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SIEBENFACHER MACBETH

6 mal würde sich Verdi im Grab umdrehen

 

1.DGG ( 073 4380) 2 DVDs, Film 1987

„Klassisch und fast vollkommen!“

Ich gebe es ja zu, dass ich Opernfilme eigentlich gar nicht mag. Denn das Kunstprodukt Oper verträgt sich mit dem blanken Naturalismus nicht. Und meist wird die Musik dann zur reinen Bilduntermalung herabgewürdigt. Nicht aber hier. Sicher deshalb, weil der musikalische Teil von besonderer Qualität ist: dafür sorgen  schon Shirley Verret und Leo Nucci, die beide  ganz außerordentlich gute Rollenvertreter sind. Vor allem Nuccis hier noch vollklingendem Bariton liegt die Verdikantilene. Rein gesanglich ist er wohl der beste Macbeth von allen hier Gehörten. Das gilt auch für den Macduff Verano Luchettis! Dieses Ensemble ist wirklich auch nach 30 Jahren noch kaum erreicht, geschweige denn übertroffen. Riccardo Chailly sorgt ganz unaufdringlich für authentischen Verdiklang. Die Regie geht recht achtsam zu Werke und ertränkt die Musik nicht in Bilderfluten. Das feuchtgraue Gemäuer der archaischen Burg in Frankreich passt ausnehmend gut zur düsteren Handlung und so werden bildmächtige Szenarien gestaltet, die schon unter die Haut gehen. Befremdlich aber die Hexenszene, bei der nackte „Wilde“ wie auf einem Affenfelsen im Zoo umherhüpfen. Aber auch bei den anderen Einspielungen ist ja die Gestaltung der Hexenszene schwach bis albern, da haben die modernen Regisseure wohl Angst vor Kitsch? Trotz dieses Einwandes gilt uneingeschränkt: wer Opernfilme mag, wird eine authentischere  Einspielung nicht finden.

 

2. Arthaus Musik ( 101 563) 1DVD, Zürich, 2001

„Lady Macbeth von Zürich“

In Zürich dominiert Paoletta Maroccus Lady die Aufführung, wenn auch manchmal etwas scharfstimmig. Das tut der packenden Charakterisierung keinen Abbruch. Im Gegenteil. Auch Thomas Hampson ist schauspielerisch sicher der derzeit kompetenteste Darsteller des Mr. Macbeth. Spielt er doch seine Angst nicht nur, sondern er scheint sie wirklich zu erleben. So entsteht ein außerordentlich überzeugendes Rollenporträt, obwohl er stimmlich sicher manchmal auch über seine Grenzen kommt. Sehr geholfen hat ihm der hervorragende Sängerdirigent Franz Welser-Möst, der das Orchester stark zurückgenommen hat. Und trotzdem schafft er noch die nötige Ausdrucksgewalt. Ganz nebenbei beweist er aber gerade damit seine wirklich große Dirigierkunst. Die erschöpft sich eben nicht in der heute allgemein üblichen brutalen Lautstärke. Aus dem durchwegs sehr guten Ensemble ragt noch Roberto Scandiuzzi als Banco überzeugend hervor. David Pountney hat das Ganze inszeniert und seinetwegen hätte ich fast schon bei der ersten Hexenszene abgedreht. Was ihm da an Unsinn mit strickenden, Hula-Hoop-Reifen spielenden, spießigen und knallbunten Hausfrauen einfiel, entspricht voll dem heute oft anzutreffenden Regieblödsinn. Aber gut, dass ich doch nicht abschaltete! Denn insgesamt gelang ihm eine außerordentlich spannende und interessante Inszenierung. Sonderbares und Phantasievolles gibt es aber immer noch genug zu sehen. Die genial stimmungsvollen Bühnenbilder von Stefan Lazaridis würden die Inszenierung allein schon interessant genug machen. Wer eine auch intellektuell packende Aufnahme sucht, der sollte  schon zugreifen.

 

3. Naxos BEL-AIR (B004QDNSJC) 2DVDs, Paris, 2011

„Zwei Serienkiller im Reihenhaus“

Meine Güte, das war doch vor 20 Jahren schon ein alter Hut, wenn da spätpubertierende Jungregisseure mit verblödelnder Primitivtrivialisierung des Operninhalts den Bildungsbürgern ihre Opern um die Ohren klatschten. Dass das heute von fanatischen Regietheateranhängern und Feuilletonschwätzern immer noch bejubelt wird, ist ja kaum zu glauben. Denn eigentlich ist das früher vielleicht mal  nötige Regietheater doch längst an lahmer Einfallslosigkeit verstorben. Das zeigt Tscherniakows fader Aufguss mit uralten Regietheaterrequisiten überdeutlich: Da morden Herr und Frau Kleinbürger Macbeth in der Wohnküche serienweise Nachbarn oder Kollegen oder wen eigentlich? Ja und  warum eigentlich? Antwort und Motivation bleibt uns der bejubelte Regiestar ebenso schuldig, wie jegliche Personenführung. Und wenn der Herr Macbeth dann endlich in Unterhosen am Küchentisch stirbt, ist einem das wirklich völlig schnuppe. Ja wenn wenigstens zu all dem lahmen Unfug gut gesungen würde! Aber da habe ich sogar in der Provinz schon besseres erlebt. Und Currentis, der andere hochgejubelte Shootingstar, hetzt mal ohrenbetäubend laut durch die Partitur und lahmt dann wieder in zäher Zerdehnung. Die Kritik bejubelt das als aufregend neuen Verdistil. Wie Verdi aufregend modern dirigiert wird, zeigen Conlon, Welser-Möst und Luisi ganz unaufdringlich auf den anderen DVDs. Vielleicht sollte der Herr Stardirigent deren Aufnahmen mal aufmerksam anhören. Und die ihn hochjubelnden Musikschwätzer gleich mit. Im Zweifelsfall aber kapieren sie den Unterschied gar nicht, denn  wenn etwas neu ist, muss es ja besser sein!

 

4.DGG ( 073 5234) 1Blu-ray, Met, 2014

„Die Lady Macbeth als Netrebko“

Natürlich dominiert die Netrebko die gesamte Einspielung. Nicht nur, weil sie ein ganz neues Rollenporträt einer sexy Lady abseits aller Klischees eines Horrorweibes schafft. Sondern auch, weil Spiel und Gesang zu einer überwältigenden Einheit verschmelzen, und die gefürchteten gesangstechnischen Probleme dieser Monsterrolle noch nicht einmal zu ahnen sind. In der Übertragung aus Berlin 2018 konnte man dann erstaunt   feststellen, dass sie diese Leistung aus der MET 4 Jahre später sogar noch steigern konnte. Neben ihr verblasst der ohnehin etwas blasse Lucic schon ein wenig. Seit ich ihn vor vielen Jahren begeistert in dieser Rolle erstmals erlebte, hat er leider nicht hinzugewonnen. Das  grausliche Geschehen ist hier leider wieder mal  in die Gegenwart verlegt! Das trivialisiert den mystischen Hintergrund und nimmt den Personen die archetypische Bedeutung. Idiotisch, wie meistens, auch hier die Hexenszenen. Die zeigen einen amerikanischen Frauenverein mit Kompotthütchen. Sollte das gar eine sozialkritische witzige Anspielung auf diese Frauenvereine  sein? Die schönen Bühnenbilder trösten aber auch darüber hinweg. Auch Fabio Luisi hilft vom  Pult her, das alles  zu vergessen. Er dirigiert wie immer  differenziert, temperamentvoll und doch sensibel. Letztendlich  bleibt also nur: unbedingt kaufen und Begeisterung pur erleben!

    

5. Warner Music (B001D6OKUQ) 2 DVDs, Met 2008

„Die andere Lady“

Warner Music bietet dieselbe Inszenierung an, aber statt  Netrebko mit Maria Guleghina. Diese ebenfalls ganz hervorragende Künstlerin zeigt  ein eher konventionell böses Klischee der bösen Lady. Bei einigen Spitzentönen kann sie ihre Mühe nicht ganz verbergen. Dennoch eine großartige Leistung. Im Vergleich mit Netrebko beweist sich aber halt wieder mal die alte Regel, dass das „Außerordentliche“ leider der schlimmster Feind des „sehr Guten“ ist. Lucic klingt hier, 6 Jahre früher, noch deutlich  gesünder. Insgesamt also wirklich eine äußerst interessante Variante,  zumal der feurige  Levine mit wesentlich breiterem Pinsel malt als der feinsinnige Luisi. Ich staunte, wie sich die ganze Aufführung dadurch verändert. Man sollte wirklich beide parallel erleben. Es lohnt sich!

 

6.Sony (889 854 03579) 2DVDs, LA - Opera 2016

 „Macbeth und die netten Teufelchen!“

Das ist sicher eine Inszenierung so recht nach dem Geschmack des amerikanischen Publikums. Herrliche Kostüme, leicht verständliche und effektvolle Personenführung, ein äußerst wirkungsvolles Bühnenbild und als Dreingabe eine fulminante Hexenszene, mit allgegenwärtigen herumkletternden Teufelinnen, damit man wenigstens etwas zum Nachdenken hat. Die riesigen Gespenster-Pappmacheeköpfe im 3. Akt aber, ja die würden in Deutschen Opernhäusern Lachsalven ohne Ende hervorrufen. Trotzdem: nach all dem Verfremdungsunfung und Trivialisierungsgemansche wird hier Verdi mal wieder ernst genommen. Und man kann sich auf seine szenischen Eingebungen wirklich genauso verlassen, wie auf seine musikalischen. Für deren Realisierung garantieren der hellwache James Conlon als Dirigent und ein wahres Traumensemble. Allen voran der unverwüstliche Domingo als fast idealer, wenn auch zu tenoraler Macbeth, dem in der Baritonlage schon oft die Durchschlagskraft fehlt. Verdi hat ja, nicht nur wegen der Klangbalance, natürlich eine dunkle Stimme vorgeschwebt. Was solls, solche Einwände wiegen nicht allzu schwer, angesichts einer vor allem darstellerischen Präsenz, wie sie wenig  andere haben! Zumal er hier in besserer Form sang, als bei der Berliner Übertragung 2 Jahre später. Seine Lady Ekaterina Sementchuk singt ganz außerordentlich großstimmig, wurde aber darstellerisch von der Regie  wohl total verlassen. Hildebrando d‘ Àrcangelo ist die reinste Luxusbesetzung für Banco. Und der Beste von allen Bancos. Interessant auch Josua Guerreros Macduff, der Calleja in der MET Crew locker toppt.

 

7. Naxos (NBD0077V) 1 Blu-ray, Palermo 2017

„ Die Lady und die fahrenden Betten “

Also verstecken braucht sich diese allerneueste Aufnahme neben denen aus den großen Bühnen wirklich nicht. Dafür sorgt allein schon der ausdrucksstarke Macbeth des fulminanten Roberto Frontali.  Aber auch die Inszenierung von Emma Dante hat interessante neue Ansätze, bleibt aber manchmal im allzu Verrätselten stecken. So, wenn zur Schlafwandlerszene lauter weiße Betten auf der Bühne herum fahren. Oder die Hexen, die  jeder neumodischen Tannhäuserinszenierung zeigen könnten, wie ein Bachanale geht. Andere Albernheiten, wie das Herumklettern auf den überhohen Stühlen oder das Pferdegerippe auf dem Macbeth und seine Lady abwechseln reiten, hätte man sich gerne erspart. Aber die Klage um den toten König in Form einer Christlichen Pieta ist dann wieder ebenso eindrucksvoll wie natürlich auch verblüffend. Die Lady (Anna Pirozzi) singt übrigens ganz außerordentlich stilvollen Verdi, und zeigt, dass die Rolle auch  lyrisch aufgefasst werden kann. Dass sie vom Maskenbildner wie eine alte Indianersquaw hergerichtet wurde, grenzt allerdings schon an Körperverletzung. Marco Mimica als Banco und  Vincenzo Constanzo als Macduff stehen der  prominenteren Met Besetzung überhaupt nicht nach.

Fazit: Wiedermal die Qual der Wahl: natürlich dominierte die DGG – Aufnahme aus der MET mit der großartigen Netrebko  in den Medien. Was aber schon  ungerecht den anderen gegenüber ist. Denn die mit Domingo aus LA ist szenisch viel erfreulicher und die Züricher mit Hampson vom intellektuellen Gehalt her bei weitem anregender. Auch die szenisch recht gewagte aus Palermo, die verblüffend neue Wege geht, verdient es, mal erlebt zu  werden. Und der klassische, ebenso  bildmächtige wie  tonschöne Film bei der DGG, der kann gar nicht genug gepriesen werden.

                                                           

6.3.2019

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de