werden nicht nur nicht nur Standorte riskiert, sondern auch die Möglichkeit, dass Theater für jedermann zugänglich ist – lokal wie preistechnisch. In kleineren Stadtregionen wird es wahrscheinlich keine Theater mehr geben wird, weil diese wirtschaftlich nicht mehr tragbar, lies interessant, wären. Man schaue nur auf die Musicaltheater. Daran erkennt man sehr schön, dass in den Nicht-Metropolregionen grosse Produktionen oder A-Produktion überhaupt nicht gezeigt werden.  Ich denke aber auch: Kunst- und Kultur-Institutionen sind besonders für kleinere Stadtregionen wichtige Aushängeschilder, die nicht nur den Wirtschaftsstandort, sondern auch den Lebensort interessant machen – und sicher wettbewerbsfähiger. Theater geben immer wieder eine schöne Visitenkarte für die jeweiligen Städte und die Regionen ab.

Zu bedenken ist auch, dass Theater nicht nur einen Unterhaltungswert, sondern auch einen Bildungsauftrag hat. Als Beispiel der Arbeiterbildung nenne ich Die Freie-Volksbühnen-Bewegung in Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die vor allem durch Theater stattfand. Interessanterweise sind es heutzutage gerade national-konservative Kreise, die den Bildungsauftrag des Theaters oder der Kulturinstitutionen überhaupt gefährden, da sie für starke Kürzungen im Kulturbereich einstehen – früher waren es eher linke Gruppierungen, die sich gegen die vermeintlich elitären Kulturbetriebe stellten. 

Andreas Beck war 2016 Intendant des Theater Basel

Barbara Mundel: Solche Gespräche auf politischer Ebene gibt es immer wieder. Daraus ergibt sich natürlich nicht nur die Frage nach der Zukunft eines Theaters. Auch die Zukunft der Stadt, der Gesellschaft wird hinterfragt. Wollen wir in einer Stadt leben, in welcher Mann/Frau nicht mehr einfach ins Theater gehen kann? Diese Sätze werden nie formuliert, sie sind nur unterschwellig präsent! Ich habe das Gefühl, dass recht verlogene Debatten geführt werden. Niemand hat den Mut, ehrlich zu kommunizieren:' Wir wollen diese Art von Theater nicht mehr'! Man verlangt, dass ein Theater spart, viele Vorstellungen zu einem günstigen Preis anbietet und erst noch eine hohe Eigenwirtschaftlichkeit aufweisen muss. Mit den von mir unbestrittenen Tarifverträgen und anderen personalrechtlichen Vorgaben sind Sparmöglichkeiten sehr beschränkt. Natürlich könnten wir hingehen und einen anderen Betrieb aufgleisen. Gastspieltheater und ähnliche Gedanken aus der Politik werden immer wieder an uns herangetragen. Keine dieser Ideen hat landesweit zu wirklichen Einsparungen geführt. Subventionen sind dazu da, ein Theater bei relativ günstigen Eintrittspreisen gut zu führen. Wenn ich träumen könnte, wurde ich die Preise senken. Schön wäre es, wenn Theater nicht viel teurer wäre als ein Kinobesuch. Doch: Tiefere Eintrittspreise bedingen höhere Subventionen oder würden eine Reduzierung des Betriebes erzwingen. Dabei ist zu anzumerken, dass europaweit Honorare und Saläre ungefähr 80% der jeweiligen Budgets ausmachen. Das Theater Freiburg ist, wie Theater in vielen Städten Europas und weltweit, Ausbildungsbetrieb für viele Berufe!

Barbara Mundel war 2014 Intendantin des Theater Freiburg

 

Georges Delnon: Für sehr viele Politiker gehört Kultur nicht in die erste Priorität, vor allem nicht für Investitionen oder Subventionen. Viel wichtiger, und da herrscht ein Konsens in der Mehrheit der Bevölkerung sind Gesundheit, Verkehr, Wirtschaft. Dagegen hat Kultur in den Diskussionen einen schwachen Stand. Auch habe ich den Eindruck, dass in allen politischen Gremien immer mehr Leute sitzen, für welche der Begriff Kultur, wie er uns Theaterleuten wichtig ist, nicht mehr eine so wichtige Rolle spielt. Aus diesem Grunde haben wir keine starke, kämpferische Lobby in den Entscheidungsgremien. Das führt dann auch immer wieder zu kulturnegativen Vorstössen. Nur in den Theatern wird immer wieder gespart während in anderen Bereichen Millionen investiert werden.

Der Begriff Kultur hat sich in den letzten Jahren sehr stark geändert hat. Der Begriff wird breiter angewandt, das Internet wurde immer wichtiger und aus diesem Grund wird es für Institutionen wie Oper, Schauspiel und Ballett nicht einfacher, sich breit und prominent zu profilieren. Politiker und Politikerinnen fordern wesentlich höhere Eigenwirtschaftlichkeit. Der politische Trend sollte eigentlich eher umgekehrt liegen: Tiefere Preise mehr Zuschauer? Dies würde wahrscheinlich einen höheren Subventionsgrad bedingen. Preise senken um mehr Zuschauer und ein heterogeneres Publikum ansprechen jedoch kann nie eine direktoriale Entscheidung sein. Hier müssen sich alle verantwortlichen Gremien einig sein. Nicht vergessen darf in allen Finanz-Diskussionen, dass ein Theater auch Arbeitgeber ist. Alle Theatermitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind immer auch Steuerzahler und Konsumenten.

Die Politik hat in der Kulturpolitik und nicht nur in der Kulturpolitik die Tendenz Äpfel mit Birnen zu vergleichen, zu verwechseln. Es wird zu oft nicht wahrgenommen, dass es um Arbeitsplätze, Steuerzahler geht. Und dies nicht nur im Theater, sondern auch in vielen auswärtigen Betrieben, welche mit den Theatern, für diese arbeiten. Auch sind wir ein Ausbildungsbetrieb für viele Berufe. Daher kann man ein etabliertes Theater nicht mit einem Festival vergleichen. Natürlich könnten Theaterintendanten auch als Festivalorganisatoren arbeiten und aus aller Welt die besten Künstler einladen. Dann aber verlieren die Stadttheater wie das Theater Basel ihren Sinn als Pfeiler der etablierten Stadtkultur.

Georges Delnon war 2014 Intendant des Theater Basel

 

Stephan Märki: Diese Erfahrung habe ich in Bern nicht gemacht. Ich bin auf einen breiten gesellschaftlichen und politischen Konsens gestoßen, das neue Konstrukt „Konzert Theater Bern“, den Zusammenschluss des Stadttheaters Bern mit dem Berner Symphonieorchester zu einem Vierspartenhaus, zu unterstützen. Die Stadt Bern ist ein komplexes Gebilde, ist Kantonshauptstadt und Bundesstadt. Auch die Subventionierung der Kulturinstitutionen und der sehr starken freien Szene Berns ist komplex. Unsere Subventionen kommen zu 50% aus dem Kanton Bern, zu 39% aus der Stadt Bern und zu 11% aus den 80 Regionsgemeinden.

Diese Unterstützung wird alle vier Jahre neu verhandelt, von den politischen Gremien abgesegnet und muss vom Souverän in einer Volks-Abstimmung gutgeheissen werden. Ein Vierspartenhaus muss entsprechend mit einer eigenen Identität auftreten und lebendig spürbar sein. Dieser Anspruch führt immer wieder zu vielfältigen Diskussionen, aber eine solche Institution muss eben für seine Daseinsberechtigung einstehen. Ich kämpfe gerne, das ist mir lieber, als ein Haus von meinem Vorgänger zu übernehmen und mehr oder weniger auf die gleiche Weise weiterzuführen.

Konzert und Theater als öffentliche Institutionen sind nicht dazu da und sind auch nicht dazu geeignet, im kommerziellen Sinn zu wirtschaften. Kultur muss, wie Bildung und Straßen, für jedermann erschwinglich sein. Eine Ausrichtung auf ökonomische Rentabilität macht diesen Kulturgenuss kostspieliger und wird schlussendlich nur noch für eine gutbetuchte Elite zugänglich sein. Ich spreche auch nicht gern von Subventionierung, sondern von öffentlicher Finanzierung. Diese Finanzierungsart ist dazu da, durch ein kontinuierliches künstlerisches Angebot mit den Ensembles, also mit fest angestellten künstlerischen Mitarbeitern, eine Identität vor Ort mit dem Ort zu schaffen. Das heißt: Konzert Theater Bern ist ein Repertoiretheater, das, im Gegensatz zu einem Event, ein (Aus-)Bildungsbetrieb in allen Bereichen ist – mit der künstlerischen Perspektive, unsere kulturelle Herkunft, unser gesellschaftliches Miteinander, unsere politische Kultur aus heutiger Sicht dauernd neu zu untersuchen. Um dies zu erreichen, muss man alles zur Diskussion, in Frage stellen und auch mal daran scheitern können. Dies ist nur möglich dank der öffentlichen Finanzierung, die nur begrenzt ökonomische Komponenten im Sinne der Eigenrentabilität beinhaltet.

Wir behalten aber natürlich unseren Eigenfinanzierungsgrad im Auge. Zum einen, weil der wirtschaftlich verantwortungsvolle Umgang mit öffentlichen Geldern zu den edlen, also selbstverständlichen Pflichten eines Intendanten gehört; zum anderen ist der Eigenfinanzierungsgrad, der wesentlich über die Eintrittsgelder erwirtschaftet wird, auch ein wichtiger Gradmesser dafür, ob man mit dem künstlerischen Programm auch die Interessen des Publikums trifft.

Stephan Märki war 2015 Intendant des Konzerttheater Bern

Die Gespräche führte Peter Heuberger in den Jahren 2014 bis 2018

 

 

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