DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
Startseite
Unser Team
Impressum/Copyright
Christoph Zimmermann
---
Kontrapunkt
Die OF-Schnuppe :-(
Der OF-Stern * :-)
Opernpremieren 18/19
NRW Vorschau aktuell
KINO Seite
Neue Silberscheiben
Buchkritik aktuell
Oper DVDs Vergleich
-----
Aachen
Aachen Sonstige
Aarhus
Abu Dhabi
Bad Aibling
Altenburg Thüringen
Altenburg Österreich
Amsterdam DNO
Amsterdam Th. Carré
Amst. Concertgebouw
Andechs
Annaberg Buchholz
Ansbach
Antwerpen
Arnheim
Aschaffenburg
Athen
Athen Onassis Cultur
Augsburg
Avignon
Bad Ischl
Bad Reichenhall
Bad Staffelstein
Baden bei Wien
Baden-Baden
Badenweiler
Baku
Bamberg
Bamberg Konzerte
Basel
Basel Konzerte
Basel Musicaltheater
Basel - Casino
Basel Sonstige
Bayreuth div.
Pionteks Bayreuth
Bayreuth Festspiele
Belogradchik
Bergamo
Berlin Deutsche Oper
Berlin DO WA
Berlin Staatsoper
Berlin Staatsoper WA
Berlin Kom. Oper
Berlin Kom. Oper WA
Berlin Neuköllner Op
Berlin Konzerte
Berlin Ballett
Berlin Sonstige
Bern
Bielefeld
Bochum Ruhrtriennale
Bochum Konzerte
Bochum Sonstiges
Bologna
Bonn
Ära Weise 2003-2013
Bordeaux
Bozen
Brasilien
Bratislava
Braunschweig
Braunschweig Konzert
Bregenz Festspiele
Bremen
Bremen Musikfest
Bremerhaven
Breslau
Britz Sommeroper
Brünn Janacek Theate
Brünn Mahen -Theater
Brüssel
Budapest
Budap. Erkel Theater
Buenos Aires
Burgsteinfurt
Cagliari
Casciana
Chemnitz
Chicago
Coburg
Coburg Joh. Strauss
Coesfeld
Colmar
La Coruna
Cottbus
Crevoladossola
Darmstadt
Dehnberg
Den Haag
Dessau
Dessau Weill Fest
Detmold
Dijon
Döbeln
Dortmund
Dortmund alt
Dortmund Ballett
Dortm. Konzerthaus
Dortmund Sonstiges
Dresden Semperoper
Dresden Operette
Dresden Ballett
Dresden Konzert
Duisburg
Duisburg Sonstiges
MusicalhausMarientor
Düsseldorf Oper
Rheinoper Ballett
Düsseldorf Tonhalle
Düsseldorf Sonstiges
Schumann Hochschule
Ehrenbreitstein
Eisenach
Ekaterinburg
Enschede
Erfurt
Erl Festspiele 2015
Erl Festspiele 2014
Erlangen
Essen Aalto Oper
Essen Aalto Ballett
Essen Aalto WA
Essen Phil NEU
Essen Philharmonie
Essen Folkwang
Essen Sonstiges
Eutin
Fano
Fermo
Flensburg
Florenz
Frankfurt
Frankfurt WA
Bockenheimer Depot
Frankfurt Alte Oper
Frankfurt Oder
Freiberg
Freiburg
Füssen
Fürth
Fulda
Sankt Gallen
Gelsenkirchen MiR
Genova
MiR Ballett
Genf
Gent
Gera
Gießen
Glyndebourne
Görlitz
Göteborg
Gotha Ekhof-Festsp.
Graz
Graz Styriarte
Graz Konzerte NEU
Graz Konzerte alt
Graz Sonstiges
Gstaad
Gütersloh
Hagen
Halberstadt
Halle
Halle Händelfestsp.
Hamburg StOp
Hamburg StOp Wa
Hamburg Konzert
Hamburg Sonstige
Hamm
Hanau Congress Park
Hannover
Hannover Sonstiges
Heidelberg
Heidenheim Festsp.
Heilbronn
Heldritt
Helsinki
Hildesheim TfN
Hof
Hohenems
Gut Immling
Ingolstadt
Innsbruck Landesth.
Innsbruck Festwochen
Jekaterinburg
Jennersdorf
Kaiserslautern
Karlsruhe
Karlsruhe Händel
Kassel
Kiel
Kiew
Bad Kissingen
Klagenfurt
Klosterneuburg
Koblenz
Oper Köln
Wa Oper Köln
Köln Konzerte
Köln Musical Dome
Köln Sonstiges
Konstanz Kammeroper
Kopenhagen
Krummau a.d. Moldau
Krefeld
Kriebstein
Landshut
Langenlois
Bad Lauchstädt
Leipzig Oper
Leipzig Mus. Komödie
Leipzig Ballett
Lemberg (Ukraine)
Leoben
Leverkusen
Lille
Linz/Donau
Linz Sonstiges
Ljubljana/Laibach
Loeben
London ENO
London ROH
London Holland Park
Lucca
Ludwigshafen
Luisenburg
Lübeck
Lübecker Sommer
Lüneburg
Lüttich/Liège
Luxemburg
Luzern
Lyon
Maastricht
Macerata
Madrid
Magdeburg
Mahon (Menorca)
Mailand
Mainz
Malta
Mannheim
Mannheim WA
Mannheim Opernstudio
Maribor/Marburg
Marseille
Martina Franca
Massa Marittima
Meiningen
Melbourne
Meran
Minden
Minsk
Miskolc
Modena
Mönchengladbach
Mörbisch
Monte Carlo
Montpellier
Montréal
Moskau Bolschoi N St
Moskau Sonstige
München NT
München NT Wa
München Cuvilliés
MünchenPrinzregenten
München Gärtnerplatz
München Ballett
München Sonstige
Münster
Münster Konzerte
Münster Sonstiges
Muscat (Oman)
Nancy
Nantes
Neapel
Neuburger Kammeroper
Neuburg/Donau
Neustrelitz
Neuss RLT
New York MET
Nizhny Novgorod
Nordhausen
Novara
Nürnberg
Nürnberg Gluck Fest
Nürnberg Konzerte
Oberammergau
Oberhausen
Odense Dänemark
Oldenburg
Ölbronn
OperKlosterNeuburg
Oslo
Osnabrück
Ostrau
Palermo
Paris Bastille
Paris Garnier
P. Champs-Elysées
Théâtre du Châtelet
Opéra Comique
Paris Ballett
Paris Philharmonie
Paris Versailles
Paris Sonstiges
Parma
Passau
Pesaro
Pfäffikon
Piacenza
Pisa
Pforzheim
Plauen
Posen
Potsdam
Prag StOp
Prag Nationaltheater
Prag Ständetheater
Radebeul
Raiding
Recklinghausen
Regensburg
Reggio Emila
Remscheid
Rendsburg
Rheinsberg
Riga
Rosenheim
Rouen
Rudolstadt
Ruhrtriennale
Saarbrücken
Saint Etienne
Salzburg Festspiele
Salzburg LT
Salzburg Osterfestsp
Salzburg Sonstiges
San Francisco
San Marino
Sankt Petersburg
Sarzana
Sassari
Savonlinna
Oper Schenkenberg
Schloss Greinberg
Schwarzenberg
Schweinfurt
Schwerin
Schwetzingen
Sevilla
Singapur
Sofia
Solingen
Spielberg
Spoleto
Staatz
Stockholm
Stralsund
Straßburg
Stuttgart
Stuttgart Ballett
Sydney
Szeged (Ungarn)
Tampere (Finnland)
Tecklenburg
Tel Aviv
Teneriffa
Toggenburg
Tokyo
Toulon
Toulouse
Tours
Trapani
Trier
Triest
Turin
Ulm
Valencia
Valle d´Itria
Venedig Malibran
Venedig La Fenice
Verona Arena
Weimar
Wels
Wernigeröder Festsp.
Wexford
Wien Staatsoper
Wien TadW
Wien Volksoper
Wien Konzerte
Wien Ballett
Wien Sonstiges
Wiesbaden
Wiesbaden Wa
Bad Wildbad
Winterthur
Wolfenbüttel
Wolfsburg
Wunsiedel
Wuppertal
Würzburg
Zürich
Zürich WA
Zürich Ballett
Zürich Theater 11
Zürich Konzert
Zürich Sonstiges
Zwickau
---
INTERVIEWS A - F
INTERVIEWS G - K
INTERVIEWS L - P
INTERVIEWS Q - Y
---
Bilsing in Gefahr
YOUTUBE Schatzkiste
Jubiläen
HUMOR & Musikerwitze
Musical
Essay
Nationalhymnen
Leser reisen
Doku im TV
Oper im Fernsehen
Oper im Kino
Lenny Bernstein 100.
Unsitten i.d. Oper
Herausgeber Seite
Buckritiken alt
Wiesbaden Archiv
---
---

 

MANON LESCAUT                       

Aufführung am 9.4.19

Premiere am 31.3.19

Sinnlichkeit und Leidenschaft, wo bleibt Ihr?

Der von Riccardo Chailly den Erstfassungen von Giacomo Puccinis Opern gewidmete Zyklus wurde nun mit dessen dritten Oper, dem ersten ganz großen Erfolg des Meisters, fortgesetzt. Auch an „Manon Lescaut“ tüftelte er nach der in Turin 1893 erfolgten erfolgreichen Uraufführung noch herum und erstellte die heute international geläufige Fassung. Wie üblich wollte Chailly dem Publikum die ursprüngliche Version nicht vorenthalten. Es gibt zwei Unterschiede, die das Finale jeweils des 1. und des 4. Aktes betreffen. Am Schluss des ersten Akts steht nach der überstürzten Flucht von Manon und Des Grieux noch eine Szene, in der Manons Bruder Lescaut dem alten Geronte di Ravoir, dem er die Schwester gegen gutes Geld überlassen wollte, auseinandersetzt, dass die junge Dame es nicht lange mit einem mittellosen Studenten aushalten und er sie ihm, Geronte, bald wiederbringen würde (was ja, wie wir wissen, tatsächlich geschieht). Dem folgt noch ein großes Chorensemble. Im Schlussakt ist die Arie „Sola, perduta, abbandonata“ länger. Mögen diese von Puccini gestrichenen bzw. gerafften Szenen für den Opernkenner von einem gewissen Interesse sein, so muss man doch Puccinis untrüglichem Bühneninstinkt recht geben und die allgemein bekannte Fassung vorziehen.

Für das seit 1998 an der Scala nicht mehr gespielte Werk wurde als Regisseur David Pountney geholt, der sich von Leslie Travers ein überaus aufwendiges Bühnenbild entwerfen ließ. Der 1. Akt ist hinreißend gelungen, mit seiner Bahnhofsatmosphäre (die Handlung wurde in die Entstehungszeit der Oper verlegt) und einer Bar mit eleganten Leuchten, in die dann ein Zug einfährt, den die frisch Verliebten benutzen, um zu fliehen. Im zweiten Akt sehen wir anstelle der Räumlichkeiten bei Geronte das Innere von zwei Luxussalonwagen, also wird das Grundthema der Bahn aufrecht erhalten, was sich im 3. und auch im letzten Akt fortsetzt. Für die Deportation sehen wir einen Waggon, den man früher als 3. Klasse bezeichnet hätte, aber auch einen großen Schiffsrumpf, der schließlich majestätisch von dannen dampft. Im Schlussbild sind die Dünen einer Wüste zu sehen, aber auch Reste eines zerstörten Zugs.

Wie nutzt Pountney nun dieses Ambiente? Als im Bahnhof zunächst ein weiß gekleidetes junges Mädchen mit obligatem Strohhut auftaucht, das von Des Grieux und dann von Geronte umworben wird, während die erwachsene Manon auf dem Karren liegt, den wir im 4. Akt wiedersehen werden, ist es einleuchtend, dass einer reifen Frau mädchenhaftes Getue erspart werden soll (Manon singt dann die ersten Worte noch auf dem Karren). Wenn allerdings Mägdelein aller Altersstufen erscheinen, die auch den 2. Akt beleben werden, in dem Geronte als rechter Voyeur und (fast) Pädophiler dargestellt wird, und zum Schluss nochmals auftauchen, scheint diese Lösung doch recht plump und gewollt. Dies gilt auch für die Figur des als Stutzer gekleideten Studenten Edmondo, der auch als Tanzlehrer und Laternenanzünder auftritt, welche Gestalten nicht ganz überzeugend zu einer das Böse verkörpernden Figur gebündelt werden. Recht seltsam ist auch die Behandlung des Chors, der, um lebhaftes Treiben auf dem Bahnhof darzustellen, rhythmisch vor und zurück schreiten muss (Choreographie: Denni Sayers). Der Chor wird übrigens, schwarz gekleidet und mit Zylinder, drei Akte hindurch das Geschehen, zum Teil von einer Galerie aus, zynisch kommentieren. Schwierig wird die Personenregie im 2. Bild, wenn die Interpreten abwechselnd zwischen den zwei Waggons auftreten müssen, was vor allem nicht gut für das große Duett Manon-Des Grieux ist. Der Musico und seine Begleitung treten im Kostüm des 18. Jahrhunderts auf, zeigen aber bei ihrem Abgang ein wenig bekleidetes Hinterteil, um das verdorbene Ambiente bei Geronte hervorzuheben. Der 3. Akt geht szenisch überzeugend vorbei, während im 4. nicht so sehr das Wiederauftauchen der verschiedenen, Manons Weg begleitenden, Figuren stört, sondern dass Des Grieux noch während ihrer letzten Worte („Ma l'amor mio non muore“) schon abgeht.

Riccardo Chailly ist ein mehr als kompetenter Sachwalter von Puccinis Werk, aber diesmal schien er allzu verliebt in diese Oper, sodass er mehrmals zu sehr langsamen Tempi neigte (vor allem im Intermezzo), aber andererseits natürlich die Musik schön aufblühen ließ, speziell die tiefen Streicher. Ganz ausgezeichnet wieder der von Bruno Casoni einstudierte Chor des Hauses.

In der Titelrolle bot Maria José Siri Gesang vom feinsten. Da saßen alle Spitzentöne, wurden alle Angaben in der Partitur beachtet, aber – leider ist Siri keine Manon. Der sympathischen Sängerin fehlt jeder Hauch von Frivolität, ihre Ausstrahlung ist immer bieder. Allerdings ist das Raunzen auf hohem Niveau, denn es ist bewundernswert, wie sie gesanglich alle Hürden mit größter Sicherheit nimmt. Vor Vorstellungsbeginn war Intendant Alexander Pereira vor dem Vorhang erschienen und hatte angekündigt, dass Roberto Aronica (bei dieser vierten Vorstellung weiterhin der Ersatz für Marcelo Álvarez, der nur die Premiere gesungen hatte) schwer verkühlt war und noch in medizinischer Behandlung stand. So fing die Vorstellung mit 15-minütiger Verspätung an. Im 1. Akt ließ Aronica das Schlimmste befürchten, so belegt klang sein Tenor. Ab dem 2. hatten die Spritzen offenbar ihre Wirkung getan, denn er sang nun sicher und fürchtete auch die dramatischen Stellen nicht. Allerdings fehlen seiner Stimme in jedem Fall Sinnlichkeit und morbide Zärtlichkeit. Als Schauspieler blieb er passiv wie Siri, was schon Pountney angelastet werden sollte. In der undankbaren Rolle des Lescaut sang und spielte Massimo Cavalletti mit einer gewissen Wendigkeit. Ausgezeichnet Carlo Lepore, der dem Geronte nicht nur viel Bösartigkeit, sondern auch einen gesunden Bass lieh. Marco Ciaponi in seiner Dreifachrolle als Edmondo usw. war szenisch überzeugend, stimmlich hätte man sich nicht unbedingt einen Charaktertenor gewünscht. Als Musico stand Alessandra Visentin einer Reihe nicht weiter auffälliger Comprimari vor.

Obwohl es sich um eine Produktion handelt, die den Zuschauer nicht unbedingt vom Sessel reißt, so war die Publikumsreaktion doch besonders schwach (vermutlich auch darauf zurückzuführen, dass sich Chailly Szenenapplaus verbeten hatte, sodass sich die Leute noch weniger zum Applaudieren angeregt sahen). Es war geradezu peinlich, wie nach dem ersten höflichen Dank an die auf der Bühne versammelten Mitwirkenden diese noch für weitere Vorhänge direkt hinausgestoßen wurden.

 

Eva Pleus 14.4.2019                                                                                                                           

Bilder: Brescia&Amisano / Teatro alla Scala

 

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de